{"id":4772,"date":"2019-12-02T23:03:35","date_gmt":"2019-12-02T22:03:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=4772"},"modified":"2020-02-25T16:43:52","modified_gmt":"2020-02-25T15:43:52","slug":"pflegepredigt-zum-buss-und-bettag","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=4772","title":{"rendered":"Pflegepredigt zum Bu\u00df-und Bettag"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Im\nGottesdienst \u201e Last und Lust der Pflege\u201c am 20.11.19 in St. Nikolaus, Burgdorf<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eWir m\u00fcssen reden:\n\u00dcber unseren Alltag. \u00dcber unsere Sorgen, unsere Verzweiflung und unsere Wut.\nAber auch \u00fcber unsere Freude, die Erfolge und unsere Leidenschaft<\/strong>. Dar\u00fcber, was wir\nk\u00f6nnen und leisten und dar\u00fcber, was wir gerne tun w\u00fcrden \u2013 wenn man uns nur\nlie\u00dfe\u201c. Das habe ich vor einiger Zeit auf der Internet-Plattform \u201eCare-Slam\u201c\ngelesen. Da vernetzen sich Pflegende &#8211; Altenpfleger, Krankenschwestern und pflegende\nAngeh\u00f6rige. Menschen wie Sie. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1.5 Mio. Menschen,\nzwei Drittel der Pflegebed\u00fcrftigen, werden von Angeh\u00f6rigen gepflegt &#8211; oft mit\nUnterst\u00fctzung eines ambulanten Pflegedienstes<\/strong>. Das sind die Mitarbeiterinnen und\nMitarbeiter in der Pflege, die am schlechtesten bezahlt werden. Sie qu\u00e4len sich\nzu Sto\u00dfzeiten mit dem Auto durch den Verkehr, hin und her in der Stadt, um\nmorgens und abends in den H\u00e4usern zu sein<strong>.\nBei den T\u00f6chtern und Schwiegert\u00f6chter, die die kranke Mutter pflegen, bei den\nM\u00e4nnern, die ihre Frauen pflegen. Auch sie verzichten auf eigenes Einkommen und\nKarriere, weil sie f\u00fcr einen anderen da sein wollen. <\/strong>Neun Jahre dauert die\nh\u00e4usliche Pflege im Durchschnitt \u2013 aber wie lange sie im Einzelfall dauert, das\nl\u00e4sst sich zu Beginn gar nicht absehen. Deshalb ist es schwer, mit dem\nArbeitgeber zu verhandeln, wenn jemand die Arbeitszeit reduzieren muss. Das ist anders als\nbei der Kindererziehung. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei einer Befragung der IG Metall vor zwei Jahren zeigte sich: 84\nProzent der Befragten fordern eine finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr diejenigen,\ndie wegen der Pflege von Angeh\u00f6rigen reduzieren m\u00fcssen. <strong>Denn Pflege kann arm machen. Dass gerade Frauen oft niedrige Renten\nhaben, hat damit zu tun. Aber das ist nur das eine. Pflege kann auch einsam\nmachen: <\/strong>Viele &nbsp;verschwinden einfach\naus dem Kollegen- und Freundeskreis- sie haben ja &nbsp;keine Zeit mehr und kein Geld f\u00fcr\nEinkaufsbummel und Geburtstagsbesuche, f\u00fcr Urlaub oder den Friseur. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201cWir k\u00f6nnen nicht\nvon Politikern erwarten, dass sie irgendetwas \u00e4ndern, wenn wir selbst nicht aufstehen\nund den Mund aufmachen. Pflege muss laut sein\u201c sagt Claudia Hanke, eine der\nGr\u00fcnderinnen von Care-Slam<\/strong>.\u201eWir haben\njetzt schon einen Notstand \u2013 aber das ist nichts im Vergleich zu dem, was\nkommt\u201c, sagt der Bremer Gesundheits\u00f6konom Heinz Rothgang. <strong>Die Zahl der Pflegebed\u00fcrftigen wird in den kommenden 30 Jahren von rund\ndrei Millionen auf f\u00fcnf Millionen Menschen steigen<\/strong>. Da tut sich schon in\nden n\u00e4chsten zehn Jahren eine L\u00fccke von 350.000 Vollzeitstellen auf.