{"id":506,"date":"2015-02-20T11:11:41","date_gmt":"2015-02-20T11:11:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=506"},"modified":"2015-07-29T10:13:58","modified_gmt":"2015-07-29T10:13:58","slug":"die-stille-altersrevolution1-zum-wandel-von-lebens-und-arbeitswelt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=506","title":{"rendered":"\u201eDie stille Altersrevolution: Zum Wandel von Lebens- und Arbeitswelt.\u201c"},"content":{"rendered":"<h3><em>Zum Auftakt des Europ\u00e4ischen Jahres des aktiven Alterns 2012. <\/em><\/h3>\n<p>\u201eIn diesem Jahr fehlte mir die Zeit zum Geschichtenschreiben\u201c, schrieb mir vergangenes Jahr ein Freund, der sonst zu Weihnachten ein M\u00e4rchen herausgab. Das letzte Jahr war f\u00fcr ihn eine Zeit der Ver\u00e4nderung und des Wandels. Mit 60 Jahren hat er seine verantwortliche Position verlassen \u2013 er wollte noch einmal etwas Neues beginnen. Jetzt engagiert er sich f\u00fcr die Zusammenarbeit der Ostseeanrainerstaaten und beteiligt sich beim Aufbau des Hanse-Parlaments in St. Petersburg. \u201e Es ist ein wunderbares Erlebnis\u201c, schreibt er, wie lebendig die historischen Wurzeln sind und mit welchem unersch\u00fctterlichen Vertrauen Menschen aus den unterschiedlichen Kulturkreisen der zehn Ostseel\u00e4nder an der Verwirklichung dieses Traums mitarbeiten.\u201c Sein Brief spr\u00fcht vor Unternehmenslust; er ist ein echter \u201eSilver-Ager\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Man sp\u00fcrt, dass er endlich seine Tr\u00e4ume verwirklichen, Visionen erden kann. Die Zeit seiner Weihnachtsgeschichten ist vorbei. Aber in den allj\u00e4hrlichen\u00a0 M\u00e4rchen findet sich vielleicht der Schl\u00fcssel zu diesem Lebenstraum.<\/p>\n<p>Viele tr\u00e4umen davon, die dritte Lebensphase anders und sinnvoller zu nutzen. Ich kenne eine \u00c4rztin, die mit Mitte 50 nach Afrika ging. Sie wollte dort ausbauen, was sie fr\u00fcher in Ferieneins\u00e4tzen bei \u00c4rzte ohne Grenzen erlebt hatte. In Ostafrika half sie, ein Krankenhaus nach westlichen Standards aufzubauen, was Labor und Operationstechnik angeht. Zugleich arbeitete sie viel mit den Frauen der Basisgesundheitsdienste zusammen. Meine Freundin blieb verschont von Diagnose- relevanten -Berechnungsmodulen und Rationalisierung im Gesundheitswesen. Sie lernte ein ganz anderes Verst\u00e4ndnis von Krankheit und Heilung kennen. In charismatischen Gemeinden erlebte sie die Kraft der Gebete .Auf ihrer homepage fand ich einen ermutigenden Satz: \u201eAlter ist eine einmalige und neue Form der Freiheit, die verstanden und gelebt werden will.\u201c<\/p>\n<p>Gesunde 70-j\u00e4hrige sind heute kaum weniger leistungsf\u00e4hig als gesunde 55-j\u00e4hrige. Und hinzu kommt: 73 Prozent der Befragten ab 60 Jahren f\u00fchlen sich j\u00fcnger, als sie es vom chronologischen Alter her sind- und zwar im Durchschnitt 5,5 Jahre.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Schaukelstuhl und Kreuzwortr\u00e4tsel sind da l\u00e4ngst keine verlockende Ruhestandsoption mehr. Kein Wunder, dass viele auch das Wort Ruhestand nicht besonders m\u00f6gen. Es klingt nach Altenteil und M\u00fcdigkeit. Wahrscheinlich reden deshalb manche vom \u201eUnruhestand.\u201c Ein alter Pfarrer gr\u00fc\u00dft sogar in jedem seiner Briefe mit einem \u201e Gesegnete Unruhe\u201c. Und in einem Interview mit J\u00f6rg Zink las ich vor kurzem, er k\u00f6nne sich auch unter der himmlischen Ruhe nichts vorstellen- denn die Begegnung mit Gott w\u00fcrde uns sicher hellwach machen. Und auch hier auf Erden gilt:\u201e Wir wollen nicht gespa\u00dft werden, wir wollen beteiligt werden und uns einmischen k\u00f6nnen\u201c, so Henning Scherf in einem Interview.<\/p>\n<p>Heute verbinden die meisten Menschen jenseits der 50 das dritte Lebensalter mit der Hoffnung auf einen neuen Aufbruch. \u201e Im Alter neu werden k\u00f6nnen\u201c, hat deshalb der Rat der EKD die neue Altersdenkschrift genannt. <a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>Die Altersbilder haben sich in den letzten Jahrzehnten rasant ge\u00e4ndert; man k\u00f6nnte sagen: Das Alter veraltet! Denn bis in die 60er Jahre hat man den Ruhestand ja tats\u00e4chlich als den gro\u00dfen Feierabend begriffen, er war Erholung von einem aktiven Arbeitsleben. In den 70ern dann, der gro\u00dfen Zeit des Wohlfahrtsstaats, wurde die Rente dann zur Belohnung f\u00fcr ein aktives Leben \u2013 zurzeit von