{"id":5526,"date":"2020-09-07T10:45:13","date_gmt":"2020-09-07T08:45:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=5526"},"modified":"2026-02-26T17:50:23","modified_gmt":"2026-02-26T16:50:23","slug":"die-neuentdeckung-der-gemeinschaft-chancen-und-herausforderungen-fuer-kirche-quartier-und-diakonie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=5526","title":{"rendered":"Die Neuentdeckung der Gemeinschaft: Chancen und Herausforderungen f\u00fcr Kirche, Quartier und Pflege"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"250\" height=\"372\" src=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Die-Neuentdeckung-der-Gemeinschaft.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5527\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Die-Neuentdeckung-der-Gemeinschaft.jpg 250w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Die-Neuentdeckung-der-Gemeinschaft-202x300.jpg 202w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Cornelia Coenen-Marx, Beate Hofmann (Vorwort), G\u00f6ttingen, Vandenhoeck &amp; Ruprecht <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Die Neuentdeckung der Gemeinschaft fordert Kirche heraus. W\u00e4hrend Gemeindeh\u00e4user geschlossen und diakonische Gemeinschaften kleiner werden, entstehen neue Nachbarschaftsnetze und Caring Communities. Was gilt es zu lernen? Was neu zu entdecken?<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zuge der Coronapandemie wie bereits in anderen Transformationsprozessen zeigen sich gesellschaftliche Br\u00fcche, wachsende Einsamkeit und eine starke Sehnsucht nach Gemeinschaft. Schrumpfende l\u00e4ndliche R\u00e4ume und neue Konzepte der Quartiersentwicklung fordern Kirche und Diakonie heraus, sich als Akteurinnen in der Zivilgesellschaft neu zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch geht den Ver\u00e4nderungen in Familie, Arbeitswelt und Nachbarschaft nach, macht auf Herausforderungen f\u00fcr die alternde Gesellschaft aufmerksam und stellt neue Gemeinschaftsprojekte in Quartieren, sozialen Unternehmen und Gemeinden vor. Neue Wohnformen und Nachbarschaftsnetze brauchen erg\u00e4nzende soziale Dienste. Sorgende Gemeinschaften brauchen Sorgestrukturen. Kirche ist dabei in allen Feldern gefragt \u2013 als Gemeinde in der Nachbarschaft, als Institution gegen\u00fcber Staat und Kommune und als diakonisches Unternehmen bei wachsendem Bedarf in Pflege und Erziehungseinrichtungen. Als \u201eGemeinde von Schwestern und Br\u00fcdern\u201c ist sie historisch wie theologisch mit dem Thema \u201eGemeinschaft\u201c verkn\u00fcpft. Welche Traditionen sind dabei hilfreich, welche hinderlich? Und welche Rolle spielen die Engagierten wie die \u201eBetroffenen\u201c selbst?<\/p>\n\n\n\n<p>Vorwort\nvon Bisch\u00f6fin Prof. Dr. Beate Hofmann<\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.buecher.de\/shop\/kirche\/die-neuentdeckung-der-gemeinschaft\/coenen-marx-cornelia\/products_products\/detail\/prod_id\/60150737\/\" target=\"_blank\">Das Buch ist \u00fcberall im Buchhandel und als E-Book erh\u00e4ltlich.<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/chrismon.de\/personen\/3616\/dorothea-heintze\">Dorothea Heintze<\/a>, 15.02.2022<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/chrismon.de\/blogs\/wohnlage\/wahlfamilien-nachbarschaft-quartiersarbeit-cornelia-coenen-marx-und-ihr-neues-buch\">https:\/\/chrismon.de\/blogs\/wohnlage\/wahlfamilien-nachbarschaft-quartiersarbeit-cornelia-coenen-marx-und-ihr-neues-buch<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\">Alternativen f\u00fcr die Single-Gesellschaft<\/p>\n\n\n\n<p><em>Cornelia Coenen-Marx besch\u00e4ftigt sich schon ihr ganzes Leben mit dem ideellen und praktischen Wert von \u201eGemeinschaft\u201c. In ihrem neuen Buch geht es um Einsamkeit, Wahlfamilien und die Kirchengemeinschaft im Wandel.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Gutes oder schlechtes Timing? Das sei gar nicht so einfach zu beantworten, berichtet die Theologin und Buchautorin Cornelia Coenen-Marx. 2019 hatte die\u00a0<a href=\"https:\/\/chrismon.evangelisch.de\/personen\/cornelia-coenen-marx-20343\">Mitbegr\u00fcnderin<\/a>\u00a0und einstige Herausgeberin von chrismon mit den Recherchen zu einem neuen Buch begonnen. Kurz darauf begann die Pandemie.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Themen des Buches wurden noch virulenter: Einsamkeit und Nachbarschaft, gute Quartiersarbeit, neue Wohn- und Lebensgemeinschaften, innerhalb und au\u00dferhalb der Kirchengemeinschaft und in der Diakonie. All dies hat Cornelia Coenen-Marx schon immer umgetrieben. Als junge Pfarrerin (\u00fcbrigens die\u00a0<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20160507094946\/http:\/\/www.renatehauser.de\/news\/die_wegbereiterin.html\">erste Frau<\/a>\u00a0im Kirchenkreis) bewohnte sie mit ihrem Mann ein gro\u00dfes altes Pfarrhaus in M\u00f6nchen-Gladbach und dachte schon damals: \u201eWarum leben wir hier nicht in einer WG? Platz daf\u00fcr ist da.