{"id":555,"date":"2015-02-20T16:02:53","date_gmt":"2015-02-20T16:02:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=555"},"modified":"2015-07-29T10:23:57","modified_gmt":"2015-07-29T10:23:57","slug":"corporate-citizenship","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=555","title":{"rendered":"Corporate Citizenship:"},"content":{"rendered":"<h3>Ziele von Organisationen jenseits von Ressourcengewinnung<\/h3>\n<p><strong>Ein Kommentar zum Input aus Sicht von Kirche und Diakonie \u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Quartier und Stadtteil. In Kirchen und Wohlfahrtsverb\u00e4nden hat die regionale Ebene wachsende Bedeutung. Sie ist Planungsebene f\u00fcr die Konzept- Budget- und Stellenentwicklung, f\u00fcr die Verschr\u00e4nkung von Kirche \/ Diakonie und Caritas. Hier werden Stiftungen, Fundraising und Freiwilligenmanagement organisiert. In der Quartiersarbeit gibt es oft eine sehr eine sehr unmittelbare Wahrnehmung von den sozialen Ver\u00e4nderungsprozessen. Die Kooperation zwischen Wohlfahrtsverb\u00e4nden und Freiwilligenarbeit, zwischen Kirchen und Schulen ist in den letzten Jahren kontinuierlich besser geworden. Die Ber\u00fchrungspunkte zur Wirtschaft sind aber nach wie gering. Gerade hier w\u00e4re nat\u00fcrlich\u00a0 interessant neue Partnerschaften zu schlie\u00dfen: f\u00fcr Freiwilligenprojekte, Familienzentren oder Mehrgenerationenh\u00e4user, bei Projekten f\u00fcr Sch\u00fcler und Lehrlingen oder im Blick auf die Tafeln. Dazu m\u00fcssen Gemeinden allerdings das enger werdende Mittelschichtmilieu verlassen und sowohl auf Arme und Arbeitslose, als auch auf Unternehmer und Unternehmerinnen zugehen. Sie brauchen dazu nicht nur eine Gemeindekonzeption, sondern auch ein Konzept f\u00fcr die Ressourcengewinnung \u2013 vom Freiwilligenmanagement bis zum Fundraising. Hier sind wir \u00fcber die ersten Schritte noch nicht hinaus.<\/p>\n<p>Sozialwirtschaft als Teil der Wirtschaft: Auf der Ebene der Landeskirchen und der Landesverb\u00e4nde der Diakonie hat sich das Verh\u00e4ltnis von Kirche und Wirtschaft in den letzten Jahren deutlich verbessert. Dabei spielt der Wandel des Sozialstaats eine entscheidende Rolle. Kirchen und Wohlfahrtsverb\u00e4nde wissen, dass sie l\u00e4ngst kein \u201eMonopol\u201c mehr auf die Gestaltung von Hilfeprozessen haben, sondern dass sie auf dem Wohlfahrtsmarkt neben privaten Initiativen und Unternehmen bestehen m\u00fcssen. Die Einrichtungen und Dienste von Diakonie und Caritas\u00a0 haben sich zu Dienstleistungsunternehmen gewandelt und verstehen sich als Teil der Sozialwirtschaft. Dabei ist allerdings die Spannung zum Selbstverst\u00e4ndnis der Gemeindebasis gewachsen. Bei vielen Mitgliedern herrscht der Eindruck, Gemeinn\u00fctzigkeit und kirchliche Tr\u00e4gerschaft dieser Unternehmen und ihre Unternehmenskultur seien nur noch schwer in Einklang zu bringen. Es bedarf einer neuen Anstrengung, um das diakonische Profil, die Arbeit mit Freiwilligen und die berufliche Dienstleistung wieder zu verkn\u00fcpfen \u2013 und manchmal ist diese Herausforderung gr\u00f6\u00dfer als die, Br\u00fccken zur Wirtschaft zu schlagen. Wo das gelingt, k\u00f6nnen Wohlfahrtsverb\u00e4nde zu Mittlern zwischen Wirtschaft und Quartier werden.