{"id":6999,"date":"2022-09-25T18:30:42","date_gmt":"2022-09-25T16:30:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=6999"},"modified":"2026-03-20T15:14:29","modified_gmt":"2026-03-20T14:14:29","slug":"wir-sehen-uns-an-der-tanke-treffpunkte-netzwerke-und-sorgegemeinschaften-auf-dem-land","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=6999","title":{"rendered":"Wir sehen uns an der Tanke  \u2013 Treffpunkte, Netzwerke und Sorgegemeinschaften auf dem Land"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Alle D\u00f6rfer bleiben<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Video auf Facebook hat mich nochmal hingebracht, in meine erste Gemeinde. Nach Immerath, in das alte Krankenhaus, wo ich als Pfarrerin die Kranken aus Keyenberg, Unterwestrich oder Oberwestrich besuchte. Was da im Staub verschwand, war der Immerather Dom. Die Garzweiler-D\u00f6rfer am Rand des Braunkohletagebaus sind inzwischen umgesiedelt, vor\u00fcbergehend leben Gefl\u00fcchtete dort. Die Initiative \u201eAlle D\u00f6rfer bleiben\u201c kam zu sp\u00e4t f\u00fcr die Dorfbewohner. Die wissen l\u00e4ngst: Heimat ist mehr als eine Sammlung von Eigenheimen \u2013 und seien sie noch so sch\u00f6n. Heimat, das sind Schule, Kneipe und Arztpraxis, engagierte Gesch\u00e4ftsleute, ein reges Vereinsleben. Das sind Traditionen, \u00dcberzeugungen, Menschen, die den Geist eines Ortes \u00fcber Jahrzehnte, ja \u00fcber Jahrhunderte gepr\u00e4gt haben. Je mobiler die Gesellschaft, je mehr Optionen und Lebensstile, desto gr\u00f6sser wird die Sehnsucht nach diesem Ort, in dem wir uns selbstverst\u00e4ndlich bewegen , weil wir dazugeh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Es braucht keine Braunkohlebagger, um Menschen den Heimatboden unter den F\u00fc\u00dfen weg zu ziehen; Globalisierung und sozialer Wandel gen\u00fcgen. Dass Familien, m\u00f6glicherweise sogar mit mehreren Generationen, an einem Ort wohnen, ist schon lange keine Normalit\u00e4t mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Normalfall ist die sogenannte multilokale Mehrgenerationenfamilie. Junge Leute ziehen in die prosperierenden Regionen; zur\u00fcck bleiben die \u00c4lteren, weniger Beweglichen- h\u00e4ufig mit Wohneigentum, das sich in schrumpfenden Regionen kaum verkaufen l\u00e4sst. Viele&nbsp; Paare kennen Lebensphasen, in denen sie aus beruflichen Gr\u00fcnden \u00fcber lange Zeit getrennt wohnen. Wo bereits Kinder in der Familie leben, sind es dann h\u00e4ufig die M\u00fctter, die bleiben. Der Soziologe Eric Klinenberg spricht von der Versingelung der westlichen Gesellschaften; Andreas Reckwitz spricht von der Gesellschaft der Singularit\u00e4ten. &nbsp;Kleinenberg kommt zu dem Schluss, dass Alleinleben der beste Weg ist, die Werte einer individualistischen Gesellschaft zu leben: Freiheit, Autonomie, Mobilit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das hat eben auch eine Schattenseite: Wer h\u00e4ufig umzieht oder auch pendelt, verliert die allt\u00e4gliche soziale Einbettung in Familie und Nachbarschaft. Und das ist nicht nur eine emotionale Herausforderung. Familien mit kleinen Kindern, auch alte oder kranke Menschen \u2013 deren Anteil an der Gesamtbev\u00f6lkerung mit dem demografischen Wandel w\u00e4chst \u2013 geraten bei der Bew\u00e4ltigung des Alltags besonders unter Druck, wenn sie nicht auf die selbstverst\u00e4ndliche Hilfe von Angeh\u00f6rigen zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen. Aber nur noch ein Viertel der erwachsenen Kinder lebt am Wohnort der Eltern. Stattdessen sind St\u00e4dter in den Speckg\u00fcrten gezogen. Und nicht nur Juli Zeh schreibt dar\u00fcber, wie schwer es ist, sich in die Dorfkultur integrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Untersuchung des Berliner Instituts f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsentwicklung im Emsland zeigt: Wer auf dem Dorf wohnt, ist durchschnittlich Mitglied in 3 -4 Vereinen. Vom Sportverein \u00fcber das Rote Kreuz und die Caritas bis zum