{"id":519,"date":"2015-02-20T13:44:26","date_gmt":"2015-02-20T13:44:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=519"},"modified":"2017-07-12T19:05:05","modified_gmt":"2017-07-12T19:05:05","slug":"wir-sind-es-wert-vom-wert-der-pflege","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=519","title":{"rendered":"Wir sind es wert \u2013 vom Wert der Pflege"},"content":{"rendered":"<p><strong>1. Ein Platz f\u00fcr die Pflege<\/strong><\/p>\n<p>Das Thema Pflege nimmt noch zu wenig Platz in der Gesellschaft ein, meinen 71 Prozent der Befragten in Deutschland. Auf diesem Hintergrund hatte die Evangelische Aktionsgemeinschaft f\u00fcr Familienfragen am 12. Mai, dem Internationalen Tag der Pflegenden zu Diskussionsrunden auf dem Berliner Schlossplatz eingeladen. Schlie\u00dflich sollte 2011, politisch gesehen, das Jahr der Pflege werden\u201e Pflege in guter Gesellschaft\u201c hie\u00df das Motto der EAF-Veranstaltung. . Denn alle modernen Gesellschaften stehen vor der Aufgabe, einen guten Platz f\u00fcr immer mehr \u00c4ltere, auch pflegebed\u00fcrftige Menschen zu finden, so die EAF. Wer den Einladungsflyer aufklappte, fand einen h\u00fcbschen Lehnstuhl, ein Symbol f\u00fcr die Aufforderung, denen, die Pflege brauchen, und denen, die pflegen, mehr Platz zu geben. Aber auch eine Einladung, sich diesen Platz zu nehmen, in die \u00d6ffentlichkeit zu gehen und mit zu diskutieren.<\/p>\n<p>W\u00e4re es um Krippenpl\u00e4tze oder KiTas gegangen: der Schlossplatz w\u00e4re voll gewesen am 12. Mai von M\u00fcttern, V\u00e4tern und Erzieherinnen. Buggys sind chic, auch wenn, oder vielleicht gerade weil die Zahl der Geburten in Deutschland kaum steigt. Der Kampf um Lehnst\u00fchle und Pflegebetten dagegen wird eher im Verborgenen ausgetragen. Mit Kassen und Heimen, mit der Unterst\u00fctzung von privaten und professionellen Netzen. Denn was jeder wei\u00df, ist gleichwohl ein Tabu. Der Prozentsatz der unter 20-j\u00e4hrigen in Deutschland nimmt bis 2050 auf Werte zwischen 15. und 18 Prozent ab. Er lag 1998 noch bei 21,6%. Der Anteil der \u00fcber-60-j\u00e4hrigen dagegen wird dann 2050 zwischen 35 und 42 % liegen. Und die Zahl der Hochbetagten steigt- je nach H\u00f6he der Lebenserwartung von 3,0 Millionen 1998 auf eine Zahl zwischen 9.9 und 13,1 Millionen. Einer Modellrechnung des statistischen Bundesamte (2010) zufolge wird die Zahl der Pflegebed\u00fcrftigen im Jahr 2050 bei etwa 4,5 Mio. liegen, was einer Verdoppelung innerhalb von 40 Jahren entspricht.<\/p>\n<p>Trotzdem war der Schlossplatz am 12. Mai nicht \u00fcberlaufen. Denn Pflege spielt sich eben nicht im \u00f6ffentlichen Raum, sondern im Verborgenen ab. 2\/3 der pflegebed\u00fcrftigen Menschen (1,54 Mio.) werden in den Familien versorgt und dies zum Teil rund um die Uhr. Der durchschnittliche Sorgeaufwand pflegender Angeh\u00f6riger betr\u00e4gt 45,6 Stunden in der Woche \u2013 f\u00fcr Pflege und Hilfen im Haushalt, f\u00fcr Gespr\u00e4che und Alltagsbegleitung. 27 Prozent dieser pflegenden Angeh\u00f6rigen sind M\u00e4nner \u2013 vor 20 Jahren waren es noch 17 Prozent- aber immer noch sind es zu mehr als 70 Prozent Frauen, die pflegen- privat wie professionell. Das wird sich \u00e4ndern m\u00fcssen: Angesichts der Tatsache, dass schon in den n\u00e4chsten 10 Jahren mit zwei Millionen Pflegebed\u00fcrftigen in der h\u00e4uslichen Pflege zu rechnen ist, \u00a0muss die Beteiligung der M\u00e4nner an den h\u00e4uslichen Care-Aufgaben deutlich wachsen. Wenn das gelingen soll, brauchen wir eine bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, der Aus- und Aufbau einer wohnortnahen Pflegeinfrastruktur, Beratungsangebote f\u00fcr pflegende Angeh\u00f6rige und die F\u00f6rderung von Freiwilligendiensten. Und: Pflegende Angeh\u00f6rige brauchen die M\u00f6glichkeit, Auszeiten von der Pflege nehmen zu k\u00f6nnen, ohne schlechtes Gewissen zu haben.