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Frage, wie es\ngelingen kann, den Pflegeberuf attraktiv zu machen, geh\u00f6rt nun endlich zu den\nTop \u2013Themen der Bundesregierung. Alexander J\u00f6rde hat wesentlichen Anteil daran<\/strong>. Das ist der junge\nKrankenpfleger, der die Bundeskanzlerin vor zwei Jahren im Wahlstudio fragte, was\nsie f\u00fcr die Pflege tun wolle. <strong>Er sieht\ndie Menschenw\u00fcrde in unseren Einrichtungen gef\u00e4hrdet, weil die Stellenpl\u00e4ne\nviel zu knapp sind. \u201eKranke Pflege\u201c hei\u00dft sein Buch, das vor einem Jahr\nerschien.<\/strong> Der jahrelange Stellenabbau, die Arbeit in normierten Zeittakten,\ndie zunehmende Arbeitsverdichtung und die \u00fcberbordenden Dokumentationspflichten\nh\u00e4tten die Pflege krank gemacht, sagt er. &nbsp;Und die Pflegenden auch. <strong>Pflegende sind \u201eeine der Hochrisikogruppen f\u00fcr arbeitsbedingte Belastungen.\u201c\nDas kann man messen. Zum Beispiel an den Krankheitstagen. Da liegt der\nDurchschnitt in der Altenpflege bei 24&nbsp;\nTagen &#8211; gegen\u00fcber 16 Tagen im Durchschnitt. Und auch pflegende\nAngeh\u00f6rige werden h\u00e4ufiger krank, weil sie an die \u00dcberlastungsgrenzen kommen<\/strong>.\n\u201e Mutter, wann stirbst Du endlich\u201c, hie\u00df das Buch von Martina Rosenberg, das\n2012 erschien und in vielen Talkshow diskutiert wurde. Es war ein Tabubruch-\nund es war ein Hilfeschrei. <strong>Was aussah\nwie Herzlosigkeit, war Verzweiflung und \u00dcberforderung. Es sind ja gerade die\nPflichtbewussten und Liebevollen, die an die \u00dcberlastungsgrenze sto\u00dfen.<\/strong> Nach\nJahren pausenloser Hingabe werden sind pflegende Angeh\u00f6rige genauso wie\nprofessionelle Pflegekr\u00e4fte von Burnout, St\u00f6rungen des Immunsystems und anderen\nErkrankungen bedroht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Heute ist Bu\u00df- und\nBettag. Der alte preu\u00dfische Feiertag will vor allem eins: dass wir Hinsehen, wo\netwas schief l\u00e4uft unter uns. Wo Unrecht und Ungerechtigkeit zugedeckt werden.\nDass wir die Dinge beim Namen nennen: <\/strong>Wo&nbsp;\nwir uns \u00e4ndern m\u00fcssen in Politik und Gesellschaft, aber auch in den\nNachbarschaften und Gemeinden. <strong>Deshalb\nfinde ich es gro\u00dfartig, dass Sie f\u00fcr den Gottesdienst heute das Thema Pflege\ngew\u00e4hlt haben. Denn Pflege ist&nbsp;&nbsp; mehr als\neine Dienstleistung oder eine Familienangelegenheit. Sie ist f\u00fcr den\nZusammenhalt einer \u00e4lter werdenden Gesellschaft von entscheidender Bedeutung<\/strong>.\n&nbsp;Ein \u00f6ffentliches Gut. Ohne die vielen\nPflegenden aus Spanien, Polen, den Philippinen w\u00e4ren wir schon jetzt nicht mehr\nin der Lage, diese Aufgabe zu erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<strong>Dass wir das &nbsp;erst &nbsp;jetzt richtig wahrnehmen, jetzt, wo es brennt-\ndas hat leider auch damit zu tun, dass Pflege bislang vor allem Frauensache\nist. Und es scheint ja so weiter zu gehen:<\/strong> <strong>Was w\u00e4ren wir ohne die 600.000 Haushaltshilfen aus Osteuropa, die hier\nalleinlebende \u00c4ltere versorgen<\/strong>. Und daf\u00fcr vielleicht die eigene Familien\nvon den Gro\u00dfm\u00fcttern versorgen lassen. <strong>Viele\nGenerationen von T\u00f6chtern und Schwiegert\u00f6chtern, von Diakonissen,\nDiakonieschwestern und Nonnen haben sich selbst zur\u00fcckgestellt, um diesen\nDienst zu tun. <\/strong>Still und liebevoll. Zu selten hat man dar\u00fcber nachgedacht,\nwie es ihnen ging. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Manchmal denke ich\nan Theodor Fliedner, den Gr\u00fcnder der Kaiserswerther Diakonissenanstalt. Der\nhatte klare Managementgrunds\u00e4tze f\u00fcr die Schwestern, die er an Krankenh\u00e4user\nentsandte<\/strong>. Dabei ging es um Qualit\u00e4t und Ethik der Pflege, um Sauberkeit, gute\nVersorgung und Medizin \u2013 es ging aber auch um die Gesundheit der Schwestern. \u201e<strong>Wenn sie l\u00e4ngere Zeit hintereinander zu\nwachen haben, d\u00fcrfen sie nur jede dritte Nacht wachen<\/strong>. Nach jeder\ngeleisteten Nachtwache m\u00fcssen sie am Tage zu einer passenden Zeit mehrere Stunden\nschlafen\u201c, hie\u00df es damals in der Krankenpflegeordnung<strong>. Dahinter steht das Wissen: Was f\u00fcr Kranke und Pflegebed\u00fcrftige\nwichtig ist, das brauchen die Pflegenden nat\u00fcrlich auch: Einen gesunden\nRhythmus von Arbeit und Leben, gute Versorgung und &nbsp;R\u00fcckzugszeiten, um neue Kraft zu tanken, sich\nneu zu sortieren<\/strong>. Die Diakonissen, Nonnen, Diakonieschwestern hatten\ndeshalb Zeit f\u00fcr Einkehrtage, f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch zwischendurch, Zeit auch am\nSterbebett zu sitzen. Untersuchungen zeigen: auch das geh\u00f6rt zu den\nKraftquellen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201e Ich habe hier ein\nKrankenhaus erlebt, in dem Pflegende und Gepflegte Gewinn davon tragen\u201c,\nschrieb die gro\u00dfe Florence Nightingale, als sie bei Theodor Fliedner in\nKaiserswerth lernte. Sie wollte unbedingt Krankenschwester werden- sie sah\ndarin ihre Berufung.<\/strong> Sp\u00e4ter, im Krimkrieg, ging sie sogar nach Scutari in ein\nFeldlazarett, um dort die Pflege zu managen. Die Lady mit der Lampe, wie man\nsie nannte, sah es als ihre Berufung an, f\u00fcr andere da zu sein. Aber auch sie\nkannte Zeiten des Ausbrennens<strong>. Worin\nalso besteht&nbsp; der Gewinn f\u00fcr die\nPflegenden? &nbsp;F\u00fcr Menschen wie Sie. Eine\ngute Bezahlung, eine finanzielle Absicherung ist wichtig \u2013 aber es geht\noffenbar um mehr.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was hat Menschen wir Florence Nightingale und Theodor Fliedner\nmotiviert, was hat sie auch in Ersch\u00f6pfungssituationen durchhalten lassen?\nWoher kam die Kraft, in den Krankenh\u00e4usern und Gemeinden professionelle Pflege\naufzubauen<strong>? Damals, im 19. Jahrhundert,\nhat das Gleichnis Jesu vom gro\u00dfen Weltgericht eine entscheidende Rolle\ngespielt. Da geht es um die Werke der Barmherzigkeit. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir h\u00f6ren Matth.\n25, 31 &#8211; 40<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Andere speisen und tr\u00e4nken, kleiden, besuchen und pflegen &#8211; <strong>alles Sorgehandeln ist Antwort auf die\nBegegnung mit einem bed\u00fcrftigen Menschen. Es geht nicht zuerst um Pflicht und\nVerpflichtung. Zuerst geht es darum, dass ich die Not eines anderen wahrnehme. <\/strong>Das\nist nicht einfach in unserer individualistischen Gesellschaft. Jeder ist damit\nbesch\u00e4ftigt, irgendwie durch den Alltag zu kommen\u2013 unterwegs in Bus und Bahn,\noft mit dem Smartphone in der Hand. <strong>Der\nMensch neben mir, mein Nachbar, mein N\u00e4chster kann weit weg sein- die\nNachrichten auf Facebook ganz nah. Jeder lebt in seiner eigenen Blase, sagen\ndie Medienwissenschaft<\/strong>ler \u2013 <strong>und\njeder will autonom sein, das eigene Leben gestalten und bestimmen. 43 Prozent\nder \u00c4lteren leben allein<\/strong> \u2013 das hat viele Gr\u00fcnde; Familien sind heute oft\nweit verstreut.&nbsp; Aber die allermeisten\nwollen es auch so. <strong>Selbstbestimmt leben,\nsolange es geht. Lieber mehr Technik ins Haus, ein Smarthome, einen Roboter,\nals in ein Pflegeheim gehen, sagen \u00fcber 80 Prozent. F\u00fcr mich selber sorgen, so\nlange ich irgendwie kann. Und wenn nicht<\/strong>? Wer sieht mich, wenn ich\ngebrechlich werde? Wer in meiner Umgebung nimmt die schleichende Demenz wahr?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Not eines\nanderen sehen. Die Geschichte vom Barmherzigen Samariter erz\u00e4hlt davon, wie schwer\ndas ist. Dabei spielt sie gar nicht in unserer schnelllebigen Zeit.