Heimatverein pr\u00e4gen Vereine die Form des ehrenamtlichen Engagements und der Dorfgemeinschaft. Bei einem Ehrenamtsworkshop dort, der vor allem von Vereinsvorst\u00e4nden besucht wurde, h\u00f6rte ich Klagen : Vorstandsmitglieder f\u00fcr die Vereine seien kaum noch zu finden. Viele Dorfbewohner seien in der Woche kaum zu sehen- sie g\u00e4ben morgens ihre Kinder in der Tagesst\u00e4tte ab, f\u00fchren in die Stadt zur Arbeit und h\u00e4tten am Abend keine Zeit mehr f\u00fcr die Dorfgemeinschaft. Aber sie w\u00fcrden sehr wohl erwarten, dass die Vereine alles zur Verf\u00fcgung stellten: den Bolzplatz, den Rasen, die Kinder- und Jugendgruppen. Wie ein Sportstudio&nbsp; zum Vorzugspreis. Damit die beiden Autos vor der T\u00fcr auch bezahlt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch auf dem Dorf klaffen die Welten auseinander. Es sind ja nicht nur die St\u00e4dter, die zugezogen sind. Schon seit Jahrzehnten sind Migranten da \u2013 aus Italien, Spanien, der T\u00fcrkei zuerst, dann mit den Fl\u00fcchtlingsgruppen aus Syrien und Afghanistan. In der Dorfkneipe hat die Speisekarte gewechselt \u2013 wenn sie nicht l\u00e4ngst geschlossen ist. Nur im Sportverein und an der Tanke gelingt Verst\u00e4ndigung. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schriftsteller Sasa Stanisic, der aus den Jugoslawien-Kriegen in einen Vorort von Heidelberg geflohen war, erz\u00e4hlt von Emmertsgrund. Dort reichen einander die Hand: Bosnier und T\u00fcrken, Griechen und Italiener, Russlanddeutsche, Polendeutsche, Deutschlands Deutsche. Sie waren Nachbarn, Schulfreunde, Kollegen. Die Supermarktschlange sprach sieben Sprachen. Die soziale Einrichtung, die sich f\u00fcr unsere Integration am st\u00e4rksten einsetzte, war eine abgerockte ARAL-Tankstelle. Sie war Jugendzentrum, Getr\u00e4nkelieferant, Tanzfl\u00e4che, Toilette. Kulturen vereint in Neonlicht und Benzingeruch. Auf dem Parkplatz lernten wir voneinander falsches Deutsch und wie man Autoradios wieder einbaut. Die ARAL-Tanke war Heidelbergs innere Schweiz- neutraler Grund , auf dem die Herkunft selten einen Konflikt wert war.\u201c So kann die Tanke zur Heimat werden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Sehnsucht nach Heimat d\u00fcrfen wir nicht denen \u00fcberlassen, die Heimat konstruieren als ein WIR gegen DIE. Heimat ist der Ort, den wir als Gesellschaft erst erschaffen, der Ort, an dem das Wir Bedeutung bekommt. Ein Ort, der uns verbindet, \u00fcber die Mauern unserer Lebenswelten hinweg &#8211; den braucht unsere Demokratie\u201c, sagte F.W. Steinmeier zum Tag der deutschen Einheit. am 3.10.17.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Wo das Herz wohnt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ernst Lange, der Gr\u00fcnder der Berliner \u201eLadenkirche\u201c, sprach von der Ortsgemeinde als dem \u201eEnsemble der Opfer\u201c. Wir w\u00fcrden diesen Ausdruck wohl nicht mehr verwenden. Aber wer weniger mobil ist und \u00fcber geringe Ressourcen verf\u00fcgt, wer sich keine gro\u00dfen Spr\u00fcnge leisten kann, ist besonders auf eine gute Nachbarschaft und auf Angebote vor Ort angewiesen- genauso wie auf verl\u00e4sslichen Nahverkehr. Da geht es\u00a0 Familien mit kleinen Kindern nicht anders als Migranten und Gefl\u00fcchteten oder \u00c4lteren . Heute leben mehr an die 45\u00a0 Prozent der 70- bis 85-j\u00e4hrigen allein \u2013 meist k\u00f6nnen sie in Alltagsproblemen nicht auf Familie und Freunde zur\u00fcckgreifen. Am anderen Ende der Generationenkette geht es den Eltern kleiner Kinder ganz \u00e4hnlich. Sie brauchen R\u00e4ume, wo unterschiedliche Generationen einander begegnen und unterst\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Chart 8<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nachbarschaft ist zu einem gro\u00dfen Thema geworden; es gibt Nachbarschaftspreise, Nachbarschaftsplattformen; der Tag des Nachbarn wird gefeiert. Wo Menschen einkaufen, ihre Kinder zur Tageseinrichtung bringen, wo Schulen, Sportvereine und