{"id":6926,"date":"2022-08-16T18:32:10","date_gmt":"2022-08-16T16:32:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=6926"},"modified":"2022-08-16T18:54:55","modified_gmt":"2022-08-16T16:54:55","slug":"%ef%bf%bcselbstsorge-fuersorge-mitsorge","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=6926","title":{"rendered":"Selbstsorge \u2013 F\u00fcrsorge \u2013 Mitsorge"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Die neue Care-Kultur in der hospizlichen Arbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>1.<\/strong> <strong>Das Gebot der Stunde- ein neuer Aufbruch?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Wahrheit, die Corona lehrt, macht ein f\u00fcr alle Mal deutlich: Niemand ist der Herr und Meister seines eigenen Lebens. Alle sind unaufl\u00f6slich eingebunden in ein umfassendes Netz des nat\u00fcrlichen und des sozialen Lebens, das wir weder mit unserem Narzissmus ignorieren noch mit unserem Egoismus dominieren k\u00f6nnen. Das Gebot der Stunde lautet: Interaktion, Solidarit\u00e4t, Miteinander.\u201c schrieb Christoph Quarch in einem seiner ersten Corona-Rundbriefe. \u201e<\/p>\n\n\n\n<p>In den ersten Monaten der Pandemie, als weil es weder Tests noch Impfungen gab und die Quarant\u00e4ne-Regeln unseren Alltag bestimmten, haben die meisten gesp\u00fcrt, wie sehr wir&nbsp; eingebunden sind in dieses Lebensnetz- sei es wegen der Ansteckungsgefahr durch das neue Virus, sei es wegen der Angewiesenheit auf Familie, Nachbar*innen, Kolleg*innen, aber auch auf die Infrastruktur vom Supermarkt \u00fcber Kita, Schule und Pflegedienste bis zu den \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln. Vor allem aber auf Solidarit\u00e4t und ein gutes Miteinander, auf Umarmungen, K\u00fcsse, Ber\u00fchrungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das World-Press-Foto des Jahres 2021 hat das illustriert. Es zeigt eine \u00e4ltere Frau, die von einer jungen umarmt wird \u2013 ihrer Tochter vielleicht, vielleicht auch ihrer Pflegerin. Beide tragen durchsichtige Plastikregenm\u00e4ntel als Schutz gegen das Virus; dabei sehen die \u00c4rmel der j\u00fcngeren aus, als seien es Engelsfl\u00fcgel.&nbsp; Angewiesenheit und Einsamkeit waren inzwischen zu einem gro\u00dfen Thema geworden. Das galt besonders f\u00fcr die Einrichtungen der Langzeitpflege, wo Pflegebed\u00fcrftige keinen Besuch mehr von Angeh\u00f6rigen und Ehrenamtlichen bekommen durften. Pflegekr\u00e4fte versuchten, die fehlende Zuwendung zu kompensieren und bildeten eine Notgemeinschaft untereinander wie mit den Bewohner*innen \u2013 oft auf Kosten der eigenen Gesundheit und Familie.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr als 50 Prozent der an Covid 19 Verstorbenen waren Heimbewohner. Sie starben ohne Ber\u00fchrung, ohne eine Hand, die sie hielt. Ohne die Begleitung, die wir seit Beginn der Hospizbewegung als guten Standard entwickelt haben. W\u00e4hrend des Lockdowns schien das alles zweitrangig.&nbsp; Die Debatte drehte sich um das nackte, das physische \u00dcberleben, um Intensivbetten und Beatmungssysteme. Nicht nur in Schweden entschieden \u00c4rzt*innen ohne R\u00fccksprache mit Angeh\u00f6rigen oder Betreuern ob ein Krankenhausaufenthalt mit Intensivbetreuung noch \u201elohnte\u201c; viele setzten stattdessen auf \u201ePalliativversorgung\u201c. Wegen der strikten Quarant\u00e4ne-Regeln sahen Angeh\u00f6rige ihre Sterbenden oft erst, wenn kein bewusster Kontakt mehr m\u00f6glich war. Sie blieben mit Trauer und Schuldgef\u00fchlen allein, zumal selbst noch die Bestattungen im kleinsten Kreis stattfanden oder auf l\u00e4ngere Sicht verschoben wurden. \u201eViel zu viele mussten um geliebten Menschen bangen\u201c, sagte Bundespr\u00e4sident Steinmeier bei der Gedenkveranstaltung am 18. April 2021. Und schon im Januar startete er eine bundesweite Kerzenaktion: \u201eDeutschland stellt ein Licht ins Fenster, weil jedes &#8218;Lichtfenster&#8216; uns miteinander verbindet\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Was lernen wir aus den Erfahrungen der Pandemie? Warum ist das Wissen aus der Hospizbewegung so schnell in Vergessenheit geraten? Wie denken wir heute \u00fcber die&nbsp; Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe, in denen so viele Vulnerable zusammenleben? Wie sehen wir die Rollen von Angeh\u00f6rigen, Freunden und Freundinnen und Ehrenamtlichen? Welchen Wohnformen, welchen Dienstleistungen geh\u00f6rt die Zukunft? <em>\u201e<\/em>Die Corona -Krise kann eine Chance sein, wenn die Gelegenheit genutzt wird, unsere Gesundheits-, Sozial- und Wohlfahrtssysteme und somit die Gesamtheit von Care-Arbeit gesellschaftlich solidarischer zu organisieren und zu finanzieren\u201c, schrieben Barbara Thiessen und andere 2020 in ihrem Thesenpapier \u201eCare macht mehr\u201c <a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. Caring Communities in der Single-Gesellschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch habe in den ersten Wochen der Corona-Zeit das Alleinsein als besondere Last empfunden\u201c, schrieb mir eine Freundin, die seit einiger Zeit Witwe ist., Die Last sei viel schwerer und niederdr\u00fcckender als vorher, dabei versuche sie schon&nbsp; fast zwei Jahre damit zu leben. \u201eIch habe vermisst, dass jemand mich umarmt oder die Hand gibt. Die \u201eKinderfamilien\u201c leben verstreut in Deutschland und der Schweiz. Mit neuen Formen wie \u201efacetime\u201c halten wir den sicht- und h\u00f6rbaren Kontakt, aber es bleibt Ersatz. Um Gemeinschaft zu erfahren, muss ich selbst aktiv sein und bleiben: Einladen auf eine Tasse Kaffee auf dem Balkon. Telefonieren, Mailen, Briefe schreiben. Nachbarschaft pflegen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr als 40 Prozent der \u00fcber 70-j\u00e4hrigen in Deutschland leben allein &#8211; und viele k\u00f6nnen nicht unmittelbar auf Familie, tragf\u00e4hige Freundschaften und Nachbarschaftsnetze zur\u00fcckgreifen .Nur ein Viertel hat Kinder am gleichen Ort. \u201eDie Hochbetagten, Dementen und Pflegebed\u00fcrftigen sind von zunehmender Exklusion betroffen und brauchen Unterst\u00fctzung, um auch weiterhin Teil der Gemeinschaft zu bleiben.