Freizeit und Reisen. Heute aber ist die nachberufliche Phase eine Zeit ganz neuer Gestaltungsm\u00f6glichkeiten. Und viele verbinden damit auch die Chance, sich auf andere Weise \u2013 eben in Freiheit- in Arbeitswelt und Gesellschaft einzubringen. Sie suchen M\u00f6glichkeiten, ihren Alltag weiterhin sinnvoll zu strukturieren, sie m\u00f6chten auch weiterhin ihre Kompetenz und Kreativit\u00e4t einbringen, sie wollen gebraucht werden. \u201e \u00c4lter werden wir sp\u00e4ter\u201c, hei\u00dft das Buch der Schauspielerin Iris Berben, das zu ihrem 50. Geburtstag erschien. Und das stimmt:\u00a0 Statistisch gesehen haben wir nach Erreichen des 60. Lebensjahrs eine hohe Wahrscheinlichkeit noch 25 Jahre zu leben- und ein Vierteljahrhundert Dauerurlaub, das tut keinem gut. Und Alt sein, das beginnt nach unseren Befragungen f\u00fcr die meisten erst mit 80 Jahren, wenn die Phase der so genannten \u201eHochaltrigkeit\u201c; das 4. Lebensalter beginnt. Wer sich nicht mehr selbst versorgen kann, der gilt in diesem Sinne als alt. Die meisten, die j\u00fcnger sind, schieben das noch einmal beiseite, wenn das 3. Lebensalter beginnt. Das europ\u00e4ische Jahr des aktiven Alterns und der Solidarit\u00e4t\u00a0 zwischen den Generationen, das gerade begonnen hat, kann daran ankn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Einige Daten zur Bev\u00f6lkerungsentwicklung<\/strong><\/p>\n<p>Wie in den meisten Industriel\u00e4ndern ist auch bei uns die Lebenserwartung im letzten Jahrhundert um mehr als 30 Jahre gestiegen. Noch nie in der Geschichte der Menschheit sind Menschen im Durchschnitt bei so guter Gesundheit so alt geworden, wie dies heute in den wohlhabenden L\u00e4ndern\u00a0 m\u00f6glich ist. Im Schnitt zehn gesunde Lebensjahre haben wir dazu gewonnen. Und der Trend h\u00e4lt an. Heute betr\u00e4gt das Durchschnittsalter in Deutschland. 42 Jahre, im Jahr 2050 d\u00fcrfte es bei 50 Jahren liegen. Fast 40 Prozent \u00a0werden dann 60 und \u00e4lter sein, und die Zahl der \u00fcber 80-j\u00e4hrigen wird sich verdreifacht haben- von knapp vier auf zehn Millionen. Zugleich allerdings nimmt der Anteil der unter 20-j\u00e4hrigen ab. Er betrug 1998 noch 21,6% und sinkt bis 2050 auf Werte zwischen 15. und 18 Prozent. Grund daf\u00fcr ist die niedrige Geburtenrate, die in Deutschland bei 1,4 Kindern pro Frau liegt. Manche sprechen inzwischen von einer Reproduktionskrise oder von einer Bev\u00f6lkerungsimplosion. Die Bev\u00f6lkerung wird bis 2050 auf 70 Millionen schrumpfen, ohne Zuwanderung erheblich mehr. Die deutsche Bev\u00f6lkerung wird \u00e4lter und schrumpft<\/p>\n<p>Deutschland als Hochlohnland mit hohem Wissenskapital und einer \u00e4ltere werdenden Bev\u00f6lkerung tritt in Konkurrenz mit L\u00e4ndern, die zur Zeit noch sehr junge Bev\u00f6lkerungen haben und stark in ihr Humanverm\u00f6gen investieren \u2013 von der arabischen Welt bis nach Ostasien. Der Soziologe Franz Xaver Kaufmann hat in diesem Zusammenhang von einer erheblichen Investitionsl\u00fccke ins Humankapital gesprochen. Kein Wunder, dass Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Startchancen der jungen Generation und Bildungsgerechtigkeit aber auch die Fragen der Generationengerechtigkeit von der Rente bis 67 bis zur Pflegeversicherung\u00a0 zu Schl\u00fcsselthemen geworden sind.<\/p>\n<p>Trotzdem darf das Thema alternde Gesellschaft nicht vor allem unter dem Gesichtspunkt der Belastung gesehen werden. Andreas Kruse, der Vorsitzende der Kommission f\u00fcr den Altenbericht der Bundesregierung, erinnert immer wieder daran, \u00a0dass \u00e4ltere Menschen mit ihren ideellen, mit ihren zeitlichen, vielfach auch mit ihren materiellen Ressourcen einen gro\u00dfen Beitrag zur Unterst\u00fctzung der j\u00fcngeren Generationen leisten. Die Bereitschaft, etwas f\u00fcr Kinder und Enkel zu tun, ist ungebrochen. .J\u00e4hrlich 3, 5 Milliarden Arbeitsstunden investieren die 60 \u2013 85 \u2013j\u00e4hrigen f\u00fcr die Hilfe in der Familie und die Betreuung der Enkel. Und 30 Prozent der Eltern lassen ihren erwachsenen Kindern regelm\u00e4\u00dfig Geld zukommen- demgegen\u00fcber bekommen nur 3 Prozent der Alten Geld von den Kindern.