<\/p>\n<p>Die Versorgungsl\u00fccke in der Pflege, in die wir sehenden Auges hineinlaufen, stellt eine der gr\u00f6\u00dften sozialpolitischen Herausforderungen unserer Zeit dar. Aber das schlechte Gewissen, Ersch\u00f6pfung und Scham derer, die ihr Bestes geben, hindert eine offene Auseinandersetzung. Dem Rabenmuttersyndrom, das die deutsche Familienpolitik \u00fcber Jahrhundert bestimmt hat, entspricht das Rabent\u00f6chtersyndrom in der Pflege. Und die Erwartungen, die \u00fcber viele Jahrzehnte pr\u00e4gend waren, wirken noch nach und sind wirkm\u00e4chtiger als die Zahlen, die die Zukunft beschreiben. Aber die Sorge f\u00fcr andere, das Caring, kann eben nicht mehr als selbstverst\u00e4ndliche Aufgabe von Frauen; M\u00fcttern und T\u00f6chtern gesehen werden. Angesichts der demographischen Wandels und der Ver\u00e4nderung von Familien und Arbeitswelt brauchen wir neue Wege, Erwerbsarbeit und Pflege nicht nur miteinander zu vereinbaren, sondern auch gerechter zu verteilen. Das Care-Defizit in unserer Gesellschaft ist eine Konsequenz der traditionellen Teilung unseres Wohlfahrtsstaats in die m\u00e4nnlich gepr\u00e4gte Sph\u00e4re der Erwerbsarbeit, an der die Sozialversicherungen h\u00e4ngen, und die weiblich gepr\u00e4gte Sph\u00e4re der F\u00fcrsorglichkeit, zu der neben Hausarbeit und Erziehungsaufgaben eben auch die Pflegearbeiten geh\u00f6ren. Beziehungsarbeit galt eben lange und gilt zum Teil noch als nat\u00fcrliche St\u00e4rke von Frauen. Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als unsere Diakonissenh\u00e4user gegr\u00fcndet wurden, galten diese Aufgaben eben nicht als \u201eArbeit\u201c, sondern als \u201e Liebe\u201c \u2013 man sprach bei den Pflegeeinrichtungen von Liebesanstalten.<\/p>\n<p>Auch wenn uns eine solche Vorstellung heute ganz fremd ist: der Begriff erinnert an eine Wahrheit, die bei den politischen Debatten um die Zukunft der Pflege leicht \u00fcbersehen wird: die Sorge f\u00fcr andere ist nicht nur eine Frage des Geldes, sie setzt eine pers\u00f6nliche Beziehung zwischen den Beteiligten voraus. Es geht n\u00e4mlich nicht um die Herstellung eines Produkts, sondern um einen Dienst, der ohne Empathie und Zeit f\u00fcreinander nicht m\u00f6glich ist. Pflege ist auf das Wohlergehen des anderen ausgerichtet und orientiert sich an seinen oder ihren Bed\u00fcrfnissen. Sie ist eine soziale Praxis der Anteilnahme, ein gemeinsames Lernen \u00fcber Sch\u00f6nheit und Grenzen des Lebens, \u00fcber \u00c4lterwerden und Sterben. Zeit bedeutet in diesem Kontext nicht nur Geld, sondern Wahrnehmung und Verstehen. Weil das Gelingen einer pers\u00f6nlichen Beziehung f\u00fcr den Pflegeprozesses unentbehrlich ist, k\u00f6nnen Standards und Module der Pflege nicht gerecht werden.<\/p>\n<p>Pflegende wissen das seit langem. Gleich, ob sie Angeh\u00f6rige oder Profis sind. Daher r\u00fchrt ihr schlechtes Gewissen, ihre Ersch\u00f6pfung, ihre Verzweiflung und Resignation angesichts der tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnisse. Denn die Wahrheit ist ja auch: Die kostenlose Beziehungsarbeit ist bei steigender Frauenerwerbst\u00e4tigkeit in der Erwerbsgesellschaft angekommen. Pflege ist Erwerbsarbeit, sie ist selbst eine Dienstleistung geworden, und sie steht angesichts des Wettbewerbs in der Sozialbranche unter erheblichem Kosten- Zeit und Effektivit\u00e4tsdruck. Es f\u00fchrt kein Weg zur\u00fcck zu den Diakonissenh\u00e4usern, nicht einmal zum Selbstkostendeckungsprinzip, und keiner zum Alleinverdienermodell, in dem die gesamte F\u00fcrsorgearbeit umsonst von Familienfrauen geleistet wurde. Der Pflegeberuf muss seine Frau oder seinen Mann ern\u00e4hren und berufliche Perspektiven er\u00f6ffnen, die \u00fcber einige Jahre hinausgehen. Aus dem weiblichen Heilhilfsberuf hat sich eine anerkannte Profession entwickelt, die selbstverst\u00e4ndlich an den Tisch geh\u00f6rt, wenn \u00fcber den demographischen Wandel oder das Gesundheitssystem der Zukunft gesprochen wird.<\/p>\n<p>Zurzeit sitzen da meist andere: Ende August bereiteten der Wirtschafts- und der Gesundheitsminister die Bev\u00f6lkerung bei einer Pressekonferenz darauf vor, dass die Beitragss\u00e4tze zur Pflegeversicherung und die privat aufgebrachten Kosten f\u00fcr Pflege angesichts der demographischen Entwicklung unausweichlich steigen werden. Gute Pflege gebe es nicht zum Nulltarif, sagte Bahr, und neben der Steigerung der Beitragss\u00e4tze sei eine St\u00e4rkung der ambulanten Dienste, bessere Beratung und Vernetzung in der Nachbarschaft; mehr R\u00fccksicht von Arbeitgebern sind unbedingt notwendig. Das stimmt. Es hat allerdings seine Gr\u00fcnde, dass der Vorrang von ambulanten vor station\u00e4ren Diensten bislang nur begrenzt gegriffen hat, dass teure Heimeinweisungen leichter umzusetzen sind als die Organisation hauswirtschaftlicher Dienste und dass es zu Dreht\u00fcreffekten zwischen Altenhilfe und Krankenh\u00e4usern kommt. Sie liegen in der Vers\u00e4ulung des Gesundheitssystems auf der Ebene der Versicherungen wie der Einrichtungen, die