{"id":5055,"date":"2020-03-09T19:12:51","date_gmt":"2020-03-09T18:12:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=5055"},"modified":"2021-02-26T11:31:32","modified_gmt":"2021-02-26T10:31:32","slug":"demokratie-in-der-kirche-impulsvortrag-fuer-einen-gespraechsabend-in-bergen-am-04-02-2020","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=5055","title":{"rendered":"Demokratie in der Kirche \u2013 Impulsvortrag f\u00fcr einen Gespr\u00e4chsabend in Bergen am 04.02.2020"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>1.Geschichte wirkt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Garnisonkirche beim Tag von Potsdam: Wir sehen die\nFeierlichkeiten zur Er\u00f6ffnung des Reichstages. <\/strong>Am 5. M\u00e4rz 1933 war ein neuer Reichstag gew\u00e4hlt worden. An der Feier am 21.M\u00e4rz 1933 nahmen <strong>neben den Reichstagsabgeordneten (mit Ausnahme derjenigen von SPD und\nKPD) auch die Reichsregierung, der Reichspr\u00e4sident Paul von Hindenburg und geladene\nG\u00e4ste aus Wirtschaft, Kultur und Reichswehr teil<\/strong>. Die Zusammenkunft wirkte\nganz \u00e4hnlich wie der Empfang der neuen Reichstagsabgeordneten beim Kaiser, die\nbis 1918 &nbsp;Brauch gewesen war. Beim Tag\nvon Potsdam war Adolf Hitler zwar schon fast zwei Monate Reichskanzler, seine\ndiktatorische Herrschaft war aber noch nicht gefestigt. <strong>Der \u201eTag von Potsdam\u201c sollte das Vertrauen der konservativ und monarchisch\neingestellten Menschen st\u00e4rken<\/strong>. Am Ende sang man gemeinsam: \u201e Nun danket\nalle Gott\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu diesem Zeitpunkt war mein Gro\u00dfvater\nPfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde Rheydt am Niederrhein. Die kleine\nStadt <strong>galt als Eckstein der\nMonarchie im Westen \u2013der protestantischen Bev\u00f6lkerungsteil war reichs- und\nkaisertreu und&nbsp; deutschnational. Hier\nhatte die NSDAP, die mit dem Anspruch einer national gesinnten,\n\u00fcberkonfessionellen, aber positiv christlichen Weltanschauung auftrat, gro\u00dfe\nErfolge. <\/strong>In diesen ersten sechs Monaten des Dritten Reiches \u00fcberwog die\nFreude und Dankbarkeit f\u00fcr das neue Regime. Das kirchliche Leben nahm einen enormen\nAufschwung. Ausgetretene kehrten in die Kirche zur\u00fcck. Und Gliederungen der\nNSDAP nahmen in Uniform und geschlossenen Formationen an Gottesdiensten teil. <\/p>\n\n\n\n<p>Als dann im Januar 34 der Arierparagraph wieder eingef\u00fchrt\nwurde, verbot man sich die Er\u00f6rterung politischer Fragen von der Kanzel. &nbsp;<strong>Die\nGehorsamsverpflichtung gegen\u00fcber der Obrigkeit wirkte nach.<\/strong> \u201e<strong>Die Einsicht, dass der Untergang der Pluralit\u00e4t\nin der Gesellschaft auch den Untergang der Kirche bedeutete<\/strong> und dass bei\nVerletzungen der Humanit\u00e4t auch die Kirche betroffen war, diese Einsicht kam\nnur vereinzelt \u201c, schreibt Siegrid Lekebusch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie\nkonnte das passieren?<\/strong> <strong>Seit\nder Reformation galt in den evangelisch gewordenen Staaten das landesherrliche\nKirchenregiment. Der Landesherr war zugleich summus episcopus. <\/strong>Er fiel\nunter den Geltungsanspruch des vierten Gebotes- die Obrigkeit wurde patriarchal\nverstanden.&nbsp; Mit der Monarchie endete\ndann 1918 auch der Summepiscopat. <strong>Das\nf\u00fchrte zu erheblicher Verunsicherung. Neben \u00e4u\u00dferen Fragen von der\nSchulaufsicht bis zur Kirchensteuer musste auch die innere Verfassung der\nKirche neu geregelt werden<\/strong>.&nbsp; Die\nKirchenverfassungen der Landeskirchen mussten auf <strong>kirchliche Selbstbestimmung<\/strong> hin formuliert werden. Dabei konnte man\ndurchaus auf \u00e4ltere synodale Traditionen zur\u00fcckgreifen \u2013 nach fr\u00fchen Vorl\u00e4ufern\nin Emden und Duisburg waren in der Mitte des 19.Jahrhunderts zur Zeit des\nVorm\u00e4rz und der Frankfurter Paulskirche nahezu \u00fcberall Synoden entstanden. Jetzt\naber ging es um mehr: um eigenst\u00e4ndige Konsistorien, um Selbstverwaltung. Die\nEinf\u00fchrung des neuen DC-Reichsbischofs M\u00fcller im Juni 33 lie\u00df manche hoffen,\nman k\u00f6nne in die Zeiten vor Weimar mit der Allianz von Thron und Altar zur\u00fcckkehren. <strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Statt\n\u201eThron und Altar\u201c entstand eine Allianz von \u201eNation und Altar<\/strong>\u201c\n(Martin Honecker). <strong>Dieses Erbe wirkt bis\nheute nach: die Evangelische Kirche in Deutschland ist durch nationale Grenzen\ndefiniert<\/strong> \u2013 auch wenn der Name Deutsche Evangelische Kirche 1948 bewusst\nge\u00e4ndert wurde und die VELKD als Gegen\u00fcber zur r\u00f6misch-katholischen Kirche\ndurchaus Wert darauf legt, Teil einer lutherischen Weltkirche zu sein. Verschiedene\nStudien zeigen, <strong>dass das obrigkeitsstaatliche,\nautorit\u00e4re Denken in der Kirche bis heute eine gro\u00dfe Rolle spielt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Leipziger\nAutoritarismusstudie 2018 macht deutlich:<\/strong> Protestanten und\nKatholiken haben eine st\u00e4rkere Pr\u00e4ferenz zum Autoritarismus als\nKonfessionslose. &nbsp;\u201eUnruhestifter sollten\ndeutlich zu sp\u00fcren bekommen, dass sie in der Gesellschaft unerw\u00fcnscht sind\u201c: 88\n% Katholiken, 86% Protestanten. \u201eWichtige Entscheidungen in der Gesellschaft\nF\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten \u00fcberlassen\u201c: 60 Prozent der Kirchenmitglieder. <strong>Und die Studie \u201eChristsein in Westeuropa\u201c\ndes Pew-Research-Center 2018 zeigt: <\/strong>55 % der regelm\u00e4\u00dfigen Kircheng\u00e4nger\nmeinen, der \u201e Islam sei grunds\u00e4tzlich nicht mit Kultur und Werten unseres\nLandes vereinbar\u201c- bei den Religionslosen sind &nbsp;&nbsp;es 32 %. 