{"id":4427,"date":"2019-06-25T15:06:58","date_gmt":"2019-06-25T13:06:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=4427"},"modified":"2020-02-25T17:01:11","modified_gmt":"2020-02-25T16:01:11","slug":"selbst-fuer-sorge-die-neue-sorgeethik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=4427","title":{"rendered":"Selbst-F\u00fcr-Sorge: Die neue Sorgeethik"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>1.Tischgemeinschaften als Sorgegemeinschaften <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein kleines Dorf in Pennsylvania wurde in den 60er\nJahren ber\u00fchmt: Roseto. Das Dorf, das von italienischen Auswanderern gegr\u00fcndet\nwurde, hatte eine besonders niedrige Sterberate bei den unter 65-j\u00e4hrigen &#8211; 30\n&#8211; 35 Prozent unter dem Durchschnitt. John Bruhn, Mitglied in einem\nForscherteam, berichtete, man habe dort keine Selbstmorde gefunden, keinen\nAlkoholismus, keine Magengeschw\u00fcre; die meisten Leute seien einfach an Altersschw\u00e4che\ngestorben. In den n\u00e4chsten Jahren ging man verschiedenen Hypothesen nach: war\nes ein besonderes Oliven\u00f6l, das so gesund erhielt oder insgesamt eine ges\u00fcndere\nKost? Tats\u00e4chlich aber nahmen die Leute dort 41 Prozent Fett zu sich. Lag es an\nden Genen? Am Trinkwasser, der medizinischen Behandlung in der dortigen Klinik?\nKeine Hypothese hielt der Forschung stand. Erst in den 70er Jahren kam das\nForscherteam zu einem ganz anderen, \u00fcberraschenden Ergebnis. Damals starb in\nRoseto der erste junge Mann am Herzinfarkt. Da hatte das Dorf seinen\nurspr\u00fcnglichen Charakter verloren; die jungen Leute zogen zur Arbeit raus, man\nging nicht mehr regelm\u00e4\u00dfig zur Kirche oder in den Club, a\u00df abends nicht\nzusammen auf der Piazza. Im R\u00fcckblick zeigte sich: Genau das war das Geheimnis:\nWer in eine solidarische Gemeinschaft eingebunden ist, lebt entspannt und\nvertrauensvoll. <strong>Gesundheit hat\nmindestens drei Dimension: eine k\u00f6rperliche, eine psychische und eine soziale.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Essen und Trinken h\u00e4lt bekanntlich Leib und Seele\nzusammen. Nicht nur wegen der N\u00e4hrstoffe und der Energiezufuhr, sondern auch\nwegen des Austauschs mit anderen und der Gemeinschaft, die st\u00e4rkt und tr\u00e4gt. \u00dcberall\nentstehen in den letzten Jahren gemeinsame Mittagstische. In Gemeindeh\u00e4usern\ntreffen sich \u00c4ltere einmal die Woche; da wird gemeinsam eingekauft, reihum\ngekocht, Rezepte werden ausgetauscht und Geschichten erz\u00e4hlt. Und wenn jemand\nfehlt, fragt bestimmt eine andere nach. Anderswo \u00f6ffnet die Cafeteria im\nAltenzentrum f\u00fcr die Kinder der nahegelegenen Tageseinrichtung. In Neuk\u00f6lln kochen\nFl\u00fcchtlinge f\u00fcr Obdachlose. In den interkulturellen G\u00e4rten werden Gerichte aus\nfremden Heimaten serviert. Und in der Schweiz geh\u00f6ren 450 Gruppen zum Tavolata-Netzwerk.\nDort wird reihum in den H\u00e4usern gekocht und: \u201eIch wei\u00df nicht, was sch\u00f6ner ist\u201c,\nsagt Erna Pl\u00fcss: \u201eGemeinsam zu planen, zu kochen, einzukaufen und G\u00e4ste zu\nbewirten oder sich als Gast an einen einladenden Tisch zu setzen und das Essen\nzu genie\u00dfen.\u201c <strong>Tischgemeinschaft, das ist\nGeben und Nehmen, Austausch und Zugeh\u00f6rigkeit. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Und so ist es von Anfang an. Schon wenn Babys\ngestillt werden, erleben sie die intensivsten Momente der N\u00e4he und\nZugeh\u00f6rigkeit. Mutter und Kind stehen im Austausch &#8211; nicht nur k\u00f6rperlich,\nsondern auch mit Blicken und Bewegungen. Schon nach kurzer Zeit synchronisiert\nsich der Herzschlag &#8211; selbst dann, wenn Eltern und Kind einander gar nicht\nber\u00fchren, sondern nur ansehen. <strong>Der schreiende\nS\u00e4ugling kann nicht unterscheiden, ob die Bauchschmerzen, die ihn plagen,\nHunger oder Sehnsucht sind. <\/strong>Er sp\u00fcrt nur diese furchtbare, schmerzende\nLeere.