{"id":5851,"date":"2021-02-26T14:42:38","date_gmt":"2021-02-26T13:42:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=5851"},"modified":"2024-07-08T00:13:51","modified_gmt":"2024-07-07T22:13:51","slug":"kann-kirche-ehrenamt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=5851","title":{"rendered":"Kann Kirche Ehrenamt? \u2013 Impuls beim Tag rheinischer Presbyter*innen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong><em>These 1: Kirche wird wieder \u201eEhrenamtskirche\u201c<\/em><\/strong><em>. <\/em><br><em>Aber <strong>was k\u00f6nnen Berufliche tun, um Ehrenamtliche zu st\u00e4rken? Was lernen beide Seiten voneinander? Und welche Rolle werden in Zukunft die \u00c4mter spielen, die Arbeit b\u00fcndeln und strukturieren<\/strong>&#8211; Pfarramt, Leitungsamt, Ehrenamt?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kann Kirche Ehrenamt? Wer, wenn nicht wir, m\u00f6chte man sagen<\/strong>. Was w\u00e4re die Reformation ohne das Priestertum aller Getauften, wie h\u00e4tte sich unsere Gesellschaft entwickelt ohne CVJM, Frauenhilfe und Innere Mission? Unser Sozialstaat ohne die Engagierten in der Vereinen des &nbsp;19. Jahrhundert? <strong>Bis heute sind etwa die H\u00e4lfte der Ehrenamtlichen &nbsp;im Umfeld der gro\u00dfen Kirchen aktiv<\/strong><a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a>. <strong>Sie engagieren sich in Kirchengemeinden, Jugendverb\u00e4nden und Frauengruppen. Im Hospiz<\/strong> und an der Tafel, in Kindergartenr\u00e4ten oder bei Freizeiteins\u00e4tzen, in den Aufsichtsr\u00e4ten Diakonischer Einrichtungen. Vielleicht sind Sie \u00fcberrascht? Tats\u00e4chlich werden in den kircheninternen Statistiken nur die Engagierten in den Gemeinden gez\u00e4hlt. Und das sind deutlich weniger. Aber der letzte Freiwilligensurvey der Bundesregierung zeigt: <strong>Die Zahl der Ehrenamtlichen ist auch in den Kirchen gestiegen, obwohl die Mitgliederzahlen zur\u00fcckgehen<\/strong>.<strong> Und fast 49 aller Evangelischen sind freiwillig engagiert &#8211; gegen\u00fcber 43,6 % in der gesamten Gesellschaft- <\/strong>und sogar 66,7% von denen, die sich stark mit der Kirche verbunden f\u00fchlen. Und trotzdem: Wenn der Deutsche Engagementpreis vergeben wird, kommen die Kirchen selten vor. &nbsp;<strong>Sie&nbsp; gelten als verstaubte Institutionen mit einem veralteten Ehrenamtsbegriff<\/strong> \u2013 die Engagementszene setzt auf attraktive Projekte und das selbstbestimmte, neue Ehrenamt. Inzwischen vergibt die Kirche selbst Ehrenamtspreise mit durchaus pfiffigen Ideen.<\/p>\n\n\n\n<p>Verglichen mit Sport, Feuerwehr, Parteien und Initiativen haben Ehrenamtliche bei uns <strong>noch immer besonders viele hauptamtliche Ansprechpartner<\/strong>. Gute Steuereinnahmen, ein starker Sozialstaat und die Refinanzierung von Jugend- und Sozialarbeiterstellen lie\u00dfen die Zahl der Hauptamtlichen bis vor 20 Jahren stetig ansteigen- <strong>Kirche hat sich professionalisiert. Und die Ehrenamtlichen sch\u00e4tzen die Unterst\u00fctzung&nbsp; der beruflich T\u00e4tigen. Aber nur 30 Prozent der Freiwilligen haben das Gef\u00fchl, gleichberechtigte Partner*innen zu sein<\/strong>. Nach ihrem Eindruck werden sie oft als <strong>Helfer*innen gesehen, die die Hauptamtlichen entlasten. Nur bei Ehrenamtlichen in Leitungsfunktionen ist das anders<\/strong>: &nbsp;Sie haben das Gef\u00fchl, gesch\u00e4tzt zu werden und ihre F\u00e4higkeiten einbringen zu k\u00f6nnen.&nbsp; Die &nbsp;Engagierten an der Basis sind sich der Anerkennung in der Gemeinde nicht sicher.<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>An wen denken Sie, wenn Sie vom Ehrenamt sprechen?<\/strong>&nbsp; <strong>Die Ehrenamtlichen an der Basis- <\/strong>in Frauen- und Jugendarbeit, im Chor und Kindergottesdienst oder auch im Besuchsdienst. Die sich an der Tafel oder im Elternrat einbringen oder Hospizarbeit leisten? <strong>Viele sprechen da lieber von Freiwillig Engagierten<\/strong>. Oder denken Sie an die <strong>Ehrenamtlichen in der Leitung? Die&nbsp; \u00fcber Gemeindekonzepte, Finanzen, Personal entscheiden- die haben tats\u00e4chlich ein Amt im kirchlichen Sinne<\/strong>. \u00dcbrigens wurde der Begriff \u201eEhrenamt\u201c im 19. Jahrhundert wichtig, als die St\u00e4dte immer mehr Aufgaben \u00fcbernahmen und man zwischen beruflicher Arbeit und b\u00fcrgerschaftlichem Engagement unterschied- in den Kommunen und auch in den Kirchen. <strong>Und wenn Sie an Hauptamtliche denken? Denken Sie an die Pfarrpersonen<\/strong>, die