Newsletter Nr. 3/September 2016

THEMENÜBERSICHT IN DIESEM NEWSLETTER:
 AUFBRÜCHE IN UMBRÜCHEN ★ INKLUSION VON MENSCHEN MIT BEHINDERUNG ★  DIAKONISCHE PILGERREISEN ★ REFORMATION 
AKTION: AUFBRUCHSENERGIETANKSTELLE –
GESCHICHTEN VON NEUANFÄNGEN TEILEN

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Demnächst erscheint:

„Aufbrüche in Umbrüchen. Christsein und Kirche in der Transformation”

Zwischen Mails, WhatsApp und Facebook-Posts kommt es mir manchmal geradezu antiquiert vor, wie genau bei der Buchproduktion gearbeitet wird. Mehrfach gingen die Fahnen für mein neues Buch hin und her zwischen meiner Lektorin und mir, der Setzerin und der Verlegerin, damit die Überschriften und Kolumnentitel sitzen und möglichst keine Fehler mehr im Text sind. Aus der Zeit gefallen? Ich freue mich, dass es solche Sorgfalt noch gibt.

Mehr Abkürzungen auf Twitter, mehr Druckfehler in der Tageszeitung sind nur ein kleines Indiz für die Beschleunigung, mit der wir leben. Und die wiederum ist nur Teil einer viel größeren Transformation, die nicht nur mit Technologie und Globalisierung zusammenhängt. Wir spüren die großen Umbrüche jeden Tag – im Kleinen, Privaten, wie im Großen, Gesellschaftlichen und Politischen. In meinem Buch bin ich diesen Auswirkungen nachgegangen: Ich wollte wissen, was es mit unserem Leben macht, wenn wir ständig unsere beruflichen Tätigkeiten und unsere Wohnorte wechseln und Kontakte vor allem online nachhalten. Wenn sich Städte und Gemeinden verändern durch das Auseinanderdriften der Lebenswelten. Ich wollte aber auch wissen, wie wir in all dem unser eigenes Leben finden: in unserem Körper, unseren Gefühlen, unserer Stimme. Und welche Rolle Kirche spielen kann, um Einzelne und Familien zu unterstützen, um einen neuen Zusammenhalt zu schaffen zwischen denen, die schon lange an einem Ort sind, und denen die dazukommen.

Am 4. Oktober wird das Buch ausgeliefert; dann können Sie es in Ihrer Buchhandlung oder online bestellen.

Vielleicht werden Sie auch auf der Buchmesse sein? Dann kommen Sie doch am Samstag, den 22. Oktober um 17.00 Uhr zum Stand der Deutschen Bibelgesellschaft. Dort stelle ich mein Buch vor und ich würde mich sehr freuen, mit Ihnen über Christsein und Kirche in der Transformation ins Gespräch zu kommen.

coenenmarx-buchCornelia Coenen-Marx 

Aufbrüche in Umbrüchen. Christsein und Kirche in der Transformation

ISBN: 978-3-8469-0252-3, 336 Seiten, 24,90 Euro

Buchvorstellung auf der Frankfurter Buchmesse

Samstag 22.10.2016, 17 Uhr,
Halle 3.1, Stand C 84, Deutsche Bibelgesellschaft

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Aktion: Die Aufbruchsenergietankstelle

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Aufbrechen ist ansteckend. Von anderen Menschen zu hören, wie sie es geschafft haben, sich aus dem täglichen Trott zu befreien und zu neuen Ufern aufzubrechen, wie sie gemeinsam mit anderen etwas gestaltet haben, statt nur Betroffene oder Opfer der größeren Ereignisse zu sein, oder wie sie einfach nur eine ungesunde Gewohnheit abgestreift haben und dadurch neue Kraft gewannen – das macht Mut und gibt Energie für eigene Aufbrüche. In meinem Buch habe ich von vielen Aufbrüchen erzählt, von meinen persönlichen wie von kirchlichen oder anderen Initiativen. Nun würden wir gern eine Art Aufbruchsenergietankstelle etablieren, an der Menschen erzählen, was sie unternommen haben und was sich für sie und andere daraus ergab. Haben Sie Lust, etwas von Ihren Aufbrüchen zu teilen? Dann freue ich mich, wenn Sie Ihre Geschichte auf meiner Seele-und-Sorge-Facebookseite posten unter www.facebook.com/seeleundsorge/?fref=ts.  Als Dankeschön und auch als Zeichen der Verbundenheit unter uns Aufbrecherinnen und Aufbrechern erhalten Sie eine Pilgerkette von Susanne Niemeyer.

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ss_zitatkarte_042Inklusion von Menschen mit Behinderung – eine Herausforderung für die Gemeinden

Offen gestanden, bin ich nicht besonders sportlich. Aber die Paralympics haben mich auch in diesem Jahr wieder begeistert. So schnell, wie da Leute mit Prothesen laufen, hätte ich es auch ohne nie gekonnt und ich bewundere die Energie, die Konzentration, die Ausdauer, mit denen die Teilnehmenden an ihrer sportlichen Meisterschaft arbeiten. Besonders berührt mich der Tandemlauf, bei dem blinde mit sehenden Sportlerinnen und Sportlern zusammen in den Wettkampf gehen – oft genug sind die Teilnehmenden mit Behinderung dabei besser als ihre Coaches. In jedem Fall werden sie besser im Gedächtnis bleiben.

