{"id":7431,"date":"2023-09-13T14:41:28","date_gmt":"2023-09-13T12:41:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=7431"},"modified":"2023-09-13T14:41:28","modified_gmt":"2023-09-13T12:41:28","slug":"das-gold-das-die-hoffnung-staerkt-zusammenhalt-in-bruechen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=7431","title":{"rendered":"Das Gold, das die Hoffnung st\u00e4rkt \u2013 Zusammenhalt in Br\u00fcchen"},"content":{"rendered":"\n<p>1. <strong>Neuentdeckung der Gemeinschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>W\u00e4hrend der Pandemie gab es an vielen Orten in Deutschland ehrenamtliche Netzwerke, um einsame, \u00e4ltere Menschen oder Menschen mit Behinderung&nbsp; zu unterst\u00fctzen- mit Einkaufsdiensten, bei Arztbesuchen, bei Fahrten zum Impfzentrum. &nbsp;E<\/strong>ines davon war besonders erfolgreich. Es startete in Witzenhausen bei Kassel unter dem Motto: \u201eDich schickt der Himmel\u201c. Ich denke, z<strong>um Erfolg trug bei, dass sich ganz verschiedene Tr\u00e4ger zusammengeschlossen hatten<\/strong>: &nbsp;die evangelische Gemeinde mit der Stadt, den katholischen &nbsp;Pfadfinder*innen und dem Kreisjugendring. &nbsp;So kamen innerhalb von drei Tagen \u00fcber 150 Ehrenamtliche und 230 Hilfesuchende zusammen. Jeder geh\u00f6rte dazu , jeder konnte sich melden. \u201e Dich schickt der Himmel\u201c war ein&nbsp; offenes Netzwerk mit einem gemeinsamen Auftrag. Und vielleicht hat auch da Motto zum Erfolg beigetragen: <strong>Die Sehnsucht nach Begegnung und Gemeinschaft war selten so gro\u00df wie in diesen Monaten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nach einer Studie aus dem Jahr 2018 gibt es in Deutschland 16,8 Millionen Singles zwischen 18 und 65 Jahren \u2013 <\/strong>das sind immerhin 30 Prozent der Frauen und M\u00e4nner im mittleren Alter.\u00a0 40 Prozent der \u00c4lteren \u00fcber 70 leben allein.17 Prozent der Deutschen geben an, dass sie sich regelm\u00e4\u00dfig einsam f\u00fchlen. W\u00e4hrend der Pandemie allerdings gaben 42 Prozent der Deutschen an, dass sie sich gelegentlich einsam f\u00fchlen. <a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Einsamkeit geh\u00f6rt denn auch zu den Begriffen, die w\u00e4hrend der Corona-Pandemie aus der Tabuzone herauskamen<\/strong>. Ein zweiter, f\u00fcr die meisten neuer Begriff kam hinzu: V<strong>ulnerabilit\u00e4t war das Wort dieser Zeit. Es repr\u00e4sentierte unsere Verletzlichkeit und erinnerte uns \u2013 wie die Statistiken- t\u00e4glich an unsere Sterblichkeit. <\/strong>F\u00fcr viele eine neue Erfahrung. Zugleich wurde uns bewusst, wie schlecht wir mit Einsamkeit und Verletzlichkeit umgehen k\u00f6nnen. Gerade in den Langzeitpflegeeinrichtungen starben besonders viele \u00e4ltere Menschen und in den Quartieren fehlen Strukturen, die den Generationen helfen, einander zu unterst\u00fctzen. So engagieren sich nun viele ehrenamtlich in der Nachbarschaftshilfe oder sie beginnen, ihre Unterst\u00fctzungsnetzwerke selbst aufzubauen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auf Schloss Blumenthal in Bayern<\/strong>&nbsp;haben sich Menschen zusammengetan, um anders miteinander zu leben. Eine bunte Mischung von Individualisten vom Parkettpfleger \u00fcber die Medizinerin, die Hotelkauffrau bis zur Steuerfachangestellten oder zur Yogalehrerin. <strong>I<\/strong>hre Zukunftsvision ist ein Grundeinkommen f\u00fcr jedes Mitglied aus den Gewinnen der Betriebe und eine gemeinsame Altersversorgung \u201eWir stehen hier immer vor der Frage, wie sieht unsere Balance zwischen \u00d6konomie und Gemeinschaft aus\u201c, sagt der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Schloss Blumenthal, Martin Horack, der mit acht Familien begann und inzwischen in einem kleinen Dorf lebt \u2013 mit Kindern und \u00c4lteren und Menschen aus allen Berufsgruppen. Schloss Blumenthal ist eine GmbH und Co KG; die wirtschaftliche Basis bildet ein Hotel mit achtzig Betten in einem alten Herrenhaus, ein Gasthaus sowie G\u00e4rten und Parks. <strong>Wohnprojekte, Wohngenossenschaften und Mehrgenerationenh\u00e4user ziehen vor allem Senior*innen und junge Familien an, aber auch Singles oder Menschen mit Behinderung. Eben alle, die auf eine funktionierende Nachbarschaft angewiesen sind. Alle.&nbsp; die den richtigen Mix aus Selbstbestimmung und wechselseitiger Hilfe suchen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Wirtschaftlichkeit ist alt \u2013 und spielt heute wieder eine gro\u00dfe Rolle. W<\/strong>ir sp\u00fcren das in den diakonischen Unternehmen, wo kaum noch Zeit f\u00fcr Beziehungsarbeit, Team \u2013&nbsp;und Kulturentwicklung bleibt \u2013 geschweige denn f\u00fcr gemeinschaftliche Angebote. Wir sp\u00fcren das aber auch in der Gesellschaft, die insgesamt auf Erwerbsarbeit ausgerichtet ist. F\u00fcr Menschen, die alleinerziehend mit Kindern leben, die in die dritte Lebensphase eintreten und damit rechnen, mehr Hilfe zu brauchen, oder f\u00fcr Singles, die einen Ort der Zugeh\u00f6rigkeit suchen, wird es wichtiger, dar\u00fcber nachzudenken, wo und wie sie leben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ich denke an eine diakonische Initiative von Eltern behinderter Kinder, die zusammen einen Reiterhof gr\u00fcnden.