&#8220;\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Die &#8222;Neuentdeckung der Gemeinschaft&#8220; hei\u00dft ihr Buch, und als sie in der Pandemie zu ihren Themen recherchierte, stie\u00df sie zun\u00e4chst auf viel Positives. Fast euphorisch feierten viele Menschen Mitte 2020 die Wiederentdeckung ihrer eigenen Nachbarschaft. Heute wissen wir, dass gemeinsames Singen und Klatschen vom Balkon weder an der schlechten Bezahlung von Pflegekr\u00e4ften noch an der Veinsamung vieler Menschen wirklich etwas ge\u00e4ndert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch erschien im Herbst letzten Jahres, seither hat sich schon wieder vieles ge\u00e4ndert. Einiges sieht die Autorin noch kritischer als in der Phase des Schreibens. \u201eZuerst dachte ich wirklich, die Pandemie wirkt wie ein toller Schub f\u00fcr neue Ideen, auch f\u00fcr meine Kirche.&#8220; Mittlerweile ist ein wenig Ern\u00fcchterung auch bei ihr eingekehrt: \u201eGerade in den Lockdowns haben so viele Menschen schrecklich unter der Isolation gelitten.&#8220; Doch ihre positive Lebenshaltung will sie sich nicht absprechen lassen.<br><br>Zum Beispiel Lesungen. Reisen ging nicht, also blieb sie zu Hause, und lud die Menschen zu Online-Lesungen ein. Ein Gewinn. Statt Tisch, Stuhl und Wasserglas gab es Kacheln, Fotos und Musik und dazu Break-Out-Sessions: \u201eSicher, ich war nicht vor Ort&#8220;, erz\u00e4hlt sie, \u201eaber nah dran an meinen Zuh\u00f6rer*innen.&#8220; Sie konnte Fragen beantworten, Erfahrungen austauschen und das mit Menschen, die hunderte von Kilomentern entfernt lebten: \u201eNach einer Ank\u00fcndigung auf meiner\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/cornelia.coenenmarx\">Facebookseite<\/a>\u00a0kamen neulich Interessierte\u00a0 aus St. Gallen, Hamburg, Hannover und Frankfurt zu einer Lesung am Bodensee &#8211; ein Link und eine kurze Verabredung gen\u00fcgte.&#8220;\u00a0<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>6.5.2021, Ekkehard R\u00fcger, Ekkehard R\u00fcger, Peter Wirtz<br><a href=\"https:\/\/news.ekir.de\/meldungen\/2021\/05\/entdeckungsreise-zu-den-neuen-gemeinschaften\">https:\/\/news.ekir.de\/meldungen\/2021\/05\/entdeckungsreise-zu-den-neuen-gemeinschaften<\/a><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Entdeckungsreise zu den neuen Gemeinschaften<\/h1>\n\n\n\n<p><strong>Wie sehr wir Gemeinschaft ben\u00f6tigen, wird uns besonders klar, wenn wir sie nicht mehr frei suchen und leben k\u00f6nnen. Insofern scheint es naheliegend, dass das Buch \u201eDie Neuentdeckung der Gemeinschaft\u201c von Cornelia Coenen-Marx inmitten der weltweiten Corona-Pandemie erscheint und bereits auf viele Erfahrungen aus dem ersten Jahr ihrer Bek\u00e4mpfung zur\u00fcckgreift. Aber nat\u00fcrlich werden Aufl\u00f6sungserscheinungen tradierter Gemeinschaften nicht erst seit einem Jahr beklagt. Die Autorin und Pastorin begibt sich auf einen Streifzug, der bei den Einsamkeitsfolgen der Pandemie nur beginnt, aber bald schon die Kehrseite von Mobilit\u00e4t und Digitalisierung generell erreicht: die Fliehkr\u00e4fte der digitalen Single-Gesellschaft. Und sie entdeckt dabei erstaunliche geschichtliche Parallelen zum Beginn der Industrialisierung<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>An manchen Stellen scheint etwas Wehmut durch: wenn beispielsweise an die im 19. Jahrhundert entstehenden \u201esorgenden Gemeinschaften\u201c der Br\u00fcder- und Diakonissenmutterh\u00e4user erinnert wird. Aber Coenen-Marx hat alles andere als ein nostalgisches Buch geschrieben. Daf\u00fcr benennt sie viel zu deutlich die h\u00e4ufigen Defizite dieser traditionellen Gemeinschaften \u2013 Uniformit\u00e4t, Anpassungsdruck, Z\u00f6libat und mangelnde Offenheit f\u00fcr unterschiedlichste Lebensentw\u00fcrfe. Aber an der Bed\u00fcrftigkeit und Beziehungssehnsucht nicht nur alter Menschen hat auch die heute l\u00e4ngst pr\u00e4gende Individualisierung nichts ge\u00e4ndert. Mit Leidenschaft und Begeisterungsf\u00e4higkeit beschreibt die Oberkirchenr\u00e4tin a. D. daher viele neue Modelle gemeinschaftlichen Handelns und gemeinschaftlicher Sorge, mal noch zarte Pfl\u00e4nzchen, mal schon seit Jahren etablierte erfolgreiche Projekte.