Das erinnert mich an die Geschichte von der Berufung des Mose, der Israel aus Ägypten führen sollte und sich doch lange sträubte. Die Bibel erzählt, wie er am brennenden Dornbusch mit Gott und seinem Schicksal rang. Denn er war kein großer Redner und die Vorstellung, zum Pharao zu gehen, machte ihm Angst. Am Ende half nur noch eins: dass Gott ihm einen „Bruder“ an die Seite stellte: Aaron, der besser reden konnte als er. Aaron soll Moses assistieren. Bei der Christoffel-Blindenmission hat man entdeckt: Zum ersten Mal wird hier in der Bibel die Bedeutung von persönlicher Unterstützung und Hilfe – eben von Assistenz deutlich. Das Spannende daran ist: Im Rückblick sehen wir Mose und Aaron als ein Duo, und über der Führungskraft des Mose vergessen wir die Schwäche, die ihn am Anfang umtrieb.

Auch wenn der Geburtstag von Ernst Christoffel, dem Gründer der Blindenmission, in diesem September schon 140 Jahre zurückliegt – die Inklusionsbewegung in Deutschland steht immer noch am Anfang. Eine Umfrage in Niedersachsen zeigte kürzlich: Im Blick auf die schulische Entwicklung wünschen sich inzwischen mehr als die Hälfte der Befragten ein Moratorium, weil sie den Eindruck haben, dass es nicht genügend Assistenz für die individuelle Förderung ihrer Kinder gibt. Nicht wenige Eltern bevorzugen deshalb nach wie vor eigene Förderschulen. Und auch von dem geplanten Teilhabegesetz haben viele mehr erwartet. Nicht nur die fantasievollen Aktionen von Raoul Krauthausen zeigen die Unzufriedenheit. Gerade sind Blinde und Sehbehinderte nebem dem Reichstag im kalten Wasser der Spree baden gegangen, um auf die Mängel des geplanten Bundesteilhabegesetzes hinzuweisen.

Nach wie vor ist zu wenig im Blick, welche Möglichkeiten die Kirchengemeinden haben, um Inklusion zur alltäglichen Selbstverständlichkeit zu machen. Dabei geht es um Niedrigschwelligkeit in Gemeindezentren und bei der Kommunikation, darüber hinaus aber auch um integrative Tageseinrichtungen und Konfirmandenarbeit oder um die Zusammenarbeit mit Werkstätten. Die EKD-Orientierungshilfe „Es ist normal, verschieden zu sein“ (Hannover 2015) zeigt eine Palette von Möglichkeiten und reflektiert auch ganz bewusst die Grenzen von Inklusion. Es lohnt, sich davon anregen zu lassen. Schließlich erzählt schon die Geschichte von Mose und Aaron, dass Geschwisterlichkeit heißt, einander auf Augenhöhe zu unterstützen – so dass am Ende vielleicht sogar der angeblich Schwächere den scheinbar Stärkeren über die Ziellinie zieht, wie bei den Paralympics.

Mich beschäftigt das Thema demnächst bei einem Vortrag am 19. Oktober in der Diakonie der Ev. Kirche in Mitteldeutschland, aber auch beim Pfarrkonvent der Hamburger Kirchenkreise am 22. November und schließlich bei einer Ringvorlesung am 19. Dezember in der Universität Hamburg (mehr zu den Terminen auf meiner Homepage). Die Inklusionsbewegung, um die es geht, ist letztlich die gleiche wie bei anderen Themen der Gemeinwesendiakonie und Quartiersarbeit: Es geht um den Auftrag der Kirche, Gemeinschaft der Verschiedenen zu sein. Mit allen Generationen, mit „Einheimischen“ und „Fremden“, mit denen, die in ihrer Arbeit so gefordert sind, dass sie kaum noch für anderes Zeit finden, und denen, die weder Arbeitsstelle noch Geld haben. Eine Überforderung? Nicht, wenn man da anfängt, wo das Herz schlägt und die Herausforderungen erkennbar sind.

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ss_zitatkarte_04Diakonische Pilgerreisen: Schnupperangebot für junge Führungskräfte und für kleine Teams

Wer sich professionell mit Themen wie Pflege, Alter oder Armut beschäftigt, fühlt sich oft eingeschnürt in ein Korsett aus Ressourcenknappheit, Zeitmangel, zu erfüllenden Zielmarken. Was einen eigentlich angetrieben hat, die Motivation für die sorgenden Berufe, kann darüber ebenso verloren gehen wie die Kraft für neue Ideen und Veränderungen.