73 % der regelm\u00e4\u00dfigen Kirchg\u00e4nger\nmeinen, man m\u00fcsse \u201edeutsche Vorhaben haben, um Deutscher zu sein.\u201c (vgl. Arnd\nHenze: \u201eKann Kirche Demokratie?\u201c 2019)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>2. Gemeinschaft der Schwestern und Br\u00fcder: Die Barmer Theologische Erkl\u00e4rung von 1934<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<strong>\u201eMassenversammlungen in Wuppertal\u201c; so war ein Artikel im Sonderdruck\nder&nbsp; Barmer Zeitung von 1934 anl\u00e4sslich\ndes \u201ekirchengeschichtlichen Ereignisses der Deutschen Bekenntnis-Synode \u201eam 29.\nMai \u00fcberschrieben<\/strong>. Der \u201eGemeindetag unter dem Wort\u201c; der zum Abschluss der\nBekenntnissynode 15.000 \u2013 20.000 Besucher in ganz Wuppertal zusammen brachte,\nsei <strong>eine \u201e Demonstration der Glaubenden\u201c\ng<\/strong>ewesen, kann man lesen. Stadthallen und Kirchen h\u00e4tten selten einen\nsolchen Andrang gesehen. Die Konferenz wolle nicht die Zerrissenheit der Kirche\ndurch Neugr\u00fcndungen versch\u00e4rfen, sie stehe f\u00fcr die historisch gewachsenen\nBekenntnisse lutherisch-reformiert-uniert , sagte der reformierte Gemarker\nPfarrer Paul Humburg bei einem Gemeindeabend in der Barmer Stadthalle, die\nwegen \u00dcberf\u00fcllung vorzeitig geschlossen werden musste. Aber im Schatten dieser\nBekenntnisse gebe es viele Kirchen: <strong>Satte\nKirchen, Kirchen toter Organisation, Kirchen mit falscher Prophetie,\nKompromisskirchen, und auch die \u201eKirche unter dem Kreuz\u201c. Die bekennende\nGemeinde habe die Pflicht, darum zu ringen, als Gemeinde das Herz der Welt zu\nsein<\/strong>. W\u00e4hrend dessen sprach in&nbsp; der\nUnterbarmer Hauptkirche der Berliner Stadtmissionsdirektor Dannenbaum \u00fcber das\nThema \u201e Die Kirche als tote Organisation\u201c .Er sah in der Krise und Krankheit\nder Kirche die Chance zu einem Neuaufbruch und <strong>sprach sich dagegen aus, etwa Parochialbezirke der Kirche mit der\nGemeinde Jesu Christi gleich zu setzen. Nicht der geographische Raum z\u00e4hle,\nErweckungslust und Ver\u00e4nderungsbereitschaft<\/strong> m\u00fcssten Raum gewinnen.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Bekenntnissynode wird im selben Blatt folgendes\nberichtet: \u201e Alles Demonstrative lag der Synode fern, vielmehr wollte sie, dass\nwirkliche christliche Bruderschaft get\u00e4tigt w\u00fcrde und in die Erscheinung\ntr\u00e4te\u201c. Der westf\u00e4lische Pr\u00e4ses Koch sprach <strong>\u201edem gegenw\u00e4rtigen Kirchenregiment der deutschen evangelischen Kirche\nVollmacht und Recht ab, eine Reform der Verfassung vorzunehmen\u201c:<\/strong>\nKirchenreform, so die Synode eindeutig, entstehe nicht aus Organisationsmacht,\nsondern aus der Vollmacht, die sich auf das Wort Gottes gr\u00fcndet. <strong>Barmen \u00fcberschreitet eine Vorstellung von\nKirche, die territorialkirchlich-konfessionell bestimmt war. In allen Berichten\nwird deutlich: Es geht um Einheit in der konfessionellen Vielfalt.<\/strong>&nbsp; Dabei f\u00e4llt auf, dass in der Presse\nkeinesfalls nur gro\u00dfe und bekannte Namen genannt werden wie die von Karl Barth,\nHans Asmussen , oder der des im Juni 33 gest\u00fcrzten Reichsbischofs von\nBodelschwingh. Es sind die Ortspfarrer, die f\u00fcr die Bewegung stehen. \u201e<strong>Kirche als Gemeinde von Br\u00fcdern\u201c, das ist\nauch das Bild einer breiten Bewegung, die sich gegen eine von der\nReichsregierung korrumpierte, hierarchische Organisation richtet.Barmen \u00fcberschreitet eine Vorstellung\nvon Kirche, in der staatskirchliche Verfassung noch nachwirkt.&nbsp; <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ganz\n\u00fcberwunden ist das noch nicht: <\/strong>Wir sehen das an den K\u00e4mpfen\num die so genannten kirchlichen Privilegien vom kirchlichen Arbeitsrecht \u00fcber\ndie Anstaltsseelsorge bis zur Repr\u00e4sentanz im Rundfunk, von der Kirchensteuer\nbis zu den Staatsleistungen. Wir sehen das aber auch daran, dass Territorialit\u00e4t\nund Parochie noch immer die kirchlichen Strukturen und die gesellschaftliche\nKultur bestimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ankn\u00fcpfend an Barmen <strong>sah\nGollwitzer die Zukunft der Kirche in einer Personengemeinschaft auf lokaler und\nregionaler Ebene, in sozialen Netzwerken, die \u00fcber die Parochie hinaus gehen,\nim Bekanntmachen des neuen Lebens<\/strong>&#8211; nicht nur in Worten, sondern auch in\neinem neuen Lebensstil. <strong>In der\nVolkskirche als hierarchischem Apparat mit ihrem Vorrang des kirchlichen Amtes\nvor den Charismen sah er Elemente der falschen Kirche<\/strong>. Gleichwohl blieb sie\nf\u00fcr ihn der Ort, an dem die wahre Kirche Ereignis werden kann- nicht zuletzt in\nder Begegnung mit Gruppen und \u00f6kumenischen Gemeinschaften, die neue\nHerausforderungen angehen. <strong>Dabei weisen\nBarmen III und IV die Richtung: von der Herrschaft zum Dienst, von der einsamen\nSpitze zur Anerkennung der Vielfalt, von der Verschlossenheit zur Teilhabe. <\/strong>Mein\nGro\u00dfvater nannte diese Synode deshalb \u201eschw\u00e4rmerisch\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201e <strong>Die christliche Gemeinde ist die Gemeinde\nvon Br\u00fcdern<\/strong>, in der Jesus Christus in Wort und Sakrament durch den Heiligen\nGeist als der Herr gegenw\u00e4rtig handelt. Sie hat mit ihrem Gehorsam, mit ihrer\nBotschaft wie mit ihrer Ordnung mitten in der Welt der S\u00fcnde als Kirche der\nbegnadeten S\u00fcnder zu bezeugen, dass sie allein sein Eigentum ist, allein von\nseinem Trost und von seiner Weisung in Erwartung seiner Erscheinung lebt und\nleben m\u00f6chte\u2026\u201c, hei\u00dft es in These 3.