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Spannungsverh\u00e4ltnis von Gemeinschaft und Vielfalt<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>In diese Sammlung bringt die 68-J\u00e4hrige dabei die vielen Eindr\u00fccke ihres so langen wie vielf\u00e4ltigen Berufslebens ein. Dem noch heute bestehenden Wickrather Gemeindeladen in M\u00f6nchengladbach, von ihr als junger Pfarrerin 1986 mitbegr\u00fcndet, ist das Buch gewidmet. Aber auch ganz neue Nachbarschaftsnetzwerke aus der Quartiersarbeit r\u00fccken in den Blickpunkt. \u201eHeute, in einer pluralen und individualistischen Gesellschaft, geht es um das Spannungsverh\u00e4ltnis von Vertiefung und \u00d6ffnung, von Gemeinschaft und Vielfalt, um ,Unity in Diversity\u2018.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Vom Wir einer Institution zum Wir gemeinsamer Erfahrungen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Die Zukunft von Kirche(ngemeinden) und Diakonie sieht Coenen-Marx dabei noch viel st\u00e4rker als heute schon in der Verankerung innerhalb dieser Netzwerke. \u201eAuch die \u00d6ffnung von Kirchen und Diakonie ins Gemeinwesen ist ein Weg von der ,Abgeschlossenheit\u2018 zur ,Vielfalt\u2018, vom Wir einer ,geschlossenen Gemeinschaft\u2018 zum ,Miteinander der Verschiedenen\u2018, vom vorgegebenen Wir einer Institution zu dem Wir, das in gemeinsamer Erfahrung entsteht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Provisorische Orte und H\u00e4user der Ewigkeit<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Gemeinschaften brauchen Orte. Aber diese Orte, auch die heiligen Orte der Gemeinschaften, ver\u00e4ndern sich. Als Kirchen und Gemeindek\u00fcchen coronabedingt geschlossen waren, \u201ewurden die Kirchpl\u00e4tze wiederentdeckt und die G\u00e4rten. Orte unter freiem Himmel, R\u00e4ume, die offen sind f\u00fcr Begegnung auf Abstand, offen auch f\u00fcr Vor\u00fcbergehende.\u201c &nbsp;Im Zuge von Gemeindeschrumpfungen stehen insbesondere die Immobilien zur Disposition. Aber mit ihren gemeindeeigenen Orten hat die Kirche andererseits ein Pfund in der Hand, mit dem sie sich gesellschaftlich einbringen kann. Und zugleich hat Corona gezeigt, wie viel Inspiration auch im Provisorischen liegt: \u201eEs gibt wieder Wohnzimmerkirchen und Wohnwagenkirchen, Taufen am Fluss und Seelsorge auf Reisen \u2013 wie bei Paulus, Lydia und dem K\u00e4mmerer aus dem Morgenland.\u201c Und daneben die altehrw\u00fcrdigen Kirchen, die von der Zivilgesellschaft, den K\u00fcnstlern und K\u00fcnstlerinnen wiederentdeckt werden, \u201eals R\u00e4ume der Stadtgesellschaft, Orte der Gemeinschaft, H\u00e4user der Ewigkeit.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein Kaleidoskop der M\u00f6glichkeiten<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Wie kann die gesellschaftliche Einteilung in Hilfsbed\u00fcrftige und Helfende \u00fcberwunden werden, wie k\u00f6nnen echte Inklusion und interkulturelle \u00d6ffnung bis in die Gestaltung der Gottesdienste hinein gelingen, wie kann sich das Ehrenamt noch st\u00e4rker auf Augenh\u00f6he zum Hauptamt begeben? Und wie kann ein neues Wir aus Kirchen und Zivilgesellschaft erwachsen? Cornelia Coenen-Marx hat dazu keinen Ratgeber geschrieben und auch kein Rezeptbuch, sondern ein Kaleidoskop der M\u00f6glichkeiten. Vielleicht ist es am Ende mit den neuen Gemeinschaften wie mit den Pilzen in Janoschs Kinderbuch-Klassiker \u201eOh, wie sch\u00f6n ist Panama\u201c: Man muss sie nicht suchen, man muss sie finden. \u201eDie Neuentdeckung der Gemeinschaft\u201c hei\u00dft so, weil auch das Buch mehr ist als eine Suchbewegung: Es ist eine Entdeckungsreise.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>chrismon, Text:&nbsp;<a href=\"https:\/\/chrismon.evangelisch.de\/personen\/dorothea-heintze-3616\">Dorothea Heintze<\/a>, 15.2.22, Zur Rubrik:&nbsp;<a href=\"https:\/\/chrismon.evangelisch.de\/blogs\">Blogs<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/chrismon.evangelisch.de\/blogs\/wohnlage\/wahlfamilien-nachbarschaft-quartiersarbeit-cornelia-coenen-marx-und-ihr-neues-buch\">https:\/\/chrismon.evangelisch.de\/blogs\/wohnlage\/wahlfamilien-nachbarschaft-quartiersarbeit-cornelia-coenen-marx-und-ihr-neues-buch<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Alternativen f\u00fcr die Single-Gesellschaft<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Haus-der-Vielfalt.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"652\" src=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Haus-der-Vielfalt-1024x652.