{"id":6674,"date":"2022-03-14T16:23:13","date_gmt":"2022-03-14T15:23:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=6674"},"modified":"2023-08-25T15:29:46","modified_gmt":"2023-08-25T13:29:46","slug":"friedensdemo-in-garbsen-14-3-22-cornelia-coenen-marx","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=6674","title":{"rendered":"Friedensdemo in Garbsen, 14.3.22, Cornelia Coenen-Marx"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Das darf nicht sein<\/strong>. Dass Schulen und Krankenh\u00e4user beschossen werden. Dass Familien auf der Flucht in ihren Autos sterben. Dass Menschen in den belagerten St\u00e4dten ohne Wasser, Strom und Gas frieren und hungern. Dass die Superm\u00e4rkte leer sind. Es darf nicht sein, dass die wunderbaren St\u00e4dte, die sch\u00f6nen alten Kirchen in Schutt und Asche liegen. Und dass ein Land ein anderes \u00fcberf\u00e4llt. Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pl\u00f6tzlich h\u00f6re ich Worte, die mich an die Kriegsgeschichten meiner Kindheit erinnern<\/strong>: Ausgebombt, versch\u00fcttet, entf\u00fchrt und verh\u00f6rt. Ich denke an die Familien, die damals ohne V\u00e4ter blieben. An die Ruinen, in denen ich gespielt habe. Ich denke an die Kriegskinder, die jetzt im Alter noch einmal sehen, was sie nie wieder erleben wollten. Und an die Menschen unter uns, die aus den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien geflohen sind, aus Syrien oder Afghanistan oder vom Horn von Afrika. Alte Wunden rei\u00dfen auf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir sind in einer anderen Welt aufgewacht,<\/strong> hat Anna-Lena Baerbock am 24. Februar gesagt. Und es war eine Zeitenwende f\u00fcr uns alle. <strong>Tats\u00e4chlich sehen wir die Welt jetzt mit anderen Augen<\/strong>. Pl\u00f6tzlich erkennen wir, wie lange dieser Krieg geplant war \u2013 wir h\u00e4tten es wissen k\u00f6nnen, aber wir haben Putin nicht ernst genommen. Jetzt sehen wir eine Aggression, die wir in Europa nicht mehr f\u00fcr m\u00f6glich hielten. Unsere Tr\u00e4ume vom ewigen Frieden sind wie Seifenblasen zerplatzt. Wir sehen russische Soldaten \u2013 18, 19 Jahre alt-, die aus dem fernen Sibirien in die Ukraine gebracht werden. Wir h\u00f6ren von den Soldatenm\u00fcttern, die <em>jetzt<\/em>um ihre S\u00f6hne bangen und trauen. Wir erleben, wie mutige Demonstranten in Moskau und St. Petersburg zusammengekn\u00fcppelt werden. Und wir bewundern den Freiheitswillen und den&nbsp; Widerstand der Menschen in der Ukraine. Es war und ist richtig, dass wir den Widerstand, dass wir die Notwehr dieses Volkes unterst\u00fctzen. Mit Sanktionen, ja \u2013 auch mit Defensivwaffen. <strong>Aber jetzt braucht es eine Waffenruhe, eine Feuerpause. Die Ukraine braucht sichere Fluchtkorridore f\u00fcr die Kinder, die Alten, die Familien.