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mit\ndem Bild von der Gemeinde von Br\u00fcdern nimmt der Text der Barmer Erkl\u00e4rung die\nbiblische Tradition der Gleichheit und Geschwisterlichkeit wieder auf, die sich\nin den fr\u00fchchristlichen Gemeinden in der Beteiligung von M\u00e4nnern und Frauen,\nSklaven und Freien, Juden und Griechen zeigt<\/strong>. Auch wenn der Text\ndie Juden vergisst und die Frauen ausspart, leuchtet diese Vision als\nHerkunftsbestimmung der Gemeinde auf: <strong>\u00fcber\nalle sozialen Unterschiede hinweg, \u00fcber Herkunft, Geschlecht, Unterschiede des\nAlters und der Gesundheit hinweg ist Gemeinde Leib Christi.<\/strong> Das Papier des\n\u00d6RK <strong>\u201e Kirche aller<\/strong>\u201c hat 1. Korinther\n12 mit \u2013Blick auf die Inklusion behinderter Menschen genauso ausgelegt. Und die\n<strong>EKD-Denkschrift \u201e Gerechte Teilhabe<\/strong>\u201c\nvon 2006 bem\u00e4ngelt, dass auch \u00e4rmere Menschen in vielen Kirchengemeinden nicht\nsichtbar sind, weil sie die Mittelschichtgemeinde immer noch als \u201e die da oben\u201c\nerleben.<\/p>\n\n\n\n<p>In These 4 wird dann festgehalten: \u201e <strong>Die verschiedenen \u00c4mter in der Kirche begr\u00fcnden keine Herrschaft der\neinen \u00fcber die anderen<\/strong>, sondern die Aus\u00fcbung des der ganzen Gemeinde\nanvertrauten und befohlenen Dienstes\u201c. Die christliche Gemeinde als Gemeinde\nvon Br\u00fcdern und Schwestern, wie wir heute bekennen, wird darin Wirklichkeit,\ndass die unterschiedlichen Gaben und Dienste Raum haben- die hauptamtlichen\ngenauso wie die ehrenamtlichen, die pfarramtlichen ebenso wie die diakonischen.<strong> Heutige Kirchenordnungen und\nKirchengesetze halten fest, dass Ehrenamtliche und Hauptamtliche, Pfarrer und\n\u201eLaien\u201c gemeinsam Synoden leiten.<\/strong> Gleichwohl wird noch immer gerungen: um\nden Status des Diakonats in der Kirche oder um den der Ehrenamtlichen. Dabei\ngeht es nicht immer um theologische Auffassungen, sondern sehr h\u00e4ufig wegen\nweltlicher Attit\u00fcden. <strong>So empfindet sich\nein gro\u00dfer Teil der Ehrenamtlichen in der Kirche nach wie vor als Helfer und\nHelferin der alles entscheidenden Hauptamtlichen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Davon\nerz\u00e4hlt B\u00e4rbel Mohr,<\/strong> die eine Vorleseausbildung \u00fcber die\nFreiwilligenagentur der AWO gemacht hat und B\u00fccher und Zeitschriften f\u00fcr Blinde\nund sehbehinderte Menschen einliest.&nbsp;\n\u201eIrgendwann stellte man mir dann auch Mikro und Aufnahmeger\u00e4t zur\nVerf\u00fcgung, um zu Hause weiterzuarbeiten. Wenn ich nachts nicht schlafen konnte,\nsetzte ich mich an meinen Computer und sprach mit gro\u00dfem Spa\u00df H\u00f6rb\u00fccher auf.\nHier kam es zu einer herausfordernden Situation, in der ich \u00fcben durfte, zu mir\nzu stehen\u201c. <strong>Es ging um eine\nKirchenzeitung f\u00fcr Blinde. Das Problem: Obwohl die Bl\u00e4tter nur monatlich oder\nzweiw\u00f6chentlich erschienen, erhielt ich die Texte erst am Abend vorher. Das\nbedeutete unweigerlich Nachtschicht\u2026 \u201eAlso sprach ich mit dem Pfarrer,<\/strong> von\ndem ich die Texte erhielt. Ich bat ihn, sie ein bis zwei Tage fr\u00fcher zu\nbesorgen, so dass ich das Aufsprechen tags\u00fcber erledigen konnte.&nbsp; Aber warum auch immer \u2013 ich bekam die Texte\nweiterhin genauso so sp\u00e4t. <strong>Als ich dem\nPfarrer mitteilte, dass ich das nun nicht mehr mitmachen w\u00fcrde, sagte er: Das\nk\u00f6nnen Sie doch gar nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, dass Sie die Blinden\nso im Stich lassen<\/strong>\u201c, schreibt Mohr. Und sie f\u00e4hrt fort: \u201eDeshalb habe ich\ndem Herrn Pfarrer freundlich, aber klar Lebewohl gesagt. <a>&nbsp;<strong>Du\nmusst nichts als ehrenamtliche Kraft. Das ist eines der gro\u00dfen Geschenke: Du\nkannst dich selbst erproben. Du kannst dich selbst neu kennenlernen. Du kannst\ndeine Berufung finden.\u201c<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Auch\ndas Bekenntnis zur christlichen Gemeinde als \u201eGemeinde von Schwestern und\nBr\u00fcdern\u201c formuliert nicht nur Pflichten zur Lebensf\u00fchrung f\u00fcr ihre Mitglieder, <strong>sondern zuerst und vor allem Grundrechte.\nWolfgang Huber hat folgende Rechte aufgez\u00e4hlt: Das Recht auf Zugang zum\nGlauben, das Recht auf Gewissens- und Meinungsfreiheit, das Recht auf\nIntegrit\u00e4t der Person, das Recht auf Gleichheit und das auf Teilhabe an\nkirchlichen Entscheidungen. Diesen Rechten entspricht eine offene und\ndemokratische Struktur kirchlicher Ordnungen.<\/strong> &nbsp;Die Diskussion um die institutionellen\nHintergr\u00fcnde der Missbrauchsskandale zeigt, dass die Gestalt der Ordnung im\nBlick auf Gewissensfreiheit, Teilhabe und Integrit\u00e4t der Personen keinesfalls\nbeliebig ist. <strong>Ein geschlossenes System,\nin dem hierarchische Abh\u00e4ngigkeiten Raum greifen, ist hoch gef\u00e4hrdet, diese Grundrechte\nzu missachten. Genau da schlie\u00dft der Prozess des synodalen Weges in der\nkatholischen Kirche an. Insofern zeigt sich in Barmen III und IV eine kritische\nUtopie, die die Institution<\/strong> jederzeit an unserem protestantischen Anspruch\nmisst. Das biblische Wort \u00fcber der IV These aus Matth. 