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-6546\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Haus-der-Vielfalt-1024x652.png 1024w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Haus-der-Vielfalt-300x191.png 300w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Haus-der-Vielfalt-768x489.png 768w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Haus-der-Vielfalt.png 1128w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Cornelia Coenen-Marx besch\u00e4ftigt sich schon ihr ganzes Leben mit dem ideellen und praktischen Wert von \u201eGemeinschaft\u201c. In ihrem neuen Buch geht es um Einsamkeit, Wahlfamilien und die Kirchengemeinschaft im Wandel.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Gutes oder schlechtes Timing? Das sei gar nicht so einfach zu beantworten, berichtet die Theologin und Buchautorin Cornelia Coenen-Marx. 2019 hatte die&nbsp;<a href=\"https:\/\/chrismon.evangelisch.de\/personen\/cornelia-coenen-marx-20343\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mitbegr\u00fcnderin<\/a>&nbsp;und einstige Herausgeberin von chrismon mit den Recherchen zu einem neuen Buch begonnen. Kurz darauf begann die Pandemie.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Themen des Buches wurden noch virulenter: Einsamkeit und Nachbarschaft, gute Quartiersarbeit, neue Wohn- und Lebensgemeinschaften, innerhalb und au\u00dferhalb der Kirchengemeinschaft und in der Diakonie. All dies hat Cornelia Coenen-Marx schon immer umgetrieben. Als junge Pfarrerin (\u00fcbrigens die&nbsp;<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20160507094946\/http:\/\/www.renatehauser.de\/news\/die_wegbereiterin.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">erste Frau<\/a>&nbsp;im Kirchenkreis) bewohnte sie mit ihrem Mann ein gro\u00dfes altes Pfarrhaus in M\u00f6nchen-Gladbach und dachte schon damals: \u201eWarum leben wir hier nicht in einer WG? Platz daf\u00fcr ist da.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201eNeuentdeckung der Gemeinschaft\u201c hei\u00dft ihr Buch, und als sie in der Pandemie zu ihren Themen recherchierte, stie\u00df sie zun\u00e4chst auf viel Positives. Fast euphorisch feierten viele Menschen Mitte 2020 die Wiederentdeckung ihrer eigenen Nachbarschaft. Heute wissen wir, dass gemeinsames Singen und Klatschen vom Balkon weder an der schlechten Bezahlung von Pflegekr\u00e4ften noch an der Veinsamung vieler Menschen wirklich etwas ge\u00e4ndert hat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Die-Neuentdeckung-der-Gemeinschaft.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"250\" height=\"372\" src=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Die-Neuentdeckung-der-Gemeinschaft.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5527\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Die-Neuentdeckung-der-Gemeinschaft.jpg 250w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Die-Neuentdeckung-der-Gemeinschaft-202x300.jpg 202w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\"><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/die-neuentdeckung-der-gemeinschaft\" target=\"_blank\">Die Neuentdeckung der Gemeinschaft. Chancen und Herausforderungen f\u00fcr Kirche, Quartier und Pflege, Vandenhoeck&amp;Ruprecht Verlag 2021, v&amp;r<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>&nbsp;F\u00fcr alle Menschen, die an neuen Wohnformen, neuen Ideen, auch f\u00fcr die Arbeit in und mit Kirche interessiert sind, ist es ein Fundus an Best Practice Beispielen. In D\u00fcsseldorf beispielsweise gibt es einen gemeinn\u00fctzigen Verein mit dem Namen \u201eWohnschule\u201c: Bitte gerne auch bundesweit.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch erschien im Herbst letzten Jahres, seither hat sich schon wieder vieles ge\u00e4ndert. Einiges sieht die Autorin noch kritischer als in der Phase des Schreibens. \u201eZuerst dachte ich wirklich, die Pandemie wirkt wie ein toller Schub f\u00fcr neue Ideen, auch f\u00fcr meine Kirche.\u201c Mittlerweile ist ein wenig Ern\u00fcchterung auch bei ihr eingekehrt: \u201eGerade in den Lockdowns haben so viele Menschen schrecklich unter der Isolation gelitten.\u201c Doch ihre positive Lebenshaltung will sie sich nicht absprechen lassen.<br><br>Zum Beispiel Lesungen. Reisen ging nicht, also blieb sie zu Hause, und lud die Menschen zu Online-Lesungen ein. Ein Gewinn. Statt Tisch, Stuhl und Wasserglas gab es Kacheln, Fotos und Musik und dazu Break-Out-Sessions: \u201eSicher, ich war nicht vor Ort\u201c, erz\u00e4hlt sie, \u201eaber nah dran an meinen Zuh\u00f6rer*innen.\u201c Sie konnte Fragen beantworten, Erfahrungen austauschen und das mit Menschen, die hunderte von Kilomentern entfernt lebten: \u201eNach einer Ank\u00fcndigung auf meiner&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/cornelia.coenenmarx\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Facebookseite<\/a>&nbsp;kamen neulich Interessierte&nbsp; aus St. Gallen, Hamburg, Hannover und Frankfurt zu einer Lesung am Bodensee \u2013 ein Link und eine kurze Verabredung gen\u00fcgte.