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dabei wei\u00df ich, viele wollen bleiben<\/strong>. So war es auch im letzten Krieg, als wir Deutschen das Land \u00fcberfielen. <em>\u201eIch fragte meine Mutter, warum ihre Gro\u00dfmutter Anna in Kiew geblieben sei\u201c, schreibt die ukrainische Schriftstellerin Anna Petrowskaja. \u201eSie habe das Grab ihres Ehemanns Ozjel nicht verlassen wollten, sagte meine Mutter voller Gewissheit, und dann f\u00fcgte sie etwas weniger \u00fcberzeugt hinzu, Anna habe gedacht, es g\u00e4be keine Notwendigkeit zu fliehen, oder vielleicht sei sie zu alt f\u00fcr die Flucht gewesen \u2013 aber eigentlich wisse sie das nicht<\/em>\u201c. Ich lese das und denke an die alte Frau, die sie in einer Schubkarre aus einem Dorf bei Kiew herauszogen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aber dieser Krieg findet nicht nur in der Ukraine statt<\/strong>. Die Fl\u00fcchtlinge entfliehen ihm nicht. <strong>Er betrifft uns alle<\/strong>. Beim Presseclub gestern Mittag sa\u00dfen die internationalen G\u00e4ste vor den Bildern der zerst\u00f6rten Stadt Charkiv. Das ist die jetzt die Welt, in der wir leben und es gibt keinen Lebensbereich, der nicht betroffen ist:&nbsp; Von der Ern\u00e4hrung bis zur Kultur, von Social Media bis zur Wirtschaft. Der Informationskrieg, der nun in der ganzen Welt stattfindet, tobt auch in unseren K\u00f6pfen: Es geht auch um unsere Freiheit und um unsere Demokratie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Kriegslogik in unseren K\u00f6pfen \u2013 sie l\u00e4sst uns den Blick nicht vom Handy nehmen. Viele k\u00f6nnen nicht mehr ruhig schlafen<\/strong>. Aber es ist wichtig, die Augen einmal zu schlie\u00dfen. Zur Ruhe zu kommen und Kraft zu sch\u00f6pfen. Es ist wichtig, neue Klarheit zu gewinnen, damit der Hass nicht die Oberhand gewinnt. Damit wir uns immer wieder &nbsp;verwurzeln im Frieden. Denn der Friede ist da \u2013 auch wenn wir ihn nicht sehen. In uns , um uns \u2013 eine andere Wirklichkeit. Menschen singen, Orchester spielen vom Frieden. Andere gehen in eine Kirche und z\u00fcnden Kerzen an. Ich schlie\u00dfe die Augen und bete. Und heute stehen wir zusammen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Krieg \u00e4ndert unser Leben total. Aber er hat nicht das letzte Wort.<\/strong> Das letzte Wort ist Frieden. Frieden machen, das ist der Ernstfall. Noch wei\u00df niemand, wie das gehen soll in er Ukraine. Aber wir k\u00f6nnen viel tun, damit das bei uns gelingt<strong>: Wir k\u00f6nnen die Augen und die H\u00e4nde aufmachen<\/strong>. Wir k\u00f6nnen spenden und Hilfsmittel liefern. Und wir k\u00f6nnen f\u00fcr die Gefl\u00fcchteten da sein, die jetzt am Messebahnhof ankommen. Bei uns werden sie wohnen, ihre Kinder werden in unsere Schulen gehen \u2013 so wie die Kinder und Jugendlichen, die mit ihren Eltern aus Russland gekommen sind. Wir k\u00f6nnen daf\u00fcr sorgen, dass der Krieg nicht weitergeht auf unseren Schulh\u00f6fen oder in den Pflegeteams in unseren Heimen und Krankenh\u00e4usern. Das darf nicht sein, dass Menschen nach nationaler Herkunft getrennt werden. Wir sind eine offene Gesellschaft- das macht unsere Freiheit aus. Die Freiheit, nach der sich so viele sehnen. In der Ukraine und auch in Russland. Die Demonstranten in Moskau und St. Petersburg, die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern, die Wissenschaftlern: Vergessen wir sie nicht. Sie sind die zweiten Opfer des Krieges<strong>. Denn Kriege kann man nicht gewinnen. Kriege kennen nur Verlierer. Gewinnen werden wir nur im Frieden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das darf nicht sein. Dass Schulen und Krankenh\u00e4user beschossen werden. Dass Familien auf der Flucht in ihren Autos sterben. 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