{"id":8092,"date":"2025-11-20T17:30:57","date_gmt":"2025-11-20T16:30:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=8092"},"modified":"2025-11-20T17:30:57","modified_gmt":"2025-11-20T16:30:57","slug":"gemeinschaft-entdecken-in-einer-pluralen-welt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=8092","title":{"rendered":"Gemeinschaft entdecken in einer pluralen Welt"},"content":{"rendered":"\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-medium-font-size\"><strong>Lasst die Blasen platzen \u2013 Individualismus als Lebensgef\u00fchl<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><strong>Es ist jetzt drei Jahre her, dass mein \u201eGemeinschaftsbuch\u201c erschienen ist.<\/strong> Kurz nach der Pandemie. Damals hatte man zusehen k\u00f6nnen, wie Gemeinschaften Risse bekamen. Trotzdem habe ich w\u00e4hrend der Pandemie auch sehr viel Aufbruch gesp\u00fcrt: in Nachbarschaften, Betriebsfamilien, bei Chorproben und Spieleabenden. Ein Anfang, dachte ich damals: \u00a0Unsere individualisierte Gesellschaft kommt in Bewegung, ein neues Miteinander entsteht \u2013 auf Augenh\u00f6he und quer durch die Generationen. Diese Neuaufstellung hat mich fasziniert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-4ceec40fa45fc293748aa3c59c15f6bc\"><a>W\u00e4hrend ich \u00fcber die neuen Gemeinschaftserfahrungen nachdachte, schrieben andere \u00fcber Einsamkeit,lange ein Tabuthema, in der Pandemie aber wurde es zum \u00f6ffentlichen Thema. <\/a>Im Sozio-\u00f6konomischen Panel 2021 gaben rund 42 Prozent der Bev\u00f6lkerung an, sich einsam zu f\u00fchlen. Einsamkeit erh\u00f6ht das Risiko f\u00fcr Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch f\u00fcr Depressionen und Suizidalit\u00e4t. Corona lege offen, woran das Gemeinwesen schon l\u00e4nger erkrankt sei, meint Diana Kinnert in ihrem Buch \u00fcber die neue Einsamkeit. Die alten Strukturen der Begegnungen seien verbraucht, das Zwanglose sei zur allgemeing\u00fcltigen Umgangsformel, menschliche Beziehungen fl\u00fcchtig geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Der Weg hinaus f\u00fchre \u00fcber wechselseitige Unterst\u00fctzung,<em> s<\/em>chreibt Noreena Hertz in ihrem Buch \u201eDas Zeitalter der Einsamkeit\u201c. Ma\u00dfgeblich sei, dass Menschen sich nicht nur umsorgt f\u00fchlen und umsorgt sind, sondern dass sie auch Gelegenheit haben, f\u00fcr andere zu sorgen. Dazu m\u00fcsse die Politik sozialstaatliche Strukturen so \u00e4ndern, dass es Menschen m\u00f6glich werde, einander besser zu helfen. Und auch ein kultureller Wandel sei n\u00f6tig: F\u00fcrsorglichkeit, Freundlichkeit und Mitgef\u00fchl m\u00fcssten aktiv gef\u00f6rdert und deutlicher belohnt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>A<\/strong>ls die sozialen Einrichtungen und Dienste und auch die Schulen w\u00e4hrend der Pandemie schlie\u00dfen mussten, setzte die Politik auf das informelle F\u00fcreinand<strong>er <\/strong>in Familie und Nachbarschaften, von der h\u00e4uslichen Pflege \u00fcber die Kinderbetreuung bis zur Schulaufgabenhilfe, und f\u00fcr kurze Zeit schien das auch zu klappen.\u00a0 Dabei wurde \u00fcbersehen, wie stark Familien, insbesondere Alleinerziehende, heute auf ein Netzwerk kommunaler Dienstleistungen und Institutionen angewiesen sind, wenn es um Erziehung, Betreuung und Pflege geht. Denn Caring \u2013 aufeinander achten, f\u00fcreinander sorgen, sich umeinander k\u00fcmmern \u2013 braucht Zeit und tragf\u00e4hige Absprachen zwischen Partner*innen, Eltern und Gro\u00dfeltern, in der Nachbarschaft und unter Freund*innen. Aber diese Zeit ist knapp. Und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird noch mehr unter Druck geraten, wenn, wie politisch gew\u00fcnscht, Teilzeitkr\u00e4fte in der Erwerbsarbeit aufstocken. Damit nehmen auch die Erwartungen an Tageseinrichtungen, Schulen, Pflegedienste zu \u2013 die jetzt schon an der Grenze ihrer M\u00f6glichkeiten arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch in diesem Feld gab es neue Erfahrungen von Gemeinschaft: Eltern im Homeoffice hatten mehr M\u00f6glichkeiten, ihre eigene Arbeit mit dem Homeschooling der Kinder aufeinander abzustimmen. Firmen boten per Zoom Programme f\u00fcr Kinder an. &nbsp;In den M\u00f6belh\u00e4usern hatten die K\u00fcchen einen Boom \u2013 denn Familien begannen, miteinander zu kochen und zu essen statt eine Pizza zu bestellen. Manchmal gab es Spieleabende mit den Gro\u00dfeltern per Zoom. In den Stadtrandsiedlungen entstanden Co-Working Rooms mit Kinderangeboten f\u00fcr alle, die nicht ins B\u00fcro fahren konnten. Und am Ende taten sich in den Sommerferien Kirchen, Schulen und Kommunen zusammen, um in einer neuen, ungewohnten Atmosph\u00e4re an den L\u00fccken im Lehrstoff zu arbeiten. Und vieles davon ist zugleich ein Hinweis auf Ver\u00e4nderungsbedarf.