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>PS. in eigener Sache: Die \u201eWohnlage\u201c geht jetzt in eine kleine Pause \u2013 am Donnerstag, 17. M\u00e4rz geht es hier weiter.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/740_Coenen-Marx_Die-Neuentdeckung-der-Gemeinschaft_2021-03_forum-erwachsenenbildung.pdf\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"724\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/740_Coenen-Marx_Die-Neuentdeckung-der-Gemeinschaft_2021-03_forum-erwachsenenbildung-724x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6286\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/740_Coenen-Marx_Die-Neuentdeckung-der-Gemeinschaft_2021-03_forum-erwachsenenbildung-724x1024.jpg 724w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/740_Coenen-Marx_Die-Neuentdeckung-der-Gemeinschaft_2021-03_forum-erwachsenenbildung-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/740_Coenen-Marx_Die-Neuentdeckung-der-Gemeinschaft_2021-03_forum-erwachsenenbildung-768x1086.jpg 768w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/740_Coenen-Marx_Die-Neuentdeckung-der-Gemeinschaft_2021-03_forum-erwachsenenbildung-1086x1536.jpg 1086w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/740_Coenen-Marx_Die-Neuentdeckung-der-Gemeinschaft_2021-03_forum-erwachsenenbildung-1448x2048.jpg 1448w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/740_Coenen-Marx_Die-Neuentdeckung-der-Gemeinschaft_2021-03_forum-erwachsenenbildung-scaled.jpg 1810w\" sizes=\"(max-width: 724px) 100vw, 724px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\"><a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/740_Coenen-Marx_Die-Neuentdeckung-der-Gemeinschaft_2021-03_forum-erwachsenenbildung.pdf\" data-type=\"URL\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hier auch zum Download<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p>Rezension: Bettina Rehbein, Pastorin, Klinikseelsorgerin in Hannover, Juli 2021<\/p>\n\n\n\n<p><meta charset=\"utf-8\"><strong>Cornelia Coenen-Marx. Die Neuentdeckung der Gemeinschaft: <br>Chancen und Herausforderungen f\u00fcr Kirche, Quartier und Pflege<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Inmitten der weltweiten Corona-Pandemie entstand das neue Buch der erfahrenen Pastorin und Oberkirchenr\u00e4tin a.D. mit dem Ziel, engagierte Menschen zu ermutigen, die derzeitigen Herausforderungen anzunehmen. Es geht darum, Antworten zu finden auf die Frage, was Kirche und Diakonie heute zum Gemeinwesen beitragen k\u00f6nnen. Ziel des Buches ist es, kirchliche und soziale Gemeinschaften zu ermutigen und in die Handlung zu kommen. Das Buch bietet daf\u00fcr eine Schatztruhe gelungener Best Practice in Kirchengemeinden, Einrichtungen und Sozialr\u00e4umen. Beim Lesen entstehen: Lust, Erstaunen, analytische Klarheit, Neugierde und im besten Fall: eigene Ideen.<\/p>\n\n\n\n<p>In ihrer Analyse der gegenw\u00e4rtigen Situation konstatiert die Autorin: Die noch immer nicht \u00fcberwundene Corona-Pandemie hat das kollektive Bewusstsein aufger\u00fcttelt. Eine versch\u00e4rfte Wahrnehmung der Bedeutung von Gemeinschaftserfahrungen f\u00fcr das leibliche, seelische und spirituelle Wohl von Menschen, ist die Folge. &nbsp;Der Schmerz des angeordneten Begegnungs- und Ber\u00fchrungsverzichtes hat zum ersten Mal Gesundheit und Freiheit als wesentliches gesellschaftlich relevantes Thema der Wirtschaft \u00fcbergeordnet. Defizite in der ambulanten und station\u00e4ren Pflege, in den Krankenh\u00e4usern und im Gesundheitssystem wurden deutlich, Pflege pl\u00f6tzlich als \u201esystemrelevant\u201c erkannt und beklatscht. Aufmerksam und kritisch hat die Autorin wahrgenommen und dokumentiert, dass inmitten der Krise einerseits neue kreative Formen entstehen, andererseits aber Defizite in Kirche, Gesellschaft und Politik offen zutage treten. Zu Letzterem geh\u00f6rt zum Beispiel das \u00dcbergewicht der Schutzma\u00dfnahmen f\u00fcr das eigene Personal und den Binnenkirchenraum und das Versagen im Blick auf Schutz der alleingelassenen Menschen in Pflegeheimen und Hospizen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gemeinschaft wird neu entdeckt, als \u201eCaring Community\u201c, als Sorgenetz im Quartier und gelingt, wo dem Gebot der Stunde gefolgt wird und Gemeinschaft, Solidarit\u00e4t und gegenseitige Sorge an erster Stelle stehen. Gerade Kirche und Diakonie kann heute einiges beitragen zur Entwicklung eines Gemeinwesens. Wird z.B. in