\u201c&nbsp; Was k\u00f6nnen wir tun, um die Voraussetzungen f\u00fcr ein gutes, generationen\u00fcbergreifendes Nachbarschaftsnetz zu schaffen? Wie k\u00f6nnen wir verhindern, dass Menschen nur deswegen in station\u00e4re Einrichtungen ziehen, weil die Versorgung zu Hause nicht gew\u00e4hrleistet ist? Mehrgenerationenh\u00e4user und Seniorenwohngemeinschaften sind Schritte in diese Richtung, aber auch gemischte Qartiere und eine gute Infrastruktur geh\u00f6ren dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Immerhin 25 Prozent der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger engagieren sich informell in der nachbarschaftlichen Hilfe. Und Befragungen zeigen, dass wechselseitigen Unterst\u00fctzungsleistungen die Lebensqualit\u00e4t aller Beteiligten verbessern. Hilfe geben k\u00f6nnen und darauf vertrauen, dass ich selbst auch Hilfe bekomme, wenn ich sie brauche- das ist das Geheimnis. \u201eMa\u00dfgeblich ist, dass Menschen sich nicht nur umsorgt f\u00fchlen und umsorgt sind, sondern dass sie auch Gelegenheit haben, f\u00fcr andere zu sorgen\u201c, schreibt die britische Soziologin Noreena Hertz in ihrem Buch \u201eWege aus der Einsamkeit\u201c. Es ist eines der vielen Sach- und Fachb\u00fccher zum Thema, die in der Pandemie erschienen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIm Alter bekommen die K\u00f6rper eine andere Bedeutung &#8211; sie werden anf\u00e4lliger und zeigen Schw\u00e4che. Und das hei\u00dft auch, dass der Ort, an dem sich der K\u00f6rper befindet und die Umst\u00e4nde an diesem Ort wichtiger werden\u201c, schreibt Lisa Frohn in ihrem Twitter-Buch \u201eRan ans Alter\u201c. So tragen vor allem die jungen Alten dazu bei, dass die Nachbarschaften lebendig und lebenswert bleiben. Als Lesepat*innen, Demenzbegleiter*innen und Stadtteilm\u00fctter, an den Tafeln und in der Telefonseelsorge setzen sie sich ehrenamtlich f\u00fcr das Gemeinwesen ein. Zivilgesellschaftliches Engagement ist kein \u201e Zuckerbrot, kein Nachtisch zu den Hauptmahlzeiten des Lebens nach dem Motto: Jetzt habe ich noch ein bisschen Zeit. Nein, die Notwendigkeit wird leibhaftig erlebt \u2026 Der Weg muss vom Einzelnen in die Gemeinschaft gehen. Und umgekehrt tue ich ja alles, was ich noch f\u00fcr die Gemeinschaft tue, im Wesentlichen f\u00fcr mich\u201c, sagt die Gesundheitswissenschaftlerin Annelie Keil, die sich mit Henning Scherf gemeinsam f\u00fcr ein gelingendes Alter einsetzt.<a id=\"_ftnref2\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0\u00a0 Wer sich engagiert, gewinnt zugleich neue Beziehungen.\u00a0Selbstsorge und F\u00fcrsorge sind die beiden Seiten der \u201eMitsorge\u201c, der Mitverantwortung f\u00fcr das Ganze, von der die Philosophin Hannah Arendt gesprochen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eCaring Communitys\u201c sind seit einigen Jahren zum internationalen Leitbegriff geworden, wenn es darum geht, auf regionaler und lokaler Ebene Verantwortungsstrukturen neu zu beleben. F\u00fcr Menschen mit Behinderung, Kinder aus Armutsfamilien, f\u00fcr Demenzkranke oder f\u00fcr Sterbende, Care muss dabei&nbsp; nicht unbedingt mit Versorgung oder mit Behandlung \u00fcbersetzt werden. Care meint eine umfassende Sorge, das Leben und die Lebenszusammenh\u00e4nge in vulnerablen Situationen beziehungsreich aufrechtzuerhalten. Da zu sein. Raum zu geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitverantwortung war auch in der Pandemie gefragt. In Witzenhausen bei Kassel\u00a0 ist in dieser Zeit \u201eDich schickt der Himmel\u201c entstanden &#8211; ein Projekt mit Einkaufshilfen, f\u00fcr das sich die Ev. Gemeinde mit der Stadt, den Pfadfindern und dem Kreisjugendring zusammengeschlossen haben. Die gemeinsame Plattform, die da entstand, hat sicher zum Erfolg beigetragen. Hier konnte sich jeder zugeh\u00f6rig f\u00fchlen, der in Witzenhausen wohnt. Und innerhalb von drei Tagen kamen \u00fcber 150 Ehrenamtliche und 230 Hilfesuchende zusammen. Fast \u00fcberall gab es in dieser Zeit Einkaufshilfen oder Postkartenaktionen,\u00a0 Balkonch\u00f6re wurden gegr\u00fcndet und viele engagierten sich als Impfpaten. Mitarbeitende in Kurzarbeit gaben ihre Freizeit und unterst\u00fctzten Pflegende in den Einrichtungen. Viele Initiativen haben die Einrichtungen mit ihren Ideen\u00a0 kritisch begleitet\u00a0\u2013 im Unterschied zu den traditionellen, festen Gruppen waren sie nicht schon Teil des Systems.