{"id":6159,"date":"2021-07-23T09:59:00","date_gmt":"2021-07-23T07:59:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?p=6159"},"modified":"2021-07-23T13:18:43","modified_gmt":"2021-07-23T11:18:43","slug":"doppelt-verantwortlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?p=6159","title":{"rendered":"\u201eDoppelt verantwortlich\u201c"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-857\" width=\"288\" height=\"103\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie.png 576w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie-300x107.png 300w\" sizes=\"(max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"659\" src=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Web-Ehrenamt_kl-1024x659.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6162\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Web-Ehrenamt_kl-1024x659.jpg 1024w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Web-Ehrenamt_kl-300x193.jpg 300w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Web-Ehrenamt_kl-768x494.jpg 768w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Web-Ehrenamt_kl-1536x988.jpg 1536w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Web-Ehrenamt_kl-2048x1318.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Als das Hochwasser zur\u00fcckging<\/strong>, versuchten viele, die ersten Eindr\u00fccke zu sortieren. Wer mit dem Leben davon gekommen war, wusste, das ist&nbsp; das einzige, was wirklich z\u00e4hlt. Und wer Hilfe erfahren hatte, hielt sich an dieser Solidarit\u00e4t fest. Du lebst. Und Du bist nicht allein. Es war&nbsp; zutiefst beeindruckend, wie viele Menschen spontan zu Hilfe kamen: aus Nachbarsd\u00f6rfern, von Bauernh\u00f6fen, aus Bauunternehmen und Superm\u00e4rkten- aber auch \u00fcber viele km Entfernung aus der ganzen Republik. Auch bei uns im Norden wurden Container mit Hilfsmitteln gepackt \u2013 und einmal mehr erwiesen sich die Gemeindezentren als praktische Sammelstelle, die Gemeindebusse als Transporter. <strong>Das ist eine Erfahrung, die wir schon in den letzten Jahren gemacht haben: auch in der Coronakrise und zuvor in der Fl\u00fcchtlingskrise boten Kirchengemeinden einen Rahmen f\u00fcr freiwilliges Engagement<\/strong>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>W\u00e4hrend der Coronakrise ist in Witzenhausen bei Kassel \u201eDich schickt der Himmel\u201c entstanden<\/strong>, ein Projekt mit Einkaufshilfen, f\u00fcr das sich die evangelische Gemeinde mit der Stadt, den Pfadfinder*innen und dem Kreisjugendring zusammengeschlossen hat. So kamen innerhalb von drei Tagen \u00fcber 150 Ehrenamtliche und 230 Hilfesuchende zusammen. Menschen gerieten in den Blick, die lange zur\u00fcckgezogen gelebt hatten \u2013 oft ohne Kontakt zur Kirchengemeinde. Aber alle freuten sich gleicherma\u00dfen \u00fcber den Einkaufsdienst, die kurzen Besuche und den Gru\u00df zum Sonntag.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Empathisch, effizient und leise \u2013 so organisierten die Kirchen ihre Hilfe f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge bis in einzelne Gemeinden hinein, schrieb der Freitag Ostern 2016 in einem Dossier \u00fcber soziales Engagement<\/strong>. Da hatte die Berliner Caritas gerade ein halbes Dutzend Engagierte aus der Basisinitiative \u201eMoabit hilft\u201c eingestellt und damit den Engagierten im Quartier Struktur und Stabilit\u00e4t zur Verf\u00fcgung gestellt. Die Kirche und ihre Mitglieder, schrieb Christian F\u00fclling, wirkten als Organisatoren allt\u00e4glicher Barmherzigkeit tief in die Gesellschaft hinein.<\/p>\n\n\n\n<p>Es tat gut, das zu lesen \u2013 aber es war dann wohl doch \u00fcbertrieben. Eine Allensbach \u2013 Untersuchung zum Engagement in der Fl\u00fcchtlingshilfe vom April 2017 differenziert: <strong>40 Prozent der Engagierten arbeiteten in Gruppen, die sich ausschlie\u00dflich zu diesem Zweck gegr\u00fcndet haben<\/strong>&#8211; ohne Rechtsform, mit flachen Hierarchien und einem hohen Ma\u00df an Beteiligungsm\u00f6glichkeiten.&nbsp; 23 Prozent haben sich auf eigene Faust&nbsp; engagiert.<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> <strong>Die letzten beiden Freiwilligensurveys der Bundesregierung zeigen:&nbsp; B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger wollen gesellschaftliche Anliegen selbst in die Hand nehmen, Gesellschaft mitgestalten.