zu unproduktiven Reibungen f\u00fchren .Sie liegen in der mangelnden Kooperation der Professionen, aber vielleicht grundlegend in der Schwierigkeit, Pflege in ihrem Charakter zu begreifen- als Carearbeit, die eine Br\u00fccke zwischen dem famili\u00e4ren und dem beruflichen System schlagen muss \u2013 zwischen Liebe und Erwerbsarbeit. H\u00e4tten wir das schon begriffen, s\u00e4\u00dfen eben nicht nur der Wirtschafts- und der Gesundheitsminister am Tisch, sondern auch die Arbeits- und die Familienministerin. Solange die interministeriale Zusammenarbeit nicht gelingt, werden die Eckpunkte; aus dem Gesundheitsministerium; auf die wir seit Wochen warten, nur ein Rumpfkonzept sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong> 2. Zwischen allen St\u00fchlen<\/strong><\/p>\n<p>Pflege sitzt zwischen allen St\u00fchlen \u2013 wenn sie denn \u00fcberhaupt die Zeit hat, sich zu setzen. Das beginnt bei den pflegenden Angeh\u00f6rigen selbst: viele ringen darum, zugleich ihrem Job und ihren Angeh\u00f6rigen gerecht zu werden, Beruf und Familie zu vereinbaren. Aber auch die, die sich entschieden haben, wenigstens zeitweilig auf Berufst\u00e4tigkeit zu verzichten, m\u00f6chten nicht auf die Rolle der Pflegenden reduziert werden- sie wollen weiterhin als Nachbarin , Opern oder Sportsfreundin oder auch als Gemeindeglied wahrgenommen zu werden. Sie wollen sich nicht aufgeben und aufopfern. Beruflich Pflegende kennen das. Sie kennen aber auch die vielen Spannungsfelder in der Organisation: \u00a0zwischen professioneller und famili\u00e4rer Pflege im h\u00e4uslichen Umfeld, zwischen Medizin, Pflege und Hauswirtschaft, zwischen Lebensprozessen und \u00f6konomischer Standardisierung, zwischen Zeittakt und Zuwendung.<\/p>\n<p>Dieses \u201eDazwischen\u201c ist nicht der schlechteste Platz f\u00fcr die Pflege- denn das Handwerk der Pflege ist Interaktio<a name=\"_ftnref1\"><\/a>n<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>; als Beziehungsarbeit ist sie ein Kommunikationsgeschehen. Die Absolventinnen und Absolventen pflegewissenschaftlicher Studieng\u00e4nge sind allerdings zumeist in Qualit\u00e4tssicherung und Pflegemanagement t\u00e4tig.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Herausgefordert durch neue Abrechnungsmodalit\u00e4ten im Gesundheitssystem, haben sie daf\u00fcr gesorgt, dass sich einzelne Verfahrensschritte dokumentieren, verfolgen und kontrollieren lassen- \u00a0sie lassen sich nun aber auch abspalten, aufteilen und delegieren. Damit konnte eine ganze Gruppe von T\u00e4tigkeiten von Pflegefachkr\u00e4ften an Hilfskr\u00e4fte abgegeben werden, w\u00e4hrend die Fachkr\u00e4fte selbst zunehmend mit Management- und Dokumentationsaufgaben \u00fcbernommen haben- auch um die erbrachte Leistung gegen\u00fcber den Kostentr\u00e4gern rechtfertigen. Diese lange hoch gehaltene Beziehungspflege tritt immer mehr in den Hintergrund: die Zeit f\u00fcr Begegnungen und Gestaltung der Sorgearbeit, die f\u00fcr Heilungsprozesse eine gro\u00dfe Rolle spielen, fehlt. Die Unzufriedenheit dar\u00fcber ist genauso schmerzlich wie die unzureichende Verg\u00fctung. Erst in der Arbeit mit Demenzkranken kehren die Erfahrungen aus der Beziehungspflege in den letzten Jahren zur\u00fcck \u2013 gelebt allerdings h\u00e4ufig eher von Hilfskr\u00e4ften als von Fachkr\u00e4ften.<\/p>\n<p>Wie \u00a0alle sozialen Dienstleistungen ist auch Pflege nicht exakt zu planen, weil diejenigen, die gepflegt werden, an der Arbeit mitwirken. Solche Prozesse der Koprodukton zwischen Besch\u00e4ftigten und Klienten oder Patienten erfordern eine st\u00e4ndige wechselseitige Abstimmung. Wer in diesem Sektor arbeitet, braucht ein hohes Ma\u00df an Empathie und Kommunikationsf\u00e4higkeit, um situativ angemessen reagieren zu k\u00f6nnen. Man braucht Fachwissen und Erfahrung, um beurteilen zu k\u00f6nnen, was jemand in diesem Augenblick und mittelfristig an Hilfe ben\u00f6tigt und wo andere Professionen hinzu gezogen werden m\u00fcssen. Dieses Spannungsfeld von \u00a0Professionalit\u00e4t und Zuwendung, von Routine und Unmittelbarkeit, wahrzunehmen und fruchtbar zu machen, kostet Kraft. Das moderne Gesundheitswesen organisiert, reglementiert, professionalisiert und rationalisiert die Hilfe und damit auch die Helfenden in ihrem Einsatz. Arbeitswissenschaftlichen Studien (B\u00fcssig\/Glaser, GEW, DGB Index gute Arbeit&#8230;) haben eine hohe Arbeitsintensit\u00e4t, h\u00e4ufige Unterbrechungen bei der Arbeit und auch hohe k\u00f6rperliche Belastungen identifiziert. Hinzu kommt die geringe Anerkennung und Wertsch\u00e4tzung der Arbeit \u2013 ein geringes Entgelt, beschr\u00e4nkte Aufstiegs- und Entwicklungsm\u00f6glichkeiten und belastende emotionale Erfahrungen.