angesichts des Stellenabbaus wieder zu Generalisten werden? <strong>Oder an die Sozialp\u00e4dagoginnen und Diakone, K\u00fcster und die Gemeindesekret\u00e4rinn<\/strong>en, die gerade ein neues Selbstverst\u00e4ndnis entwickeln: Sie sollen jetzt Ehrenamtlichkeit st\u00e4rken, Dienstleister sein, auf Augenh\u00f6he kooperieren. Nur, dass sie selbst erhebliche Existenz\u00e4ngste haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pfarrer und andere Hauptamtliche, Ehrenamtliche und Engagierte- ist das das Gegen\u00fcber<\/strong>? Oder geht es um <strong>die Entscheider*innen im Presbyterium und die anderen, die umsetzen? <\/strong>Es ist <strong>wie auf dem Balancebrett<\/strong>&#8211; unterschiedliche Gruppen versuchen, das Gleichgewicht in der Gemeinde zu halten. <strong>Sobald sich jemand bewegt, ver\u00e4ndert sich die Statik\u2013 wie bei einer Wippe auf dem Spielplatz oder einem Boot auf den Wellen. Lehnt sich einer rechts raus, muss der andere auf die linke Seite wechseln<\/strong>, wenn er nicht herunterfallen will. Wenn jemand einen Schatz auf das Boot wirft, um den alle rangeln, beginnt <strong>das Powerplay. Zwischen Pfarrerin und Kirchenvorstand. Zwischen Ehrenamtlichen im Kirchenvorstand und denen in der Gruppe 50plus<\/strong>. Um Geld, um Stellen, um Aufmerksamkeit. Manche denken, wir brauchten nur <strong>mehr Ehrenamtliche, wenn die Zahl der Hauptamtlichen zur\u00fcckgeht<\/strong>. Andere wissen: <strong>die Strukturen m\u00fcssen sich \u00e4ndern. \u00b4<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kann Kirche Ehrenamt? Wo, wenn nicht hier? Wenn &nbsp;von der Dienstgemeinschaft von Haupt- und Ehrenamtlichen die Rede ist, wird an die Barmer Theologische Erkl\u00e4rung<\/strong> erinnert. Die Kirche als Gemeinschaft der Schwestern und Br\u00fcder. Haupt-und Ehrenamtliche auf Augenh\u00f6he So hei\u00dft es zum Beispiel im Ehrenamtsgesetz der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau: <strong>In der Evangelischen Kirche ist es Aufgabe aller Getauften, am Bau des Reiches Gottes verantwortlich mitzuwirken. Deshalb ist ehren-, haupt- und nebenamtliche Arbeit gleichwertig<\/strong>. In der Zusammenarbeit pr\u00e4gen alle gemeinsam und gleichberechtigt Leben und Gestalt von Gemeinde und Kirche.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>So soll es sein. <strong>Ehrenamtliche machen aber auch&nbsp; andere Erfahrungen: Hauptamtliche&nbsp; bestimmen die Termine und delegieren die Aufgaben. &nbsp;Ehrenamtliche werden mangelhaft informiert<\/strong> und haben das Gef\u00fchl, dass sie nicht wirklich gesehen werden- mit ihren beruflichen Belastungen, mit der Zeit, die sie einbringen. Klar, das gibt es auch in der Politik: <strong>Die Verwaltung gewinnt immer- man nennt es das Principal \u2013Agent-Problem. Aber Kirche ist eben mehr als Verwaltung, es geht um geistliche Gemeinschaft<\/strong>. Vor 25 Jahren, beim Tag Rheinischer Gemeinden 1996, stand \u00fcber dem Forum zu Haupt- und Ehrenamt: \u201e<strong>Von der Spannung zwischen Theorie und Praxis<\/strong>\u201c. &nbsp;<strong>Machtfragen, Finanzfragen, Terminfragen, Genderthemen- <\/strong>das sind auch 25 Jahre sp\u00e4ter die Stolpersteine auf dem Weg. Aber vergessen wir nicht: <strong>auch in Barmen war tats\u00e4chlich nur von Br\u00fcdern die Rede.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aber manchmal gibt es Sternstunden. W\u00e4hrend der Fl\u00fcchtlingskrise<\/strong><strong> gab es kaum Spannungen zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen<\/strong>. Im Gegenteil. Ehrenamtliche haben deutlich gemacht, wie sehr sie auf hauptamtliche Strukturen angewiesen sind. Und Hauptamtliche haben sich f\u00fcr Fortbildung und Supervision von Ehrenamtlichen eingesetzt. <strong>Ob es eine Rolle spielt, dass es in diesem Arbeitsfeld noch keine festgeschriebenen Standards gab, keine eingefahrenen Konflikte und auch keine \u00c4ngste vor Stellenstreichungen?<\/strong> Die Fl\u00fcchtlingskrise hat uns an unseren Auftrag erinnert. Es ging um grundlegende \u00dcberzeugungen. Dass es ein gemeinsames Ziel gibt, geh\u00f6rt zu den Geheimnissen guter Zusammenarbeit. <strong>Dass wir uns \u00f6ffnen, l\u00e4sst uns wachsen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was k\u00f6nnen wir tun, um uns aus falschen Frontstellungen zu befreien?&nbsp; <strong>\u201eSeitenwechsel\u201c zwischen beruflicher und ehrenamtlicher T\u00e4tigkeit &nbsp;werden normaler.