20 verweist auf die\nerlebte Wirklichkeit und verneint sie zugleich:\u201c Die Herrscher der Welt halten\nihre V\u00f6lker nieder\u2026So soll es unter Euch nicht sein\u201c. Regierende wie Regierte\ntragen daf\u00fcr Verantwortung, dass eine demokratische Ordnung tr\u00e4gt. \u201e\u2026\nDie Kirche erinnert an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und\ndamit an <strong>die Verantwortung der\nRegierenden und Regierten\u201c (These 5) <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>3. Demokratie und Kirche <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erst\n40 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg formulierte die EKD ihre Denkschrift: \u201e\nEvangelische Kirche und freiheitliche Demokratie\u201c. <\/strong>Grundlage\nder Demokratie ist die Achtung der Menschenrechte. Daraus ergeben sich die\nAnerkennung von Freiheit und Gleichheit der B\u00fcrger. <strong>Freiheit respektiert \u201eunterschiedlich Lebensauffassungen, \u00dcberzeugungen\nund Lebensstile<\/strong>\u201c. Damit wird die Vielfalt bewusst wertgesch\u00e4tzt. Als <strong>Prinzipien des Grundgesetzes<\/strong> benennt\ndie Denkschrift zun\u00e4chst Rechtsstaatlichkeit, Grundrechte, Gewaltenteilung,\nRepr\u00e4sentationsprinzip und Mehrheitsprinzip, Parteien und \u00d6ffentlichkeit.\nDemokratie \u00fcbertr\u00e4gt Herrschaftsauftrag auf Zeit, weil sie mit Irrt\u00fcmern\nrechnet. <strong>Im dritten Teil der Denkschrift\nwerden dann die Fragestellungen<\/strong> von heute diskutiert: Die Frage nach Plebisziten\nund Volksentscheiden, nach Widerstandsrecht und ziviler Ungehorsam,\nMehrheitsentscheidungen und Minderheitenrechte, der Entgrenzung der\n\u00d6ffentlichkeit durch elektronische und soziale Medien, die M\u00f6glichkeiten der Liquid\ndemocracy. Aktuell diskutieren wir vieles davon im Kontext der \u00f6kologischen\nKrise. \u201e <strong>Die Kirchen werden&nbsp; auch in Zukunft f\u00fcr die freiheitliche\nDemokratie des Grundgesetzes eintreten, weil diese in besonderer Weise dem\nchristlichen Menschenbild entspricht<\/strong>\u201c, hei\u00dft es sp\u00e4ter in der \u00f6kumenischen\nSchrift \u201eDemokratie und Tugenden\u201c von 2006.<\/p>\n\n\n\n<p>Demokratie als Staatsform ist in der Bibel kein Thema. <strong>Kirche ist nicht \u201eDemokratie\u201c, sondern\n\u201eLaokratie\u201c- nicht Staatsvolk, sondern Volk Gottes, <\/strong>h\u00e4lt der langj\u00e4hrige\nVorsitzende der EKD-Kammer f\u00fcr \u00d6ffentliche Verantwortung, Wilfried H\u00e4rle fest. <strong>Gleichwohl gibt es Analogien<\/strong>: Das\nallgemeine Priestertum aller Getauften und die Gleichheit aller Christen (Gal\n3, 28) &nbsp;Gewissens- und Glaubensfreiheit,\nGemeinschaft und Solidarit\u00e4t. Unantastbare Menschenw\u00fcrde und Teilhabe aller, Prinzipielle\nIrrtumsf\u00e4higkeit (\u201eauch P\u00e4pste und Konzilien k\u00f6nnen irren\u201c), Prozesshaftigkeit\nund Fehlerfreundlichkeit<strong>. Die EKD mit ihrer\nf\u00f6deralistischen Struktur ist zudem durchaus staatsanalog aufgebaut. Synoden\nwerden oft als Kirchenparlamente bezeichnet,<\/strong> Kirchenleitungen und Rat\nentsprechen Landes- und Bundesregierung, Leitende Geistliche den Ministerpr\u00e4sidenten,\ndie Kirchenkonferenz dem Bundesrat, der\/die Ratsvorsitzender dem\/der Bundeskanzler\/in\nund auch die Verfassungs- und Verwaltungsgerichte entsprechen sich. <strong>Dieser institutionelle Aufbau unterliegt allerdings\nzurzeit den gleichen Erosionsprozessen, die auch Politik, Parteien und\nGewerkschaften erleben<\/strong>. In einem Artikel im Pfarrblatt fragt Eberhard\nPausch nach<strong> hilfreichen Innovationen<\/strong>:\nK\u00f6nnten Ver\u00e4nderungen im Wahlsystem helfen, die Teilhabe zu verbessern? Zu\ndenken ist an Verj\u00fcngung des aktiven und passiven Wahlrechts, k\u00fcrzere\nWahlperioden, Direktwahl zu den Synoden statt Stufenwahl. W\u00e4re es hilfreich,\nden Rat der EKD unmittelbar von den Mitgliedern w\u00e4hlen lassen? L\u00e4sst sich eine\ngestufte Mitgliedschaft vorstellen, oder w\u00e4re es hilfreich, \u00f6fter digitale\nMitbestimmungsm\u00f6glichkeiten zu nutzen? Und w\u00e4re es gut, bundesweit \u2013 wie in\nW\u00fcrttemberg \u2013 Kirchenparteien zu installieren?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In den\nLandeskirchen und Synoden der 30er Jahre gab es die DC als Kirchenpartei<\/strong>.\nDagegen standen die, die Eigenst\u00e4ndigkeit der Kirche gegen\u00fcber der Politik\nbewahren wollten (\u201eNeutrale\u201c) und schlie\u00dflich die Bekennende Kirche.&nbsp; Die Fronten verliefen quer durch die\neinzelnen Gemeinden und Gremien. Am 23. Juli 1933 erhielten die DC in Rheinland\nund Westfalen 75 Prozent bei den Kirchenwahlen &#8211; mehr als doppelt so viel wie\n\u201eEvangelium und Kirche\u201c. In vier rheinischen Gemeinen gab es keine Wahlen-\ndarunter die Gemeinde Rheydt, von der ich erz\u00e4hlt habe. Dort gab es wie schon\n1932 eine Einheitsliste und einen gemeinsamen Wahlvorschlag- und von da an nur\neinm\u00fctige Beschl\u00fcsse, um politischen Einfl\u00fcssen keinen Raum zu geben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wagen wir\nan dieser Stelle einen aktuellen Seitenblick auf die katholische Kirche, den\nauch hier ging es um Einm\u00fctigkeit: <\/strong>Mit 230 Teilnehmenden (159\nM\u00e4nner, 70 Frauen, eine Person divers) startete <strong>der \u201eSynodale Weg\u201c von DBK und ZDK in Frankfurt \u2013 zu den Themen Macht,\nFrauen, Sexualmoral und Lebensform finden vier Versammlungen statt<\/strong>. Bei der\nKonstitution ging es um Mehrheiten im&nbsp;\nVerfahren: Mehrheiten im Plenum und anteilige Mehrheiten der Bisch\u00f6fe\nund der vertretenen Frauen. Sollte es eine <strong>Sperrminorit\u00e4t\nder Bisch\u00f6fe geben, wenn eine Entscheidung im Widerspruch zur Lehre stehen\nsollte? Oder sollte in den Foren in jedem Fall Einm\u00fctigkeit n\u00f6tig sein?