<\/p>\n<p>Denn sich wirklich auf andere Menschen einzulassen, ihre \u00c4ngste zu sp\u00fcren, ihre Sorgen wahrzunehmen, mit ihnen nach dem zu suchen, was gut tut und Hoffnung gibt und dabei auch von dem eigenen Glauben zu reden, ist immer ein Risiko. Das gilt ganz besonders, wenn Zeit- und Arbeitsdruck so hoch sind, dass einzig professionelle Distanz ein Durchhalten m\u00f6glich macht. Aber ohne die eigene Person einzubringen, wird man auf Dauer weder pflegen noch erziehen oder beraten k\u00f6nnen. Deshalb brauchen Pflegende eine gute Unterst\u00fctzung in Konfliktsituationen und ethischen Fragen. Sie brauchen eine Arbeitszeitgestaltung, die private\u00a0 Verpflichtungen der Besch\u00e4ftigten ernst nimmt und damit dem Ethos der F\u00fcrsorge entspricht. Auch eine gute Zusammenarbeit im Team hilft, Durststrecken zu \u00fcberstehen. Wo allerdings die Personalbemessung so knapp ist, dass jeder Urlaub, Weiterbildung oder Krankschreibungen L\u00f6cher in die Personaldecke rei\u00dft und nur durch weitere Arbeitsverdichtung oder \u00dcberstunden ausgeglichen werden kann, wird es eng. Auch die Unterst\u00fctzung von Fort- und Weiterbildungen sind wichtig, um die Ressourcen der Mitarbeiterschaft zu st\u00e4rken. Genauso entscheidend aber ist die M\u00f6glichkeit, sich in Ver\u00e4nderungsprozesse einzubringen.<\/p>\n<p>F\u00fcrsorgearbeit erfordert eine ganzheitliche Arbeitsorganisation, denn nur so kann sich der Sinngehalt der Arbeit entfalten. Auch das setzt der Rationalisierung und Spezialisierung, dem Auf- und Abspaltung von T\u00e4tigkeiten Grenzen- auch um der Patienten und Bewohner willen. Mit bis zu 14 verschiedenen Besch\u00e4ftigten hatte ein Krankenhauspatient in einer Woche zu tun \u2013 und dabei hatte er den intensivsten Kontakt zu den Reinigungskr\u00e4ften. Die zunehmende Aufspaltung hat ja nicht nur die Ausgliederung von Jobs erm\u00f6glicht, sie hat auch die Zahl der prek\u00e4r Besch\u00e4ftigten ansteigen lassen, der Mitarbeiterinnen mit Minijobs, der befristete Besch\u00e4ftigte und Zeitarbeitskr\u00e4fte. Prek\u00e4re Arbeit belastet dabei nicht nur die davon selbst Betroffenen, sondern auch die Kolleg\/innen und Kollegen, weil sie darin letztlich eine Abwertung ihres eigenen Arbeitsfeldes erleben. Ein Blick zur\u00fcck in die Diakonissentradition zeigt in scharfem Kontrast die verlorene Ganzheitlichkeit der Pflege \u2013 und eine Taschengeld- Gemeinschaft, in der die unterschiedlichen T\u00e4tigkeiten gleiche Wertsch\u00e4tzung erfuhren, so dass ein und die selbe Schwester durch ganz unterschiedliche Arbeitsfelder wechseln und den Gesamtzusammenhang erleben konnte.<\/p>\n<p>Wer n\u00e4mlich den Gesamtprozess vor Augen hat, wer sich getragen und gesch\u00e4tzt f\u00fchlt, bekommt Kraft, durchzuhalten, auch wo Erfolg nicht zu sehen ist. Eine Untersuchung der Fachho<a name=\"_ftnref3\"><\/a>chschule der Diakonie in Bethel<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>, zeigt, dass dabei auch heute Spiritualit\u00e4t eine wichtige Ressource darstellt. Die Kaiserswerther Oberin Charlotte Renner schrieb 1967, der Kern der Pflege sei \u201e ungeteilte Aufmerksamkeit\u201c, die \u00f6stliche Tradition spricht von \u201eeinf\u00fchlsamer Pr\u00e4senz\u201c. Dazu geh\u00f6ren Annahme und Wertsch\u00e4tzung. Pflegende brauchen sie genauso wie die Gepflegten. Nur, wer sich wertgesch\u00e4tzt wei\u00df, hat auch die Kraft, sich aktiv in die Ver\u00e4nderungsprozesse einzubringen und sich Geh\u00f6r zu verschaffen<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong> 3. Mischt Euch ein<\/strong><\/p>\n<p>Qualifizierte Besch\u00e4ftigte werden der Pflege den R\u00fccken kehren, wenn die Arbeit nicht einmal existenzsichernd und der Arbeitsplatz halbwegs sicher ist. Wer nach 30 Stunden Pflegearbeit mit 1250 Euro nach Hause kommt, wie eine Intensivschwester aus Mecklenburg<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> wird der eigenen Tochter nicht raten, Pflegekraft zu werden. Es\u00a0 ist ein Armutszeugnis, wenn diese mehrheitlich von Frauen geleistete Arbeit am Ende nicht mehr wert ist als prek\u00e4re Besch\u00e4ftigung Dabei wird der Bedarf an Pflegedienstleistungen gerade in der ambulanten Pflege weiter steigen. Nach den j\u00fcngsten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Afentakis, Maier, 2010) bis 2050 um 35%.