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Aufruf <strong>\u201eCare.Macht.Mehr\u201c<\/strong> haben Barbara &#8230; daf\u00fcr geworben, aus der Krise zu lernen und die Sorgearbeit in der Gesellschaft neu zu organisieren\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>2. Pluralisierung der Lebenswelten \u2013 Innovation unter Druck<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ganz sicher ist die Coronakrise ein Wendepunkt. Aber sie k\u00f6nnte ihre Wirkung nicht entfalten, wenn nicht vorher schon vieles br\u00fcchig oder fragw\u00fcrdig gewesen w\u00e4re. \u201eKrisen haben dann tiefe Wirkungen, wenn sie auf eine Kultur treffen, die bereits in Schwingung versetzt und deren innere Konsistenz fragw\u00fcrdig geworden ist\u201c, meint Matthias Horx. Dann \u2013 und nur dann \u2013 erzeugen sie eine Abweichung im historischen Pfad.&nbsp; Das gilt f\u00fcr die zunehmende Individualisierung genauso wie f\u00fcr die wachsende Einsamkeit \u2013 aber auch f\u00fcr die Entwicklung neuer Gemeinschaften.&nbsp; Von den sogenannten \u201eCo-Kulturen\u201c \u2013 Coworking und Sharing in der Nachbarschaft \u00fcber die Senioren-Wohngemeinschaften und die neuen Genossenschaften bis hin zu den Sorgenden Gemeinschaften. Das Neue hat l\u00e4ngst begonnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Individualisierung und Mobilit\u00e4tsanforderungen haben Bindungen, Traditionen, Rituale gelockert. Kirchen und Gewerkschaften verlieren Mitglieder, Nachbarschaften ver\u00e4ndern sich im Zuge von Mobilit\u00e4t und Migration. Schulen wie Pflegeeinrichtungen m\u00fcssen mit kultureller Diversit\u00e4t umgehen. Die Erosion des Zusammenhalts haben viele in den letzten Jahren als gr\u00f6\u00dftes gesellschaftliches Problem identifiziert. Die Lebenswelten differenzieren sich immer mehr aus, die gesellschaftlichen Gr\u00e4ben vertiefen sich. Nicht wenige w\u00fcrden sagen, dass dazu die Phase des Neoliberalismus beigetragen hat, in der staatliche Regulierung zur\u00fcckgenommen wurde, um die Dynamik der M\u00e4rkte zu entfachen. Andere sehen einen Grund in der Emanzipation von Minderheiten, die zu einer \u201eGesellschaft der Singularit\u00e4ten\u201c<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> gef\u00fchrt habe.&nbsp; Aus dem Respekt, der im Wahlkampf 2019, noch plakatiert wurde, sei blanker Egoismus geworden. Wir erleben eine zunehmende Polarisierung zwischen Gewinner*innen und Verlierer*innen, den Hochqualifizierten in der Wissens\u00f6konomie und den Niedrigqualifizierten im Dienstleistungssektor, zwischen Metropolen und schrumpfenden Regionen. Der Soziologe Andreas Reckwitz wirbt f\u00fcr eine \u201eRekonstruktion des Allgemeinen im Sozio\u00f6konomischen wie im Kulturellen\u201c.<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der klar und verl\u00e4sslich gezeichnete Rahmen, in dem viele von uns aufgewachsen sind, hat sich aufgel\u00f6st. &nbsp;Jana Simons Buch \u201eUnter Druck\u201c<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\"><sup>[3]<\/sup><\/a> beschrieb schon die gesellschaftlichen und politischen Ver\u00e4nderungen aus der Perspektive ganz verschiedener Menschen vom Staatssekret\u00e4r bis zur Krankenschwester. \u201eEtwas kommt in allen Gespr\u00e4chen sehr h\u00e4ufig vor\u201c, schreibt die Autorin: \u201eAngst, Angst vor der Zukunft, vor Verlust, Abstieg, Armut, Alter, Krankheit, politischer Spaltung und Instabilit\u00e4t der Welt.\u201c<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Auch in der Erwerbsarbeit geht es um Zugeh\u00f6rigkeit, um Teilhabe, neue Erfahrungen und Selbstentfaltung \u201eum ein St\u00fcck Leben au\u00dferhalb der Familie in R\u00e4umen, die unterschiedliche soziale Kreise zusammenbringen\u201c schreibt Jutta Allmendinger. Erwerbsarbeit ist eben mehr ist als Leistung und Einkommen.