Gemeinden ganz unterschiedliche Gruppen zusammenf\u00fchren, begegnen sich B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger noch immer ganz selbstverst\u00e4ndlich. In der Gemeinde vor Ort manifestieren sich die aktuellen Probleme, aber genau dort finden sich auch Antworten auf die dr\u00e4ngenden Bed\u00fcrfnisse der Zeit. Das gelingt aber nur, wenn St\u00e4dte, Gemeinden &nbsp;und soziale Tr\u00e4ger nicht nur auf den Einzelfall schauen, sondern auf den Lebensraum. Es geht darum, einen Rahmen zu schaffen, in dem Begegnungen mit anderen m\u00f6glich sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die enormen Transferleistungen in strukturschwachen Regionen, die Folgen des demographischen Wandels, wachsende Pflegebedarfe und&nbsp; die Notwendigkeit, die Tageseinrichtungen f\u00fcr Kinder auszubauen und Ganztagsschulen zu etablieren, &nbsp;haben allerdings vielen Kommunen die M\u00f6glichkeit genommen, eigene Priorit\u00e4ten zu setzen. Und das Gef\u00e4lle w\u00e4chst- zwischen boomenden und schrumpfenden Regionen wie zwischen Armutsquartieren und hippen Stadtteilen.&nbsp; Die Orientierung an wettbewerblichen Strukturen der Wirtschaft hat das Verh\u00e4ltnis zwischen B\u00fcrgern und Kommunen nicht unber\u00fchrt gelassen. Die soziale Arbeit verliert an Stabilit\u00e4t und Stetigkeit, weil sie durch regelm\u00e4\u00dfige Projektvergabe an den g\u00fcnstigsten Anbieter immer nur auf Zeit vergeben ist. In der Dienstleistungsgesellschaft werden alle zu Kunden. Aber die gro\u00dfen Demonstrationen der letzten Jahre&nbsp; zeigen eine Gegenbewegung: B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger wollen als politische Subjekte wahrgenommen werden. Es geht um Zugeh\u00f6rigkeit, um Teilhabe und neue Erfahrungen, um ein St\u00fcck Leben au\u00dferhalb der Familie in R\u00e4umen, die unterschiedliche soziale Kreise zusammenbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Pandemie hat einen Eindruck davon vermittelt, was es bedeutet, wenn&nbsp; R\u00e4ume der Begegnung fehlen. \u201eWir sollten alles daf\u00fcr tun, soziale Marktpl\u00e4tze zu erhalten oder neu aufzubauen\u201c, meint Jutta Allmendinger. Gerade Menschen, die kaum privaten Lebensraum haben, brauchen \u00f6ffentliche Orte in der Stadt, wenn wir Kommunen nicht nur als Wirtschaftsstandorte, sondern als Ort des guten Lebens begreifen wollen, dann sind sie auf soziale Investitionen angewiesen. Wo der Busverkehr eingestellt ist, wo Gemeinde und Kindergarten nicht mehr vor Ort sind, fehlt es an tragf\u00e4higen S\u00e4ulen f\u00fcr das zivilgesellschaftliche Engagement.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Internetplattform \u201eNebenan.de\u201c hatte 2018 bereits 850.000 Nutzer \u2013 w\u00e4hrend der Pandemie wuchs sie auf 1, 5 Millionen und ist nun in allen Bundesl\u00e4ndern pr\u00e4sent. Um B\u00fcrgerbeteiligung zu organisieren, gen\u00fcgt es aber nicht, eine Plattform zu installieren \u2013 weder digital noch analog. Untersuchungen von Martina Wegner aus Freiburg zeigen, dass sich auf diese Weise immer nur die gleichen beteiligen: die hochengagierte Mittelschicht mit ihren eigenen Interessen. Wenn wir die beteiligen wollen, die ihre Rechte nicht selbstverst\u00e4ndlich wahrnehmen, sind intermedi\u00e4re Organisationen n\u00f6tig: Schulen, Kirchen, Wohlfahrtsverb\u00e4nde, Parteien. Genau die sind aber in den letzten Jahren auf dem R\u00fcckzug- von den Bezirksverwaltungen bis zu den Pfarreien.