{"id":7637,"date":"2024-05-15T10:21:03","date_gmt":"2024-05-15T08:21:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=7637"},"modified":"2026-03-20T15:02:13","modified_gmt":"2026-03-20T14:02:13","slug":"kirchen-sind-gemeingueter","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=7637","title":{"rendered":"Kirchen\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad sind Gemein\u00ad\u00ad\u00ad\u00adg\u00fcter!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Manifest f\u00fcr eine neue Verantwortungsgemeinschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><br><strong>Manifest<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kirchen und ihre Ausstattungen geh\u00f6ren zu den wichtigsten Zeugnissen des Kulturerbes in Europa. Doch die christlichen Gemeinschaften sehen sich zunehmend nicht mehr in der Lage, diesen wertvollen Bestand zu erhalten. Immer weniger Gl\u00e4ubige nutzen die R\u00e4ume, die Kirchensteuereinnahmen sinken, immer mehr Bauten werden au\u00dfer Gebrauch gestellt oder gar abgerissen. Kirchenr\u00e4ume sind jedoch Common Spaces \u2013 viele Menschen haben oft \u00fcber Jahrhunderte zu diesem Gemeingut beigetragen. Wer diese Bauten heute allein privatwirtschaftlich als Immobilien betrachtet, beraubt die Communitas. Staat und Gesellschaft k\u00f6nnen und d\u00fcrfen sich ihrer historisch begr\u00fcndeten Verantwortung f\u00fcr dieses kulturelle Erbe nicht entziehen. Deshalb rufen wir dazu auf, der neuen Lage mit neuen Formen der Tr\u00e4gerschaft zu begegnen: mit einer Stiftung oder Stiftungslandschaft f\u00fcr Kirchenbauten und deren Ausstattungen.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Kirchenbauten sind mehrfach codierte Orte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kirchenbauten sind zun\u00e4chst R\u00e4ume der christlichen Bekenntnisse und damit Zeugnisse der Geschichte der Menschen mit Gott. Zugleich sind sie kulturelles Erbe aller Menschen. Sie sind R\u00e4ume der Kunst, des Handwerks und der Musik. Kirchen wirken oft stadt- oder dorfbildpr\u00e4gend und er\u00f6ffnen damit spannende soziale Erfahrungs- und Chancenr\u00e4ume.<\/p>\n\n\n\n<p>In Deutschland gibt es etwa 40.000 Kirchen. Sie werden seit Jahrhunderten von Gl\u00e4ubigen erwirtschaftet, geschaffen und unterhalten. Beinah t\u00e4glich werden Bauten au\u00dfer Gebrauch gestellt oder sogar abgerissen. Nach ihrem Selbstverst\u00e4ndnis sind die Kirchen Sachwalterinnen dieses Bestands. Doch sie alleine sind heute mit dem Erhalt \u00fcberfordert. Politik und Gesellschaft lassen sie gew\u00e4hren oder scheuen, die Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Fallen Kirchenbauten weg, ver\u00e4ndern sich St\u00e4dte und D\u00f6rfer jedoch gravierend. Daher brauchen wir eine breite Debatte \u00fcber eine neue Tr\u00e4gerschaft, um Kirchenbauten als Gemeing\u00fcter zu sichern.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Kirchenbauten fordern Teilhabe<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Oft haben sich die kirchlichen Institutionen bereits von den kulturellen Markern ihrer Religion verabschiedet. Doch alle Menschen haben ein Recht auf Teilhabe am kulturellen Erbe, wie es die Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte sowie zahlreiche Konventionen der UNESCO und des Europarats festhalten. Dieses Recht gilt explizit f\u00fcr die diversen Gesellschaften des 21. Jahrhunderts.