<strong> Das \u201estill face\u201c-Experiment von\nEdward Tronick zeigt eindr\u00fccklich, dass Babies auch dann verzweifelt schreien,\nwenn sie kommunizieren, aber keine Resonanz bekommen<\/strong>. (Youtube)<\/p>\n\n\n\n<p>Marco von M\u00fcnchhausen, der ein Buch mit dem Titel \u201eWo\ndie Seele auftankt\u201c<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a>\ngeschrieben hat, spricht davon, dass wir auch als Erwachsene solche Momente\nkennen. <strong>Das sind die Momente, wo wir uns\netwas g\u00f6nnen. Wir empfinden ein inneres Vakuum, sp\u00fcren die tiefe Sehnsucht nach\nErf\u00fcllung, nach wirklicher Begegnung. Zu uns selbst kommen und neue Kr\u00e4fte\ntanken. Uns lebendig f\u00fchlen im Austausch mit anderen<\/strong>. Jeder kennt das\nGef\u00fchl, sich in den t\u00e4glichen Zerrei\u00dfproben selbst zu verlieren. Vor lauter\nAnforderungen, vor lauter To-dos in Beruf, Familie, Nachbarschaft die innere\nMitte zu verlieren. Wir funktionieren, aber wir sp\u00fcren uns nicht mehr \u2013 es sei\ndenn mit Kopf- oder R\u00fcckenschmerzen. Wir finden keine Resonanz; und Hartmut\nRosa hat eindr\u00fccklich beschrieben, dass die dauernde Erreichbarkeit und\nVerf\u00fcgbarkeit das Problem verst\u00e4rkt hat. Die Zeitstruktur steht unter\nDauerspannung. \u00dcbergaben und Teambesprechungen fallen aus, weil doch alles im\nPC dokumentiert ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Momente der Leere, w\u00e4hrend das Hamsterrad sich\nzugleich immer schneller dreht. Und die Sehnsucht nach Entschleunigung, die\ndamit einhergeht. <strong>Was dagegen hilft, hat\nmit unseren leiblichen und sozialen Rhythmen zu tun: Spazieren gehen statt Auto\nfahren, selbst kochen und gemeinsam essen. <\/strong>Oder auch nur eine Viertelstunde\nauf die Matte gehen, Stille erleben, im Atmen zur Ruhe kommen, die Mitte\nst\u00e4rken, die alles tragen muss. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<strong>Tu Deinem\nLeib Gutes, damit Deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.\u201c Theresa von Avila,\neine spanische Mystikerin aus dem 16. Jahrhundert, verstand den Leib als Tempel\nder Seele. <\/strong>Gebaut aus dem gleichen Stoff wie die Welt, in der wir leben. Aus\nErde gemacht, wie die Bibel erz\u00e4hlt \u2013 und lebendig, weil der Atem Gottes auch\nin uns atmet und durch unsere K\u00f6rper flie\u00dft. Der mittelalterliche Theologe\nThomas von Aquin spricht von der verleiblichten Seele. <strong>Welche Rolle unser Leib spielt, wird im Zeitalter der Digitalisierung\nneu zum Thema. Die Journalistin Elisabeth von Thadden hat gerade ein Buch mit\ndem Titel \u201eDie ber\u00fchrungslose Gesellschaft\u201c geschrieben. <\/strong>Sie erz\u00e4hlt von\nJugendlichen, deren bester Freund das Smartphone ist, von einsamen \u00c4lteren und\ndem Boom der Wellnesshotels. Und ich denke an free hugs auf unseren Stra\u00dfen und\ndie Tischgemeinschaften, die \u00fcberall entstehen. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer moderne Individualismus steht nicht nur f\u00fcr einen pers\u00f6nlichen Impuls, sondern auch f\u00fcr einen sozialen Mangel, einen Mangel an Ritualen\u201c, schreibt Richard Sennett in seinem Buch \u00fcber Zusammenarbeit. <strong>\u201eDie moderne Gesellschaft hat die durch Rituale hergestellten Bindungen geschw\u00e4cht.\u201c<\/strong> Rituale haben \u201eZauberkraft\u201c: sie k\u00f6nnen eine Gemeinschaft in Umbr\u00fcchen st\u00e4rken, sie k\u00f6nnen eine schwierige Situation in einen neuen Rahmen stellen und alle Beteiligten wieder an den gemeinsamen Werten auszurichten. <strong>Rituale k\u00f6nnen in wenigen Minuten entschleunigen und erden. Fast immer haben sie mit sinnlichen Erfahrungen zu tun: mit einem Klang oder Duft, einer Ber\u00fchrung, einer Geste<\/strong>. Das gilt f\u00fcr pers\u00f6nliche Rituale wie die morgendliche Joggingrunde, die Tasse gr\u00fcnen Tee, die Lieblingsmusik auf dem Weg nach Hause oder das Dankbarkeitstagebuch. Aber auch f\u00fcr das kurze Blitzlicht im Team oder den kleinen Schoko-Osterhasen, der morgens am Schreibtisch liegt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. Du sollst nicht funktionieren<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auch der\nBuddhismus kennt die Idee, dass der K\u00f6rper Tempel der Seele ist und dass in\nunserem Atem eine andere Energie lebt<\/strong>.