<\/strong> Hier\nist sind die Teilnehmenden nicht mitgegangen. Andere zentrale Themen waren Gewaltenteilung\nund das kirchliche Straf-und Disziplinarrecht. Das h\u00e4ngt auch damit zusammen,\ndass die <strong>MGH-Studie zum Missbrauch an\nder Wiege der Bewegung stand. <\/strong>Daneben aber steht der Priestermangel, die\nFrage nach dem Charakter des Z\u00f6libats<strong>.\nUnd auch die Frauen spielen eine gro\u00dfe Rolle: Die jahrelangen Bem\u00fchungen um den\nDiakonat der Frau, die Bewegung<\/strong> <strong>Maria\n2.0.<\/strong> Frauen haben auch eine eigene Sperrminorit\u00e4t f\u00fcr die Gesch\u00e4ftsordnung\ndurchgesetzt. \u201e <strong>Dass hier quasi ein\nprotestantisches Kirchenparlament\u2026 implementiert wird. Das hat nichts mit dem\nzu tun, was katholische Kirche ist\u201c, <\/strong>sagte danach der K\u00f6lner Kardinal\nW\u00f6lki.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>4. Wandlungen, Spannungen, Grenzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.1. Der Paradigmenwechsel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Kirche ist als der \u201eLeib Christi\u201c eine Gemeinde von\nSchwestern und Br\u00fcdern. <strong>Was macht eine Kirche,\ndie von diesem Selbstverst\u00e4ndnis her nur eine sehr flache Hierarchie braucht,\naber mit Gemeinden, Dekanaten und Kirchenkreisleitungen, Landeskirchenleitungen\nund der EKD als Gemeinschaft der Gliedkirchen nach Leitungsebenen\ndurchgestaffelt ist?\u201c, <\/strong>fragte k\u00fcrzlich der Ratsvorsitzende, Bischof\nHeinrich Bedford-Strohm in einem FAZ-Artikel. <strong>Nach den Erfahrungen des 3. Reiches hat die evangelische Kirche nach\n1948 versucht, Selbstkritik in Strukturen zu gie\u00dfen- in neue Leitungs- und in\nSynodalstrukturen vor allem<\/strong>. In vielen Landeskirchen wurden Synoden nun wichtiger\nals die Amtshierarchien, in vielen Kirchenleitungen sa\u00dfen Theologen und Laien,\nHauptamtliche und Ehrenamtliche mit derselben Kompetenz. Aber in den Begriffen\nsteckt bereits das Dilemma. <strong>Denn eigentlich\ngibt es in der evangelischen Kirche keine \u201e Laien\u201c \u2013 theologisch kennt sie kein\nPriesteramt, sondern nur das Priestertum aller<\/strong>. Das starke Gegen\u00fcber von\nTheologen und Nichttheologen, von beruflich und ehrenamtlich \u201e Mitarbeitenden\u201c\nist gleichwohl oft ausgepr\u00e4gt. <strong>Das\n\u201ePriestertum aller\u201c ernst zu nehmen, hie\u00dfe auch, die Stimme der Christinnen und\nChristen ernst zu nehmen, die die Kirche als Organisati<a>on\nauch von au\u00dfen sehen k\u00f6nnen<\/a><\/strong>. Die\nsogenannte Amtskirche braucht Menschen aus unterschiedlichen lebensweltlichen\nHintergr\u00fcnden, die andere berufliche Erfahrungen und Kompetenzen einbringen.\n<strong>In den Kammern und Kommissionen von EKD\nund Landeskirchen arbeiten Wissenschaftlerinnen und Unternehmer, Politiker und\nPolitikerinnen aller Couleur mit.<\/strong>&nbsp; <a>Anders als in der katholischen Kirche handelt es sich dabei\nnicht um Bischofskommissionen. <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<strong>\u201eDie Grundfrage an unsere evangelische Kirche lautet: Wird sich bei\nhauptamtlich Mitarbeitenden und ehrenamtlich Engagierten ein Paradigmen- und\nMentalit\u00e4tswechsel vollziehen, der die evangelische Kirche auf die neue\nSituation ausrichtet und ihre Chancen zu ergreifen sucht<\/strong>?\u201c<a href=\"#_edn1\"><sup>[i]<\/sup><\/a>\nfragt das EKD-Impulspapier \u201eKirche der Freiheit\u201c<a href=\"#_edn2\"><sup>[ii]<\/sup><\/a>\nDas wird bedeuten, in den Reformprozessen darauf zu achten, dass die zuk\u00fcnftige\nGestalt der Kirche nicht nur von der Gestalt einer durch \u00f6ffentliche Mittel\nfinanzierten hauptamtlichen Organisation her weiter entwickelt wird, sondern <strong>dass innovative Ideen und Netzwerke aus den\nGemeinden in die Zukunftsentwicklungen eingehen. <\/strong>Die Gaben und Erfahrungen\nder ehrenamtlich Engagierten m\u00fcssen eben so viel Gewicht haben wie der Blick\nauf Strukturen, Immobilien und Ressourcen. <strong>Der\nhistorische R\u00fcckblick zeigt: Alle kirchlichen Aufbr\u00fcche, die durch\nLaienbewegungen gepr\u00e4gt waren, haben besondere Akzente in geistlichem Leben und\nsozialem Engagement gesetzt<\/strong>. Diakonie- und Jugendarbeit im neunzehnten\nJahrhundert genauso wie Erwachsenenbildung, Friedensbewegung oder der konziliare\nProzess im zwanzigsten. <strong>Es sind die\nehrenamtlich Engagierten, es ist die \u201eKirche als Bewegung\u201c, die der Kirche als\nOrganisation und sogar Gesellschaft und Politik immer neue Impulse gibt<\/strong>. Und\nder konziliare Prozess f\u00fcr Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Sch\u00f6pfung\nhat nicht unwesentlich zu Demokratisierungsprozessen in der fr\u00fcheren DDR\nbeigetragen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wird\nKirche sich selbst in Zukunft st\u00e4rker als Teil der Zivilgesellschaft verstehen?\nWelche Br\u00fcckenschl\u00e4ge zu anderen Vereinen, Verb\u00e4nden, Initiativen sind zu\nleisten? Als Zeichen f\u00fcr Humanit\u00e4t und gegen Fremdenhass gr\u00fcndeten im Januar\n2016 zehn der gr\u00f6\u00dften zivilgesellschaftlichen Akteure eine &#8222;Allianz f\u00fcr\nWeltoffenheit<\/strong>\u201c. Sie fordern Aufkl\u00e4rung statt Verunsicherung,\nInvestitionen in Integration statt Bef\u00f6rderung von Ressentiments.Initiiert\nvom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) haben sich Organisationen aus allen\nrelevanten Gesellschaftsbereichen dem Aufruf angeschlossen. Teil der Allianz\nsind neben dem DGB evangelische und katholische Kirche, Zentralrat der Juden,\nKoordinationsrat der Muslime, Bundesvereinigung der Deutschen\nArbeitgeberverb\u00e4nde, Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege,\nDeutscher Kulturrat, Deutscher Naturschutzring und Deutscher Olympischer\nSportbund.Die &#8222;Allianz f\u00fcr Weltoffenheit, Solidarit\u00e4t, Demokratie\nund Rechtsstaat&#8220; fordert, angesichts der Flucht von Millionen Menschen\nweiter humanit\u00e4re Verpflichtungen zu erf\u00fcllen, gleichzeitig aber auch die\nIntegration und erstarkende rechte Str\u00f6mungen im Blick zu behalten. <strong>Die\nchristlichen Kirchen, gerade die evangelischen, Erfahrungen mit dem Fremdsein.