{"id":611,"date":"2015-02-21T13:21:25","date_gmt":"2015-02-21T13:21:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=611"},"modified":"2018-04-23T09:36:59","modified_gmt":"2018-04-23T09:36:59","slug":"beschlussantrag-des-ausschusses-kirche-gesellschaft-und-staat-zur-familienpolitik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=611","title":{"rendered":"Beschluss der EKD-Synode 2013 zur Familienpolitik"},"content":{"rendered":"<p>Die EKD-Synode dankt der Ad-hoc-Kommission und dem Rat der EKD f\u00fcr die Darstellung der Herausforderungen von Familie heute in der Orientierungshilfe \u201e Zwischen Autonomie und Angewiesenheit\u201c. Nach der Ver\u00f6ffentlichung der Schrift hat eine intensive theologische Debatte dazu stattgefunden. Dabei ist die wesentliche fam\u00edlienpolitische Akzentsetzung des Textes aus dem Blick geraten sind.<\/p>\n<p>Die Orientierungshilfe deutet die Situation von Familien auf dem Hintergrund moderner Vorstellungen von Autonomie, Gleichheit und Gerechtigkeit, die die Modernisierungsprozesse bestimmen. Dabei werden die Werte Vertrauen, Verl\u00e4sslichkeit und F\u00fcrsorge aus dem biblischen Zeugnis heraus entwickelt und in den Mittelpunkt ger\u00fcckt.<\/p>\n<p>Die Synode unterstreicht, dass Familienpolitik Sozialpolitik ist. Sie nimmt mit Besorgnis wahr, dass die Ressourcen f\u00fcr Sorgerarbeit in unserer Gesellschaft schwinden, weil auf dem Hintergrund der Entwicklung von Freiheit und W\u00fcrde jedes und jeder Einzelnen die wechselseitige Angewiesenheit aller untersch\u00e4tzt wurde.<\/p>\n<p>Grundgedanke einer evangelisch ausgerichteten F\u00f6rderung von Familien, Ehen und Lebenspartnerschaften muss deshalb die konsequente St\u00e4rkung aller f\u00fcrsorglichen Beziehungen sein. Wo Menschen auf Dauer und im Zusammenhang der Generationen Verantwortung f\u00fcreinander \u00fcbernehmen, sollten sie &#8211; unabh\u00e4ngig von der Form, in der sie Familie leben &#8211; Unterst\u00fctzung in Kirchengemeinden und diakonischen Einrichtungen finden \u2013 mit praktischen Hilfen, mit seelsorglichen, gottesdienstlichen und diakonischen Angeboten.<\/p>\n<p>Kirche als Gemeinde kann den anstehenden Herausforderungen nur gerecht werden, wenn sie mit Kirche als Diakonie zusammenarbeitet, Familienbildung und Beratung, Erziehungs- und Pflegedienste ernst nimmt und f\u00f6rdert und\u00a0 gemeindliche wie diakonische Angebote an den Schwellen, Knoten- und Krisenpunkten des Lebens verkn\u00fcpft. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen sich Kirche und Diakonie aber noch st\u00e4rker mit der Zivilgesellschaft\u00a0 einbringen und ihr kommunal- und sozialpolitisches Mandat bewusst wahrnehmen.<\/p>\n<p>Familien stehen in Liebe und Verbundenheit f\u00fcreinander ein und begleiten einander \u00fcber die Generationen. Sie erfahren aber auch Krisen und \u00dcberforderungssituationen, in denen sie auf Solidarit\u00e4t und Unterst\u00fctzung angewiesen sind. Es bleibt wesentlich, ein Klima zu schaffen, in dem die unbezahlte und unter bestimmten Aspekten auch unbezahlbare private Sorgearbeit gesellschaftlich honoriert und die professionelle Arbeit in Erziehung, Bildung und Pflege angemessen entlohnt wird.<\/p>\n<p><strong>Die EKD-Synode unterstreicht daher die sozial- und familienpolitischen Forderungen, die damit in Zusammenhang stehen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Vereinbarkeit von Erziehungs- und Pflegeaufgaben mit beruflichem Einsatz<\/li>\n<li>St\u00e4rkung von Ma\u00dfnahmen gegen die \u201e Teilzeitfalle\u201c, Beseitigung von Aufstiegshemmnissen f\u00fcr Frauen, Beendigung der Entgeltnachteile in \u201eFrauen- und Sorgeberufen\u201c<\/li>\n<li>Flexiblere Gestaltung der Biographien zwischen Bildung,\u00a0 Berufs- Familien- und Pflegezeiten und entsprechende Anpassung des Steuer- und Sozialversicherungsrechts &#8211;<\/li>\n<li>Qualitativer Ausbau der Tageseinrichtungen zu Bildungs- und Familienzentren<\/li>\n<li>Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Familien, Tageseinrichtungen und Schulen<\/li>\n<li>St\u00e4rkung der Quartiers- und Gemeinwesenentwicklung im Blick auf Familien, Kinder, \u00e4ltere Menschen und Menschen mit Behinderungen<\/li>\n<li>F\u00f6rderung und Qualifizierung zivilgesellschaftlicher