An den alten Orten der Diakonie ist diese Kraft manchmal noch spürbar. Meine diakonischen Pilgerreisen führen an die Orte jener umwälzenden sozialen Projekte des 19. Jahrhunderts und sie erkunden auf neuen Wegen, um was es in diesen Feldern heute geht. Information und Analyse, aber auch körperliche, seelische und geistliche Inspirationen unterstützen dabei, die eigenen Visionen (wieder) zu entdecken. Wir wollen uns auf den Weg machen, damit wir anschließend in unserem Alltag uns und andere besser bewegen können. Mehr dazu finden Sie auf meiner Homepage seele-und-sorge.de. Dort gibt es übrigens auch den aktuellen Blog zu den diakonischen Kraftorten, diesmal ein Interview mit Christoph Radbruch, Vorsteher und Theologischer Vorstand der Pfeifferschen Stiftungen, Magdeburg.

Vielleicht haben Sie mit Ihrem Team Lust auf diese neue „Fortbildung für Querdenker“ – aber leider weniger Zeit, als von uns bisher veranschlagt? Oder Sie würden Ihren jungen Führungskräften gern die Möglichkeit zur Teilnahme geben, haben allerdings nur ein geringeres Budget zur Verfügung? Dann möchten wir Ihnen für die Themen „Altern“ und „Pflege“ gern einen Vorschlag machen. Wir planen ein „Schnupperangebot“ für nur drei Tage/zwei Nächte mit gekürztem Programm und selbstverständlich geringeren Kosten – drei Tage, die Ihnen selbst, Ihrem Team oder Ihren Führungskräften den Kopf frei machen und neue Impulse geben können. Wenn Sie Interesse daran haben, schicken Sie uns gern eine Mail an office@seele-und-sorge.de. Wir rufen Sie zurück. 

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Reformation!

In gut einem Jahr wird es ein halbes Jahrtausend her sein, dass Martin Luther seine Thesen an das Portal der Schlosskirche zu Wittenberg schlug. Auf vielen Ebenen der Kirche wird das Jubiläum auch zum Anlass genommen, neu über einige zentrale Fragen des christlichen Lebens nachzudenken.

In der Reihe Transformation und Reformation im Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD erscheint jetzt das von mir geschriebene Heft zum Thema Familie. Die heftige Debatte um die EKD-Orientierungshilfe „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit“ hat einmal mehr gezeigt: Familie ist Sehnsuchtsort der meisten, Lernort des Glaubens, Zentrum kirchlicher Debatten über Lebensformen und Rituale. Und sie ist im Umbruch, und zwar seit Beginn der Reformation. Dem bin ich noch einmal nachgegangen. Sie können das Heft über das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD  bestellen.

Die Kirche nicht denen zu überlassen, die von Amts wegen und in gelehrter Sprache von Gott reden – auch das war einer der wesentlichen Impulse der Reformation. Welche Möglichkeiten sich daraus ergeben, wie viele Potenziale es für die Gemeinden zu gewinnen gibt, wie viel Entfaltungsmöglichkeiten für die Einzelnen, das entdecken wir momentan noch einmal neu in der Ehrenamtsbewegung. Am 22. Oktober halte ich dazu einen Impulsvortrag, „Ehrenamt und Priestertum aller Getauften“, in einem Seminar der Ev. Erwachsenenbildung in Frankfurt am Main.

Wer sind eigentlich die Menschen, die sich in immer größerer Zahl freiwillig engagieren? Warum tun sie es? Und wie sieht es mit der Geschlechterverteilung aus – bei Leitungs- und bei anderen Aufgaben? Und: Was müssen wir tun, um ehrenamtliches Engagement zu unterstützen, gerade auch bei einer stärkeren Professionalisierung auch kleinerer Initiativen? Mein kurzer Beitrag „Ehrenamt als Teilhabeschlüssel“ auf der Website des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken geht auf einige zentrale Ergebnisse des im Frühjahr erschienenen neuen Freiwilligensurveys ein.

Interessante Informationen, Literatur und Angebote etwa zu den Themen Kirche und Zivilgesellschaft oder Monetarisierung und Prekarisierung bietet auch die Website evangelisch-ehrenamt.de.

Gott neu denken und sprechen – das ist wohl der zentrale Impulse der Reformation, immer wieder neu. Am 4. November ist es auch Thema beim „Frauenmahl“ in Düsseldorf im Hotel MutterHaus Kaiserswerth, zu dem ich einen Impulsvertrag halte. Ich freue mich schon auf ein intensives Gespräch an diesem besonderen Ort.

Weitere Terminhinweise, Angebote und Veröffentlichungen finden Sie auf unserer Homepage www.seele-und-sorge.de.

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Sie liegen in der Luft und sind doch oft schwer zu greifen, die Themen und Visionen für einen gemeinsamen Aufbruch. Wie finden wir den Anfang? Mein kleiner Tipp: die „Talk-Box von Wir sind Diakonie“ von Claudia Filker und Hanna Schott bei Neukirchen/Aussaat  2016. Die Impulskarten helfen ins Gespräch, sorgen für neue Einblicke und unterstützen ein besseres gegenseitiges Verständnis – damit Ideen ausgesprochen und gemeinsam gestaltet werden können.

Ich wünsche Ihnen viel Energie und Freude bei Ihren Aufbrüchen! 

Herzlich

Ihre Cornelia Coenen-Marx