{"id":7001,"date":"2022-09-25T18:41:47","date_gmt":"2022-09-25T16:41:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=7001"},"modified":"2026-03-20T15:08:59","modified_gmt":"2026-03-20T14:08:59","slug":"die-vierfache-schnur-sorgenetze-in-nachbarschaft-und-quartier","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=7001","title":{"rendered":"Die vierfache Schnur \u2013 Sorgenetze in Nachbarschaft und Quartier\u00a0"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\">1. <strong>Texte und Textiles.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Spinnen, Weben, Netze kn\u00fcpfen- in diesen einfachen Handarbeiten steckt unsere ganze Kultur. Die antike Mythologie erz\u00e4hlt von den Nornen oder Moiren, die den Lebensfaden spinnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Geschichte von Odysseus, dem Herrscher von Ithaka, erz\u00e4hlt von der Treue seiner Frau Penelope, die sich am Webstuhl zeigt. Zehn Jahre dauerte der Krieg um Troja, in dem Odysseus k\u00e4mpfte \u2013 und noch einmal zehn Jahre dann seine Irrfahrt. In dieser Zeit musste Penelope sich die vielen M\u00e4nner vom Leib halten, die an ihr , aber mehr noch an dem K\u00f6nigreich, interessiert waren. Sie tat es, indem sie behauptete, sie m\u00fcsse zuerst das Totenhemd f\u00fcr ihren Schwiegervater weben. Und so webte sie tags\u00fcber an dem Hemd und l\u00f6ste das Gewebe in der Nacht wieder auf. Das Totenhemd, das nie fertig wurde, erz\u00e4hlte die Geschichte der Verbundenheit zwischen Odysseus und Penelope.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch Menschen mit Demenzerkrankungen lieben Textilien. Von der Tagung der Gr\u00fcnen Damen neulich habe ich eine Nesteldecke mitgebracht. Ich h\u00e4tte sie gern schon gehabt, als meine Mutter erkrankt war \u2013 denn auch sie liebte es, mit den Fransen ihrer schottischen Wolldecke zu spielen. Ich sah sie dann manchmal am Sterbebett ihrer eigenen Mutter sitzen- damals war ich acht oder neun- und ein Kissen f\u00fcr sie sticken. Wir hatten es sp\u00e4ter lange auf der Coach liegen. Eine Erinnerung an Stunden der Verbundenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>2. Am seidenen Faden&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht kennen Sie das Gef\u00fchl, dass Ihr Leben \u2013 oder Ihr Lebensmut \u2013 am seidenen Faden h\u00e4ngt. Dass die Energie ausgeht oder die Kr\u00e4fte bis zum Zerrei\u00dfen angespannt sind. Mir ging es mit Mitte drei\u00dfig so. Damals hatte neben meinem Beruf als Gemeindepfarrerin verschiedene Ehren\u00e4mter angenommen und kam immer wieder mal an meine Grenzen. Heute w\u00fcrde man wahrscheinlich von Burnout sprechen. Damals las ich das Tagebuch von Luise Habels Tagebuch \u201eIch muss nicht immer stark sein\u201c, das 1985 erschien.1 Luise Habel war schon mit einem Jahr an Kinderl\u00e4hmung erkrankt und seitdem k\u00f6rperbehindert. Sie k\u00e4mpfte mit dem Wunsch und dem Anspruch, trotz Gehbehinderung und h\u00f6llischer R\u00fcckenschmerzen \u201emithalten\u201c zu k\u00f6nnen- beruflich und gesellschaftlich. Schon mit ihrem ersten Buch, \u201eHerrgott, schaff die Treppen ab\u201c, hatten sie ihren Finger in die Wunden einer Gesellschaft gelegt, die Fitness und Vitalit\u00e4t feiert und oft genug vergisst, welche Barrieren sie aufrichtet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch f\u00fchle mich sehr ersch\u00f6pft. Meist habe ich sehr \u00fcber meine geringen Kr\u00e4fte gelebt\u201c, schreibt Habel. \u201eJetzt denke ich: Ich erlaube mir meine Schw\u00e4che. Ich muss nicht immer stark sein. Ich versuche, mein Selbstwertgef\u00fchl nicht aus meinen Leistungen&nbsp;zu beziehen&#8230; Nur zu sein, das kommt mich hart an, aber ich will es \u00fcben.\u201c 2 Als ich ihr Buch las, lie\u00df ich mich mitnehmen auf diesen \u00dcbungsweg: Es geht darum, die eigene W\u00fcrde hoch zu halten- egal, was andere denken. Ein alkoholkranker Freund wurde Luise Habel zum Vorbild. Ihr hilft das \u201enur f\u00fcr heute\u201c der Anonymen Alkoholiker: Nur f\u00fcr heute meine Schw\u00e4chen akzeptieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vorstellung, dass der Tag kommt, an dem wir auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sind, ist f\u00fcr die meisten schwer ertr\u00e4glich. Und nicht nur eine Behinderung, auch eine Demenzerkrankung konfrontiert uns damit. Ein Mensch, den wir lieben, braucht Hilfe- um das Essen zu sich zu nehmen, sich anzuziehen, sich nicht zu verlaufen. Das konfrontiert uns mit den Grenzen von Autonomie und Vernunft, den entscheidenden Werten modernen Lebens.