Initiativen und ehrenamtlichen Engagements<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Begr\u00fcndung:<\/strong><\/p>\n<p>Zum ersten Mal in der Geschichte leben in den st\u00e4dtischen Ballungsr\u00e4umen mehr Menschen allein als in Familien. Die Sehnsucht nach Familie w\u00e4chst; Studien zeigen: junge Menschen w\u00fcnschen sich Kinder. Zugleich aber ist es schwer geworden, als Familie zu leben. Ver\u00e4nderungen am Arbeitsmarkt, wachsende Mobilit\u00e4tserfordernisse, mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie, fehlende Betreuungseinrichtungen, ungleiche Berufschancen von M\u00e4nnern und Frauen und vor allem das wachsende Wohlfahrtsgef\u00e4lle zwischen Menschen, die mit und ohne Kinder leben, spielen dabei eine entscheidende Rolle. Dabei werden sowohl der demographische Wandel als auch die Bedeutung von Erziehung und Pflege f\u00fcr die Wohlfahrtsentwicklung untersch\u00e4tzt. Zu den Herausforderungen unserer Zeit geh\u00f6ren die Frage nach Zeit f\u00fcr die Familie, nach einer besseren Zusammenarbeit von Familien, Einrichtungen und Dienstleistern bei Erziehung, Bildung und Pflege und nach der St\u00e4rkung der Generationenbeziehungen.<\/p>\n<p>Angesichts langer Ausbildungszeiten und Berufseinstiege ist die Zeit f\u00fcr Familiengr\u00fcndung heute knapp geworden- obwohl die Lebenserwartung zugleich gestiegen ist. die Geburt von Kindern wird im Lebenslauf immer weiter hinausgeschoben und ein nicht kleiner Teil der betroffenen Frauen leiden darunter, dass ihr Kinderwunsch sich nicht erf\u00fcllt. Zugleich nimmt die Vielfalt des Familienlebens zu; der Anteil Alleinerziehender, die Zahl nichtehelicher Lebensgemeinschaften und Patchworkfamilien w\u00e4chst. Familie ist Geschenk, aber Familie zu leben, braucht auch bewusste Arbeit an einer gemeinsamen Identit\u00e4t und Kultur und Zeit f\u00fcr vielf\u00e4ltige Kontakte. Zudem w\u00e4chst die Polarisierung sozialer Lebenslagen zwischen Ein- und Zwei-Verdiener Haushalten, vor allem aber zwischen denen, die f\u00fcr Kinder sorgen und denen, die keine Kinder zu versorgen haben. Vor allem Alleinerziehende sind \u00fcberdurchschnittlich h\u00e4ufig von Armut betroffen.<\/p>\n<p>.Angesichts der Reproduktionskrise, des demographischen Wandels und des tiefgreifenden Strukturwandels am Arbeitsmarkt stehen wir sozialpolitisch vor der Herausforderung, Bildung, Erwerbsarbeit und die F\u00fcrsorge im Erwerbsverlauf zu entzerren, gerechter zwischen den Geschlechtern zu verteilen und neue Arrangements zwischen Familien und Dienstleistungen zu schaffen.<\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit dem notwendigen Ausbau der Tageseinrichtungen und Krippenpl\u00e4tze droht angesichts der Schwierigkeiten der in vielen F\u00e4llen finanzschwachen Kommunen, allein das quantitative Ausbauziel zu erreichen, die Verbesserung der Qualit\u00e4t Bildungs- und Betreuungspl\u00e4tze zu kurz zu kommen. Gerade hier ist die Kirche gefragt. Nicht zuletzt geht es darum, in Familienbildungsst\u00e4tten und Familienzentren die Elternarbeit zu st\u00e4rken und auch auf religi\u00f6se Bildung und Wertekompetenz zu achten. Kirche ist aber auch gefragt, wenn es um die Tarifgestaltung in den Erziehungs- und Pflegeberufen und um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der eigenen Mitarbeiterschaft geht.<\/p>\n<p>Abstimmung _ 2 Gegenstimmen, einige Enthaltungen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die EKD-Synode dankt der Ad-hoc-Kommission und dem Rat der EKD f\u00fcr die Darstellung der Herausforderungen von Familie heute in der&#8230; <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=611\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":602,"menu_order":99,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-611","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/611"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=611"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/611\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3711,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/611\/revisions\/3711"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/602"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=611"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}