<\/strong> An die Ehrenamtlichen in der Hospizarbeit, die einen Jugendlichen aus einer Migrantenfamilie im Sterben begleitete- und seitdem die deutsche Oma der ganzen Familie geworden ist. Oder an die Angeh\u00f6rigen, die eine Wohngemeinschaft f\u00fcr Komapatienten gegr\u00fcndet haben, und die Mitarbeitenden dort als Familien unterst\u00fctzen. An die Diakonie-Hotels, in denen Menschen mit Behinderung das Serviceteam stellen. Solche neuen Gemeinschaften wachsen an vielen Orten, vielleicht <strong>weil wir sp\u00fcren, dass Professionalisierung und Funktionalisierung allein \u00a0nicht gen\u00fcge<\/strong>n. \u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sorgende Gemeinschaften &nbsp;basieren auf wechselseitiger Unterst\u00fctzung \u2013<\/strong> s<strong>ie sind aber zugleich ein Mix aus Selbsthilfe, freiwilligem Engagement und beruflicher Arbe<\/strong>it. Sie entwickeln sich vor allem in den Nachbarschaften, in Wohnprojekten und sozialen Initiativen von Angeh\u00f6rigen und Betroffenen&nbsp;\u2013 manchmal auch in Kirchengemeinden, zumeist aber jenseits der unternehmerischen Diakonie, die sich nach Angeboten und Strategien sortiert und wirtschaftlich arbeiten muss wie andere Dienstleister auch. <strong>Sorgende Gemeinschaften haben&nbsp; einen anderen Umgang mit Zeit und Gef\u00fchlen \u2013&nbsp;nicht alles kann und muss geplant und &nbsp;kalkuliert werden, nicht alles kann refinanziert werden<\/strong>. Gerade deshalb passen \u201eSorgenden Gemeinschaften\u201c,&nbsp; Caring Communities in unsere Zeit. Gemeinschaft entsteht hier aus der wechselseitigen Sorge.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Damit erinnern die Caring Communities an die diakonischen Gemeinschaften des 19. Jahrhunderts \u2013 mit einigen entscheidenden Unterschieden<\/strong>: Es handelt sich um <strong>Wahlgemeinschaften auf Zeit &#8211;\u00a0 mit selbstgew\u00e4hlten Verpflichtungen.<\/strong> Sie werden \u00f6fter <strong>von den Betroffenen als von\u00a0 Organisationen oder Profis getragen.<\/strong> Dabei wird die<strong> Vielfalt der Beteiligten als Gewin<\/strong>n verstanden.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>2. <strong>Engagement f\u00fcr die Verletzlichen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nicht nur die Corona-Krise, auch die Klimakatastrophe und der Krieg gegen die Ukraine haben unser Lebensgef\u00fchl, den Lebensstil und auch das Engagement ver\u00e4ndert. <\/strong>Auch bei der <strong>Flut an der Ahr<\/strong> und \u00a0bei der <strong>Unterst\u00fctzung von Fl\u00fcchtlingen<\/strong>\u00a0 gingen die Initiativen in aller Regel von freiwillig Engagierten in der Zivilgesellschaft aus. Soziale Netzwerke und Websites haben dabei eine entscheidende Rolle gespielt. <strong>Menschen lie\u00dfen sich anr\u00fchren von den ersch\u00fctternden Bildern in der Nachbarschaft \u2013 sie fuhren f\u00fcr ein oder zwei Wochenenden, manchmal aber auch f\u00fcr ein paar Wochen an ihren Einsatzort, nahmen den Jahresurlaub, organisierten weitere Hilfe.<\/strong> Sie fuhren an die Grenze der Ukraine, holten unbekannte Gefl\u00fcchtete ab, nahmen Fremde in ihre H\u00e4user auf- manchmal f\u00fcr Monate. Viele erz\u00e4hlten von dem Gef\u00fchl, gebraucht zu werden, etwas weitergeben zu k\u00f6nnen, Gemeinschaft zu erfahren. Und oft hatte ich beim Zuh\u00f6ren das Gef\u00fchl, hier geht es um Spiritualit\u00e4t und Lebenssinn.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir sprechen seit 40 Jahren vom so genannten neuen Ehrenamt- von Menschen, die sich eben nicht mehr an Organisationen binden, sondern an eine Aufgabe, an ein Projekt.<\/strong> Das ist auch in diesen F\u00e4llen so \u2013 anders aber als bisher sind Menschen jetzt bereit, sehr viel mehr Zeit aufzubieten, ihre H\u00e4user und ihr Leben zu \u00f6ffnen, so lange es n\u00f6tig ist<strong>Dahinter steht die \u00dcberzeugung, auch selbst in einer solchen Situation sein zu k\u00f6nnen- die Obdachlosen, die Gefl\u00fcchteten, sie sind wie ich. <\/strong>In allen diesen F\u00e4llen kam die organisierte professionelle Hilfe der Kommunen, der Kirchen, der Wohlfahrtsverb\u00e4nde hinterher. Wo die Zusammenarbeit auf Augenh\u00f6he gelang, entstanden auch in diesen F\u00e4llen Sorgende Gemeinschaften. In Fl\u00fcchtlingslagern, an der Ahr und anderswo wurde zusammen Advent gefeiert und auch der Verstorbenen gedacht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kennzeichnend f\u00fcr die neuen Aufbr\u00fcche ist der Perspektivwechsel: Im Mittelpunkt steht jeweils der verletzte, der traumatisierte Mensch. \u201e<\/strong> Das Evangelium verlangt von uns, das Risiko der Begegnung mit den Angesicht des anderen einzugehen, <strong>mit seiner physischen Gegenwart, die uns anfragt, mit einem Schmerz und einen Bitten und mit seiner ansteckenden Freude im unmittelbaren Kontakt\u201c <\/strong><a id=\"_ftnref2\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> sagt Papst Franziskus. <strong>\u00a0Das gilt seit langem auch in der Hospizarbeit, wo wir von der Orchestrierung der Hilfe um den Sterbenden reden. <\/strong>Zugeh\u00f6rige, Freiwillige und Profis aus den verschiedenen Berufsgruppen vom \u00e4rztlichen Dienst \u00fcber Pflege und Seelsorge bis zur Ern\u00e4hrungsberatung verstehen sich als Team, in das jeder \u2013 je nach den Bedarfen und Bed\u00fcrfnissen der Sterbenden- die eigenen Gaben wie die eigene Professionalit\u00e4t \u00a0einbringt. T<strong>rotz der gro\u00dfen Belastung, die mit den vielen Abschieden einhergehen, empfinden viele Pflegende und Arzt*innen den Dienst im Hospiz als erf\u00fcllend \u2013<\/strong> gerade auch im Vergleich zu den Diensten auf \u00a0Station eines Krankenhauses \u00a0oder in der Langzeitpflege, die nicht nur mit erheblichem Zeitdruck einhergehen, \u00a0sondern auch mit vielf\u00e4ltigen, moralischen\u00a0 Dilemmata \u2013 vor allem deshalb, weil die Rahmenbedingungen es h\u00e4ufig nicht erlauben, dem eigenen Ethos nachzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Theologin Hildegund Keul hat sich auf dem Hintergrund von Corona mit Vulnerabilit\u00e4t und Vulneranz besch\u00e4ftigt<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\"><strong>[3]<\/strong><\/a><\/strong> \u2013 dabei versteht sie unter Vulneranz den Versuch, durch Disziplin und H\u00e4rte \u2013 auch gegen sich selbst- die eigene Verletzlichkeit abzuwehren und die der anderen nicht zu sehr an sich herankommen zu lassen. Sie macht deutlich, dass \u00fcber ein solches Verhalten ein Regime errichtet wird, das letztlich die Verletzlichkeit aller Beteiligten steigert. <strong>Aber Wunden verbinden<\/strong>\u201c, schreibt Theologin Hildegund Keul. Sie sind ein Ort der Kommunikation. Verletzungen erzeugen eine \u00d6ffnung, erm\u00f6glichen intensiven Austausch, ja Intimit\u00e4t I<strong>ch denke an den barmherzigen Samariter, der den Verwundeten am Wegrand entdeckt und seinen Weg unterbricht.