<\/p>\n<p>Deshalb ist ein gesellschaftlicher Diskurs dar\u00fcber, welchen Wert wir der Pflege beimessen, dringend notwendig. Denn je geringer die Zahl der Schulabg\u00e4nger und der Erwerbst\u00e4tigen in der \u00e4lter werdenden Bev\u00f6lkerung wird, desto mehr steht der Pflegeberuf in harter Konkurrenz zu anderen. Attraktiv sind Berufe, die nicht nur eine interessante und abwechslungsreiche T\u00e4tigkeit und berufliche Aufstiegsm\u00f6glichkeiten versprechen, sondern auch attraktive L\u00f6hne bieten. Deshalb wird sich auch die Verg\u00fctungsstruktur in der Pflege ver\u00e4ndern m\u00fcssen, d.h. Pflege wird teurer werden. Die blo\u00dfe Absenkung der Eingangsvoraussetzungen ist das falsche Signal. Notwendig ist ein integriertes, gestuftes und durchl\u00e4ssiges Aus- und Weiterbildungskonzept mit M\u00f6glichkeiten der fachlichen Spezialisierung.<\/p>\n<p>Um professionelle Pflege auf Dauer finanzieren zu k\u00f6nnen und Menschen f\u00fcr diese Berufe zu gewinnen, ist eine Verbreiterung der Einnahmebasis in der Pflegeversicherung unausweichlich. Gleichwohl wird es aber nicht gelingen, den wachsenden Bedarf an Pflege vor allem \u00fcber Dienstleistungen abzudecken. Wenn wir dem wachsenden Care-Defizit begegnen wollen, muss Pflege deshalb von einer, oft privaten, Frauensache zu einem gesellschaftlichen und politischen Thema werden. Es geht dabei um nicht weniger als einen Wandel unseres Wohlfahrtssystems. Die Zeit, die M\u00e4nner wie Frauen in F\u00fcrsorgezusammenh\u00e4nge einbringen, muss st\u00e4rker als bisher auch bei Steuern und Versicherungen anerkannt und gew\u00fcrdigt werden. Das gilt auch im Blick auf die zeitweilige Freistellung Erwerbst\u00e4tiger f\u00fcr Pflegeaufgaben in der Familie Die \u00dcbernahme von Pflegeleistungen darf nicht zur Altersarmut des Pflegenden f\u00fchren. In der Diskussion um den Wert der professionellen Pflege geht es immer auch um die gesellschaftliche Anerkennung der Care-Arbeit. Pflege ist dabei mehr als eine Dienstleistung; sie ist ein \u00f6ffentliches Gut und f\u00fcr den Zusammenhalt einer \u00e4lter werdenden Gesellschaft von entscheidender Bedeutung.<\/p>\n<p>Die wachsenden Aufgaben, die mit der \u00e4lter werdenden Gesellschaft und der wachsenden Zahl Pflegebed\u00fcrftiger verbunden sind, k\u00f6nnen nur in einem guten Zusammenspiel von Familien und Dienstleistern, Arbeitgebern und Nachbarschaft geleistet werden. Die Flankierung von Pflegehaushalten und die Stabilisierung von Unterst\u00fctzungssystemen muss deshalb Priorit\u00e4t haben. Pflegedienste und haushaltsnahe Dienstleistungen m\u00fcssen m\u00f6glichst quartiernah vorgehalten und professionelle und lebensweltliche Hilfen m\u00fcssen verschr\u00e4nkt werden.<\/p>\n<p>Neben dem Ausbau der professionellen Pflegedienste muss st\u00e4rker dar\u00fcber nachgedacht werden, wie niedrigschwellige Dienste der sozialen Betreuung eingerichtet werden k\u00f6nnen ,die- gegebenenfalls mit sozial gestaffelten Zuzahlungen \u2013 allen Menschen zur Verf\u00fcgung stehen. Das k\u00f6nnte wesentlich teurere\u00a0 Einweisungen in station\u00e4re Einrichtungen verhindern \u2013\u00a0vor allem f\u00fcr die gro\u00dfe Zahl von \u00e4lteren Menschen in Single-Haushalten, es sind \u00fcber 40 Prozent, ist der Verbleib in der eigenen H\u00e4uslichkeit nur m\u00f6glich, wenn ein individuell zugeschnittenes Hilfesystem geschaffen wird und der Betroffene durch gr\u00f6\u00dfere Freiheiten in der Verteilung von Dienstleistungsauftr\u00e4gen \u00fcber die ben\u00f6tigten Hilfen selbst entscheiden kann, wie es zum Beispiel im Modellversuch \u201epers\u00f6nliches Budget\u201c erprobt wurde.