\nSie flie\u00dft durch die Meridiane, sie sammelt sich in den Chakren &#8211; und diese\nBewegung der inneren Energien ist mit dem Energiefluss und den Rhythmen der\nAu\u00dfenwelt durch den Atem verbunden. An unserem Atem sp\u00fcren wir Druck und Enge,\nim bewussten Atmen l\u00f6sen sich aber auch Verkrampfungen. <strong>Erfahrungen verleiblichen sich \u2013 wir sprechen heute von Embodiment. Wer\neinen anderen ber\u00fchrt, r\u00fchrt damit an Erfahrungen, die sich tief in den K\u00f6rper\neingepr\u00e4gt haben<\/strong>. Der K\u00f6rper antwortet auf Ber\u00fchrung wie auf ein Gespr\u00e4ch.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin mein Leib. Mein Gang, meine Haltung, meine\nVerletzungen und Schmerzen erz\u00e4hlen von meiner Lebensgeschichte. <strong>Wer mit einer Behinderung lebt, wei\u00df, in\nwelchem Ma\u00dfe dieser Leib auch unsere soziale Biographie, die Beziehungen und Berufswege\nbestimmen kann. Ich kenne aber auch Menschen, die andere ihre Behinderung\neinfach vergessen lassen.<\/strong> Denn wir k\u00f6nnen uns auch von k\u00f6rperlichen\nErfahrungen distanzieren, uns \u00fcber K\u00f6rperbilder hinweg setzen. Ich bin Leib,\naber ich habe eben auch einen K\u00f6rper. Ich kann an meinem K\u00f6rper arbeiten, ihn\ngestalten, in der Bewegung neue Kraft und meine Energie gewinnen. Jedes\nSportstudio zeigt, wie Menschen sich darum bem\u00fchen. In ihrem Buch \u201eDu sollst\nnicht funktionieren\u201c erz\u00e4hlt Ariadne von Schirach<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> von Stressk\u00f6rpern\nund Fitnessleibern und von den Best Agern, die das \u00c4lterwerden wie eine l\u00e4stige\nKrankheit verdr\u00e4ngen. <strong>Wie wir \u00fcber\nunseren K\u00f6rper kommunizieren, ihn anderen pr\u00e4sentieren, liegt es nahe, ihn stark\nzu machen und aufzuh\u00fcbschen, um unsere Chancen im Beruf und im Privaten zu\nverbessern<\/strong>. Wir fliehen vor der Endlichkeit, meint von Schirach; dabei w\u00e4re\nes besser, sich den Tod zum Verb\u00fcndeten zu machen. Und auch der K\u00f6rper ist ein\nVerb\u00fcndeter, wenn er mal Macken hat und uns zum Beispiel eine Erk\u00e4ltung pr\u00e4sentiert,\nwenn wir sie \u00fcberhaupt nicht brauchen k\u00f6nnen. <strong>Wer den eigenen K\u00f6rper f\u00fcr pausenlos \u00fcberholungsbed\u00fcrftig h\u00e4lt,\nverliert das Gef\u00fchl f\u00fcr sich selbst \u2013 eine Grundbedingung, sich in andere\neinf\u00fchlen zu k\u00f6nnen<\/strong>. Der Psychologe David Richo spricht von einf\u00fchlsamer\nPr\u00e4sens: Aufmerksamkeit, Annahme, Wertsch\u00e4tzung, Zuneigung und Zulassen. Diese\nQualit\u00e4ten sind notwendig, um Mitgef\u00fchl zu entwickeln \u2013 mit anderen und auch\nmit mir selbst. <strong>Selbstsorge beginnt mit\nSelbstmitgef\u00fchl. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es scheint\nso, als ob wir in der Diakonie vor lauter F\u00fcrsorge die Selbstsorge vergessen\nhaben? Haben Selbstvergessenheit, Pflichtbewusstsein und Disziplin dem Funktionieren\nden Boden bereitet?<\/strong> In jedem Fall hat Max Webers protestantische\nArbeitsethik auch in der sozialen Arbeit nicht Halt gemacht. Dass F\u00fcrsorge ohne\nSelbstsorge nicht nachhaltig ist, ist uns erst in den letzten Jahrzehnten\nbewusst geworden. Dazu brauchte es Kritiker wie Wolfgang Schmidtbauer mit\nseinen Untersuchungen \u00fcber die \u201eHilfslosen Helfer\u201c, die Erfahrungen von Burnout\nund schlie\u00dflich die Berufsflucht aus den Pflegeberufen. R\u00fcckenprobleme,\npsychische Erkrankungen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Franziskus\nvon Assisi spricht vom Leib als dem Bruder Esel. Damit erinnert er an die alte\nGeschichte von Bileam<a href=\"#_ftn3\"><strong>[3]<\/strong><\/a>,\ndem biblischen Propheten, der mit seinem Esel unterwegs ist. <\/strong>Pl\u00f6tzlich bleibt der Esel stehen. Bileam gibt ihm\neinen Klaps, er br\u00fcllt den Esel an, schlie\u00dflich pr\u00fcgelt er ihn, aber der Esel\nsteht &#8211; alle Hufe fest am Boden. Denn im Unterschied zu Bileam sieht er den\nEngel, der ihnen den Weg versperrt. Ein Warnsignal \u2013 die beiden sind auf\nAbwegen. Bileams Esel ist nicht einfach nur st\u00f6rrisch, er nimmt mehr wahr als\nder Prophet selbst. So, sagt Franz von\nAssisi, sei es mit unserem Leib, dem Bruder Esel. Der sei oft kl\u00fcger als unser\nKopf mit all seinen Pl\u00e4nen. Er sieht die Grenzen, die Gefahren auf unserem Weg.