<\/strong> Der dem Fremden die Wunden ausw\u00e4scht, ihn auf sein Reittier setzt und ihn in ein Gasthaus zur Pflege bringt und daf\u00fcr auch zahlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Hildegund Keul spricht vom V<strong>erschwendungsparadox. Die Verletzlichkeit des anderen &nbsp;macht die Liebe nur gr\u00f6\u00dfer.<\/strong> Wie bei der Frau, die Jesus noch in den letzten Tagen die F\u00fc\u00dfe salbt \u2013 mit kostbarem Parf\u00fcm \u00d6l. Lebensverlust erzeugt Lebensgewinn, wenn man bereit ist, sich selbst zu verschwenden.<\/p>\n\n\n\n<p>E<strong>in Beispiel daf\u00fcr ist auch der chinesische Arzt Li Wenliang<\/strong>\u00a0<strong>, der das Corona-Virus fr\u00fchzeitig entdeckt<\/strong>e und sich nicht scheute, es bekannt zu machen, um andere zu sch\u00fctzen. Er starb am Ende selbst an Corona. Das Regime hat ihn nicht gesch\u00fctzt- im Gegenteil.<strong> Aber auch in einem Sozialstaat wie bei uns ist es diese Haltung, die \u00c4rzt*innen oder Pflegende auszeichnet. Die eigene Arbeit stellt die anderen in den Mittelpunkt<\/strong>. Genau das meint auch Franziska B\u00f6hler, \u00a0wenn sie stolz schreibt: \u201eI am a nurse\u201c.<a id=\"_ftnref4\" href=\"#_ftn4\">[4]<\/a>\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>3. <strong>Jobs und \u00a0Berufungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dass Arbeit mehr ist als nur ein Job, dass sie mit uns selbst, unserer pers\u00f6nlichen Entwicklung, unseren Netzwerken zu tun hat<\/strong>, wird zur Zeit vor allem <strong>in der Szene der Gr\u00fcnder, und K\u00fcnstler neu entdeckt \u2013 es gilt aber auch und gerade f\u00fcr die Diakonie und die soziale Arbe<\/strong>it.\u00a0<em>\u201e<\/em>Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe\u201c sagt Catharina Bruns. <a id=\"_ftnref5\" href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> Sie empfiehlt, ganz bewusst mit denen zusammen zu arbeiten, die ihren Beruf lieben.<strong> Damit sind wir sehr nah an den Motiven, die den Aufbruch der Diakonie im 19. Jahrhundert kennzeichnen. Es ging um Liebe<\/strong> \u2013 um die Liebe zu denen, die in der Zeit der ersten Globalisierung und Industrialisierung unter die R\u00e4der kamen ; es ging darum, <strong>den Vergessenen und scheinbar \u00dcberfl\u00fcssigen \u00a0zu zeigen, dass sie gebraucht wurden.<\/strong> All die Kinderg\u00e4rten, Kranken- und Rettungsh\u00e4user entstanden aus den Initiativen ehrenamtlich Engagierter \u2013 von Unternehmern, Kommunalbeamten, gut ausgebildeten Frauen ohne Beruf. Menschen, die von ihrer Sache begeistert waren: Fromme, erweckte Christen, die sich engagieren, die ihre Kirche ver\u00e4ndern wollten.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&nbsp;Aus diesen Initiativen entstanden ganz neue Berufe f\u00fcr die, die sich abgeh\u00e4ngt und nutzlos f\u00fchlten<\/strong><strong>.<\/strong> Arbeitslose junge M\u00e4nner wurden Handwerker und Diakone, alleinstehende Frauen, die eine Aufgabe suchten, wurden Diakonissen, Erzieherin oder Krankenschwester. Theodor und&nbsp; Friederike Fliedner,, Johann Hinrich Wichern, Amalie Sieveking, Wilhelm L\u00f6he &nbsp;und all die anderen schmiedeten in ihren Einrichtungen <strong>Ketten der Hilfe entlang der Vertriebsketten auf den neuen globalen M\u00e4rkten. I<\/strong>n einer Zeit, in der Menschen auf der Suche nach Jobs vom Land in die St\u00e4dte zogen und oft genug ihren Halt verloren, s<strong>chufen sie Haltepunkte im Getriebe, Pl\u00e4tze und Gemeinschaften, die Menschen stark machten. <\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Heute \u2013 in der Zeit einer zweiten gro\u00dfen Transformation- erleben wir eine \u00e4hnliche Situation. Gesellschaften und Arbeitspl\u00e4tze ver\u00e4ndern sich und&nbsp; wieder kommen ganze Gruppen unter die R\u00e4der. <\/strong>Die Klimakrise macht auch den letzten deutlich, dass die Wachstumsgesellschaft an&nbsp; eine Grenze st\u00f6\u00dft, die Staatshaushalte geraten unter Druck und die Wohlfahrtspflege muss sparen. Es wird diskutiert, ob die Digitalisierung uns bedroht oder ob sie uns unterst\u00fctzt bei dem gro\u00dfen Sprung in eine neue Zeit \u2013 aber vorl\u00e4ufig hat uns Corona gezeigt, dass die versprochene Vereinbarkeit von Beruf und Familie so nicht gelingt. Die Kinderbetreuung f\u00e4llt auf die Frauen zur\u00fcck, die \u00c4lteren, die angesichts des Fachkr\u00e4ftemangels gebraucht werden, werden vor allem als Belastung verstanden. Das Ideal der Arbeitsm\u00e4rkte scheint der Single zu sein, der jederzeit seine Zelte abbrechen und mit der Arbeit an neue Orte ziehen kann. <strong>In dieser Situation sind &nbsp;Einkommen und Konsum f\u00fcr viele nicht mehr der entscheidende Gl\u00fccksparameter: es geht um ein gutes Leben, um Zugeh\u00f6rigkeit, Beziehung und Sinn.<\/strong> In welche Richtung kann das gehen?<strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Philosoph und Politikwissenschaftler Matthew Crawford, der mit den widerspr\u00fcchlichen Anforderungen in dem Thinktank, in dem er arbeitete, nicht mehr zurechtkam<\/strong><strong>, k<\/strong>\u00fcndigte und er\u00f6ffnete stattdessen eine Motorradwerkstatt. Ein Teil der Befriedigung liegt f\u00fcr ihn darin, dass er den Sinn seines Tuns in seinem Handeln findet. Aus seiner Sicht ist es entscheidend,&nbsp;dass Arbeit uns in einer Wertegemeinschaft verankert. <strong>Was ich tue, sagt er, ist Teil eine umfassenderen Bedeutungskreises \u2013 es dient einer Aktivit\u00e4t, die wir als Teil des guten Lebens betrachten. Dieses Bewusstsein, das gar nicht ausgesprochen werden muss,&nbsp;konstituiert die Gemeinschaft, in der wir arbeiten.