<\/p>\n<p>Wir brauchen eine Aufl\u00f6sung der starren Grenzen\u00a0 zwischen station\u00e4ren, teilstation\u00e4ren und ambulanten Einrichtungen und Diensten durch eine klare Ausrichtung an den Funktionen Wohnen, Haushalt und Pflege und einen neuen Finanzierungsmix aus marktlichen Dienstleistungen und privater, steuerlich gest\u00fctzter F\u00fcrsorglichkeit. Wir brauchen dar\u00fcber hinaus ein neues Konzept f\u00fcr die Verkn\u00fcpfung und Verschr\u00e4nkung von Gesetzlicher Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Reha. Die neue EKD-Gesundheitsdenkschrift \u201e Und unseren kranken Nachbarn auch\u201c, die am 17. Oktober erscheinen wird, wird sich dazu noch einmal dezidiert \u00e4u\u00dfern. Es gen\u00fcgt nicht, nur das zuletzt geschaffene Gesetzbuch der Sozialen Pflegeversicherung zu reformieren, vielmehr sind im Zuge der Entwicklung vielerlei Schnittstellen entstanden, die nicht nur zu unproduktiven \u00dcberschneidungen und Dreht\u00fcreffekten f\u00fchren, sondern auch daf\u00fcr sorgen, dass Menschen, anstatt in ihrer h\u00e4uslichen Umgebung bleiben zu k\u00f6nnen, in station\u00e4re Einrichtungen aufgenommen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Auch die individuellen W\u00fcnsche von Pflegebed\u00fcrftigen und deren Angeh\u00f6rigen m\u00fcssen k\u00fcnftig in den gesetzlichen Grundlagen, aber auch in der Praxis von Einrichtungstr\u00e4ger und Pflegekassen besser und verbindlicher ber\u00fccksichtigt werden. Wenn es darum geht, bei Pflegebed\u00fcrftigkeit und demenzieller Erkrankung einen Verbleib im gewohnten Lebensumfeld zu erm\u00f6glichen, sind Kommunen die entscheidenden Player. Kommunen sind verantwortlich f\u00fcr die Bebauungsplanung und die Infrastruktur, sie k\u00f6nnen die unterschiedlichen Dienstleister an einen Tisch bringen. Im Bertelsmann Modellprojekt SONG haben verschiedene Tr\u00e4ger und Anbieter auch aus der Diakonie neue Betreuungsformen und Kooperationen in Wohnquartieren erprobt. Dabei zeigte sich, wie wichtig eine funktionierenden Kommunikation und\u00a0 einer Kultur der Zusammenarbeit. Das entscheidende spielt sich zwischen den Beteiligten ab. Eigentlich ist das nicht neu: Pflege lebt von Pflegeketten, von unterschiedlichen Akteuren, die zusammenarbeiten und einander vertrauen. Ganz so wie in Gleichnis vom Barmherzigen Samariter braucht es Leute, die sensibel sind und nicht wegsehen, wo Not ist, es braucht Menschen, die bereit sind, andere aufzunehmen und zu pflegen und andere, die bereit sind, daf\u00fcr zu zahlen, wenn der Kranke oder Verletzte es nicht kann. Und es braucht das Vertrauen, dass die Solidarit\u00e4t, die darin zum Ausdruck kommt, tragf\u00e4hig und verl\u00e4sslich ist. \u201e Wenn das Geld nicht reicht\u201c, sagt der Samariter zum Wirt, zahl ichs Dir, wenn ich das n\u00e4chste Mal hier vorbei komme\u201c. Es gilt, die professionelle Verantwortung und das Vertrauen in eine gute Zusammenarbeit zu st\u00e4rken; das k\u00f6nnte auch helfen, die n\u00f6tigen Schritte in Richtung Entb\u00fcrokratisierung zu gehen.<\/p>\n<p>Pflege kn\u00fcpft ein Netz \u2013 f\u00fcr die Koordination von Einzelfallhilfen, aber auch auf die Koordination der unterschiedlichen Akteure im Quartier , nicht zuletzt mit den Kirchen, k\u00f6nnen mit ihren R\u00e4umen und mit ihren haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden entscheidend dazu beitragen k\u00f6nnen, dass Menschen in der Gemeinde zu Hause bleiben. Pflege geh\u00f6rt in die Mitte der Gesellschaft wie die Kirche ins Dorf- \u00a0nicht nur in Berlin auf dem Schlossplatz. Noch findet sie hinter geschlossenen T\u00fcren statt \u2013 zuerst in den Privath\u00e4usern und dann in den Einrichtungen. Kein Wunder, dass die deren \u00fcberlastete und ersch\u00f6pfte Sandwichgeneration keine Kraft und zu viel Scham hat, um die Dinge beim Namen zu nennen, wenn Vater oder Mutter nach durchschnittlich 8 Jahren h\u00e4uslicher Pflege \u00a0endlich in einer Einrichtung untergekommen sind. Aber Pfarrerinnen und Pfarrer und kirchliche Besuchsdienste k\u00f6nnten hier Stimme der Stummen sein und damit etwas von dem Ethos der Gemeindeschwestern lebendig werden lassen, dass die diakonische Pflege gepr\u00e4gt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong> 4. Jeder Mensch z\u00e4hlt<\/strong><\/p>\n<p>In dem Ma\u00dfe, in dem ein Mensch das, was ihm wichtig ist, nicht mehr selbst durch eigenes Tun verwirklichen kann, wird die Teilhabe am Leben der Gemeinschaft sogar bedeutungsvoller. Teilhaberechte zu st\u00e4rken, ist mehr, als \u00fcber Pflegemodule nachzudenken. Es setzt voraus, dass wir pflegebed\u00fcrftige Menschen als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft, als Gemeindemitglieder und nicht nur als Versorgungsf\u00e4lle wahrnehmen. Die Denkschrift der EKD \u201e Im Alter neu werden k\u00f6nnen\u201c zitiert dazu Hannah Arendt, die (1960)<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>\u00a0in ihrem Werk \u201e Vita activa oder vom t\u00e4tigen Handeln\u201c die Teilhabe der einzelnen an der \u00d6ffentlichkeit als einen wahrhaftigen, ungest\u00f6rten Austausch beschrieben hat. Sie benennt darin drei wichtige und grundlegende Voraussetzungen f\u00fcr ein Leben in gerechter Teilhabe:<\/p>\n<ul>\n<li>Jeder Mensch hat Zugang zum \u00f6ffentlichen Raum, konkret ausgedr\u00fcckt: Kein Mensch wird aus der Gemeinschaft ausgeschlossen.