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem kleinen Bildband \u00fcber die Gemeinde Wickrath, zu der auch die abgebaggerten D\u00f6rfer geh\u00f6ren, von denen anfangs die Rede war, wird auch das Dorf Wanlo beschrieben. Dort &nbsp;habe ich ein Foto des kulturellen Zentrums entdeckt , wie die Bildunterschrift sagt. &nbsp;Die Kirche St: Martin, das Pfarrhaus und der katholische Kindergarten an der Dekan Janssen-Stra\u00dfe sind zu sehen. Tats\u00e4chlich sind die Kirchen bis heute der Dorfmittelpunkt, markante Orientierungspunkte, auf dem Land oft kilometerweit sichtbar. Die Kirche im Dorf ist sprichw\u00f6rtlich- und noch immer ist es ein Symbol, wenn eine Kirche wie in Immerath dem Erdboden gleich gemacht wird. Gerade in Zeiten der Verunsicherung ruhen Hoffnungen und Erwartungen auf den Kirchen. Das sehen wir an den Kirchenkuratorinnen und Orgelpaten, die daf\u00fcr sorgen, dass Dorfkirchen in Brandenburg, in Mitteldeutschland oder auch am Rand des Ruhrgebiets saniert werden \u2013 die Veranstaltungen planen und Kirchen offenhalten, auch wenn sie selbst gar nicht Mitglied sind oder l\u00e4ngst anderswo wohnen. Wenn es gut geht, werden aus solchen Kirchen Nachbarschaftszentren, Begegnungsorte, die Heimat geben. F\u00fcr die, die dort wohnen und f\u00fcr die, die neu dazu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Wickrath, dem Zentrum der ehemals 11 D\u00f6rfer, wurde Mitte der 80-er Jahre der Gemeindeladen gegr\u00fcndet- inspiriert von Ernst Langes Ladenkirche. Das Geheimnis seines Erfolgs: Die Besucher kommen aus allen Vierteln, aus allen Schichten- es sind Einheimische wie neu Zugezogene. Cafe und Bibliothek, Kleiderkammer, Sozialsprechstunde und Volkshochschulkurse sprechen ganz unterschiedliche Interessen an. Und auch die breite Vernetzung mit Einzelhandel, Sportvereinen, dem B\u00fcrgerb\u00fcro h\u00e4lt den Laden offen- genauso wie die vielen Engagierten, die gern einbringen, was sie k\u00f6nnen und weitergeben wollen. Als die Leiterin zum 25-j\u00e4hrigen Bestehen aus den Annalen des Ladens erz\u00e4hlte, wurde ein weiteres Geheimnis klar: der Laden war immer nah dran an den jeweiligen Bedarfen und Bed\u00fcrfnissen \u2013 von den Mutter-Kind-Gruppen der 80er Jahre \u00fcber die Schulkindermittagsbetreuung in den 90er Jahren bis zum Pflegeverein und schlie\u00dflich zum Treffpunkt von Gefl\u00fcchteten und Engagierten. Sie alle treffen sich zum Cafe, tauschen sich aus und entwickeln neue Ideen und Projekte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Land Schleswig-Holstein hat solche Erfahrungen mit dem Konzept der Markttreffs aufgenommen. Es fu\u00dft auf den vielen genossenschaftlichen Dorfl\u00e4den, die in den letzten 20 Jahren entstanden. Nun gibt es eine Chipkarte, die den Mitgliedern rund um die Uhr Zutritt verschafft \u2013 und viele Leitungen, die im Laden einen Treffpunkt, ein Bistro er\u00f6ffnet haben. Ab manchen Orten findet sich gleich neben eine Arztfiliale oder auch ein Fu\u00dfpflegedienst.&nbsp; Dorfladen plus Dienstleistung plus offener Treff, das ist das \u00e4u\u00dferst erfolgreiche Prinzip. Anderswo sind&nbsp; l\u00e4ndliche Co-Working-Spaces entstanden, immer h\u00e4ufiger mit Kinderbetreuung, die die notwendige Vereinbarkeit erm\u00f6glichen und auch entfernt von B\u00fcro in der Stadt ein Miteinander gestalten, das im Home- office fehlt.&nbsp; Solche Projekte leben von Verbundenheit in einer verwundbaren Gesellschaft \u2013 und schaffen gerade so Innovation.<\/p>\n\n\n\n<p>So entstehen neue Treffpunkte, neue Marktpl\u00e4tze vor Ort. Aber auch die traditionellen Marktpl\u00e4tze und die Kirchpl\u00e4tze werden neu entdeckt: als offene R\u00e4ume der Begegnung mit einem Flohmarkt, einer Telefonzelle zum Buchtausch, einem Caf\u00e9-Kiosk. Auch die Kirchenbank, die Ehrenamtliche auf den Marktplatz stellen, ist so ein Platz der Begegnung, ein Anker der Erinnerung an das Miteinander, \u00a0das \u00fcber die Familie hinausgeht. Und in einem Dorf in der Eifel hat eine K\u00fcnstlerin die B\u00e4nk for better Anderst\u00e4nding gebaut \u2013 eine Bank, die durch das Dorf wandert und zum Gespr\u00e4ch einl\u00e4dt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Sorgende Gemeinschaften<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch habe in der Corona-Zeit das Alleinsein als besondere Last empfunden, viel niederdr\u00fcckender als vorher. Ich versuche nun schon fast zwei Jahre, damit zu leben, und h\u00e4tte mich \u00fcber Interesse aus der Gemeinde gefreut\u201c, schrieb eine \u00e4ltere Freundin. \u201eDie \u201aKinderfamilien\u2018 leben verstreut in Deutschland. Mit \u201aFacetime\u2018 halten wir den sicht- und h\u00f6rbaren Kontakt, aber es bleibt Ersatz. Um Gemeinschaft zu erfahren, muss ich selbst aktiv sein: Einladen auf eine Tasse Kaffee auf dem Balkon. Telefonieren, mailen, Nachbarschaft pflegen.