{"id":585,"date":"2015-02-20T16:43:29","date_gmt":"2015-02-20T16:43:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=585"},"modified":"2015-07-29T10:28:05","modified_gmt":"2015-07-29T10:28:05","slug":"kirche-findet-stadt-utopie-oder-wirklichkeit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=585","title":{"rendered":"Kirche findet Stadt! Utopie oder Wirklichkeit?"},"content":{"rendered":"<p><strong>1. Tr\u00e4ume treiben uns voran<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 1516 erschien in L\u00f6wen ein Buch mit dem Titel: Vom besten Zustand des Staates oder von der neuen Insel Utopia\u201c. Der Autor, der Theologe Thomas Moore, hatte vier Jahre in einem Kloster gelebt, bevor er heiratete und sich f\u00fcr eine juristische Karriere und f\u00fcr die Politik entschied. Er wurde Lordkanzler von Heinrich VIII und war \u00fcber lange Zeit dessen rechte Hand. Aber jenseits aller politischen Loyalit\u00e4t blieb f\u00fcr ihn klar: Politik braucht einen Traum, eine Vision, um Zukunft zu erm\u00f6glichen. Und gerade in Umbruchzeiten kommt es darauf an, dass die Werte klar beschrieben werden, die uns treiben, die Ideen, an denen unsere Konzepte h\u00e4ngen. Mit seinem Traum von der Insel Utopia hat Thomas Morus das versucht: In seinem idealen Gemeinwesen spielen Menschenw\u00fcrde, Teilhabe und Toleranz eine zentrale Rolle. Grund und Boden sind gemeinsamer Besitz; denn der Schutz der \u00f6ffentlichen G\u00fcter ist Voraussetzung f\u00fcr die Teilhabe aller.<\/p>\n<p>Die amerikanische Philosophin Martha Nussbaum, hat sich auf Thomas Morus bezogen, als sie in den letzten Jahren deutlich machte, wie Menschenw\u00fcrde und Menschenrechte zusammen geh\u00f6ren. Sie entwickelt ihre Theorie der Gerechtigkeit als Bef\u00e4higungsgerechtigkeit und nimmt dabei auch die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger in den Blick, die f\u00fcr Thomas Morus noch keine Rolle spielten: die Abh\u00e4ngigen und Transferempf\u00e4nger, Menschen mit Behinderung, chronisch Kranke, pflegebed\u00fcrftige \u00c4ltere \u2013 alle die, f\u00fcr die wir traditionell Hilfen vorhalten, deren soziale B\u00fcrgerrechte aber immer wieder in Frage gestellt werden. Der Wandel vom f\u00fcrsorglichen Wohlfahrtsstaat \u00fcber den aktivierenden zum investiven Sozialstaat hat daran nichts ge\u00e4ndert. Martha Nussbaums politische Utopie ist die einer inklusiven Gesellschaft, in der sich alle Menschen auf Augenh\u00f6he begegnen und gemeinsam Wirklichkeit gestalten. Wenn wir ernst machen wollen mit den sozialen B\u00fcrgerrechten, dem Recht auf Bildung und ein sozial-\u00f6konomisches Existenzminimum zum Beispiel, dann gilt es, durchzubuchstabieren, was Menschen brauchen, um nach ihren M\u00f6glichkeiten f\u00fcr sich selbst sorgen zu k\u00f6nnen, sich trotz mancher Behinderungen von einem zum anderen Ort zu bewegen, Beziehungen zu gestalten und aufrecht zu erhalten und ihren Lebensraum zur Heimat zu machen.<\/p>\n<p>Die Idee der Inklusion, die von Martha Nussbaum mit entwickelt wurde, gilt inzwischen als internationale Leitidee in der Sozial- und Gesellschaftstheorie<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> und wird als die soziale Frage der Gegenwart betrachtet<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Dabei geht es nicht nur um einen individuellen Rechtsanspruch auf gesellschaftliche Teilhabe und aktive Mitgestaltung, es geht vielmehr um die Verpflichtung von Staaten und Kommunen, aber auch von Kirche und Diakonie, angemessene Vorkehrungen zu treffen, damit Menschen ihre Rechte auch wahrnehmen k\u00f6nnen. Wir sind herausgefordert, unsere Unterst\u00fctzungsleistungen so zu erbringen, dass ein Leben in der Mitte der Gesellschaft m\u00f6glich ist. Das kann nur gelingen, wenn die Leistungen personenbezogen und lebensweltlich ausgerichtet sind. Es geht darum, das Einsortieren von Menschen in \u201eSchubladen\u201c und Gruppen zu beenden, das auch unsere Hilfesysteme kennzeichnet- mit unterschiedlichen Refinanzierungen und Strukturen je nachdem, ob einer behindert oder pflegebed\u00fcrftig, alt oder krank ist.