<a href=\"#_ftn5\" id=\"_ftnref5\"><sup>[5]<\/sup><\/a>&nbsp; Unternehmen und Arbeitspl\u00e4tze sind Betriebsgemeinschaften und&nbsp; zentrale Orte der Begegnung. Oder soll ich sagen \u2013 sie waren es?<a href=\"#_ftn6\" id=\"_ftnref6\"><sup>[6]<\/sup><\/a> Die alten Betriebsfamilien bei Ford, Bosch oder Siemens stehen unter Druck. Viele Industriearbeitspl\u00e4tze, die unser Land seit der gro\u00dfen Transformation im 19 Jahrhundert gro\u00df gemacht haben, gehen verloren. Immerhin wird der Strukturwandel in der Automobilbranche endlich \u00f6ffentlich diskutiert. Die Diskussionen drehen sich nun auch um die weltweiten Abh\u00e4ngigkeiten \u2013 bei den Chips oder in der Pharmaindustrie. Corona hat globale Handelsketten unterbrochen, langfristige Planungen infrage gestellt. Fragile Abh\u00e4ngigkeiten sichtbar, gemacht. die bis dahin verdr\u00e4ngt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der brechenden Lieferketten gilt es, einen neuen Umgang mit Arbeit zu finden. Politisch, aber auch privat. Das selbstverst\u00e4ndliche \u201eWeiter so\u201c ist infrage gestellt. B\u00fcrokr\u00e4fte im Homeoffice erlebten, wie wichtig der Austausch ist. Die sp\u00fcrbare, f\u00fchlbare Anerkennung, von Kund*innen und Klient*innen sich auszutauschen, zu kritisieren und Innovation in die Welt zu setzen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>\u00a03. Vom Mutterhaus zum Quartiersnetz- (Wahl-)Familien in der Transformation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfe Transformation \u2013 der Begriff beschrieb urspr\u00fcnglich die Ver\u00e4nderungen in der Industrialisierung. Auch damals brachen f\u00fcr viele Menschen die sozialen Zusammenh\u00e4nge, die sie getragen hatten, zusammen. Die Schattenseite der neuen Produktivit\u00e4t, des Anwachsens der St\u00e4dte und des steigenden \u00c4ndern Wohlstandes waren Arbeitslosigkeit und Armut, alleingelassene und verwahrloste Kinder und Kranke, Wohnungsnot und in der Folge oft Kriminalit\u00e4t. Es dauerte Jahrzehnte, bis am Ende des 19. Jahrhunderts die sozialen Sicherungssysteme entstanden, die den deutschen Sozialstaat heute noch konturieren. Bis dahin gab es heftige gesellschaftliche und politische Auseinandersetzungen. Aber es gab eben auch B\u00fcrger*innen, die neue gemeinschaftliche Initiativen entwickelten \u2013 wie Amalie Sieveking oder Theodor und Friederike Fliedner. Sie gr\u00fcndeten Vereine, schufen Genossenschaften, Gemeinschaften und Wahlfamilien, organisierten Kinderg\u00e4rten und Pflegeeinrichtungen, dazu neue Berufe und Ausbildungsg\u00e4nge sowie Quartierskonzepte f\u00fcr die St\u00e4dte.&nbsp; Zu den erfolgreichsten Modellen geh\u00f6rte die Entwicklung diakonischer Gemeinschaften, Wahlfamilien f\u00fcr unverheiratete Frauen, die Kindern wie Kranken Geborgenheit gaben. Damals sprach man von den Vorst\u00e4nden als V\u00e4ter und M\u00fctter, von den Kolleginnen als Schwestern oder Br\u00fcdern.<\/p>\n\n\n\n<p>In unsicheren Zeiten steht Familie hoch im Kurs.\u00a0 Meine Physiotherapeutin sagt mir neulich, so sch\u00f6n es sei, die Welt zu entdecken- sie w\u00fcrde sich freuen, wenn ihre Kinder auch als Erwachsene in ihrer N\u00e4he blieben. Aber die Familien haben sich ver\u00e4ndert. Sie sind in jeder Hinsicht vielf\u00e4ltiger geworden- ich denke an alleinerziehende Eltern, gleichgeschlechtliche Paare. Familien, die Kulturen und Religionen verbinden. Wenn die Rahmenbedingungen in Firmen und Kommunen mit dem Wandel nicht Schritt halten, geraten\u00a0\u00a0 Familien in Zerrei\u00dfproben. In diese Br\u00fcche sind die diakonischen Gemeinschaften des 19. Jahrhunderts hineingegangen \u2013 f\u00fcr Kinder, Kranke, junge Leute.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Vorst\u00e4ndin in Kaiserswerth habe ich mich lange mit der Frage besch\u00e4ftigt, was heute an ihre Stelle treten k\u00f6nnte\u00a0\u2013 denn die alt gewordenen Schwesternschaften fanden trotz aller Ver\u00e4nderungsprozesse kaum noch junge Mitglieder. Stattdessen entstanden neue Gemeinschaften, sorgende Gemeinschaften. Vergleicht man sie mit denen aus dem 19. Jahrhundert zeigt sich: Hier kommen ganz unterschiedliche Menschen zusammen, berufliche und ehrenamtliche, Menschen verschiedener Generationen sie verpflichten sich auf Zeit und gehen auch wieder auseinander. Es gibt keine Tracht mehr, keine lebenslange Verpflichtung, keine Normen f\u00fcr den Lebensstil. Diakonische, sorgende Gemeinschaften haben sich in den letzten knapp 200 Jahren genauso gewandelt wie sich Familien ver\u00e4ndert haben. Aber die Herausforderungen sind ganz \u00e4hnlich.