\nUnd sendet Warnsignale. Ich kann das nur best\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn und solange unser K\u00f6rper funktioniert, solange\nwir uns bei einer sinnvollen Aufgabe selbst vergessen k\u00f6nnen, solange die\nEnergie reicht, um unseren Projekten nachzugehen, denken wir nicht viel dar\u00fcber\nnach. <strong>Der Philosoph Hans Georg Gadamer\nhat von Gesundheit als dem selbstvergessenen Weggegebensein an das Leben\ngesprochen.<\/strong> Erst wenn die ersten \u201eWarnsignalen des K\u00f6rpers\u201c<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> sich\nbemerkbar machen, wenn der K\u00f6rper schlapp macht oder wenn wir krank werden, sp\u00fcren\nwir, dass unser Leib eben mehr ist als ein verf\u00fcgbares Instrument. Pl\u00f6tzlich\ngeht es wieder um uns selbst, um unseren Lebensstil, unsere Motivation und\nunsere Kraftquellen, um den Sinn unserer Arbeit. Allerdings dauert es meist\neine Weile, bis wir begreifen, dass eine Krankheit so etwas ist wie die\nKehrseite unseres Alltags. Zuerst mal tun wir so, als sei die Krankheit uns\neinfach nur zugelaufen wie eine fremde Katze. Die Grippe, der wiederkehrende\nInfekt, die Entz\u00fcndung. Wir hoffen, dass sie sich bald verzieht, wie sie\ngekommen ist. Und machen weiter wie gehabt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch f\u00fcrchte,\ndass Du, eingekeilt in Deine zahlreichen Besch\u00e4ftigungen, keinen Ausweg mehr\nsiehst und deshalb Deine Stirn verh\u00e4rtest; dass Du Dich nach und nach des\nGesp\u00fcrs f\u00fcr einen durchaus richtigen und heilsamen Schmerz entledigst. <strong>Es ist viel kl\u00fcger, Du entziehst Dich von\nZeit zu Zeit Deinen Besch\u00e4ftigungen, als dass sie Dich ziehen und Dich nach und\nnach an einen Punkt f\u00fchren, an dem du nicht landen willst. Du fragst an welchen\nPunkt? An den Punkt, wo das Herz anf\u00e4ngt, hart zu werden<\/strong>. Frage nicht\nweiter, was damit gemeint sei: wenn Du jetzt nicht erschrickst, ist Dein Herz\nschon so weit\u201c, hei\u00dft es in einem Brief von Bernhard von Clairvaux. Nicht an\nirgendwen, sondern an einen Papst, Papst Eugen III.<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen haben wir eine\nReihe von M\u00f6glichkeiten, uns Freir\u00e4ume zu schaffen. Vom Homeoffice \u00fcber\nJahresarbeitszeitkonten bis zum Sabbatjahr. <strong>Dazu geh\u00f6rt die Bereitschaft, loszulassen und andere ans Ruder zu\nlassen. Das l\u00e4sst sich im Alltag ein\u00fcben &#8211;<\/strong> mit regelm\u00e4\u00dfigen Pausen,\nMomenten des Innehaltens, ausreichend Schlaf. Neinsagen und Grenzen setzen. Das\ngelingt nur, <strong>wenn wir uns selbst,\nunseren K\u00f6rper und unsere Gesundheit respektieren. Uns wertsch\u00e4tzen, wie wir\nandere wertsch\u00e4tzen.<\/strong> Uns selbst wie unseren N\u00e4chsten lieben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Philosoph und Politikwissenschaftler Matthew Crawford<\/strong>, der mit den widerspr\u00fcchlichen Anforderungen in dem Thinktank, in dem er arbeitete, nicht mehr zurecht kam, k\u00fcndigte und er\u00f6ffnete eine Motorradwerkstatt. <strong>Aus seiner Sicht ist es entscheidend, dass Arbeit uns in einer Wertegemeinschaft verankert. Was ich tue, sagt er, muss Teil eines umfassenderen Bedeutungskreises sein \u2013 es soll dem Leben dienen. <\/strong>Ich arbeite nur mit Menschen, denen es genauso geht. Dieses Bewusstsein, das gar nicht ausgesprochen werden muss, konstituiert unser Team. Wir stehen in einer Art \u201et\u00e4tigem Gespr\u00e4ch\u201c miteinander &#8211; und durch dieses Gespr\u00e4ch kann die Arbeit unser Leben zu einem in sich schl\u00fcssigen Ganzen machen. Das entlastet uns allerdings nicht von der Eigenverantwortung. Matthew Crawford musste k\u00fcndigen, bevor er diese Teamerfahrung machte.