\u201c Seit sie Witwe ist, ist sie aktiv bei \u201eOmas gegen rechts\u201c, schickt regelm\u00e4\u00dfig Mails, nimmt an Webkonferenzen teil.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Befragung des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung zeigte sich:&nbsp; 83 Prozent von rund 1000 Befragten k\u00f6nnen sich vorstellen, einen Service-Roboter zu nutzen, wenn sie dadurch im Alter l\u00e4nger zu Hause leben k\u00f6nnten. Smart Homes k\u00f6nnen dabei helfen. Eine Elektronikfirma wirbt mit dem Slogan \u201e Das Zuhause, das sich k\u00fcmmert.\u201c Das trifft eine Sehnsucht. In der Quartiers- und Nachbarschaftsarbeit hat der \u201eK\u00fcmmerer\u201c Konjunktur. Denn letztlich besteht das Zuhause eben nicht nur aus&nbsp; vier W\u00e4nden; wichtig sind auch die Menschen, die ich kenne, die mich kennen &#8211; Menschen, die nach mir sehen, wenn ich frisch aus dem Krankenhaus entlassen bin. Die schauen, ob der Briefkasten geleert wird. Und fragen, ob sie etwas vom Discounter mitbringen k\u00f6nnen. \u201eIch will alt werden und sterben, wo ich dazu geh\u00f6re\u201c, hei\u00dft Klaus D\u00f6rners bekannte Kritik an der Heimunterbringung. Dabei ist klar: Es geht um mehr als die eigenen vier W\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<p>In schrumpfenden Regionen, wo die soziale Infrastruktur schwindet und kaum noch Haus\u00e4rzte zu finden sind, werden alte Versorgungsmodelle neu erprobt: technisch aufger\u00fcstete\u00a0 \u201eGemeindeschwestern\u201c,\u00a0 elektronisch verbunden mit der Arztpraxis, erm\u00f6glichen eine regelm\u00e4\u00dfige Begleitung der Patienten. \u201e Gemeindeschwestern\u201c: der Begriff weckt Erinnerungen an die Zeit der Diakonissen. Noch immer sehnen sich viele zur\u00fcck nach diesen Frauen, die Pflegende und Sozialarbeiterinnen, Netzwerkerinnen und Seelsorgerinnen in einer Person waren. Sie waren Quartiersmanagerinnen, lange bevor der Name erfunden wurde \u2013 und zugleich das lebendige Zeichen einer diakonischen Kirche.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Chart 14<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Corona lege&nbsp; offen, woran das Gemeinwesen schon l\u00e4nger erkrankt sei, meint Diana Kinnert.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> Sie hat eines der aktuellen B\u00fccher \u00fcber die neue Einsamkeit geschrieben. Die alten Strukturen der Begegnungen seien verbraucht, menschliche Beziehungen fl\u00fcchtig geworden. Der Weg hinaus, schreibt die britische Soziologin Noreena Hertz in ihrem Buch \u201e Das Zeitalter der Einsamkeit\u201c <a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> f\u00fchre nur \u00fcber wechselseitige Unterst\u00fctzung:\u201e Ma\u00dfgeblich ist, dass Menschen sich nicht nur umsorgt f\u00fchlen und umsorgt sind, sondern dass sie auch Gelegenheit haben, f\u00fcr andere zu sorgen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>In Witzenhausen bei Kassel wurde&nbsp; \u201eDich schickt der Himmel\u201c umgesetzt- &nbsp;ein Projekt mit Einkaufshilfen, f\u00fcr das sich die Ev. Gemeinde mit der Stadt, den Pfadfindern und dem Kreisjugendring zusammengeschlossen hat. So kamen innerhalb von drei Tagen \u00fcber 150 Ehrenamtliche und 230 Hilfesuchende zusammen. Solche \u201eSorgenetze\u201c wurden auch an vielen anderen Orten aufgebaut. Gemeinde, Ortsvereine und Kommune bilden den r\u00e4umlichen Zusammenhang, in dem sich soziales Miteinander entfalten kann. Es geht um wechselseitige Unterst\u00fctzung und die Bereitschaft, Verantwortung zu \u00fcbernehmen &#8211; f\u00fcr sich selbst, f\u00fcr andere und auch f\u00fcr die gesellschaftliche Entwicklung. Dabei bezieht sich die \u201eSorge\u201c auf das \u201e Dazwischen\u201c in der Beziehung, das gemeinschaftlichen Gewebe zwischen Menschen\u201c, wie Hanna Arendt sagt.