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Im August 1840 gr\u00fcndeten Hannoversche B\u00fcrgerinnen auf Initiative von Ida Arenhold den \u201eFrauenverein f\u00fcr Armen- und Krankenpflege\u201c. Der Verein wollte der wachsenden Verelendung breiter Bev\u00f6lkerungsschichten begegnen. Die b\u00fcrgerlichen Frauen gingen selbst in die H\u00e4user, k\u00fcmmerten sich um Lebensmittel und Brennmaterial, sorgten f\u00fcr die rechtzeitige Reparatur von Kleidern und Schuhen, achteten auf den Schulbesuch der Kinder und sorgten daf\u00fcr, dass die Sterbenden gepflegt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Von den Tafeln bis zu den N\u00e4hstuben, den Werkst\u00e4tten und Tauschb\u00f6rsen sind in den letzten Jahrzehnten ganz \u00e4hnliche Modelle entstanden. Gleichzeitig entstehen neue Formen zivilgesellschaftlicher Netze: Hospizgruppen, Fr\u00fchf\u00f6rdernetze, Mehrgenerationenh\u00e4user und Seniorenwohngemeinschaften. Die \u201eCaring Communities\u201c sind zum internationalen Leitbegriff geworden, wenn es darum geht, auf regionaler und lokaler Ebene Verantwortungsstrukturen neu zu beleben. F\u00fcr Menschen mit Behinderung, Kinder aus Armutsfamilien und demenzkranke \u00c4ltere, f\u00fcr Sterbende und Gefl\u00fcchtete. Angesichts der Vermarktlichung des Sozial- und Gesundheitssystems, in dem Zug\u00e4nge zunehmend \u00fcber Geld und Wissen gesteuert werden, stehen die Sorgenden Gemeinschaften f\u00fcr eine neue Care-Kultur, f\u00fcr wechselseitige Unterst\u00fctzung und Bereitschaft, Verantwortung zu \u00fcbernehmen \u2013 f\u00fcr sich selbst, f\u00fcr andere und auch f\u00fcr die gesellschaftliche Entwicklung. Beides kann sich erg\u00e4nzen wie beim Stuttgarter Mutterhaus, wo Gemeinde und Diakonie zusammenarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0Gemeinschaften entstehen heute oft\u00a0von unten \u2013 und nicht selten im Netz auf Facebook, Instagram und Co. Menschen engagieren sich beim Elternstammtisch, am Stadtrand entstehen gemeinsame Gem\u00fcseg\u00e4rten, (z.\u00a0B. \u201emeine-ernte.de\u201c), in der Nachbarschaft werden Werkzeuge und Autos getauscht Plattformen wie nebenan.de spielt dabei eine Vermittlerrolle. Es geht darum, einen Rahmen zu schaffen, in dem Begegnungen und Vernetzungen m\u00f6glich sind. nebenan.de\u201c hatte 2019, f\u00fcnf Jahre nach der Gr\u00fcndung, bereits 1.450.000 Nutzer*innen in 7.500 Nachbarschaften. In Coronazeiten erlebte die Plattform einen regelrechten Boom.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Trendstudie \u00fcber die neue \u201eWir-Kultur\u201c sehen die Autor*innen des Zukunftsinstituts ein Zeitalter unterschiedlicher Gemeinschaftsformen herankommen, in denen kurz- oder langfristig Verl\u00e4sslichkeit entsteht \u2013 in Win-win-Situationen mit effektivem Tauschen und Teilen,&nbsp; aber auch in Mehrgenerationenh\u00e4usern und Dorfl\u00e4den.<a href=\"#_ftn7\" id=\"_ftnref7\">[7]<\/a>\u201ePop-up-Gemeinschaften\u201c k\u00f6nnen einen Anfang machen: sein: die Tische, die am Tag der \u201eOffenen Gesellschaft\u201c zum Gespr\u00e4ch einladen, der Projektchor f\u00fcr ein Wochenende, Fastenaktionen bei \u201eSieben Wochen ohne\u201c, Oasentage f\u00fcr Mitarbeitende, eine Walkinggruppe, die sich regelm\u00e4\u00dfig trifft, ein Urban-Gardening-Netzwerk. Oder der w\u00f6chentliche Mittagstisch, der jetzt in vielen Gemeinden organisiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-720f16e06da810117aa662c24152521c\"><a><strong>4. <\/strong><\/a><strong>Von der Schicksalsgemeinschaft zum Quartiersmanagement \u2013 Die neuen Nachbarschaften<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Keyenberg, Kuckum, Berverath, Oberwestrich, Unterwestrich \u2013 lauter verschluckte D\u00f6rfer im Tagebau Garzweiler, die noch in den 1980er Jahren zu meiner Wickrather Gemeinde geh\u00f6rten. Viele B\u00fcrger*innen sind inzwischen in neu gebaute Ortschaften umgesiedelt, in den alten D\u00f6rfern leben Migrant*innen.&nbsp; Die B\u00fcrgerinitiative \u201eAlle D\u00f6rfer bleiben\u201c kam sp\u00e4t. Zu sp\u00e4t. Aber sie erinnert daran, dass Heimat mehr ist als eine Sammlung von Eigenheimen. Es geht um eine gewachsene Sozialkultur, also um mehr als ein Stadtentwicklungsprogramm. Es braucht ein reges Vereinsleben, eine lebendige Kirchengemeinde, eine bunte Parteienlandschaft, engagierte Gesch\u00e4ftsleute.