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. Gesundheit und die starke Mitte <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Arbeit ist f\u00fcr viele Menschen der Ort, an dem\nsie sich selbst verwirklichen m\u00f6chten &#8211; und zugleich der Ort, an dem die\nAuswirkungen von Beschleunigung, Rationalisierung und Globalisierung gro\u00dfen\nDruck aus\u00fcben. Die Anpassung an diese Bedingungen fordert Reflexion und\nVerantwortung. <strong>Zum einen m\u00fcssen wir\nunseren Referenzwert, die Orientierungskoordinaten f\u00fcr unser Leben st\u00e4ndig\n\u00fcberpr\u00fcfen, zum anderen m\u00fcssen wir Aufmerksamkeit f\u00fcr die Gefahr der\nErsch\u00f6pfung entwickeln<\/strong>\u201c, schreiben Unger und Kleinschmidt in ihrem Buch\n\u201eBevor der Job krank macht\u201c.<a href=\"#_ftn6\"><sup>[6]<\/sup><\/a>\n<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ich denke\nan ein Schaubild, dass Studentinnen der Pflege- und Gesundheitswissenschaft in\neinem Ethikseminar <\/strong>entwickelt\nhatten. Es ging um die Werte der Organisation und die Werte der Personen. Auf\ndem Plakat sah man oben die Leitung mit ihren Erwartungen an die Mitarbeitenden\n\u2013 Leistung, Einsatz, Qualit\u00e4tsmanagement, Loyalit\u00e4tserwartungen. Unten die\nKunden mit ihren Erwartungen an gute Pflege, Akzeptanz ihrer jeweiligen\nBiografie und ihrer pers\u00f6nlichen Werte. Und dazwischen die Mitarbeiterinnen und\nMitarbeiter \u2013 <strong>zwischen Kassen und\nKunden. <\/strong>Eine der Studentinnen hatte das Gef\u00fchl, nur noch Handlangerin\nethischer Entscheidungen zu sein, die sie selbst so gar nicht getroffen h\u00e4tte.\nEine andere hatte sich komplett ohnm\u00e4chtig gef\u00fchlt, als der zust\u00e4ndige Hausarzt\nden Missbrauch nicht anzeigen wollte, den sie zur Sprache gebracht hatte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die meisten\nTeilnehmenden in diesem Seminar waren Musliminnen. Ihre Werte waren ihnen\nwichtig f\u00fcr die eigene Arbeit<\/strong> \u2013 im\nBlick auf Altern und Sterben, Religion und Geschlechterrollen. Aber sie hatten\nbis dahin wenig Gelegenheit gehabt, aus ihrer eigenen Haltung heraus auf ihre\nArbeit zu schauen und das auch zu formulieren. Meist gab es schon fertige\nLeitbilder und Ziele, an die sie sich anpassen sollten. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eEntspricht\nmeine Arbeit noch meinen pers\u00f6nlichen Werten und Zielen<\/strong>? Achte ich gerade genug auf mich selbst, meine\nRhythmen und K\u00f6rpersignale? Wie verantwortlich und wertsch\u00e4tzend bin ich mir\nselbst und mir wichtigen anderen Menschen gegen\u00fcber?\u201c Unger und Kleinschmidt,\ndie sich damit besch\u00e4ftigt haben, was gute Arbeit ausmacht, empfehlen, sich\nregelm\u00e4\u00dfig Auszeiten zu nehmen, um sich solche Fragen zu stellen. Es geht um\neine furchtlose Inventur, wie wir sie aus der Suchtkrankenhilfe kennen; ein\nCoaching oder eine Supervision k\u00f6nnen dabei hilfreich sein. Vielleicht auch\neinfach eine Zeit am Tage, in der wir die Stille auf uns wirken lassen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Soziale\nArbeit ist immer auch Beziehungsarbeit. Sie kann nur gelingen, wenn Sie sich\nmit ihrer Person einlassen k\u00f6nnen<\/strong>,\nihre Sensibilit\u00e4t und Professionalit\u00e4t, ihre Menschlichkeit und Fachlichkeit,\ndie eigenen Grenzen und Widerspr\u00fcche einbringen in ihren Dienst. <strong>Mit anderen Worten: Diakonische Arbeit ist\neben nicht einfach Dienstleistung, sondern immer Koproduktion<\/strong>.\nDienstleistung wird nach Zeit berechnet. Und weil Zeit in den sozialen Diensten\ndas teuerste Gut ist &#8211; <strong>wird, wo immer\nm\u00f6glich, an Zeit gespart. Damit werden die \u201eResonanzfl\u00e4chen\u201c geringer und die\nM\u00f6glichkeiten, sich einzuf\u00fchlen und Feedback im Alltag aufzunehmen, schwinden<\/strong>. Au\u00dferdem kommt es zu einer wachsenden Spreizung von Qualifikationen\nund Einkommen: Einfache T\u00e4tigkeiten werden outgesourcet, Fachdienste oft teuer\neingekauft und Mitarbeiter ohne weitere Zusatzqualifikationen m\u00f6glichst\nflexibel eingesetzt. Teams werden immer neu gemischt, einzelne Module und\nDienstleistungen im Case Management aneinandergereiht &#8211; die Beziehungen geraten\nin Zerrei\u00dfproben und werden br\u00fcchig.