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Wenn \u00f6ffentlich immer nur \u00a0\u00fcber Rentenformeln, Rentenalter und die Zukunft der Sicherungssysteme gesprochen wird \u2013 also \u00fcber das, was \u00c4ltere \u201ekosten\u201c &#8211;\u00a0 nicht aber \u00fcber das , was \u00c4lter geben k\u00f6nnen, dann versch\u00e4rfen wir gesellschaftliche Konflikte, dann reden wir den Krieg der Generationen erst herbei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Arbeit in einer \u00e4lter werdenden Bev\u00f6lkerung <\/strong><\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig wird uns vorgerechnet, dass immer weniger aktive Arbeitnehmer m\u00fcssen immer mehr Rentner \u201efinanzieren\u201c, wird uns regelm\u00e4\u00dfig vorgerechnet. Deswegen gibt es nicht nur in Deutschland heftige Debatten \u00fcber das Renteneintrittsalter. Von Horst Seehofer bis zu den Gewerkschaften und der SPD haben zu Beginn des Jahres wieder verschiedene Akteure Protest gegen die Rente mit 67 eingelegt mit dem Argument, dass kaum jemand diese Altersgrenze faktisch erreicht, sodass es sich\u00a0 im Ergebnis um eine Rentenk\u00fcrzung handele. Das stimmt, zugleich aber frage ich mich, ob die Vorstellungen von Arbeit und vom Alter, die dahinter stehen, nicht \u00fcberholt sind. Wer wahrnimmt, wie viele \u00c4ltere es auch genie\u00dfen, weiterhin in Aufgaben eingebunden zu sein, muss sich fragen, wie unsere Arbeitswelt besser auf die unterschiedlichen Lebensabschnitte reagieren kann, statt Menschen weiterhin in starre Konzepte von Zeitstrukturen und Lebensaltern zu zwingen.<\/p>\n<p>Die h\u00f6chste Lebensdauer, das zeigen Versicherungsstatistiken, haben Beamte, Ministerialr\u00e4te und Universit\u00e4tsprofessoren- und bei den Frauen evangelische Pfarrerswitwen. Es gibt nur eine Gruppe, die sie alle \u00fcbertrifft: Nonnen und Diakonissen. Die sind n\u00e4mlich ein statistisches Wunder \u2013 sie fallen komplett aus den\u00a0 Sterbetafeln heraus, sie werden eben einfach zu alt. Woran das liegt, wei\u00df keiner so genau \u00a0Ich bin \u00fcberzeugt, es hat etwas mit dem Lebensstil der Schwestern zu tun. Die t\u00e4glichen Morgen- und Abendandachten, das Generationen- \u00fcbergreifende Wohnen und der gemeinsame Mittagstisch, die Sonntagsruhe- das alles gibt dem Alltag einen ganz spezifischen Rhythmus. Aber so wichtig diese Ruhepausen im Lauf des Arbeitslebens waren, so wichtig umgekehrt das Engagement im so genannten\u00a0 Feierabend der Schwestern: Ich kenne keine Feierabend-Schwester, die nicht, so lange es geht, Aufgaben f\u00fcr die Gemeinschaft \u00fcbernommen h\u00e4tte. Gemeinschaft \u00fcber die Generationen, Verantwortung f\u00fcr das Gemeinwesen, Zeit zum Innehalten und Engagement, das ist vielleicht das Geheimnis f\u00fcr ein waches und verantwortliches Leben.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Arbeit ist\u00a0 Selbstverwirklichung und kann Anerkennung bringen, sie verbindet uns mit anderen Menschen. Viele f\u00fcrchten sich vor dem Verlust an sozialen Netzen und Ansehen, die mit dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben verbunden ist. Die Philosophin Hanna Arendt hat unsere westlichen Gesellschaften als\u00a0 \u201eArbeitsgesellschaften\u201c bezeichnet. Ihr Buch \u201e Vita activa\u201c, das von diesem Gedanken ausgeht, ist 1960 erschienen. Heute scheint es so, als gew\u00e4nne Arbeit, vor allem Erwerbsarbeit, noch immer mehr an Bedeutung. Arbeitsf\u00e4hig zu bleiben, die eigene Arbeitskraft gut verkaufen k\u00f6nnen, ist ein wesentliches Ziel- von den Hartz-Gesetzen bis zur europ\u00e4ischen Arbeitsmarktpolitik. \u201eEmploayability\u201c hei\u00dft darum das neue Zauberwort in der aktiven Arbeitsmarktpolitik.<\/p>\n<p>Dabei w\u00e4chst f\u00fcr die meisten Menschen nicht nur der Druck, Arbeit anzunehmen sondern auch der Druck in der Arbeit. H\u00f6here St\u00fcckzahlen werden erwartet, mehr Kundenbesuche, wachsende Fallzahlen, mehr gefahrene Kilometer, k\u00fcrzere Liegezeiten, mehr Ums\u00e4tze. Das gilt f\u00fcr die Industrie wie f\u00fcr die Sozialwirtschaft. Und auch die Dauer der Tages- und Wochenarbeitszeit steigt wieder. Wir erleben eine Ausweitung der Betriebs- und Laden\u00f6ffnungszeiten bis hin zum Rund-um-die-Uhr-Betrieb in Fabriken, in B\u00fcros oder Call-Centern und nat\u00fcrlich auch in Krankenh\u00e4usern und Altenheimen. Und die Debatte um den arbeitsfreien Sonntag ist wohl l\u00e4ngst nicht ausgestanden. Die elektronische Vernetzung verk\u00fcrzt die Reaktionszeiten und \u201e just in time\u201c wird zur Erwartungshaltung nicht nur in der Logistik. Der moderne Arbeitnehmer soll flexibel, mobil und jederzeit verf\u00fcgbar sein.