<\/strong> Wir stehen in einer Art \u201e t\u00e4tigem Gespr\u00e4ch\u201c miteinander&nbsp;\u2013 und durch dieses Gespr\u00e4ch kann die Arbeit unser Leben zu einem in sich schl\u00fcssigen Ganzen machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><strong>Um als Fotograf gute Arbeit zu tun, schreibt Crawford, muss man nicht nur Fotos machen, sondern Fotograf werden <\/strong>\u2013&nbsp;man stellt sich damit in eine lange Traditionsreihe von Menschen, denen es vor allem um eines ging: Man muss sehen lernen. Auch wir stehen in einer solchen Traditionskette, die \u00fcber unsere eigene Arbeit, ja, sogar \u00fcber unsere Berufung hinausreicht.<strong> <\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wer P\u00e4dagogik, Soziale Arbeit oder Pflege studiert und gelernt hat, will vor allem eins: f\u00fcr Menschen da sein. <\/strong>Dem sollten die diakonischen Einrichtungen mit ihren \u00c4mtern und Diensten, mit den Kirchen und Andachten, den G\u00e4rten und Bildungseinrichtungen dienen.\u00a0<strong>Wenn wir merken, dass die Rahmenbedingungen unserer Arbeit mit diesem Ziel nicht mehr \u00fcbereinstimmen, f\u00fchrt kein Weg daran vorbei, Konflikte beim Namen zu nennen und Alternativen zu erproben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>4. <strong>Zerbrochene Ganzheitlichkeit <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vor mehr 20 Jahren erschien Joan Chittisters Buch \u201eUnter der Asche ein heimliches Feuer\u201c<\/strong><strong>&nbsp;<a href=\"#_ftn6\" id=\"_ftnref6\"><strong>[6]<\/strong><\/a>,<\/strong> Die heute 80-j\u00e4hrige ist Mitglieds eines Benediktinerinnen \u2013 Konvents in Pennsylvania. Zw\u00f6lf Jahre war sie dessen Priorin, eine starke, inspirierende und mutige Frau.&nbsp;<strong>Ich war damals Leiterin der Kaiserswerther Diakonie, des ersten Diakonissenmutterhauses von 1836. Dort, am Ursprungsort der neuzeitlichen Pflegegeschichte, waren die Keller voller Akten aus vielen Jahrzehnten Pflegearbeit <\/strong>\u2013 w\u00e4hrend die Diakonissengeschichte&nbsp; unweigerlich zu Ende ging. <strong>&nbsp;Leih- Pflegekr\u00e4fte sind f\u00fcr mich der konsequente Endpunkt der Entwicklung von der Institution zur Individualisierung, von der Gemeinschaftsdiakonie zum Gesundheitsmarkt<\/strong>. ..Ohne den Einsatz von Zeitarbeitsfirmen f\u00fcr \u00c4rzte und Pflegende, ohne Migrantinnen und Migranten ginge schon lange nichts mehr. Vielleicht kommt auch bei uns die Zeit wieder, in der die Angeh\u00f6rigen ihre Kranken ganz offiziell auch im Krankenhaus versorgen? Essen mitbringen, Betten machen?<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;A<strong>m Anfang stand die Glaubens- Lebens- und Dienstgemeinschaft, zu der nicht nur die Schwestern oder Br\u00fcder, sondern auch die Hilfebed\u00fcrftigen z\u00e4hlten. Konstitutiv daf\u00fcr war ein Dreieck: Gemeinschaft untereinander, Gemeinschaft mit dem Hilfebed\u00fcrftigen, Gemeinschaft mit Christus<\/strong>. In diesem diakonischen Dreieck sind&nbsp; die Rollen nicht festgelegt: Denn in den Kranken oder Sterbenden l\u00e4sst sich Christus finden, wie das Gleichnis vom Gro\u00dfen Weltgericht erz\u00e4hlt. Und in den Schwestern und Br\u00fcdern, mit denen ich arbeite, begegne ich eben nicht nur Helferinnen und Helfern, sondern auch Hilfebed\u00fcrftigen. Arbeit und Gemeinschaftserfahrung, Berufserfahrung und Berufung, Alltag &nbsp;und Religion geh\u00f6rten zusammen. N<strong>icht zuletzt in den eigenen Erfahrungen w\u00e4chst die Empathie f\u00fcr andere, das Mitleiden- und gerade in dieser Haltung lassen sich auch bei den Hilfebed\u00fcrftigen neue Kr\u00e4fte entdecken.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Erst sp\u00e4t ist mir aufgefallen, <strong>dass in dieser Vorstellung die Selbstsorge, die Selbstliebe keine Rolle spielt<\/strong> \u2013 obwohl es doch in der Bibel hei\u00dft: Du sollst Gott lieben und Deinen N\u00e4chsten wie Dich selbst. <strong>Ganz offenbar waren die Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcnder der neuzeitlichen Diakonie davon \u00fcberzeugt, dass in der Gemeinschaft die Liebe so hin und her flie\u00dft, dass niemand sich vergisst oder vergessen wird<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&nbsp;Leider gab es aber auch in den Gemeinschaften Menschen, die zu kurz kamen, ja, am Ende ausgeschlossen und ermordet wurden : Menschen mit Behinderung und auch getaufte J\u00fcdinnen im \u201eDritten Reich\u201c, Frauen die ihre gleichgeschlechtliche Liebe nicht verbergen konnten<\/strong>. Es gab eine Enge in den Gemeinschaften, die so manchem die Luft zum Atmen nahm.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der ganzheitliche Zusammenhang von Glaubens- Lebens- und Dienstgemeinschaft ist zerbrochen. Und daran waren die Gemeinschaften selbst nicht unbeteiligt.<\/strong> D<strong>ie Sozialkontrolle in den Mutter- und Bruderh\u00e4usern, die Vorstellungen, dass die Helfer und Helferinnen gesund und normal sein sollten, um anderen zu dienen, die Gehorsamstradition<\/strong>\u2026 All das spielte dabei eine Rolle. Heute leben wir in einer freien &nbsp;Gesellschaft, in der die Funktions- und Lebensbereiche strikt getrennt sind. <strong>Arbeit und Wirtschaft, Familie, Freunde&nbsp; und Nachbarschaft, Spiritualit\u00e4t und Religion geh\u00f6ren zu unterschiedlichen Lebensbereichen. Wir leben nicht nur eine , wir leben unterschiedliche Rollen<\/strong>. Aus den Krankenh\u00e4usern und Pflegediensten, die einst von diakonischen Gemeinschaften getragen wurden, wurden diakonische Dienstleister, die nun aber\u2013 wie die gesamte Sozial- und Gesundheitswirtschaft \u2013 unter erheblichem Kostendruck stehen.