<\/strong> Und trotzdem: da\nliegt jemand blutend und ausgeraubt am Rand der Stra\u00dfe und zwei von drei\nMenschen gehen vor\u00fcber. Sie sind zu besch\u00e4ftigt, haben keinen Blick f\u00fcr den\nMenschen neben ihnen. Dabei sind es fromme Leute \u2013 ein Priester und ein Levit. Nur\neiner sieht hin und h\u00e4lt an, und das ist <strong>ausgerechnet\nein Samariter. Der wei\u00df, wie es ist, nicht gesehen zu werden. Er kann sich\nvorstellen, wie es dem Verletzten geht. Das k\u00f6nnte ich auch sein, denkt er\nvielleicht \u2013 das kann mir auch passieren. Normalerweise versuchen wir solche\nGedanken fern zu halten. Also lieber gar nicht hinsehen, wenn es um Pflege oder\num Demenz, um Armut und Einsamkeit geht<\/strong>. Schlie\u00dflich wissen wir ja nicht,\nwer f\u00fcr uns sorgt, wenn wir das selbst nicht mehr k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Samariter sieht\nhin. Und die Menschen im Gleichnis vom Weltgericht sehen auch hin. Und jede, die\nsich in einen anderen einf\u00fchlt, die Anteilnahme zeigt, der die Not eines\nanderen das Herz bewegt, kommt in Aktion<\/strong>. Hebt den anderen auf und stellt ihn auf\ndie Beine, verbindet Wunden, bringt ein Glas Wasser oder einen Teller Suppe. <strong>Und genau in diesem Handeln liegt offenbar eine\nKraftquelle, mit der wir gar nicht rechnen. Die Begegnung mit einem anderen\nkann mir zur Gottesbegegnung werden. Ich sehe hin und werde gesehen. Und\npl\u00f6tzlich sp\u00fcre ich, dass es genau darum geht im Leben: gesehen werden<\/strong>.\nEinem Du begegnen. Eintauchen in eine Tiefe, die sich an der Oberfl\u00e4che des\nAlltags oft verschlie\u00dft. Pflegende erz\u00e4hlen von solchen Erfahrungen. Wie gut es\nsein kann, die Hand eines anderen Menschen zu halten \u2013 und zu sp\u00fcren: <strong>wir sind verbunden, nicht nur als Pflegende\nund Gepflegte, sondern als Menschen, die alle verletzlich und sterblich sind.\nUnd trotzdem geliebt. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>An einer Fachhochschule in S\u00fcddeutschland wurde <strong>ein Kurs zur Begleitung Pflegender Angeh\u00f6riger entwickelt. Freiwillige\nlie\u00dfen sich ausbilden, um denen beizustehen, die vor Ersch\u00f6pfung nicht mehr\nweiter wissen. Viele von ihnen erz\u00e4hlten von solchen spirituellen Erfahrungen\nin der Pflege ihrer Angeh\u00f6rigen. Und waren froh, endlich einmal dar\u00fcber reden\nzu k\u00f6nne<\/strong>n. Denn vor lauter Druck und Verzweiflung ist ja nur noch von der\nNot in der Pflege die Rede, aber nicht mehr vom Gewinn. <strong>Dass es Gottesbegegnungen in der Pflege gibt, davon erz\u00e4hlen nur noch\ndie alten Geschichten. So wie die Legende von Elisabeth von&nbsp; Th\u00fcringen, der heiligen Elisabeth. Sie soll\neinmal einen Leprakranken ins Ehebett gelegt haben, um ihn zu pflegen.<\/strong> Und\nals ihr Mann das bemerkte und wutentbrannt die Decke zur\u00fcckschlug, fand er dort\nden gekreuzigten Christus. <strong>Die\nVerwandlung, die Wandlung, fand unter seinen Augen statt. \u201e Was Ihr den Geringsten\nunter meinen Br\u00fcdern und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan\u201c, sagt\nJesus im Gleichnis<\/strong>. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pflegen hei\u00dft, auf\ndiese Wandlung zu vertrauen. Sich auf den einzelnen Menschen einzulassen und\nihm in seiner ganzen Angewiesenheit seine W\u00fcrde widerzuspiegeln. Denn dass wir f\u00fcreinander\nda sein k\u00f6nnen, das macht unsere W\u00fcrde als Menschen aus. \u201ePflege ist ein\nBeziehungsberuf<\/strong>, in dem es nicht nur um die gekonnte Aktion, sondern vor\nallen Dingen um die Interaktion geht\u201c, sagt der Arzt und Philosoph Giovanni die\nMaio. <strong>Dieses Gl\u00fcck in der Pflege scheint\nunserer Gesellschaft abhanden zu kommen. Im Internet kann man inzwischen\nT-Shirts bestellen, auf denen steht: \u201e Ich bin kein Pflegeroboter<\/strong>\u201c. Und\ntats\u00e4chlich gleichen ja die Abl\u00e4ufe in manchen Krankenh\u00e4usern und\nPflegeeinrichtungen notgedrungen eher einer durchgeplanten Abfertigung. Da geht\nes dann nur noch darum, die vielen F\u00e4lle ohne gro\u00dfe Katastrophen zu bew\u00e4ltigen.