<\/p>\n\n\n\n<p>Untersuchungen im Emsland zeigen, dass die Befragten durchschnittlich in vier verschiedenen Vereinen waren. Je mobiler die Gesellschaft, je mehr Optionen und Lebensstile, desto wichtiger wird \u201edas Basisquartier\u201c. Der Lebensraum, in dem wir uns selbstverst\u00e4ndlich und ungezwungen bewegen k\u00f6nnen, weil wir dazugeh\u00f6ren. Es ist allerdings nicht einfach. Das junge Paar mit Arbeitspl\u00e4tzen in der nahen Stadt, das morgens hier die Kinder in die Kita bringt, wird kaum Zeit haben, am Abend in den Verein zu gehen- selbst, wenn sie das wollen, um sich einzuleben.<\/p>\n\n\n\n<p>An vielen Orten sind aber die jungen Leute weggezogen. Sie ziehen in die prosperierenden Regionen; zur\u00fcck bleiben die \u00c4lteren, weniger Beweglichen. Das Leben in strukturschwachen Gegenden wird gerade f\u00fcr \u00c4ltere zur Herausforderung. In den letzten Jahrzehnten haben wir viele Orte der Begegnung verloren:&nbsp; Wohnviertel und Schulen segregieren sich, Gemeindeh\u00e4user werden aufgegeben.<a href=\"#_ftn8\" id=\"_ftnref8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> Eink\u00e4ufe werden immer \u00f6fter im Internet get\u00e4tigt, die Post wird \u00fcber Schlie\u00dff\u00e4cher abgewickelt, B\u00e4ckereien und Metzgereien sind l\u00e4ngst geschlossen, die Innenst\u00e4dte ver\u00f6den.&nbsp; Aber am Stadtrad gibt es neue Aufbr\u00fcche: Gasth\u00f6fe werden renoviert, aus Gemeindeh\u00e4usern werden Gemeinwesenh\u00e4user. Genossenschaften \u00fcbernehmen die L\u00e4den \u2013 und verkaufen<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;regional und nachhaltig. &nbsp;Die vormoderne Nachbarschaft war eine Schicksalsgemeinschaft. Nicht nur in den niederrheinischen D\u00f6rfern waren Wohnen und Arbeiten eng verbunden, man war auf die anderen angewiesen. Was das bedeutet, habe ich in der B\u00e4ckerei meines Gro\u00dfonkels erlebt, wo auch \u00fcber Weihnachten die Ladenglocke klingelte. Das ist heute anders. \u201eMan ist nicht mehr \u00f6konomisch auf seine Nachbarn angewiesen und man teilt nicht mehr die gleichen Werte und Normen.\u201c, erkl\u00e4rt der Stadtforscher Walter Siebel.<a href=\"#_ftn9\" id=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Eines der gro\u00dfen Versprechen von St\u00e4dten ist, der Sozialkontrolle zu entgehen. Freundlich gr\u00fc\u00dfen, die Post annehmen und ansonsten in Ruhe gelassen werden: Mehr w\u00fcnschen sich viele nicht von ihren Nachbar*innen<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben nach einer verbindlicheren Form der Nachbarschaft gesucht\u201c, erz\u00e4hlt Ulrich Thomsen, eine Wohnanlage in L\u00fcneburg mit initiiert, geplant und gebaut hat, in der insgesamt 53 Erwachsene und 23 Kinder leben. \u201eWir unterst\u00fctzen uns gegenseitig; einige teilen sich zum Beispiel zu mehreren ein Auto. Die Kinder finden hier viele Spielkameraden, und wenn sie aus der Schule kommen und niemand bei ihnen zu Hause ist, k\u00f6nnen sie problemlos zu einer der anderen Familien gehen.\u201c<a href=\"#_ftn10\" id=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Im Zentralgeb\u00e4ude befindet sich auch ein Gemeinschaftsraum, in dem die Bewohner an manchen Tagen gemeinsam fr\u00fchst\u00fccken oder Filme schauen. Hier finden auch alle drei bis vier Wochen gemeinsame Treffen statt \u2013 zu allt\u00e4glichen Organisationsfragen, aber auch zu Themen wie \u201eKrankheit\u201c oder \u201eSterbebegleitung\u201c. Wohnprojekte wie in L\u00fcneburg, Genossenschaften wie \u201eSchloss Blumenberg\u201c in Bayern oder auch Mehrgenerationenh\u00e4user ziehen vor allem junge Familien, Alleinstehende, Menschen mit Behinderung \u2013 eben alle, die auf eine funktionierende Nachbarschaft angewiesen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch die ersehnte N\u00e4he kann zu dicht werden, oft ist es einfacher, sich Fremden gegen\u00fcber zu \u00f6ffnen oder Menschen zu unterst\u00fctzen, die ein paar Stra\u00dfen weiter wohnen, als Nachbarn, deren Kontrollblick man f\u00fcrchtet, deren Anspr\u00fcche zu belastend sind. &nbsp;Ein gutes Netzwerk mit \u00fcberschaubaren Eins\u00e4tzen will koordiniert werden. Das haben wir gerade in der Coronazeit gesp\u00fcrt. Nicht alle, die helfen wollten, fanden Abnehmer*innen