{"id":8118,"date":"2025-12-17T20:08:06","date_gmt":"2025-12-17T19:08:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=8118"},"modified":"2025-12-17T20:09:28","modified_gmt":"2025-12-17T19:09:28","slug":"was-mein-leben-hell-macht","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=8118","title":{"rendered":"Was mein Leben hell macht"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>1. Koseworte und Gefahren<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><\/ol>\n\n\n\n<p>Ausgiebig duschen. Erdbeerkuchen im Caf\u00e9 Vienna.\u00a0Ins Kino gehen. Leonhard Cohen h\u00f6ren. Rausgehen und fotografieren.<em>\u00a0<\/em>Die Liste, die vor 50 Jahren an meinem Schrank hing, war noch viel l\u00e4nger.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Damen und Herren, ich will Ihnen zun\u00e4chst <strong>erz\u00e4hlen, was mein eigenes Leben hell macht.<\/strong> Und das h\u00e4ngt mit dieser Liste zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals, vor 50 Jahren, als ich\u00a0nicht so recht wusste, wer ich war und was ich eigentlich anfangen wollte mit meinem Leben. Als die\u00a0Zukunft im Dunkel lag. Die Ungewissheit, die f\u00fcr mich heute\u00a0nach Freiheit schmeckt, machte mir damals Angst. <strong>Diese Liste war ein Rezept gegen die Angst. Kleine Dinge, Alltagsideen, Begegnungen, die Lust auf Leben machen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>So wie die eine, die zuf\u00e4llige Begegnung auf dem Bahnsteig an Gleis 4<\/strong>. Dieser Unbekannte im\u00a0 Holzf\u00e4llerhemd mit dunklen Augen und\u00a0rotbraunem Haar, der dann in denselben Zug steigt wie ich. 10 Minuten Fahrt und wir wussten, dass wir nicht nur die gleichen F\u00e4cher studierten.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem\u00a0Weg durch die Stadt, beim gemeinsamen Suppe essen, war sie da, die Lebenslust. Sie hatte dunkle Augen und schmeckte nach Tomatensuppe und einem Alt. Seitdem ist klar:<strong> Seine N\u00e4he macht mein Leben hell. <\/strong>Lange Gespr\u00e4che, kurze Chats,\u00a0die Tasse Tee, die er mir\u00a0morgens ans Bett bringt. Seit 50 Jahren und bis heute. Ein Trost, ein Gl\u00fcck, ein Lachen auch in ungewissen Zeiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In Klaipeda in Litauen, im fr\u00fcheren Memel, sind wir auf einer Sommerreise \u00c4nnchen von Tharau begegnet<\/strong>. Dort steht n\u00e4mlich das Denkmal von Anna Neander, der\u00a0Tochter des Pfarrers. F\u00fcr sie hat<strong> Simon Dach im 17. Jahrhundert <\/strong>ein Hochzeitslied geschrieben. <strong>Mehr als 100 Jahre sp\u00e4ter hat Johann Gottfried Herder<\/strong> das Lied vom Niederdeutschen ins Hochdeutsche \u00fcbertragen. Von da an hatte es einen Boom \u2013 <strong>es wurde im 19. Und 20. Jahrhundert bei vielen Hochzeiten gesungen. Auch bei unsere<\/strong>r. Vielleicht kennen Sie es auch:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00c4nnchen von Tharau ist&#8217;s, die mir gef\u00e4llt.<br>Sie ist mein Reichtum, mein Gut und mein Geld.