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Zeit, in der die Aufkl\u00e4rung unser Weltverst\u00e4ndnis bestimmt, werden wir mit\u201e Gespenstern\u201c konfrontiert, die mit Erkl\u00e4rungen nicht zu verscheuchen sind. In einer Zeit, in der das Internet jederzeit alles Wissen verf\u00fcgbar h\u00e4lt und nichts \u201evergisst\u201c, m\u00fcssen wir begreifen, dass unser Ged\u00e4chtnis fl\u00fcchtig ist. Wer mit Demenzkranken lebt und sie versorgt, kennt die Ohnmacht angesichts von \u201eirrationalen\u201c \u00c4ngsten und w\u00fctender Verzweiflung. Das stellt unser Menschenbild in Frage- nicht nur das Bild der Person, die wir kannten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mich schickte die Demenzkrankung meiner Mutter auf diesen \u00dcbungsweg im Umgang mit Schw\u00e4che, mit Angewiesenheit und irrationalen \u00c4ngsten \u2013 aber auch mit dem Leben im Augenblick. \u201eNur f\u00fcr heute\u201c lernte ich, mich daran zu freuen, wenn sie die Enkeltochter auf dem Rollator schob und beide vor Freude kicherten \u2013 Minuten ungetr\u00fcbter Lust und gro\u00dfer Lebendigkeit. Oder wenn sie einen Apfel sch\u00e4lte wie in meiner Kindheit- mit einer langen, bunten Schalenschlange, die sich ringelte. Dazu hatte sie sich lange keine Zeit genommen, aber sie konnte es noch. So lernte ich wieder, ganz im Jetzt zu sein, wenn ich abends aus dem B\u00fcro zu ihr kam. Ganz im Augenblick \u2013 auch in den dunklen Momenten, wenn die alten Gespenster sie \u00fcberw\u00e4ltigten. Wenn sie glaubte, Kinder retten zu m\u00fcssen \u2013 vor einem Feuer auf dem Boden ihres Appartements , vor den Soldaten, die sie im Park auf den B\u00e4umen sah. Das waren dann die Momente, wo ich meiner Vernunft Dispens gab und ihr einfach half, die \u201eKinder\u201c zu retten, um die sie Angst hatte. Ja, ich f\u00fchlte mich verr\u00fcckt, wenn wir beide mit Kissen und Decken durch den Raum liefen- aber letztlich, dachte ich, ist es eben die Liebe, die uns rettet, nicht der Verstand.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>So lange sie stark war, hatte sie ihre Angst im Griff- die Angst der Kriegsbraut, die Bruder und Verlobten verloren hatte. Das machte sie zu einer starken Seelsorgerin, die andere in Todesangst begleiten konnte. Dann aber, in der Demenz, war die Schutzhaut d\u00fcnn geworden und die Wunden schmerzten erneut. So wurde die Krankheit zur Bew\u00e4hrungsprobe, auch f\u00fcr die Familie \u2013 und ich war froh, dass ich sie gut genug kannte, um zu verstehen. Ihre Verletzungen, ihr Ringen um St\u00e4rke, die Disziplin und ihre Hellsichtigkeit. \u201eDie Menschen hier brauchen Seelsorge\u201c, konnte sie sagen, als manche Damen angesichts ihrer Verwirrtheit meinten, sie sollte jetzt besser auf dem Zimmer essen. Am Ende l\u00f6ste sich auch der Schmerz der Einsamkeit, weil alles Schmerzhafte ins Vergessen fiel. Selbst die Trauer, die sie so lange festgehalten&nbsp;hatte. Ich sehe sie im Rollstuhl am Grab ihres geliebten Mannes, wie sie ratlos auf den Grabstein sieht und mich anschaut, wie um mich zu tr\u00f6sten. \u201e Woran ist er denn gestorben?\u201c fragt sie, wie man nach einem Fremden fragt. Da war sie an ein Ziel gekommen- irgendwann, das ahnte ich, tut es nicht mehr weh. Und ich war froh, sie begleiten zu k\u00f6nnen auf diesem Weg. Denn, das war jedenfalls ihre Lebenserfahrung, solche Erfahrungen machen uns stark f\u00fcr andere. Wahre St\u00e4rke ist ja nichts, was uns f\u00fcr immer geh\u00f6rt- sie ist mit der Liebe verwandt, die wir austauschen, wenn einer sie n\u00f6tig hat. Sie kommt zum Einsatz, wenn wir schwach sind. 3&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>An ihrem Todestag, als wir Schwestern im Apartment sa\u00dfen und alte Fotos anschauen, wollte sie uns den Kaffeetisch decken. Es war Ostersamstag \u201eIch stehe gleich auf und mache es Euch sch\u00f6n.