<\/strong> Ich erinnere nur an <strong>die reformierten\nFl\u00fcchtlingsgemeinden des 16. und 17. Jahrhunderts von Emden bis Duisburg und Berlin,\ndie von Anfang an diakonische Aufgaben \u00fcbernahmen und sich schon sehr fr\u00fch f\u00fcr\nsynodale Strukturen einsetzten<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute hat die Entwicklung der sozialen Netzwerke und der\nlebendigen Zivilgesellschaft dazu gef\u00fchrt, dass das&nbsp; Verh\u00e4ltnis von Kirchenmitgliedern,\nInteressierten und Amtstr\u00e4gern sich deutlich ver\u00e4ndert. <strong>In Zeiten des Internet ist ein Prozess wie der \u201e Dienstweg\u201c den\nallermeisten fremd geworden<\/strong>&#8211; Interessierte wie Kritiker, Mitglieder wie\nAusgetretene wenden sich ganz unmittelbar an die Bisch\u00f6fin oder den\nRatsvorsitzenden und sind entt\u00e4uscht, wenn sie von dort keine Antwort bekommen.\nMit der gleichen Selbstverst\u00e4ndlichkeit <strong>werden&nbsp; Mitgliederberfragungen und \u2013abstimmungen<\/strong> <strong>zu Themen gefordert, die bislang in der\nevangelischen Kirche von Synoden entschieden werden<\/strong>. Der Aufbau der\nGremienstrukturen ist ohnehin weitgehend unbekannt- bekannt sind allenfalls die\nAmtstr\u00e4ger. <strong>Die Digitalisierung hebt die\nr\u00e4umliche Zuordnung wie die Hierarchien auf und stellt damit den territorialen\nAufbau der Kirche in Frage. &nbsp;Sie schafft\nzudem eine neue Unmittelbarkeit der Beteiligung \u00fcber die Hierarchien hinweg \u2013\nBeteiligung auch auf Zeit mit einem ganz bestimmten Anliegen. Wir sehen das in\nden&nbsp; Ver\u00e4nderungen des Ehrenamts wie bei\nKampagnen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eGanz normale Leute\u201c treten zum Thema Kirche in die \u00d6ffentlichkeit und werden geh\u00f6rt. <\/strong>Die Erzieherin, die den katholischen Kindergarten nicht l\u00e4nger leiten durfte, weil sie geschieden wurde. Die Oma, die auf Facebook f\u00fcr ihren schwulen Enkel eintritt, als der Pfarrer ihrer Gemeinde sich abw\u00e4gend-kritisch zu Homosexualit\u00e4t \u00e4u\u00dfert. Die ehemaligen Domspatzens\u00e4nger, die Sch\u00fcler eines Jesuitengymnasiums, die in diesen Institutionen Missbrauch erfahren haben: auch wenn wir ihre Namen nicht mehr wissen, bleiben sie im Bewusstsein, wenn es um Kirche geht. F\u00fcr mich folgt daraus zweierlei<strong>:&nbsp; In einer Zeit wachsender Transparenz kann und darf Kirche ihre Wunden und Verletzungen, aber auch ihre Schuld nicht verstecken. Angesichts der neuen M\u00f6glichkeiten digitaler Beteiligung muss Kirche die Berufungen und Kompetenzen aller Mitglieder ernst nehmen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie\nandere Organisationen \u2013 vielleicht sogar mehr noch \u2013 ist Kirche darum bem\u00fcht,\neigene Fehler und Widerspr\u00fcche nicht zum Thema zu machen<\/strong>.\nMissbrauchserfahrungen, Finanzskandale, Unbarmherzigkeit gegen\u00fcber menschlichen\nSchw\u00e4chen, Manipulationen bedeuten f\u00fcr alle Organisationen und Unternehmen\nImageschaden und Glaubw\u00fcrdigkeitsverlust. Bei Gewerkschaften,\nWohlfahrtsorganisationen und Kirchen ist das allerdings besonders bitter; schlie\u00dflich\nsind es gerade Werte wie Barmherzigkeit , Wahrhaftigkeit, Verantwortung und\nSolidarit\u00e4t, auf denen ihre Wirkung beruht. <strong>Schonungslose Ehrlichkeit ist deshalb der einzige Weg<\/strong>. <strong>Darum \u00fcbrigens ist es so wichtig, dass es\nneben der kirchlichen \u00d6ffentlichkeitsarbeit auch eine freie Presse und\ndialogische Plattformen gibt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine\nselbstkritische Kirche nimmt die eigene Verantwortung wahr und versteckt ihre\ninternen Konflikte nicht<\/strong>. Sie zeigt ihre Verletzungen und gewinnt\ngerade so an Glaubw\u00fcrdigkeit.<strong> \u201eWie ehrlich\nist unsere Rede zu dem, was wir tun<\/strong>? \u201c, fragt die Neinst\u00e4dter Diakonie in\nihrem Leitbild. Am Ende formulieren die Mitarbeitenden drei Hauptsachen:\n\u201eHauptsache menschlich. Hauptsache verl\u00e4sslich. Und Hauptsache\nverantwortungsbewusst.\u201c <strong>Darin wird klar:\nin Neinstedt hat man die eigene Geschichte im Nationalsozialismus bearbeitet:\nDeportationen und Krankenmorde. Im R\u00fcckblick l\u00e4sst sich deutlich erkennen,\nwelche Rolle die urspr\u00fcnglich durchaus f\u00fcrsorgliche, sozialpaternalistische\nExklusion von Menschen mit Behinderungen bei der T-4-Aktion gespielt hat. Sie\nwaren F\u00fcrsorgeobjekte, aber nicht auf Augenh\u00f6he.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.2. Mehr Partizipation wagen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vor zwanzig Jahren habe ich den\nOsten Londons besucht&nbsp; \u2013 eine\nheruntergekommene Hafengegend mit internationaler B\u00fcrgerschaft, in der der\nBischof von London eine Kirche aufgegeben hatte. Dort habe ich erlebt, wie eine\nB\u00fcrgerinitiative um den Erhalt und die Umgestaltung der Kirche zu einem\nGemeinschaftszentrum k\u00e4mpfte<\/strong>. Es waren Menschen, die dort getauft oder getraut worden waren,\ndie an diesem Ort eine Erfahrung von Verbundenheit und Zugeh\u00f6rigkeit, ja, von\nW\u00fcrde gemacht hatten. Sie wurden dennoch nicht geh\u00f6rt. Hier zeigt sich:\nZugeh\u00f6rigkeit in den Kirchen der Reformation wurde zun\u00e4chst territorial\nformuliert: cuius<strong> regio, eius religio.