einer Kirchengemeinde wie in Gelsenkirchen-Hasselt (S. 128) das Gemeindehaus gleichzeitig B\u00fcrgerzentrum, das auch offen ist f\u00fcr Kindergruppen, muslimische Mitb\u00fcrger und Sportverein, entsteht ein produktives Miteinander und somit N\u00e4hrboden f\u00fcr das, was Not tut. Dazu geh\u00f6rt insbesondere eine neue Organisation der Care-Arbeit als gemeinschaftliche Aufgabe, eine Unterst\u00fctzung der \u00fcberlasteten Familien, eine st\u00e4rkere Einbeziehung von Singles und die Wahrnehmung alter Menschen als Gestaltende des eigenen Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p>Die analytische Tiefe des vorliegenden Buches speist sich aus der Durchdringung vieler Quellentexte und wissenschaftlicher Analysen in gut lesbar aufbereiteter Form. Verschiedene Interviewpartner*innen, h\u00e4ufig F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten, aus Pflege, Kirche und diakonischen Einrichtungen formulieren Quintessenzen der aktuellen Herausforderungen und geben wertvolle Impulse f\u00fcr die vision\u00e4re Suche der Autorin.<\/p>\n\n\n\n<p>Mag ihr Traum einer Gemeinschaft der Lebenden und Toten, die sich in der Kooperation von (Gemeinde-)Seelsorge und Quartierarbeit in Alten,- Pflegeheimen und Hospizen zu einer lebendigen Teamarbeit verbindet (S. 147 ff.) &nbsp;noch utopisch klingen, so zeigt sich doch der Realit\u00e4tssinn der Utopie geradezu anhand des im Buch aufgespannten F\u00e4chers erz\u00e4hlter oder erlebter kreativer Gemeinschaftsformen.<\/p>\n\n\n\n<p>Teils wurden diese initiiert durch kreative Pionierinnen, wie der \u201ePrenzelberg-Mama\u201c, die w\u00e4hrend der Pandemie ihr Ziel \u201e200 Hausbesuche mit 200 selbstgebackenen Kirchen in 200 Tagen\u201c umsetzt oder der Schauspielerin in Elternzeit, die w\u00e4hrend der Pandemie den besonderen Samstags-Treffpunkt in Irlenbusch initiiert, die \u201eB\u00e4nk for better Anderst\u00e4nding\u201c (S. 41 f.). Teils sind es gro\u00dfe Gemeinschaftsaktivit\u00e4ten wie die Aktion \u201eAufgetischt\u201c in Erlangen, bei der Menschen mit kleinem Geldbeutel bei einer warmen Mahlzeit in Kontakt kommen\u2013 Coenen-Marx gelingt es, mitzurei\u00dfen. Dabei ist es ihr weiter EKD-Horizont, der Best-Practice Beispiele aus ganz Deutschland bereith\u00e4lt und auch aus den europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4ndern wie der Schweiz und den Niederlanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig hat die Pastorin, die selbst jahrelange Erfahrung mit diakonischen Gemeinschaften in Leitung und Beratung hat, immer wieder ein waches Auge auf die&nbsp;&nbsp; soziale Arbeit in ihrer ehemaligen Kirchengemeinde in M\u00f6nchengladbach. Gerade der \u201eWickenrader Gemeindeladen\u201c sticht als Exempel \u00fcberzeugender Quartiersarbeit heraus. Gerade die schon in den 70er oder 80er Jahren begonnen Projekte zeigen nun, dass sie auch in der Lage sind, sich den gegenw\u00e4rtigen Herausforderungen zu stellen und die Sorge-Arbeit im Quartier zu variieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder rekurriert die erfahrene Pastorin auf die Corona-Pandemie. Sie lotet aus, welche Chancen und Gefahren in der Digitalisierung liegen. Sie widmet gerade den in den Kirchen marginalisierten Singles besondere Aufmerksamkeit. Schlie\u00dflich wird vor allem deutlich: die Angst, dass f\u00fcr den oder die Einzelne nicht gesorgt wird, wenn man die eigene Sorgef\u00e4higkeit verloren hat, ist die Grundangst von Menschen in Deutschland und betrifft alle Schichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch von Cornelia Coenen-Marx m\u00f6chte hier entgegensteuern und Kirche und Diakonie ermuntern, mitten im Leben und pr\u00e4ventiv eine sorgende Gemeinschaft zu sein und zu werden. Weil eben ohne Sorge die Seele nicht leben kann.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNeues entsteht- das gilt f\u00fcr Unternehmen und M\u00e4rkte wie f\u00fcr soziale Bewegungen,- wo Menschen neue Fragen und Herausforderungen annehmen und dann von ihren Gaben und ihrer Gestaltungskraft Gebrauch machen.\u201c, schreibt die Autorin gegen Ende ihres Buches. Die Hospiz- und Palliativbewegung, die Gef\u00e4ngnisreform und die Psychiatrie-Bewegung ist so entstanden. Ebenfalls bewegende Projekte aus der Fl\u00fcchtlingsarbeit oder Fl\u00fcchtlingserfahrung heraus wie das \u201eSharehaus\u201c des gefl\u00fcchteten Syrers Alex Assali, eine Suppenk\u00fcche auf der Stra\u00dfe, \u201eeine Werkstatt f\u00fcr himmlische Gesellschaft\u201c. (S.166f.) Jetzt ist es an der Zeit, solche himmlischen Werkst\u00e4tten zu bauen und die Herausforderungen anzunehmen: in Kirche, Quartier und Pflege.