&nbsp; Das Interesse aneinander, das in der Sorge sp\u00fcrbar wird, gilt dem ganzen Menschen- nicht nur dem Austausch von Waren und Leistungen. Aus diesem wechselseitigen Interesse, dem gemeinsamen Lernen und Wachsen, der Teilhabe am Schicksal aller, entsteht Gemeinschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei geht es keinesfalls um selbstvergessenen Altruismus. Wer sich engagiert, gewinnt zugleich neue Beziehungen und eigene Netzwerke, Lebensvertiefung und soziale Kompetenzen. Vor allem die jungen Alten tragen dazu bei, dass die Nachbarschaften lebendig und lebenswert bleiben. Oft bilden sie den Kern der \u201eSorgenden Gemeinschaften\u201c \u2013 sie k\u00f6nnen Zeit, aber auch Lebenserfahrung und vielf\u00e4ltige Kompetenzen zur Verf\u00fcgung stellen Als Ausbildungsmentoren, Lesepaten, Demenzbegleiter und Stadtteilm\u00fctter, an den Tafeln und in der Telefonseelsorge setzen sie sich ehrenamtlich f\u00fcr das Gemeinwesen ein- nicht zuletzt, weil sie mit dem Alter das Bewusstsein der eigenen Angewiesenheit und Verletzlichkeit w\u00e4chst. Es ist einfach notwendig, als B\u00fcrger da zu sein\u201c, sagt Annelie Keil, die sich mit Henning Scherf zusammen seit Jahren f\u00fcr neue Wohnprojekte und Nachbarschaftsarbeit \u00c4lterer engagiert. \u201eZivilgesellschaftliches Engagement ist kein Zuckerbrot, kein Nachtisch zu den Hauptmahlzeiten des Lebens nach dem Motto: Jetzt habe ich noch ein bisschen Zeit. Nein, die Notwendigkeit wird leibhaftig erlebt. Der Weg muss vom Einzelnen in die Gemeinschaft gehen. Und umgekehrt tue ich ja alles, was ich noch f\u00fcr die Gemeinschaft tue, im Wesentlichen f\u00fcr mich.<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn wir nicht allein bleiben und nicht nur privatisieren wollen\u201c, schreibt Lisa Frohn, in ihrem Twitter-Buch \u201eRan ans Alter\u201c, dann brauchen wir R\u00e4ume, wo wir hingehen k\u00f6nnen. Um andere zu treffen. Um uns auszutauschen. Um gemeinsam etwas zu tun. Um uns als gesellschaftliche Wesen zu erleben.\u201c In vielen Kirchengemeinden treffen sich \u00c4ltere einmal die Woche; da wird gemeinsam eingekauft, reihum gekocht, Rezepte werden ausgetauscht und Geschichten erz\u00e4hlt. Und wenn jemand fehlt, fragt eine andere nach. Auch in meiner Nachbargemeinde treffen sich alleinstehende Rentnerinnen zweimal die Woche am gemeinsamen Tisch. Der Austausch, der die Einsamkeit durchbricht, h\u00e4lt gesund; das hat k\u00fcrzlich das Einsamkeitsministerium in Gro\u00dfbritannien nachgewiesen. Und gut, wenn die Kirchengemeinde R\u00e4ume zur Verf\u00fcgung stellt. Denn bei den \u00fcber 70-j\u00e4hrigen ist der Anteil der Frauen, die einen F\u00fchrerschein besitzen, noch immer nicht so hoch wie in j\u00fcngeren Altersgruppen. Sie sind schnell in ihrem Bewegungsradius eingeschr\u00e4nkt, wenn der Auto fahrende Partner pflegebed\u00fcrftig wird oder stirbt. So gewinnt der Nahbereich zunehmende Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p>In vielen Gemeinden gibt es&nbsp; Erz\u00e4hlcaf\u00e9s und Biografiewerkst\u00e4tten. Und in G\u00fcltlingen macht man mobil: Stadtspazierg\u00e4nge mit Rollstuhl und Rollator beim W\u00e4gelestreff. In Kornwestheim ist sogar ein Begegnungscaf\u00e9 auf dem Friedhof entstanden- der Gemeindebus f\u00e4hrt zweimal die Woche hin.