{"id":7189,"date":"2023-03-10T11:46:29","date_gmt":"2023-03-10T10:46:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=7189"},"modified":"2023-03-10T11:50:22","modified_gmt":"2023-03-10T10:50:22","slug":"welche-kirche-wollen-wir-in-zukunft-sein-und-was-muss-sich-aendern-auf-dem-weg-dahin","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=7189","title":{"rendered":"Welche Kirche wollen wir in Zukunft sein \u2013 und was muss sich \u00e4ndern auf dem Weg dahin?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Vortrag Dekanatssynode Dreieich-Rodgau am 24.2.23<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>1. Menschen brauchen Menschen &#8211; Wir bleiben angewiesen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine alte Frau, die von einer jungen umarmt wird \u2013 ihrer Tochter vielleicht, vielleicht ihrer Pflegerin. Beide tragen durchsichtige Plastikregenm\u00e4ntel als Schutz gegen das Virus;&nbsp; die \u00c4rmel der j\u00fcngeren&nbsp; sehen aus, als seien es Engelsfl\u00fcgel. Das World-Press-Foto 21 setzt unser Grundgef\u00fchl w\u00e4hrend der Pandemie ins Bild: Die Sehnsucht nach N\u00e4he und Ber\u00fchrung. Mehr als 50 Prozent der an Covid 19 Verstorbenen waren Heimbewohner. Sie starben ohne Ber\u00fchrung, ohne eine Hand, die sie hielt. W\u00e4hrend des Lockdowns schien das alles zweitrangig.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch habe in den ersten Wochen der Corona-Zeit das Alleinsein als besondere Last empfunden, viel schwerer und niederdr\u00fcckender als vorher. Ich habe vermisst, dass jemand mich umarmt oder mir die Hand gibt\u201c, schreibt eine \u00e4ltere Freundin.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> Vielen ging es \u00e4hnlich: Pl\u00f6tzlich fehlten die Gro\u00dfeltern, die sonst einspringen, wenn das labile Gleichgewicht des Alltags aus dem Tritt ger\u00e4t. Oder die pflege- und hilfebed\u00fcrftigen Eltern waren zu weit weg, um unter Corona-Bedingungen kurz nach ihnen zu schauen. Die studierenden Kinder im Ausland konnten nicht mehr kommen,&nbsp; Kolleg*innen sahen sich nur noch \u00fcber die bekannten \u201eKacheln\u201c und selbst nahe Angeh\u00f6rige durften sich nicht mehr umarmen. Und im &nbsp;Sozio-\u00f6konomischen Panel 2021 gaben rund 42 Prozent der Bev\u00f6lkerung an, sich einsam zu f\u00fchlen<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAn Einsamkeit stirbt man nur l\u00e4nger als an Corona\u201c, sagt Elke Schilling, die Gr\u00fcnderin von \u201eSilvernetz\u201c. Einsamkeit erh\u00f6ht das Risiko f\u00fcr Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch Depressionen und Suizidalit\u00e4t. Nach einer Berechnung einer Forschergruppe aus Gro\u00dfbritannien k\u00f6nnten 20 Prozent Gesundheitskosten eingespart werden, wenn man soziale Angebote auf Rezept verschriebe: Wandergruppen, Gespr\u00e4chskreise, Chorgesang.<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Es geht darum, dass Menschen die Gef\u00fchle von&nbsp; Isolation und Hilflosigkeit \u00fcberwinden, dass sie Erfahrungen teilen und an gemeinschaftlichen Projekten teilhaben. Darauf sind wir angewiesen- in jedem Alter. Weil zum Menschsein eben nicht nur Freiheit und Autonomie, sondern auch Verletzlichkeit und Endlichkeit geh\u00f6ren. Wir sind trostbed\u00fcrftig. Und wir brauchen Rituale, um den kollektiven Schrecken zu bew\u00e4ltigen. Mit \u201eDeutschland stellt ein Licht ins Fenster\u201c hat der Bundespr\u00e4sident um Fr\u00fchjahr 2021 eine Aktion ins Leben gerufen, die Menschen untereinander verband und so auch die Einsamkeit f\u00fcr einen Moment zur\u00fccktreten lie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie sah es mit der Kirche aus? Auch wenn viele Gemeinden in dieser Zeit sehr bedacht neue Seelsorge- und Gespr\u00e4chsangebote gemacht haben- oft auch virtuell, gab es gro\u00dfe Kritik am \u00f6ffentlichen Auftreten der Kirche. \u201eRuhe war erste Bischofspflicht in der Corona-Krise: Die Religionsgemeinschaften haben den &#8222;Abstand&#8220; zur neuen Form der N\u00e4chstenliebe erkl\u00e4rt. Das ist fatal\u201c, schrieb Heribert Prantl. \u201eDie Kirche hat die allein gelassen, die es am meisten gebraucht h\u00e4tten: Pflegebed\u00fcrftige, Alte, Einsame, Sterbende\u201c, sagte Christine Lieberknecht. Und anderswo las ich: \u201eDas Virus macht endg\u00fcltig deutlich, wie nutzlos die Kirchen mittlerweile geworden sind. Religi\u00f6s Hilfreiches zur Bew\u00e4ltigung der Krise war von ihnen nicht zu h\u00f6ren.\u201c Das tut weh. Aber es macht zugleich deutlich, was Menschen von uns erwarten.