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Rezension: EAfA Rundbrief Nr. 89, 2-2021, 18.08.2021<br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Cornelia Coenen-Marx. Die Neuentdeckung der Gemeinschaft: <br>Chancen und Herausforderungen f\u00fcr Kirche, Quartier und Pflege<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>Wenn der Satz Ernst Langes \u201eDer Beruf der Kirche ist die Diakonie\u201c<sup>1 <\/sup>stimmt, dann finden wir in dem von Coenen-Marx vorgelegten Buch ein hervorragendes Lehrbuch, das allen, die an einer zeitgem\u00e4\u00dfen Konzeption f\u00fcr Kirche, Quartier und Pflege arbeiten, eine wichtige Orientierung bieten kann. Es ist kein Buch, das abgehoben von der Wirklichkeit wohlfeile S\u00e4tze enth\u00e4lt, sondern ein Buch, das sehr reflektiert auf die Praxis hin ausgerichtet ist. Coenen-Marx ist auf allen Ebenen kirchlich-diakonischer Arbeit t\u00e4tig gewesen und verbindet eigene Erfahrungen und Erfahrungen von Mitarbeiter*innen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Immer wieder interviewt sie Menschen von vor Ort, um ihre eigenen Erkenntnisse im Dialog zu \u00fcberpr\u00fcfen.<br>Ob der Titel des Buches \u201eDie Neuentdeckung der Gemeinschaft\u201c stimmt, stelle ich in Frage. Ich glaube, dass die Suche nach Gemeinschaft ein st\u00e4ndiger Prozess ist und war. Alle Generationen haben dies auf ihre Weise getan: die Wanderjugend, die Arbeiterbewegung, die 68er, &#8230;. Richtig ist, dass im Rahmen der Pandemie die Frage nach Gemeinschaft verst\u00e4rkt in den Blick genommen wurde, weil die Betroffenen bemerkten, dass das Leben aus mehr besteht als aus &nbsp;Arbeit und Konsum und dass sie dringend auf das angewiesen sind, was die Gemeinschaft in ihrem Innersten zusammenh\u00e4lt. Die Pandemie hat auch den Kirchen und der Diakonie den Spiegel vorgehalten. W\u00e4hrend die Kirchen und Gemeindeh\u00e4user, selbst an den h\u00f6chsten kirchlichen Feiertagen, geschlossen waren, tauchten an anderer Stelle neue Modelle f\u00fcr Gemeinschaft auf: selbstorganisierte Netzwerke, Unterst\u00fctzungsorganisationen. Auch die Kirchen und ihre Diakonie mussten lernen, dass sie mit ihren herk\u00f6mmlichen Antworten nicht weiterkamen. Eine Lehre aus der Pandemie ist, dass sich Kirche und ihre Diakonie st\u00e4rker als bisher in das Quartier \u00f6ffnen m\u00fcssen und sich zugleich mehr als bisher um die Beteiligung der Mitglieder bem\u00fchen m\u00fcssen: eine formale Gemeindeversammlung am Sonntag nach dem Gottesdienst reicht nicht aus, wenn man Ver\u00e4nderung m\u00f6chte. \u201eDas Geheimnis der Ver\u00e4nderung besteht darin, deine ganze Energie darauf zu konzentrieren, Neues aufzubauen, statt Altes zu bek\u00e4mpfen\u201c<sup>2<\/sup>.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Welche Antworten finden Kirchen auf die st\u00e4rker aufkommenden Fragen nach Gemeinschaft? Die alte Gestalt hat keine Zukunft mehr. \u201eMit Mobilit\u00e4t und Digitalisierung haben wir zus\u00e4tzliche Freiheit gewonnen \u2013 aber mit der Freiheit auch Einsamkeit und Unsicherheit\u201c<sup>3<\/sup>. Einsamkeit, der<br>Kampf um gemeinsame Zeit in der Familie, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Suche nach angemessenen Antworten aus der christlichen Tradition \u2013 das sind Bereiche, zu denen sich die Kirche verhalten muss. Die kirchliche Diakonie ist in besonderer Weise selbst am Gesundheitswesen und an der Pflege beteiligt und muss auf die Kritik antworten, die im Laufe der Pandemie an unserem Gesundheitswesen und der Pflege in Pflegeheimen und Krankenh\u00e4usern auftauchte. Es hilft nicht weiter, die gute alte Zeit mit Diakonissen und Diakonen zu beschw\u00f6ren, auch wenn diese Form der Diakonie Hervorragendes geleistet hat, weil sie im Quartier vernetzt war. Dennoch k\u00f6nnen wir vielleicht aus diesen Formen lernen, wie sie den Beteiligten Kraft und Halt auf der gebenden und nehmenden Seite gaben.<\/p>\n\n\n\n<p>Coenen-Marx wei\u00df, dass die Kirchengemeinde und die Diakonie vor Ort nicht alle Probleme der Pflege und des Miteinanders in den Quartieren l\u00f6sen kann. Sie ist nur ein Teil des Gemeinwesens, aber sie muss sich selbst Rechenschaft dar\u00fcber ablegen, was ihr Beitrag zur L\u00f6sung der Probleme ist, was ihr Beitrag zur Entstehung von Gemeinschaft, von<br>\u201eTischgemeinschaft\u201c sein kann. Die Kirchen sind einer der gr\u00f6\u00dften Arbeitgeber*innen im Quartier, verf\u00fcgen \u00fcber gro\u00dfe Immobilien und Versammlungsr\u00e4ume und k\u00f6nnen damit zu wesentlichen Akteuren werden. Coenen-Marx zitiert die \u00c4rztin Beate Jakob: \u201eMein Anliegen<br>ist, dass in Gemeinden gesch\u00fctzte R\u00e4ume entstehen.