<\/strong> Diakonische Organisationen laden dazu ein- f\u00fcr einen Tag oder f\u00fcr vier Wochen. Gro\u00dfe Unternehmen wie Ford oder Henkel haben schon vor Jahren die F\u00f6rderung der Freiwilligkeit entdeckt \u2013 <strong>nicht zuletzt, um ihren Mitarbeitenden den \u00dcbergang in die Rente zu erleichtern.<\/strong> Und auch in Kirche und Diakonie arbeiten viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrer Freizeit oder nach dem Ende der Berufst\u00e4tigkeit ehrenamtlich\u2013 oder sie haben als Jugendliche ein Freiwilliges Jahr absolviert. <strong>Noch zu selten werden solche Seitenwechsel fruchtbar gemacht- f\u00fcr die Personalentwicklung zum Beispiel<\/strong>. Wenn wir <strong>die traditionellen Hierarchien von \u00c4mtern, Geschlechtern, bezahlten und unbezahlten Kr\u00e4ften \u00fcberwinden wollen, &nbsp;braucht es bewusste Perspektivwechse<\/strong>l. Seitenwechsel.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong><em>These 2: Kirche wird anders sein \u2013 und auch&nbsp; Ehrenamt wird anders sein, wenn wir aus dem Lockdown herauskommen<\/em><\/strong><em>. Neue Initiativen wie Einkaufsnetze, Impfpat*innen, Telefondienste und Digitalpat*innen sind entstanden und haben das freiwillige Engagement stark gemacht. Zugleich zogen sich langj\u00e4hrig Engagierte zur\u00fcck. Mittagstische und Gespr\u00e4chsgruppen fielen aus. Leihomas und Besuchsdienste hatten es schwer. <strong>Manche wurden beklatscht, manche sind gekr\u00e4nkt.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auch in der aktuellen Krise gibt es Sternstunden: Kirche digital. Kirche im Quartier. Kirche vielsprachig unterwegs<\/strong>. Wer sich auf Facebook oder Instagram umschaut, kann den Eindruck bekommen, dass gerade viele Gemeinden neue Welten entdecken. &#8220; <strong>Dich schickt der Himmel\u201c in Hundelshausen beliefert morgen 125 \u00c4ltere<\/strong> mit einem Sonntagsteilchen und einer Andacht in der T\u00fcte. Da haben evangelische Gemeinde, katholische Pfadfinder und die Stadt in kurzer Zeit ein gro\u00dfes Nachbarschaftsnetz aufgebaut. <strong>Eine Gemeinde in Stuttgart hat eine WhatsApp \u2013Andacht organisiert \u2013 wer interessiert ist, kann sich einfach einloggen und <\/strong>bekommt mittags um 12 einen kleinen Impuls. Von Haupt- und Ehrenamtlichen. <strong>Und in Siegburg haben engagierte Sch\u00fcler- und Ausbildungsmentoren im Lockdown auf digitale Arbeit umgestellt<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>An vielen Orten sind der Kirche Engagierte zugewachsen, mit denen sie gar nicht gerechnet h\u00e4tte. Menschen, die Augen im Kopf haben und sehen, was n\u00f6tig ist \u2013 und was m\u00f6glich ist<\/strong>. Das ist die Erfahrung, die ich vor langer Zeit <strong>im Wickrather Gemeindeladen gemacht habe: Kaum war das Quartierscafe fertig, fanden sich Menschen ein, die ihre Gaben einbringen wollten<\/strong>: Second-Hand-Kleider verkaufen, Pflegende Angeh\u00f6rige begleiten, Einkaufsdienste organisieren. Ehren\u00e4mter, die es vorher so nicht gab. \u201eIch kann nicht singen und reden\u201c, schrieb mir eine Frau. \u201eAber das kann ich\u201c. <strong>Seitdem wei\u00df ich: Wer den Scheinwerfer neu ausrichtet, entdeckt neue Landschaften.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>W\u00e4hrend des Lockdowns sind allerdings auch Aufgaben und Ehrenamtliche im Schatten verschwunden. Mittagstische, Gespr\u00e4chsrunden<\/strong>, Chore fielen aus. Leihomas konnten nicht zu ihren Patenkindern. <strong>Manche haben Alternativen entwickelt: Telefonkonferenzen, digitale Besuchsdienste. Andere f\u00fchlten sich alleingelassen, ersch\u00f6pft, vergessen<\/strong>. \u201eIn der Kirchengemeinde haben wir zu Ostern eine Kerzenaktion f\u00fcr Alleinlebende durchgef\u00fchrt mit einer Osterbotschaft, sagt eine \u00e4ltere Freundin aus Hannover\u201e Das hat offenbar viele positive Reaktionen hervorgerufen. Aber danach haben wir von der Gemeinde nichts mehr geh\u00f6rt. Das war arg.\u201c <strong>Nicht wenige haben sich entschieden, das eigene Alter ernst zu nehmen und jetzt einfach aufzuh\u00f6ren. Nicht nur in der Kirche. Die Bedeutung der Zivilgesellschaft wurde w\u00e4hrend der Corona-Krise untersch\u00e4tzt<\/strong>. Das gilt f\u00fcr die Vereine im Breitensport. F\u00fcr die Schulbegleiter*innen und Lernpaten. F\u00fcr die Mitarbeitenden an den Tafeln. <strong>Viele von ihnen waren \u00e4lter- und galten pl\u00f6tzlich als vulnerable Gruppe.