<\/p>\n<p>Zeitkompatibilit\u00e4t und Zeitsouver\u00e4nit\u00e4t der Besch\u00e4ftigen sind wesentliche Themen geworden. Zusammenfassend kann man sagen, dass dabei vier Zeitdimensionen<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> eine Rolle spielen:<\/p>\n<ul>\n<li><em>Die Extensit\u00e4t der Arbeit<\/em>, also die Dauer der Tages- und Wochenarbeitszeit<\/li>\n<li><em>Die Intensit\u00e4t<\/em> <em>der Arbeit<\/em> durch Beschleunigung der Prozesse, aber auch durch Projektarbeit und Zielvereinbarungen<\/li>\n<li><em>Die Synchronizit\u00e4t der Arbeit \u00a0<\/em>durch die M\u00f6glichkeiten der elektronischen Vernetzung<\/li>\n<li><em>Und schlie\u00dflich die Flexibilit\u00e4t<\/em> <em>der Arbeit<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Und keine Frage: globaler Wettbewerb und technologischer Fortschritt\u00a0 treiben die Flexibilisierung weiter voran. Das alles macht es \u00e4lteren Arbeitnehmern nicht leicht, die Leistung zu erbringen, die von ihnen erwartet wird. Die Mobilit\u00e4t zum Beispiel nimmt mit dem Alter deutlich ab. Tats\u00e4chlich gingen bis in die 90er Jahre viele mit 55 aus dem Job. Deswegen wurde versucht, diese L\u00fccke mit dem Instrument der Altersteilzeit politisch zu schlie\u00dfen. Inzwischen allerdings hat sich der Trend gedreht. Das mag auch damit zusammen h\u00e4ngen, das jetzt bereits die erste Nachkriegsgeneration in die Rente geht; sie ist um ein Drittel kleiner. Und ich habe Hoffnung, dass wir lernen, die modernen diskontinuierlichen Arbeitsbiographien als Chance zu nutzen, um m\u00f6glichst lange gerne zu arbeiten. Noch nie waren Menschen so kompetent und selbst\u00e4ndig wie heute, noch nie gab es auch so viele M\u00f6glichkeiten, sich selbst zu vernetzen und gut zu organisieren. Damit kann ein Zuwachs an Gestaltungsf\u00e4higkeit und auch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie einher gehen. Ich hoffe auf eine Arbeitsgesellschaft, die Raum bietet f\u00fcr Erwerbsarbeit, aber auch f\u00fcr die so genannte Care-und Sorge-Arbeit, die nicht mehr nur an die Frauen delegiert werden kann &#8211; schon deshalb nicht, weil der europ\u00e4ische Arbeitsmarkt mit seinen Employability-Konzepten davon ausgeht, ,dass jeder und jede f\u00fcr die eigene soziale Sicherung sorgt.<\/p>\n<p>\u201eUnser Leben w\u00e4hret siebzig Jahre und wenn\u2019s hoch kommt, so sind\u2019s achtzig, und was daran k\u00f6stlich scheint, das ist M\u00fche und Arbeit gewesen\u201c; hei\u00dft es in der Bibel. Im Vergleich zu der Zeit, als dieser Psalm entstand, hat sich unsere Wirklichkeit sehr ge\u00e4ndert: Die Lebenserwartung einer gut ausgebildeten Frau betr\u00e4gt inzwischen durchschnittlich 85 Jahre. Rechnet man Ausbildung und Studium bis zum 25zigsten Lebensjahr und den Eintritt ins Rentenalter mit 63 Jahren, so bleiben insgesamt 47 Jahre erwerbsfrei. Allerdings nicht arbeitsfrei. Sie hat Kinder erzogen und ihre Hausaufgaben begleitet, sie hat den Haushalt gef\u00fchrt und Angeh\u00f6rige gepflegt, ihre Eltern, vielleicht zuletzt auch ihren Mann. Erwerbsarbeit war dabei nur eine mehr oder weniger gro\u00dfe Episode. Dies\u00a0 galt lange Zeit vor allem f\u00fcr Frauen- es gilt aber heute auch f\u00fcr M\u00e4nner. Ausbildungszeiten, Praktika, Arbeitslosigkeit, Erziehungszeiten und Pflegezeiten \u2013 unsere Arbeitsbiographien werden diskontinuierlicher. Das statistische Bundesamt geht heute schon davon aus, dass die Zahl der informellen Arbeitsstunden die der Erwerbsarbeitsstunden \u00fcbersteigt.<\/p>\n<p>Wenn wir Wirtschaftlichkeit und Wohlstand in der Balance halten wollen, muss unsere Arbeitswelt vielf\u00e4ltiger werden, die Belegschaften \u00e4lter, weiblicher und bunter. Und im Ergebnis brauchen wir eine Ver\u00e4nderung der Arbeitsstrukturen. N\u00f6tig sind eine bessere Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit mit Erziehung und Pflege, eine neue Rhythmisierung der Erwerbsbiographien,\u00a0 dazu alternsgerechte Bildungs \u2013 und Arbeitszeitangebote, ein besserer Wissenstransfer zwischen den Generationen und ein gutes betriebliches Gesundheitsmanagement. Age-Management ist eine Herausforderung auch f\u00fcr Arbeitgeber und letztlich f\u00fcr die Politik. In einer Studie des Wiesbadener Bundesinstituts f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsforschung haben immerhin 47 Prozent der Befragten angegeben, sie w\u00fcrden nach Erreichen des Rentenalters gern weiterarbeiten- bei deutlich reduzierter Arbeitszeit.