<\/p>\n<p>Die Philosophin Hannah Arendt,<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> die schon in den 60er Jahren beschrieben hat, wie gerechte Teilhabe gelingen kann, benennt als grundlegende Voraussetzungen, dass jeder Mensch in seiner Einzigartigkeit anerkannt und geachtet wird, dass jeder auf die Unterst\u00fctzung anderer vertrauen kann und dass jeder Mensch Zugang hat zum \u00f6ffentlichen Raum hat. Kein Mensch soll aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Diese Vision hat in den letzten Jahrzehnten viele B\u00fcrger und B\u00fcrgerinnen angetrieben: von der Psychiatrieenquete bis zur Ambulantisierung der Behindertenhilfe, von Cecily Sounders bis zu Klaus D\u00f6rner. Ihre Tr\u00e4ume richteten sich zumeist auf das Zusammenleben im Quartier. Wer pflegebed\u00fcrftig ist oder mit Behinderungen leben muss, wer unheilbar krank und sterbend ist, soll deswegen nicht ausgeschlossen sein. Keiner soll umziehen m\u00fcssen oder im Heim untergebracht werden, nur weil er sich selbst nicht mehr versorgen kann; keiner soll isoliert sein, wenn er stirbt. Die Umsetzung dieses Traums in eine menschenrechtliche Norm, die UN-Behindertenrechtskonvention, zwingt uns jetzt dazu, ganz konkret dar\u00fcber nachzudenken, wie unsere allt\u00e4glichen Lebensorte gestaltet sein m\u00fcssen, damit das gelingt. Wie Wohnquartiere und Arbeitswelt, soziale Dienste und deren Finanzierung sich \u00e4ndern m\u00fcssen. Projekte wie Wohnquartier hoch 4 zeigen bereits anschaulich, wie ein Stadtteil aussehen muss, in dem \u00e4ltere Menschen gut leben k\u00f6nnen. Ich bin \u00fcberzeugt, dass der demographische Wandel uns \u00fcber kurz oder lang zwingen wird; auch in den Systemen der Altenhilfe die Rechtsgrundlagen wie die Refinanzierungsm\u00f6glichkeiten zu \u00e4ndern. Mit dem Ziel, die bestm\u00f6glichen Kommunen und Quartiere f\u00fcr eine \u00e4lter werdenden Gesellschaft zu schaffen, um Thomas Morus Gedanken vom besten Zustand des Staates noch einmal aufzunehmen.<\/p>\n<p>Wir brauchen Utopien wie die von Thomas Moore, wir brauchen Tr\u00e4ume wie die von Saunders und D\u00f6rner, um nicht in der Alternativlosigkeit des Hier und Jetzt zu ersticken. Um Politik zu gestalten. Oft sind es die Quellen der Bibel, aus denen die gro\u00dfen Tr\u00e4umer gesch\u00f6pft haben- von Thomas Morus bis Martin Luther King. Die Utopie, die am Anfang aller Tr\u00e4ume stand, ist die neue Stadt Gottes, das neue Jerusalem, das im alten, in der der christlichen Gemeinde schon erfahren werden kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>2. Erfahrungsorte einer neuen Wirklichkeit<\/strong><\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein Anspruch, werden jetzt viele von Ihnen denken: die Kirche als Kern einer Erneuerungsbewegung- das ist sie doch schon l\u00e4ngst nicht mehr. Sie werden die Milieuverengung in vielen Gemeinden vor Augen haben, die Probleme, mit demenzkranken Menschen einen normalen Gottesdienst zu besuchen, den Zeitdruck, der auch auf diakonischen Pflegestationen lastet. Es gibt sie aber: die Aufbr\u00fcche, die Traumpl\u00e4tze. Ich denke an das geistliche Zentrum f\u00fcr Menschen mit Demenz, das Nachbarschaftszentrum in Stralsund, die Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg oder die Diakoniekirche