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dabei sind es die 55- 69-j\u00e4hrigen, die sich im sozialen Ehrenamt am st\u00e4rksten engagieren<\/strong>. Sie fahren die B\u00fcrgerbusse, arbeiten in den Dorfl\u00e4den mit und sind die Initiatoren der Sorgenden Gemeinschaften.<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> <strong>Sie stellen auch den gr\u00f6\u00dften Teil der Ehrenamtlichen in den Kirchengemeinden, halten den Besuchsdienst aufrecht, organisieren Adventsfeiern<\/strong>. Sie sind h\u00e4ufig lange am Ort und bringen breite Lebenserfahrungen ein. <strong>Die Corona-Krise hat uns bewusst gemacht, welche Rolle die Gro\u00dfelterngeneration f\u00fcr die Familien spielt<\/strong> \u2013 gerade weil sie sich nicht mehr begegnen durften. <strong>Die Zeit f\u00fcr die Betreuung der Enkel und die Pflege der Eltern hat sich seit 1996 vervierfacht<\/strong>.<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> Die Frauen, die das betrifft, bildeten bis vor einigen Jahren den Kern des kirchlichen Ehrenamts.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In den Kirchen sind nach wie vor 70 Prozent der ehrenamtlichen Frauen. Bei einer Caritasuntersuchung 2007 waren 56 Prozent davon 60 Jahre oder \u00e4lter<\/strong>. Und nur jede dritte berufst\u00e4tig. <strong>Heute arbeiten die meisten mindestens in Teilzeit. Sie bringen ihre Kompetenzen aus der Arbeitswelt selbstbewusst ein<\/strong>. Und nat\u00fcrlich erwarten sie Wertsch\u00e4tzung, klare Vereinbarungen und gekl\u00e4rte Kompetenzen, Fortbildungsangebote und Mitsprachem\u00f6glichkeiten und auch Auslagenersatz. <strong>Aber die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Ehrenamt bleibt schwierig. <\/strong><strong>Das bundesdeutsche Sozialsystem st\u00fctzt das soziale Ehrenamt nach dem Hausfrauenmodell. Das soziale Engagement braucht eine grundlegende \u00f6konomische Absicherung\u2013 zu<\/strong>m Beispiel bei der Ber\u00fccksichtigung von Versicherungszeiten. <strong>Und wir m\u00fcssen \u00fcber neue Zug\u00e4nge zum Ehrenamt nachdenken- &nbsp;f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen, &nbsp;beim Einstieg in die Dritte Lebensphase. Und vorher zwischen Schule und Beruf<\/strong>. Denn die <strong>Schul- und Ausbildungsbedingungen haben auch das Ehrenamt in der Jugendarbeit ver\u00e4ndert<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die besten Zeiten f\u00fcr das Ehrenamt sind an den Schnittstellen des Lebens. <\/strong>Die beste Gelegenheit, Netze zu kn\u00fcpfen, ist in den pers\u00f6nlichen und gesellschaftlichen Umbr\u00fcchen. Arbeitslose, prek\u00e4r Besch\u00e4ftigte, Jugendliche in Arbeitsmarktpolitischen Ma\u00dfnahmen, Hartz-IV-Empf\u00e4nger haben kaum Ressourcen f\u00fcr freiwilliges Engagement. Meist fehlt es nicht nur an Geld oder Bildung, sondern mehr noch an sozialen Netzen. <strong>Ehrenamt muss man sich leisten k\u00f6nnen<\/strong>.<strong> Jetzt, in der Kurzarbeit, haben sich einige ehrenamtlich oder f\u00fcr eine geringf\u00fcgige Besch\u00e4ftigung in Alten- und Pflegeheimen engagiert. &nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wenn der Lockdown vor\u00fcber ist, wird das Ehrenamt in der Kirche anders aussehen<\/strong>. <strong>Viele haben sich in diesen Monaten freiwillig engagiert<\/strong> \u2013 bei Einkaufsdiensten, als Impfpaten, in Pflegeheimen. <strong>Wenn der Alltag wieder beginnt, wird das zu Ende sein. Ganz so wie bei anderen ehrenamtlichen Projekten<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00c4ltere sind aus vertrauten \u00c4mtern ausgeschieden<\/strong>. <strong>Aber die digitale Nachbarschaftsplattform Nebenan.de \u2013 meist von \u00c4lteren genutzt \u2013boomt<\/strong>. Und w\u00e4hrend der Corona-Krise erlebte sie in ganz Deutschland einen zus\u00e4tzlichen Aufschwung.Die Arbeit in Quartier und Nachbarschaft ist f\u00fcr die Kirchengemeinden eine gro\u00dfe Herausforderung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie sind unsere Konzepte nach dem Lockdown?<\/strong> <strong>Wie danken wir den kurzfristig<\/strong> Engagierten? Das gilt es, glaube ich, noch zu lernen. <strong>Wer \u00fcberlegt mit den \u00c4lteren, ob und wie es weitergeht. Vielleicht ist es jetzt Zeit, eine Ehrenamtskoordination einzuf\u00fchren? <\/strong>Und Mentorinnen und Mentoren. <strong>Und was ist mit denen, die sich Ehrenamt nicht leisten k\u00f6nnen?<\/strong> Da k\u00f6nnen wir viel lernen von der Diakonie, von Freiwilligenagenturen und auch von Henkel.