<\/li>\n<li>Jeder Mensch wird in seiner Einzigartigkeit anerkannt und geachtet.<\/li>\n<li>Jeder Mensch erh\u00e4lt die Gewissheit, sich in seinem Handeln und Sprechen \u201eaus der Hand geben\u201c zu k\u00f6nnen, das hei\u00dft, von anderen Menschen angenommen zu sein und diesen vertrauen zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Vor einigen Jahren hat der Zentralausschusses des \u00d6kumenischen Rates der Kirchen eine Erkl\u00e4rung zum europ\u00e4ischen Jahr der behinderten Menschen herausgegeben. Sie tr\u00e4gt den Titel \u201e Kirche aller\u201c und betont, dass in Christus \u00a0alle Gottes Ebenbild sind \u2013ganz gleich, mit welchen Grenzen und Beeintr\u00e4chtigungen wir leben. \u201e Ohne die uneingeschr\u00e4nkte Integration von Menschen. mit Behinderungen.. kann die Kirche nicht f\u00fcr sich in Anspruch nehmen, Leib Christi zu sein\u201c, hei\u00dft es in \u201eKirche aller\u201c: Ohne die Erkenntnisse derer, die. mit Behinderung (leben).werden die tiefsten, ureigensten Elemente der christlichen Theologie verf\u00e4lscht oder verloren gehen.\u201c<\/p>\n<p>Einige S\u00e4tze in dieser Erkl\u00e4rung, die von einer Gruppe von behinderten Menschen und ihren Betreuern geschrieben wurde, haben mich besonders beeindruckt: \u201e Menschen mit Behinderungen wissen, was es bedeutet, dass sich das Leben unerwartet von Grund auf ver\u00e4ndern kann. Wir waren in jenem Grenzbereich zwischen dem Bekannten und dem Unbekannten, in dem wir nur zuh\u00f6ren und abwarten konnten\u2026Wir sind Gott in jener leeren Dunkelheit begegnet, in der uns bewusst wurde, dass wir \u201e die Kontrolle\u201c \u00fcber uns verloren haben, und wir haben gelernt, auf Gottes Gegenwart und F\u00fcrsorge zu vertrauen&#8230; Wir wissen, was es bedeutet, im Zwiespalt und inmitten von Paradoxen zu leben, und wir wissen, dass einfache Antworten und Sicherheiten uns nicht tragen..\u201c<\/p>\n<p>Das ist eine Lektion, die wir irgendwann alle lernen m\u00fcssen. Manche von Geburt an, andere bei einem Unfall, wieder andere bei einer Krebserkrankung, einem Herzinfarkt oder eben im Alter. Wir alle leben mit Br\u00fcchen und Verletzungen, mit Wunden und Narben, auch wenn es den meisten lange Zeit gelingt, sie vor den Augen der \u00d6ffentlichkeit zu verbergen. Genau deshalb ist es aber auch so schwer, Pflegebed\u00fcrftige in die Mitte der Gesellschaft zu stellen. Sie zeigen uns: wir m\u00fcssen lernen, mit Einschr\u00e4nkungen; Schmerzen und Verlusten zu leben. Die Theologin Gunda Schneider-Flume spricht in diesem Zusammenhang von der \u201e Tyrannei des gelingenden Lebens\u201c, die unsere Gesellschaft beherrsche. Unsere Gesellschaft sei so sehr von Machbarkeitsvorstellungen bestimmt, dass suggeriert werde, wir h\u00e4tten unsere Gesundheit und unser Gl\u00fcck selbst in der Hand.<\/p>\n<p>Noch scheint die neue Inklusionsbewegung f\u00fcr die Rechte behinderter Menschen \u00a0die der Pflegebed\u00fcrftigen und Demenzkranken nicht im Blick zu haben, noch sehen wir sie viel mehr als Objekt der Hilfe, als zu Versorgende, und weniger als Subjekt von Rechten. Es gen\u00fcgt, sich die unterschiedlichen Ausstattungen von Pflegeversicherung und Eingliederungshilfe anzuschauen oder die Entwicklung der Behindertenhilfe hin zur Ambulantisierung anzusehen, um zu verstehen, was ich meine. \u00c4lteren, pflegebed\u00fcrftigen Menschen und ihren Angeh\u00f6rigen traut diese Gesellschaft noch nicht zu, \u00fcber das eigene Budget zu verf\u00fcgen \u2013 oder wir f\u00fcrchten, das k\u00f6nnte die R\u00fccklagen der Pflegeversicherung sofort verzehren. Aber l\u00e4ngst ist in Literatur und Medien eine Angeh\u00f6rigenbewegung im Gange, die diese Schranke aufbricht- von Stella Braam bis zu Arno Geiger. Sie begreifen Demenzerkrankte als Gegen\u00fcber, von dem wir lernen k\u00f6nnen, wie sehr die Gesellschaft auf Beziehung und Zusammenhalt, auf Einf\u00fchlung und Respekt angewiesen ist- nicht nur in der Pflege.<\/p>\n<p>Ich warte deshalb sehnlich auf den Tag, an dem der Schlossplatz gef\u00fcllt ist mit Menschen aller Generationen, mit Pflegenden Angeh\u00f6rigen, \u00c4lteren mit Rollatoren, Mitarbeitervertretungen und Gewerkschaften, Kirchenvorst\u00e4nden und Einrichtungstr\u00e4gern, VDK und Sozialverband und vor allem mit Ihnen. Ihre Arbeit ist es wert \u2013 Sie sind es wert.