\u201c<sup>4<\/sup> Was k\u00f6nnen Kirchengemeinden tun, um \u00e4ltere Menschen Pflegebed\u00fcrftige und Sterbende zu sch\u00fctzen, aber auch ihre Angeh\u00f6rigen zu begleiten und zu st\u00e4rken. \u201e&#8230;Es geht um einf\u00fchlsame und vorurteilsfreie Begleitung und<br>Beratung in schwierigen Lebenssituationen.\u201c5<sup><\/sup><br>Neben der systematischen Darstellung der M\u00f6glichkeiten und der Schwierigkeiten und er Chancen f\u00fcr Kirche und Gesellschaft ist das Buch eine Fundgrube von Ideen und praktischen Umsetzungen.<br>Dennoch wei\u00df Coenen-Marx sehr genau, dass eine Ver\u00e4nderung der Situation f\u00fcr Bed\u00fcrftige von Kommunen, Land und Bund erheblich unterst\u00fctzt werden m\u00fcssen. Deshalb geht es ihr nicht nur um Projekte, sondern um den Aufbau von verl\u00e4sslichen Strukturen f\u00fcr Menschen, die<br>auf Gemeinschaft angewiesen sind. Solche Strukturen sind in den Quartieren zu entwickeln und zusammen mit den politischen Verantwortlichen umzusetzen.<br>Beim Lesen des Buches bekomme ich Lust, in meinem Quartier, in meiner Kirchengemeinde, Projekte umzusetzen und Strukturen aufzubauen. So wird der Beruf der Kirche sichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Cornelia Coenen-Marx. Die Neuentdeckung der Gemeinschaft: Chancen und Herausforderungen f\u00fcr Kirche, Quartier und Pflege, Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 12.4. 2021, 198 Seiten, 25,00 \u20ac, ISBN: 9783525624500<\/p>\n\n\n\n<p><br>Gerrit Heetderks, Recklinghausen, hat als langj\u00e4hriger Delegierter der EKiR in der EAfA mitgearbeitet.<br><br>&#8212;&#8212;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">1 Ernst Lange: Sprachschule f\u00fcr die Freiheit. M\u00fcnchen 1980, S.129<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">2 Sokrates<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">3 Cornelia Coenen-Marx. Die Neuentdeckung der Gemeinschaft: Chancen und Herausforderungen f\u00fcr Kirche,<br>Quartier und Pflege S. 13<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">4 a.a.O. S.147 5a.a.O.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p>Ganz herzlichen Dank Ekkehard RUEGER f\u00fcr die erste Rezension!<br>Hier zum Nachlesen:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-news-ekir-de wp-block-embed-news-ekir-de\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"2dT61H4Mzi\"><a href=\"https:\/\/news.ekir.de\/meldungen\/2021\/05\/entdeckungsreise-zu-den-neuen-gemeinschaften\/\">Entdeckungsreise zu den neuen Gemeinschaften<\/a><\/blockquote><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; visibility: hidden;\" title=\"&#8222;Entdeckungsreise zu den neuen Gemeinschaften&#8220; &#8211; news.ekir.de\" src=\"https:\/\/news.ekir.de\/meldungen\/2021\/05\/entdeckungsreise-zu-den-neuen-gemeinschaften\/embed\/#?secret=vkHoXJXzRi#?secret=2dT61H4Mzi\" data-secret=\"2dT61H4Mzi\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDein Buch habe ich sofort gelesen, staune und bewundere dich f\u00fcr diese pralle Lebendigkeit, die du erschlie\u00dft, diesen sch\u00f6nen verbindenden Faden Diakonalit\u00e4t, dieses ehrende Gedenken und die Aktualisierung der\u00a0\u201aDiakonisse\u2018 und wer es heute sein k\u00f6nnte, und vieles mehr.\u00a0Ein Buch, das im Lesen Mut macht, Vertrauen schenkt, dadurch dass es eben grund-legend ist f\u00fcr Kirche, Diakonie und Gesellschaft, erst recht durch deine diakonische Klarheit und deine unnachahmliche F\u00e4higkeit die\u00a0\u201avielen F\u00e4den\u2018 zusammenzukn\u00fcpfen auf die notwendige Sorge um die Menschen und diese Gesellschaft hin, und nicht auf den Selbsterhalt der Kirche.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Prof. Dr. Andreas Heller<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Neuentdeckung der Gemeinschaft fordert Kirche heraus. W\u00e4hrend Gemeindeh\u00e4user geschlossen und diakonische Gemeinschaften kleiner werden, entstehen neue Nachbarschaftsnetze und Caring&#8230; <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=5526\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":394,"menu_order":11,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-5526","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/5526"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5526"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/5526\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8310,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/5526\/revisions\/8310"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/394"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5526"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}