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Lied erz\u00e4hlt von einer gro\u00dfen Liebe. Gr\u00f6\u00dfer und tiefer als Krankheit und Verfolgung, Blitz, Donner und Hage<\/strong>l. Auch Kreuz und Leiden k\u00f6nnen dieser Liebe nichts anhaben &#8211; im Gegenteil: <strong>Das \u00a0alles macht sie nur st\u00e4rke<\/strong>r. Daran \u00e4ndern auch Krieg, Folter und Gefangenschaft nichts. Eine ganz andere Erfahrung steht dagegen:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00c4nnchen von Tharau, mein Licht, meine Sonn<\/strong>, mein Leben schlie\u00dft sich um deines herum, singt Simon Dach. Ich mag es, wi<strong>e anschaulich das Lied ist. Wie konkret hier die Liebe beschrieben wird<\/strong>. Wie herzlich und vertrauensvoll. Wie z\u00e4rtlich. Das ist stark. <strong>Diese Z\u00e4rtlichkeit ist\u00a0 st\u00e4rker als die \u00a0harten Schicksalsschl\u00e4ge<\/strong>, von denen die Rede ist<strong>. Im Niederdeutschen<\/strong> klingt die Liebe so: <strong>Du bist mein T\u00e4ubchen, mein Sch\u00e4fchen, mein Huhn. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Koseworte und Gefahren \u2013 um beides geht es auch in dem Kirchenlied, um das sich in dieser Woche alles dreht<\/strong>:\u00a0Jesus, meine Freude. Auch das ist ein <strong>Liebeslied. Und auch hier \u00a0geht es um St\u00fcrme,<\/strong> um den Satan, der wettert. Es kracht und blitzt, S\u00fcnde und H\u00f6lle sperren das Maul auf. Die Welt tobt. Und trotzdem \u201eTobe, Welt, und springe, ich steh hier und singe, in gar sichrer Ruh\u201c. Was f\u00fcr ein Mutmacher. Diese <strong>Liebe ist eine Trotzkraft. <\/strong>Davon sprechen auch hier <strong>die Koseworte: Meine Herzensweide, meine Zier, mein Br\u00e4utigam. Mein Schirm und mein Ruhepol. Mein\u00a0 \u00a0Freudenmeister. Und mein Lamm. Wie hie\u00df es bei Simon Dach? Mein T\u00e4ubchen und mein Sch\u00e4fchen. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beide Lieder stammen aus derselben Zeit. Aus dem 17. Jahrhundert, das vom 30-j\u00e4hrigen Krieg \u00fcberschattet wird.<\/strong> Dabei \u00a0geht es nicht nur um Waffen und Pl\u00fcnderungen, um Folter und Gefangenschaft \u2013\u00a0es geht um Gef\u00fchle &#8211; das sp\u00fcrt man schon an den starken Gef\u00fchlsausdr\u00fccken wie \u201eAch\u201c und \u201eweg\u201c. Es geht um Angst und Schmerz, um S\u00fcnde und H\u00f6lle. Und um Liebe. <strong>Beide Dichter , <\/strong>Simon Dach und Johann Franck <strong>zeichnen ihre Erfahrungen in die religi\u00f6sen Bilder und Traditionen ein<\/strong>. Dabei hat Franck <strong>kein Problem damit, im Kirchenlied dieselben Bilder zu nutzen wie in einem \u00a0Liebeslied<\/strong>. Denn das war durchaus \u00fcblich. Das Lied \u201eJesu, geh voran\u201c zum Beispiel, dass lange Zeit auf fast jeder Beerdigung genutzt wurde, war eigentlich ein Tanzlied. Und 1650, als Franck das Kirchenlied dichtete, <strong>war der drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg erst zwei Jahre vorbei. Da konnte man wohl fr\u00f6hlich sein.\u00a0Da h\u00e4tte man allen Grund zum Tanzen gehabt. Und zum Zupacken und Gestalten<\/strong>. Johann Franck ging es auch darum, das Alltagsleben heller und friedlicher zu machen. Er wurde <strong>B\u00fcrgermeister in Guben, seiner Heimatstadt<\/strong>. Wie beides zusammenh\u00e4ngt: der starke Glaube und das politische Handeln, dar\u00fcber denken wir am Ende nochmal nach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>2. Verletzlich und z\u00e4rtlich mit einem Lachen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jesu, meine Freude &#8211; Johann<strong> Francks Choral ist das Lied der Stunde<\/strong>. Denn wir kennen das ja:\u00a0Furcht und Zittern, die Schatten am heiteren Himmel.