{"id":8094,"date":"2025-11-20T17:44:24","date_gmt":"2025-11-20T16:44:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=8094"},"modified":"2026-03-20T14:54:18","modified_gmt":"2026-03-20T13:54:18","slug":"buss-und-bettag-2025-ich-bin-da-wenn-du-mich-brauchst-zu-lukas-11-1-13","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=8094","title":{"rendered":"Bu\u00df-und Bettag 2025: Ich bin da, wenn Du mich brauchst ( zu Lukas 11, 1-13)"},"content":{"rendered":"\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-medium-font-size\"><strong>Eine hohe Schwelle<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><strong>\u201eIch bin auch schon rausgeflogen\u201c<\/strong>. Die Besuchsdienstfrau in unserer Arbeitsgruppe erz\u00e4hlt das nicht ohne Stolz. Sie hat die Aufgabe \u00fcbernommen, Menschen \u00fcber 80 zu besuchen, nach ihnen zu schauen und die Verbindung mit der Gemeinde zu st\u00e4rken. Aber nicht jeder will das und manche haben kein Vertrauen. Sie sind unsicher, ob die Unbekannte wirklich von der Kirche kommt! Ich bin auch schon rausgeflogen\u201c \u2013 das klingt entt\u00e4uscht, aber auch mutig. Die Besuchsdienstfrau macht trotzdem weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer so etwas selbst schon versucht hat, wer f\u00fcr das M\u00fcttergenesungswerk gesammelt oder &nbsp;Haust\u00fcrwahlkampf gemacht hat,&nbsp;wer einfach nur bei den neuen Nachbarn geklingelt hat, der wei\u00df: <strong>Die Schwelle, die Du da \u00fcberwinden musst, ist ganz sc<em>h\u00f6n<\/em><\/strong><em> <\/em><strong>hoch. Wenn Du auf ein Klingelschild dr\u00fcckst , aber den Menschen nicht kennst<\/strong>, der sich hinter dem fremden Namen &nbsp;verbirgt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Umgekehrt kann es nat\u00fcrlich genauso sein \u2013&nbsp;die Angst vor dem Fremden &nbsp;ist der Grund,<\/strong> warum viele eine Gegensprechanlage haben \u2013 oder zumindest einen Spion an der Haust\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>2. Leichter Zutritt \u2013 niedrigschwellig<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Klingelschild, das uns heute zum Bu\u00df-und-Bettag begleitet, macht die Schwelle niedri<\/strong>g. \u201eIch bin da, wenn Du mich brauchst\u201c steht da.&nbsp;Du kennst mich nicht, aber Du sollst wissen: \u201eIch bin Dir zugewandt.\u201c&nbsp; Das ist ein bisschen wie bei der Telefonseelsorge: Du wei\u00dft nicht, wer am anderen Ende der Leitung sitzt, Du kennst keine private Adresse \u2013 aber Du wei\u00dft: unter dieser Nummer erreiche ich jemanden, der mir zuh\u00f6rt, wenn ich ein offenes Ohr brauche. Manche versuchen ist inzwischen auch im Netz und viele junge Leute setzen auf Chat-GPD \u2013 immer mit Sicherheitsabstand.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Einfach nur bei den Nachbarn klingeln: Das ist heute gar nicht mehr so einfach. <\/strong>In den St\u00e4dten, wo die Mobilit\u00e4t gro\u00df ist, kennen viele ihre Nachbarn gar nicht \u2013 die Zeit fehlt, um Beziehungen reifen zu lassen. Und trotzdem braucht man sich manchmal \u2013&nbsp;das gilt vor Allem f\u00fcr \u00c4ltere und Familien mit kleinen Kindern. Gibt es jemanden, der mir etwas aus dem Supermarkt mitbringen kann? F\u00e4hrt einer in Richtung Stadtzentrum und kann mich mitnehmen? &nbsp;Hat vielleicht jemand einen Rasenm\u00e4her, den er&nbsp; gar nicht immer &nbsp;braucht? Solche Fragen kl\u00e4ren&nbsp; heute viele &nbsp;\u00fcber das Internet \u2013 \u00fcber<strong> \u201enebenan.de\u201c zum Beispiel<\/strong>. <strong>Im Netz ist es leichter, die Schwelle zu \u00fcberschreiten<\/strong> und mit Unbekannten in Kontakt zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zucker, Eier, Milch \u2013 um was man fr\u00fcher die Nachbarn bat,<strong> bekommt man heute am Kiosk oder an der Tanke. Nicht \u00fcberall allerdings- und nat\u00fcrlich &nbsp;auch zu Jesu Zeiten nicht<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>3. Netze, die &nbsp;tragen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jesus erz\u00e4hlt von einem Mann, der nachts der der T\u00fcr seines Freundes klopft, weil ein anderer Freund zu ihm zu Besuch gekommen ist. Mit Schrecken hat er festgestellt, dass er kein Brot zu Hause hatte. Und mindestens das war man G\u00e4sten schuldig \u2013 das ist in vielen Kulturen heute noch so<strong>. Du w\u00fcrdest alles geben, was Du hast, damit Deine G\u00e4ste nicht an einem leeren Tisch sitzen Das w\u00fcrde bedeuten, dass Du aus allen Beziehungsnetzen herausf\u00e4llst. Also was tun? Der Mann &nbsp;klopft an dieT\u00fcr seines Freundes . Klingeln gab es noch nicht <\/strong>Stattdessen einen gro\u00dfen <strong>Querbalken vor der schweren Holzt\u00fcr \u2013 ein Riegel, der das Haus sicherte. Es war also ganz sch\u00f6n laut zu klopfen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der &nbsp;Freund drinnen steht erstmal nicht auf \u2013 er versucht, den anderen wegzuschicken. <strong>Aufstehen w\u00fcrde n\u00e4mlich bedeuten, \u00fcber Frau und Kinder hinweg zu steigen , die alle im gleichen Raum auf ihren Matten schlafen \u2013 und also alle zu wecken, auch den S\u00e4ugling, der inzwischen schon &nbsp;schreit. Ic<\/strong>h denke, das verstehen wir alle gut.<strong> Wir haben gelernt,&nbsp; auf uns selbst zu achten, damit wir nicht \u00fcberfordert werden von den Bitten und W\u00fcnschen anderer. Wir gehen auf Distanz.<\/strong> Haben gelernt, &nbsp;uns zu sch\u00fctzen.&nbsp;Vor den Obdachlosen in der Innenstadt. Vor den Patienten im Krankenhaus, vor der \u00dcberforderung in der Pflege. Vor den Mails des Chefs am sp\u00e4ten Abend.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Geschichte, die Jesus erz\u00e4hlt, <strong>gibt<\/strong> <strong>der Freund drau\u00dfen aber nicht nach \u2013 und so wird am Ende sein Wunsch erf\u00fcllt<\/strong>. Er bekommt &nbsp;die drei Brote, die der braucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>4. Eine Parabel \u00fcber das Beten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Gleichnis ist <strong>eine Parabel \u00fcber das Beten.\u201c Bittet und es wird euch gegeben \u2013 sagt Jesus<\/strong>.&nbsp; Sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch ge\u00f6ffnet.\u2002Denn wer bittet, der empf\u00e4ngt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird ge\u00f6ff<strong>net. Aber ist das wirklich so?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wenn der Nachbar, der sich am Ende erweichen l\u00e4sst, f\u00fcr Gott stehen soll, dann muss man&nbsp; sagen: Es ist eben nicht selbstverst\u00e4ndlich<\/strong>, dass Menschen sich erweichen lassen. Das gilt jedenfalls f\u00fcr mich. Auch ich wei\u00df mich zu sch\u00fctzen. <strong>Ja, ich hoffe, dass Gott da ist, wenn ich ihn brauche \u2013 aber wenn andere mich brauchen, bin ich eben oft mit anderen Dingen besch\u00e4ftigt. Ich muss also hoffen, dass Gott ganz &nbsp;anders ist als ich.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Darauf setzt das Gleichnis.<strong> Deshalb macht es &nbsp;mir Mut, zu klopfen. Zu klingeln. Mit meinen Fragen, Hoffnungen, W\u00fcnschen zu ihm zu kommen. Ich bin aber auch &nbsp;schon entt\u00e4uscht worden<\/strong>. Und Sie sicher auch. &nbsp;Auch bei ganz existenziellen Fragen und Sorgen. Wir beten um Erfolg , um Gl\u00fcck und Gesundheit &nbsp;und unsere W\u00fcnsche werden nicht erf\u00fcllt. Oder ganz anders und viel, viel sp\u00e4ter. <strong>Wir beten um Frieden \u2013 gerade jetzt \u2013 und sind zugleich unsicher, ob unser Gebet etwas \u00e4ndern kann.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fast h\u00e4tte ich den Text beiseitegelegt <\/strong>und eine andere Grundlage f\u00fcr die Predigt gesucht. Aber dann &nbsp;habe ich nochmal auf den gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang geschaut.