{"id":2047,"date":"2016-06-19T16:55:12","date_gmt":"2016-06-19T16:55:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?p=2047"},"modified":"2018-12-13T10:03:29","modified_gmt":"2018-12-13T09:03:29","slug":"leib-und-seele-beisammenhalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?p=2047","title":{"rendered":"Leib und Seele beisammenhalten"},"content":{"rendered":"<h3><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-857\" src=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie-300x107.png\" alt=\"SuS_Logo_RGB_mit Unterzeile Kopie\" width=\"300\" height=\"107\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie-300x107.png 300w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie.png 576w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2049\" src=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/cover.jpg\" alt=\"cover\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/cover.jpg 300w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/cover-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Vorige Woche hatte Udo Lindenberg ein Konzert in Hannover. Mit seinen 70 Jahren feiert er das Leben \u2013 das \u00dcberleben. \u201eSt\u00e4rker als die Zeit\u201c hei\u00dft seine neue CD \u2013\u00a0und in einem der St\u00fccke kommt er mit seinem K\u00f6rper ins Gespr\u00e4ch.<span style=\"color: #cf921e;\"> <em>\u201eWillst \u2018n Kaffee, kleinen Whisky oder \u2018n Joint, ich muss in Ruhe mal mit dir reden, mein alter Freund. Ey, du, mein armer K\u00f6rper, was hab ich dir schon alles angetan \u2013 volle Dr\u00f6hnung, hoch die Tassen, ey, das tut mir ziemlich leid. Ich muss dir jetzt mal danken nach all der Zeit. Ey, mein Body \u2013 du und ich \u2013 ich wei\u00df, du l\u00e4sst mich nicht im Stich. Andre h\u00e4tten bei so \u00b4nem Leben l\u00e4ngst den L\u00f6ffel abgegeben\u2026\u201c <\/em><\/span> Mir gef\u00e4llt das, wie er inneh\u00e4lt und auf seinen K\u00f6rper sieht \u2013 auf dessen Kraft und wunderbare Widerstandsf\u00e4higkeit. Und auch darauf, was er seinem K\u00f6rper so alles angetan hat. Es gef\u00e4llt mir und ich kann es nachvollziehen. Als ich vor eineinhalb Jahren nach einem langen Krankenhausaufenthalt ganz allm\u00e4hlich wieder auf die Beine kam, da h\u00e4tte ich Gott und die Welt umarmen k\u00f6nnen. Einfach daf\u00fcr, dass ich lebe \u2013 und dass ich wieder aufrecht gehen, laufen, ja sogar tanzen kann.<\/p>\n<p>Wenn und solange unser K\u00f6rper funktioniert, solange die Energie reicht, denken wir nicht viel dar\u00fcber nach. Gesundheit sei \u201edas selbstvergessene Weggegeben sein an das Leben\u201c, hat der Philosoph Hans-Georg Gadamer gesagt. Stimmt \u2013 erst wenn die ersten \u201eWarnsignale des K\u00f6rpers \u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a> sich bemerkbar machen, sp\u00fcren wir, dass unser Leib mehr ist als ein jederzeit verf\u00fcgbares Instrument. Ich bin zwar kein Feiervogel, so wie Udo, habe auch nichts \u201eeingeworfen\u201c oder \u201egesoffen wie ein Loch\u201c \u2013 aber ich wei\u00df, wie es sich anf\u00fchlt, wenn man an beiden Seiten brennt und trotz Stress und Ersch\u00f6pfung einfach weitermacht. Und Kaffee und Kopfschmerztabletten sind auch nicht gesund.<br \/>\nAndrea Lautenbach, meine Personaltrainerin, mit der ich nun regelm\u00e4\u00dfig walke und Yoga \u00fcbe, hat sich mit dem Konzept der Salutogenese besch\u00e4ftigt. Es gibt Wege, die krank machen, sagt sie, und es gibt Wege, die gesund machen. Statt nur auf die Krankheits- und Leidensgeschichte zu schauen wie die Pathogenese, achtet die Salutogenese auf die gesunden Anteile: Gesundheit und Krankheit sind kein Entweder-Oder, sondern ein Kontinuum. Wir haben gesunde und kranke Anteile, solange wir leben. Was hilft, gesund zu bleiben oder wieder gesund zu werden, ist das Gef\u00fchl von Koh\u00e4renz: verstehen, was mit uns geschieht; das Gef\u00fchl haben, Leid und Krankheit bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen, und schlie\u00dflich einen Sinn darin sehen. Wie gesund wir uns f\u00fchlen, das hat also auch mit der Beziehung zum eigenen K\u00f6rper zu tun. Wenn ich mich entspanne, kann auch die Seele aufatmen. Und wenn ich mich im Gehen oder Tanzen in meinem K\u00f6rper zu Hause f\u00fchle, gibt mir das Halt und Stabilit\u00e4t. Der Weg ins Gegenw\u00e4rtigsein f\u00fchrt \u00fcber den K\u00f6rper, \u00fcber die Sinne. Und auch im Atmen, Sitzen, Gehen sp\u00fcren wir Pr\u00e4senz \u2013 ein Einssein mit dem Leben.