in Offenbach- lauter Pl\u00e4tze, an denen kirchliche und diakonische Handlungsfelder neu aufeinander bezogen werden. Manchmal steht ein Gemeindezentrum im Mittelpunkt, das zum Nachbarschaftshaus umgebaut wurde, manchmal wird ein Familienzentrum zum zentralen Knotenpunkt im Stadtteil, manchmal ist es ein Mehrgenerationenhaus. Immer geht es darum, Hindernisse und Barrieren abzubauen und Menschen miteinander in Beziehung zu bringen, Hilfen anzubieten und zur Selbstorganisation zu erm\u00e4chtigen. Kirche findet Stadt- das hei\u00dft, sie entdeckt sich neu als zivilgesellschaftliche Kraft. Die beschriebenen Projekte leben von der Zusammenarbeit von Kirchengemeinden und diakonischen Einrichtungen, von den Initiativen freiwillig Engagierter und von der Kooperation mit anderen Gruppen aus der Zivilgesellschaftlich.<\/p>\n<p>Eine konkrete Utopie f\u00fcr das 21. Jahrhundert nennt Jan Hendricks sein Buch \u201e Gemeinde als Herberge\u201c: Er sieht Wesen und Auftrag der Gemeinde in einer dreifachen Begegnung: mit Gott, miteinander und mit der Gesellschaft. Kirche hat Begegnungsr\u00e4ume fast in jedem Wohnquartier \u2013oft sind es die letzten \u00f6ffentlichen Orte. Sie zu \u00f6ffnen, damit viele sich einbringen k\u00f6nnen, ist ein wesentlicher Schritt. Wo wir sie nicht mehr brauchen und nicht mehr tragen k\u00f6nnen, kann es richtig sein, einen Verein mit anderen zu gr\u00fcnden, wie es bei Kirche findet Stadt in Gelsenkirchen geschehen ist. Wir m\u00fcssen nicht mehr immer Gastgeber sein- wir k\u00f6nnen, um im Bild zu bleiben, auch als Servicekr\u00e4fte mithelfen, damit das Leben gelingt.\u201c Gemeinden sind Agenturen f\u00fcr Gemeinschaft, schreibt Rosemarie Henel, die als AWO-Mitarbeiterin mit einer Kirchengemeinde zusammenarbeitet, sie seien ein \u201eCircle of support\u201c. Hier f\u00e4nden sich Menschen, die bereit sind, genau hinzuschauen, wenn andere Unterst\u00fctzung brauchen oder in Isolation geraten und ihre Kompetenzen einzubringen, wenn es darum geht, nachbarschaftliche Netze zu bilden. Vielen ist inzwischen klar, dass soziale Teilhabe nicht allein von Organisationen gew\u00e4hrleistet werden kann, sondern von Menschen gestaltet werden muss. Diese Entwicklung kommt der Kirche sehr entgegen und fordert sie zugleich heraus.<\/p>\n<p>Die Diakoniedenkschrift der EKD, die 1998 zum 150-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Inneren Mission ver\u00f6ffentlicht wurde, benennt dabei drei wesentliche Herausforderungen. Es geht darum,<\/p>\n<ul>\n<li>die Distanz zwischen Kirchengemeinden und Diakonischen Diensten \u00fcberbr\u00fccken<\/li>\n<li>die Kontakte zu Betroffenen und zivilgesellschaftlichen Initiativen zu verbessern und deren Bed\u00fcrfnisse besser wahrnehmen und<\/li>\n<li>schlie\u00dflich die Vernetzung mit au\u00dferkirchlichen Initiativen im Gemeinwesen bewusst zu suchen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gemeinwesenorientierung bedeutet f\u00fcr die Diakonie die \u00dcberwindung der Zielgruppenorientierung und Vers\u00e4ulung und die Kooperation mit anderen Tr\u00e4gern, w\u00e4hrend die Kirchengemeinden die Parochie, in der sie arbeiten, als Sozialraum neu entdecken m\u00fcssen. Viele Gemeinden f\u00fchlen sich so unter Druck, dass sie vergessen haben, welches Sozialkapital sie einbringen k\u00f6nnen &#8211; an Kontakten, Netzwerken und Beziehungen und R\u00e4umen. Angesichts des Verlusts an Mitgliedern und Finanzen igeln sich manche Gemeinde ein- sie verlieren ihre offene Ausstrahlung, b\u00fc\u00dfen Professionalit\u00e4t ein, lassen Au\u00dfenstehende und Interessierte nicht mehr an Entscheidungen partizipieren. Wo aber Kirche und Diakonie zusammenarbeiten, kann Diakonie