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong><em>These 3: Ehrenamt organisiert sich zunehmend selbst- auch im Netz. <\/em><\/strong><em>Ehrenamtliche engagieren sich in unterschiedlichen Institutionen \u2013 sie brauchen dazu weder Kirche noch Religion. <strong>Christ*innen sind nicht nur in den Gemeinden engagiert, sondern auch in Vereinen, Schulen, vielf\u00e4ltigen Initiativen<\/strong>. Darin liegt eine oft \u00fcbersehene Chance.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ehrenamtlich ist meist in Strukturen verankert<\/strong> und darin verbindlich und verantwortlich \u2013 sei es formal im Sinne eines Wahlamtes, sei es in der festen \u00dcbernahme einer Aufgabe in einer Organisation oder in pers\u00f6nlichen Absprachen in Gruppen und Netzwerken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aber das ver\u00e4ndert sich. Laut einer Allensbach \u2013 Untersuchung zum Engagement in der Fl\u00fcchtlingshilfe von 2017 arbeiteten 40 Prozent der Engagierten in Gruppen<\/strong>, die sich ausschlie\u00dflich zu diesem Zweck gegr\u00fcndet haben- ohne Rechtsform, mit flachen Hierarchien und einem hohen Ma\u00df an Beteiligungsm\u00f6glichkeiten. &nbsp;<strong>23 Prozent haben sich auf eigene Faust und au\u00dferhalb aller Institutionen engagier<\/strong>t. Es dominierten junge Leute zwischen 20 und 30- und sie organisierten sich nicht zuletzt \u00fcber die neuen Medien.<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> <strong>Mehr als je zuvor wurde schon in dieser Krise das \u201eneue Ehrenamt\u201c f\u00fcr alle erkennbar: Es ist kurzfristig und projektorientiert<\/strong>. Nach einem Einsatz zieht man sich zur\u00fcck, kann aber sp\u00e4ter auf das gewonnene Netzwerk\u201c zur\u00fcckgreifen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Ehrenamtlichen von heute \u201egeh\u00f6ren\u201c keiner Organisation. <\/strong>Im Gegenteil: Sie sind es, die mit ihren Ideen nach den passenden Einsatzfeldern suchen und Innovationen vorantreiben.<strong>&nbsp; Engagementagenturen, Freiwilligenb\u00fcros, Ehrenamtsmessen zeigen: Ehrenamt ist institutions\u00fcbergreifend.<\/strong> <strong>Inzwischen sind vierzig Prozent der Engagierten in der evangelischen Kirche auch an anderer Stelle aktiv. Immerhin 10 Prozent organisieren ihr Ehrenamt unabh\u00e4ngig <\/strong>von Tr\u00e4gern. Klammern hilft da nicht. Es geht darum, sich \u00fcber die eigenen St\u00e4rken klar zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es gab mal eine Werbung f\u00fcr ein Deodorant. \u201eMein Bac, Dein Bac, Bac ist f\u00fcr uns alle da\u201c. Daran denke ich oft, wenn \u00fcber Ehrenamtliche gestritten wird<\/strong>: Zwischen Kirche und Diakonie zum Beispiel. Meine Ehrenamtlichen, Deine Ehrenamtlichen. Tats\u00e4chlich gibt es da unterschiedliche Fortbildungsangebote, Einsatzfelder, manchmal auch unterschiedliche finanzielle Regelungen. <strong>Jahrelang hatte ich den Eindruck, Diakonie gehe professioneller mit dem Thema um: strukturierter, klarer in der Rollenverteilung. Weniger vereinnahmend. Aber jetzt mischen sich die Netzwerke; wir lernen voneinander<\/strong>. Aber hinter dieser Reibung steht eine gesellschaftliche Ver\u00e4nderung: <strong>Es gibt einen &nbsp;Wettbewerb um die Ehrenamtlichen. Um ihre Zeit, ihr Wissen, ihre Kompetenz.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aber Ehrenamtliche kann man nicht funktionalisieren. Auch&nbsp; nicht mit den besten Zielvereinbarungen und Kontrakten. Sie haben keinen Job<\/strong>. Was Sie tun, das tun Sie aus eigener Motivation und \u00dcberzeugung. <strong>Denken Sie nur an die \u00c4rztin Lisa Federle- mit ihrem Engagement beim Roten Kreuz hat sie gerade T\u00fcbingen zur Corona-Modellstadt gemacht.<\/strong> Es geht um Selbstwirksamkeit, neue Erfahrungen und Kontakte. \u00dcber das Ehrenamt entstehen neue Zugangsqualifikationen, werden neue Netze gekn\u00fcpft. Und es geht um Sinn. <strong>Ehrenamtliches Engagement hilft Lebens\u00fcberg\u00e4nge zu gestalten \u2013 <\/strong>von der Schule in den Beruf, von der Erwerbst\u00e4tigkeit in die dritte Lebensphase, von der Familienphase zur\u00fcck in den Beruf. <strong>Hier suchen Menschen ihre Berufung\u201c; sie wollen finden, was den Einsatz lohnt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man betrachtet, aus welchem relativ begrenzten Reservoir sich kirchliches Engagement heute speist- es sind <strong>bestimmte soziale Schichten, Altersgruppen und Lebensstilmilieus sind unterrepr\u00e4sentiert<\/strong> \u2013 dann kann man annehmen, dass hier ein gro\u00dfes Potential ruht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong><em>These 4: Wo Vertrauen w\u00e4chst, reden Menschen auch \u00fcber Glauben und Lebenssinn. Nicht nur in der Kirche &#8211; auch beim Yoga, bei der Feuerwehr oder bei den Patenenkeln. <\/em><\/strong><em>Und beim Stadtteilfest mit Einheimischen und Zugewanderten. <strong>Es geht nicht um die Zukunft unseres Clubs<\/strong>. Wir interessieren uns auch f\u00fcr Leute, die nicht zu uns passen.