<\/p>\n<h5><\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Sabine K\u00fchnert<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Sabine K\u00fchnert, Pflegewissenschaft am Puls der Zeit, in : Thomas Klie u.a.: Entwicklungslinien im Gesundheits- und Pflegewesen, FFM, 2003<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Prof. Dr. Tim Hagenah, Lehrstuhl f\u00fcr Arbeits-, Organisations- und Gesundheitspsychologie an der Fachhochschule der Diakonie<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Geo-Spezialheft 2007 \u201eSoziale Gerechtigkeit\u201c<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Arendt, H. (1960). <em>Vita activa oder vom t\u00e4tigen Handeln. <\/em>Stuttgart: Kohlhammer.<\/h5>\n<hr \/>\n<h2><span style=\"color: #cc7110;\">Das k\u00f6nnte Sie auch interessieren:<\/span><\/h2>\n<h2>Die Pflegekasse unterst\u00fctzt Pflegebed\u00fcrftige durch zahlreiche Leistungen<\/h2>\n<p>Die Gefahr zum Pflegefall zu werden, steigt durch die immer h\u00f6here Lebenserwartung st\u00e4ndig. 1995 reagierte die Politik darauf mit der Einf\u00fchrung der Pflegeversicherung, in die jedes Mitglied einer gesetzlichen oder privaten Krankenkasse Pflichtbeitr\u00e4ge einzahlt. Unabh\u00e4ngig von der Versicherungsdauer ergibt sich daraus bei Pflegebed\u00fcrftigkeit ein Anspruch auf die inzwischen zahlreichen Leistungen. Gezahlt wird nur auf Antragstellung und nach Begutachtung durch den Medizinischen Dienst, der den Grad der Beeintr\u00e4chtigung feststellt, erl\u00e4utert <a href=\"http:\/\/www.meinepflegeversicherung.com\/thema\/pflegeversicherung-beitrag\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.meinepflegeversicherung.com\/<\/a>\u00a0.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Pflegegeld und Pflegesachleistungen<\/strong><\/p>\n<p>Die bekannteste Leistung ist das Pflegegeld. Es wird bei h\u00e4uslicher Pflege durch die Familie oder Bekannte gezahlt. Seine H\u00f6he ist abh\u00e4ngig vom Pflegegrad. \u00fcber das Geld kann frei verf\u00fcgt werden. Kommen professioneller Kr\u00e4fte ins Haus, wird das Pflegesachleistung genannt und ebenfalls dem Pflegegrad entsprechend \u00fcbernommen. Die Kasse rechnet diese Leistung jedoch direkt mit dem Dienstleister ab. Das geschieht auch, wenn der Anspruchsberechtigte station\u00e4r in Vollzeitpflege versorgt wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kurzzeitpflege und Vertretungspflege<\/strong><\/p>\n<p>F\u00e4llt die Pflegeperson in der h\u00e4uslichen Pflege aus, springt die Pflegekasse ein. Sie zahlt eine station\u2030re Kurzzeitpflege in einer daf\u00fcr zugelassenen Einrichtung. Alternativ finanziert sie eine Vertretungspflege zu Hause. F\u00fcr beide Leistungen stehen j\u00e4hrliche Pauschalbetr\u00e4ge zur Verf\u00fcgung. Werden sie \u00fcberschritten, muss aus eigener Tasche gezahlt werden. F\u00e4llt die Pflegeperson in der h\u00e4uslichen Pflege aus, springt die Pflegekasse ein. Sie zahlt eine station\u00e4re Kurzzeitpflege in einer daf\u00fcr zugelassenen Einrichtung. Alternativ finanziert sie eine Vertretungspflege zu Hause. F\u00fcr beide Leistungen stehen j\u00e4hrliche Pauschalbetr\u00e4ge zur Verf\u00fcgung. Werden sie \u00fcberschritten, muss aus eigener Tasche gezahlt werden. Eine zus\u00e4tzliche private Absicherung, die fast schon unabdingbar ist, verhindert das. Diese private Zusatzvorsorge kann auch staatlich gef\u00f6rdert werden, was vielen als Pflege-Riester oder Pflege-Bahr bekannt ist. Wer darauf zur\u00fcckgreifen m\u00f6chte, sollte die Bahr-Pflegeversicherung im Vergleich mit weiteren, nicht gef\u00e4rderten Angeboten vergleichen, um die beste Variante zu finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und was zahlt die Kasse noch?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Pflegehilfsmittel, die direkt verbraucht werden, gibt es eine Monatspauschale. Gr\u00e4\ufb02ere Anschaffungen wie Spezialbett, Rollator und \u00e4hnliches sind einzeln zu beantragen. Auch den Umbau der Wohnung unterst\u00fctzt die Kasse durch Betr\u00e4ge von bis zu 4.000 Euro. Eine Beratung zum umfangreichen Leistungskatalog und Hilfe bei der Antragstellung erhalten Sie kostenlos bei Pflegest\u00fctzpunkten und Wohlfahrtsverb\u00e4nden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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