{"id":732,"date":"2015-03-19T14:12:23","date_gmt":"2015-03-19T14:12:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=732"},"modified":"2015-07-29T10:15:44","modified_gmt":"2015-07-29T10:15:44","slug":"die-krone-der-pflege-blick-zurueck-in-begeisterung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=732","title":{"rendered":"Die Krone der Pflege \u2013 Blick zur\u00fcck in Begeisterung"},"content":{"rendered":"<p>Letzte Woche war die Woche der Krankenschwestern in den USA. Ich h\u00e4tte das nicht erfahren, wenn nicht ein Freund auf facebook ein Lob auf die Schwestern und Pfleger ver\u00f6ffentlicht h\u00e4tte. Er schreibt: dieser Beruf ist mir gro\u00dfer Verantwortung verbunden und hat doch wenig Anerkennung in der Gesellschaft. Sie treten ein in das Leben eines anderen Menschen , ja, sie mischen sich ein. Manche segnen Sie daf\u00fcr , andere verfluchen Sie. Sie sehen Menschen in den schlimmsten und in den wunderbarsten Augenblicken. Sie sehen, wie das Leben beginnt und wie es endet.. Sie sehen, zu wie viel Liebe, Mut und Geduld wir Menschen f\u00e4hig sind.\u201c Also: bitte: posten Sie diesen Text auf ihrer homepage, wenn Sie eine Pflegende sind oder wenn sie eine Pflegende lieben.\u201c Es gab eine Menge R\u00fcckmeldungen auf dieses Statement. \u201eHeute haben wir die H\u00e4nde der Pflegenden gesegnet\u201c, schrieb ein Krankenhausseelsorger aus Chigaco. Und eine Pfarrerin bedankte sich mit dem Hinweis, sie sei im ersten Beruf Krankenschwester gewesen \u2013 und dabei h\u00e4tte sie eine Menge \u00fcber das Leben gelernt , was ihr noch heute entscheidend helfe.<\/p>\n<p>Die Ausstellung, die wir heute er\u00f6ffnen, erz\u00e4hlt von der Krone der Pflegenden, sie nimmt uns mit an die Orte der Gemeindekrankenpflege. Es gibt kaum eine Feierabenddiakonisse, die es nicht geliebt h\u00e4tte, Gemeindeschwester zu sein &#8211;\u00a0und die Ausstellung macht deutlich, warum: Gemeindeschwestern hatten einen ungeheuer vielseitigen Beruf, in dem sich Pflege und P\u00e4dagogik, Hilfe zur Haushaltsf\u00fchrung und Beratung mit der Anleitung von Familienangeh\u00f6rigen und Ehrenamtlichen verbanden. Sie waren der Mittelpunkt eines Netzes der Nachbarschaftshilfe, in dem sie eng mit \u00c4rzten zusammenarbeiteten, der Umschlagplatz der Sozialpolitik im Quartier. Und: zugleich die rechte Hand des Gemeindepfarrers und tief verankert in den \u00f6rtlichen Kirchengemeinden, wo sie durchaus famili\u00e4re Zugeh\u00f6rigkeit empfanden, oft auch im Pfarrhaus wohnten. Dabei waren sie &#8211; im Verh\u00e4ltnis zur Arbeit im Krankenhaus \u2013 relativ selbst\u00e4ndig und hatten eine gewisse Finanz- und Entscheidungshoheit. Kurz: Gemeindeschwester zu sein, das war die ideale Kombination aus Berufung und Professionalit\u00e4t, aus Mobilit\u00e4t und Sicherheit, aus Freiheit und Fr\u00f6mmigkeit.<\/p>\n<p>Aber nicht nur die alten Gemeindeschwestern bekommen gl\u00e4nzende Augen, wenn sie von ihrer Arbeit erz\u00e4hlen- vielen\u00a0 Menschen in den Gemeinden geht es ganz \u00e4hnlich. Die Schwester war eine Institution im Stadtteil, sie verk\u00f6rperte die Diakonie in der Gemeinde, das diakonische Amt, das inzwischen hinter den Serviceeinrichtungen verschwunden ist. Mit Tracht und Fahrrad, immer in den H\u00e4usern unterwegs, in der Regel ohne gro\u00dfe Worte und Predigten, stand sie f\u00fcr die menschennahe Kirche , \u00fcber die wir heute so gern reden. Und mir ihrer Bindung ans Mutterhaus lebte sie ganz unmittelbar den Br\u00fcckenschlag zwischen Kirche und Diakonie, der uns heute oft so schwer