<strong> Menschen um Gottes Willen Mut machen \u2013<\/strong> zum offenen Leben mit Grenzen, zum Miteinander bei allen Unterschieden, zum Gottvertrauen, zum n\u00e4chsten Schritt. <strong>Was kann die Kirche tun, um mit Engagierten ins Gespr\u00e4ch zu kommen?&nbsp;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein alter kirchlicher Begriff ploppt pl\u00f6tzlich wieder auf: Berufung. Es geht darum, etwas zu finden, was Einsatz und Hingabe lohnt<\/strong>. Manche lassen sich auf einer Reise inspirieren, andere durchleben eine Krankheit oder landen in einer beruflichen Sackgasse und entdecken dann einen alten Traum, einen neuen Lebenssinn. <strong>Gebraucht werden, etwas Sinnvolles tun. Die Arbeit soll auch die eigene Seele f\u00fcttern. Wo der Brotberuf das nicht bringt, kann es auch ein Nebenjob sein. Oder eben ein Ehrenamt<\/strong>. Freiwilliges Engagement lebt aus intrinsischer Motivation \u2013 <strong>\u00e4u\u00dferer Druck und monet\u00e4re Anreize passen nicht dazu.&nbsp; \u201eW\u00fcrde ich daf\u00fcr bezahlt, w\u00fcrde ich es nicht machen\u201c, sagen viele.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nicht alle, die sich heute engagieren, sind Kirchenmitglieder. H\u00e4ufig hatten sie sich schon lange der Kirche entfremdet oder geh\u00f6rten ohnehin nie dazu. <\/strong>Aber Engagement \u00f6ffnet f\u00fcr spirituelle Erfahrungen. <strong>Immerhin zweiundzwanzig Prozent der ehrenamtlich Engagierten geben an, dass sie mit anderen \u00fcber religi\u00f6se Fragen sprechen- bei den Nichtengagierten sind es weniger als 10 Prozent<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aber auch Mitgliedschaft bedeutet nicht unbedingt, dass Menschen sich mit der Kirche identifizieren. Engagierte m\u00fcssen gewonnen werden- durch Mentoring, Fortbildung und Supervision, durch Ehrenamtstage und Kinderbetreuung. Und auch durch Gespr\u00e4che \u00fcber Glaubensfragen<\/strong>. Das gilt nicht nur f\u00fcr <strong>&nbsp;<\/strong>Telefonseelsorge, der Krankenhausseelsorge, der Hospizarbeit. Da ist klar \u2013 es braucht es eine &nbsp;theologisch gegr\u00fcndete Weiterbildung. Aber wer an der Tafel hilft oder in der Fl\u00fcchtlingsarbeit, wird \u00e4hnliche Fragen haben. Da geht es um Gerechtigkeit und eine andere Zukunft. <strong>Wie weit muss der Weg von der Tafel zum Gottesdienst sein?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wenn man die Einsicht ernst nimmt, dass Glaube immer ein Prozess ist und dass Areligiosit\u00e4t auch unter Kirchenmitgliedern vorhanden ist, dann wird es absurd, ausschlie\u00dflich zwischen Mitgliedschaft und Nichtmitgliedschaft zu unterscheiden<\/strong>, sagt Hans-Martin Barth<a href=\"#_ftn6\"><sup>[6]<\/sup><\/a> . Das Engagement in der Gemeinde kann den Weg zur Mitgliedschaft ebnen. <strong>Deshalb sollten wir \u00fcberlegen,&nbsp; wie die Teilhabe von Interessierten aussehen kann. Was sie entscheiden k\u00f6nnen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es gibt eine hohe Verbundenheit mit der Kirche ohne aktive Praxis.&nbsp; Es gibt aber auch eine hohe Verbundenheit mit dem christlichen Glauben und einer entsprechenden ehrenamtlichen Praxis bei deutlicher Distanz zur verfassten Kirche,<\/strong> sagt Heinz-Peter Hempelmann, der verschiedene Sinus-Studien verglichen hat. Das kirchliche Ehrenamt ist also <strong>nur ein Ausschnitt des Engagements von Christinnen und Christen, Deshalb liegen gro\u00dfe Chancen darin, wenn die Kirche sich f\u00fcr die Engagierten in Vereinen, Schulen, Initiativen \u00f6ffnet<\/strong>. Und damit f\u00fcr andere Ausschnitte der Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Gemarker Pfarrer Paul Humburg sagte im Mai 1934 in der Barmer Stadthalle<\/strong>, die bekennende Gemeinde habe die Pflicht, darum zu ringen, als Gemeinde das Herz der Welt zu sein. Aber nicht der geographische Raum z\u00e4hle, Erweckungslust und Ver\u00e4nderungsbereitschaft m\u00fcssten Raum gewinnen. Denn die Kirche sei nicht dazu da, nur die eigene Gemeinschaft zu pflegen oder ein unverbindliches Christentum als Gesellschaftsreligion zu st\u00fctzen.