&nbsp;Es geht&nbsp; darum, effektiv zu arbeiten- alles andere ist in den Hintergrund getreten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der klar und verl\u00e4sslich gezeichnete Rahmen, in dem Menschen \u00fcber Jahrhunderte gelebt haben, hat sich aufgel\u00f6st \u2013 das gilt f\u00fcr Geschlechterrollen wie f\u00fcr Familienbilder, f\u00fcr Biographien wie f\u00fcr Berufswege.<\/strong> Mit der Individualisierung haben wir neue Freiheiten gewonnen und neue Unsicherheiten eingetauscht. Wir haben Autonomie gewonnen, aber vergessen manchmal, wie sehr wir auf andere angewiesen sind. Frauen haben ihren Platz im der Erwerbsarbeit erk\u00e4mpft- aber die Sorgearbeit ist noch nicht gerecht verteilt. Unser Leben ist mobil geworden, aber der Zusammenhalt an einem Ort ist nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich. Wir leben in einer Dienstleistungs- und Konsumgesellschaft und m\u00fcssen&nbsp; neu lernen, dass Gesundheit, Bildung, Ver\u00e4nderungsprozesse sondern unsere eigene Mitarbeit und Gestaltung brauchen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Alle diese Ver\u00e4nderungen betreffen auch die Erfahrung von Gemeinschaft \u2013 Gemeinschaft heute ist Gemeinschaft auf Zei<\/strong>t. Sie muss Vielfalt spiegeln, wechselseitige Sorge integrieren, Mobilit\u00e4t und Digitalisierung ernst nehmen, Partizipation als selbstverst\u00e4ndlich erachten. D<strong>enn mit den gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen hat sich auch unser Selbstbild ver\u00e4ndert: Wir haben nicht mehr nur eine Lebensrolle, sondern eine Vielfalt von Rollenanteilen, die wir in unterschiedlichen Kontexten leben<\/strong>. Gerade das k\u00f6nnte die Gemeinschaft bereichern.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dennoch sehnen sich manche Pflegekr\u00e4fte in ihrer \u00dcberforderung nach dem Leben der M\u00e4nner und Frauen, die in ihrer Arbeit -oder besser in ihrem Dienst \u2013 aufgegangen sind. <strong>Die Sehnsucht nach Ganzheit und Verl\u00e4sslichkeit geht wie ein Schatten mit. Und sie kann missbraucht werden.<\/strong> Die Br\u00fcche, die viele unserer Einrichtungen im \u201eDritten Reich\u201c erlebt haben, waren auch m\u00f6glich, weil man die Institution sch\u00fctzen wollte, die einem ein besonderes Leben erm\u00f6glichte.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>5. <strong>Ethik und Spiritualit\u00e4t<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bei &nbsp;den diakonischen Gemeinschaften stand das Engagement f\u00fcr andere im Mittelpunkt- Andachten, Gottesdienste, R\u00fcstzeiten dienten dazu, sich mit den eigenen Kraftquellen neu zu verbinden.<\/strong>&nbsp; Mit dem wachsenden Erfolg der Mutter- und Br\u00fcderh\u00e4user w<strong>urden die Gemeinschaften allerdings&nbsp; funktionalisiert <\/strong><strong>&#8211;&nbsp; auch Religion und Spiritualit\u00e4t waren davor nicht gefeit.<\/strong> Ich denke daran, wie diakonische Gemeinschaften sich einbinden lie\u00dfen in das Euthanasieprogramm oder wie Missionsschwestern und Diakone sich&nbsp; beteiligten am menschenfeindlichen Handeln gegen ganze Volksgruppe &nbsp;in Afrika. Dass sich immer mehr Menschen von der Kirche abwenden, ist vielleicht auch eine Konsequenz dieser Geschichte. <strong>Eigentlich ist es doch ein Wunder, dass die diakonische Geschichte in Deutschland nach 45 weiterging. <\/strong><strong>Tats\u00e4chlich&nbsp; gab es in den 50-er und 60er Jahren auch noch Nachwuchs an Diakonissen und Diakonen.<\/strong> Diakonie hatte Arbeit, gab Sicherheit und&nbsp; Hoffnung auf Erneuerung. <strong>Mit der Zeit haben sich die Einrichtungen Schritt f\u00fcr Schritt an die gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen angepasst : So wurden die Diakonieschwestern als eigenst\u00e4ndige Gruppe neben den Diakonissen verstanden,<\/strong> auch f\u00fcr Diakonissen gab es einen Entgelt und nicht nur Taschengeld, die Diakonen Ausbildungsst\u00e4tten \u00f6ffneten sich f\u00fcr Frauen, die Schwesternschaften f\u00fcr M\u00e4nner und f\u00fcr unterschiedliche Lebensformen. Das alles hat die Gemeinschaften \u00fcberleben lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&nbsp;Aber Heilung und wirkliche Lebendigkeit gibt es am Ende&nbsp; nur, wenn wir wagen, uns der schmerzhaften Kritik zu stellen, die Scherben der vergangenen Gr\u00f6\u00dfe anzuschauen<\/strong>. Schaut man auf die Geschichte der gro\u00dfen Einrichtungen, dann wird deutlich: <strong>Es gab eine Reihe von Reparaturarbeiten,&nbsp; aber keinen wirklichen Neuanfang. Und da<\/strong>s Land braucht einen grundlegenden Wandel, zum Beispiel, was den Umgang mit der privaten wie mit der beruflichen &nbsp;Sorgearbeit betrifft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es geht nicht darum, besser zu sein als andere. Es geht darum, aus dem eigenen Versagen zu lernen<\/strong>,<strong> die eigene Geschichte und die gesellschaftliche Gegenwart anzunehmen \u2013 und auch den Schmerz, der unweigerlich mit dem Wandel verbunden ist. <\/strong>Wo die Bereitschaft dazu von innen kommt und nicht nur von au\u00dfen aufoktroyiert wird, kann Ver\u00e4nderung gelingen. <strong>Schw. Ruth Felgentreff, die den Umgang der Kaiserswerther Diakonissenanstalt mit ihren j\u00fcdischen Mitschwestern erforscht hat, hat gezeigt, was m\u00f6glich ist. Ich habe dabei manchmal an die asiatische Technik gedacht, ein zerbrochenes Gef\u00e4\u00df neu zusammenzuf\u00fcgen, zu kleben<\/strong>. Mit einem Klebstoff der golden leuchtet. A<strong>n den Br\u00fcchen zeigt dich die Sch\u00f6nheit erst recht. \u201e There\u2019s a crack in everything, that\u2018s how the light gets in\u201c, singt Leonhard Cohen. <\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><strong>Die Br\u00fcche sind unvermeidbar. Denn Glaube, Gemeinschaft und Dienst, \u201eBelieving\u201c und \u201eBelonging\u201c, waren und sind &nbsp;in einem diakonischen Unternehmen nur schwer &nbsp;zur Deckung zu bringen<\/strong><strong>. <\/strong>Was die britische Soziologin Grace Davie als Problemanzeige f\u00fcr die westlichen Kirchen analysiert, das zeigt sich erst recht in der Diakonie.