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs kann nicht als selbstverst\u00e4ndlich vorausgesetzt werden, dass die Selbstorganisation von B\u00fcrgern und B\u00fcrgerinnen, etwa in der organisierten Nachbarschaftshilfe, aber auch in Seniorengenossenschaften und in B\u00fcrgervereinen ohne Hilfe \u201evon au\u00dfen\u201c auskommt. Vielmehr ben\u00f6tigen solche Formen der Selbstorganisation in der Regel Anst\u00f6\u00dfe, F\u00f6rderung und Unterst\u00fctzung auch durch die Kommune\u201c, hei\u00dft es im 7.Altenbericht. Als \u201eSparmodell\u201c ist die aktive B\u00fcrgergesellschaft nicht geeignet Sabine Pleschberger von der Universit\u00e4t Graz untersucht informelle au\u00dferfamili\u00e4re Hilfen in der Pflege. Dabei zeigt sich: Der soziale Nahraum, der sich durch individuelle Hilfen, durch&nbsp; N\u00e4he, Freiwilligkeit, Wechselseitigkeit auszeichnet, braucht die Erg\u00e4nzung durch bedarfsorientierte, qualifizierte und organisierte Hilfesysteme. Entscheidend wird sein, beides in der je eigenen Dignit\u00e4t und Logik zu begreifen. Die F\u00f6rderung \u201eSorgender Gemeinschaften\u201c muss eingebettet sein in Sorgestrukturen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was das bedeutet, ist mir an einem ambulanten Pflegedienst in Th\u00fcringen deutlich geworden. Dort wurden\u00a0 Alltagshelferinnen eingestellt, die sich um Eink\u00e4ufe, K\u00fcche oder andere kleine Dienste k\u00fcmmern sollten. Dabei zeigte sich: Frauen aus der unmittelbaren Nachbarschaft wurden in der Regel nicht akzeptiert- man will sich nicht gegenseitig in die T\u00f6pfe schauen. Ein altes d\u00f6rfliches Gesetz. Deshalb war es wichtig, dass die Leitung die Eins\u00e4tze so moderierte, dass Menschen aus anderen Stra\u00dfen und Vierteln einsetzt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>We serve the local community<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWe serve the local community\u201c stand auf einem Plakat an einer Kirche in Wales .Dort waren die Kirchen \u00fcber lange Zeit w\u00e4hrend der gesamten Industrialisierung Versammlungsorte und Chorpl\u00e4tze f\u00fcr die walisische Gemeinschaft gewesen, die sich im Vereinigten K\u00f6nigreich nicht wirklich repr\u00e4sentiert f\u00fchlte. Und in diesem Geist arbeitet sie weiter: Menschen Raum und eine Stimme geben. Mit seinem Konzept vom dritten Sozialraum hat der G\u00fctersloher Psychiater Klaus D\u00f6rner seit vielen Jahren f\u00fcr eine neue Wertsch\u00e4tzung der Kirchengemeinden und f\u00fcr die Wiedervereinigung von diakonischer Professionalit\u00e4t und kirchengemeindlichem B\u00fcrgerengagement geworben. Kirchengemeinden, das ist die Hoffnung, k\u00f6nnten zum Entstehen von Caring Communities beitragen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAls Kirchengemeinde sind wir zugleich Teil der Gemeinschaft vor Ort, sind in Vereinen, auf dem Markt, in Gesch\u00e4ften unterwegs, stolpern \u00fcber dieselben Schwellen, beobachten wunderlich gewordene Nachbarn\u201c, sagt Annegret Zander.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal vergessen wir, wie viel Ressourcen die Kirche tats\u00e4chlich noch hat. Kirchengemeinden verf\u00fcgen \u00fcber Daten und lokales Wissen, \u00fcber ein Fr\u00fchwarnsystem f\u00fcr soziale Umbr\u00fcche.&nbsp; Sie k\u00f6nnen Ideenentwickler, Impulsgeber, Pioniere sein, Initiatoren von oder Beteiligte an den Netzwerkprozessen, verl\u00e4ssliche und kontinuierliche Kooperationspartner. Und sie verf\u00fcgen \u00fcber Immobilien, Geb\u00e4ude und Liegenschaften &#8211; ein immenses kulturelles Kapital, das oft nur noch als Belastung empfunden wird. Die entscheidende Frage ist, ob es gelingt, die Kirchen wieder in den Sozialraum zu \u00f6ffnen, vielleicht zuerst das Denken zu \u00f6ffnen &#8211; und dann die Zentren mit anderen Gruppen, Organisationen und Vereinen gemeinsam zu unterhalten<\/p>\n\n\n\n<p>Es lohnt sich, das eigene Kirchenzentrum einmal aus der Perspektive der Nachbarinnen und Nachbarn zu sehen und dabei ganz unterschiedliche Perspektiven einzunehmen. Eine New Yorker Journalistin hat ein ganzes Jahr lang jede Woche einen Stadtspaziergang mit einer fremden Person gemacht. Sie war unterwegs mit einer \u00e4lteren Dame mit Rollator, mit einem Architekten und mit einem zweij\u00e4hrigen Kind. Sie hat einen Blinden begleitet und einen Arzt, der ihren Blick f\u00fcr die Entgegenkommenden sch\u00e4rfte. Es geh\u00f6rt nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, wie sie ihr Quartier neu entdeckt. Inzwischen gibt es Gemeindegruppen, die sich genauso auf den Weg gemacht haben, den Sozialraum zu erkunden- mit Fotos, Filmen und Interviews. Das Amt f\u00fcr Gemeindedienst der Ev.