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>2. Dich schickt der Himmel \u2013 Sorgenetze<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Alleinleben scheint der beste Weg, die Werte unserer Gesellschaft zu leben: Freiheit, Selbstverwirklichung und Selbstkontrolle. 16,8 Millionen Singles zwischen 18 und 65 Jahren leben im Deutschland \u2013 das sind 30 Prozent aller Frauen und M\u00e4nner im mittleren Alter. ( 2018) Wer allerdings h\u00e4ufig umzieht oder auch pendelt, verliert die allt\u00e4gliche Einbettung in Familie und Nachbarschaft. Vor allem Familien mit kleinen Kindern, auch alte oder kranke Menschen \u2013 deren Anteil an der Gesamtbev\u00f6lkerung mit dem demografischen Wandel w\u00e4chst \u2013 geraten bei der Bew\u00e4ltigung des Alltags besonders unter Druck, wenn sie nicht auf die selbstverst\u00e4ndliche Hilfe von Angeh\u00f6rigen zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen. Vor allem die Hochbetagten, Dementen und Pflegebed\u00fcrftigen brauchen Unterst\u00fctzung, um auch weiterhin Teil der Gemeinde zu bleiben\u201c, sagt Eckart Hammer.<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[4]<\/a> 40 Prozent der \u00dcber-70-j\u00e4hrigen leben allein. Aber nur noch ein Viertel der erwachsenen Kinder lebt am Wohnort der Eltern.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Corona-Krise entstanden an vielen Orten Einkaufs- und Fahrdienste f\u00fcr die \u00c4lteren- oft spontan in der Nachbarschaft, oft aber auch organisiert von Kirche, Diakonie oder Caritas. In Witzenhausen haben die evangelische Gemeinde, die Stadt, die St.-Georgs-Pfadfindern und der Kreisjugendring zusammen \u201e Dich schickt der Himmel\u201c ins Leben gerufen- wie andernorts in Hessen auch. \u00dcber die gemeinsame Plattform meldeten sich&nbsp; innerhalb von drei Tagen \u00fcber 150 Ehrenamtliche und 230 Hilfesuchende. Hier konnte sich jeder melden- egal welche Konfession, egal ob Kirchenmitglied oder nicht. Wir k\u00f6nnen einander zu Engeln werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Solche Projekte haben aufgenommen, was sich in der Quartiersbewegung schon l\u00e4nger entwickelt hatte. Stadtteilzentren, Sozialstationen und Kommunen organisieren Nachbarschaftsnetze mit Telefonketten, Begleitung bei Arztbesuchen oder Eink\u00e4ufen, bei Fahrten zum Friedhof oder in der Demenzbegleitung. \u00c4ltere treffen sich zu einem Mittagstisch. Da wird gemeinsam eingekauft, reihum gekocht, Rezepte werden ausgetauscht und Geschichten erz\u00e4hlt. Und wenn jemand fehlt, fragt bestimmt ein*e andere*r nach. Inzwischen entwickelt auch das Bundesfamilienministerium eine Strategie gegen Einsamkeit.<a href=\"#_ftn5\" id=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Modellprojekte wie&nbsp; &#8222;Miteinander F\u00fcreinander&#8220; oder &#8222;Verein(t) gegen Einsamkeit&#8220; stehen in der Tradition der Corona-Hilfsnetze.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eCaring Communities\u201c \u201eSorgende Gemeinschaften\u201c <a href=\"#_ftn6\" id=\"_ftnref6\"><sup>[6]<\/sup><\/a> , sind in den letzten 10 Jahren zum Leitbegriff geworden. Dabei geht es um wechselseitige Unterst\u00fctzung und die Bereitschaft, auf lokaler Ebene Verantwortung zu \u00fcbernehmen: f\u00fcr sich selbst, f\u00fcr andere und auch f\u00fcr die gesellschaftliche Entwicklung. Es geht um Zugeh\u00f6rigkeit und Heime. Denn vor Ort manifestieren sich die aktuellen Probleme, aber genau dort finden sich auch&nbsp; die tragf\u00e4higen Antworten auf die dr\u00e4ngenden Bed\u00fcrfnisse der Zeit. Wir sehen das an der wachsenden Bedeutung der Kommunalpolitik- von der Pflege bis zur Tageseinrichtung, von der Verkehrswende bis zur Energie sind die Kommunen unter Druck- L\u00f6sungen m\u00fcssen vor Ort entwickelt werden, aber die Ressourcen werden knapper.&nbsp; Wichtig ist, einen Rahmen zu schaffen, in dem Begegnungen m\u00f6glich sind, wo Ideen ausgetauscht werden k\u00f6nnen, wo das Ganze, die Gemeinschaft in den Blick kommt. Nicht nur von oben \u2013 als Dienstleistung der Kommune, als Angebote der Gemeinden, sondern von unten- in den Selbstwirksamkeitserfahrungen der Menschen. \u201cMa\u00dfgeblich ist, dass Menschen sich nicht nur umsorgt f\u00fchlen und umsorgt sind, sondern dass sie auch Gelegenheit haben, f\u00fcr andere zu sorgen\u201c, schreibt die britische Soziologin Nurena Hertz in ihrem Essay \u00fcber Einsamkeit. Die eigenen Sorgekr\u00e4fte entdecken- darum geht es. Dabei bezieht sich die \u201eSorge\u201c auf das \u201eDazwischen\u201c in der Beziehung, das gemeinschaftliche Gewebe zwischen Menschen\u201c,<a href=\"#_ftn7\" id=\"_ftnref7\"><sup>[7]<\/sup><\/a> wie Hannah Arendt sagt. Das Interesse aneinander, das in der Sorge sp\u00fcrbar wird, gilt dem ganzen Menschen, nicht nur dem Austausch von Waren und Dienstleistungen. Es geht um Teilhabe- und auch ums Teilen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eKeiner von uns lebt f\u00fcr sich selbst, keiner stirbt f\u00fcr sich selbst\u201c, hei\u00dft es bei Paulus. \u201eLeben wir, so leben wir dem Herrn.