<\/p>\n\n\n\n<p>So hat sich das Ehrenamt w\u00e4hrend der Pandemie grundlegend ver\u00e4ndert: Traditionelle Gruppen wie die Gr\u00fcnen Damen und Herren, aber auch Hospizbegleiter*innen und ehrenamtliche Betreuer*innen fehlten pl\u00f6tzlich, weil sie \u2013 wie die Angeh\u00f6rigen \u2013 die Einrichtung nicht mehr betreten durften. Da viele \u00e4lter als 60 waren, kam die eigene Vulnerabilit\u00e4t erschwerend hinzu. Ganz \u00e4hnlich war es mit den Besuchsdienstgruppen im Quartier. Manche kn\u00fcpften\u00a0 nun telefonische Verabredungen von der Seelsorge bis hin zur Telefonkonferenz. Die Diakonischen Werke im Rheinland und in Hessen haben dazu eine eigene Arbeitshilfe herausgegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend sich das traditionelle Ehrenamt zur\u00fcckzog, entstanden\u00a0 in der Nachbarschaft neue, spontane Initiativen. Das Ehrenamt wurde nun auch in der Altenhilfe projektorientierter, digitaler \u2013 so wie es die Forschung seit langem f\u00fcr andere Bereiche beschrieben hat. Einrichtungen und Gemeinden werden sich darauf einstellen m\u00fcssen, zumal einige \u00c4ltere aus Besuchsdiensten oder Hospizarbeit w\u00e4hrend der Pandemie gesp\u00fcrt haben, dass sie l\u00e4ngst an der eigenen Belastungsgrenze arbeiteten. Damit haben Zielvereinbarungen, Supervision und Fortbildungsangebote aber auch Dankesch\u00f6n-Tage und Abschiede noch einmal an Bedeutung gewonnen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eEs kann nicht als selbstverst\u00e4ndlich vorausgesetzt werden, dass die Selbstorganisation von B\u00fcrgern und B\u00fcrgerinnen in der organisierten Nachbarschaftshilfe, aber auch in Seniorengenossenschaften und in B\u00fcrgervereinen ohne Hilfe \u201avon au\u00dfen\u2018 auskommt\u201c, hei\u00dft es im 7. Altenbericht der Bundesregierung. Caring Communities leben von der Kooperation zwischen professionellen Diensten und pers\u00f6nlichen Kontakten. Das informelle Miteinander in der Nachbarschaft oder im Ehrenamt lebt von Wechselseitigkeit und N\u00e4he. Permanente Verf\u00fcgbarkeit auch am Wochenende kann es aber nicht leisten. Umgekehrt werden professionelle, verl\u00e4ssliche Hilfsorganisationen nie die pers\u00f6nliche Qualit\u00e4t entwickeln k\u00f6nnen, die wir aus Freundschaft und Nachbarschaft kennen- selbst wenn sie, wie die Pflegenden in der Pandemie, alles geben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. Begleitung oder Dienstleistung \u2013 in Charons Boot<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hat die Corona-Krise mit den t\u00e4glichen Todeszahlen unseren Blick auf das Sterben ver\u00e4ndert, haben wir uns ge\u00f6ffnet f\u00fcr die alten Fragen, eine neue Tiefe entdeckt ? Ist uns klar geworden, wie entscheidend es ist, Isolation und Einsamkeit zu \u00fcberwinden, Angeh\u00f6rigen die \u00c4ngste zu nehmen, Pflegende zu unterst\u00fctzen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ein antiker Mythos erz\u00e4hlt von Charon, der die Toten im Boot \u00fcber den Styx brachte \u2013 den Fluss, der das Reich der Lebenden vom Totenreich, dem Hades, trennte. Die \u00dcberfahrt musste mit einer M\u00fcnze, dem Obolus, bezahlt werden, der den Toten unter die Zunge gelegt wurde. Wir brauchen \u201eF\u00e4hrleute\u201c, die sich auskennen mit dem Tod und den Weg hin\u00fcber weisen k\u00f6nnen- \u00c4rzt*innen, Pflegende und Pfarrpersonen , aber auch ehrenamtliche Begleiter*innen. Wenn mit dem traditionellen Wissen die alten Rituale verloren gehen- wie finden wir dann die Boote und wie sieht es aus mit den Kosten f\u00fcr die \u00dcberfahrt?<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSie sind wichtig, weil Sie eben Sie sind. Sie sind bis zum letzten Augenblick Ihres Lebens wichtig, und wir werden alles tun, damit Sie nicht nur in Frieden sterben, sondern auch bis zuletzt leben k\u00f6nnen.\u201c Das Versprechen der Hospizbewegung, wie es die Gr\u00fcnderin Cicely Sounders formuliert hat, konnte in der Pandemie oft nicht eingel\u00f6st werden. Was das f\u00fcr die Beziehungen \u2013 auch in der Seelsorge \u2013 bedeutet, ist noch nicht aufgearbeitet. Tats\u00e4chlich ist hier ein doppeltes Versprechen formuliert: Das Ja zu Selbstbestimmung, Selbstsorge und je eigener W\u00fcrde. Und das Ja zum unbedingten Wert des Lebens, zu Mitsorge und Solidarit\u00e4t.\u00a0 Die Erfahrungen der Pandemie zeigen sehr deutlich: Es braucht gute Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen, in ambulanter Pflege, Kirche und Quartier, um beides zu leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis in die 50er Jahre lebten Kranke und Sterbende\u00a0 \u201enebenan im Quartier\u201c. Gemeindeschwestern und Nachbar*innen unterst\u00fctzten die Pflegebed\u00fcrftigen und Pflegenden. Regelm\u00e4\u00dfig war zu sehen, wenn jemand gestorben war. Die Glocken l\u00e4uteten, die Trauerz\u00fcge zogen von der Kirche zum Friedhof, die Autos hielten selbstverst\u00e4ndlich an, die Jungs blieben stehen und zogen die M\u00fctze ab. Das alles ist aus unseren Nachbarschaften verschwunden. Nur die Notarztwagen sind jetzt h\u00e4ufiger zu h\u00f6ren. Aber k\u00fcrzlich wagte ein Pfarrer mit einer Konfirmandengruppe etwas Neues: Sie verabredeten sich mit einem Bestatter , liehen einen Sarg aus und inszenierten noch einmal einen\u00a0Trauerzug- vom Beerdigungsinstitut zur Kirche. Und wieder blieben Menschen stehen \u2013 irritiert, fragend. Der Tod kam zur\u00fcck in die Nachbarschaft. Ein aufr\u00fcttelndes Erlebnis, auch f\u00fcr die Konfirmandinnen und Konfirmanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben dem medizinisch-technischen Fortschritt spielt die Ver\u00e4nderung in Familien und Gesellschaft eine entscheidende Rolle f\u00fcr die Ver\u00e4nderungsprozesse: Die selbstverst\u00e4ndliche Teilnahme von Frauen an der Erwerbsgesellschaft, die zunehmende Mobilit\u00e4t, der demographische Wandel. Das alles ist nicht neu;\u00a0 die Nachkriegszeit mit der \u201eHausfrauenehe\u201c war eher die Ausnahmesituation. Schon im 19. Jahrhundert wurden Pflegeeinrichtungen gegr\u00fcndet; sie sollten die Versorgung bieten, die die Familien nicht mehr leisten konnten, seit mit der Industrialisierung Mobilit\u00e4t und Frauenerwerbst\u00e4tigkeit zunahm. \u00a0Was vor allem den Angeh\u00f6rigen die Sicherheit gab, dass ihre Pflegebed\u00fcrftigen gut versorgt waren, erleben Betroffene gerade heute auch als Verlust an Autonomie und Teilhabe.