\u00a0 Es ist zu wenig \u00fcber das Renteneintrittsalter zu diskutieren- es geht um eine neue Flexibilit\u00e4t in den Erwerbsbiographien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Potenziale des Alters<\/strong><\/p>\n<p>\u201eViel, allzu viel Leben, das auch h\u00e4tte gelebt werden k\u00f6nnen, bleibt vielleicht in den Rumpelkammern verstaubter Erinnerungen liegen, manchmal sind es gl\u00fchende Kohlen unter der Asche.\u201c, hat der Psychoanalytiker Karl Gustav Jung geschrieben. Denn die Erreichung eines sozialen Ziels, des beruflichen Aufstiegs zum Beispiel, erfolgt eben immer auch auf Kosten der Totalit\u00e4t der Pers\u00f6nlichkeit- wir funktionieren, passen uns an , \u00fcbernehmen eine Rolle. Wenn wir aus der Erwerbsarbeit ausschieden, k\u00f6nnen wir endlich den sozialen Panzer ablegen und andere Aspekte der eigenen Person zum Zuge kommen lassen. \u00c4lterwerden h\u00e4lt noch einmal neue Entwicklungs- und Ver\u00e4nderungschancen bereit. Was liegen geblieben ist, vergessen oder auch verdr\u00e4ngt wurde \u2013 kann nun noch einmal aufgegriffen, angepackt, integriert werden. Jetzt kommt es nicht mehr darauf an, sich mit den Rollen zu identifizieren, die uns andere aufdr\u00fccken, jetzt k\u00f6nnen wir wirklich Person werden, wir selbst werden.<\/p>\n<p>Zur Arbeit des Lebens geh\u00f6rt nicht nur Erwerbsarbeit, sondern eben auch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Schatten und mit der eigenen Endlichkeit und schlie\u00dflich das Engagement f\u00fcr andere. Um diese Aufgabe zu verstehen, brauchen wir einen erweiterten Produktivit\u00e4tsbegriff, sagt Andreas Kruse. In der Auseinandersetzung mit Verlusten, Scheitern und Endlichkeit, k\u00f6nnen neue Kr\u00e4fte der Solidarit\u00e4t und Mitverantwortung wachsen. Es geht darum, das eigene Verm\u00f6gen, die Erfahrungen der eigenen Generation einzusetzen und weiterzugeben. damit wir selbst und andere Sinn und ein lohnendes Leben finden.<\/p>\n<p><strong><em>\u201eWenn Menschen meiner Generation mich fragen, was sie denn\u00a0 weitergeben sollen, dann sage ich ihnen dies\u201c, hat der ehemalige Bundespr\u00e4sident Johannes Rau einmal auf dem Kirchentag gesagt: <\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u201eSagt euren Kindern, dass wir auf den Schultern unserer M\u00fctter und V\u00e4ter stehen,<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>sagt ihnen, dass ohne Kenntnis unserer Geschichte und unserer Tradition eine menschliche Zukunft nicht gebaut werden kann,<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>sagt ihnen, dass wir ohne innere Heimat keine Reisen unternehmen k\u00f6nnen <\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>und sagt ihnen zu guter Letzt, dass die stete Bereitschaft zum Aufbruch die einzige Form ist, die unsere Existenz zwischen dem Leben hier und dem Leben dort wirklich ernst nimmt\u201c. <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die stete Bereitschaft zum Aufbruch. Es gibt eine Menge Aufbr\u00fcche im 3. Lebensalter. Die neuen \u00c4lteren, die jungen Alten, \u00fcbernehmen Verantwortung. Sie suchen Selbstbest\u00e4tigung und Kontakte jenseits des Berufs. Sie sind kaum noch daran beteiligt, wirtschaftliches Kapital aufzubauen, aber sie mehren das soziale Kapital. Als Freiwillige in Sozial- und Diakoniestationen leisten sie Nachbarschaftshilfe, bei \u201eRent a Grant\u201c arbeiten sie als Leihomas, in Mehrgenerationenh\u00e4usern geben sie den Kindern ein St\u00fcck Kontinuit\u00e4t in wechselnden Alltagsmustern. Der Chefredakteur von \u201ePsychologie heute\u201c; Heiko Ernst, spricht in diesem Zusammenhang von Generativit\u00e4t. Dabei geht es nicht nur um die eigenen Kinder. sondern um die Zukunft der n\u00e4chsten Generationen. Um die Zukunft unserer St\u00e4dte und\u00a0 D\u00f6rfer. \u201eGenerativit\u00e4t\u201c;\u00a0 sagt Heiko Ernst, \u201e ist unser Zukunftssinn. Wir richten das Denken \u00fcber die eigene Existenz hinaus\u2026 Generativit\u00e4t ist die F\u00e4higkeit, von sich selbst abzusehen, f\u00fcr andere da zu sein, sein Wissen und seine Erfahrungen in die Gesellschaft einzubringen und etwas weiter zu geben. .Generativit\u00e4t gibt Antwort auf zwei Fragen: Wie geht es mit mir weiter? Und: wie geht es mit meinem Umfeld weiter? \u201e Generativit\u00e4t, meint Ernst, k\u00f6nnte die Schl\u00fcsseltugend f\u00fcr das 21. Jahrhundert werden. Nach uns die Sintflut sei gerade kein Lebensmotto f\u00fcr eine \u00e4lter werdende Gesellschaft.