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/park.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2048\" src=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/park.jpg\" alt=\"park\" width=\"300\" height=\"434\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/park.jpg 300w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/park-207x300.jpg 207w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Wie intensiv die Verbindung von K\u00f6rper und Seele ist, das wird oft am Ende des Lebens besonders sp\u00fcrbar. Wo Menschen vielleicht kaum mehr in der Lage sind, sich zu artikulieren, ist doch der K\u00f6rper ein Weg zu ihrer Seele. Wer im Hospiz arbeitet, erlebt, dass Menschen sich entspannen, wenn jemand ihre Hand h\u00e4lt, und noch einmal aufbl\u00fchen, wenn jemand f\u00fcr sie singt. Gerade hier wird aber auch deutlich, wie wichtig es ist, dass wir nicht allein sind mit und in unseren K\u00f6rpern, sondern dass wir einander ber\u00fchren.<\/p>\n<p>\u201eWie ich ber\u00fchre, so bin ich ber\u00fchrt.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a> Gerade da, wo es um das Ber\u00fchren geht, in der Pflege, m\u00fcssen wir aber immer \u00f6fter beobachten, dass Zeit und Kraft fehlen, wirklich da zu sein f\u00fcr den Patienten \u2013 auf die Ver\u00e4nderungen in Heilungsprozessen zu achten. Meine Physiotherapeutin im Krankenhaus hat das geschafft und mich gelehrt, mehr auf meine eigenen Bewegungen zu achten \u2013\u00a0sie hat mir den Kick gegeben, da \u201eweiterzumachen\u201c. Aber das ist schon fast eine Ausnahme. Ich f\u00fcrchte, wer im Pflegeberuf oder als \u00c4rztin den\u00a0Menschen nicht mehr wirklich begleiten und ihr oder ihm begegnen kann, muss auch die eigene Empathie abschalten und nimmt dann auch den eigenen K\u00f6rper kaum noch wahr. Oder ist es umgekehrt: Weil ich mich selbst vor \u00dcberforderung kaum noch sp\u00fcre, kann ich mich auch nicht mehr in andere einf\u00fchlen? So ist es mir jedenfalls immer wieder mal gegangen als Pfarrerin, so geht es Psychotherapeuten, Lehrerinnen.<\/p>\n<p>Heute \u2013 der Krankenhausaufenthalt liegt jetzt schon eine ganze Weile zur\u00fcck \u2013 ist mir klar, dass mein K\u00f6rper mich daran erinnert hat, wie wichtig es ist, f\u00fcr sich selbst zu sorgen, wenn man f\u00fcr andere sorgen will. In der Zehlendorfer Diakonie l\u00e4uft gerade eine Kampagne f\u00fcr die Pflegeausbildung unter dem Logo HDL \u2013 wie \u201eHab Dich lieb\u201c. Und das ist genauso gemeint: Dich selbst lieben, achtsam mit Dir selbst umgehen. Das ist der Schl\u00fcssel und der Anfang \u2013 es w\u00e4re allerdings genauso wichtig, dass auch Politik und Kassen mehr auf die Gesundheit der \u201eGesundheitsarbeiter\u201c achten \u2013 denn der Zeit- und Kostendruck in dieser Branche macht es schwer, gut f\u00fcr sich und f\u00fcr andere zu sorgen. Theodor Fliedner, der Gr\u00fcnder der Kaiserswerther Diakonie, hatte damals klare Kriterien, wann er seine Diakonissen aus einem Krankenhaus zur\u00fcckzog. Dabei ging es ihm um Qualit\u00e4t und Ethik der Pflege, um gute Versorgung und medizinische Behandlung. Und genau deswegen auch um die Gesundheit der Schwestern, darum, dass sie gen\u00fcgend Zeit zur Erholung hatten. Was f\u00fcr Pflegebed\u00fcrftige wichtig ist, das brauchen die Pflegenden auch. Zeit zum Auftanken, um Priorit\u00e4ten zu kl\u00e4ren, sich vielleicht auch neu zu orientieren. Auch heutige F\u00fchrungskr\u00e4fte m\u00fcssen daf\u00fcr sorgen, dass nicht nur die Zahlen stimmen, sondern dass den Besch\u00e4ftigten in ihren H\u00e4usern nicht die Puste ausgeht \u2013 nicht k\u00f6rperlich und nicht seelisch.