f\u00e4llt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Unwiderrufliche Ver\u00e4nderungen<\/strong><\/h3>\n<p>Diese Ausstellung erz\u00e4hlt am Beispiel der Gemeindepflegestation wie unter dem Brennglas von Aufstieg und Fall einer Lebensform , von den Ver\u00e4nderungen der Pflegediakonie in den letzten 150 Jahren, aber auch von der Entstehung und vom Wandel des Wohlfahrtsstaats \u2013 von seinen Chancen und Gef\u00e4hrdungen. Sie erz\u00e4hlt von der Rolle und Bedeutung der Kirche im Quartier und schlie\u00dflich und nicht zuletzt zeigt sie uns ein St\u00fcck Frauengeschichte. Und dabei wird deutlich: der Focus auf die Gemeinepflege eignet sich hervorragend, um zu verstehen, was wir verloren haben , warum das so ist \u2013 und welche Herausforderungen auf uns zukommen.<\/p>\n<p>Denn es hat ja seine Gr\u00fcnde, dass die Geschichte der Gemeindekrankenpflege in dieser Form zu Ende gegangen ist. Zwei Aspekte scheinen mir dabei besonders wichtig .Zun\u00e4chst die <strong>Geschlechterordnung:<\/strong> Seit ihrer Gr\u00fcndung in der Mitte des 19. Jahrhunderts waren die meisten Mutterh\u00e4user patriarchal strukturiert. Dabei funktionierten die Gemeinschaften nach dem Modell einer Ersatzfamilie mit dem Vorsteher als Diakonissenvater und der Oberin als Mutter.<a name=\"_ftnref1\"><\/a><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Das Mutterhaus sorgte f\u00fcr Pflege und Erziehung und bot unverheirateten Frauen zugleich eine neue Perspektive und eine lebenslange Versorgung. Die Dominanz der Vorsteher und \u00c4rzte \u00fcber die Schwestern wurde mit der Sch\u00f6pfungsordnung begr\u00fcndet. Dabei geh\u00f6rten Empathie und Zuwendung, Beziehungsf\u00e4higkeit und M\u00fctterlichkeit\u00a0 nach damaliger \u00dcberzeugung zur \u00a0\u201eNatur\u201c der Frau. Diakonisse zu werden, war f\u00fcr unverheiratete Frauen, die in den Kleinfamilien keine Aufgabe mehr fanden, durchaus attraktiv-und immerhin mit einer Ausbildung und einer sinnvollen Aufgabe verbunden. Als aber f\u00fcr Frauen beides denkbar wurde \u2013 ein eigenst\u00e4ndiger Beruf mit Ehe und Familie, ging die Zeit der Schwesternschaften ihrem Ende zu.<\/p>\n<p>Das Mutterhaus als entsendende Stelle, der pers\u00f6nliche Einsatz der Diakonissen, die Initiative von Pfarrern und Kirchengemeinden f\u00fcr ihr Quartier und die Spendenbereitschaft der b\u00fcrgerlichen Famillien bildeten das magische Quadrat, in dem Gemeindepflegestationen wachsen und gedeihen konnten..\u00a0 Die Ausstellung zeigt die allm\u00e4hliche Abl\u00f6sung dieses privaten und kirchlichen Engagements durch Kranken- und Sozialkassen im aufkommenden Wohlfahrtsstaat der Weimarer Republik und schlie\u00dflich in den 60-Jahren die Abl\u00f6sung der Diakonissen durch Tarifangestellte ,der Rund-um-die Uhr Dienste durch Schichtarbeit. Noch immer sind 75 Prozent der Besch\u00e4ftigen in der Pflege Frauen , noch immer wird sie auch wie ein traditioneller Frauenberuf bezahlt, doch hat die Gesellschaft inzwischen den Eindruck, dass professionelle Pflege eine knappe Ware ist.<\/p>\n<p>Mit der Abl\u00f6sung des rundum versorgenden Wohlfahrtsstaats durch den Sozialmarkt wird nun auch <strong>Pflegezeit \u00f6konomisch<\/strong> betrachtet \u2013 denn das \u00a0selbstverst\u00e4ndliche Pflegepotential der Frauen schwindet. Das f\u00fchrt dazu, dass Pflegefachkr\u00e4fte nur noch professionelle T\u00e4tigkeiten durchf\u00fchren, und \u00a0fachfremde Aufgaben an andere abgegeben. \u00a0Und f\u00fcr \u00a0Zuwendung und Gespr\u00e4che \u00a0bleibt \u00a0wenig Zeit. Inzwischen empfinden es Besch\u00e4ftigten empfinden es