<\/p>\n<p>Gerade die \u00c4lteren tragen entscheidend dazu bei, dass die Wohnquartiere wirklich lebendig und lebenswert bleiben Und da gibt es einiges zu tun. Die famili\u00e4ren Netze d\u00fcnnen sich aus: Jedes dritte Paar zwischen 20 und 40 lebt in einer Pendelbeziehung. Die mobile Berufswelt hat ihren Preis. Waren es vor 10 Jahren noch 74 Prozent der Bev\u00f6lkerung, die sagten, sie k\u00f6nnten sich in Notlagen auf Familie und Freunde verlassen, so sind es heute nur noch 64 Prozent. \u00c4ltere Menschen aber sind st\u00e4rker ortsgebunden. Die Generation der 55- 69-j\u00e4hrigen engagiert sich gerade sozialen Ehrenamt und im lokalen B\u00fcrgerengagement besonders stark. In Vereinen und Verb\u00e4nden, wo junge Leute immer schwerer Anschluss finden, aber zunehmend auch in B\u00fcrgerinitiativen und Genossenschaften. \u00dcbrigens spielt dabei die Kirche eine gro\u00dfe Rolle: \u00a0Freiwillige \u00fcber 65 engagieren sich st\u00e4rker als in anderen Bereichen in Kirche und Religion \u2013 genau sind es 22% gegen\u00fcber 13% aus allen Bereichen. Die Rolle der \u201e \u00c4ltesten\u201c hat in der Kirche eine lange Tradition. Fr\u00fcher wurden Kirchenvorsteher so genannt. Heute kehrt die Rolle wieder in den vielen Mentorenaufgaben, die in unserer Gesellschaft immer wichtiger werden. Ausbildungsmentoren, Lesepaten, ehrenamtliche Betreuer- Kulturpaten und Stadtteilm\u00fctter.. Die Liste ist lang, es gibt unglaublich viele spannende Projekte&#8230;<\/p>\n<p>Zum Beispiel die Organisation der Pflegebegleiter, die f\u00fcr hauswirtschaftliche und nachbarschaftliche Dienste sorgen. Oder die Jobpaten, die schwer vermittelbaren Jugendlichen durch die Ausbildung bis in ein festes Arbeitsverh\u00e4ltnis begleiten. Oder die Kindertafel \u201e Brotzeit f\u00fcr Kinder\u201c: Ehrenamtlich Engagierte ver\u00e4ndern unsere Quartiere genauso, wie es mehr und mehr auch Unternehmen mit CSR-Programmen und Corporate Volunteering und Senior Expert Service Programmen k\u00f6nnen, die den \u00dcbergang von der Erwerbst\u00e4tigkeit in das b\u00fcrgerschaftliche Engagement gestalten helfen. Engagiert und gleitend in den Ruhestand ist die Devise. Es geht eben nicht mehr um eine Schwelle, sondern um einen Prozess, um einen Br\u00fcckenschlag in die T\u00e4tigkeitsgesellschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein differenziertes Bild ist n\u00f6tig<\/strong><\/p>\n<p>Soviel Freiheit, soviel Aufbruch, \u201e Im Alter neu werden k\u00f6nnen\u201c \u2013 ist das nicht Pfeifen im Wald? \u00c4lter werden wir sp\u00e4ter, aber eines Tages werden wir alt, oder? Es darf tats\u00e4chlich nicht \u00fcbersehen werden, dass es auch eine gro\u00dfe Gruppe gibt, die auf die Sorge anderer angewiesen sind. Die Gefahr, dass angesichts eines neuen, aktivit\u00e4ts- und entwicklungsorientierten Bildes vom Alter die \u00e4rmeren, kranken und gebrechlichen diskriminiert werden ist durchaus gegeben.<\/p>\n<p>So wichtig es ist, Mut zum aktiven Altern zu machen- wir brauchen eine differenzierte Sicht des Alters zu der Wachstum und Verletzlichkeit, Entwicklung und Verg\u00e4nglichkeit in gleicher Weise geh\u00f6ren. Viele Menschen bleiben tats\u00e4chlich, was ihr biologisches Alter angeht, lange j\u00fcnger, k\u00f6rperlich leistungsf\u00e4higer und sozial aktiv\u2013 andere k\u00f6nnen dieses Ideal nie erreichen. Und die soziale Ungleichheit im Alter nimmt in dem Ma\u00dfe zu, wie die Individualisierung, die Pluralit\u00e4t und die gesellschaftliche Spreizung wachsen. Die 50- 70-j\u00e4hrigen sind heute die relativ wohlhabendste Altersgruppe in Deutschland. 54 Prozent besitzen Wohneigentum oder Verm\u00f6gensr\u00fccklagen. Von den anderen 46 Prozent allerdings lebt die H\u00e4lfte von relativ niedrigen Einkommen. Und das hat entscheidend mit der beruflichen Situation zu tun. Viele Menschen in dieser Arbeitsgruppe sind Arbeiter, aber auch gering f\u00fcgig Besch\u00e4ftigte und kleine Selbst\u00e4ndige oder eben alleinstehende Frauen mit kleiner Rente.<\/p>\n<p>Die Zahl der pflegebed\u00fcrftigen Menschen in Deutschland wird mit der Zahl der Hochkantigen weiter wachsen. Auch die Beziehungsbed\u00fcrftigkeit zu pflegender Menschen wird wachsen. Denn wer in der nachfolgenden Generation keine Angeh\u00f6rigen hat, wird m\u00f6glicherweise einsam alt. Schon heute leben 41,3 % der 70 bis 85 Jahre alten Menschen in Einpersonenhaushalten.