-luth. Kirche in Bayern hat als Unterst\u00fctzung die \u201eFragetasche\u201c entwickelt, die dazu einl\u00e4dt, den nach den Interessen und der Arbeit anderer zu fragen und den Sozialraum als Gelegenheit f\u00fcr Beziehungen wahr zu nehmen. Das kann ganz klein anfangen- bei einem Spaziergang mit Neuzugezogenen oder mit \u00c4lteren. Oder mit einem \u201eMikroprojekt\u201c: Zwei Fragen auf einem Bierdeckel, der in alle H\u00e4user verteilt wird. \u201eWas halten Sie f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung im Stadtteil?\u201c \u201e Wie kann Kirche dabei helfen, eine gute L\u00f6sung zu finden\u201c? Hier und da gibt es inzwischen Stadtpl\u00e4ne, die von solchen Prozessen erz\u00e4hlen: Im Wickrather Gemeindeladen haben Ehrenamtliche an einem Stadtplan f\u00fcr \u00c4ltere gearbeitet \u2013 auch mit Blick auf Rollatoren und Rollst\u00fchle.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinden schauen wieder auf den Raum \u2013 auf die H\u00e4user und Nachbarschaften, die Bauvorhaben und die Verkehrsentwicklung. Wenn die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger bei der Planung Ausgangspunkt sind, dann werden Gemeinden sich nicht nur an Finanzstrategien orientieren, sondern an Aufgaben. \u201e Wir handeln bedarfsorientiert\u201c, sagt Peggy Mihan, die sich in Cottbus f\u00fcr die \u201eHaltestelle\u201c der Herrnhuter Br\u00fcdergemeinde engagiert hat. Ihr gehet es darum, den Blick von unten einzu\u00fcben, an der Seite der Nachbarn mit ihren Verletzungen und Lebensbr\u00fcchen. Erst einmal nur da sein und versuchen, heraus zu finden, was n\u00f6tig sein k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn Kirchengemeinden das WIR auch wirklich als WIR sehen \u2013 wenn sie ihr Dorf oder ihren Stadtteil meinen &#8211; dann&nbsp; ist ein erster Schritt getan\u201c&nbsp; sagt Peter Mei\u00dfner von der Initiative Gemeinwesendiakonie der Hannoverschen Landeskirche. \u201eWenn Gemeinden andere Akteure einladen und mit ihnen in den Austausch gehen, wenn sie fragen, was braucht dieser Ort und wie sind unsere Wahrnehmungen, dann kommt etwas in Bewegung. Wenn Kirchengemeinden sich auf die Haltung \u201eNicht f\u00fcr sondern mit den Menschen\u201c einlassen, dann zeigen sie, dass sie wirklich an den Lebenslagen vor Ort interessiert sind. So wie in Filsum in Ostfriesland. Da betreibt die Gemeinde seit kurzem eine Fahrradpumpstation mit einem Fahrradflickzeugautomaten. Hintergrund ist die Tatsache, dass es in Filsum \u00fcberhaupt keine Orte der Begegnung mehr&nbsp; gibt. Aber Filsum liegt an der Fehnroute, eine gro\u00dfe Zahl von Fahrradtouristen f\u00e4hrt durch den Ort. Die Pumpstation, verbunden mit einer Kl\u00f6nsnackbank, ist ein Anlaufpunkt f\u00fcr Einheimische und Touristen, um ins Gespr\u00e4ch zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNiemand kann auf sich allein gestellt das Leben meistern. [\u2026] Es braucht eine Gemeinschaft, die uns unterst\u00fctzt, die uns hilft und in der wir uns gegenseitig helfen, nach vorne zu schauen. Wie wichtig ist es, gemeinsam zu tr\u00e4umen! [\u2026] Allein steht man in der Gefahr der Illusion, die einen etwas sehen l\u00e4sst, was gar nicht da ist; zusammen jedoch entwickelt man Tr\u00e4ume.\u201c<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[4]<\/a>&nbsp;,&nbsp; (Franziskus, Fratelli tutti).<\/p>\n\n\n\n<p>Cornelia Coenen-Marx, Frankfurt, 22.9.22<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Kinnert 2021, S.50ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hertz 2021, S.41.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Scherf, Keil: Das letzte Tabu<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Papst Franziskus 2020b.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle D\u00f6rfer bleiben Ein Video auf Facebook hat mich nochmal hingebracht, in meine erste Gemeinde. 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