als Zerrei\u00dfprobe, \u00a0den diakonischen Anspruch, im Sinne \u00a0menschlicher Zuwendung, mit Professionalit\u00e4t in einem \u00f6konomisch vorgegebenen Rahmen zu integrieren. Unter Zeitdruck werden pflegebed\u00fcrftige Menschen zum Objekt der Behandlung und Pflegende werden sich selbst zum Instrument. Tats\u00e4chlich aber ist Pflege\u00a0 ein Beziehungsgeschehen, f\u00fcr das ein hohes Ma\u00df an Wahrnehmungsf\u00e4higkeit, Empathie und \u00a0Intuition notwendig sind.. Pflege ist Kommunikation, sie braucht soziale Kompetenzen, Beratungsf\u00e4higkeit, p\u00e4dagogisches Wissen. \u00a0Am Ende ist diese Sorgeaufgabe eben doch mehr als eine Dienstleistung, die auf unmittelbare, geldwerte Gegenleistung zielt. Der Kern klassischer Sorgesituationen, meint die Bremer \u00d6konomin Maren Jochimsen l\u00e4sst sich am ehesten mit einem Geschenk vergleichen. Mit L\u00f6hes Diakonissenspruch \u2013 mein Lohn ist, dass ich darf \u2013 hat das gleichwohl nichts mehr zu tun: Die Schwestern von heute verstehen ihren Beruf nicht mehr als gehorsamen Dienst, sondern als eigenst\u00e4ndigen Beitrag zum Heilungsgeschehen.<\/p>\n<p>Damit komme ich zum zweiten Aspekt einer grundlegenden Ver\u00e4nderung: Die <strong>unmittelbare R\u00fcckbindung der Pflege an Kirche und Gemeinde ist zerbrochen.<\/strong>. \u00a0Heilung wird nicht mehr unbedingt im Zusammenhang mit dem Heil verstanden.. Diakonisse zu sein, war eine geistliche Berufung, in der Leibsorge und Seelsorge zusammen geh\u00f6rten. Die Schwestern widmeten \u00a0ihr Leben diesem Dienst \u2013 sie kannten keine Trennung von Arbeit und Leben, von Religion und Dienstleistung. Auch wenn es nach wie vor Diakonissen gibt, m\u00fcssen wir festhalten: die Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der das geschah, ist verloren gegangen- das gilt\u00a0 im \u00fcbrigen auch f\u00fcr die meisten Pfarrerinnen und Pfarrer.<\/p>\n<p>Das bedeutet aber nicht, dass die Frage nach Spiritualit\u00e4t in der Pflege keine Rolle mehr spielt \u2013 ganz im Gegenteil. Zwar folgt unser Gesundheitssystem einer \u00f6konomisch-technischen Logik.- und das gilt auch f\u00fcr die Pflege. Aber die g\u00e4ngige Modularisierung, Standardisierung und Segmentierung in den Pflegediensten steht in Spannung zu der Tatsache, dass Heilung ein personales, existentielles und eben auch ein religi\u00f6ses Geschehen ist. Wo es um die elementaren Bed\u00fcrfnisse eines verletzlichen Menschen geht, k\u00f6nnen distanzierende Beschreibungen, die den Patienten zum Behandlungsobjekt machen, nur begrenzt erfolgreich sein.. Empathie und Intuition und Solidarit\u00e4t sind gefragt. Ungeteilte Aufmerksamkeit, Achtsamkeit ist ein Schl\u00fcssel f\u00fcr ein gelingendes Pflegegeschehen \u2013 und sie zugleich eine zutiefst spirituelle Haltung. Spiritualit\u00e4t wird inzwischen als Ressource f\u00fcr Pflegende, ja, als Burnout-Prophylaxe wieder entdeckt.<\/p>\n<p>In einer Untersuchung des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD \u00a0zu der Frage, wie sich innere Kraftquellen in der Pflege manifestieren, wurde deutlich: Spiritualit\u00e4t kann helfen, \u00a0leichter mit kritischen Situationen wie Leiden und Sterben der Patienten umzugehen. Die Interviewten sprechen davon, dass sie sich getragen und gesch\u00e4tzt f\u00fchlen, dass sie Kraft bekommen, durchzuhalten, auch wo Erfolg nicht zu sehen ist. Auch diese Ausstellung erz\u00e4hlt sehr eindr\u00fccklich von den Kraftquellen, die die alten Gemeindeschwestern trotz Rund- um \u2013die Uhr-Dienst und 32 Patienten am Tag durchhalten lie\u00dfen: die