<\/p>\n\n\n\n<p>Kirchenbauten pr\u00e4gen \u2013 v. a. seit Ende des Zweiten Weltkriegs \u2013 die Gestaltung der europ\u00e4ischen Einheit. Vor Ort bilden sie Knotenpunkte in einem kontinentalen Netzwerk der Beziehungen. Als grunds\u00e4tzlich frei zug\u00e4ngliche R\u00e4ume stehen sie f\u00fcr Gruppenerfahrungen und kulturelle Erlebnisse offen. Diesen Schatz gilt es, als lebendiges Erbe zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Kirchenbauten sind radikal \u00f6ffentliche Orte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schon die Bibel kennt beides: Da ist zum einen der menschliche Stolz, f\u00fcr Gott ein pr\u00e4chtiges Haus zu bauen. Da ist zum anderen die Kritik an der Selbstanma\u00dfung, Gott auf einen menschlich gemachten Raum begrenzen zu wollen. Beide \u00dcberzeugungen finden sich im Kirchenbau wieder. Ob Bettelordenskirche oder Dom, ob Gemeindezentrum oder Betonburg, am Ende k\u00f6nnen Liturgie und soziale Verantwortung auch r\u00e4umlich nicht ohne einander. Gott braucht keine Kirchenbauten, aber die Menschen sind auf solche R\u00e4ume angewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Sinne einer weltoffenen, einer \u00d6ffentlichen Theologie versteht sich Kirche als integraler Bestandteil der sie umgebenden Gesellschaft, ohne v\u00f6llig in ihr aufzugehen. Dieses Plus, diesen Mehrwert vermitteln Kirchen sinnf\u00e4llig als radikal \u00f6ffentliche R\u00e4ume. Daher muss ihre Zukunft mit allen gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren ausgehandelt werden.<br><br><strong>Kirchenbauten sind nachhaltiges Kulturerbe<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Denkmalpflege und Denkmalschutz folgen dem Auftrag, die materielle \u00dcberlieferung zu h\u00fcten. Genau hier ist die Unverf\u00fcgbarkeit kultureller Ressourcen als \u201e\u00f6ffentliches Interesse\u201c gesetzlich verankert. Auch nicht denkmalgesch\u00fctzte Bauten erf\u00fcllen wichtige \u00f6ffentliche Anliegen. Gerade Kirchen der Moderne sind besonders gef\u00e4hrdet, denn hier treffen demografische Ver\u00e4nderungen auf die Abwertung moderner Formen und Materialien. Doch in ihrer Auseinandersetzung mit der modernen Gesellschaft bieten sie wertvolle Reibungsfl\u00e4chen, um unsere freie demokratische Gesellschaft weiterhin erfahrbar zu machen. Vor diesem Hintergrund z\u00e4hlen Kirchen jeden Alters mit ihrem besonderen baukulturellen Anspruch nach wie vor zu den bedeutendsten Bauaufgaben im kulturellen Erbe.<\/p>\n\n\n\n<p>Kirchen sind eine wertvolle materielle Ressource. Seit Jahrhunderten haben sie sich als robuste, transformierbare Architekturen erwiesen. Sie verk\u00f6rpern den sorgsamen Umgang mit Baustoffen, das Wissen um das Reparieren, Weiterbauen und Umnutzen. Indem sie vergangene Energiefl\u00fcsse und CO2-Emissionen speichern, entlasten sie heute das Klima. Kirchen bieten \u2013 allein durch ihre Gr\u00f6\u00dfe \u2013 k\u00fchle \u00f6ffentliche R\u00e4ume in den sich erhitzenden St\u00e4dten. Deshalb fordern wir einen Paradigmenwechsel: weg von Abriss und Neubau, hin zu Weiternutzung und Umbau.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Kirchenausstattungen geh\u00f6ren zum Erbe Europas<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In ihren Ausstattungen bewahren Kirchen Kunstsch\u00e4tze aus mehr als 1200 Jahren, je nach Konfession und Region in unterschiedlicher Weise. Diese vielf\u00e4ltigen Ausstattungen, zu denen auch baubezogene Kunst, Glocken und Orgeln z\u00e4hlen, verdanken sich dem Engagement ungez\u00e4hlter Schenkerinnen und Schenker. Sie bezeugen verschiedene Entstehungszeiten, Fr\u00f6mmigkeitsvorstellungen und theologische \u00dcberzeugungen. Sie machen die Kirchen zu R\u00e4umen des Gespr\u00e4chs \u00fcber Glaubensvorstellungen und zu kulturellen Erz\u00e4hlr\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<p>In ihrer Vielfalt sind Kirchenausstattungen eine unsch\u00e4tzbare Ressource f\u00fcr das friedliche Zusammenleben. Als kulturelles Erbe m\u00fcssen Kirchen und ihre Kunstwerke daher durch verl\u00e4ssliche \u00d6ffnungszeiten, durch wissenschaftliche Forschungs- und Vermittlungsprojekte sowie durch eine weitherzige Nutzungsperspektive allen zug\u00e4nglich gemacht werden.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Kirchenbauten sind Dritte und Vierte Orte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eindringlich betont der Soziologe Ray Oldenbourg die Bedeutung der Dritten Orte (third places). Sie werden von Menschen auf ihren Wegen zwischen dem Zuhause (first place) und der Arbeitsst\u00e4tte (second place) angesteuert. Auch Kirchen sind solche Orte kultureller Praxis und b\u00fcrgerschaftlicher Begegnung. Mehr noch: Durch ihre Baubedeutungen und ihre Verflechtungen in den Stadtteilen sind sie weiterhin Vierte Orte, wenn sie in D\u00f6rfern und Stadtquartieren offene, spirituell bedeutsame Chancenr\u00e4ume einer Sorgenden Gemeinschaft bilden.