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Ihre M\u00f6glichkeiten, bei Bedarf auf informelle Netze zur\u00fcckzugreifen, sind sehr begrenzt. Dadurch wachsen die Anforderungen an die Pflege \u00a0in quantitativer, sondern auch in qualitativer Hinsicht. Tats\u00e4chlich sind Gesundheitsdienstleistungen schon heute der gr\u00f6\u00dfte Jobmotor, gerade auch f\u00fcr Frauen.<\/p>\n<p>Obwohl bereits jetzt ein Neuntel der Erwerbsbev\u00f6lkerung in Gesundheits-, Heil- und Pflegeberufen t\u00e4tig ist, hat Meinhard Miegel vor einigen Jahren vorgerechnet, dass sich der Anteil in den kommenden drei\u00dfig Jahren verdoppeln m\u00fcsse. Angesichts der demographischen Entwicklung wird das allerdings nicht mehr allein durch einheimische Kr\u00e4fte zu gew\u00e4hrleisten sein. Bis zu einem Drittel Migrantinnen und Migranten arbeiten bereits heute auch in unseren Pflegeeinrichtungen. Und die h\u00e4usliche Pflege wird in hohem Ma\u00dfe von privaten Haushaltshilfen und Pflegekr\u00e4ften aus Osteuropa gest\u00fctzt. Wenn es nicht gelingt, das Gesundheits- und vor allem das Pflegesystem neu zu organisieren ,k\u00f6nnte es in den n\u00e4chsten Jahrzehnten angesichts der Zahl der alten und pflegebed\u00fcrftigen Menschen zum Kollaps der Einrichtungen kommen. Denn die Zahl der Leistungsempf\u00e4nger in der Sozialen Pflegeversicherung wird zwischen 2000 und 2040 mindestens von 1,86 Mio. auf 2,98 Mio, also um 61. %. steigen.<\/p>\n<p>Das Pflegesetting der Zukunft kann deshalb nicht nur professionell und institutionell gedacht werden. Es muss aus einer guten Kooperation zwischen Pflegefachkr\u00e4ften, Angeh\u00f6rigen und Freiwilligen bestehen.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Deshalb m\u00fcssen die notwendigen haushaltsnahen Dienstleistungen und Pflegedienste quartiernah vorgehalten und professionelle und lebensweltliche Hilfen m\u00fcssen verschr\u00e4nkt werden. Die zeitweilige\u00a0 Freistellung Erwerbst\u00e4tiger f\u00fcr Pflegeaufgaben in der Familie ist deshalb ein erster, wichtiger Schritt in diese Richtung. Damit ist noch einmal das Thema Wandel der Arbeitswelt angesprochen. Genauso wichtig ist aber die Entwicklung von Wohnungen und Infrastruktur, von Quartieren und Stadtteilen, von\u00a0 Verkehr und L\u00e4den am Ort. Wo nicht mehr regelm\u00e4\u00dfig Busse fahren, wo der t\u00e4gliche Bedarf nicht mehr zu bekommen ist, wo man sich nicht mehr selbst versorgen kann, ohne mobil zu sein, bleibt oft nur noch das Heim. In ihrem Buch \u201evita aktiva\u201c, das ich am Anfang schon zitiert habe, betont Hannah Arendt, (1960)<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> betont, wie wichtig es f\u00fcr jeden Menschen ist, sich mit anderen Menschen auszutauschen und am Leben teilzuhaben. Das gilt auch f\u00fcr pflegebed\u00fcrftige Menschen. Das wichtigste ist der Zugang zum \u00f6ffentlichen Raum. Kein Mensch darf aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Auf zu neuen Ufern<\/strong><\/p>\n<p>Erinnern Sie sich an die Diakonissen, von denen ich eingangs erz\u00e4hlt habe? Die \u00e4ltesten von ihnen, die auf Hilfe und Pflege angewiesen waren, lebten in so genannten Feierabendh\u00e4usern. Das Konzept glich dem von heutigen Mehrgenerationenh\u00e4usern: offene Wohngemeinschaften mit der M\u00f6glichkeit, sich selbst zu versorgen und ambulante Pflege zu bekommen. Viele kamen dorthin zu Besuch, holten sich Rat, h\u00f6ren Geschichten. \u201e Feierabendschwestern\u201c.<\/p>\n<p>\u201eSch\u00f6nen Feierabend\u201c, ruft mir gelegentlich jemand nach, wenn ich abends das B\u00fcro verlasse. Wenn ich das h\u00f6re denke ich \u2013 je nach Gem\u00fctsverfassung &#8211; an einen Kinobesuch, ein\u00a0 Glas Wein im Freundeskreis oder eine hei\u00dfe Badewanne. Zugegeben, meist bleibt das Illusion. ich habe nicht immer Freizeit, wenn ich nach Hause gehe \u2013 oft tausche ich nur den einen Schreibtisch mit dem anderen. Aber die Minuten, in denen ich die Arbeit im B\u00fcro aus der Hand lege und den Computer herunterfahre, markieren eine Schwelle, und wenn ich mich ausstemple beginnt eine andere Zeit. Feierabend \u2013 das klingt nach Freiheit und Selbstbestimmung .Und das kleine Hochgef\u00fchl, das damit verbunden ist, koste ich gern ein bisschen aus.<\/p>\n<p>.