{"id":639,"date":"2015-02-27T18:00:46","date_gmt":"2015-02-27T18:00:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=639"},"modified":"2016-11-17T09:37:17","modified_gmt":"2016-11-17T09:37:17","slug":"was-ich-mitbringe-und-was-mir-wichtig-ist","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=639","title":{"rendered":"Was ich mitbringe und was mir wichtig ist:"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Berufliche Stationen, Erfahrungen, Themen <\/strong><\/h2>\n<p><strong><em>Seele und Sorge<\/em><\/strong> haben mich besch\u00e4ftigt, seit ich \u00fcber Gott und die Welt nachdenke. Sie wurden f\u00fcr mich denk- und erfahrbar in Theologie und Literatur, in Religionen und sozialen Bewegungen, in politischen Prozessen und in den mit all dem verbundenen Institutionen und auch Spannungsfeldern. Vielleicht liegt es daran, dass ich aus einem gesellschaftlich offenen Pfarrhaus komme. <strong><em>Seelsorge und Diakonie, Kirchenreform und politisches Engagement<\/em><\/strong> geh\u00f6rten in meiner Familie zusammen. Dass ich dann Theologie studiert habe, war trotzdem nicht selbstverst\u00e4ndlich, schon deswegen nicht, weil es damals noch kein volles Ordinationsrecht f\u00fcr Frauen gab \u2013 aber es war mein Weg, Glaubenswelten und Weltbilder kritisch zu diskutieren. Ich liebe es, die Wirklichkeit in ihren verschiedenen Dimensionen auszuloten und unterschiedliche Organisationen, Berufe, Denkweisen kennenzulernen. F\u00fcr mich geht es darum, mit Gott und den Menschen zu reden, auf Gott und Menschen zu h\u00f6ren und beides in Beziehung zu setzen.<\/p>\n<p>Nach meinem Studium der Theologie und zeitweilig auch der Germanistik, Geschichte und Sozialwissenschaften war ich gut zehn Jahre lang \u2013 von 1979 bis 1990 \u2013 <strong><em>Gemeindepfarrerin<\/em><\/strong> in M\u00f6nchengladbach, in einem Stadtteil mit kleinst\u00e4dtischer Struktur. Seit 1984 arbeitete ich zugleich als <strong><em>Diakoniepfarrerin<\/em><\/strong> im Kirchenkreis, zu dem verschiedene Ehe- und Lebensberatungsstellen, Arbeitslosenprojekte und andere diakonische Einrichtungen geh\u00f6rten. Der Dialog mit Kolleginnen und Kollegen aus Psychologie, Sozialp\u00e4dagogik und Sozialarbeit, mit Diakoninnen und Diakonen hat meine Perspektive ver\u00e4ndert; die Erfahrungen mit <strong><em>Sozialpolitik und Gemeinwesendiakonie<\/em><\/strong> in verschiedenen Kommunen erwiesen sich als hilfreich auch f\u00fcr die Arbeit in der Kirchengemeinde. So wurde Mitte der 1980er Jahre der Wickrather Gemeindeladen gegr\u00fcndet, ein Stadtteilzentrum mit Caf\u00e9, B\u00fccherei, Bildungs- und Beratungsangeboten und einer Kleiderkammer.<\/p>\n<p>1990 wurde ich <strong><em>Leiterin der Abteilung Sozialwesen<\/em><\/strong> und <strong><em>Mitglied der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung im Diakonischen Werk Rheinland<\/em><\/strong>. Nordrhein-westf\u00e4lische Wohlfahrts- und Landespolitik kennenzulernen, dazu die ideellen und gesetzlichen Grundlagen des Sozialstaats und die verschiedenen Sozialkulturen wahrzunehmen, hat mir neue sozialpolitische Horizonte er\u00f6ffnet. Nach der deutschen Vereinigung und unter dem Einfluss europ\u00e4ischer Sozialpolitik wurde in dieser Zeit die Frage nach dem Profil der unterschiedlichen Tr\u00e4ger in der Wohlfahrtspflege zum politischen Thema \u2013 genauso wie die nach der Zukunft der Subsidiarit\u00e4t.<\/p>\n<p>Seitdem bin ich \u00fcberzeugt: Ohne <em>e<strong>in neues diakonisches und theologisches Selbstverst\u00e4ndnis<\/strong><\/em>, ohne <strong><em>Br\u00fccken zwischen Gemeinden und diakonischen Diensten<\/em><\/strong> bleibt die Rede vom \u201eMehrwert\u201c diakonischer Arbeit leer. Vermutlich auch aus diesen Gr\u00fcnden bin ich immer wieder zwischen Kirche und Diakonie gependelt \u2013 von der Gemeindearbeit in den Spitzenverband, von dort ins Landeskirchenamt, dann wieder in ein diakonisches Unternehmen und schlie\u00dflich ins Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland.<\/p>\n<p>Tageseinrichtungen, Kinder- und Jugendarbeit, aber auch Freiwilligendienste haben mich von 1993 bis 1998 als <strong><em>Landeskirchenr\u00e4tin in der Evangelischen Kirche im Rheinland<\/em> <\/strong>besch\u00e4ftigt. Dar\u00fcber hinaus aber ging es im <strong><em>Ausschuss f\u00fcr \u00f6ffentliche Verantwortung<\/em><\/strong> um politische Fragen und um <em>kirchliche Publizistik und \u00d6ffentlichkeitsarbeit.<\/em> So lag dann f\u00fcr einige Jahre mein Schwerpunkt in der Medienarbeit: Kirchenpresse und Nachrichtenagenturen, Rundfunkarbeit und \u00d6ffentlichkeitskampagnen wie die K\u00f6lner Mitgliederkampagne \u201eMisch dich ein\u201c haben mir neue Perspektiven er\u00f6ffnet. Es ging um die Wahrnehmung und die Relevanz der Kirche in der \u00d6ffentlichkeit und insbesondere bei ihren distanzierten Mitgliedern. Dass ich in dieser Zeit im <strong><em>Vorstand des Gemeinschaftswerks Evangelischer Publizistik<\/em><\/strong> und <em><strong>stellvertretende Vorsitzende des Evangelischen Pressedienstes (epd)<\/strong>,<\/em> aber auch <strong><em>Mitglied des WDR-Rundfunkrats<\/em><\/strong> war, hat mir die Bedeutung von Presse und Medien f\u00fcr den kulturellen und gesellschaftlichen Wandel \u2013 auch in der Kirche \u2013 deutlich gemacht. Seit Anfang der 1990er Jahre gestalte ich regelm\u00e4\u00dfig<strong> <em>Rundfunkandachte<\/em>n<\/strong> und Verk\u00fcndigungssendungen und war dann sp\u00e4ter Gr\u00fcndungsmitherausgeberin des Magazins <strong><em>Chrismon<\/em><\/strong>. Ich bin \u00fcberzeugt, dass die Kirche nicht nur mit ihren gemeindlichen und diakonischen Angeboten, sondern auch mit ihrer Einmischung in der \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr das Evangelium einstehen muss \u2013 und damit f\u00fcr die \u201eSeele des Sozialen\u201c, die unsere Gesellschaft gepr\u00e4gt hat. 1998 wurde ich theologischer <em><strong>Vorstand der Kaiserswerther Diakonie<\/strong><\/em>, einem Unternehmen mit Krankenhaus und Altenhilfeeinrichtungen, Jugendhilfe und Sozialpsychiatrie, mit Schulen f\u00fcr Pflege und P\u00e4dagogik und vielen Kultureinrichtungen. In dessen Doppelspitze arbeitete ich mit einem Kaufmann zusammen und war daneben und zugleich <strong><em>Vorsteherin der Schwesterngemeinschaft<\/em><\/strong>. Eine Doppelrolle, die einer Frau auf den Leib geschrieben schien. Sie bedeutete aber die erhebliche Herausforderung, <strong><em>Modernisierung und \u00d6konomisierung mit Spiritualit\u00e4t und Tradition<\/em><\/strong> in Einklang zu bringen. Der Umbau des Mutterhauses in ein ganz besonderes Hotel, die Neugestaltung der Schwesternschaft zu einer offenen Gemeinschaft mit diakonischen Bildungsangeboten, die Erarbeitung eines Leitbildes f\u00fcr dieses sich ver\u00e4ndernde Haus, Qualit\u00e4ts- und Palliative-Care-Prozesse und die Gr\u00fcndung der Fliedner-Kulturstiftung mit dem sp\u00e4ter gewachsenen Pflegemuseum, aber auch die Weiterentwicklung der ambulanten Arbeit f\u00fcr Menschen mit Behinderungen von einer Suppenk\u00fcche \u00fcber eine Hauswirtschaftsfirma bis zum Reiterhof haben mich in dieser Zeit besch\u00e4ftigt. Seitdem ist f\u00fcr mich die Frage nach den Spezifika diakonischer Arbeit heute und nach spiritueller <strong><em>Leitung in \u00dcbergangs- und Konfliktsituationen<\/em><\/strong> zentral.