<strong> Grace Davie spricht davon, dass der gemeinsame Glaube, der zum gemeinsamen Handeln f\u00fchrt, l\u00e4ngst nicht mehr als tragendes Fundament vorausgesetzt werden kann<\/strong>. Die Richtung f\u00fchrt nicht mehr vom \u201eBelieving\u201c zum \u201eBelonging\u201c, sondern umgekehrt: vom Belonging zum Believing. \u00dcber das gemeinsame Handeln erschlie\u00dft sich die Gemeinschaft, die dann auch neue Zug\u00e4nge zum Glauben er\u00f6ffnet. <strong>Spiritualit\u00e4t in der Diakonie bedeutet deshalb mehr als die Einrichtung eines Raums der Stille, e<\/strong>ines sch\u00f6nen Gartens oder Labyrinths. <strong>Diakonische Arbeit ist immer Beziehungsarbeit &#8211; und damit Zusammenarbeit. <\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Unter Druck , in Konfliktsituationen und &nbsp;Grenzerfahrungen brauchen Mitarbeitende Ermutigung, \u00fcber ihre Hoffnung und \u00c4ngste, \u00fcber Glauben und Zweifel zu &nbsp;sprechen \u2013&nbsp;<\/strong>und das ist auch heute in Kirche und Diakonie nicht einfach. Nicht nur, <strong>weil die allermeisten&nbsp; Religionen als Privatsache empfinden und sie vor dem Zugriff der Arbeitswelt sch\u00fctzen wollen, sondern auch, weil in den Einrichtungen l\u00e4ngst Mitarbeitende unterschiedlicher Kultur und \u00dcberzeugung arbeiten<\/strong>. Menschen&nbsp; mit unterschiedlichen Pr\u00e4gungen, was zum Beispiel Geschlechterrollen oder Vorstellungen vom Leben und Sterben betrifft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&nbsp;&nbsp;Eine gemeinsame Unternehmenskultur kann nur da entstehen, wo auch dar\u00fcber offen gesprochen werden kann. Wo die Vielfalt geachtet wird, die heute auch diakonische Unternehmen pr\u00e4gt:<\/strong><strong>&nbsp;<\/strong>andere Religionen, Atheisten und Agnostiker geh\u00f6ren genauso dazu wie Suchende oder \u00fcberzeugte Christinnen und Christen. Kultur ist nicht vorgegeben \u2013 wir m\u00fcssen sie schaffen. Nicht durch Anpassung, nicht durch Druck, sondern indem wir Probleme beim Namen nennen, Projekte starten, Rituale entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Spiritualit\u00e4t in der Diakonie bedeutet also &nbsp;mehr als die Einrichtung eines Raums der Stille, eines sch\u00f6nen Gartens oder Labyrinths. Spiritualit\u00e4t in der Diakonie erleben Pflegende auch in der Zuwendung zu Kranken<\/strong> und in der Sterbebegleitung oder im ehrlichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. <strong>Diakonische Arbeit ist immer Beziehungsarbeit- und damit immer auch Zusammenarbeit. <\/strong>Zusammenarbeit mit Patienten bei der Heilung, Zusammenarbeit untereinander, Zusammenarbeit bei der Bew\u00e4ltigung des schwer Ertr\u00e4glichen, gemeinsame Suche nach spirituellen Kraftquellen. Wenn unter Effektivit\u00e4ts- und Kostendruck Stationsbesprechungen eingespart werden, wenn f\u00fcr Gespr\u00e4che mit Angeh\u00f6rigen kaum noch Zeit bleibt, <strong>wenn der Zusammenhalt im Team durch Ver\u00e4nderungsdruck und Umstrukturierungen bedroht ist, dann tangiert das auch die Spiritualit\u00e4t.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Denn eine konkrete und verantwortliche Spiritualit\u00e4t verschanzt sich nicht am heiligen Ort des Tempels <\/strong>, hat Johann Baptist Metz gesagt, sondern sie richtet sich an die urbanen R\u00e4ume unserer globalisierten Welt- wir bleiben auf dem Weg, wenn wir \u00a0den Schrei des anderen h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>6. <strong>Rituale und die gro\u00dfe Erz\u00e4hlung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eDer moderne Individualismus steht nicht nur f\u00fcr einen pers\u00f6nlichen Impuls, sondern auch f\u00fcr einen sozialen Mangel, einen Mangel an Ritualen. \u00a0Die moderne Gesellschaft hat die durch Rituale hergestellten Bindungen geschw\u00e4cht\u201c, <\/strong>schreibt Sennet am Schluss seines Buches \u00fcber Zusammenarbeit. <a id=\"_ftnref7\" href=\"#_ftn7\">[7]<\/a> Rituale geben dem Leben Rhythmus, sie k\u00f6nnen den Alltag unterbrechen, Lebensschwellen bewusst machen. Sie k\u00f6nnen aber auch helfen, \u00dcberg\u00e4nge zu gestalten und schwer ertr\u00e4gliche Situationen auszuhalten. Diakonie ist\u00a0 reich an Ritualen \u2013 mit Weihnachts- und Sommerfesten, Tagen der Offenen T\u00fcr, Einweihungen und Jubil\u00e4en.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201c<\/strong><strong>Die christliche Religion ist eine Metaerz\u00e4hlung, die jeden Winkel des Lebens erfasst und es im Sein verankert\u201c,<\/strong> schreibt der Philosoph Byung Chul \u2013 Han.<a href=\"#_ftn8\" id=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Der christliche Kalender l\u00e4sst jeden Tag als sinnvoll erscheinen. In der Moderne &nbsp;wird er zum sinnentleerten Terminkalender. Religi\u00f6se Festtage sind Glanz- und H\u00f6hepunkte einer Erz\u00e4hlung. <strong>Ohne Erz\u00e4hlung gibt es kein Fest, keine Festzeit, kein Festlichkeitsgef\u00fchl als gesteigertes Seinsgef\u00fchl, sondern nur Arbeit und Freizeit, Produktion und Konsum<\/strong>. Auch Rituale&nbsp; sind immer in einen Erz\u00e4hlkontext eingebettet.