\u201c F\u00fcr Paulus ist Unabh\u00e4ngigkeit nicht das h\u00f6chste- Zugeh\u00f6rigkeit und Hingabe geben dem Leben Sinn. Die christliche Gemeinschaft wird als ein K\u00f6rper beschrieben, bei dem jedes Glied&nbsp; gebraucht wird. Und die Sehnsucht nach einer lebendigen Gemeinschaft, die Hoffnung, das Getrenntsein zu \u00fcberwinden, ist gerade besonders gro\u00df. Was kann Kirche dazu beitragen, dass Menschen diese Erfahrung machen?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAls Kirchengemeinde sind wir zugleich Teil der Gemeinschaft vor Ort, sind in Vereinen, auf dem Markt, in Gesch\u00e4ften unterwegs, stolpern \u00fcber dieselben Schwellen, beobachten wunderlich gewordene Nachbarn\u201c, sagt Annegret Zander. Kirchengemeinden verf\u00fcgen \u00fcber Daten und lokales Wissen, \u00fcber ein Fr\u00fchwarnsystem f\u00fcr soziale Umbr\u00fcche. Sie k\u00f6nnen Ideenentwickler, Initiatoren von oder Beteiligte an den Netzwerkprozessen, verl\u00e4ssliche und kontinuierliche Kooperationspartner. Und sie verf\u00fcgen \u00fcber Geb\u00e4ude und Liegenschaften &#8211; ein immenses soziales und kulturelles Kapital. Die entscheidende Frage ist, ob es gelingt, die Kirchen wieder in den Sozialraum zu \u00f6ffnen.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>3. Wo man sich trifft \u2013 Kirche in der Nachbarschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Freundlich gr\u00fc\u00dfen, die Post annehmen und ansonsten in Ruhe gelassen werden: Mehr w\u00fcnschen sich viele nicht von ihren Nachbarn.<a href=\"#_ftn8\" id=\"_ftnref8\">[8]<\/a>. \u201eMan hilft sich gelegentlich, vermeidet aber zu gro\u00dfe N\u00e4he\u201c, sagt der Stadtforscher Walter Siebel.<a href=\"#_ftn9\" id=\"_ftnref9\"><sup>[9]<\/sup><\/a> \u201eNachbarschaft bedeutet auch immer soziale Kontrolle. Und eines der gro\u00dfen Versprechen von St\u00e4dten ist, dieser Beobachtung zu entgehen.\u201c In den letzten Jahren scheint sich da aber etwas zu ver\u00e4ndern: Es gibt Nachbarschaftspreise, Nachbarschaftsplattformen; der Tag des Nachbarn wird gefeiert. Das Thema \u201eNachbarschaft boomt\u201c. Die Internetplattform \u201eNebenan.de\u201c <a href=\"#_ftn10\" id=\"_ftnref10\">[10]<\/a>hatte 2018 bereits 850.000 Nutzer \u2013 w\u00e4hrend der Pandemie wuchs sie auf 1, 5 Millionen und ist nun in allen Bundesl\u00e4ndern pr\u00e4sent.<\/p>\n\n\n\n<p>Um B\u00fcrgerbeteiligung zu organisieren, gen\u00fcgt es aber nicht, eine Plattform zu installieren, weder digital noch analog. Untersuchungen von Martina Wegner aus Freiburg zeigen, dass sich auf diese Weise immer nur die gleichen beteiligen: die hochengagierte Mittelschicht mit ihren eigenen Interessen. Wenn die teilhaben sollen, die ihre Rechte nicht selbstverst\u00e4ndlich wahrnehmen, sind intermedi\u00e4re Organisationen n\u00f6tig: Schulen, Kirchen, Wohlfahrtsverb\u00e4nde, Parteien. Der Theologe Ernst Lange, Gr\u00fcnder der Berliner \u201eLadenkirche\u201c, sprach von der Ortsgemeinde als dem \u201eEnsemble der Opfer\u201c. Wer weniger mobil ist und \u00fcber geringe Ressourcen verf\u00fcgt, wer sich keine gro\u00dfen Spr\u00fcnge leisten kann, ist besonders auf eine gute Nachbarschaft und auf Angebote vor Ort angewiesen- genauso wie auf verl\u00e4sslichen Nahverkehr. Da geht es&nbsp; Familien mit kleinen Kindern nicht anders als Gefl\u00fcchteten oder \u00c4lteren . Sie brauchen R\u00e4ume, wo unterschiedliche Generationen einander begegnen und unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. \u201eWir sollten alles daf\u00fcr tun, soziale Marktpl\u00e4tze zu erhalten oder neu aufzubauen\u201c, meint Jutta Allmendinger. <a href=\"#_ftn11\" id=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen haben viele Kirchengemeinden erkannt, welchen Schatz ihre R\u00e4ume darstellen. F\u00fcr die Zielgruppen, die traditionell in der Gemeinde Raum finden: Kinder, Familien, \u00c4ltere \u2013 aber auch f\u00fcr die, die keine anderen \u00f6ffentlichen R\u00e4ume haben, weil die Schulen zentralisiert und die Dorfkneipen geschlossen wurden. Da mag es sein, dass das Gemeindezentrum l\u00e4ngst zu gro\u00df ist f\u00fcr ein Clublokal- aber als Treffpunkt f\u00fcr Engagierte, Vereine, Familienfeiern ist es ideal. So werden Gemeindezentren zu Gemeinwesenzentren wie das Bonni in Gelsenkirchen, das alte Dietrich-Bonhoeffer-Haus, das die Konfirmanden und Konfirmandinnen \u201eBonni\u201c nannten. Heute wird getragen von einem B\u00fcrgerverein, zu dem Sportvereine genauso geh\u00f6ren wie die migrantische Gemeinschaft vor Ort; das Ganze wird gesponsert von &nbsp;der Industrie.