Bedeutung von R\u00fcstzeiten, Gespr\u00e4chen mit Seelsorgern und Mitschwestern, eigener Tagesgestaltung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Neue Herausforderungen\u00a0 f\u00fchren zur\u00fcck ins Quartier<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>Vor einiger Zeit \u00a0habe ich eine Pflegekraft interviewt, die f\u00fcr das Johanneswerk in Bielefeld ein Quartierspflege-Projekt organisiert. Sie hat vor Jahren in der Kaiserswerther Diakonie gearbeitet. W\u00e4hrend des Gespr\u00e4chs fiel mir auf, dass ihre Arbeit durchaus mit der der alten Gemeindeschwester \u00a0verwandt ist. Es ist die gleich\u00a0 Mischung aus Pflege und Angeh\u00f6rigenarbeit, aus Gemeinwesenarbeit und Begleitung Freiwilliger, der gleiche Br\u00fcckenschlag zwischen professioneller Diakonie und Gemeinde. Denn die Gesundheits- und Sozialpolitik hat die Gemeindediakonie wieder entdeckt \u2013 diesmal in s\u00e4kularer Gestalt. Die Kollegin best\u00e4tigte,\u00a0ihre Arbeit sei mit der der Gemeindeschwester verwandt .Sie unterscheide sich aber im Blick auf ihre professionelle Distanz und\u00a0 das eigene Selbstverst\u00e4ndnis. Sie verstehe sich als Teil eines gr\u00f6\u00dferen Ganzen, das \u00fcber die Gemeinde hinausgehe. Dabei beziehe sie die Gemeinde und gerade auch die Seelsorgerinnen und Seelsorger gern mit ein. Wenn die aber glaubten, sie k\u00f6nnten das Ganze steuern, dann werde die Zusammenarbeit nicht gelingen. Kooperation m\u00fcsse ernst nehmen, dass die Gemeinden nur noch ein Teil im Netzwerk des Quartiers sind- genauso wie \u00c4rzte und Pflegende. Wie schon in fr\u00fcheren Zeiten, sind es die Pflegenden, die den Umschlagplatz im Quartier bilden.<\/p>\n<p>Das professionelle Gesundheitssystem verkn\u00fcpft sich in neuer Weise mit gemeinwesenorientierter Arbeit. Inzwischen gibt es in den l\u00e4ndlichen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns Pflegende, die einen medizinischen Auftrag im \u201e Basisgesundheitsdienst\u201c wahrnehmen und damit alte Traditionen der Schwesternschaften wieder beleben. Hier \u00f6ffnen sich die Grenzen zwischen Medizin und pflegenden Berufen, station\u00e4re Einrichtungen und Krankenh\u00e4user ambulantisieren sich ,und von allen Beteiligten wird mehr Flexibilt\u00e4t und Kooperation erwartet. Die hohe Professionalit\u00e4t, die f\u00fcr diese Aufgaben n\u00f6tig ist, wird auf Dauer nicht mehr nach \u201e Frauentarifen\u201c bezahlt werden k\u00f6nnen. Zugleich aber ist die finanzielle Grenze der Professionalisierung und \u00d6konomisierung erreicht. Die Zahl der pflegebed\u00fcrftigen Menschen in Deutschland wird bis 2030 von heute 1,9 Millionen auf sch\u00e4tzungsweise 3 Millionen wachsen.\u00a0 Und wahrscheinlich werden wir in 20 Jahren auf die heutige Altenpflege zur\u00fcck sehen wie wir heute auf die Einf\u00fchrung der Sozialstationen.<\/p>\n<p>Mit dem Buch \u201eIch will sterben, wo ich gelebt habe.\u201c hat Klaus D\u00f6rner hat \u00a0vor einiger Zeit \u00a0das Quartier wieder stark gemacht. \u00a0Das Netzwerk von \u00c4rzten und Pflegenden, von Profis und Laien., eine neuen Zusammenarbeit zwischen Pflegekraft und zu Pflegendem. Es gelte, gute L\u00f6sungen f\u00fcr unterschiedliche Lebenszusammenh\u00e4nge und Wertesysteme zu finden, schreibt er \u2013 also nah an den Bed\u00fcrfnissen zu sein wie die alte Gemeindeschwester. Dazu brauchen gerade die Mitarbeitenden in der ambulanten Pflege spirituelle und seelsorgliche Angebote und ethische Beratung.