\u201c In diesen letzten Tagen haben wir Entdeckungen gemacht, die vom gelebten Leben, von Sehnsucht und Sch\u00f6nheit erz\u00e4hlten. Der Duft ihres gewohnten Parfums, der geliebte Ostfriesentee, eine alte Melodie, das selbst gekochte Apfelmus, ein unverwechselbarer Kosename k\u00f6nnen Wunder wirken. All das konnte sie ins Leben zur\u00fcckholen , auch wenn dieses Leben schon am seidenen Faden hing.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Dichter Marcel Prost beschreibt in seinem Buch \u201eAuf der Suche nach der verlorenen Zeit\u201c , wie ihm der Geschmack der Madeleines hilft, sich in seine Kindheit zur\u00fcck zu versetzen \u2013 eine fast mystische Erfahrung. Wer mit Demenzkranken lebt, kennt das. Ein Gericht aus der Kindheit, ein altes Bild, der Duft eines Parfums, eine Bl\u00fcte \u2013 alles beginnt zu sprechen. In jedem Augenblick kann sich ein gro\u00dfes Geheimnis enth\u00fcllen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>3. Das Freundschaftsband&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Dichter Arno Geiger, der die Begleitung seines Vaters literarisch verarbeitet hat, schreibt \u00fcber den \u201eAlten K\u00f6nig\u201c, wie er ihn nennt: \u201eOft ist es, als wisse er nichts und verstehe alles. Einmal, als ich ihm die Hand gab, bedauerte er mich, weil die Hand kalt war, ich sagte, ich k\u00e4me von drau\u00dfen aus dem Regen. Er behielt meine Hand zwischen seinen H\u00e4nden und sagte: \u201eIhr k\u00f6nnt tun, was ihr zu tun habt, ich werde derweil diese Hand w\u00e4rmen.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Heute, in Zeiten der Pandemie, lese ich das mit Traurigkeit \u2013 und denke an all die Menschen, die die Gesichter ihrer Angeh\u00f6rigen und Pflegenden unter der Maske nicht mehr erkannten und schlie\u00dflich sterben mussten ohne eine Hand, die sie hielt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fotograf Michael Hagedorn hat Familien besucht, in denen Demenzkranke gepflegt werden. Seine Bilder waren in der Ausstellung \u201eKunst trotzt Demenz\u201c zu&nbsp;sehen.4 Viele ber\u00fchmte K\u00fcnstler haben freiwillig und ohne Honorar daran teilgenommen. Er habe dabei wunderbare Menschen kennen gelernt, sagt Hagedorn. Und tats\u00e4chlich zeigen die anr\u00fchrenden Fotos eine Sch\u00f6nheit und W\u00fcrde jenseits der Normalit\u00e4t. Vielleicht brauchte es die Freiheit und Kreativit\u00e4t eines K\u00fcnstlers, das zu entdecken. Denn die Angeh\u00f6rigen, meint Hagedorn, opferten sich auf und akzeptierten zu wenig Entlastungsangebote. So verl\u00f6ren sie nach und nach die Freiheit, die Kranken in ihrer Besonderheit wahrzunehmen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn man gewohnt ist, Probleme zu l\u00f6sen, indem man einen Haufen Geld hinwirft und pl\u00f6tzlich feststellen muss, dass ein Problem finanziell nicht zu l\u00f6sen ist, ist das fatal\u201c. Stefan, ein fr\u00fcherer Investmentbanker, hat diese Erfahrung gemacht, als er entdeckte, dass seine Mutter dement wurde. Ihre zunehmende Verwirrung, ihre Depressionen brachten ihn dazu, sein Leben zu ver\u00e4ndern. Das war zwei Jahre nach der Finanzkrise. Da hatte er sich, wie mancher in seiner Branche, heftig verspekuliert. Aber das war nicht der Grund daf\u00fcr, dass er sein Leben umkrempelte. Er liebte den Stress, das Risiko, die Abende an den Hotelbars. Er liebte seine Freiheit. Aber was war diese Freiheit wert, wenn seine Eltern dabei auf der Strecke blieben \u00ad- die Menschen, denen er Leben und Ausbildung verdankte? Stefan krempelte sein Leben um, er verzichtete auf riskante B\u00f6rsenabenteuer und aufregende Reisen. Stattdessen zog er in die Stadt seiner Kindheit, kaufte ein altes Fachwerkhaus und gr\u00fcndete eine Stiftung f\u00fcr Demenzkranke, das Haus \u201eVergissmeinnicht\u201c \u201eIch habe alles gesehen und gemacht\u201c, sagt er. \u201eIch bin bereit, erwachsen zu werden\u201c.5&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Chart 11&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Stimme der Demenzkranken erinnert uns daran, dass unsere