&nbsp; <strong>Ankn\u00fcpfend an Barmen sah Gollwitzer dann die Zukunft der Kirche in einer Personengemeinschaft auf lokaler und regionaler Ebene, in sozialen Netzwerken, die \u00fcber die Parochie hinaus gehen, im Bekanntmachen des neuen Lebens- nicht nur in Worten, sondern auch in einem neuen Lebensstil<\/strong>. In der Volkskirche mit ihrem Vorrang des Amtes vor den Charismen sah er Elemente der falschen Kirche. Gleichwohl blieb sie f\u00fcr ihn <strong>der Ort, an dem die wahre Kirche Ereignis werden kann.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht so, wie Renate Abesser sagt: \u201eIch sehe die Herausforderung besonders Menschen gegen\u00fcber, die sich nicht mehr einer Gemeinde verbunden f\u00fchlen. In dem Satz \u201eF\u00fcr meinen Glauben brauche ich keine Kirche\u201c, &nbsp;schwingt oft eine Entt\u00e4uschung \u00fcber exklusive kirchliche Strukturen mit. <strong>Dahinter liegt meist die Sehnsucht nach Gemeinschaft und Selbstwirksamkeit.<\/strong> <strong>Genau diese Menschen erreichen wir mit \u00f6ffentlichen Angeboten zu dr\u00e4ngenden (Lebens-)Themen und in krisenhaften Lebenssituationen \u2013 im besten Fall so, dass sie sich eingeladen f\u00fchlen, sich selbst zu engagieren.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong><em>These 5: \u201eVereinsmeier\u201c sind wir nicht.<\/em><\/strong><em> <strong>Aber wir k\u00f6nnen von Vereinen lernen<\/strong>. <\/em><br><em>Zum Beispiel von Auslandsgemeinden. Da steuert die ehrenamtliche Leitung den ganzen Laden. Nach innen vom Profil bis zur Organisation und nach au\u00dfen mit Projekten, die weit in die Gesellschaft hineinwirken. <strong>Als Gemeinde sind wir heute schon Teil der Zivilgesellschaft. Und zugleich noch immer \u00f6ffentlich-rechtliche Institution. Das kann l\u00e4hmen<\/strong>. <strong>Wie kann es gelingen, beides gut zu verkn\u00fcpfen?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich erinnere mich an eine Kirchenvorstandssitzung morgens um 6.30 Uhr in Chicago: Bei Automatenkaffee plante die UCC-Gemeinde eine Mitgliederbefragung \u2013 mit hoher Professionalit\u00e4t. Ich denke auch an <strong>die ehrenamtliche Vorsitzende eines Altenzentrums, die mir Visitenkarte, Vorstellungsmappe und Flyer ihres Ehrenamtprogramms mitbrachte \u2013 150 Ehrenamtliche waren dort \u201ebesch\u00e4ftigt\u201c. Das ist jetzt fast 30 Jahre her<\/strong> \u2013 und ganz langsam merke ich, das ist uns nicht mehr so fremd. <strong>Diese Leute leiteten mit gro\u00dfer Selbstverst\u00e4ndlichkeit \u2013 und mit einer breiten beruflichen Erfahrung<\/strong>. So wie die Vorstandsmitglieder der Auslandsgemeinden, die selbsttragende Vereine sind.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<strong>Ehrenamtliche sind eine Art \u201eQuereinsteiger\u201c im kirchlichen Betrieb- Fachleute f\u00fcr Innovation in unserer B\u00fcrokratie<\/strong>. <strong>So wie B\u00fcrgermeister Claus Ruhe Madsen aus Rostock<\/strong>, der die st\u00e4dtische Verwaltung in der Krise auf dem Hintergrund seiner M\u00f6belhaus-Erfahrungen ver\u00e4nderte. <strong>Auch unsere alte Amtskirche braucht Menschen, die die Organisation von au\u00dfen sehen k\u00f6nnen<\/strong>, Menschen, die andere berufliche Erfahrungen und Kompetenzen einbringen- und damit Digitalisierung, Personalmanagement oder Immobilienplanung vorantreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>. <strong>Wo die Angst vor Stellenabbau \u00fcberm\u00e4chtig wird, entsteht eine Abw\u00e4rtsspirale. Heute verstehen sich Hauptamtliche zunehmend als Initiator*innen, Assistenz und Gew\u00e4hrleister*innen ehrenamtlicher Arbeit. Aber alle Versuche, zivilgesellschaftliches Engagement zu kanalisiere<\/strong>n, um es angesichts knapper Ressourcen effektiver zu gestalten, sto\u00dfen an Grenzen. <strong>Denn anders als im beruflichen Kontext, wo Hierarchie immer eine Rolle spielt, oder auf dem Markt, wo Wettbewerb und Effizienz z\u00e4hlen, geht es den Engagierten aber darum, sich pers\u00f6nlich einzubringen<\/strong> und sich mit dem eigenen Tun zu identifizieren. Sie wollen geh\u00f6rt werden, wenn die Dinge in die falsche Richtung laufen; wo das nicht geschieht, sind sie bitter entt\u00e4uscht. Umgekehrt gilt<strong>: Wo Basisinitiativen&nbsp; stark sind, gelingt es trotz Finanzknappheit, Drittmittel heranzuziehen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nun sind ja die meisten Mitglieder der Gemeindeleitungen selbst ehrenamtlich \u2013 