\nDazu zu geh\u00f6ren, bedeutete versorgt zu werden \u2013 nicht unbedingt, sich zu\nbeteiligen. Dieses Verst\u00e4ndnis hat sich in den letzten Jahrzehnten ver\u00e4ndert.\nInnerkirchlich reden wir von Hochverbundenen und Distanzierten. Im Blick auf\ndas Gemeinwesen aber l\u00e4sst sich entdecken: auch Menschen, die nicht oder nicht\nmehr Mitglied sind, k\u00fcmmern sich um ihre Kirchen: <\/strong>In Brandenburg kennen wir\nKirchenpaten, in Wuppertal oder Recklinghausen werden Gemeindeh\u00e4user zu\nGemeinschaftsh\u00e4usern. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das\nallgemeine Priestertum der Getauften ist ja nicht nur f\u00fcr den Sonntag gedacht,\nsondern vor allem f\u00fcr den Alltag. Der Hamburger Johann Hinrich Wichern sprach\ndeshalb auch vom allgemeinen Diakonentum<\/strong>. Nicht nur die Kirchen und\ndie St\u00e4dte sollten sich f\u00fcr den sozialen Zusammenhalt verantwortlich f\u00fchlen,\nsondern jeder Einzelne, ganz unabh\u00e4ngig von seinem Stand. &nbsp;Wir brauchen das grundlegende Gef\u00fchl der\nZugeh\u00f6rigkeit zu einer Gemeinschaft, um uns in ihrem Schutz \u00f6ffnen zu k\u00f6nnen.\nIn der Enzyklika \u201eLaudato si\u201c, die sich mit der Entwurzelung in den St\u00e4dten\nbesch\u00e4ftigt, fordert Franziskus, die urbanen Bezugspunkte und die \u00f6ffentlichen\nOrte zu pflegen und eine \u00f6ffentliche Infrastruktur bereit zu stellen, damit\nMenschen sich frei in der Stadt bewegen und Anlaufstellen f\u00fcr ihre wichtigsten\nBedarfe finden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Studien,\ndie in den Blick nehmen, aus welchen Schichten und Milieus die Engagierten\nkommen, zeigen deutlich: sie sind gut ausgebildet, mit gut situierter Familie\nund Freundeskreis, oft an vielen Stellen zugleich engagiert<\/strong>. Es\ngilt das Matth\u00e4usprinzip. Wer hat, kann weitergeben. Wer aber wenig an\nRessourcen mitbekommen hat, der findet oft den Einstieg nicht. Was k\u00f6nnen\nKirchengemeinden tun, um auch diejenigen zum Engagement einzuladen, die sich\nbisher als Hilfeempf\u00e4nger verstanden haben? Menschen mit Behinderung zum\nBeispiel, oder auch Arbeitslose? Wie k\u00f6nnen wir ernst machen mit der Idee einer\nGemeinde von Schwestern und Br\u00fcdern? <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kirche\nwird oft als \u201eClub\u201c erlebt \u2013 als \u201einner circle mit konzentrischen Kreisen<\/strong>. Wie\nkann es gelingen, die Homogenit\u00e4t und Milieuschlie\u00dfung der \u201eKerngemeinde\u201c f\u00fcr\nVielfalt zu \u00f6ffnen und damit den Anpassungsdruck und die Exklusionstendenzen zu\nmindern? <strong>Wie kommen wir zu einem neuen\nMiteinander von \u201e Christengemeinde und B\u00fcrgergemeinde\u201c (K.Barth).<\/strong> <strong>&nbsp;<\/strong><strong>Ich sehe\nmit gro\u00dfem Respekt, wie viele Initiativen, Vereine, soziale Unternehmen in\nDeutschland daran arbeiten, Generationen zu verbinden, Chancen zu geben, eine\nWillkommenskultur zu gestalten<\/strong>.\nB\u00fcrgerbusse und Notruftelefone, Dorfl\u00e4den, Demenznetzwerke und\nWohngenossenschaften. <strong>Und immer wieder\neinmal denke ich &#8211; das w\u00e4re eigentlich auch unsere Sache<\/strong>&#8211; und <strong>ist es auch in Diakonischen Unternehmen,\nInitiativen und Gemeinden.<\/strong> Zu wenig davon wird aber sichtbar, auch\ndeswegen, weil Gemeinden und Synoden sich oft nicht damit identifizieren. &nbsp;<strong>No\ntaxation without representation\u201c hie\u00df es zu Beginn der Staatwerdung der\nVereinigten Staaten von Amerika<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ich denke manchmal an Johann Hinrich Wicherns\nKonzept einer nationalen Synode. Wo \u00fcber Kirche und Gesellschaft entschieden\nwurde, da sollten die diakonischen Vereine und Unternehmen genauso\nrepr\u00e4sentiert sein wie die \u201eHausv\u00e4ter\u201c aus der B\u00fcrgergesellschaft<\/strong>. Dann stelle ich mir eine EKD-Synode vor, in\nder die die gro\u00dfen diakonischen Unternehmen und die neuen Initiativen s\u00e4\u00dfen,\nMenschen mit Behinderung genauso wie getaufte Gefl\u00fcchtete. Welche Kirche\nentst\u00fcnde aus den Beratungen? Aus Wicherns Konzept ist nur wenig geworden, wenn\nman auf die wechselseitige Repr\u00e4sentation von Kirche und Diakonie in ihren Gremien\nschaut&nbsp; &#8211; und ich f\u00fcrchte, das l\u00e4sst sich\nauch nur noch schwer ver\u00e4ndern. Was sich aber ver\u00e4ndern lie\u00dfe, w\u00e4re die Vernetzung.\nDiakonische Mitgliederversammlungen und Synoden, die sich oft mit \u00e4hnlichen\nFragen besch\u00e4ftigen, k\u00f6nnten sich abstimmen und hintereinander tagen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<strong>An den Vetom\u00e4chten\ndes kirchlichen Apparats sind in den letzten Jahren viele sinnvolle\nVer\u00e4nderungen abgeprallt. Zudem fehlen in den notwendigen Debatten um die\nZukunft der Kirche n alle, die in den letzten zwanzig Jahren aus den unterschiedlichsten\nMotiven ausgetreten sind<\/strong> oder schon gar nicht mehr darin aufgewachsen sind,\nschreibt Arnd Henze in seinem Buch \u201e Kann Kirche Demokratie\u201c. Tats\u00e4chlich sind <strong>nicht alle, die sich bei den Tafeln, in\nHospizen, in der Gospelbewegung oder als Kirchenkuratoren engagieren,\nKirchenmitglieder. H\u00e4ufig hatten sie sich schon lange der Kirche entfremdet\noder waren ohnehin nie Mitglieder<\/strong>. Wie viel Teilhabe darf ihnen gew\u00e4hrt\nwerden, wie viel Verantwortung d\u00fcrfen sie in kirchlichen Strukturen \u00fcbernehmen?