Gesellschaft zu sehr von Konkurrenz, Vereinzelung und Egoismus gepr\u00e4gt ist\u201c, sagt der Soziologe Reimer Gronemeyer. In einer solchen Gemeinschaft ist es schlecht bestellt um den Schutz der Schwachen, der Kinder, der Kranken.6 Vielleicht hat das damit zu tun, dass wir Freiheit falsch verstehen. Martin Luther, der sehr tiefgehend dar\u00fcber nachgedacht hat, spricht von der doppelten Natur des Menschen: Von unserer Freiheit und Gr\u00f6\u00dfe, aber auch von unserer Verletzlichkeit und Gebundenheit. Wer glaubt , er w\u00e4re ganz und gar unabh\u00e4ngig, der merkt vielleicht gar nicht, dass er dem eigenen Ehrgeiz oder der eigenen Gier aufsitzt, vergisst, dass er sein Leben nicht selbst geschaffen hat. \u201eEin Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemandem untertan\u201c, schreibt Luther in einer seiner wichtigsten Thesen. Aber dann f\u00e4hrt er fort: \u201eEin Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan\u201c. 7Die erwachsene Freiheit rechnet damit, dass wir einander brauchen und f\u00fcr einander da sein m\u00fcssen,&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>um ganz zu uns selbst zu kommen. Erwachsensein, das hei\u00dft, Autonomie und Bindung in eine gute Balance zu bringen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wer mit Demenzkranken lebt, wird allein schnell zum hilflosen Helfer. In einer solchen Situation brauchen wir Unterst\u00fctzung, um uns nicht selbst zu verlieren &#8211; Freundinnen, Nachbarn, Krankenschwestern, die einen anderen Blick mitbringen. Und unsere Gesellschaft braucht Menschen wie Stefan, die begreifen, dass Freiheit ohne Verantwortung ins Leere l\u00e4uft \u2013 freiwillig Engagierte, Stifterinnen, die ihr Verm\u00f6gen einsetzen, Politiker, die sich um das Gemeinwohl k\u00fcmmern, Menschen, die f\u00fcr andere da sind und ihnen helfen, das eigene Leben zu leben. Denn wer Menschen mit Behinderung helfen will, m\u00f6glichst lange selbst\u00e4ndig zu leben, wer demenzkranke \u00c4ltere oder Sterbende begleitet, der wird auf Dauer nur dann erfolgreich sein, wenn der andere sich ernst genommen f\u00fchlt. Und das hei\u00dft: auch die Freiheit der Kranken will anerkannt werden. Ihr eigenwilligen L\u00f6sungen, ihr Hinweis auf Grenzen, ihre inneren Bilder \u2013 das alles will respektiert sein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen, die uns lange kennen, verstehen die Bedeutung unserer Worte, wo ein Fremder nur noch Kauderwelsch h\u00f6rt. Wenn es darum geht, was wirklich wichtig ist, wenn so vieles zerbricht und wegger\u00e4umt werden muss, oder was auf unserem Nachtisch steht, wenn wir sterben \u2013 wenn es darum geht, wie wir sterben, dann brauchen wir Angeh\u00f6rige und Freundinnen, die unsere kulturellen Pr\u00e4gungen, religi\u00f6sen \u00dcberzeugungen, unsere einzigartige Geschichte kennen. Ich tr\u00e4ume deshalb von Pflegeeinrichtungen, in denen die Mitpflege von Freunden und Angeh\u00f6rigen denkbar ist. Von einer Zukunft, in der die Sektorengrenzen zwischen ambulanter, teilstation\u00e4rer und station\u00e4rer Pflege sich aufl\u00f6sen. Wohnung, Medizin und Pflege, Dienstleistungen und Beratung m\u00fcssen zu einem je individuellen Hilfepaket geschn\u00fcrt werden. Aber dieses \u201e Paket\u201c muss offen bleiben f\u00fcr die sch\u00f6nen \u00dcberraschungen, die die Begleitung eines Menschen bis zum Schluss bringen kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Denn es gibt ja eine Gegenwart auch f\u00fcr Demenzkranke und es w\u00e4re vollkommen falsch, sie auf die Vergangenheit festzulegen. Vielleicht entwickelt jemand eine Z\u00e4rtlichkeit, die er fr\u00fcher immer gescheut hat. Entdeckt einen Genuss, den er sich lange verboten hatte. \u201e Wir gehen davon aus, dass man bei uns noch eine Zukunft hat, etwas erleben und etwas lernen kann\u201c, sagt die Heimleiterin Andrea Siegl. \u201eEs kann ja auch ein gro\u00dfer Segen sein, den ganzen anerzogenen Ballast loszuwerden, alles Anerzogene und \u00dcbergest\u00fclpte, wo wir oft gar nicht wissen, wer wir eigentlich selbst sind, was unser Eigenes ist. Das loszuwerden kann im geeigneten Umfeld ein Segen sein. \u201eIch denke wieder an meinen \u00dcbungsweg mit meiner Mutter und ich bin unendlich dankbar f\u00fcr die Monate und Jahre, die mich gepr\u00e4gt haben- von Tag zu Tag mehr. Neulich habe ich entdeckt, dass es neuerdings Erinnerungsb\u00e4ndchen gibt \u2013 so wie Freundschaftsb\u00e4nder, in die man den Namen oder eine Erinnerung an die verstorbene Person eintragen kann. Was mir an Freundschaftsb\u00e4ndchen gef\u00e4llt, ist die Verflochtenheit von einem mit dem anderen- f\u00fcr mich ein Bild der wechselseitigen St\u00e4rkung. Einer mag \u00fcberw\u00e4ltigt werden, aber zwei k\u00f6nnen widerstehen\u201c , hei\u00dft es einmal in der Bibel, \u201e und eine dreifache Schnur rei\u00dft nicht leicht entzwei\u201c (Prediger 12). Und tats\u00e4chlich w\u00e4re auch unser Miteinander nicht gelungen ohne das Team in dem Stift und ganz sicher nicht ohne die Freundinnen, die sich an den Nachmittagen&nbsp;abwechselten \u2013 und ohne das Team an meinem Arbeitsplatz, das Verst\u00e4ndnis hatte, wenn ich nicht immer voll einsatzf\u00e4hig war.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>4. Das Gewebe der Gemeinschaft :&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist es medizinisch m\u00f6glich, chronisch Kranke noch lange aktiv, ja sogar berufst\u00e4tig zu erhalten, sodass der Tod dann oft sehr pl\u00f6tzlich kommt. Prominentes Beispiel war der D\u00fcsseldorfer OB Joachim Erwin, der noch wenige Tage vor seinem Tod eine Dienstreise nach Japan unternahm \u2013 trotz einer schweren Krebserkrankung. Ganz anders verhalten sich Menschen mit der Diagnose Alzheimer: So wandte sich der ehemalige amerikanische Pr\u00e4sident Ronald Reagan mit einem Abschiedsbrief an sein Volk, als er sp\u00fcrte, dass die Demenzerkrankung ihn ver\u00e4nderte. Der soziale Tod beginnt oft lange vor dem physischen. Mit k\u00f6rperlichen Erkrankungen und Behinderungen haben wir gelernt, zu leben; der geistige Verfall isoliert und macht einsam.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schwierigste\u201c, schreibt der Soziologe Norbert Elias,\u201c ist die stillschweigende Aussonderung der Alternden und Sterbenden aus der Gemeinschaft der Lebenden, das allm\u00e4hliche Erkalten der Beziehung zu Menschen, denen ihre Zuneigung geh\u00f6rte, der Abschied von Menschen \u00fcberhaupt, die ihnen Sinn und Geborgenheit bedeuteten.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Umso wichtiger ist es, dazu beizutragen, dass auch demenziell erkrankte und pflegebed\u00fcrftige Menschen gute Stunden haben k\u00f6nnen: Unter der Voraussetzung n\u00e4mlich, dass sie in einer Umwelt leben, die anregt und f\u00f6rdert und ein ausreichendes Ma\u00df an Zuwendung gew\u00e4hrleistet. Dazu braucht man Humor und tragf\u00e4hige Beziehungen zu anderen Menschen. Stella Brahm, die ein Buch \u00fcber das Leben mit ihre Alzheimerkranken Vater geschrieben hat, hat ans Ende einen Forderungskatalog gesetzt und beschrieben, was sich gesellschaftlich \u00e4ndern muss. Kurz vor Drucklegung las sie ihm diese Seiten vor. Und er sagte strahlend :\u201e Du liest es mit solch einer Begeisterung vor, dass ich denke: das ist es.\u201c Arm in Arm sa\u00dfen sie da ihre Gesichter ber\u00fchrten sich.\u201e So sch\u00f6n warm\u201c, murmelt er zufrieden, \u201egemeinsame Dinge helfen uns. Lass uns versuchen, f\u00fcreinander eine sichere Zuflucht zu sein. Die Begegnung mit einem anderen ist f\u00fcr mich von ekstatischem Wert.\u201c Sie ahnen es: der Vater war Psychologe \u2013 und hier kn\u00fcpfte er ganz existenziell an seine Arbeit an. Und Stefan Beyer, der in seinem Buch \u201e Demenz ist anders\u201c, die einf\u00fchlsame Begleitung seiner Mutter schildert, erlebt sie in ihrer Demenz zu seiner eigenen \u00dcberraschung als\u201e stark, sehr lebendig, echt und ber\u00fchrend, vielleicht sogar mehr als vorher.