f\u00fcr ihre Einkaufs- und Gespr\u00e4chsangebote. Nicht jeder*r, die*der \u00e4lter als 65 ist, ist schon deshalb hilfebed\u00fcrftig oder einsam. Und nicht jede*r, die*der Hilfe braucht, m\u00f6chte den eigenen Nachbar*innen ihre*seine Bed\u00fcrftigkeit zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es gab auch wunderbare, funktionierende Modelle mit weniger Anspruch wie \u201eheute ein Engel\u201c oder \u201eDich schickt der Himmel. Auch und gerade kleine Sorgende Gemeinschaften sind auf professionelle Sorgestrukturen angewiesen. Das informelle Miteinander lebt von Wechselseitigkeit und N\u00e4he. Permanente Verf\u00fcgbarkeit kann es nicht leisten. Umgekehrt werden professionelle, verl\u00e4ssliche Hilfsorganisationen nie die pers\u00f6nliche Qualit\u00e4t entwickeln, die wir aus Freundschaft und Nachbarschaft kennen. Beide Formen der Hilfe sind aufeinander angewiesen: Nachbarschaftsnetze brauchen Kirchen und Wohlfahrtsverb\u00e4nde. Auch das ist eine Herausforderung in einer Zeit, in der sich auch die Kirchen aus den Nachbarschaften zur\u00fcckziehen<\/p>\n\n\n\n<p>Im letzten November gab es eine Tagung von EKD und Diakonie Deutschland zum Thema \u201eWohnraum im Lebensraum\u201c. Es ging darum, den Blick auf das Beziehungsnetz in den Gemeinden zu sch\u00e4rfen. Auf leerstehende R\u00e4ume, die Wohnsituation von Familien, von \u00c4lteren, von Gefl\u00fcchteten. Es gibt Alltags-Expert*en in den Gemeinden. Sie kennen die \u00c4lteren, die in ihren gro\u00dfen H\u00e4usern allein sind, und die jungen Familien, die gern eine Wohnung im Dorf h\u00e4tten, aber keine finden. Mitarbeitende in den Kirchengemeinden kennen den Leerstand in manchen St\u00e4dten und auf D\u00f6rfern des Ostens, die absurd hohen Mieten in Hamburg, D\u00fcsseldorf, M\u00fcnchen oder Berlin. So kann aus einer Sorgenden Gemeinde eine wohnungssensible Gemeinde werden. Was es f\u00fcr einen \u00e4lteren Menschen oder f\u00fcr eine Jugendliche oder auch f\u00fcr B\u00fcrgergeldempf\u00e4nger*innen bedeutet, mit einem Umzug nicht nur die eigene Wohnung, sondern auch die Nachbarschaft zu verlieren, wurde lange nicht thematisiert \u2013 genauso wenig wie die Tatsache, dass es f\u00fcr \u00c4ltere schwer wird, noch umzuziehen, weil keine Bank mehr Kredit daf\u00fcr gibt und Wohnungsgesellschaften l\u00e4ngere Mietvertr\u00e4ge w\u00fcnschen. Auch ein Hintergrund f\u00fcr das Entstehen neuer Seniorenwohngemeinschaften<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0Nach Berechnung einer Forschungsgruppe aus Gro\u00dfbritannien, wo es seit einigen Jahren ein Einsamkeitsministerium gibt, k\u00f6nnten zwanzig Prozent Gesundheitskosten eingespart werden, wenn man soziale Angebote auf Rezept verschriebe. Inzwischen gibt es auch bei uns Kultur auf Rezept und das deutsche Familienministerium entwickelt eine Einsamkeitsstrategie. Es geht um die Aktivit\u00e4t der Einzelnen wie um soziale Angebote und Netze, damit Menschen die Gef\u00fchle von Isolation und Hilflosigkeit \u00fcberwinden, Erfahrungen teilen und sich in gemeinsamen Projekten engagieren. Die Erwartung an den Staat, solche Angebote auf den Weg zu bringen, irritiert mich allerdings.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>5. &nbsp;Kleine Lichter \u2013 zwischen Angst und Hoffnung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vor 35 Jahren hat der Sozialpsychiater Klaus D\u00f6rner das Konzept vom dritten Sozialraum entwickelt. In seiner gesamten Arbeit ging es ihm darum, Menschen aus der Isolation zu befreien- psychisch Kranke, Menschen mit Behinderung, Pflegebed\u00fcrftige -und die alten preu\u00dfischen Anstalten aufzul\u00f6sen. Er pl\u00e4dierte f\u00fcr eine neue Wertsch\u00e4tzung der Kirchengemeinden. Und um eine Wiedervereinigung von diakonischer Professionalit\u00e4t und kirchengemeindlichem B\u00fcrgerengagement. Kirchengemeinden, so seine Hoffnung, k\u00f6nnten wieder Caring Communities werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn die Apostelgeschichte erz\u00e4hlt, dass schon die ersten christlichen Gemeinden Caring Communities waren. G\u00fcter wurden geteilt, Kranke besucht, f\u00fcr alle gemeinsam wurde der Tisch gedeckt (Apg 2,42&nbsp;ff.). Diese sorgenden Gemeinschaften hatten hohe Anziehungskraft. Die starke Orientierung der Kirche an der Kleinfamilie allerdings hat in den letzten Jahrzehnten dazu gef\u00fchrt, dass es zu wenig Angebote f\u00fcr diejenigen gibt, die in anderen Lebensformen leben. Gerade Singles f\u00fchlen sich oft ausgeschlossen, Alleinerziehende f\u00fchlen sich nicht gemeint, weil sie der Norm nicht entsprechen.