<\/p>\n<p>Diakonie als Partner der Wirtschaft: Sozialunternehmen verstehen sich\u00a0 immer weniger als ein Gegen\u00fcber zur Wirtschaft. Ihre Vorst\u00e4nde sind Mitglieder in Unternehmensverb\u00e4nden, sie lassen sich von den entsprechenden Firmen beraten und pr\u00fcfen und denken in \u00f6konomischen Kategorien. Zugleich werden ihnen von ihren Kunden wie von den Tr\u00e4gerverb\u00e4nden, aber auch von der Wirtschaft andere Erwartungen entgegengebracht. Als gemeinn\u00fctzige Unternehmen sollen sie in besonderer Weise mit der Region verbunden sein, Freiwillige aktivieren, Benachteilige integrieren familienfreundliche Angebote machen , ihre Mitarbeitenden motivieren \u2013 kurz: eine diakonische Unternehmenskultur leben. Mit diesem Profil k\u00f6nnen sie ein reizvoller Partner f\u00fcr die produzierende Wirtschaft oder das Dienstleistungsgewerbe sein kann. Aber auch im Sozialbereich ist die Arbeitsverdichtung genauso gewachsen wie der\u00a0 Niedriglohnsektor, auch hier wird um den Mindestlohn gestritten. Idealisierung ist deshalb genauso wenig angebracht wie eine \u00fcbertriebene Kritik an der Wirtschaft.\u00a0In gemeinsamen Projekten (wie z.B. beim \u201eMiteinander-Management der Diakonie der Ev.-luth. Kirche in Bayern )sind beide herausgefordert, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln, gemeinsame Herausforderungen wahrzunehmen, aber auch die Unterschiede in der Unternehmenskultur zu respektieren. Ziel muss sein, einander anzuregen und gemeinsam nach L\u00f6sungen zu suchen:<\/p>\n<p>Die Kirchen und die neue Subsidiarit\u00e4t: Leitungsgremien in der Kirche haben die Aufgabe, die unterschiedlichen Ebenen und Gestalten der Kirche \u2013 von der Gemeinde bis zum Diakonieunternehmen miteinander so ins Gespr\u00e4ch zu bringen, so dass Vernetzung und innerkirchliche Lernprozesse m\u00f6glich werden. Ziel ist ein deutliches Profil\u00a0 kirchlichen Handelns in einer pluralen Gesellschaft , zugleich aber auch eine neue Kooperation mit anderen Verantwortungstr\u00e4ger, in Wirtschaft und Bildungseinrichtungen oder auch in der Zivilgesellschaft. Dazu ist\u00a0 n\u00f6tig, das manchmal spannungsreiche Verh\u00e4ltnis zwischen Kirche und Wirtschaft neu zu reflektieren, wie es die EKD in ihrer Denkschrift \u201eUnternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive\u201c getan hat. Darin hei\u00dft es \u201e Diakonische Einrichtungen und Unternehmen auf allen Ebenen konnten schon immer auf den Gr\u00fcndergeist , das soziale Engagement und die Kompetenz von Unternehmern und Unternehmerinnen bauen\u201c. Tats\u00e4chlich verdanken sich die sozialen Aufbr\u00fcche in der Mitte des 19. Jahrhunderts von der Jugendarbeit bis zur Entwicklung der Wohlfahrtspflege genauso wie\u00a0der soziale Wiederaufbau in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg dem starken Engagement von Christen in den Unternehmen wie in der Kirche. Die so genannte Unternehmerdenkschrift, die ich eben zitiert habe, versteht CSR als eine Form des Dialogs, den jedes Unternehmen mit seinem gesellschaftlichen Umfeld f\u00fchren muss, um \u00fcber die kurzfristige Gewinnerzielung hinaus nachhaltig wirtschaften zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Kriterien der Zusammenarbeit: Auch f\u00fcr Unternehmen ist es nicht immer leicht, sich auf Kirchen oder kirchliche Wohlfahrtsverb\u00e4nde als Partner einzulassen. Als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der EKD-Initiative \u201eArbeit plus\u201c, die Unternehmen f\u00fcr gute Arbeit auszeichnet, bin ich gelegentlich der Auffassung begegnet, die religi\u00f6se Pluralit\u00e4t in der Mitarbeiterschaft verbiete ein kirchliches Siegel. Tats\u00e4chlich geht es bei diesem Zertifizierungsverfahren darum, anhand klarer Kriterien zu pr\u00fcfen, was ein sozial engagiertes Unternehmen ausmacht- von der Gesundheitsvorsorge