{"id":2155,"date":"2016-08-26T13:58:51","date_gmt":"2016-08-26T13:58:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?p=2155"},"modified":"2018-12-13T10:04:15","modified_gmt":"2018-12-13T09:04:15","slug":"wo-die-liebe-wohnt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?p=2155","title":{"rendered":"Wo die Liebe wohnt"},"content":{"rendered":"<h3><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-857\" src=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie-300x107.png\" alt=\"SuS_Logo_RGB_mit Unterzeile Kopie\" width=\"300\" height=\"107\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie-300x107.png 300w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie.png 576w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/allepo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2156 size-full\" src=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/allepo.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"299\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/allepo.jpg 450w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/allepo-300x199.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein Foto ist in diesen Tagen um die Welt gegangen: das Bild von Omran, dem kleinen Jungen aus Aleppo(Fotograf:\u00a0Mahmud Raslan). Auf Twitter war es unter dem Hashtag \u201eAleppoboy\u201c zu finden. Da sitzt er, ein verletzter Vierj\u00e4hriger, auf dem Sitz eines Rettungswagens \u2013 Gesicht und K\u00f6rper mit einer Schicht aus Blut und Staub bedeckt. Gerettet aus einem Bombenangriff. Ganz ruhig sitzt er da, wie eingefroren und erinnert mich an die Toten, die einst \u2013 von einer Minute auf die andere \u2013 unter Lava und Asche des Vesuvs begraben wurden. Omran lebt noch \u2013 aber seine Lebendigkeit ist gewichen. Der Vierj\u00e4hrige wurde zu einer Ikone des hundertfachen Todes in Aleppo, des tausendfachen Leidens syrischer Kinder und Familien. 50.000 Kinder sind in diesem Krieg schon umgekommen. Und allein in der letzten Woche sind vier fr\u00fchgeborene S\u00e4uglinge im letzten noch verbliebenen Krankenhaus in Ost-Aleppo gestorben, weil die Stromzufuhr f\u00fcr die W\u00e4rmebettchen ausblieb.<\/p>\n<p>Aber das Bild von Omran ist nicht das erste und es wird nicht das einzige bleiben, das wie ein Lauffeuer durch die Medien geht und Menschen ersch\u00fcttert. Es erinnert an den anderen Vierj\u00e4hrigen, der tot an einem griechischen Strand lag und zum Symbol der Fl\u00fcchtlingskrise wurde. Jeder von ihnen steht f\u00fcr Tausende \u2013 als ob das Leid der vielen Ungesehenen sich in dem einen Foto Ausdruck schafft. Ein stummer Schrei: Warum verschlie\u00dft Ihr die Augen?<\/p>\n<p>Schreie gab es auch auf der Stra\u00dfe von Jerusalem nach Jericho, wo wieder einmal ein Mann unter die R\u00e4uber gefallen war, wie es in der Bibel hei\u00dft. Heute f\u00fchrt diese Stra\u00dfe durch die von Israel besetzten Gebiete Pal\u00e4stinas, zur Zeit Jesu durch das Gebiet der Samaritaner. Es geht durch die Fremde und es geht bergab \u2013 1.200 Meter bergab durch Staub und W\u00fcste. Man muss wachsam sein, wenn man sein Ziel erreichen will, ohne zu verdursten, ohne unter die R\u00e4uber zu fallen. Aber nat\u00fcrlich passiert das immer wieder \u2013 unterwegs durch ein fremdes Land, auf der Flucht \u00fcber das Mittelmeer, in einer belagerten Stadt. T\u00e4glich geschieht es und t\u00e4glich verschlie\u00dfen wir die Augen \u2013 obwohl wir die Bilder in allen Medien sehen.<\/p>\n<p>\u201eEs traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Stra\u00dfe hinab zog; und als er ihn sah, ging er vor\u00fcber. Desgleichen ein Levit \u2013 ein Tempeldiener; als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vor\u00fcber\u201c, erz\u00e4hlt Jesus. Die beiden werden es eilig gehabt haben \u2013 vielleicht kamen sie vom Tempel in Jerusalem und wollten nun schnell zur\u00fcck zu ihren allt\u00e4glichen Pflichten. Vielleicht wollten sie sich selbst auf dieser Stra\u00dfe keinen unn\u00f6tigen Gefahren aussetzen. Wer solche Wege geht, beschleunigt den Schritt. Stehen bleiben bei diesem Elenden \u2013 das w\u00fcrde jede Menge Scherereien bringen. Es gibt viele Gr\u00fcnde, warum Menschen lieber nicht so genau hinsehen. Meist h\u00f6rt sich das so an: \u201eWir k\u00f6nnen doch nicht jedem helfen. Wir k\u00f6nnen doch nicht die ganze Welt retten.\u201c S\u00e4tze, mit denen wir uns sch\u00fctzen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Ernst_Barlach_Barmherziger_Samariter.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2157 size-full\" src=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Ernst_Barlach_Barmherziger_Samariter.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"437\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Ernst_Barlach_Barmherziger_Samariter.jpg 300w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Ernst_Barlach_Barmherziger_Samariter-206x300.jpg 206w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Aber pl\u00f6tzlich greift es einem ans Herz und er sieht hin. Es tut weh, was er sieht. Ein kleiner Junge, von Staub bedeckt. Ein Verletzter am Stra\u00dfenrand. Ein Kind, das in einem Pappkarton schl\u00e4ft. Unglaublich, was geschieht, wenn einer den Schmerz an sich heranl\u00e4sst. Ungefiltert, in Echtzeit. Face to face. Der Mann beugt sich herunter, verbindet dem anderen die Wunden, setzt ihn auf seinen Esel und bringt ihn zur n\u00e4chsten Herberge. Er achtet nicht auf die Zeit, er hat keine Angst um sein Geld \u2013 er tut einfach das Notwendige. Der barmherzige Samariter. Das ist der gel\u00e4ufige Titel der Geschichte. Ein Fremder also. Vielleicht wei\u00df er, wie es ist, wenn man \u00fcbersehen wird.