\u201c8&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Demenzkranke Menschen vermissen l\u00e4ngst verstorbene Angeh\u00f6rige, ihre Eltern und Ehepartner, aber auch Familienmitglieder, die anderswo leben &#8211; oft so sehr, dass sie sie in ihrer Phantasie \u201eherbeizaubern\u201c und mit ihnen leben, wie sonst nur kleine Kinder das tun. Zeit und Raum verlieren ihre Bedeutung. Ob der Sohn ,die Tochter am Telefon mit ihnen spricht, oder k\u00f6rperlich anwesend ist, kann dann nicht mehr unterschieden werden. Alles geschieht gleichzeitig, die Welt ist bev\u00f6lkert mit den eigenen Lieben, aber auch mit b\u00f6sen M\u00e4chten \u2013 und dann wieder erschreckend leer und ohne jeden Sinn. Irgendwo auf dem Weg \u201enach Hause\u201c hat das Leben sich&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>verloren \u2013 Menschen warten im eigenen Zimmer wie in der Fremde auf ein Zeichen des Vertrauten, auf einen Menschen, dem sie vertrauen k\u00f6nnen. Vergessen und vom Dasein ausgespuckt \u2013 ein Bild f\u00fcr das \u201eGeworfensein des Menschen in die Welt\u201c, von dem Jean Paul Sartre Sartre einst sprach. Pflegekr\u00e4fte, Angeh\u00f6rige und Ehrenamtliche stehen dann vor der Herausforderung, sich dieser Einsamkeit zu stellen und sie, soweit das m\u00f6glich ist, wenigstens f\u00fcr kurze Zeit zu teilen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu ist zuerst und vor allem der Respekt vor der Individualit\u00e4t des gelebten Lebens notwendig; die je eigene Sprache, Bilder und Erinnerungsfetzen, Gewohnheiten , Vorlieben und \u00c4ngste eines Menschen m\u00fcssen auf diesem Hintergrund begriffen werden. So wie die Falten im Gesicht das Leben spiegeln, so ist die Kultur eines Menschen durch die Furchen seines unverkennbaren Weges gepr\u00e4gt&nbsp;\u201eEs ist noch immer eine Person da, die diese Situation erlebt und in irgendeiner Weise bew\u00e4ltigt\u201c, schreibt Beyer. B\u00fccher, Bilder und Erinnerungsst\u00fccke erz\u00e4hlen davon genauso wie der Umgang mit Mahlzeiten, Tagesrhythmen und Kleidungsgewohnheiten. Auch wenn Gestaltungskraft und Energie zum eigenst\u00e4ndigen Leben fehlen \u2013 das Selbstkonzept, das kulturelle Ger\u00fcst der Identit\u00e4t, kann einen Menschen noch lange aufrecht halten. In einer guten Kooperation mit Angeh\u00f6rigen und Freunden l\u00e4sst sich herausfinden, welche Lieblingsspeisen, oder Kleidungsst\u00fccke, welche Musik dazu beitragen k\u00f6nnen, belebende Erinnerungen aufzufrischen und auch neue, wohltuende Erfahrungen zu machen. In Gudrun Piechottas Buch \u201e Das Vergessen erleben\u201c 9 erz\u00e4hlt Edith Gabler, wie sehr sie es genie\u00dft, einfach nur aus dem Fenster zu schauen \u2013 und eben nicht mehr f\u00fcr andere da sein zu m\u00fcssen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Damit das gelingt, ist eine Atmosph\u00e4re von Schutz und Sicherheit wesentlich. Dazu z\u00e4hlen nicht nur die Sturzprophylaxe oder der Schutz vor dem Weglaufen. So hilfreich Medikamente sein k\u00f6nnen, die die Angst nehmen, wichtiger ist die Geborgenheit in einer \u00fcberschaubaren Gruppe, in der sich Lebensrhythmen und Gewohnheiten entwickeln k\u00f6nnen und das Gef\u00fchl der Fremdbestimmung und Verlorenheit eingegrenzt wird. Keine Dokumentation oder Team\u00fcbergabe kann die Erfahrung ersetzen, die Pflegende und Bewohner in einem nahezu t\u00e4glichen Miteinander machen. Dabei gilt es, Eigenaktivit\u00e4t und soziale Teilhabe auch schwer Demenzkranker zu f\u00f6rdern. Gebraucht zu werden, sich mit anderen auszutauschen, bleibt f\u00fcr jeden Menschen wichtig. Das Tablettessen im Zimmer, das gut gemeinte Vorenthalten von Informationen verst\u00e4rkt nur die Isolation. Demenzkranke brauchen Pflegende, die offen, im \u00fcbertragenen Sinne suchend und Bedeutung gebend auf \u00c4u\u00dferungen und Aktivit\u00e4ten reagieren k\u00f6nnen, sie brauchen eine integrierte, erlebnisorientierte Pflege.10&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Altenpflegerin Sonja Schilf 11spricht von magischen Momenten in der Altenpflege, Momente, die ihr Herz ber\u00fchren und neue Energie geben. In denen sie mit der gepflegten Person auf einer Ebene ist, mit ihr schwingt- mit und ohne Worte. Ich denke dabei an Freya Klier und ihren Demenzchor; gerade w\u00e4hrend der Corona-Pandemie hatten wir Gelegenheit zu sehen, wie sie den Chor aufgebaut hat. Mit Betroffenen und ihren Angeh\u00f6rigen. Mit Volksliedern, Schlagern \u2013 mit Solisten und Pianisten. Alle, die ein Instrument spielten, waren mit Herz und Seele dabei. Und mit den Liedern kam die Erinnerung, wuchs die Verbundenheit \u2013 da entstand eine Gemeinschaft, die jeden und jede aus der Isolation holte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Chart 17&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>5. Die silbernen Klammern am Freundschaftsband.