<strong> Wohin wir uns auch drehen: nach West oder Ost oder auch in den S\u00fcden: \u00dcberall Auseinandersetzungen,<\/strong> Hunger und Krieg. In der Ukraine wie in der Karibik, im Nahen Osten oder im Sudan. Und zum ersten Mal nach Jahrzehnten haben wir das Gef\u00fchl: Das \u00a0geht uns an. Der Schatten liegt auch \u00fcber unserem Leben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie k\u00f6nnen wir damit umgehen? Was hilft in dieser Situation? Von Resilienz ist jetzt viel die Red<\/strong>e. Davon, wie man sich stark macht gegen Gefahren. Wie wir Sicherheit finden in Verunsicherungen. Wie wir festen Boden unter die F\u00fc\u00dfe bekommen, wenn alles schwankt. Wie wir stark werden. \u201e<strong>Sei stark\u2026 aber bleibe verletzlich\u201c, hat Kurt Masur <\/strong>gesagt \u201e Denn wenn Du versuchst, Dich \u00a0selbst zu sch\u00fctzen,\u00a0 dann wirst Du hart. Du verlierst Deine Weichheit und Verwundbarkeit. Sei also in der Lage, beides zu sein: stark und verletzlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Da ist sie wieder, die Liebe. Die Verletzlichkeit und die Z\u00e4rtlichkeit<\/strong>. Davon erz\u00e4hlen ja\u00a0 die beiden Lieder, \u00fcber die wir eben nachgedacht haben. In \u201e\u00c4nnchen von Tharau\u201c wie in \u201eJesu meine Freude\u201c\u00a0geht es um die Frage, wie wir uns die Liebe erhalten in einer Welt voller Hass, Schmerz und Tod. <strong>Dabei ist die Liebe zu Anna, zu dem liebsten Lebensmenschen, ein Vorbild f\u00fcr die Liebe zu Jesus.<\/strong> Was Liebe ist, das lernen wir ja an unseren n\u00e4chsten Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wenn Sie an Jesus denken. Was empfinden Sie am st\u00e4rksten, hat neulich die\u00a0 Zeitschrift<\/strong> \u201eChrist in der Gegenwart\u201c ihre Lesern und Leserinnen gefragt. Die Umfrage lief unter dem Claim \u201eMein Jesus\u201c.\u00a0 <strong>Und-was w\u00fcrden Sie antworten? Was \u00a0empfinden Sie am st\u00e4rksten? Ist es Hoffnung oder Dankbarkeit, ist es Geborgenheit oder sind es Zweifel? <\/strong>Oder eher\u00a0ein fragendes Schulterzucken? Passen vielleicht\u00a0die gro\u00dfen Gef\u00fchle gar nicht mehr, weil viele Jesus zwar als Menschen bewundern, aber keine pers\u00f6nliche Beziehung zu ihm haben ?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kann der Choral helfen, sich da \u00a0hineinzuf\u00fchlen? <\/strong>Wir singen von Geborgenheit, ja, von innerer Sicherheit: \u201eIch steh hier und singe in gar sichrer Ruh.\u201c Franck geht es auch von Dankbarkeit f\u00fcr diese gro\u00dfe Liebe, die das Leben hell macht. <strong>\u201eDenen, die Gott lieben, muss auch ihr Betr\u00fcben lauter Freude \u00a0sein.\u201c<\/strong> Ich liebe diese Strophen \u2013 auch an \u00a0dunklen Tagen. Vielleicht geht es Ihnen auch so. Ich erinnere mich\u00a0an eine Zeit schmerzhafter Trauer. <strong>Da stand ich manchmal in der Dusche <\/strong>und sang dieses Lied. Unter dem Pladdern und Tosen des Wassers \u201eTobe, Welt, und springe, ich steh hier und singe..\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Denen, die Gott lieben, muss auch ihr Betr\u00fcben lauter Freude sein,\u00a0dichtet Johann Franck \u00a0Er lehnt sich dabei an Paulus an. Der schreibt in seinem Brief an die Gemeinde in Rom:<\/strong> \u201eWir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen\u201c . Ich kann das nicht lesen ohne dabei an <strong>die kleine Holztafel zu denken, die im Flur \u00a0meiner Gro\u00dfeltern hing, gleich neben dem Telefon.<\/strong>\u00a0Als Kind habe ich da manchmal auf einem\u00a0Hocker gesessen und das gelesen, \u201edass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen.\u201c Dann habe ich dar\u00fcber<strong> nachgedacht, wie meine Gro\u00dfeltern sich diesen Spruch aufh\u00e4ngen konnten &#8211; trotz allem<\/strong>. Wie sie JA dazu sagen konnten. Schlie\u00dflich schien er so gar nicht zu ihrem Leben zu passen. Schlie\u00dflich hatten sie zwei S\u00f6hne im Krieg verloren.<\/p>\n\n\n\n<p>Johann Franck geht sogar noch \u00fcber Paulus hinaus. <strong>Aus der Trauer, aus der\u00a0Bitterkeit kann lauter Freude werden, sagt er. F\u00fcr ihn ist es Jesus, der alles dreht \u2013 um den sich alles dreht. <\/strong>\u201eWenn Sie an Jesus denken, was empfinden Sie am st\u00e4rksten\u201c, hat \u201eChrist in der Gegenwart\u201c gefragt. Und dann auch: <strong>Gibt es Eigenschaften oder Rollen von Jesus, die Sie besonders ansprechen\u201c?\u00a0 Zum Beispiel: Guter Hirte, <\/strong>Wunderheiler, F\u00fcrsprecher der Armen oder Friedensf\u00fcrst? Das ist einer, der mein Leben fr\u00f6hlich mache\u00a0kann. Der mich wieder lachen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und dann das Lamm.\u00a0Dieses Kosewort \u00a0mag uns fremd erscheinen, ist aber ein Ausdruck starker Liebe und Z\u00e4rtlichkeit. Auch Simon Dach nennt Anna Neander sein \u201eSch\u00e4fchen<\/strong>\u201c. Wenn ich das Wort h\u00f6re, <strong>denke ich in die gro\u00dfe Kirche, in der ich als kleines M\u00e4dchen\u00a0gesessen habe<\/strong>. Von den Worten im Gottesdienst habe ich nicht viel verstanden, ich habe derweil die Kassetten unter der Decke gez\u00e4hlt. Oder das Bild\u00a0vorn am Altar\u00a0 angeschaut, das eine ganze Geschichte erz\u00e4hlte.<strong> Ein Parament, ein gesticktes Stoffbild, auf dem in der Mitte das Lamm zu sehen war. Nicht der Hirte,\u00a0das Lamm<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ich mochte dieses Lamm<\/strong>: Es war nicht bedrohlich wie\u00a0ein Wolf. Stattdessen klein und zart. Und verletzlich. So war es mir als Kind irgendwie nah, <strong>f\u00fcr mich auf Augenh\u00f6he. Dieses Lamm trug stolz einen kleinen roten Wimpel. <\/strong>Offenbar hatte es einen Kampf gewonnen. Den Kampf gegen Gefahren, gegen das B\u00f6se. Das erinnert an Jesus, erkl\u00e4rte meine Mutter. An seinen Tod und seine Auferstehung. <strong>Es zeigt, dass das Leben siegt<\/strong>. Ich wei\u00df nicht, ob ich das verstanden habe \u2013 aber ich habe das Bild ganz fest im Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Lamm begegnet mir seitdem immer wieder: als Fresko in einer alten Kirche oder auch als gebackenes Osterl\u00e4mmchen<\/strong>. Und auch das letzte Kapitel der Bibel<strong>, die Apokalypse, erz\u00e4hlt von diesem Lamm.<\/strong> Das Buch soll uns janicht erschrecken, wie wir beim Wort Apokalypse denken, es will Mut machen. Da lesen wir<strong>: Wenn alles hinter uns liegt, was uns jetzt Angst macht, werden wir ihm\u00a0 begegnen<\/strong>. In der Mitte des neuen Jerusalem, der Stadt Gottes. Da gibt es keine Tempel und keine Kirche, kein Rathaus und keine Pal\u00e4ste \u2013 <strong>nur das Lamm. Ein lebend<\/strong>iges Zeichen des Friedens unter den V\u00f6lkern. \u201eGottes Lamm, mein Br\u00e4utigam, au\u00dfer Dir soll nichts auf Erden mit sonst lieber werden\u201c, singen wir.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Oh ja, Franck wei\u00df schon, was einem sonst noch \u00a0lieb sein kann. Ehre und Besitz<\/strong>. Ein Luxusleben. <strong>Dass wir was haben, dass wir wer sind und das Leben genie\u00dfen k\u00f6nnen. Aber wie wird eigentlich aus der Lebenslust ein Lasterleben? <\/strong>Ich denke, alles dreht sich, wenn wir hoffen, Status und materielle Sicherheit k\u00f6nnte uns sch\u00fctzen vor Angst und Verletzlichkeit. <strong>Wenn wir nur reich oder m\u00e4chtig genug w\u00e4ren, k\u00f6nnte uns nichts passieren. Auf den ersten Blick mag das stimmen.