<\/p>\n<p>2004 bin ich wieder in ein Kirchenamt gewechselt. Als <strong><em>Nahostreferentin und Leiterin der damaligen \u00dcberseeabteilung im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) <\/em><\/strong>hatte ich es nun mit Au\u00dfen- und Entwicklungspolitik statt mit Sozial-, Gesundheits- und Bildungspolitik in unserem Land zu tun. Der rote Faden, an den ich ankn\u00fcpfen konnte, waren die \u00f6kumenischen Beziehungen der Kaiserswerther Diakonissen, die zum Teil bis heute bestehen und auf Auslandsstationen und internationale Gr\u00fcndungen zur\u00fcckgehen: in Brasilien und Indonesien und \u00fcberall im Nahen Osten. Die Frage nach den <strong><em>Chancen interkultureller Arbeit und nach dem interreligi\u00f6sen Miteinander auch in unserem Land<\/em><\/strong> stellt sich auf diesem Hintergrund noch einmal anders.<\/p>\n<p>Als Oberkirchenr\u00e4tin bei der EKD \u00fcbernahm ich 2007 die <em><strong>Referatsleitung Gesellschafts- und Sozialpolitik<\/strong>.<\/em> Hier ging es um Fragen von Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik, Sozialstaatsentwicklung und Zivilgesellschaft \u2013 immer in Kooperation mit dem Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD, dem Diakonie Bundesverband und den Fachverb\u00e4nden f\u00fcr Familie, Arbeit und Wirtschaft. Zu meinen Aufgaben geh\u00f6rten auch die <strong><em>Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung des Synodalausschusses Kirche \u2013 Gesellschaft \u2013\u00a0Staat und die der Kammer f\u00fcr Soziale Ordnung<\/em>,<\/strong> deren Mitglied ich bereits in einer fr\u00fcheren Periode war. St\u00e4rker als in der diakonischen Arbeit habe ich mich in dieser Phase mit den <strong><em>Hintergr\u00fcnden gesellschaftlicher Transformationen<\/em><\/strong> besch\u00e4ftigen k\u00f6nnen \u2013 und mit den Konsequenzen f\u00fcr Unternehmen und Gewerkschaften, Familien und Zivilgesellschaft.<\/p>\n<p>Was die aktuellen Ver\u00e4nderungsprozesse f\u00fcr Kirche und Diakonie, aber auch f\u00fcr die Gesellschaft insgesamt bedeuten, konnte ich also in unterschiedlichen Positionen und damit aus verschiedenen Perspektiven erleben. <strong><em>Bei aller Arbeit an Strukturen in Leitungs- und Aufsichtsgremien verstehe ich mich nach wie vor auch als Seelsorgerin: Im Mentoring und Coaching wie in der Begleitung von Workshops<\/em><\/strong> m\u00f6chte ich etwas weitergeben von dem, was mir selbst in \u00dcbergangssituationen wichtig geworden ist \u2013 an spirituellen und Gemeinschaftserfahrungen, im Lesen biblischer Texte, beim Ein\u00fcben von Ritualen und nicht zuletzt im b\u00fcrgerschaftlichen Engagement. Kirche muss sich einmischen.<\/p>\n<p><strong>Im Oktober 2016 ist mein Buch \u201eAufbr\u00fcche in Umbr\u00fcchen\u201c erschienen<\/strong>, in dem ich meine beruflichen wie auch ganz pers\u00f6nlichen Erfahrungen mit der Kirche und dem Glauben zusammengef\u00fchrt habe, um \u00fcber deren M\u00f6glichkeiten unter den Bedingungen von demografischem Wandel, Globalisierung, Gentrifizierung und Migration nachzudenken. <strong>Im Dezember 2013 erschien in zweiter Auflage mein Buch \u201eDie Seele des Sozialen\u201c<\/strong>, das die Wandlungsprozesse in Diakonie und Gesellschaft thematisiert. Im Fr\u00fchjahr 2017 wird bei Kohlhammer das Buch \u201e<strong>Symphonie, Drama, Powerplay \u2013\u00a0Zum Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamtlichen in der Kirche<\/strong>\u201c erscheinen, das ich mit Prof. Dr. Beate Hofmann zusammen herausgebe. Und zur Zeit schreibe ich an einem Buch <strong>\u00fcber das \u00c4lterwerden: \u201eNoch einmal ist alles offen\u201c erscheint vermutlich im Mai bei K\u00f6sel<\/strong>.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong><span style=\"color: #db882e;\">Biografie:\u00a0Berufliche Stationen, Erfahrungen, Themen zum download<\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\"><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Biografie_Cornelia_Coenen-Marx_20161.pdf\" target=\"_blank\">Biografie_Cornelia_Coenen-Marx_2016<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berufliche Stationen, Erfahrungen, Themen Seele und Sorge haben mich besch\u00e4ftigt, seit ich \u00fcber Gott und die Welt nachdenke. 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