<\/p>\n<p>Und hier sind auch die Kirchengemeinden wieder gefordert.. Das geistliche Zentrum f\u00fcr Menschen mit Demenz in Berlin ist ein gutes Beispiel f\u00fcr neue Aufgaben und Chancen. Dort hat ein Sozialunternehmer, Tr\u00e4ger von Sozialstationen, ein Tanzcafe f\u00fcr Demente eingerichtet hat. Mit Musik, die zur\u00fcck in die goldenen 20er und 30er f\u00fchrt. Im geistlichen Zentrum f\u00fcr Demenzkranke und ihre Angeh\u00f6rige gibt es aber auch einen neuen Typ Gottesdienst: einfach, sinnlich und sehr lebendig. Menschen geben Zeit und setzen Phantasie ein, um ihn vorzubereiten \u2013 und viele davon sehen darin ein St\u00fcck Lebenssinn. Arbeitslose, Hartz.IV:-Empf\u00e4nger und \u00c4ltere sind die Mehrheit in diesem Stadtteil und sie haben in diesem Arbeitsfeld ihren Einsatzort gefunden. Die Zukunft der Kirche h\u00e4ngt auch \u00a0davon ab, dass und wie sich Gemeinden und engagierte Christen mit diakonischen Einrichtungen und Diensten vernetzen und zu Caring Communities werden.<\/p>\n<p>Denn Diakonie kommt aus der F\u00fcrsorge f\u00fcr die Schwachen, die Kranken, die Kinder und die Armen, wie die Ausstellung zeigt. Das sind keine kaufkr\u00e4ftigen Kunden, das sind Menschen, bei denen die Markt- und Dienstleistungsorientierung an ihre Grenzen kommt. Wer ihnen helfen will, sich aufzurichten und ihr Leben zu meistern, tut das auch heute aus \u00dcberzeugung, ja- aus Berufung. Die Studie von Christel Kumbruck f\u00fcr das Sozialwissenschaftliche Institut zeigt, dass die Beteiligten das auch so sehen: Sie sprechen von sehender F\u00fcrsorge, von Mitmenschlichkeit ,die Fachlichkeit pr\u00e4gt und von ihrer Motivation, f\u00fcr die Bed\u00fcrftigen da zu sein. Das geht \u00a0nicht ohne Konflikte ab \u2013 zwischen diakonischem Anspruch und der Realit\u00e4t auf dem Sozialmarkt. Deshalb bin ich besonders dankbar, dass auch unsere die Ausstellung Konflikte nicht ausspart: nicht die politischen im Dritten Reich, und auch nicht die zwischen den Schwestern und dem Mutterhaus um die Grenzen der Kraft oder zwischen Schwestern und Gemeinden um finanzielle Eigenst\u00e4ndigkeit. \u00a0Anspruch und Wirklichkeit stehen nicht erst heute in Spannung zueinander \u2013 aber wo wir das wahrnehmen und zum Thema machen, da k\u00f6nnen wir uns auch weiter entwickeln. Um Zukunft zu gestalten, braucht es einen R\u00fcckspiegel. Ich bin sicher: die ambulante Pflege hat eine gro\u00dfe Zukunft \u2013 und sie bleibt eine Herausforderung f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis von Kirche und Diakonie wie f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen in unserer Gesellschaft. Um das zu erkennen, ist die Ausstellung ein brillanter R\u00fcckspiegel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Hermann Schauer, Frauen entdecken\u00a0 ihren Auftrag, G\u00f6ttingen 1960<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzte Woche war die Woche der Krankenschwestern in den USA. Ich h\u00e4tte das nicht erfahren, wenn nicht ein Freund auf&#8230; <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=732\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":502,"menu_order":97,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-732","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/732"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=732"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/732\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":733,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/732\/revisions\/733"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/502"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=732"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}