\n<strong>Welchen Einfluss haben die neu\ngegr\u00fcndeten Stiftungen<\/strong>&#8211; welchen haben die Verb\u00e4nde und Unternehmen auf die\nEntscheidungen der Kirchenvorst\u00e4nde und Synoden? Vielleicht kann gerade das\nEngagement in der Gemeinde den Weg zur Mitgliedschaft, ja sogar zur Taufe\nebnen. Wenn man die Einsicht ernst nimmt, dass Glaube immer nur prozessual\ngeschieht und dass Areligiosit\u00e4t auch unter Kirchenmitgliedern vorhanden ist,\ndann wird es absurd, ausschlie\u00dflich bin\u00e4r zwischen Mitgliedschaft und\nNichtmitgliedschaft zu unterscheiden, so Hans-Martin Barth<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> . In einigen Landeskirchen\nhat die Debatte \u00fcber eine gestaffelte Mitgliedschaft oder eine Mitgliedschaft\nauf Probe begonnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie\nkann es angesichts der wachsenden Individualisierung und Differenzierung- auch\nin den kirchlichen Strukturen- gelingen, das Ganze zusammen zu halten? Wie in\nallen Organisationen sind auch hier top-down und bottom up \u2013Prozesse notwendig.\n&nbsp;Denn die Demokratisierung der Kirche ist\nkeine Einbahnstra\u00dfe<\/strong>. \u201eRichtete sich der hierarchiekritische Impuls\nim Protestantismus fr\u00fcher darauf, die z\u00f6gerlichen Kirchenleitungen und Gremien\nzu klaren Positionen zu dr\u00e4ngen, \u00e4u\u00dfert er sich heute nur noch in der\nErwartung, von den Oberen in Ruhe gelassen zu werden\u2026\u201c, schreibt Arnd Henze. <strong>Diese abwehrende Gleichg\u00fcltigkeit<\/strong> <strong>stellt die demokratische Verfasstheit der\nevangelischen Kirche insgesamt in Frage.\u201c<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.3. An der Grenze<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der ehemalige evangelische Landesbischof von Sachsen, Carsten\nRentzing, hat im Oktober 2019 seinen R\u00fccktritt erkl\u00e4rt<\/strong>. Es war bekannt geworden, dass er einer schlagenden\nStudentenverbindung angeh\u00f6rt und einen Vortrag in der Berliner Bibliothek des\nKonservatismus gehalten hatte, die als geistiges Zentrum rechtsnationaler\nStr\u00f6mungen gilt. Zudem hatte er von sich reden gemacht, als er homosexuelle\nPartnerschaften als nicht von Gott gewollt bezeichnet hat. <strong>Von seinen studentischen Texten im Magazin \u201eFragmente\u201c, die die\nLandeskirche als elit\u00e4r-nationalistisch und demokratiefeindlich einstufte,\ndistanzierte er sich<\/strong>. In den folgenden Wochen wurde deutlich, dass die\ns\u00e4chsische Kirche, zu der immer noch 18 Prozent der Bev\u00f6lkerung geh\u00f6ren, tief\nverunsichert ist. Debattiert wird, wie weit die rechtsnationalen Entwicklungen\ntief in der Kirche verwurzelt sind, <strong>wo\nGrenzen zu definieren sind und was das f\u00fcr die Kirchenmitgliedschaft, vor allem\naber f\u00fcr die ehrenamtlichen Leitungs\u00e4mter in der Kirche bedeutet. Noch gibt es\nviele AfD-Funktionstr\u00e4ger, die in der evangelischen Kirche in Sachsen als\nKirchenvorst\u00e4nde engagiert sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vielleicht\nist die Interkulturelle \u00d6ffnung die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung f\u00fcr die Kirchen<\/strong>:\n\u00d6kumenische Gemeinden k\u00f6nnten alte Vorstellungen von \u201eererbter Zugeh\u00f6rigkeit\u201c\ngeschlossener Milieus \u00fcberwinden, wie sie sich noch in den alten\nkonfessionellen Herrschaftsgebiete mit ihren geschlossenen Kulturen zeigen.\nKein Wunder, dass die gesellschaftlichen Br\u00fcche sich auch&nbsp; in den Kirchen zeigen:&nbsp; bei Themen wie Migration, Ehe f\u00fcr alle etc. <strong>F\u00fcr die einen sind die Kirchen ein v\u00f6lkisches\nIdentit\u00e4ts- Bollwerk gegen gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen, f\u00fcr die anderen\nBeziehungsnetz zur Gestaltung des \u00f6kumenischen Miteinanders in einer globalen,\npluralen Gesellschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Damit kehren die Fragen der Abgrenzung, die zu\nZeiten der Bekennenden Kirche verhandelt wurden, in unsere Kirche zur\u00fcck. <strong>&nbsp;Gegen\nv\u00f6lkische Ideologien und Nationalismus wendet sich die EKBO: \u201e <\/strong>Lassen\nSie sich niemals einreden, der christliche Glaube sei etwas Individuelles und\nPrivates und Sie h\u00e4tten sich als Verk\u00fcndigerinnen und Verk\u00fcndiger politischer\nThemen zu enthalten. Versprechen tun Sie heute etwas anderes: <strong>Zeugen des Evangeliums zu sein, \u00f6ffentlich\nund engagiert\u201c<\/strong>, so Bischof Markus Dr\u00f6ge bei einer Ordination am Tag der\nBundestagswahl 2017. Genau das geh\u00f6rt auch heute \u2013 und gerade heute wieder &#8211; zur\nVerantwortung der Regierten wie der Regierenden und damit zum\nzivilgesellschaftlichen Selbstverst\u00e4ndnis der Kirche. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Hans-Martin Barth, Konfessionslos gl\u00fccklich, S. 119<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref1\">[i]<\/a>\nKirchenamt 2006, 7.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref2\">[ii]<\/a> Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (Hg.): Kirche der Freiheit. Perspektiven f\u00fcr die Evangelische Kirche im 21. Jahrhundert. Ein Impulspapier des Rates der EKD, Hannover 2006.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.Geschichte wirkt Die Garnisonkirche beim Tag von Potsdam: Wir sehen die Feierlichkeiten zur Er\u00f6ffnung des Reichstages. Am 5. 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