<a href=\"#_ftn7\"><sup>[7]<\/sup><\/a>\n<strong>Wer Hilfebed\u00fcrftige nur noch ein kleines\nSt\u00fcck auf dem Weg begleiten kann und nicht mehr sieht, wie es weiter geht, wer\nsich immer neu einlassen und schnell wieder abgeben muss, verliert das\nKostbarste, was diese Berufe ausmacht: <\/strong>die Erfahrung, wie Begegnungen Menschen heilen und ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine neue\nEthik der Sorge ist also mehr als notwendi<\/strong>g. Mit dem Begriff \u201eSorge\u201c &#8211; einem Versuch, das englische Care zu\n\u00fcbersetzen problematisiert die feministische Theorie die Dominanz einer\n\u00f6konomisierten Sichtweise im Sozial- und Gesundheitswesen, die den Menschen zum\nblo\u00dfen Kunden und Empf\u00e4nger von Dienstleistungen macht. \u201eSorge\u201c steht f\u00fcr alle\nBeziehungs- und Zuwendungsarbeit privater wie professioneller Natur, <strong>f\u00fcr das grundlegende, umfassende\nF\u00fcr-einander-da sein, wie wir es in den Tischgemeinschaften und Caring\nCommunities erleben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Forschungsprojekt des Instituts f\u00fcr Diakoniemanagement in Bethel zu den Merkmalen diakonischer Kultur zeigt: Es geht um die Qualit\u00e4t der Arbeit, den Umgang mit \u00f6konomischen Herausforderungen, die bewusste Wahrnehmung von F\u00fchrung. <strong>Aber f\u00fcr die Mitarbeitenden geht es zentral um Zeitgestaltung am Arbeitsplatz, im Umgang mit Klienten, aber auch in Pausen und bei Festen. Und um Fehlerfreundlichkeit \u2013 also um eine Kultur, in der keiner wie ein Roboter funktionieren muss.<\/strong> Wenn diakonischer Anspruch und gelebte Wirklichkeit in einem eklatanten Widerspruch stehen, dann w\u00e4chst die Burnout Gef\u00e4hrdung, steigen die Fehltage. Dann wird es Zeit, wieder neu zu kl\u00e4ren, was wir mit unserer Arbeit erreichen, wof\u00fcr wir uns einsetzen wollen, was uns heilig ist. Wir schlie\u00dfen ja nicht nur Vertr\u00e4ge mit unserem Arbeitgeber, sondern in gewisser Weise auch mit uns selber, wenn wir einen Beruf w\u00e4hlen, einen Job beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>4. Und  was ist Ihre Berufung \u2013 oder die Suche nach Sinn (Work is not a job)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWann haben Sie zuletzt aus tiefster \u00dcberzeugung\nheraus geliebt, was Sie tun? Kompromisslos, begeistert, enthusiastisch?\u201c Das\nfragen Anja F\u00f6rster und Peter Kreuz in ihrem Buch \u201eH\u00f6rt auf zu arbeiten! Eine\nAnstiftung zu tun, was wirklich z\u00e4hlt\u201c. Dabei geht es nicht um den Ruhestand,\nauch nicht um die vielbeschworene Work-Life-Balance, sondern um <strong>eine lohnende Aufgabe, die Freude macht,\nunsere besten Kr\u00e4fte herausfordert und unserer Berufung entspricht<\/strong>. <\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten Jahren ist das Thema Berufung wieder\nwichtiger geworden. <strong>In einer Welt, in\nder wir Jobs und Positionen, Wohnorte, Familien und Freundeskreise oft mehrfach\nim Leben wechseln, fragen sich viele, was der Sinn ihres Lebens ist, was sie an\nUnverwechselbarem einzubringen haben und wof\u00fcr sie gebraucht werden<\/strong>. Es\ngeht darum, etwas zu finden, was unseren Einsatz und unsere Hingabe lohnt. <\/p>\n\n\n\n<p>Der moderne Arbeitnehmer soll flexibel, mobil und\njederzeit verf\u00fcgbar sein wie seine Produkte. Das ist in Diakonie und Kirche\nnicht anders als in Banken und anderen Dienstleistungsunternehmen. Auch\nDiakonie fragt nach Input und Output, nach Effektivit\u00e4t und Effizienz, macht\nGewinn- und Verlustrechnungen auf. So haben die allermeisten gelernt, das\nprofessionelle Handeln von ihrer Motivation und auch von ihren Gef\u00fchlen\nabzuspalten. \u201e<strong>Professionalisierung,\nEffektivit\u00e4t und Effizienz hei\u00dft immer auch Vereisung\u201c, <\/strong>sagt der Ethiker\nAndreas Heller. Wo dauernd Budgets und Ziele verglichen werden, z\u00e4hlt am Ende\nKonkurrenz mehr als Kooperation. Und wer nicht mehr mit einem festen Einkommen\nrechnen kann, weil er von Zeitvertrag zu Zeitvertrag lebt, l\u00e4sst sich\nm\u00f6glicherweise nicht mehr wirklich ein \u2013 auf einen beruflichen Kontext ebenso\nwenig wie auf einen Wohnort. <strong>Vielleicht\nstehen Familie und Freundschaft, aber auch Nachbarschaftsinitiativen,\nfreiwilliges Engagement und Gemeinwohl gerade deshalb so hoch im Kurs, weil wir\nsp\u00fcren, wie viel K\u00e4lte in der Funktionalisierung steckt, <\/strong>wie wenig\nNachhaltigkeit in der blo\u00dfen Marktlogik. Kein Wunder also, dass wieder nach\nBerufung gefragt wird. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Den\nZusammenhang zwischen Beruf und Berufung hat vor allem Martin Luther\nhervorgehoben<\/strong>. Er sah in den unterschiedlichsten\nT\u00e4tigkeiten &#8211; vom Bauer bis zum Handwerker, von der Hausfrau bis zum Soldaten &#8211;\n\u201eBerufe\u201c, weil er Menschen sah, die sich dazu \u201eberufen\u201c wussten; die einen\ntieferen Sinn in ihrer Arbeit fanden und damit dem Ganzen dienen wollten.\nVielleicht ist das schwieriger geworden in unserer Welt, in der viele mehrere\nBerufe und Jobs in ihrem Leben haben. Vielleicht aber auch einfacher. Denn kein\nMann muss mehr den Beruf seines Vaters ergreifen und die Firma seiner Eltern\nfortf\u00fchren. Und Frauen k\u00f6nnen auch ohne Mutterschaft ein erf\u00fclltes Leben\nf\u00fchren. <strong>Wir sind frei, unsere ganz\neigene Berufung zu entdecken, einen eigenen Weg zu gehen <\/strong>&#8211; mit Scheitern und Neuanf\u00e4ngen und\nunterschiedlichen Lebensabschnitten. <strong>Es\ngeht nur um eins: dass wir leben, wachsen und mit unseren Gaben dem Leben\ndienen. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wer keine Chance mehr sieht, den eigenen Anspruch im\nBerufsalltag zu verwirklichen, wer sich nicht gew\u00fcrdigt sieht mit seiner\nBiographie, mit dem, was er einzubringen hat, geht vielleicht in die innere\nK\u00fcndigung. Besser: er oder sie macht sich \u00e4u\u00dferlich auf den Weg &#8211; wechselt die\nStelle, bildet sich weiter, spezialisiert sich. Andere reduzieren die\nErwerbsarbeit, um mehr Zeit f\u00fcr die Familie zu haben, oder machen sich\nselbst\u00e4ndig &#8211; mit einem Kinderhospiz, einem Jugendhilfeprojekt. Eine Berliner\nLehrerin gr\u00fcndete ein Theaterprojekt mit Migrantinnen und Migranten. Andere\nsuchen neben dem Beruf ein ehrenamtliches Standbein, einen Ort, an dem sie ihre\nBerufung leben k\u00f6nnen: eine Imkerei vielleicht, ein Theaterprojekt, eine Yogaschule.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dass Arbeit\nmehr ist als nur ein Job, dass sie mit Passion, Begegnung, Kreativit\u00e4t &#8211; eben\nmit Sinnsuche &#8211; zu tun hat, das wird zur Zeit vor allem in der Szene der\nGr\u00fcnder, Freiberuflichen und K\u00fcnstler neu entdeckt<\/strong>. \u201eWork is not a job\u201c, hei\u00dft ein k\u00fcrzlich\nerschienenes Buch von Catharina Bruns. Sie versteht Arbeit als Umwandlung von\nEnergie, als unseren Selbstausdruck in der Welt, ein Gestaltungselement mit\npers\u00f6nlicher, aber auch mit gesellschaftlicher Dimension. <strong>\u201eIst es zu viel verlangt, sich in dem, was man den ganzen Tag tut,\nwiederfinden zu wollen\u201c fragt sie. Wer seine Arbeit nur als Job verstehe, der\nsortiere am Ende alles nach Arbeitszeiten und Zust\u00e4ndigkeiten<\/strong>. Und suche\ndann die Work-Life-Balance in dem, was vom Leben \u00fcbrig bleibt. Wer aber seine\nArbeit als Berufung verstehe, der engagiere sich f\u00fcr die Rahmenbedingungen und\nk\u00e4mpfe darum, dass die eigene Arbeit im Einklang mit den pers\u00f6nlichen\nBegabungen und Interessen bleibe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>5. \u201eDienet dem Herrn mit Freuden oder Wo bleibt der Spa\u00df<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<strong>Tu deinem\nLeib Gutes, damit Deine Seele Lust hat, darin zu wohnen<\/strong>.\u201c Das Wort von\nTheresa von Avila erinnert daran, wie wichtig es ist, uns die Lebensfreude zu\nerhalten \u2013 gerade dann, wenn uns die Sorge f\u00fcr andere belastet. Deswegen\ngef\u00e4llt es mir eigentlich sehr gut, wenn \u00fcber manchem Mutterhaus der Diakonie\nzu lesen ist: \u201eDienet dem Herrn mit Freuden\u201c. Die Diakonissen, f\u00fcr die das\neinmal geschrieben wurde, wussten, dass sie R\u00fcckzugszeiten brauchten, um sich\nneu an ihre Kraftquellen anzuschlie\u00dfen, sich vielleicht auch neu zu orientieren.