<\/strong> Wir sehen es gerade in Washington oder im\u00a0 Silicon Valley. Aber der Preis ist hoch. Das zerst\u00f6rt unser Miteinander. <strong>Wenn dieses Denken zu unserer Lebensmaxime wird, dann dreht sich was \u2013 zum Schlechten.<\/strong> Deshalb\u00a0 halte ich es l<strong>ieber mit unserem \u00a0Lied,\u201eGottes Macht h\u00e4lt mich in Ach<\/strong>t, Erd und Abgrund muss verstummen \u2013 ob sie noch so brummen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Als Johann Sebastian Bach etwa 75 Jahre sp\u00e4ter eine Motette um dieses Lied komponierte, da hat er S\u00e4tze aus dem\u00a0 Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom<\/strong> zwischen den Strophen eingef\u00fcgt. <strong>R\u00f6mer 8, Vers 1 und 2 geh\u00f6ren auch dazu<\/strong>. Da steht: So gibt es nun keine Verdammnis f\u00fcr die, die zu Jesus Christus geh\u00f6ren. Denn das Gesetz des Geistes, der da lebendig macht in Christus Jesus, hat mich frei gemacht<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>3. Alles kann sich drehen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie sich mit Jesus alles drehen kann, dar\u00fcber hat Gerhard Sch\u00f6ne geschrieben. Ich habe Gerhard Sch\u00f6ne zum ersten Mal 1988 in der ehemaligen DDR geh\u00f6rt<em>.<\/em> Er ist ein Meister darin, alte Kirchenlieder mit den Erfahrungen unserer Zeit zu f\u00fcllen. <\/strong>Auch in diesen Choral\u00a0ist er tief eingetaucht\u00a0 und hat ihn neu interpretiert. Nicht einfach nur modernisiert, sondern tats\u00e4chlich umgedichtet.\u00a0<strong>Dabei \u00a0benutzt er die \u00a0alten Namen f\u00fcr Jesus. Nennt ihn \u201eHerzensweide\u201c und \u201ewahrer Gott.\u201c<\/strong> Aber dann kommt die Wendung \u2013 er nimmt die \u00a0Erfahrungen von heute auf. \u00a0Die meisten Menschen \u00a0<strong>begegnen den \u00a0Worten Jesu gleichg\u00fcltig- und das w\u00e4re immerhin etwas. Oder sie f\u00fchlen sich gest\u00f6rt.<\/strong> Und da haben sie einen PUNKT, meint Sch\u00f6ne. Denn <strong>Gottes Wort st\u00f6rt unsere Sicherheit.<\/strong> Er ist Sand im Weltgetriebe. Spricht vom Frieden und von Vers\u00f6hnung, w\u00e4hrend wir \u00fcber Verteidigung nachdenken. Vom Menschen aus Ost und West, aus Nord und S\u00fcd, die im neuen Jerusalem zusammenkommen, w\u00e4hrend wir Angst vor den Fremden haben. <strong>Tats\u00e4chlich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seine Worte st\u00f6ren<\/p>\n\n\n\n<p>Den gewohnten Trott<\/p>\n\n\n\n<p>Du gef\u00e4hrdest Sicherheit<\/p>\n\n\n\n<p>Du bist Sand im Weltgetriebe<\/p>\n\n\n\n<p>Du, mit Deiner Liebe<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Liebe ist die gro\u00dfe Gegenkraft.<\/strong> Das singt \u00a0auch Gerhard Sch\u00f6ne. Und er bezieht sich dabei auf seine eigenen Erfahrungen: Schon als ich ihn 1988 zum ersten Mal geh\u00f6rt habe, war ich begeistert \u00fcber diesen Mutmacher, der die Worte so nutzt, dass der Blick sich dreht. <strong>Hier in seinem Lied, kommt jetzt die gro\u00dfe Drehung. Sch\u00f6ne erz\u00e4hlt; dass und wie Jesus selbst die Liebe ist. Der hat alles erlebt, was Menschen f\u00fcrchten<\/strong>, was wie ein dunkler Schatten \u00fcber uns liegt, Verrat und Folter,\u00a0Gefangenschaft und Todesangst.<strong> Und trotzdem:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bist nicht totzukriegen; niemand kann besiegen<\/p>\n\n\n\n<p>Deiner Liebe Kraft.