das wunderbar kompensieren: sie hat gr\u00f6\u00dfere Freiheitsspielr\u00e4ume, professionelle Dienstleistungen, oft mehr Unternehmensgeist. Eine Untersuchung des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD hat gezeigt: das Gelingen von Gemeinwesendiakonieprojekten h\u00e4ngt davon ab, beides zusammen zu bringen &#8211; Lebensweltorientierung und Professionalit\u00e4t, Sozialraum und Dienstleistung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong> 3. Die Gegenwart als Traumbild der Zukunft? Vom Mut, neue Wege zu gehen<\/strong><\/p>\n<p>120 Standorte haben sich im \u00f6kumenischen Projekt \u201e Kirche findet Stadt\u201c zusammen geschlossen.. Wer sie besucht, sp\u00fcrt Energie und Begeisterung und entdeckt Projekte mit Leuchtturmcharakter f\u00fcr unsere Kirche. Sie geben Orientierung, zeigen Wege in die Zukunft, aber sie werfen nat\u00fcrlich auch ein paar Schlaglichter auf die Hindernisse, mit denen wir k\u00e4mpfen- zum Beispiel in der Quartierspflege oder in Mehrgenerationenh\u00e4usern.<\/p>\n<ul>\n<li>Die Vers\u00e4ulung der sozialen Sicherungssysteme f\u00fchrt zu Doppelausgaben und Dreht\u00fcreffekten. Der wachsende Wettbewerb hat alte Netze und B\u00fcndnisse zerschlagen. Die Bildung von sozialen Gro\u00dfkonzernen erschwert es den Tr\u00e4gern, mit Kirchengemeinden und Ehrenamtlichen zusammen zu arbeiten, weil beide einer v\u00f6llig unterschiedlichen Handlungslogik folgen. Dabei brauchen wir starke B\u00fcndnisse vor Ort, die Betroffenen und Angeh\u00f6rigen Wege zeigen.<\/li>\n<li>F\u00fcr die ausgebluteten Kommunen ist es kaum mehr m\u00f6glich, die fragmentierten Leistungen aufeinander abzustimmen, f\u00fcr Kooperationen und Nachhaltigkeit zu sorgen. Viele sehen keine anderen Auswege, als den Kostenwettbewerb noch weiter zu treiben. Dabei brauchen wir starke Kommunen, um professionelle Tr\u00e4ger und zivilgesellschaftliche Alternativen zu vernetzen. Wir brauchen ein gutes und nachhaltiges Quartiersmanagement. Tats\u00e4chlich leiden auch und gerade die starken Modellstandorte von \u201eKirche findet Stadt\u201c unter Projektfinanzierung und Zeitvertr\u00e4gen. Ein fester Haushaltstitel f\u00fcr diese zentrale Infrastrukturaufgabe k\u00f6nnte die \u00e4lter werdenden St\u00e4dte zukunftsfest machen.<\/li>\n<li>Und auch Kirche und Diakonie m\u00fcssen sich neu entdecken: Als starke Partner in der Stadt , als zentrale Plattformen f\u00fcr das ehrenamtliche Engagement, als Tr\u00e4ger von Pflegediensten und Altenwohnungen m\u00fcssen sie ihren eigenen Beitrag zum demographischen Wandel leisten- Haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende qualifizieren, die allgemeine Sozialarbeit wieder ausbauen, sich in der Entwicklung von B\u00fcrgerkommunen einbringen und Budgets f\u00fcr neue Initiativen schaffen. \u00c4ltere Menschen, aktive Gro\u00dfeltern, Ehrenamtliche \u00fcber 60, aber auch Pflegebed\u00fcrftige und pflegende Angeh\u00f6rige sind eine zentrale Zielgruppe der Kirche \u2013 sie geh\u00f6ren so selbstverst\u00e4ndlich dazu, dass wir bislang zu wenig \u00fcber Strategien und Konzepte nachdenken. Das muss sich \u00e4ndern.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Utopien werden schnell als illusion\u00e4r diskreditiert- die blo\u00dfe Fortschreibung der Gegenwart dagegen erscheint uns realistisch. Dahinter steckt nichts anderes als ein Mangel an Phantasie. Ich denke an die Banken, die noch immer gute Finanzierungen f\u00fcr station\u00e4re Altenhilfeeinrichtungen bieten- obwohl wir wissen, dass sich die Masse der Menschen angesichts k\u00fcnftiger Altersarmut solche Heimpl\u00e4tze nicht mehr leisten k\u00f6nnen, dass die Einnahmen von Pflegeversicherung