{"id":2808,"date":"2017-02-06T09:23:56","date_gmt":"2017-02-06T09:23:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?p=2808"},"modified":"2018-12-13T10:05:29","modified_gmt":"2018-12-13T09:05:29","slug":"eine-hand-waermen-von-pflege-und-demenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?p=2808","title":{"rendered":"Eine Hand w\u00e4rmen \u2013 von Pflege und Demenz."},"content":{"rendered":"<h3><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-857\" src=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie-300x107.png\" alt=\"SuS_Logo_RGB_mit Unterzeile Kopie\" width=\"300\" height=\"107\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie-300x107.png 300w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie.png 576w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/web_01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2811 size-full\" src=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/web_01.jpg\" width=\"400\" height=\"268\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/web_01.jpg 400w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/web_01-300x201.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u201eWenn ich das Sagen h\u00e4tte, w\u00fcrde ein Staatssekret\u00e4r f\u00fcr die Emanzipation von Menschen mit Alzheimer eingesetzt. Dann st\u00fcnden unsere W\u00fcnsche bei der Pflege im Mittelpunkt und auch der Demenzkranke h\u00e4tte das Recht auf Privatsph\u00e4re. Ruhe-Medikation ( w\u00fcrde ) verboten und der Kranke k\u00f6nnte jeden Tag ausgiebig schmausen.\u201c Das sind einige der Forderungen, die Stella Braam in ihrem Buch \u201eIch habe Alzheimer\u201c aufgeschrieben hat \u2013 in Zusammenarbeit mit ihrem erkrankten Vater. Das Buch, inzwischen einige Jahre alt, zielt auf eine ma\u00dfgeschneiderte Pflege f\u00fcr jeden Einzelnen.<\/p>\n<p>Seit dem 1. Januar ist in dieser Hinsicht viel passiert. Die Diagnose Demenz ist in die Leistungen der Pflegeversicherung eingegangen und die Bed\u00fcrftigkeitsberechnungen haben sich ver\u00e4ndert. Die Versorgung Demenzkranker ist endlich aus der Tabuzone ins \u00f6ffentliche Interesse ger\u00fcckt. Angeh\u00f6rige wie Stella Braam oder Tilman Jens haben viel dazu beigetragen. Das war alles andere als selbstverst\u00e4ndlich. Denn Demenz konfrontiert uns mit den Grenzen von Autonomie und Vernunft. In einer Zeit, in der das Internet jederzeit alle Daten verf\u00fcgbar h\u00e4lt und nichts \u201evergisst\u201c, m\u00fcssen wir begreifen, wie fl\u00fcchtig unser Ged\u00e4chtnis ist. In einer Zeit, in der die Aufkl\u00e4rung unser Weltverst\u00e4ndnis bestimmt, werden wir mit \u201eGespenstern\u201c konfrontiert, die mit dem Verstand nicht zu verscheuchen sind. Wer mit Demenzkranken lebt und sie versorgt, kennt die Hilflosigkeit angesichts der \u00dcbermacht von \u201eirrationalen\u201c \u00c4ngsten und w\u00fctender Verzweiflung.<\/p>\n<p>Nicht nur Pflege und Versorgung sind eine Herausforderung. Die Begleitung von Menschen mit Demenz stellt unsere Vorstellungen von Leistung, Produktivit\u00e4t und Lebenssinn grunds\u00e4tzlich in Frage. Das Bild vom immer gesunden und leistungsstarken Menschen, der nicht auf andere angewiesen ist \u2013 dieses Bild von Autonomie h\u00e4lt am Ende nicht stand. Der Gerontologe Andreas Kruse schreibt: \u201eDie mit einer Gesellschaft des langen Lebens verbundenen Herausforderungen verlangen nach einer Auseinandersetzung mit Fragen des Menschseins, mit dem Verst\u00e4ndnis von W\u00fcrde und mit den Vorstellungen eines guten und sinnerf\u00fcllten Lebens.\u201c Wir m\u00fcssen ein Bild vom Menschen entwickeln, in dem Verletzlichkeit, Vergesslichkeit und Angewiesensein Platz haben \u2013 genauso wie Wachstum, Entwicklung und Selbstbestimmung.