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/buch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2050\" src=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/buch.jpg\" alt=\"buch\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/buch.jpg 300w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/buch-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Ist es nicht merkw\u00fcrdig, dass wir in einem so effizienten Gesundheitssystem die Gesundheit der Mitarbeitenden so wenig im Blick haben? Wie kommt es, dass wir den eigenen K\u00f6rper oft behandeln, als w\u00e4re er nur ein Instrument f\u00fcr unsere Pl\u00e4ne oder ein Objekt, das wir gestalten \u2013 aber nicht ein Partner, der uns hilft, zu leben und das Leben zu verstehen? Woher kommt diese Abwertung des K\u00f6rpers gegen\u00fcber der Seele? Vor kurzem ist ein neues Buch von Christoph Markschies erschienen: \u201eGottes K\u00f6rper\u201c hei\u00dft es. Der Untertitel \u201eJ\u00fcdische, christliche und pagane Gottesvorstellungen in der Antike\u201c. Ich gebe zu, das dicke, wissenschaftliche Werk ist nicht so leicht zu lesen wie Udo Lindenberg zu h\u00f6ren ist. Aber f\u00fcr mich war es genauso eine begl\u00fcckende Entdeckung. Denn Markschies erinnert daran, dass die Leib-Seele-Trennung und die Abwertung des K\u00f6rpers, die uns immer noch in den Knochen steckt, nicht j\u00fcdisch-christlich ist, sondern aus dem Platonismus kommt. Und er beschreibt, wie diese Ideen langsam ins Christentum eingesickert sind. Gott selbst stellen wir uns k\u00f6rperlos vor \u2013 auch wenn der auferstandene Jesus in seinem K\u00f6rper erkennbar ist, sogar mit seinen Wunden. Von dieser Vorstellung des k\u00f6rperlosen Gottes \u00fcber den Gedanken, dass wir im Leib nur gefangen sind, bis zur Missachtung des eigenen K\u00f6rpers ist es nicht weit. Deswegen finde ich es toll, wie Udo seinen K\u00f6rper wahrnimmt und ihm dankt. Wenigstens ab und an versuche ich innezuhalten und seine Energie wahrnehmen. Widerstandskraft und Lebenskraft pur. Andrea Lautenbach, die mich dabei unterst\u00fctzt, ist jetzt mit mir zusammen im DLF zu h\u00f6ren: \u201eVon Seelenlust und K\u00f6rperzeichen \u2013 Was Leib und Seele zusammenh\u00e4lt\u201c. Am Sonntag, 26.6. um 8.35 \u2013 8.50 Uhr. Den kompletten Text finden Sie auch auf <a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=432\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dieser Homepage unter Morgenandachten<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Cornelia Coenen-Marx<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013\u2013<\/p>\n<h5><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. z.\u00a0B. Volker Fintelmann, Marcela Ullmann, Warnsignale des K\u00f6rpers, Beschwerden von K\u00f6rper und Seele ganzheitlich verstehen, M\u00fcnchen 2004.<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Klaus M. Meyer-Albich.<\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Vorige Woche hatte Udo Lindenberg ein Konzert in Hannover. Mit seinen 70 Jahren feiert er das Leben \u2013 das&#8230; <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?p=2047\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2047","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2047"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2047"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2047\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4097,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2047\/revisions\/4097"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2047"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2047"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2047"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}