\u00a0Vielen ,die w\u00e4hrend der Pandemie \u00fcber Wochen allein auf ihrem Zimmer bleiben mussten, f\u00fchlten sich eingesperrt. Ihre gesundheitliche Verfassung verschlechterte sich erheblich. Dabei h\u00e4tte manchmal vielleicht ein I-Pad auf dem Zimmer gereicht, um Kontakte zu halten, geliebte Menschen zu sehen; aber die technische Ausstattung der Pflegeeinrichtungen steht noch lange nicht im Focus.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht um die St\u00e4rkung von Selbstbestimmung und Teilhabe \u2013 in den Einrichtungen&nbsp; wie in den Quartieren. Und beides sollten keine abgeschlossenen Welten sein; vielmehr geht es um die \u00d6ffnung der Heime in die Nachbarschaft, um die selbstverst\u00e4ndliche Zusammenarbeit zwischen Angeh\u00f6rigen, Nachbarschaftshilfen, Sorgenden Gemeinschaften, Betreutem Wohnen, ambulanter Pflege, Kurzzeitpflege und station\u00e4ren Angeboten im Sinne einer integrierten Versorgung. Auch das ist nicht neu- schon vor 30 Jahren wurden Modelle der integrierten Versorgung erprobt \u2013 aber die \u201eVers\u00e4ulung\u201c unseres Gesundheitssystems und die Vielfalt der Kassen macht es nach wie vor, Grenzen zu \u00fcberschreiten. Ein Schritt in die richtige Richtung ist das niederl\u00e4ndische Buurtzorg -Modell, das aber auch aus diesen Gr\u00fcnden in Deutschland schwer umzusetzen ist. Hier stehen Selbstsorge und informelle Netzwerke im Mittelpunkt und das Pflegeteam ist dar\u00fcber hinaus mit anderen Diensten im Quartier vernetzt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Grafik_02.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"719\" src=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Grafik_02-1024x719.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-6929\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Grafik_02-1024x719.png 1024w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Grafik_02-300x211.png 300w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Grafik_02-768x539.png 768w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Grafik_02.png 1081w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Nicht nur in der ambulanten Pflege, auch in den Pflegeeinrichtungen m\u00fcssen alle Beteiligten, beruflich wie freiwillig T\u00e4tige, in die Prozesse einbezogen sein. Notwendig sind externe wie interne Fortbildungsprogramme \u2013 z.B. zu Demenzerkrankungen oder zur hospizlichen Arbeit \u2013 f\u00fcr alle, die mit Bewohnerinnen und Bewohnern in Kontakt sind , f\u00fcr Reinigungskr\u00e4fte, Pflegende, Sozialarbeiter*innen, Angeh\u00f6rige und Ehrenamtliche. Es geht darum, eine gemeinsame Kultur zu entwickeln, in der alle Beteiligten Handlungssicherheit finden. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen die das Palliativnetzwerk in der Region gest\u00e4rkt und weiterentwickelt werden. Zurzeit sind die Beteiligten schon dankbar, wenn Fachberatung in einer Teilzeitstelle zur Verf\u00fcgung steht. Notwendig sind regelm\u00e4\u00dfige Information und virtuelle Vernetzung, aber auch pers\u00f6nliche und Vertrauen schaffende Begegnungen und damit die F\u00f6rderung einer Kommunikation auf Augenh\u00f6he zwischen Einrichtungen, Haus- Fach- und Not\u00e4rzten, Krankenh\u00e4usern und ambulanten Diensten, Hospizbewegung und Angeh\u00f6rigengruppen. Noch immer wird im Schnitt jede vierte Bewohne*rin eines Pflegeheims zum Sterben in ein Krankenhaus \u00fcberwiesen- fast immer aus Unsicherheit oder \u00dcberlastung. Es gibt aber auch Einrichtungen, in denen das bei weniger als 10 Prozent der Bewohner\u2018innen der Fall ist; das sind die, die die sich auf eine gute Kooperation im Palliativnetzwerk verlassen k\u00f6nnen. Der Tod ist der Enteignung durch Experten zum Opfer gefallen \u2013 auch, weil wir uns unsicher f\u00fchlen und froh sind, wenn wir die Dilemmata an Expert*innen abgeben k\u00f6nnen. Das kann sich \u00e4ndern, wenn Unsicherheiten und \u00c4ngste nicht l\u00e4nger tabuisiert werden m\u00fcssen. Deshalb ist es wesentlich, dass die Ohnmachts- und \u00dcberlastungserfahrungen w\u00e4hrend der Pandemie thematisiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4. In Grenzsituationen-&nbsp; N\u00e4chstenliebe und assistierter Suizid<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Denn es kommt ja eine weitere Herausforderung auf uns zu: Nach der Aufhebung des \u00a7 217 StGB zur Sterbehilfe durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26.2.20 braucht es eine neu gesetzliche Grundlage, \u00fcber die der Bundestag bereits anhand konkreter Gesetzentw\u00fcrfe debattiert. Klar ist: \u201egesch\u00e4ftliche \u201eSterbehilfeorganisationen\u201c sind nun auch in Deutschland nicht mehr verboten. Aber auch \u00c4rzt*innen\u00a0 werden \u00f6fter mit der Erwartung konfrontiert sein, Sterbewillige zu unterst\u00fctzen. Was bedeutet das f\u00fcr Pflegende, f\u00fcr Angeh\u00f6rige und Ehrenamtliche? Besteht die Gefahr, dass nun auch Sterben und Tod zur Dienstleistung wird \u2013 nach Qualit\u00e4tsstandards normiert und entsprechend abrechenbar? In einem Gesundheitssystem, das durch Wettbewerb am Markt, durch Kennzahlen und DRGs gesteuert wird, ist mit wachsenden medizinischen M\u00f6glichkeiten l\u00e4ngst auch das Sterben in den Sog standardisierter Versicherungsleistungen geraten \u2013 bis hin zur vorgesehenen durchschnittlichen Sterbezeit. Die Sorge, dass der Umgang mit dem Sterben unter