\u201c Stattdessen &nbsp;herrscht heute &nbsp;ein \u201eTsunami der Information\u201c Aber &nbsp;Information \u201eist kein Sinntr\u00e4ger, Sinn hei\u00dft urspr\u00fcnglich Richtung. Wir sind heute bestens informiert, aber orientierungslos. Deshalb geht es heute meist um Probleml\u00f6sung jenseits der Frage nach dem Sinn. Es geht um Input und Output, um Kennzahlen und Qualit\u00e4tskriterien.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a0Der Verlust an Ritualen hat also auch damit zu tun, dass wir nicht mehr nur in die eine, gro\u00dfe christliche Erz\u00e4hlung eingebunden sind.<\/strong> Wenn es uns nun aber darum geht, <strong>Gemeinschaft zu gestalten, m\u00fcssen wir auch andere Erz\u00e4hlungen und andere Traditionen h\u00f6ren und ernst nehmen- die Traditionen der muslimischen Bewohner genauso wie die \u00a0der orthodoxen Mitarbeiterinnen. Das braucht Sensibilit\u00e4t, Empathie und vor allem Zeit. <\/strong>\u00a0Wir m\u00fcssen und wir k\u00f6nnen Rituale so\u00a0 gestalten, dass andere das Gef\u00fchl haben, ihre eigenen Traditionen einbringen zu k\u00f6nnen. Damit Fremdheit \u00fcberwunden wird. \u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>7. <strong>Solidarit\u00e4t in Br\u00fcchen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>&nbsp;Richard Sennet hat dargelegt, wie wesentlich Kooperation ist, um Zusammenh\u00e4nge wahrzunehmen, das Ganze in den Blick zu bekommen. Die traditionelle japanische Reparaturmethode Kintzugi misst den Rissen so viel Bedeutung bei wie der Reparatur. <\/strong>Sennet zeigt, wie sehr dieser Blick aufs Ganze angesichts unserer oft so zerst\u00fcckelter Jobs, Zeitarbeitsverh\u00e4ltnisse und individualisierter Mediennutzung bedroht ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts wachsender Ungleichheit w\u00e4chst zwar der Wunsch nach Solidarit\u00e4t- zugleich aber zersplittern Gewerkschaften, erodieren die alten Gemeinschaften. Auf diesem Hintergrund, so Sennet, suchen viele eine destruktive Solidarit\u00e4t, sie verteidigen das Eigene auf Kosten und in Abgrenzung zu anderen.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb ist es heute wichtig, <strong>Organisationen, Arbeitsstrukturen und Orte zu schaffen, die ein Miteinander in Vielfalt erm\u00f6glichen \u2013 inklusive Schulen, gemischte Wohnquartiere, ein Unternehmen, das Migranten integriert. <\/strong>Richard Sennet illustriert das am Beispiel von Gemeinschaften, die im 19. oder im fr\u00fchen 20. Jahrhundert entstanden sind \u2013 wie unsere oder die Catholic\u2013Workers-Bewegung.<strong> Sie haben nicht einfach gespiegelt, was die Gesellschaft bestimmte, sie haben vielmehr auf die Umbr\u00fcche und Br\u00fcche reagiert und zu heilen versucht, was gebrochen wa<\/strong>r. So wurden die diakonischen Gemeinschaften zur Familie f\u00fcr die, die keine Familie hatten. Aus der F\u00fcrsorge- und Pflegearbeit der Frauen in den Familien wurde ein Beruf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>C. Otto Scharmer<a href=\"#_ftn9\" id=\"_ftnref9\"><sup><strong><sup>[9]<\/sup><\/strong><\/sup><\/a> hat sich mit der Frage besch\u00e4ftigt, wie wir in Zerrei\u00dfproben zu einer neuen Offenheit finden. Was ist das Gold, das die Br\u00fcche ausf\u00fcllt? &nbsp;<\/strong>An Beispielen stellt er dar, wie wichtig es ist, <strong>einen physischen und zeitlichen Ort zu finden, an dem die Teilnehmer*innen eine pers\u00f6nliche Beziehung zueinander aufbauen und gemeinsam neue M\u00f6glichkeiten entdecken k\u00f6nnen<\/strong>. Wie bei einer Zukunftskonferenz kann ein einziger Tag den entscheidenden Ansto\u00df geben. Diese F\u00e4higkeit zur Pr\u00e4senz will einge\u00fcbt werden. Scharmer berichtet in diesem Zusammenhang vom <strong>\u201eCircle of Seven\u201c \u2013 von kleinen Gruppen, die sich regelm\u00e4\u00dfig treffen, um einander zuzuh\u00f6ren und sich gegenseitig zu unterst\u00fctzen. <\/strong>Mit einer Gruppe von sechs Personen f\u00e4ngt es an, der siebte Platz bleibt frei. Er symbolisierte die Leerstelle, mit der das Neue beginnt, die \u00dcberraschung, die alles ver\u00e4ndern kann, das Unbewusste, das zur Sprache kommen will. Den freien Platz am Tisch kennen wir Er ist frei f\u00fcr den wiederkehrenden Elia, den auferstandenen Jesus, den unverf\u00fcgbaren Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<strong>Wie in vielen Supervisionsgruppen beginnen die Gruppentreffen beim \u201eCircle of Seven\u201c mit einer Stille, in der sich alle Beteiligten neu verorten. <\/strong>Mich erinnert das an die Gemeinschaft der Qu\u00e4ker*innen, die Stille und Gebet allem voranstellen \u2013 im Warten auf das innere Licht, das uns den Weg weist. <strong>Zwischen den gemeinsamen Treffen nehmen die Gruppenmitglieder sich Zeit, einander pers\u00f6nlich zu begleiten.<\/strong> \u201eIch glaube, dass die Pers\u00f6nlichkeitsebene eine Vorbedingung ist. Wenn keine pers\u00f6nlichen Anliegen im Wege stehen, dann entsteht eine M\u00f6glichkeit gemeinsamen Handelns. <strong>Wenn wir einmal zusammen \u00fcber einen gewissen Punkt hin\u00fcbergekommen sind, dann entsteht eine gemeinsame Zuh\u00f6rf\u00e4higkeit, die einen zum Teil eines gr\u00f6\u00dferen Ganzen werden l\u00e4sst, die einen bescheiden macht [<\/strong>\u2026]. Darin unterscheidet sich die Qualit\u00e4t unseres gemeinsamen Gespr\u00e4chs von einem rein intellektuellen Gespr\u00e4ch\u201c.