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch die Gottesdienstr\u00e4ume bekommen eine neue Bedeutung als&nbsp; Vesperkirchen. Auch wer kein Geld und keine Beziehungen hat, wer keine saubere Kleidung hat, ist hier willkommen. Viele bieten neben einer Suppe oder Broten und warmem Tee auch die M\u00f6glichkeit f\u00fcr einen Haarschnitt oder eine warme Dusche. Hier k\u00f6nnen Menschen zu sich kommen, weil andere ihnen offen und vorurteilsfrei begegnen. Freiwillige finden sich immer \u2013 weit \u00fcber die Kerngemeinde hinaus. Was sie fasziniert: Die Unmittelbarkeit, in der wir uns und unser Gegen\u00fcber neu wahrnehmen. In unserer Verletzlichkeit und Angewiesenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>In meiner ehemaligen Gemeinde in M\u00f6nchengladbach wurde Mitte der 80-er Jahre der Gemeindeladen gegr\u00fcndet- inspiriert von Ernst Langes Ladenkirche. Inzwischen wird er \u00f6kumenisch getragen.&nbsp; Die Besucher kommen aus allen Vierteln, aus allen Schichten- Einheimische wie neu Zugezogene. Caf\u00e9 und Bibliothek, Kleiderkammer, Sozialsprechstunde und Volkshochschulkurse sprechen ganz unterschiedliche Interessen an. Und auch die breite Vernetzung mit Einzelhandel, Sportvereinen, dem B\u00fcrgerb\u00fcro h\u00e4lt den Laden offen- genauso wie die vielen Engagierten, die gern einbringen, was sie k\u00f6nnen und weitergeben wollen. Als die Leiterin zum 25-j\u00e4hrigen Bestehen aus der Geschichte des Ladens erz\u00e4hlte, wurde ein weiteres Geheimnis klar: Das gro\u00dfe ehrenamtliche Team&nbsp; war immer nah dran an den jeweiligen Bedarfen und Bed\u00fcrfnissen \u2013 von den Mutter-Kind-Gruppen der 80er Jahre \u00fcber die Schulkindermittagsbetreuung in den 90er Jahren bis zum Pflegeverein und schlie\u00dflich zum Treffpunkt von Gefl\u00fcchteten und Engagierten. Sie alle treffen sich zum Caf\u00e9, tauschen sich aus und entwickeln neue Ideen und Projekte. Und wenn dort abends Gottesdienst ist, dann leuchten die biblischen Geschichten auf- die Werke der Barmherzigkeit, die Tischgemeinschaft in Jerusalem.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Land Schleswig-Holstein hat die Erfahrung mit solchen Treffpunkten im Konzept der Markttreffs<a href=\"#_ftn12\" id=\"_ftnref12\">[12]<\/a> aufgenommen.&nbsp; Dorfladen plus Dienstleistung plus offener Treff, das ist das \u00e4u\u00dferst erfolgreiche Prinzip. Anderswo sind&nbsp; l\u00e4ndliche Co-Working-Spaces entstanden, immer h\u00e4ufiger mit Kinderbetreuung, die Vereinbarkeit erm\u00f6glichen und auch entfernt von B\u00fcro in der Stadt ein Miteinander gestalten, das im Home- Office fehlt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Aber auch die traditionellen Marktpl\u00e4tze und Kirchpl\u00e4tze werden neu entdeckt: als offene R\u00e4ume der Begegnung- so wie wir sie w\u00e4hrend der Pandemie erfahren haben. Beim Gottesdienst auf dem Kirchplatz, bei der Taufe am Fluss. Jetzt steht auf dem Vorplatz der Kirche vielleicht&nbsp; eine Telefonzelle zum Buchtausch oder ein B\u00fcdchen, wo es nicht nur Bier und Pommes, sondern auch Vernetzungsm\u00f6glichkeiten gibt. Und in einem Dorf in der Eifel hat eine K\u00fcnstlerin die Bank for better Anderst\u00e4nding gebaut \u2013 eine Bank, die durch das Dorf wandert und zum Gespr\u00e4ch einl\u00e4dt. Ankerpunkte mitten im Alltag. Klein, aber stark.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>4. Grenzen durchl\u00e4ssig machen \u2013 Wie Gemeinden wachsen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vor 25 Jahren benannte die Diakoniedenkschrift zum 150. Jubil\u00e4um der Inneren Mission vier Perspektiven f\u00fcr die Zukunft: Es geht darum, die Distanz zwischen Kirchengemeinden und Diakonischen Diensten zu \u00fcberbr\u00fccken, die Kontakte zu zivilgesellschaftlichen Initiativen zu verbessern, die Bed\u00fcrfnisse von Betroffenen besser wahrzunehmen und schlie\u00dflich die Vernetzung mit au\u00dferkirchlichen Tr\u00e4gern n zu suchen.