<\/p>\n<p>Wie der kleine Omran ist der barmherzige Samariter zur Ikone geworden. Das Symbol f\u00fcr die N\u00e4chstenliebe. Jede Zeit hat ihr Elend in dieses Bild eingetragen. Theodor Fliedner, der Gr\u00fcnder der Kaiserswerther Diakonie, lie\u00df einen Holzschnitt drucken und verkaufte ihn viele hundert Male zugunsten der Krankenpflege. Viel sp\u00e4ter, kurz nach dem Ersten Weltkrieg, sieht man in einem Bild von Ernst Ludwig Kirchner den Zusammenhang: Da setzt ein Pfleger im blauen Kittel einen Kranken in eine Badewanne; ganz vorsichtig h\u00e4lt den zerbrechlichen K\u00f6rper mit dem geneigten Kopf. Fast wie Maria den toten Jesus h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Bilder der Liebe. Jemand tr\u00e4gt einen anderen \u2013 wie Eltern ein Kind tragen. Er wischt ihm Blut, Staub und Tr\u00e4nen ab und gibt ihm zu trinken. Einer h\u00fcllt einen Frierenden in eine Decke und setzt ihn in den Rettungswagen. Diese Bilder stellen die Hilfe in einen gr\u00f6\u00dferen Horizont. Sie erinnern an den verwundeten und gekreuzigten Jesus, den seine Mutter auf dem Scho\u00df hat \u2013 und an das Kind in der Krippe, das auf der Flucht geboren wird. Wo ist eigentlich Jesus, wo ist Gott in der Geschichte vom Barmherzigen Samariter? Theologen haben gesagt, er sei selbst der Samariter, der sich zu uns niederbeugt. Andere sahen ihn in dem Verwundeten \u2013 Jesus, der Menschen zum Opfer fiel und auf unsere Menschlichkeit angewiesen ist. Beides ist wahr, denke ich. Diese gro\u00dfe Erz\u00e4hlung bleibt irritierend, grenz\u00fcberschreitend und offen \u2013 und spricht uns gerade darum an. Ich denke, Gott ist in dem Geschehen, er ist in der Liebe \u2013 ja, er ist die Liebe. Gott ist in den Augenblick, in dem das Leiden eines anderen uns zu Herzen geht. In der Zeit, die wir uns nehmen, einem anderen wieder aufzuhelfen. In dem Geld, das wir an Hilfsorganisationen spenden wie der Samariter an den Wirt.<\/p>\n<p>Vor ein paar Tagen ging wieder ein Bild aus Aleppo \u00fcber Facebook. Khaled Omar Harrar, der Held von Aleppo war unter Chlorgasbomben gestorben. Vor zwei Jahren war er bekannt geworden, weil er einer Mutter half, ihren versch\u00fctteten S\u00e4ugling frei zu graben. Als alle anderen schon aufgegeben hatten. In einem zerst\u00f6rten Haus, zwischen den Betontr\u00fcmmern, hatte er das Wimmern geh\u00f6rt. Er schloss sich den Wei\u00dfhelmen an, die zwischen den Fronten Leben retten. Unbewaffnet. Und er konnte noch viele Kinder retten. Bis vorige Woche. Er war erst drei\u00dfig, als er starb. Das Foto mit seiner Todesnachricht zeigt ihn mit einem verletzten Kind auf dem Arm. In einem Nachruf in der Zeitschrift \u201eChrist in der Gegenwart\u201c vom 19. August hei\u00dft es dazu: Der Held von Aleppo ist uns ein leuchtendes Beispiel der Liebe zu den Menschen. Er wird ganz sicher jetzt bei Gott sein, in seiner unmittelbaren N\u00e4he. Bei dem einen Gott aller Menschen. Ob Khaled nun Christ war oder Moslem oder sonst etwas glaubte \u2013 er ist Gottes geliebter Sohn. So wie der Samariter. Der war ja auch kein Jude, kein Priester oder Levit. Er war ganz einfach barmherzig.<\/p>\n<p>Cornelia Coenen-Marx<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=1466\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1918\" src=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/pilgerreisen.jpg\" alt=\"pilgerreisen\" width=\"239\" height=\"96\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=1466\">Hier klicken um die Angebote: Pilgerreisen 2016\/ 2017 zu sehen. Viel Spa\u00df beim Lesen.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Seele-und-Sorge-278815565795410\/?fref=ts\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2023\" src=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/facebook_s_kl.png\" alt=\"facebook_s_kl\" width=\"37\" height=\"37\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Seele-und-Sorge-278815565795410\/?fref=ts\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Besuchen Sie auch unsere facebookseite &#8222;Seele &amp; Sorge<\/a>&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Foto ist in diesen Tagen um die Welt gegangen: das Bild von Omran, dem kleinen Jungen aus Aleppo(Fotograf:\u00a0Mahmud Raslan)&#8230;. <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?p=2155\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2155","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2155"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2155"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2155\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4100,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2155\/revisions\/4100"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2155"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2155"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2155"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}