einen \u00e4hnlichen Druck ger\u00e4t wie der mit Schwangerschaften und Geburten , ist deshalb nicht von der Hand zu weisen . Die Debatten um die\u00a0 Pr\u00e4nataldiagnostik und deren Finanzierung sind nur ein Beispiel daf\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>Manche f\u00fcrchten, dass\u00a0 die\u00a0 M\u00f6glichkeit der Suizidassistenz auch als \u201eAufforderung\u201c begriffen werden k\u00f6nnte, anderen \u201enicht zur Last\u201c zu fallen \u2013 oder als Erlaubnis, sich von den \u201eLasten\u201c einer alternden Gesellschaft zu befreien. Ob und wie der Schutz der Vulnerablen gelingen k\u00f6nnte, ohne den Alltag der Mehrheit zu gef\u00e4hrden, war ja schon w\u00e4hrend der Pandemie immer wieder Thema. In einer gemeinsamen Stellungnahme kurz nach Erscheinen des BVG-Urteil unterstrichen EKD und DBK deshalb einmal mehr die Notwendigkeit, Palliativversorgung und Hospizarbeit weiter zu f\u00f6rdern und auszubauen. Den assistierten Suizid in den Einrichtungen von Diakonie und Caritas lehnten sie ab: \u201eDas Erm\u00f6glichen von Angeboten des assistierten Suizids in diesen Einrichtungen w\u00e4re mit dem Wesenskern unseres Einsatzes f\u00fcr das Leben nicht vereinbar\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schlugen\u00a0 die Theolog*innen Reiner Anselm, Isolde Karle und Ulrich Lilie am 11.1.2021 vor,\u00a0 einen professionellen assistierten\u00a0 Suizid \u00a0auch in kirchlichen Einrichtungen zu erm\u00f6glichen. Die Kirchen sollten \u00fcberlegen, \u201ewie sie den vom Bundesverfassungsgericht gegebenen Spielraum nutzen wollen, um Suizide m\u00f6glichst zu verhindern und gleichzeitig eine Suizidhilfe in gut begr\u00fcndeten Einzelf\u00e4llen zu erm\u00f6glichen\u201c.\u00a0 Entscheidend ist aus ihrer Sicht, \u201edass wir respektieren und akzeptieren k\u00f6nnen, dass auch unter guten palliativen Bedingungen Menschen in eine Lage kommen k\u00f6nnen, in der sie sagen: &#8218;Es ist genug&#8217;\u201c. In solchen Situationen k\u00f6nne es \u201eein Akt christlicher N\u00e4chstenliebe sein, den Sterbewunsch anzuerkennen \u2013 und zwar auch dann, wenn man die Situation anders einsch\u00e4tzt\u201c. Zugleich m\u00fcsse der assistierte Suizid die Ausnahme bleiben. \u201eDen Autor*innen ging es\u00a0 um individuelle Grenzsituationen, nicht um ein &#8218;Regelangebot&#8216; f\u00fcr alle, die des Lebens m\u00fcde sind.\u201c\u00a0 Die Kirchen d\u00fcrften aber sich diesen \u201ekomplexen und schwierigen Fragen nicht vorschnell durch moralische Prinzipientreue oder unter Verweis auf den Fortschritt der palliativen Medizin und Pflege entziehen\u201c, schrieben sie.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie k\u00f6nnte ein assistierter Suizid im kirchlichen Kontext \u00fcberhaupt aussehen?\u201c, wurde Isolde Karle am 1.2. 2021 in einem Spiegel-Interview gefragt.&nbsp; M\u00fcsste es eine verpflichtende Beratung geben wie etwa bei Abtreibungen? \u201eEs k\u00f6nnte eine&nbsp; seelsorgliche Begleitung geben. Mindestens zwei \u00c4rzte oder \u00c4rztinnen sollten das Begehren pr\u00fcfen, um Fremdbestimmung oder mangelnde Urteilsf\u00e4higkeit bei psychischen Erkrankungen und Demenz auszuschlie\u00dfen. Ein assistierter Suizid ist in der Praxis ein absoluter Grenz- und Ausnahmefall. Aber f\u00fcr den Ausnahmefall muss es klare Regeln geben. Davon w\u00fcrde auch das Arzt-Patienten-Verh\u00e4ltnis profitieren. Dann k\u00f6nnten beide offen und vertrauensvoll \u00fcber Sorgen, \u00c4ngste und Sterbew\u00fcnsche reden und diese \u00fcberwinden. Bislang haben \u00c4rztinnen und \u00c4rzte oft Angst davor, weil keine Rechtssicherheit gegeben ist\u201c, so Isolde Karle.<\/p>\n\n\n\n<p>In jedem Fall geht es darum, gewachsene Beziehungen zu sch\u00fctzen- zu \u00c4rztinnen und \u00c4rzten, zu Pflegenden und Seelsorgepersonen und zu Angeh\u00f6rigen. \u201eDie Kirchen in der Schweiz, die schon lange mit Sterbehilfeorganisationen leben\u201c so Karle, \u201eversuchen, Suizidwillige aus der Isolation zu holen und das Gespr\u00e4ch mit den Angeh\u00f6rigen, das oft kompliziert geworden ist, wieder in Gang zu bringen. F\u00fcr Familie und Freunde ist es oft schwer, mit einem Suizidwunsch klarzukommen. Manche haben Schuldgef\u00fchle, sind verletzt oder zornig. Gespr\u00e4chsangebote k\u00f6nnen helfen \u2013\u00a0und f\u00fchren manchmal sogar zu einer Revision des Suizidwunsches. Niemanden allein lassen \u2013 darum geht es. Deshalb, meinen\u00a0 Anselm, Karle und Lilie, sollten Einrichtungen auch denen verbunden bleiben, die trotz intensiver, zugewandter Seelsorge und hospizlicher Begleitung einen dauernden Sterbewunsch haben und am Ende den assistierten Suizid w\u00fcnschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Verbundenheit\u00a0 geht \u00fcber das Gespr\u00e4ch mit den Lebenden hinaus \u2013 in der Verbundenheit mit \u201eunseren Toten\u201c, die unsere Haltungen gepr\u00e4gt haben, f\u00fcr die wir ein Leben bei Gott erhoffen. Friedh\u00f6fe, Gedenk- und Erinnerungsorte erz\u00e4hlen davon. Pflegeeinrichtungen, Krankenhauskapellen und Hospize k\u00f6nnen daf\u00fcr\u00a0Raum geben. Sie sind zugleich Orte der Gemeinschaft und der F\u00fcrbitte. F\u00fcr die Sterbenden, die Trauernden und auch alle, die mit ihren Sterbew\u00fcnschen nicht zurechtkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem in Kliniken und Hospizen, aber auch in den Einrichtungen und in der ambulanten Pflege sind Pflegende von den neuen Erwartungen an \u00c4rztinnen und \u00c4rzte mitbetroffen. Dabei geh\u00f6rt es ja zur Pflege, sich ganz auf die einzelnen Menschen in ihrer Angewiesenheit einzulassen \u2013 mit ihren Schmerzen, \u00c4ngsten und widerspr\u00fcchlichen Gef\u00fchlen- und ihnen die eigene W\u00fcrde widerzuspiegeln. \u201ePflegende versuchen bis zur Grenze der Selbstausbeutung diesen Kern ihrer Profession zu bewahren \u2013 unweigerlich zerrieben von der moralischen Dissonanz, die ihnen das Gesundheitssystem auferlegt\u201c, hat Giovanni Maio geschrieben.