<a href=\"#_ftn13\" id=\"_ftnref13\"><sup>[13]<\/sup><\/a> Dazu geh\u00f6rt eine Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die St\u00e4rken anderer Organisationen und eine Haltung, die offen, lernbereit und sich des eigenen Profils bewusst ist. Mit seinem Konzept vom dritten Sozialraum hat der G\u00fctersloher Psychiater Klaus D\u00f6rner viele Jahre lang f\u00fcr eine neue Wertsch\u00e4tzung der Kirchengemeinden und f\u00fcr die Wiedervereinigung von diakonischer Professionalit\u00e4t und kirchengemeindlichem B\u00fcrgerengagement geworben. Kirchengemeinden, das ist die Hoffnung, k\u00f6nnten Caring Communities werden oder jedenfalls zum Entstehen von Caring Communities beitragen<a href=\"#_ftn14\" id=\"_ftnref14\"><sup>[14]<\/sup><\/a> &#8211; so wie sie es \u00fcber Jahrzehnte mit ihren Gemeindeschwestern getan haben. Die Sorgekr\u00e4fte sind noch immer da \u2013 nicht nur bei uns, sondern bei vielen. Der Sozialmarkt, die religi\u00f6s gemischte Zivilgesellschaft sind auf Kooperation angewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Darum verankern sich Gemeinden neu im Raum, &#8211; so wie hier auf der Karte, die im Zukunftsforum in Z\u00fcrich-Seebach entstand. Da erkennt man die Eisenbahnlinie, die die Viertel der Einheimischen von denen der Zugezogenen trennt, aber auch die Orte der Gemeinschaft, der Erinnerung, der Trauer. &nbsp;Wenn wir wollen, dass Kirche in Gang kommt, dann m\u00fcssen wir selbst gehen, sagen die Leute vom Zukunftsforum. Denn \u201ees geht nicht um volle Kirchenb\u00e4nke. Es geht um das volle Leben. Und das findet sich eben auch vor der Kirchent\u00fcr\u201c . In Z\u00fcrich-Seebach hat sich die Gemeinde in kleinen Nachbarschaftsgruppen organisiert- 10 oder 12 Leute, die darauf achten, was in ihrer Nachbarschaft passiert, wie es den Menschen geht, wo es neue Ideen braucht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Das Amt f\u00fcr Gemeindedienst der Ev.-luth. Kirche in Bayern hat als Unterst\u00fctzung die \u201eFragetasche\u201c entwickelt, die dazu einl\u00e4dt, den nach den Interessen und der Arbeit anderer zu fragen und den Sozialraum als Gelegenheit f\u00fcr Beziehungen wahr zu nehmen. Hier in Hessen-Nassau gibt es den Fragekoffer. Und das &nbsp;MiDi in Berlin hat ein Tool zur Sozialraumarbeit, das man sich aufs Handy laden kann.&nbsp; Das alles kann ganz klein anfangen- bei einem Stadtspaziergang mit unterschiedlichen Zielgruppen- mit Neuzugezogenen, Kindern, mit Gefl\u00fcchteten oder \u00c4lteren. Oder mit einem \u201eMikroprojekt\u201c: Zwei Fragen auf einem Bierdeckel, der in alle H\u00e4user verteilt wird. \u201eWas halten Sie f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung im Stadtteil?\u201c \u201e Wie kann Kirche dabei helfen, eine gute L\u00f6sung zu finden.?\u201c Es&nbsp; geht es&nbsp; immer darum, den Blick von unten einzu\u00fcben, an der Seite der Nachbarn mit ihren Verletzungen und Lebensbr\u00fcchen. Erst einmal nur da sein, zuh\u00f6ren und versuchen, heraus zu finden, was n\u00f6tig sein k\u00f6nnte, was wir gemeinsam in Angriff nehmen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Doppler unterscheidet in seinem Buch \u201eDie Logik der Anderen\u201c verschiedene Bedeutungen des \u201eWir\u201c, das er einen \u201eedlen Deckel auf einem undurchsichtigen Topf\u201c nennt: Die unverbl\u00fcmte Vereinnahmung, die verdeckte Vereinnahmung, das Einschw\u00f6ren gegen einen gemeinsamen Feind und die freundliche Einladung. Nur mit dieser Offenheit wird aus einem exklusiven Wir (das andere eher ausschlie\u00dft und sich abgrenzt), ein inklusives Wir \u2013 Wir wirken zusammen vor Ort f\u00fcr ein gutes Miteinander! \u201eDieses neue Wir ist bei allem Tun als Ziel, Kriterium, Perspektive und Anfrage im Blick \u2013 als Grundhaltung und Wegweiser f\u00fcr ein solidarisches, kreatives Miteinander\u201c, hei\u00dft es in den Zehn Gebote zur Sozialraumorientierung&nbsp; bei Kirche im Dialog.<\/p>\n\n\n\n<p>Renate Kersten, Pfarrerin im Pfarrsprengel Berlin-Malchow hat 2018 eine Studienarbeit \u00fcber die Berliner Hochhaussiedlungen wie Marzahn-Hellersdorf, das soziale Engagement von Gruppen und Gemeinden generiere nicht automatisch Gemeindenachwuchs. Aber \u201ees hilft Kerngemeinden aber in dreifacher Weise: Erstens verwirklichen sie hier, was ihren Grund\u00fcberzeugungen entspricht. Die sp\u00fcrbare \u00dcbereinstimmung von Glauben und Handeln ist Best\u00e4tigung und Motivation zugleich. Zweitens bindet soziale Arbeit Menschen ein, die sich ehrenamtlich engagieren wollen. Manche Gemeindeglieder finden auf diese Weise einen Platz unter den Aktiven in ihrer Gemeinde. Drittens hilft das soziale Engagement den Kerngemeinden, Teile der sozialen Realit\u00e4t in ihrer Umgebung besser in den Blick bekommen und mit Menschen in ihrer Umgebung in Kontakt zu kommen\u201c-<\/p>\n\n\n\n<p>Letztlich geht es&nbsp; um die Frage, wer wir als Kirche sind und was unser Auftrag ist. \u201eDer Auftrag der \u201eKommunikation des Evangeliums\u201c<a href=\"#_ftn15\" id=\"_ftnref15\">[15]<\/a>,meint Renate Kersten, werde in den Gemeinden durchgehend als \u00bbauf Sendung gehen\u00ab verstanden- als bes\u00e4\u00dfen die Gemeinden das Evangelium. Dem gegen\u00fcber sei mit Mt. 25, 31ff, mit dem Gleichnis vom Weltgericht, festzuhalten, dass uns Christus oft unerwartet begegnet \u2013 auch in denen, die das Evangelium augenscheinlich nicht haben. Wenn der Habitus der Gemeinde nicht Zug\u00e4nglichkeit signalisiere, k\u00f6nnten wir noch so tolle Angebote machen- es sei nichts gewonnen. Da k\u00f6nnten wir noch so gut predigen, noch so tolle Angebote machen- wir w\u00fcrden immer als Club f\u00fcr bestimmte Milieus wahrgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abChrist*innen verb\u00fcrgen sich daf\u00fcr, dass es einen Zugang zu Gott gibt, und dass er allen offensteht\u201c, schreibt Kersten. Das weist uns einen Platz an der Seite Christi und an der Seite der Menschen, die uns anvertraut sind, zu. Wir gehen mit, wie Christus mit uns geht. Wir lernen, nicht zu wissen, wo uns Christus begegnet, aber darauf zu vertrauen, dass er uns begegnen wird. Wir lernen es, das Evangelium nicht zu \u00bbhaben\u00ab, sondern mit und in anderen zu entdecken. Der Weg nach Emmaus hilft, zu begreifen, dass nicht die, die sich einmal zum Glauben bekannt haben, wissen, wo Christus zu finden ist. Die Haltung, Christ*innen h\u00e4tten das Evangelium und die anderen h\u00e4tten es nicht, \u00fcberfordert die einen und untersch\u00e4tzt die Mobilit\u00e4t Gottes, als Geist zu wehen, wo Gott will, in Christus zu begegnen, wann und wo Gott will\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Glaube ist ein Prozess, der weit \u00fcber die Grenzen unserer Organisation hinaus geht. \u201eWenn man die Einsicht ernst nimmt, dass Glaube immer ein Prozess ist und dass Areligiosit\u00e4t auch unter Kirchenmitgliedern vorhanden ist, dann wird es absurd, ausschlie\u00dflich zwischen Mitgliedschaft und Nichtmitgliedschaft zu unterscheiden\u201c, sagt Hans-Martin Barth. Das Engagement in der Gemeinde kann den Weg zur Mitgliedschaft ebnen. Aber wie kann die Teilhabe von Interessierten aussehen? Klar ist, wie m\u00fcssen uns heraus begeben aus unserer vertrauten Gemeinschaft. Denn die Kirche ist nicht dazu da, nur die eigene Gemeinschaft zu pflegen\u201c, sagte Paul Humburg am Vorabend der Barmer Bekenntnissynode in der dortigen Stadthalle. \u201eDie bekennende Gemeinde muss darum ringen, als Gemeinde das Herz der Welt zu sein.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>5. Das neue Wir \u2013 sieben Wandlungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Add value \u2013 oder don\u2019t do it, hei\u00dft es in der Wirtschaft. \u201eEmpower people oder don\u2019t do it\u201c, formuliert Michael Domsgen den kirchlichen Imperativ. Das Evangelium kommt zur Geltung, wenn es als froh machende Botschaft, als Erm\u00e4chtigung erfahren wird, sagt er. Kirche ist ein Erm\u00f6glichungsraum, in dem Menschen diese Kraft erfahren k\u00f6nnen. Wer diese Erfahrung macht, wird sich zugeh\u00f6rig f\u00fchlen und dann auch gern Mitglied sein. Wenn wir allerdings solche Erfahrungen funktionalisieren wollen, um Mitglieder zu gewinnen, wird das nicht gelingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Deswegen suchen viele nach Wegen, mehr Freiheit in die bisherige Ordnung der Organisation zu bringen, deshalb denken wir \u00fcber Mitgliedschaft auf Probe oder auf Zeit nach, \u00fcber mehr Einfluss der Mitglieder auf ihre Beitr\u00e4ge, \u00fcber neue Einnahmeformen. Vieles davon ist in anderen L\u00e4ndern wie z.B. in Gro\u00dfbritannien l\u00e4ngst erprobt- in der mixed economy, in fresh expressions.&nbsp; Heute zahlen 90 Prozent der Mitglieder, was 10 Prozent nutzen. So kann es nicht bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1.&nbsp;Wir stehen im Schatten \u2013 setzen wir die anderen ins Licht!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kirche macht sich auf \u2013 \u00f6ffnet R\u00e4ume, die K\u00f6pfe, Herzen \u2013 f\u00fcr neue Ideen, neue Menschen und ihre Fragen und Suchbewegungen . Das geschieht bei Stadtspazierg\u00e4ngen und Stadtteilfesten, bei Besuchsdienst und&nbsp; \u201eDich schickt der Himmel\u201c oder auch bei der Herzenssprechstunde auf der Kirchenbank am Marktplatz.