\n<strong>Das Fatale daran: Das reduziert uns auf\nunsere k\u00f6rperliche Existenz. Vielleicht kann sogar manches eines Tages von\nRobotern \u00fcbernommen werden. aber was den Menschen zum Menschen macht- die\nBegegnung, &nbsp;&nbsp;die den anderen in seiner W\u00fcrde spiegelt,\nl\u00e4sst sich nicht an Roboter delegieren.<\/strong> &nbsp;Wo die Pflege auf Zahlen und Fakten reduziert\nwird, da werden wir eines Tages alle zum Pflegefall. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Liebe Gemeinde, wo\ndie Menschenw\u00fcrde unter die R\u00e4der kommt wie der Verwundete im Gleichnis, da m\u00fcssen\nwir dem Rad in die Speichen fallen<\/strong>. Ohne bessere Rahmenbedingungen und Geh\u00e4lter\nf\u00fcr Pflegekr\u00e4fte, ohne finanzielle Absicherung f\u00fcr Pflegende Angeh\u00f6rige, ohne\nAuszeiten, um die eigene Gesundheit zu erhalten und gute Dienstleistungen in\nder Nachbarschaft wird sich nichts \u00e4ndern.. &nbsp;<strong>Pflege\nlebt von Pflegeketten, Menschen, die solidarisch zusammenarbeiten. \u00bbWenn das\nGeld nicht reicht\u00ab, sagt der Samariter zum Wirt, \u00bbzahl ich\u2018s Dir, wenn ich das\nn\u00e4chste Mal hier vorbei komme<\/strong>.\u201c Und dann l\u00e4sst er den Verwundeten dort,\nweil er nun selbst auch weiter muss. Hinsehen, handeln und die Lasten teilen \u2013\ndarum geht es. <strong>So viele sind an der\nPflege beteiligt: Professionelle und Angeh\u00f6rige, Einrichtungen und ambulante\nDienste- eigentlich ein ganzes Netz. Die Aufgabe ist, daraus Sorgende\nGemeinschaften zu machen. Das geht uns als christliche Gemeinde ganz\nunmittelbar an. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIst einer von euch krank? <strong>Dann\nrufe er die \u00c4ltesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete \u00fcber ihn sprechen\nund ihn im Namen des Herrn mit \u00d6l salben\u201c, hei\u00dft es im Jakobusbrief (Jak 5,14).\nDie Pflegenden und die Gepflegten m\u00fcssen wieder neu in den Blick der Gemeinde\nkommen<\/strong>. Auch wenn wir eine Zeitlang nicht hingesehen haben, <strong>k\u00f6nnen wir nochmal ein St\u00fcck zur\u00fcckgehen\nund neu anfangen.&nbsp; Bu\u00dfe tun. Damit\nniemand vergessen wird und verzweifeln muss<\/strong>. Wir <strong>k\u00f6nnen beten<\/strong> f\u00fcr die Menschen, die heute nicht hier sein k\u00f6nnen und\ndoch unsere Unterst\u00fctzung. <strong>Und wir\nk\u00f6nnen aktiv werden. In Gemeinde und Politik.<\/strong> Das bringt Gewinn, der sich\nnicht in Zahlen ausdr\u00fccken l\u00e4sst. Amen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Gottesdienst \u201e Last und Lust der Pflege\u201c am 20.11.19 in St. Nikolaus, Burgdorf \u201eWir m\u00fcssen reden: \u00dcber unseren Alltag&#8230;. <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=4772\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":457,"menu_order":83,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-4772","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4772"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4772"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4772\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4773,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4772\/revisions\/4773"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/457"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4772"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}