<a id=\"_ftnref3\" href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> In einer Umfrage haben 92 Prozent der befragten \u00c4rztinnen, \u00c4rzte und Pflegende angegeben, dass sie den Eindruck hatten, Leid zu erzeugten, w\u00e4hrend sie Menschen helfen wollten. Noch kurz vor dem Ende gaben sie Sondennahrung, mobilisierten, beatmeten \u2013 immer mit dem Gef\u00fchl, gegen die Interessen der Patient*innen zu handeln. Eine der h\u00e4ufigsten Sorgen, die Patient*innen ihnen anvertrauen ,ist,\u00a0nur noch zur Last zu fallen. Wenn ich nur noch Last bin, sagen sie, dann will ich lieber sterben. \u201eWie wir Krankenpflege betreiben, daran wird unser Christenstand offenbar\u201c, hei\u00dft es in dem alten Diakonissenbuch des Kaiserswerther Verbandes. \u201eWas macht es doch f\u00fcr einen Unterschied aus, ob jemand im Kranken einen \u201e Fall\u201c sieht oder von \u201eKrankenmaterial\u201c redet, oder ob er im Kranken einen Stellvertreter Christi sieht\u201c. Hier ist in alter Sprache gesagt, wonach sich viele Pflegende wie Angeh\u00f6rige sehnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Menschen sich gesehen und respektiert f\u00fchlen sollen \u2013 auch\u00a0 mit ihren Sterbew\u00fcnschen \u2013 dann braucht es Offenheit, auch im Gespr\u00e4ch zwischen den Professionen. Erst im offenen Gespr\u00e4ch kann uns bewusstwerden, dass die meisten verschiedene Rollen in sich tragen: Neben der fachlichen Rolle die eigene Erfahrung als Tochter, Sohn, Angeh\u00f6rige. Die Erfahrung mit eigenen schweren Krankheiten. Im offenen, am\u00a0besten im supervidierten Gespr\u00e4ch miteinander k\u00f6nnen unterschiedliche ethische Standpunkte zur Sprache kommen und ausgehalten werden \u2013 auch zum assistierten Suizid und dem Umgang damit in der Einrichtung.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die einen n\u00e4mlich den \u201eDammbruch\u201c f\u00fcrchten, wenn die erste Ausnahme zugelassen und bekannt wird, k\u00f6nnen sich andere nicht vorstellen, dass Sterbende die Einrichtung verlassen m\u00fcssen, weil sie Sterbehilfe w\u00fcnschen. Die pers\u00f6nliche Haltung zu diesen grundlegenden Fragen ist nicht nur durch professionelle ethische Prinzipien, sondern auch durch existentielle Erfahrungen gepr\u00e4gt. Im H\u00f6ren aufeinander entstehen im besten Fall tragf\u00e4hige Sorgenetze von Angeh\u00f6rigen, Freunden, Pflegenden und \u00c4rzt*innen rund um die Sterbenden, in denen sich Sterbende geh\u00f6rt und gesehen wissen. Immer wieder erlebe ich: Wer Erfahrungen mit ethischer Beratung hat, w\u00fcnscht sich deutlich mehr Angebote von Tr\u00e4gern und Verb\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie zu Beginn der Hospizbewegung l\u00e4uft auch heute\u00a0 alles auf die Frage hinaus, ob wir Orte schaffen k\u00f6nnen, an denen man auf die Bed\u00fcrfnisse der Patient*innen als Bed\u00fcrfnisse ganzer Menschen h\u00f6rt- einen Raum, wo Menschen Respekt erfahren, wo ihre W\u00fcrde gewahrt wird.\u00a0Dazu geh\u00f6ren enge pers\u00f6nliche Kontakte zu Familien, Freunden und Nachbarn, die Beratung und Entlastung durch professionelle Pflege und Medizin, die Verwirklichung \u00e4sthetischer, kultureller und spiritueller Bed\u00fcrfnisse. Damit ist nicht entschieden und l\u00e4sst sich nicht grunds\u00e4tzlich entscheiden, welcher Ort f\u00fcr die jeweilige Person der Beste ist. Auch wenn Corona gezeigt hat, dass die gro\u00dfen Langzeitpflegeeinrichtungen am st\u00e4rksten gef\u00e4hrdet waren \u2013 die Probleme sind \u00a0nicht gel\u00f6st, wenn wir Pflege und Versorgung st\u00e4rker ambulantisieren und ins Quartier bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Entscheidend sind die Verwirklichung der eigenen ethischen Werte und das Ernstnehmen der Selbstsorge. Annelie Keil spricht in dem Buch \u201eDas letzte Tabu\u201c von \u201epalliativer Selbstsorge\u201c: \u201eSich der eigenen Lebenserfahrungen bewusst zu werden, sich im Sterben zusammen mit Menschen, die einem wichtig sind, dem Gelebten wie dem Ungelebten zuzuwenden, das ist die palliative Selbstsorge, die wir brauchen, um in W\u00fcrde Abschied zu nehmen.\u201c Auf uns selbst zu achten, uns selbst ernst zu nehmen auch mit unseren Schmerzen, es uns gut gehen lassen auch in schwierigen Zeiten \u2013 das m\u00fcssen wir ein Leben lang \u00fcben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>5.<\/strong> <strong>Das letzte Tabu \u2013 die Dinge ansprechen und in Ordnung bringen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist erst wenige Jahre her, dass Annelie Keil und Hennig Scherf ihr Buch \u201eDas letzte Tabu\u201c herausgaben. Ich war damals \u2013 40 Jahre nach Beginn der Hopizbewegung \u2013 erstaunt, dass die beiden den Tod noch immer als Tabu bezeichneten. Heute, nach Corona, verstehe ich sie besser. In diesem Buch hei\u00dft es:\u00a0\u201eDer Tod ist in jeder Hinsicht unberechenbar und unvorhersehbar. Er verlangt inmitten der jeweils besonderen Situation die Bereitschaft, sich dem Geschehen offen zu stellen.