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn ich das Sagen h\u00e4tte, w\u00fcrde ein Staatssekret\u00e4r f\u00fcr die Emanzipation von Menschen mit Alzheimer eingesetzt und die Politik tr\u00e4fe Vorbereitungen f\u00fcr die Demenz-Explosion. Dann st\u00fcnden unsere W\u00fcnsche bei der Pflege im Mittelpunkt und auch der Demenzkranke h\u00e4tte das Recht auf Privatsph\u00e4re und Freiheit. Ruhe-Medikation ( w\u00fcrde ) verboten und der Kranke k\u00f6nnte jeden Tag ausgiebig schmausen\u201c. Das sind nur einige der Forderungen , die Stella Braam in ihrem Buch \u201e Ich habe Alzheimer- Wie die Krankheit sich anf\u00fchlt\u201c stellvertretend und in Kooperation mit ihrem Vater aufgeschrieben hat. Das Buch zielt auf eine ma\u00dfgeschneiderte Pflege f\u00fcr jeden Einzelnen und bezweifelt zugleich, dass die dazu notwendigen Ver\u00e4nderungen aus dem Pflegesektor selbst kommen k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>An den Zitaten und Erz\u00e4hlungen wird deutlich: L\u00e4ngst ist neue Angeh\u00f6rigenbewegung entstanden, die die Versorgung Demenzkranker aus der Tabuzone ins \u00f6ffentliche Interesse r\u00fcckt wie einst die Hospizbewegung das Sterben. Neben Stella Braam und Stefan Beyer geh\u00f6rte auch Tilmann Jens zu denen, die die Erkrankung eines prominenten Vaters offen thematisiert haben. Das ist alles andere als selbstverst\u00e4ndlich. Denn Demenz konfrontiert uns mit den Grenzen von Autonomie und Vernunft, den entscheidenden Werten modernen Lebens. In einer Zeit, in der die Aufkl\u00e4rung unser Weltverst\u00e4ndnis bestimmt, werden wir mit\u201e Gespenstern\u201c konfrontiert, die mit dem Verstand nicht zu verscheuchen sind. Die Vorstellung, dass auch wir selbst wie jeder Dritte in der Bev\u00f6lkerung in Zukunft betroffen sein k\u00f6nnen, dass wir auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sein k\u00f6nnten, damit wir nicht fallen, uns nicht verlaufen, das Essen zu uns nehmen, ist schwer ertr\u00e4glich. Nicht nur die Versorgungsfrage ist eine Herausforderung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hochbetagten, Dementen und Pflegebed\u00fcrftigen sind von zunehmender Exklusion betroffen und brauchen Unterst\u00fctzung, um auch weiterhin Teil der Gemeinschaft zu bleiben\u201c, sagt Prof. Eckart Hammer aus dem Beirat des Projekts \u201eAlter neu gestalten\u201c der Evangelischen Kirche in W\u00fcrttemberg.12 Denn es gibt auch eine gegenl\u00e4ufige Entwicklung. Mit der Entdeckung der dritten Lebensphase, des jungen, aktiven Alterns, r\u00fcckte die Hochaltrigkeit als vierte Lebensphase weiter nach hinten \u2013 und wird oft&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>genug verdr\u00e4ngt. Die Angst vor Pflegebed\u00fcrftigkeit und Demenz ist gewachsen und wird von den Debatten um Pflegenotstand und assistierten Suizid befeuert. Viele f\u00fcrchten, nicht gut versorgt zu sein, wenn sie sich selbst nicht mehr versorgen k\u00f6nnen. Umso mehr genie\u00dfen sie die geschenkten, gesunden Lebensjahre. Reisen, Sport, neue Freundschaften und Beziehungen, ehrenamtliches Engagement &#8211; die Power Ager sind aktiv. Wir wollen als Gestalter ihres Lebens wahrgenommen und eben nicht auf die zunehmende Gebrechlichkeit und Verletzlichkeit reduziert werden&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und tats\u00e4chlich bedeutet alt zu werden ja nicht unbedingt Pflegebed\u00fcrftigkeit und Demenz. Nur 15 Prozent der 80-84-j\u00e4hrigen und 26 Prozent der 85-89-j\u00e4hrigen sind von Demenzerkrankungen betroffen. Und auch Pflegebed\u00fcrftigkeit nimmt zwar mit dem Alter zu &#8211; bei den 80 bis 86-j\u00e4hrigen sind es 20 Prozent, aber erst \u00fcber 85 steigt der Anteil auf 40 Prozent. Die meisten m\u00f6chten sich allerdings erst einmal nicht damit besch\u00e4ftigen, wenn das Alter beginnt. Auch deshalb besteht die Gefahr, dass diese Gruppe vom gemeinsamen Leben ausgeschlossen wird. Nicht nur im Pflegeheim, sondern auch in der Nachbarschaft.