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders in den l\u00e4ndlichen R\u00e4umen sind Kirchen bauliche Wahrzeichen, zentrale Orientierungspunkte, Zeuginnen einer geistigen Tradition \u2013 und wichtige Treffpunkte. Denn anders als Dorfladen, Dorfkneipe oder Wirtshaus, Kulturhaus und Schule verschwinden sie nicht, wenn die Gemeinde schrumpft. Projekte wie das (von der Beauftragten des Bundes f\u00fcr Kultur und Medien mit Mitteln aus dem Bundesprogramm L\u00e4ndliche Entwicklung gef\u00f6rderte) \u201eKirchturmdenken\u201c haben gezeigt: Gibt man ihnen die Chance, werden l\u00e4ndliche Kirchen zu Orten klug komponierter Kulturangebote und b\u00fcrgerschaftlicher Begegnungen.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Kirchenbauten brauchen eine neue Tr\u00e4gerschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir fordern eine neue Stiftung oder Stiftungslandschaft. Wird das Eigentum an bedrohten Kirchenbauten und ihren Ausstattungen durch eine Stiftung \u00fcbernommen, verringert sich der wirtschaftliche Verwertungsdruck. Als Vorbild steht das erfolgreiche Modell der \u201eStiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur\u201c bereit, die vom Bund, vom Land Nordrhein-Westfalen, von der RAG-Stiftung, der RAG AG und vom Regionalverband Ruhr finanziell gef\u00f6rdert wird. So k\u00f6nnen in Nordrhein- Westfalen seit 1995 Bauten gesichert, erforscht, der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht und neuen Nutzungen zugef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine breit aufgestellte Verantwortungsgemeinschaft mit Staat, Gesellschaft und weiteren Akteurinnen und Akteuren sieht die Kirchen als kooperative Partnerinnen. Mit lokalen bzw. regionalen Partner\u00adschaften kann eine Stiftung Nutzungskonzepte entwickeln, die dem Denkmalwert der Kirchenbauten angemessen sind, das Recht auf Teilhabe verwirklichen und auf Nachhaltigkeit angelegt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Kirchenbauten und ihre Ausstattungen geh\u00f6ren nicht allein den kirchlichen Institutionen und Gemeinden. Als ererbte R\u00e4ume sind sie Gemeing\u00fcter, sie geh\u00f6ren allen.<br><br><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.moderne-regional.de\/kirchenmanifest\/\" target=\"_blank\">https:\/\/www.moderne-regional.de\/kirchenmanifest\/<\/a><br><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.change.org\/p\/kirchen-sind-gemein-g%C3%BCter-manifest-f%C3%BCr-eine-neue-verantwortungsgemeinschaft\" target=\"_blank\">hier unterzeichnen<\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.moderne-regional.de\/kirchenmanifest\/\" target=\"_blank\"><br><\/a><\/p>\n\n\n\n<div data-wp-interactive=\"core\/file\" class=\"wp-block-file\"><object data-wp-bind--hidden=\"!state.hasPdfPreview\"  class=\"wp-block-file__embed\" data=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/00a-Kirchenmanifest.pdf\" type=\"application\/pdf\" style=\"width:100%;height:600px\" aria-label=\"Einbettung von Einbettung von 00a-Kirchenmanifest..\"><\/object><a id=\"wp-block-file--media-582c70a7-9b41-4708-b1d2-db3b1fbdebc9\" href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/00a-Kirchenmanifest.pdf\">00a-Kirchenmanifest<\/a><a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/00a-Kirchenmanifest.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-582c70a7-9b41-4708-b1d2-db3b1fbdebc9\">Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manifest f\u00fcr eine neue Verantwortungsgemeinschaft Manifest Kirchen und ihre Ausstattungen geh\u00f6ren zu den wichtigsten Zeugnissen des Kulturerbes in Europa. 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