\u201c <a id=\"_ftnref4\" href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> Welche Herausforderung das ist, haben wir w\u00e4hrend der Pandemie erlebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch das Thema assistierter Suizid l\u00e4sst sich nicht abgel\u00f6st von den gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen\u00a0 bedenken. Die neoliberale Gesellschaft suggeriert eine Planbarkeit, die existenzielle Fragen wie Trost, Verzweiflung, Hoffnung ausklammert\u201c, schreiben Andreas Heller und Reimer Gronemeyer in ihrem Buch \u201eAssistierter Suizid\u201c.\u00a0\u201eEs geh\u00f6rt zu den Eigenarten der Debatte, dass sie individualistisch orientiert ist.\u201c Deshalb ist es n\u00f6tig, die Debatte auf eine breite Grundlage zu stellen, das Thema aus der Tabuzone herauszuholen und \u00fcber die gesellschaftlichen wie pers\u00f6nlichen Bedingungen des Sterbens in unserer Zeit \u00f6ffentlich wie privat zu sprechen.\u00a0\u00dcber ein Geschehen, das die meisten erst dann erleben, wenn nahe Angeh\u00f6rige betroffen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schriftstellerin Gabriele von Armin hat ihren Mann nach einem Schlaganfall zehn Jahre gepflegt- obwohl sie ihn eigentlich hatte verlassen wollen. \u201eIch habe oft nachtr\u00e4glich, manchmal auch schon damals gedacht: Warum tue ich das eigentlich alles? Tue ich es f\u00fcr ihn oder f\u00fcr mich? Will ich, dass es ihm gut geht oder mir?\u201c Sie holte sich nicht nur die Hilfe einer privaten Pflegerin, sondern begab sich auch in Therapie, um sich selbst und ihrer Ehe noch einmal auf die Spur zu kommen. F\u00fcrsorge ohne Selbstsorge und Mitsorge l\u00e4sst sich nicht lange durchhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAls er krank wurde und krank blieb, wurde es hohe Zeit f\u00fcr sie, nach dem Kind zu schauen\u201c, schreibt sie in ihrem Buch \u201eDas Leben ist ein vor\u00fcbergehender Zustand\u201c. Sie hatte das Kind dort liegen lassen in seiner Not, seiner Traurigkeit, seinem Z\u00e4rtlichkeitshunger, seinem Alleinsein. Hatte es nicht aufgenommen bei sich, um es nachtr\u00e4glich zu erl\u00f6sen. Den freundlichen Blick auf Menschen hatte sie dort, wo sie herkam, nicht gelernt. Auch nicht den freundlichen Blick auf sich. Den sie jetzt so braucht. In der n\u00e4chsten Krankheit. Seiner Krankheit. Den freundlichen Blick auf ihn und auf sich. Und den Mut, Verwundbarkeit zuzulassen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wie lernen wir mit dem Tod umzugehen? Wie f\u00fchlt sich das Sterben an und was passiert danach? In j\u00fcngster Zeit sind viele B\u00fccher und Filme zu diesen Themen erschienen. Aber noch immer w\u00fcrden wir kaum bei einem gemeinsamen Abend mit Freunden dar\u00fcber sprechen. Dabei&nbsp; geht es nicht nur um die Dinge, die wir nicht m\u00f6chten, die unterlassen werden sollen, Dinge, die wir in der Patientenverf\u00fcgung regeln k\u00f6nnen&nbsp; \u2013 es geht vor allem darum, was wir uns w\u00fcnschen. Gerade wenn wir nicht mehr sprachf\u00e4hig sind, ist es f\u00fcr die Pflegenden und Behandelnden sehr hilfreich, wenn sie um Vorlieben und W\u00fcnsche wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDiese Wochen waren die intensivsten in unserem gemeinsamen Leben \u2013 es war eine gute und wertvolle Zeit\u201c, k\u00f6nnen manche im R\u00fcckblick sagen. Mit einem offenen Umgang mit \u00c4ngsten, mit fachkundiger Symptomkontrolle, mit Zuwendung, Sicherheit und respektvoller Pflege k\u00f6nnen wir erleben, dass Angst, Schrecken und der Wunsch nach Sterbehilfe oder Suizid kein Thema mehr sind oder jedenfalls zur\u00fccktreten. Damit das gelingen kann, brauchen Angeh\u00f6rige professionelle Unterst\u00fctzung \u2013 und sie brauchen Zeit. Zeit zur Begleitung, Zeit zum Trauern, die ihnen Arbeitgeber, Gesellschaft, Familie gew\u00e4hren m\u00fcssen. Denn\u00a0 Sterbe- und Trauerbegleitung verlangt in unserer zunehmend fragmentierten Gesellschaft ein hohes Ma\u00df an Kommunikation und Absprachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Familien geben ihr \u00c4u\u00dferstes an Zeit und Energie, Partner, T\u00f6chter und Schwiegert\u00f6chter pflegen im Schnitt acht Jahre und landen am Ende oft genug in Burnout und eigener Krankheit. Diese Erfahrung von \u00dcberforderung und Alleingelassen sein hat Konsequenzen f\u00fcr den eigenen Umgang mit Altern und Sterben . Martina Rosenbergs Buch: \u201eMutter, wann stirbst Du endlich\u201c,&nbsp; ein verzweifelter Tabubruch schon im Titel, zeigt, wie gro\u00df die Herausforderung ist. Was sich da anstaut, kann nicht erst in der Trauerbegleitung aufgearbeitet werden. Aber noch wagen es zu wenige, mit ihrer Verzweiflung an die \u00d6ffentlichkeit zu gehen. Dabei brauchen begleitende Angeh\u00f6rige und Freunde mehr Unterst\u00fctzung von Politik, Einrichtungen und Diensten, aber auch von Kirche und Zivilgesellschaft. Sie brauchen Informationen und Netzwerke, finanzielle Ressourcen, bislang Wahlm\u00f6glichkeiten und auch pflegefreie Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Untersuchung zeigt: Wo pflegende Angeh\u00f6rige sich in Gespr\u00e4chsgruppen und Seelsorgeangeboten getragen wussten, fanden sie sp\u00e4ter oft den Weg in ein eigenes Engagement in Hospiz oder Krankenseelsorge. Inzwischen bieten diakonische Unternehmen, Hospizvereine und auch Kirchengemeinden \u201eLetzte Hilfe-Kurse\u201c an, wo man an einem Samstag lernen kann, was wir \u00fcber das Sterben und die kleinen Hilfema\u00dfnahmen wissen sollten. Und Langzeitpflegeeinrichtungen arbeiten an einer palliativen Kultur \u2013 mit Mitarbeitenden aus allen Berufsgruppen, mit Ehrenamtlichen und Angeh\u00f6rigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ehrenamtliche k\u00f6nnen eine entscheidende Rolle spielen. F\u00fcr Bewohneri*nnen einer Pflegeeinrichtung wie f\u00fcr ihre Angeh\u00f6rigen kann es wichtig sein zu wissen, dass sie nach wie vor in einen gr\u00f6\u00dferen Lebenszusammenhang eingebettet sind- nicht zuletzt, wenn es um die Vorbereitung eines w\u00fcrdigen Abschieds, der eigenen Beerdigung geht. Bei Seelsorgekr\u00e4ften und Ehrenamtlichen ist vielleicht auch Raum, die oft unterdr\u00fcckten Gef\u00fchle anzusprechen: Entt\u00e4uschung und Trauer,\u00a0Hilflosigkeit,\u00a0Wut und Verletzungen. Wie sonst soll es gelingen, sich auszus\u00f6hnen und \u201edie Dinge in Ordnung zu bringen\u201c?