<a href=\"#_ftn11\" id=\"_ftnref11\"><sup>[11]<\/sup><\/a>&nbsp; Dabei begann die christliche Gemeinde mit Wahlfamilien \u2013 Christ*innen, die sich mit ihrer Taufe aus den Herkunftsfamilien gel\u00f6st hatten und nun in den Gemeinden eine neue Familiaritas<a href=\"#_ftn12\" id=\"_ftnref12\">[12]<\/a> fanden. F\u00fcreinander waren sie Br\u00fcder und Schwestern, M\u00fctter und V\u00e4ter \u2013 so wie bis heute Menschen Wahlfamilien in Wohngemeinschaften, Mehrgenerationenh\u00e4usern oder auch an Mittagstischen bilden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und auch auf der Stra\u00dfe. Die K\u00fcnstlerin Janni Feuser schickte 2016 im Wohngebiet Rheinbach-Irlenbusch in der Voreifel eine blumenverzierte Sitzgelegenheit auf Reisen, Die ist jetzt so etwas wie der neue Dorfmittelpunkt &#8211; die \u201eB\u00e4nk for better Anderst\u00e4nding\u201c.<a href=\"#_ftn13\" id=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Jede Woche wird die Bank von einem Haushalt zum n\u00e4chsten weitergegeben \u2013 als Einladung an alle, sich dort zu treffen und die Nachbarn besser kennenzulernen. Und. seit 2016 gibt die \u201eInitiative Offene Gesellschaft\u201c<a href=\"#_ftn14\" id=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Anregungen, Interessierte an den Tisch vor der Haust\u00fcr einzuladen und einander kennenzulernen \u2013 bei einem Tee, zu einem gemeinsamen Gespr\u00e4ch Und in vielen Kirchengemeinden \u00f6ffnen seit Langem Familien rund um im Advent ihre T\u00fcr\u2013 mit Musik, einer Adventsgeschichte oder selbstgebackenen Pl\u00e4tzchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal sind es aber auch Einzelne, die ein ganzes Quartier ver\u00e4ndern. So wie Stephanie Quitterer. &nbsp;\u201eMuttersein ist sch\u00f6n\u201c, schreibt sie: \u201eaber es ist auch erm\u00fcdend \u2013 kann man nicht mehr daraus machen?\u201c<a href=\"#_ftn15\" id=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Die Kiez-Ethnologin und \u201ePrenzelberg-Mama\u201c hatte w\u00e4hrend ihrer Elternzeit am Theater das Gef\u00fchl, \u201eauf Eis gelegt\u201c zu sein und wollte sich endlich mit all den Klischees der Gentrifizierung auseinandersetzen. So wurde die Idee geboren, die Nachbar*innen einfach einmal kennenzulernen. Weil Stephanie Quitterer selbst sch\u00fcchtern ist und gro\u00dfen Wert auf ihre eigene Privatsph\u00e4re legt, war das nicht einfach f\u00fcr sie. So legte sie sich mit einer Wette selbst fest: \u201e200 Hausbesuche mit 200 selbstgebackenen Kuchen in 200 Tagen\u201c.<a href=\"#_ftn16\" id=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Sie gewann die Wette und eine neue Heimat in ihrer bunten Nachbarschaft. Ihr Buch erz\u00e4hlt, wie man andere bei wechselseitigen Besuchen verstehen lernt und wie Vertrauen w\u00e4chst, wenn man hinter die Kulissen und Fassaden blicken darf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-6a748d69b20cf2b05356d42c626da4eb\"><a><\/a><a><\/a><a>Ist das nicht eine gro\u00dfartige Idee? Leider haben viele das Gef\u00fchl, nicht viel tun zu k\u00f6nnen. Ein kleines Licht zu sein. Diese L\u00e4hmung passt nicht zur Kirche. Erinnern wir uns, wie es &nbsp;mit der Caring&nbsp; Community in der jungen Kirche begann? Da sa\u00dfen &nbsp;die Freundinnen und Freunde Jesu zusammen, noch immer \u00e4ngstlich und traurig \u00fcber den Tod ihres geliebten Freundes. Der hatte dieses Leuchten, das so viele Menschen inspirierte. Und wie sie da sitzen im Halbdunkel des Morgens,&nbsp; sehen sie pl\u00f6tzlich kleine Feuerfl\u00e4mmchen \u00fcber den K\u00f6pfen von jedem und jeder. Die ganze Gruppe leuchtet, als w\u00e4re das Feuer von Jesus auf sie \u00fcbergesprungen. Als h\u00e4tte er sie angesteckt mit seiner Energie. Sie standen auf, gingen aufeinander zu- einer \u00f6ffnete die T\u00fcr und sie gingen raus auf die Stra\u00dfen. Was ist daraus geworden?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch bin dankbar f\u00fcr jede Stimme, die sich f\u00fcr unsere Gemeinschaft stark macht. F\u00fcr jede Flamme. die sich der aufziehenden Dunkelheit entgegenstellt\u201c, schrieb k\u00fcrzlich eine Bekannte auf Facebook. \u201eWir sind die letzte Linie unserer Demokratie, der Zukunft unserer Kinder, unseres Friedensprojekts in der EU. Bitte werdet nicht leise, verdunkelt Euer Feuer nicht. Geht voran mit gro\u00dfem Mitgef\u00fchl f\u00fcr unsere Nachbarn. \u00dcber alle Grenzen hinweg.