<br>Wer dich foltert und erschl\u00e4gt<br>Hofft auf deinen Tod vergebens<br>Samenkorn des Leben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samenkorn des Lebens \u2013 noch ein neuer, ein sch\u00f6ner Gottesname, ein Name f\u00fcr die unkaputtbare Liebe<\/strong>.<strong> Im Blick auf Gaza ist ja oft dar\u00fcber gesprochen worden, dass man\u00a0 Hass nicht mit Bomben ausl\u00f6schen kann. <\/strong>Ganz im Gegenteil, hie\u00df es dann: Die n\u00e4chste Generation wird umso mehr hassen<strong>. Aber so ist es mit der Liebe und der Hoffnung auch<\/strong>. Die Regime in Russland oder Belarus k\u00f6nnen die Oppositionellen in den Gef\u00e4ngnissen mundtot machen. Aber die Hoffnung t\u00f6ten sie nicht. Die Hoffnung; dass es nicht so bleibt wie es ist. Dass die Welt sich ver\u00e4ndern kann. Dass die Menschenliebe sich durchsetzt. Und dass keiner mehr hungern muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Jesu , Freund der Armen,<\/p>\n\n\n\n<p>gro\u00df ist Dein Erbarmen mit der kranken Welt, hei\u00dft das bei Sch\u00f6ne.<br>Und wenn ich ganz unten bin<br>Wei\u00df ich dich an meiner Seite<br>Jesu, meine Freude.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Da schlie\u00dft sich der Kreis zum alten Choral. Jesus ist nicht nur die Liebe,<\/strong> an der ich mich festhalte, zu der ich stehe \u2013 er steht auch zu\u00a0 mir. Und er w\u00e4rmt und tr\u00e4gt mich mit seiner Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Da schlie\u00dft sich der Kreis und geht doch noch einmal dar\u00fcber hinaus:<\/strong> Der Freund der Armen, der die kranke Welt nicht vergisst, ermuntert mich auch, auf die zu achten, denen es heute so geht wie dem Gekreuzigten.<strong> Ich denke an die \u00a0Schriftsteller in den Gef\u00e4ngnissen, die Kinder in der Ukraine, die Angst vor den Drachen und den Drohnen haben, die Gefl\u00fcchteten hier bei uns,<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Glauben ist ganz pers\u00f6nlich, darum habe ich auch aus meiner Geschichte erz\u00e4hlt. Aber er ist nicht nur individuell. Wir singen gemeinsam davon. Und darum soll er auch keine Privatsache sein.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>&nbsp;Unser Glaube zielt auf diese Welt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Kirchenlied von Franck und Cr\u00fcger und Bachs Motette \u2013 sie erz\u00e4hlen \u00a0von einer gro\u00dfen Liebe, von der Hoffnung, die uns Mut machen kann. <strong>Ich w\u00fcnsche uns allen den Mut, darauf zu hoffen,<\/strong> das diese Liebe unser Leben hell macht. \u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Koseworte und Gefahren Ausgiebig duschen. Erdbeerkuchen im Caf\u00e9 Vienna.\u00a0Ins Kino gehen. Leonhard Cohen h\u00f6ren. Rausgehen und fotografieren.\u00a0Die Liste, die&#8230; <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=8118\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":232,"menu_order":-45,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-8118","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/8118"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8118"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/8118\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8120,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/8118\/revisions\/8120"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/232"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8118"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}