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>6. Ein Schiff, das durch so viele St\u00fcrme gegangen ist<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Charlotte Link erz\u00e4hlt in\u00a0ihrem Buch \u201eSechs Jahre\u201c vom Besuch bei einem Pfarrer \u2013 einem Seelsorgegespr\u00e4ch, das bis zuletzt ein Geheimnis zwischen ihr und ihrer sterbenskranken Schwester bleiben wird. Denn kirchlich im konventionellen Sinne ist sie nicht. In diesem Gespr\u00e4ch geht es darum, dass es nicht die \u00c4rzte sind, die \u00fcber unser Leben entscheiden, sondern dass es \u2013 in aller Unbegreiflichkeit- Gott selbst ist. Diese letzte Abh\u00e4ngigkeit gelte es zu akzeptieren. F\u00fcr Charlotte Link wird diese Erkenntnis zu befreienden Wende; eine neue Kraft sei damit in ihr Leben getreten, die immer wieder einmal sp\u00fcrbar gewesen sei.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSollte ein Schiff, das durch so viele St\u00fcrme gegangen ist, am Ende nicht gut in den Hafen segeln?\u201c, h\u00f6rte ich eine alte Nonne sagen. Und sollten nicht die, die dann wieder aufbrechen zur n\u00e4chsten Fahrt, getr\u00f6stet wissen, dass es diesen Hafen gibt, wenn ihnen die Stunde schl\u00e4gt? Tats\u00e4chlich ist die Kirche ein Boot \u2013 ger\u00e4umiger als das von Charon und mit der Liebe als Segel auf allen Weltmeeren zu Hause. Heute ist sie Teil eines bunten Flottenverbands. Beim Nachdenken \u00fcber die Entwicklung einer neuen Care-Kultur ist mir klar geworden,\u00a0 wie zentral die Seelsorge in der Sterbe- und Trauerbegleitung ist \u2013 auch, als sie w\u00e4hrend der Pandemie fehlte. In Diakonie und Caritas versuchen inzwischen Selbsthilfegruppen an diesem Thema zu arbeiten. Es geht aber genauso um ethische Fragen- gerade bei unterschiedlichen Auffassungen. Da l\u00e4sst sich in den\u00a0 Gemeinden an die guten Erfahrungen mit Ethikcafes in der Altenhilfe ankn\u00fcpfen. An manchen Orten ist es w\u00e4hrend der Pandemie gelungen, Themen wie Verwundbarkeit, Hilflosigkeit, Angst\u00a0 und Angewiesenheit anhand allt\u00e4glicher Erfahrungen unter Moderation besprechbar zu machen. Vor allem geht es darum, die T\u00fcren zu \u00f6ffnen, hinter denen das Sterben heute stattfindet, und dar\u00fcber ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Von der Bilderbuchausstellung im Kindergarten bis zum Ausstellungsbesuch mit der Senioren-WG muss das Gespr\u00e4ch hinaus in Quartier.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Hospizbewegung hat einmal angefangen, das Undenkbare zu denken, um das M\u00f6gliche zu tun\u201c, sagte neulich eine Hospizleitung \u201eSie hat einen Aufbruch bewirkt, der aus dem Gesundheitswesen hinaus in die H\u00e4user f\u00fchrte und dann auch die Qualit\u00e4t im Gesundheitswesen selbst verbesserte. Heute habe ich manchmal den Eindruck, wir sind zu einer Fachabteilung im Gesundheitswesen geworden- mit hoher Qualit\u00e4t und eingespielten Teams. Aber jetzt,&nbsp; da mit Corona so vieles in Frage gestellt wurde, m\u00fcssen wir wieder zu Bewegung werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Kindergarten bis zur Konfirmandenarbeit, vom Gottesdienst bis zur Ausstellungser\u00f6ffnung k\u00f6nnte die Kirche das Thema verankern. Denn die St\u00e4rkung der Sorgekr\u00e4fte beginnt fr\u00fch \u2013 was in der hospizlichen Arbeit gelebt werden will, muss lange vorher einge\u00fcbt werden \u2013 und sie hat wesentlich mit dem Vertrauen ins Leben, auf Gottes Sorgekr\u00e4fte zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Cornelia Coenen-Marx , Villigst 2022<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a>Thiessen, Barbara u.a.: Gro\u00dfputz! Das Gesundheitswesen nach Corona neue gestalten. Auf Care-macht-mehr.com&nbsp; 2020.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Keil, Annelie, Scherf, Henning, Das letzte Tabu<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a>Maio, Giovanni, Werte f\u00fcr die Medizin, M\u00fcnchen 2015<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a>Keil , Annelie, Scherf, Henning, Das letzte Tabu- \u00fcber das Sterben reden und den Abschied leben lernen, Freiburg 2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die neue Care-Kultur in der hospizlichen Arbeit 1. Das Gebot der Stunde- ein neuer Aufbruch? \u201eDie Wahrheit, die Corona lehrt,&#8230; <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=6926\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":232,"menu_order":-20,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-6926","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/6926"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6926"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/6926\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6933,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/6926\/revisions\/6933"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/232"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6926"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}