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wenn die Kirchen vielen fremd sind, f\u00fcr andere zum Museum geworden, dann geht es darum, Gott einen Ort in dieser Welt zu sichern,\u2013 mit unserem eigenen Glauben und Leben<\/em> ( Madeleine Delbr\u00eal )<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. Nicht Mitglieder oder Klienten sehen \u2013 sondern N\u00e4chste und Mitmenschen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es geht darum, einen Rahmen zu schaffen, in dem Begegnungen mit anderen m\u00f6glich sind. Auf dem Weg zu einem gr\u00f6\u00dferen WIR- WIR als Menschen, als Kinder Gottes, als Angewiesene und Suchende, Verletzliche und Liebende. Das kann auch ein gemeinsames Projekt sein \u2013ein B\u00fcrgergutachten, ein Generationentreff, ein Gartenprojekt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Einfach machen! Keine gro\u00dfen Pl\u00e4ne und Strukturdebatten sind gefragt, sondern erste, konkrete Schritte (\u201eins Tun kommen\u201c!).!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. Wir sind keine Grenzw\u00e4chter, sondern Br\u00fcckenbauer \u2013 T\u00fcren \u00f6ffnen, Zeugen werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das gilt auch und gerade f\u00fcr Taufe und Abendmahl. Wir feiern Tauffeste und Tauferinnerungsfeste in der Kirche, auf den Pl\u00e4tzen. Wir gestalten Segensfeiern f\u00fcr die Liebe. Auch wenn wir die leibliche Erfahrung sch\u00e4tzen- Gemeinschaft beim Abendmahl erleben wir auch virtuell.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich tr\u00e4ume von einer Kirche, die nicht mehr wei\u00df, was Mitgliedschaft bedeutet( Werner Meyknecht, Pfr. In Landsberg)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>4. Die Kirche der Funktion\u00e4re verliert an Kraft&nbsp;\u2013 Den Engagierten Raum geben!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir fragen Menschen vor Ort, was sie brauchen und wollen, laden zu Beteiligung ein, \u00f6ffnen R\u00e4ume und Ressourcen.<em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mit dem Risiko: Unsere Kirchengemeinde ver\u00e4ndert sich,<\/strong> sie \u00f6ffnet sich f\u00fcr neue Milieus, Ideen, Kompetenzen- bei neuen Engagierten, aber auch bei langj\u00e4hrigen Ehrenamtlichen. Gemeinde wird aktiver Teil der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWenn wir nicht allein bleiben und nicht nur privatisieren wollen, dann brauchen wir R\u00e4ume, wo wir hingehen k\u00f6nnen. Um andere zu treffen. Um uns auszutauschen. Um gemeinsam etwas zu tun. Um uns als gesellschaftliche Wesen zu erleben.\u201c( Lisa Frohn).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>5. Schluss mit der Angst vor ( Profil)-Verlusten &nbsp;Die Kraft des Con nutzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ideen vernetzen, Doppelangebote identifizieren und vermeiden, Gemeinde \u00f6kumenisch entwickeln<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Kirchengemeinden sind&nbsp; untereinander vor Ort gut vernetzt und pr\u00e4sent und gestalten in Zusammenarbeit mit anderen, Religionsgemeinschaften, Beh\u00f6rden und Organisationen die Gesellschaft mit ( Vision St. Gallen)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>6. Kirchen sind keine Clubh\u00e4user \u2013 Gemeinwesenzentren werden gebraucht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>U<\/strong><strong>nd wo es keine Zentren gibt, schaffen wir welche.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Wohnwagen mit B\u00fccherei, im Trauer Caf\u00e9 auf dem Friedhof, mit dem Seelsorge-Camper auf dem Markt und mit der Lichterbank auf dem Kirchplatz, die an die aktuellen Katastrophen erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wenn ich einen Traum von der Kirche habe, so ist es der Traum von den offenen T\u00fcren gerade f\u00fcr die Fremden, die anders sprechen, essen, riechen. Mein Haus w\u00fcnsche ich mir nicht als eine f\u00fcr andere unbetretbare Festung, sondern mit vielen T\u00fcren. Heimat, die wir nur f\u00fcr uns selbst besitzen, macht uns eng und muffig.\u201c <\/em>(Dorothee S\u00f6lle)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>7. Die alten Rollen taugen nicht mehr \u2013 wir \u00fcben neue ein. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Beleuchter sein statt Regisseurin.<\/p>\n\n\n\n<p>Kellnerin statt Gastgeberin<\/p>\n\n\n\n<p>Schatzsucherin statt Museumsw\u00e4chterin.<\/p>\n\n\n\n<p>Role making statt Role taking:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eVon jetzt an sollst Du Menschen fischen\u201c&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Cornelia Coenen-Marx, Pastorin, Autorin, Coach<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\">www.seele-und-sorge.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> Vgl. dazu Hammer, Eckart, Impulsprojekt Demenz und Kommune. Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung, ein Projekt der Alzheimer Gesellschaft Baden-W\u00fcrttemberg e. V., Stuttgart\/Ludwigsburg 2019, <a href=\"https:\/\/www.demenzundkommune-bw.de\/fachstelle-deko\/projektabschluss\">https:\/\/www.demenzundkommune-bw.de\/fachstelle-deko\/projektabschluss<\/a> [12.11.2022].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.bing.com\/ck\/a?!&amp;&amp;p=a71a2648ae17376fJmltdHM9MTY3NTgxNDQwMCZpZ3VpZD0wMDE4NTRlYS0yNDczLTYzYjQtMjAxNC00NTk3MjU2ZDYyNmEmaW5zaWQ9NTE3NA&amp;ptn=3&amp;hsh=3&amp;fclid=001854ea-2473-63b4-2014-4597256d626a&amp;psq=soep+einsamkeit&amp;u=a1aHR0cHM6Ly93d3cuZGl3LmRlL2RlL2Rpd18wMS5jLjgyMDc4NS5kZS9wdWJsaWthdGlvbmVuL2Rpd19ha3R1ZWxsLzIwMjFfMDA2Ny93ZWl0ZXJoaW5fZWluc2FtX3VuZF93ZW5pZ2VyX3p1ZnJpZWRlbl9fX19fZGllX2NvdmlkLTE5LXBhbmRfX190X3NpY2hfaW1fendlaXRlbl9sb2NrZG93bl9zdGFlcmtlcl9hdWZfZGFzX3dvaGxiZWZpbmRlbl9hdXMuaHRtbA&amp;ntb=1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Weiterhin einsam und weniger zufrieden &#8211; DIW Berlin<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/gtannien-ein-ministerium-leis<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Beirat Alter neu gestalten der Ev. Kirche in W\u00fcrttemberg<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\">[5]<\/a> https:\/\/www.bmfsfj.de\/&#8230;\/strategie-gegen-einsamkeit<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a id=\"_ftn6\" href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a>[6] Bundesministerium f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hg.), Der Siebte Altenbericht der Bundesregierung. Sorge und Mitverantwortung in der Kommune Aufbau und Sicherung zukunftsf\u00e4higer Gemeinschaften, Berlin 2016a, <a href=\"https:\/\/www.bmfsfj.de\/blob\/120144\/2a5de459ec4984cb2f83739785c908d6\/7--altenbericht---bundestagsdrucksache-data.pdf\">https:\/\/www.bmfsfj.de\/blob\/120144\/2a5de459ec4984cb2f83739785c908d6\/7&#8211;altenbericht&#8212;bundestagsdrucksache-data.pdf<\/a> [13.11.2022].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref7\" id=\"_ftn7\">[7]<\/a>&nbsp;&nbsp; Arendt, Hannah, Vita activa oder Vom t\u00e4tigen Leben, M\u00fcnchen\/Z\u00fcrich 2002, Seite 68<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref8\" id=\"_ftn8\">[8]<\/a> <a>Kreutzer, Stefan\/Siebel, Walter (2020): \u201eWas w\u00e4ren wir ohne unsere Nachbarn\u201c. Soziologe: Zauberformel f\u00fcr gute Nachbarschaft. BR Bayern 2, 30.11.2020. https:\/\/www.br.de\/radio\/bayern2\/sendungen\/radiowelt\/walter-siebel-soziologe-wozu-brauchen-wir-nachbarschaft-100.html (Zugriff am 05.01.2021).<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref9\" id=\"_ftn9\">[9]<\/a> Siebel, Walter (2019): Was w\u00e4ren wir ohne unsere Nachbarn, Psychologie heute, 5\/2019<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a id=\"_ftn10\" href=\"#_ftnref10\">[10]<\/a> <a href=\"https:\/\/nebenan.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/nebenan.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a id=\"_ftn12\" href=\"#_ftnref12\"><\/a>23 \u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/MarktTreff\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/MarktTreff<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-small-font-size wp-block-heading\"><a href=\"#_ftnref13\" id=\"_ftn13\">[13]<\/a> Evangelische Kirche in Deutschland, Herz und Mund und Tat und Leben, Hannover\/Frankfurt am Main 1998, Seite 112<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref14\" id=\"_ftn14\">[14]<\/a> Evangelische Kirche in Deutschland: Im Alter neu werden k\u00f6nnen. Evangelische Perspektiven f\u00fcr Individuum, Gesellschaft und Kirche. Eine Orientierungshilfe des Rates der EKD, G\u00fctersloh 2010, Seite 124<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref15\" id=\"_ftn15\"><\/a>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vortrag Dekanatssynode Dreieich-Rodgau am 24.2.23 1. Menschen brauchen Menschen &#8211; Wir bleiben angewiesen Eine alte Frau, die von einer jungen&#8230; <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=7189\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":232,"menu_order":-27,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-7189","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/7189"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7189"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/7189\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7194,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/7189\/revisions\/7194"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/232"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7189"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}