\u201c Nur Mut!<\/p>\n\n\n\n<p>Cornelia Coenen-Marx<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> <a>Reckwitz, Andreas (2019): Die Gesellschaft der Singularit\u00e4ten. Zum Strukturwandel der Moderne. Berlin.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> <a>Reckwitz, Andreas (2020): Die neue Klassengesellschaft. SWR2 Wissen: Aula, 07.06.2020. https:\/\/www.swr.de\/swr2\/wissen\/die-neue-klassen-gesellschaft-swr2-wissen-aula-2020-06-07-100.html (Zugriff am 05.01.2021).<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> <a>Simon, Jana (2019): Unter Druck. Wie Deutschland sich ver\u00e4ndert. Frankfurt a.&nbsp;M., S. 49&nbsp;ff.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Simon 2019, S. 12.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\">[5]<\/a> Allmendinger 2017, S. 234.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref6\" id=\"_ftn6\">[6]<\/a> Allmendinger 2017, S. 234.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref7\" id=\"_ftn7\">[7]<\/a> <a>Br\u00fchl, Kirsten\/Poloczek, Silvan (2015): Die neue Wir-Kultur. Wie Gemeinschaft zum treibenden Faktor einer k\u00fcnftigen Wirtschaft wird. Frankfurt a.&nbsp;M., S. 13. https:\/\/www.zukunftsinstitut.de\/fileadmin\/user_upload\/Die_Neue_Wir-Kultur-Leseprobe__1_.pdf (Zugriff am 05.01.2021).<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref8\" id=\"_ftn8\">[8]<\/a> <a>Pennekamp, Johannes (2020): Der gro\u00dfe Ansturm auf die Privatschulen. Elit\u00e4re Form der Bildung? Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.08.2020. https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/arm-und-reich\/bildung-und-corona-der-grosse-ansturm-auf-die-privatschulen-16898764.html (Zugriff am 15.12.2020).<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref9\" id=\"_ftn9\">[9]<\/a> Siebel, Walter (o&nbsp;J.): Ist Nachbarschaft heute noch m\u00f6glich. https:\/\/www.reihenhaus.de\/fileadmin\/_Content\/05_Magazin\/01_Forschung\/_Dateien\/DRH-Nachbarschaft_Essay_Siebel.pdf (Zugriff am 23.01.2021).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref10\" id=\"_ftn10\">[10]<\/a> <a>Landeszeitung.de (2015): Erstes generations\u00fcbergreifendes Wohnprojekt in L\u00fcneburg am Brockwinkler Weg gestartet. https:\/\/www.landeszeitung.de\/lokales\/47289-erstes-generationsuebergreifendes-wohnprojekt-in-lueneburg-am-brockwinkler-weg-gestartet (Zugriff am 05.01.2021).<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref11\" id=\"_ftn11\">[11]<\/a> <a>K\u00fcnkler, Tobias\/Faix, Tobias\/Weddigen, Johanna (2019): Christliche Singles. Wie sie leben, glauben und lieben. Holzgerlingen.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref12\" id=\"_ftn12\">[12]<\/a> Familienbeziehungen, die nicht \u00fcber \u201eBlutsverwandtschaft\u201c, sondern \u00fcber Wahlverwandtschaft begr\u00fcndet sind. Von Familiaritas spricht man auch bei den \u201eLaiengemeinschaften\u201c, die sich mit einer gewissen Verbindlichkeit rund um Klostergemeinschaften sammeln \u2013 ohne den strengen Gel\u00fcbden der Ordensgemeinschaft zu unterliegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref13\" id=\"_ftn13\">[13]<\/a> Vgl. <a>Saxler-Schmidt, Gerda (2016) : \u201eThe B\u00e4nk for better Anderst\u00e4nding\u201c. Besonderer Samstagstreffpunkt in Irlenbusch. General-Anzeiger, 11.09.2016. <\/a>https:\/\/ga.de\/region\/the-baenk-for-better-anderstaending_aid-43019667 (Zugriff am 12.01.2021).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref14\" id=\"_ftn14\">[14]<\/a> Siehe www.die-offene-gesellschaft.de (Zugriff am 12.01.2021).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref15\" id=\"_ftn15\">[15]<\/a> <a>Quitterer, Stephanie (2016): Hausbesuche. Wie ich mit 200 Kuchen meine Nachbarschaft eroberte. M\u00fcnchen, S. 34.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref16\" id=\"_ftn16\">[16]<\/a> Klappentext des Buches: Quitterer 2016.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist jetzt drei Jahre her, dass mein \u201eGemeinschaftsbuch\u201c erschienen ist. Kurz nach der Pandemie. 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