bis zur Fortbildung, von der Familienfreundlichkeit bis zum Umgang mit Auszubildenden, vom Umgang mit \u00e4lteren Mitarbeitern bis zur Umweltvertr\u00e4glichkeit. Ethische Kriterien einer guten, nachhaltigen Unternehmensf\u00fchrung \u2013 es lohnt es sich auch dann danach zu\u00a0 fragen, wenn man einen Partner f\u00fcr Freiwilligenarbeit oder Sponsoring sucht. Gleichwohl: so wichtig wie objektive Kriterien ist das wechselseitige Vertrauen, das gemeinsame Engagement f\u00fcr ein Drittes \u2013 f\u00fcr die Region, f\u00fcr Integration, f\u00fcr Nachhaltigkeit. Vertrauen ist auch dann n\u00f6tig, wenn in einer Kooperation Irritationen entstehen, weil die Partner \u00f6konomische oder personelle Entscheidungen der anderen Seite nicht nachvollziehen k\u00f6nnen. Solches Vertrauen w\u00e4chst am ehesten in der Region.<\/p>\n<p>Zivilengagement ein\u00fcben: Meine eigenes Engagement in diesem Sektor lebt von einer F\u00fclle gelungener Beispiele der Zusammenarbeit \u2013beginnend mit der Unterst\u00fctzung eines Gemeinwesenprojekts durch die Wirtschaft vor Ort,\u00a0\u00fcber das betriebliche \u201eLeasing\u201c von Pl\u00e4tzen in einer Tageseinrichtung durch verschiedene Unternehmen, die Zusammenarbeit eines niederrheinischen Kirchenkreises mit einer Wohnungsbaugenossenschaft, die dann auch eine Pfarrstelle finanzierte, bis hin zu den \u201eday of caring\u201c einer Anwaltskanzlei im diakonischen Unternehmen. Bei Projekten in der Kinder- und Jugendarbeit und Initiativen mit behinderten Menschen spielen Angeh\u00f6rigen und Eltern eine Schl\u00fcsselrolle. Sie sind es oft, die Br\u00fccken zwischen Unternehmen und Gemeinwesen bauen. Freiwilligenprojekte von Unternehmen oder auch Seitenwechsel-Projekte in der Wohlfahrtspflege k\u00f6nnen solche Initiativen st\u00e4rken. Zivilengagement, das Institutionen und Kulturen \u00fcbergreift, muss einge\u00fcbt werden \u2013 und zwar m\u00f6glichst fr\u00fch. An Schulen im angels\u00e4chsischen Raum ist eine bestimmte Stundenzahl Freiwilligen Engagements n\u00f6tig , um den Schulabschluss zu erhalten. Diese Tradition fehlt bei uns \u2013 stattdessen haben wir traditionell starke Jugend- und Wohlfahrtsverb\u00e4nde . Angesichts des gesellschaftlichen Wandels, der Familien wie Kirchen und Wohlfahrtsverb\u00e4nde erreicht hat, kommt auf Schulen wie auf Unternehmen eine neue gesellschaftliche Verantwortung zu. Gemeinsam werden alle Institutionen darauf achten m\u00fcssen, dass sich eine neues Verst\u00e4ndnis von Engagement und Subsidiarit\u00e4t etabliert. Fonds und Spendenparlamente oder F\u00f6rderpreise, wie sie auch von Kirchen ins Leben gerufen werden, k\u00f6nnen dazu beitragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ziele von Organisationen jenseits von Ressourcengewinnung Ein Kommentar zum Input aus Sicht von Kirche und Diakonie \u00a0 Quartier und Stadtteil&#8230;. <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=555\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":542,"menu_order":99,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-555","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/555"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=555"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/555\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":556,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/555\/revisions\/556"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/542"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=555"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}