\u201e Meine Sehnsucht nach Ausruhen und R\u00fcckzug ist noch immer gro\u00df\u201c; schrieb \u00a0mir dieses Jahr ein Freund. Er hat vor einiger Zeit seine Frau verloren und war auch beruflich etwas angeschlagen. Sich nicht- einmischen, nicht mehr mitmischen wollen. Gro\u00df, riesengro\u00df sind aber meine Augen im Blick auf ein unverhofftes Gl\u00fcck; ich bin Gro\u00dfvater geworden, Quasi-Gro\u00dfvater bei der Tochter meiner Lebensgef\u00e4hrtin. Welch ein unerwartetes , wunderbares Geschenk. \u201e Was wird im Alter mehr\u201c, hat Lothar Stiegler auf seiner Internetplattform seniors4success gefragt. 16oo Antworten gingen ein. 1600 Antworten, die best\u00e4tigen, dass die meisten \u00e4lteren Menschen zufrieden sind. Befragte \u00fcber 60 bezeichnen sich in der absoluten Mehrheit als sehr zufrieden- sie erreichen mehr als 7,5 von 10 Punkten auf einer entsprechenden Skala. Und ihre Antworten machen\u00a0 in jeder Hinsicht Mut. Was wird also im Alter mehr? \u201e Wissen, worauf es im Leben wirklich ankommt. Gesundheitsbewusstsein. Erfahrung. Weisheit. Unabh\u00e4ngigkeit. Das Zeitbudget.\u201c<\/p>\n<p>Machen wir was draus! Ich w\u00fcnsche Ihnen ein erfolgreiches und gesegnetes neues Jahr.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Hinweis: Roland Kr\u00fcger\/ Loring Sittler: \u201eWir brauchen Euch \u2013Wie sich die Generation 50 plus engagieren und verwirklichen kann.\u201c\u00a0 Murmann 2011<\/em><\/p>\n<p><em>Petra- Angela Ahrens, \u201eUns geht\u2019s gut \u2013 Generation 60 plus: Religiosit\u00e4t und kirchliche Bindung\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Blin Institut f\u00fcr Bev\u00f6lkerung und Entwicklung: Die demographische Lage der Nation, Was freiwilliges Engagement f\u00fcr die Religionen leistet\u201c, M\u00e4rz 2011<\/em><\/p>\n<p><em>Henning von Vieregge; Der Ruhestand kommt sp\u00e4ter- \u201e Wie Manager das Beste aus den silbernen Jahren machen\u201c, Frankfurter Allgemeine Buch, 2012<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Den Titel \u201e Die stille Altersrevolution habe ich entliehen aus einem Untertitel des Buches \u201e Wir brauchen Euch!\u201c Von Roland Kr\u00fcger und Loring Sittler, Murmann 2011<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. zum Beispiel Henning von Vieregge, der gerade ein Buch zum Thema mit vielen guten Beispielen geschrieben hat: \u201e Der Ruhestand kommt sp\u00e4ter! Wie Manager das Beste aus den silbernen Jahren machen.\u201c; FAZ, 2011<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> So eine Untersuchung des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> \u201eIm Alter neu werden k\u00f6nnen\u201c; G\u00fctersloh, 2010<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Martin Kohli<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl. auch die \u201e Nonnenstudie von David Snowdon<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Hier schlie\u00dfe ich mich J\u00fcrgen Rinderspacher, SI, an.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Zahlen aus: Thomas von Winter: Demographischer Wandel und Pflegebed\u00fcrftigkeit, in Thomas Klie u.a.: Entwicklungslinien im Gesundheits- und Pflegewesen,\u00a0Frankfurt am Main, 2003<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Beispiele daf\u00fcr hat das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD i2007 n der Dokumentation des Projekts \u201e Das Ethos f\u00fcrsorglicher Pflege\u201c dargestellt<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Arendt, H. (1960). <em>Vita activa oder vom t\u00e4tigen Handeln. <\/em>Stuttgart: Kohlhammer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Auftakt des Europ\u00e4ischen Jahres des aktiven Alterns 2012. \u201eIn diesem Jahr fehlte mir die Zeit zum Geschichtenschreiben\u201c, schrieb mir&#8230; <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=506\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":482,"menu_order":99,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-506","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/506"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=506"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/506\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":514,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/506\/revisions\/514"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/482"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=506"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}