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der wachsenden psychosozialen Bedarfe werden Nachbarschaft, Quartiere und auch die Kirchengemeinden aber neu gefordert. Das Gemeinwesen mit seinen Institutionen sind so etwas wie die Klammer, die das Freundschaftsband zusammenh\u00e4lt. Der vierte Teil der vierfachen Schnur. Das geistliche Zentrum f\u00fcr Menschen mit Demenz in Berlin ist ein gutes Beispiel f\u00fcr die Chancen, die im Quartier liegen. Dort hat ein Sozialunternehmer ein Tanzcaf\u00e9 f\u00fcr Demenzkranke eingerichtet hat. Mit Musik, die zur\u00fcck in die goldenen 20er und An30er f\u00fchrt. Auch Gottesdienst wird dort gefeiert: einfach, sinnlich und sehr lebendig. Menschen geben Zeit und setzen Phantasie ein, um ihn vorzubereiten \u2013 und viele davon sehen darin ein St\u00fcck Lebenssinn. Arbeitslose, Hartz.IV:-Empf\u00e4nger und \u00c4ltere haben hier ihren Einsatzort gefunden. Das ist eine Gemeinde auf dem Weg zur Caring Community.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Caring Communities entstehen, wo Familie, Freunde, Nachbarschaft , Ehrenamtliche und professionelle Organisationen Hand in Hand arbeiten und Netzwerke im Quartier bilden. Wenn ich davon erz\u00e4hle, erinnere ich mich immer an meine Erlebnisse in Marbach am Neckar, wo ich dabei sein durfte, als verschiedene Pflegevereine, Sportvereine, soziale Organisationen eine gemeinsame Homepage entwickelten und sich vernetzten- unterwegs zur demenzfreundlichen Stadt. Nicht nur Angeh\u00f6rige und Nachbarn, nicht nur soziale Organisationen sollten beteiligt sein, nicht nur \u00c4rzte und Apotheken, sondern auch Superm\u00e4rkte, Kinos und Verkehrsmittel. Eine Vorstellung, die alle in Bewegung setzte. Vielleicht auch uns.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Cornelia Coenen-Marx, Frankfurt, 20.9.22<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>1 Luise Habel, Ich muss nicht immer stark sein, M\u00fcnchen 1985&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>2 S. 43&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>3&nbsp;2Kor 12,9b: \u201e<em>Darum will ich mich am liebsten meiner Schwachheit r\u00fchmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne. (10)&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>4 Kunst trotzt Demenz, Edition Chrismon, Hansesches Druck- und Verlagshaus 2009&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>5 Stefans Geschichte wird erz\u00e4hlt im \u201e Stern\u201c-Sonderheft Gesundheit zum Thema \u201e Raus aus dem Stress\u201c, 4\/2010&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>6 Prof. Dr. Reimer Gronemeyer, Gie\u00dfen, in der Einleitung zu \u201e Kunst trotzt Demenz\u201c, Edition Chrismon, Hansesches Verlagshaus 2009&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>7 Martin Luther, \u201eVon der Freiheit eines Christenmenschen\u201c, Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen. Ein Arbeitsbuch. Bd. III. Hg. Von Heike A. Obermann, Neukirchen 1981&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>8 Stefan Beyer: Demenz ist anders. \u00dcber den Versuch einer einf\u00fchlenden Begleitung. Balance, Bonn 2007&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>9 Gudrun Piechotta: Das Vergessen erleben. Lebensgeschichten von Menschen mit einer demenziellen Erkrankung, Frankfurt 2008&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>10 vgl. z.B. Cora van der Kooij, Ein L\u00e4cheln im Vor\u00fcbergehen, erlebnisorientierte Altenpflege mit Hilfe der M\u00e4eutik, Bern 2007&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>11 Schilf, Sonja, Magische Momente in der Altenpflege , 2019&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>12 Dokumentation des Projekts \u201eAlter neu gestalten\u201c der Landesarbeitsgemeinschaft Ev. Senioren in W\u00fcrttemberg, 2017&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Texte und Textiles.&nbsp; Spinnen, Weben, Netze kn\u00fcpfen- in diesen einfachen Handarbeiten steckt unsere ganze Kultur. 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