und Kommunen dem auf Dauer nicht standhalten, und dass vor allem die professionellen Pflegekr\u00e4fte fehlen. Das Pflegesetting der Zukunft kann nicht nur professionell und institutionell gedacht werden. Aber umgekehrt ist eine ambulante Quartiersarbeit, die im Wesentlichen von \u00fcberlasteten Profis, Assistenzdiensten und Ehrenamtlichen getragen, auch keine L\u00f6sung. Weder im einen noch im anderen Fall geschieht Hilfe auf Augenh\u00f6he. Wir brauchen eine bessere Verschr\u00e4nkung von professionellen und lebensweltlichen Hilfen, eine integrative Gesundheitsversorgung, vor allem aber auch eine Ver\u00e4nderung der Erwerbswelt und der Struktur unseres Sozialsystems. Es geht darum, eine wirkliche Vereinbarkeit von Beruf und Care-Aufgaben, von Erwerbsarbeit und Engagement zu gew\u00e4hrleisten. V\u00e4ter und M\u00fctter, T\u00f6chter und Ehepartner, Nachbarn und Freunde brauchen Zeit, f\u00fcr Erziehung, Pflege und Hilfeleistungen- Zeit, die aber nicht auf Kosten ihrer eigenen sozialen Absicherung gehen darf. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als eine Neuausrichtung der sozialen Sicherungssysteme.<\/p>\n<p>Das allerdings sei eine Kulturrevolution, hat k\u00fcrzlich jemand zu mir gesagt. Ob eine Utopie Wirklichkeit wird, das h\u00e4ngt letztlich davon ab, wir bereit sind, daf\u00fcr einzustehen und ob wir Verb\u00fcndete finden. Oft sind es die Tr\u00e4umer, die mit ihrem Einsatz Erneuerung m\u00f6glich machen- so wie Martin Luther King, der 1967, ein Jahr vor seiner Ermordung, in der Riverside Church in New York sagte: \u201eIch muss meiner \u00dcberzeugung treu bleiben, mit allen Menschen zu den Kindern des lebendigen Gottes zu geh\u00f6ren. Und weil ich glaube, dass dem Vater besonders die Leidenden, Hilfslosen und Verachteten unter seinen Kindern am Herzen liegen, bin ich hier, um f\u00fcr sie zu sprechen.\u201c Das ist der Auftrag der Kirche \u2013 bis heute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Stichweh 2005, 179: \u201eeine Leitunterscheidung der Gesellschaftstheorie\u201c; Mayrhofer 2009, 84 spricht in Bezugnahme auf Luhmann von der \u201eFunktion eines Supercodes des Gesellschaftsystems\u201c und Luhmann von einer \u201ePrim\u00e4rdifferenzierung der Gesellschaft\u201c (ebd. zitiert). Antonis 2008 spricht von \u201eMetacode\u201c und Luhmann 1997, 632 von Meta-Differenz.<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> So Kronauer 2010b, 24 in seinem Beitrag: \u201eInklusion \u2013 Exklusion: Eine historische und begriffliche Ann\u00e4herung an die soziale Frage der Gegenwart\u201c. Bude 2008, 65 spricht davon, dass das Paradigma der Ausbeutung durch das der Ausgrenzung ersetzt wurde.<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. <em>Hannah Arendt<\/em>, Vita activa oder vom t\u00e4tigen Handeln<em>, <\/em>Stuttgart 1960.<\/h5>\n<h5><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Tr\u00e4ume treiben uns voran Im Jahr 1516 erschien in L\u00f6wen ein Buch mit dem Titel: Vom besten Zustand des&#8230; <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=585\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":564,"menu_order":100,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-585","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/585"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=585"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/585\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":586,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/585\/revisions\/586"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/564"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=585"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}