<\/p>\n<p>Gott sei Dank gibt es daf\u00fcr gute Beispiele. Ich denke an das geistliche Zentrum f\u00fcr Menschen mit Demenz in Berlin. Dort hat ein Sozialunternehmer ein Tanzcaf\u00e9 f\u00fcr Demenzkranke eingerichtet. Mit Musik, die zur\u00fcck in die \u201egoldenen\u201c 20er und 30er f\u00fchrt. Neben den wenigen Profis haben hier Arbeitslose, Hartz-IV-Empf\u00e4nger und \u00c4ltere ihren Einsatzort gefunden. Einmal im Monat wird zusammen Gottesdienst gefeiert: einfach, sinnlich und sehr lebendig. Menschen geben Zeit und setzen Phantasie ein, um diese Gottesdienste vorzubereiten \u2013 und viele von ihnen erfahren dabei ein St\u00fcck Lebenssinn, auch f\u00fcr sich selbst.<\/p>\n<p>Wer bereit ist, sich auf das Erleben Demenzerkrankter einzulassen, kann auch selbst erfahren, wie sich f\u00fcr Augenblicke Zeit und Raum aufl\u00f6sen: mit der Musik von fr\u00fcher, mit alten Liedern, Gedichten, Gebeten betreten wir ein Land lebendiger Vergangenheit. F\u00fcr die Dichter ist das \u00fcbrigens normal. In seinem Buch \u201eAuf der Suche nach der verlorenen Zeit\u201c hat Marcel Proust geschildert, dass der Geschmack von Madeleines gen\u00fcgte, sich in seine Kindheit zur\u00fcckzuversetzen \u2013 eine fast mystische Erfahrung. Demenzkranke kennen das. Ein Gericht aus der Kindheit, ein altes Bild, der Duft eines Parfums, eine Bl\u00fcte \u2013 alles kann zu sprechen beginnen. In jedem Augenblick kann sich ein gro\u00dfes Geheimnis enth\u00fcllen. Der Dichter Arno Geiger, der die Begleitung seines Vaters literarisch verarbeitet hat, schreibt: \u201eOft ist es, als wisse er nichts und verstehe alles. Einmal, als ich ihm die Hand gab, bedauerte er mich, weil die Hand kalt war, ich sagte, ich k\u00e4me von drau\u00dfen aus dem Regen. Er behielt meine Hand zwischen seinen H\u00e4nden und sagte: \u201aIhr k\u00f6nnt tun, was ihr zu tun habt, ich werde derweil diese Hand w\u00e4rmen.\u2018\u201c<\/p>\n<p>Was f\u00fcr eine Liebe \u2013 f\u00fcr mich die Liebe Gottes, der unsere Hand h\u00e4lt und uns nicht vergisst. Keinen von uns. \u201eIn meine H\u00e4nde habe ich dich gezeichnet\u201c, hei\u00dft es in der Bibel. Davon leben wir \u2013 alle miteinander.<\/p>\n<p>Cornelia Coenen-Marx<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Seele-und-Sorge-278815565795410\/?fref=ts\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2023\" src=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/facebook_s_kl.png\" alt=\"facebook_s_kl\" width=\"37\" height=\"37\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Seele-und-Sorge-278815565795410\/?fref=ts\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Besuchen Sie auch unsere facebookseite \u201eSeele &amp; Sorge\u201c<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWenn ich das Sagen h\u00e4tte, w\u00fcrde ein Staatssekret\u00e4r f\u00fcr die Emanzipation von Menschen mit Alzheimer eingesetzt. Dann st\u00fcnden unsere W\u00fcnsche&#8230; <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?p=2808\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2811,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,19],"tags":[],"class_list":["post-2808","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-blog-seele-sorge"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2808"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2808"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2808\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4103,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2808\/revisions\/4103"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2811"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2808"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2808"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2808"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}