{"id":5195,"date":"2020-04-01T19:35:23","date_gmt":"2020-04-01T17:35:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?p=5195"},"modified":"2020-04-02T17:58:55","modified_gmt":"2020-04-02T15:58:55","slug":"wild-und-zerbrechlich-altersbilder-in-der-corona-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?p=5195","title":{"rendered":"Wild und zerbrechlich \u2013 Altersbilder in der Corona-Krise"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-857\" width=\"288\" height=\"103\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie.png 576w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie-300x107.png 300w\" sizes=\"(max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"572\" src=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/covid-1024x572.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5197\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/covid-1024x572.jpg 1024w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/covid-300x168.jpg 300w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/covid-768x429.jpg 768w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/covid.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Carmen Rohrbach ist Reiseschriftstellerin und oft monatelang\nallein unterwegs. Die promovierte Biologin m\u00f6chte sich nicht zur\u00fccklehnen, auch\nwenn sie inzwischen 71 ist. Sie liebt die Freiheit, ihren Traum von Wildnis und\nEinsamkeit, \u00fcber den sie unter anderem in dem Buch \u201eMein Blockhaus in Kanada\u201c\ngeschrieben hat. \u00dcbernachtungen im Zelt, gro\u00dfe Strecken zu Fu\u00df oder auf dem\nDromedar \u2013 solche H\u00e4rten machen ihr nichts aus. <\/p>\n\n\n\n<p>Mir ist das sehr sympathisch. In meinem Buch \u201eNoch einmal\nist alles offen\u201c bin ich den Tr\u00e4umen nachgegangen, die uns beim \u00c4lterwerden\nnach vorn treiben. Ich selbst habe vor f\u00fcnf Jahren meine Firma \u201eSeele und\nSorge\u201c gegr\u00fcndet und bin seitdem mit Vortr\u00e4gen und Workshops quer durch\nDeutschland unterwegs. Lange Zugreisen, unterschiedlichste, immer interessante\nMenschen und Gruppen, inspirierende Tagungsh\u00e4user befl\u00fcgeln mich \u2013 und ich\nfinde es einfach spannend, immer neue Herausforderungen und Modelle kennenzulernen\nund zu begleiten. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcnf Jahre lang war alles offen. Aber jetzt ist Shutdown. Corona-Shutdown. Pl\u00f6tzlich geht nicht mehr viel. Bis Ende Mai sind auch in Kirche und Diakonie, genauso wie bei den vielen kleinen und gro\u00dfen sozialen Initiativen fast alle Veranstaltungen abgesagt. Was danach mit gr\u00f6\u00dferen Veranstaltungen geschieht, mit wem ich arbeiten, wohin ich reisen kann, ist\u00a0erneut wieder\u00a0v\u00f6llig offen.\u00a0Das hat dann nicht nur mit den allgemeinen Regelungen zur Kontaktvermeidung zu tun, sondern auch mit dem Schutz bestimmter Bev\u00f6lkerungsgruppen. Wer \u00e4lter als sechzig ist, geh\u00f6rt pl\u00f6tzlich zur Risikogruppe der besonders Gef\u00e4hrdeten und Verletzlichen. Das bedeutet m\u00f6glicherweise verl\u00e4ngertes Homeoffice: einfach zu Hause bleiben, wenn andere schon wieder unterwegs zur Arbeit sind. Damit der Betrieb weitergeht, die Wirtschaft wieder auf die Beine kommt. Die Exitstrategien nach dem Shutdown werden ja l\u00e4ngst diskutiert. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie viele andere verlege auch ich schon jetzt einen Teil\nmeiner Arbeit ins Netz, plane Coachings \u00fcber Skype, Zoom-Konferenzen und\nWebinare f\u00fcr die Zukunft \u2013 Techniken, durch die wir einander sehen und\nmiteinander sprechen k\u00f6nnen, auch wenn wir im Homeoffice sind. Aber beim Schutz\nder Risikogruppen geht es ja nicht nur um das Thema Arbeit. Gro\u00dfeltern d\u00fcrfen\nnicht mehr auf ihre Enkel aufpassen, gerade f\u00fcr Alleinerziehende wird es eng\nohne die Unterst\u00fctzung von Oma und Opa und viele \u00c4ltere, die allein leben \u2013 das\nsind immerhin 46 Prozent \u2013, f\u00fchlen sich jetzt wirklich einsam. Gott sei Dank entstehen\naber auch neue Initiativen in Zivilgesellschaft, Kirche und Diakonie: \u00dcberall werden\nEinkaufsdienste organisiert, Telefonketten gebildet, Balkonkonzerte\nveranstaltet. Die Quartiersinitiativen bl\u00fchen!