<strong> Zuerst fiel mein Blick auf die Schlusspassage \u2013 da steht ein zweites kleines Gleichnis: <\/strong>Wo bittet ein Sohn seinen Vater um Brot und der gibt ihm einen Stein? <strong>Und welcher Sohn bittet um Fisch und der Vater gibt ihm einen Skorpion? \u201e Das wird doch kein Vater tun,<\/strong> denkt man. Und Jesus f\u00e4hrt fort: \u201eWenn ihr , die ihr arg seid, Euren Kindern gute Gaben geben k\u00f6nnt, wieviel mehr<strong> wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn darum bitte<\/strong>n.\u201c Gott ist a<strong>lso viel gr\u00f6\u00dfer<\/strong>. Es geht also nicht um Brot oder Fisch \u2013 so wichtig die sind, um zu leben. <strong>Es geht um die Geistkraft.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die &nbsp;kann bewirken, dass wir zu einer neuen Sichtweise<\/strong> kommen und umfassender sehen k\u00f6nnen. Nicht krampfhaft an der einen M\u00f6glichkeit festhalten. <strong>Ja, T\u00fcren bleiben verschlossen. Und ja, manchmal ist das Leben schwer ertr\u00e4glich. Und offenbar ist Beten kein Weg, unsere W\u00fcnsche durchzusetzen. Gott liefert nicht einfach, was wir wollen <\/strong>\u2013 ebenso wenig wie die Politik. &nbsp;Es geht darum, unsere Hoffnungen in einem neuen Kontext zu sehen, <strong>&nbsp;neue Antworten auf unsere Fragen zu finden. Uns selbst zu bewegen<\/strong>. Uns aufeinander zu zu bewegen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und wenn ich den ganzen Text anschaue, mache ich eine zweite Entdeckung: Es geht um Verbundenheit. Und um Vertrauen<\/strong>. Der Bittende im Gleichnis <strong>bittet den einen Freund, um den anderen gastfreundlich empfangen zu k\u00f6nnen. Er wei\u00df dabei: der Freund w\u00fcrde es genauso machen<\/strong>. Noch &nbsp;bevor Jesus das erste Gleichnis erz\u00e4hlt, wird er von seinen J\u00fcngern gebeten, <strong>zu sagen, wie sie beten sollen. <\/strong>Tats\u00e4chlich steht deshalb das Vater unser am Anfang des Textes. Darin hei\u00dft es. <strong>Gib uns t\u00e4glich das Brot, das wir brauchen! Und erlass uns unsere S\u00fcnden; \/ denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Die Gottesbeziehung hat mir unseren Erfahrungen mit dem N\u00e4chsten zu tun! In beiden F\u00e4llen geht es um Vertrauen und Verbundenheit<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>5. Wie Perlen an einer Kette<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht kennen hier einige die Perlen des Glaubens, die <strong>der Schwede Martin R\u00f6nnebro von einer Retraite auf der Insel mitgebracht hatte. Die Perlen haben verschiedene Farben und jede von ihnen ist selbst ein Gleichnis, erz\u00e4hlt eine Geschichte.<\/strong> Da gibt es die goldene Gottesperle und die beige Ich-Perle, die blaue Perle der Gelassenheit und die roten der Liebe. Eigentlich erz\u00e4hlen die Perlen ein ganzes Leben.<strong> Alle&nbsp; sind auf das gleiche Band gef\u00e4delt. Von einer Perle zur anderen wird der Horizont der Betenden weiter, <\/strong>von Gebet zu Gebet kann man lernen die vorigen neu zu sehen. So sind diese Perlen zugleich ein &nbsp;praktische Hilfe zum Beten, eine Hilfe zum Leben. Wir stehen in einem Gefle<strong>cht von Beziehungen \u2013 und die Beziehung zu Gott geh\u00f6rt dazu.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In echten Beziehungen suchen wir nach Begegnung, nach Heilung und Liebe. <strong>Viele halten Best\u00e4tigung f\u00fcr Liebe<\/strong>, schreibt der Franziskaner Jan in seinem Blog \u201eBarfu\u00df und wild\u201c. &nbsp;Doch <strong>ein Echo , die Manifestation unserer Tr\u00e4ume, die Erf\u00fcllung unserer W\u00fcnsche, kann das Herz nicht n\u00e4hren. Die heilende Begegnung beginnt dort, wo wir nicht mehr nur Zustimmung suchen, sondern uns \u00f6ffnen f\u00fcr das, was ist. Wir sagen dazu auch \u00bbGebet\u00ab. <\/strong><strong>&nbsp;Amen<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch bin auch schon rausgeflogen\u201c. Die Besuchsdienstfrau in unserer Arbeitsgruppe erz\u00e4hlt das nicht ohne Stolz. 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