und in der Regel waren sie auch vorher schon ehrenamtlich engagiert<\/strong>. Das ist der Grund, warum sie angesprochen und dann auch gew\u00e4hlt wurden. Was \u00e4ndert sich eigentlich mit ihrer Wahl \u2013 in ihrem Selbstverst\u00e4ndnis? In ihrem F\u00fchrungsverst\u00e4ndnis? Eine Untersuchung zeigt: Gemeinschaftsbezogene Aspekte spielen weiterhin eine gro\u00dfe Rolle-&nbsp; \u00fcbrigens gibt es da keine gro\u00dfen Unterschiede zwischen Ehren- und Hauptamtlichen. <strong>Schaut man aber auf die Bedeutung von Strategien und Zielsetzungen f\u00fcr die Gemeinde, dann zeigt sich<\/strong>: Daran sind vor allem die Hauptamtlichen interessiert &#8211; &nbsp;und <strong>die Ehrenamtlichen, die eine Funktion in der Gemeinde- oder Kirchenleitung haben<\/strong>&#8211; interessanterweise noch mehr als Pfarrerinnen und Pfarrer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie sind es also, die Ehrenamtlichen in den Presbyterien, die die Gemeindeentwicklung vorantreiben. Sie sind daf\u00fcr zust\u00e4ndig, dass Strategie und Kommunikation zusammenpassen<\/strong>. Und dass Gemeinde Br\u00fccken baut zu den anderen Organisationen vor Ort. Und Sie wissen aus eigener Erfahrung: die besten Br\u00fcckenbauer sind die ehrenamtlichen Gemeindemitglieder aus den Elternr\u00e4ten, den Sportvereinen, der Feuerwehr. <strong>Wie nutzen Sie jetzt die Erfahrungen, die Sie als \u201eganz normale Ehrenamtliche\u201c gemacht haben? Wie k\u00f6nnen Sie sie die Engagierten unterst\u00fctzen?&nbsp; Durch Informationen, durch Mentoring, durch Koordination<\/strong>? Ehrenamtskoordination ist eine Funktion der Gemeindeleitung- sie ist ganz eng verbunden mit der Arbeit im Presbyterium. Wie schafft man das, ohne sich zu \u00fcberfordern? Am besten, das zeigt ein Modellversuch in W\u00fcrttemberg, mit einem &nbsp;Team von Haupt- und Ehrenamtlichen-<a href=\"#_ftn7\"><sup>[7]<\/sup><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Krisen k\u00f6nnen wachr\u00fctteln und verkrustete Strukturen aufbrechen. Das erleben wir gerade- und wir haben es an der Fl\u00fcchtlingskrise ge<\/strong>sehen. Sie war eine Sternstunde der Ehrenamtlichen- und der Kirche. Denn da wurde sichtbar: &nbsp;<strong>Engagement braucht Andockpunkte, anregende und begleitende Strukturen, fachliche Impulse und Unterst\u00fctzung sowie einen f\u00f6rdernden Rahmen. Und die Kirchen sind stark und attraktiv, wo staatliche Strukturen noch fehlen,<\/strong> wenn es darum geht, mit neuen Herausforderungen umzugehen, wenn Problemlagen zun\u00e4chst diffus erscheinen und alles darauf ankommt, flexibel neue Konzepte zu entwickeln. <strong>Kirche geht immer von unmittelbaren Erfahrung aus, nicht von festgelegten Strategien und refinanzierbaren Modulen. <\/strong>Das ist unsere St\u00e4rke. Kirchen haben eine lange Tradition im Ehrenamt. <strong>Darauf l\u00e4sst sich aufbauen. Vielleicht auch mit den Stolpersteinen, die wir manchmal umdrehen m\u00fcssen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Deutscher Freiwilligensurvey 2014<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> So das SI-Gemeindebarometer von 2014<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Wiesbadener Institut f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsforschung, 2012<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Deutsches Zentrum f\u00fcr Altersfragen, Alterssurvey 2014<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Allensbach, April 2017<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> Hans-Martin Barth, Konfessionslos gl\u00fccklich, S 119<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> Gerhard Hess, Paul-Stefan Ross: \u201eRahmenbedingungen systematischer Ehrenamtsf\u00f6rderung: Beobachtungen und Erkenntnisse aus der Evangelischen Landeskirche in W\u00fcrttemberg\u201c , in: Cornelia Coenen-Marx. Beate Hofmann (Hg). Zum Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamt in der Kirche, Stuttgart 2017<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"\u201eKann Kirche Ehrenamt?\u201c\" width=\"750\" height=\"422\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/vQoWoSazv3U?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-wordpress wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-presbyteriumstag-ekir-de\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"TEMYwd6Pc7\"><a href=\"https:\/\/presbyteriumstag.ekir.de\/inhalt\/hier-finden-sie-den-livestream\/\">Livestream verpasst? 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