<\/p>\n\n\n\n<p>Was mir wichtig ist: Die gruppenbezogenen\nFreiheitsbeschr\u00e4nkungen brauchen unbedingt Freiwilligkeit. Wir sollten achtsam\nbleiben, wenn es um Freiheitsrechte geht und um Demokratie. Und Achtsamkeit ist\nauch in anderer Hinsicht gefragt: Mir f\u00e4llt auf, wie sich in dieser Krise die\nAltersbilder \u00e4ndern. Die dritte Lebensphase, in der wir uns noch einmal\naufmachen zu neuen Ufern, neue Horizonte und Talente entdecken, droht gerade\naus dem Blick zu geraten. Wo gestern noch alles offen war, werden die Schotten\ndicht gemacht. Pl\u00f6tzlich dominiert ein fast vergessenes Bild: Das Alter als\nZeit der Verletzlichkeit und Gebrechlichkeit tritt in den Vordergrund. Und im\ngleichen Atemzug wird der Belastungsdiskurs wieder aktiviert: die Rentner als \u201eVersorgungsf\u00e4lle\u201c,\ndie schwerkranken Alten, auf die alle anderen R\u00fccksicht nehmen m\u00fcssen. Dabei\nsind viele von denen, die jetzt \u00fcber die richtigen Ma\u00dfnahmen verhandeln, selbst\n\u00dc60 \u2013 in Management, Wissenschaft wie in der Politik. <\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich sehe ich, wie die Krise gerade die Altenpflege\nmit voller Wucht trifft, in den Heimen wie in den H\u00e4usern. Ich sehe aber auch,\ndass gerade da, wo Menschen auf Menschen angewiesen sind, eine v\u00f6llige Isolation\ngar nicht m\u00f6glich ist. Einsame \u00c4ltere, die auf ihren Zimmern isoliert werden,\nohne Besuch ihrer Angeh\u00f6rigen, aber auch ohne Gemeinschaftserfahrung \u2013 das\nerschreckt uns alle. N\u00f6tig sind Schutzma\u00dfnahmen und neue Wege, Kontakt zu\nhalten. Wir brauchen eine neue Balance zwischen F\u00fcrsorge, Schutz und Autonomie\nin der letzten Lebensphase, zwischen Achtsamkeit und Freiheit gerade bei den\n\u00c4lteren. Dar\u00fcber muss gesprochen werden. Es braucht Zeit, mit diesen Fragen\numsichtig umzugehen, Zeit, miteinander zu diskutieren und die richtigen Wege zu\nfinden \u2013 f\u00fcr sich selbst und f\u00fcr andere. Lassen Sie uns die Fenster daf\u00fcr offen\nhalten \u2013 auch wenn wir die T\u00fcren gerade schlie\u00dfen m\u00fcssen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche Ihnen, dass Sie die frische Fr\u00fchlingsbrise\ngenie\u00dfen k\u00f6nnen \u2013 bei Spazierg\u00e4ngen mit hinreichend (r\u00e4umlichem) Abstand oder\neinfach am ge\u00f6ffneten Fenster.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und bleiben Sie gesund!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#ee9b1e\" class=\"has-text-color\"><strong>Ihre Cornelia Coenen-Marx <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=5165\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Hier (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Hier<\/a><\/strong>\u00a0noch ein paar Tipps zum Lesen, Nachdenken, Handeln in besonderen Zeiten.<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Carmen Rohrbach ist Reiseschriftstellerin und oft monatelang allein unterwegs. Die promovierte Biologin m\u00f6chte sich nicht zur\u00fccklehnen, auch wenn sie inzwischen&#8230; <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?p=5195\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5195","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5195"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5195"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5195\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5203,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5195\/revisions\/5203"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5195"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5195"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5195"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}