<\/strong> Und \u00dcberg\u00e4nge zwischen Familien- und Nachbarschaftshilfe, Selbstorganisation und Ehrenamt werden flie\u00dfender. Das Pflichtmotiv spielt keine gro\u00dfe Rolle mehr &#8211; aber es ist keineswegs so, dass die neuen Ehrenamtlichen nur an Selbstverwirklichung interessiert sind. Vielmehr haben wir es mit einem Motivmix zu tun: <strong>Freiwillig Engagierte verbinden selbstbezogene und altruistische Motive.&nbsp; <\/strong>Es geht um ein Gleichgewicht von Geben und Nehmen.&nbsp; Wer sich engagiert, gewinnt neue Beziehungen. \u201e<strong>Spa\u00df haben, Menschen helfen, und Gesellschaft ver\u00e4ndern\u201c geh\u00f6ren zu den wichtigsten Motiven f\u00fcr ehrenamtliches Engagement<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schon f\u00fcr den Hamburger Diakoniker Johann Hinrich Wichern bildeten die informellen Netzwerke den Kern diakonischer Arbeit, die sogenannte freie Diakonie. Die b\u00fcrgerliche von Staat und Kommunen und die kirchliche verstand er von Anfang an als subsidi\u00e4r.<\/strong> Die freie Diakonie, schrieb er<strong>, verdanke ihren Ursprung und ihre Erhaltung \u201eweder den amtlichen Organen der Kirche als solchen, noch den Organen der b\u00fcrgerlichen Gemeinde als solchen, sondern einzelnen, freiwillig sich daf\u00fcr bestimmenden Gliedern des christlichen Gemeinwesens<\/strong>.\u201c<a href=\"#_edn1\">[i]<\/a> Genau darin sah er \u201eden vollsten Ausdruck des in Christo gemeinsamen Lebens, das zugleich gottesdienstlich und gesellschaftlich ist.<strong>&nbsp; Vereine zur Wahrheit befreiter Menschen nannte er sie in der Tradition Schleiermachers<\/strong>. An anderer Stelle spricht er von \u201eNetzwerken der br\u00fcderlichen Liebe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>.Der feste Rahmen von Netzwerken, Vereinen und Verb\u00e4nden sorgt daf\u00fcr, dass das spontane Engagement Verbindlichkeit gewinnt- <\/strong>durch ein Wahlamt im Verein, durch die festen \u00dcbernahme einer Aufgabe in einer Organisation, durch pers\u00f6nliche und verbindliche Absprachen in Gruppen und Netzwerken. In Deutschland liegt die durchschnittliche Dauer des Engagements noch immer bei 10,2 Jahren. Vielleicht h\u00e4ngt das \u00a0mit der Verbindlichkeit zusammen, die in einer Gruppe entsteht und mit dem Gl\u00fcck, gebraucht zu werden. <strong>\u00dcbrigens lebte auch die<\/strong> <strong>Hilfe in der Flutkatastrophe von diesem Mix aus spontanem Engagement und formalem Ehren- und Hauptamt. Feuerwehr und THW, aber auch Caritas, Kirche und Diakonie sorgten f\u00fcr nachhaltige Strukturen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Vereine, Verb\u00e4nde und Genossenschaften, die zu Wicherns Zeiten in Diakonie, Frauen- und Jugendarbeit gegr\u00fcndet wurden, waren zentral f\u00fcr die Entwicklung der Zivilgesellschaft in Deutschland<\/strong>. Allerdings scheint die Kraft der Verb\u00e4nde zu erlahmen, w\u00e4hrend die Bedeutung von Initiativen steigt. <strong>Wo neue Verbandstrukturen entstehen, bilden sie sich&nbsp; quer zu&nbsp; konfessionell oder weltanschaulich gepr\u00e4gten Traditionen: im Mittelpunkt stehen akute Problemlagen. Beispiele daf\u00fcr sind die Hospizbewegung oder die Tafelbewegun<\/strong>g. Aber auch die Engagierten selbst sind in der Regel in mehreren Organisationen aktiv: in Schule und Sportverein, in Kirche und Nachbarschaft. Sie \u201egeh\u00f6ren\u201c also keiner Organisation &#8211; im Gegenteil: sie sind es, die den Kern aller Wohlfahrt bilden, die mit ihren Ideen Bewegungen in Gang setzen. <strong>Leider tun sich manche Arbeitgeber schwer, ihre Mitarbeitenden f\u00fcr ein Ehrenamt freizustellen<\/strong>. Damit haben DLRG, THW oder Feuerwehr und manchmal auch die Kirche zu k\u00e4mpfen. <strong>Das schw\u00e4cht die S\u00e4ulen der Zivilgesellschaft, der Gemeinschaft, die gerade in Krisensituationen lebensentscheidend ist. Aber ich bin \u00fcberzeugt: was wir gerade erleben, wird etwas ver\u00e4ndern. Auch im Ehrenamt.<\/strong> <strong>Wir alle m\u00fcssen begreifen, dass wir doppelt verantwortlich sind, wie es das DLRG-Plakat oben zeigt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Cornelia Coenen-Marx<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Allensbach, April 2017&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref1\">[i]<\/a> \u00dcber Armenpflege. Der Anteil der freiwilligen oder Privatwohlt\u00e4tigkeit an der christlichen Armenpflege, 1856, in Wichern, S\u00e4mtliche Werke III\/1, 61-7\u00df [Zitat verifizieren]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als das Hochwasser zur\u00fcckging, versuchten viele, die ersten Eindr\u00fccke zu sortieren. 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