<a href=\"#_ftn10\" id=\"_ftnref10\"><sup>[10]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir m\u00fcssen die diakonischen Gemeinschaften nicht neu erfinden. Sie werden l\u00e4ngst neu erfunden. in den \u201eCircles of Seven\u201c, in \u201eSorgenden Gemeinschaften\u201c <\/strong>von Haupt- und Ehrenamtlichen in Mehrgenerationenh\u00e4usern und Nachbarschaften, in Altenzentren und Hospizen. In den Datschen der internationalen G\u00e4rten, wo Migrant*innen miteinander kochen. In den \u201eTischgemeinschaften\u201c der \u00c4lteren im Gemeindehaus. An den Kaffeehaustischen in den Quartiersl\u00e4den. In Selbsthilfegruppen, Trauergruppen und genossenschaftlich getragenen Dorfl\u00e4den. In den Wohngemeinschaften von Demenzkranken und ihren Angeh\u00f6rigen. In Nachbarschaften und Quartieren \u2013 <strong>an all diesen Orten ist eine Bewegung im Gang, die die effektiv gesteuerten Sozialunternehmen aufs Beste erg\u00e4nzt,<\/strong> mit Empathie und Begeisterung und vielen neuen Ritualen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Mittelpunkt stehen noch immer die Menschen, die unter gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen, unter den Umbr\u00fcchen &nbsp;leiden. <\/strong>Die Opfer ihrer Zeit. Migrantinnen und Migranten, von Armut betroffene Familien, aber auch Demenzkranke oder Einsame. Das Neue ist konkret und entsteht in der unmittelbaren Begegnung- das wachsen Projekte lange, bevor sie auf einer anderen politischen oder kirchlichen Ebene konzipiert werden. Entscheidend ist,&nbsp; dass wir solche Erfahrungen ernst nehmen, miteinander dar\u00fcber reden und die Gemeinschaften nutzen, um ein neues Handeln durchzusetzen. <strong>Es geht nicht ums Funktionieren. Wichtiger ist, die eigene Verletzlichkeit, Zweifel und Versagen ernst zu nehmen<\/strong>. Das suchen viele.&nbsp; <strong>Es geht also&nbsp; nicht darum, etwas Besonderes zu sein oder gar heilig zu werden \u2013 es geht darum, mit Schw\u00e4chen umzugehen und an der Seite der Schwachen zu bleiben; es geht um die grundlegende F\u00e4higkeit,&nbsp; Beziehungen zu kn\u00fcpfen, die die Welt zusammenhalten. <\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie funktioniert das&nbsp; in einer mobilen Welt, \u00fcber die vielen Wechsel des Arbeitsplatzes und des Unternehmens hinweg<\/strong><em>?<\/em>&nbsp;Damit hat die Gemeinschaftsdiakonie Erfahrung<strong>. Schlie\u00dflich entstand sie in der Zeit, als die Arbeitsmobilit\u00e4t erheblich zunahm und die Familienverb\u00e4nde \u00fcberfordert waren. Und die diakonischen schickten ihre Mitglieder immer wieder an neue, unbekannte Orte.&nbsp; <\/strong>Die Haltetaue, die Menschen auch \u00fcber gro\u00dfe Entfernungen zusammenhalten k\u00f6nnen, sind also l\u00e4ngst &nbsp;erprobt: regelm\u00e4\u00dfige Rundbriefe und Mails, gemeinsame Einkehrtage zu bestimmten Zeiten. Gemeinsame Gebetszeiten, die jeder einh\u00e4lt, gleich wo er gerade unterwegs ist. Und auch die Zeichen, die die Einzelnen erinnern, dass sie zu anderen geh\u00f6ren: ein Freundschaftsarmband, eine Schwesternbrosche, ein Schal. Und nat\u00fcrlich gemeinsame Projekte und Aufgaben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&nbsp;L\u00e4ngst&nbsp; entstehen auch in den sozialen Netzwerken spirituelle Gemeinschaften<\/strong>, christliche Communities wie \u201e Sprit and Soul\u201c, die regelm\u00e4\u00dfig zu Meditationswochen zum Advent und zur Fastenzeit, aber auch zu analogen Begegnungen einladen. &nbsp;So gut es m\u00f6glich ist, <strong>e<\/strong>ine Freundschaft oder Gemeinschaft elektronisch \u00fcber die Zeit zu retten, so wichtig sind die intensiven Zeiten der Begegnung. Ein gemeinsames Abendessen in der Woche , gemeinsames Einkaufen und Kochen. Zusammen Musik machen, singen oder auch reisen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinschaften halten die Berufung ihrer Mitglieder, aber auch der Suchenden\u00a0 wac<\/strong>h. Sie <strong>m\u00fcssen offen bleiben f\u00fcr neue Impulse, neue Menschen. <\/strong>Um einen Pflegeberuf zu erlernen oder um Sozialp\u00e4dagogik zu studieren, ist die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Gemeinschaft l\u00e4ngst nicht mehr n\u00f6tig. Aber wer sich w\u00fcnscht, die eigene Berufung mit anderen zu teilen, dem kann eine Gemeinschaft dienen.\u00a0 \u00a0<strong>Gemeinschaften schaffen einen Raum des Austauschs, der Solidarit\u00e4t, der Vergewisserung in einer sich ver\u00e4ndernden, individualisierten Welt<\/strong>. Sie sind \u00fcberfordert, wenn Unternehmensleitungen sie funktionalisieren, um den diakonischen \u201eMehrwert\u201c zu erwirtschaften. Aber sie \u00a0sind frei, sich mit anderen zusammenzutun, \u00a0um \u00fcber die eigenen Kr\u00e4fte hinaus die Sorgekr\u00e4fte und den Zusammenhalt zu st\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was also meinen wir, wenn wir WIR sagen? <\/strong>Klaus Doppler unterscheidet verschiedene Bedeutungen: Die unverbl\u00fcmte Vereinnahmung, die verdeckte Vereinnahmung, das Einschw\u00f6ren auf einen gemeinsamen Feind &#8211; und die freundliche Einladung. <strong>Aus einem exklusiven Wir (das andere eher ausschlie\u00dft und sich abgrenzt), w\u00e4chst ein inklusives Wir , das offen bleibt f\u00fcr Andere, f\u00fcr den Anderen. \u00a0Wir wirken zusammen vor Ort f\u00fcr ein gutes Miteinander<\/strong>!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\"><\/a>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Evangelium gaudii<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hildegund Keul; Verwundbar sein<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Franziska B\u00f6hler, I am a nurse<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\">[5]<\/a> Catharina Bruns, Work is not a job<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref6\" id=\"_ftn6\">[6]<\/a> Joan Chittister , Unter der Asche\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref7\" id=\"_ftn7\">[7]<\/a> Richard Sennet , Zusammenarbeit<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref8\" id=\"_ftn8\">[8]<\/a> Byung-Chul Han, Paradiesgarten<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref9\" id=\"_ftn9\">[9]<\/a> Scharmer 2008.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref10\" id=\"_ftn10\">[10]<\/a> Scharmer 2008, S. 165.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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