\n\u201eEinkehrtage\u201c nannte man das damals. \u201eAuftanken\u201c w\u00fcrden wir vielleicht sagen. <\/p>\n\n\n\n<p>Alles f\u00e4ngt damit an, dass wir unsere Ressourcen\nkennen, uns \u00fcber unsere Energiegeber klar sind. Das ist f\u00fcr jeden\nunterschiedlich. Musik h\u00f6ren oder besser noch Musik machen &#8211; viele Filme\nerz\u00e4hlen, wie ein Chor Menschen ver\u00e4ndern kann. Die eigene Stimme h\u00f6ren, die\nLebendigkeit des K\u00f6rpers wahrnehmen. Unter gr\u00fcnen Baumd\u00e4chern walken und\nbeobachten, wie das Licht die Farben ver\u00e4ndert. Beim Tiefseetauchen ganz neue\nWelten entdecken. Sich bewegen und die Kraft im eigenen K\u00f6rper sp\u00fcren, seine\nLebendigkeit wahrnehmen. Oder Lesen und in eine andere Welt versinken; neulich erschien\nein Buch \u00fcber Romane als Therapie. Und lachen! Lachen entspannt und bringt\nunsere Energie zum Flie\u00dfen. Kinder lachen \u00fcbrigens im Schnitt etwa 400-mal\nt\u00e4glich, Erwachsene nur noch 15 mal &#8211; vielleicht, weil wir uns immer ein\nbisschen kindisch vorkommen, wenn wir uns begeistern. Lachyoga-Kurse sind ein\nguter Anfang. Und die Seminare in Eckart von Hirschhausens Stiftung \u201eHumor\nhilft heilen\u201c, zu denen er Mitarbeitende in Krankenh\u00e4usern einl\u00e4dt &#8211; seit 10\nJahren mittlerweile.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch aufr\u00e4umen kann befreien, Gartenarbeit kann erden und das Engagement f\u00fcr andere kann uns sp\u00fcren lassen, dass es Freude macht, da zu sein. Horst Kr\u00e4mer, der ein Buch \u00fcber Soforthilfe bei Stress und Burnout geschrieben hat<a href=\"#_ftn8\">[8]<\/a>, sagt, wir f\u00e4nden am besten aus Belastungssituationen heraus, wenn wir wieder sp\u00fcren, dass wir die Lust und die Kraft haben, Ziele zu erreichen, uns selbst und unsere Umwelt zu ver\u00e4ndern. Abh\u00e4ngen und sich verw\u00f6hnen lassen gen\u00fcgt also nicht, wenn wir uns leer und kraftlos f\u00fchlen. Letztlich kommt es darauf an, unseren Alltag neu zu gestalten, eine neue Balance zu finden zwischen Anspannung und Entspannung. Zwischen F\u00fcrsorge und Selbstsorge. Energiegeber in den Alltag einbauen &#8211; vom genussvollen Essen bis zum Joggen am Morgen. Und vielleicht auch ganz neue Talente zu entdecken. Herausforderungen, an denen wachsen k\u00f6nnen, auf der einen Seite und stabile Beziehungen auf der anderen &#8211; das sei das Geheimnis eines erf\u00fcllten Lebens, sagt der Hirnforscher Gerald H\u00fcther. Also: ab und mal raus aus der Box \u2013 es muss ja nicht gleich Bungeejumping sein.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>5. Auf den eigenen Atem achten &#8211; und in Beziehung bleiben <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir bleiben Beziehungswesen \u2013 auch wenn wir\nherauswachsen aus der Symbiose von Mutter und Kind, die am Anfang unsere\nSehnsucht stillt &#8211; letztlich sind wir in jedem Alter auf Anerkennung und das\nWohlwollen anderer angewiesen. Der Wirtschaftstheoretiker Adam Smith hat diesen\nGedanken in seiner Theorie der ethischen Gef\u00fchle f\u00fcr die moderne Wirtschaft\nherausgearbeitet. \u201eIn einer zivilisierten Gesellschaft ist der Mensch st\u00e4ndig\nund in hohem Ma\u00dfe auf die Mitarbeit und Hilfe anderer angewiesen. Doch reicht\nsein ganzes Leben gerade aus, um die Freundschaft des einen oder anderen zu\ngewinnen&#8230;\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz oder wegen wachsender Agilit\u00e4t und Flexibilit\u00e4tserwartungen\nspielen Kolleginnen und Kollegen eine wichtige Rolle. Wir sind darauf\nangewiesen, dass Informationen flie\u00dfen, dass wir R\u00fcckmeldungen bekommen und\ngeben k\u00f6nnen, dass wir uns einmischen k\u00f6nnen, wenn unsere Arbeit sich\nver\u00e4ndert. Da ist es wichtig, zu wissen, wem wir vertrauen k\u00f6nnen. Angesichts\nder Zeit, die Menschen am Arbeitsplatz verbringen, angesichts der Tatsache,\ndass viele Paare pendeln und sich nur am Wochenende sehen, bleiben Kolleginnen\nund Kollegen wichtige Partner und werden oft zu Freunden, zu Frollegen. <\/p>\n\n\n\n<p>Theodor Fliedner, der Gr\u00fcnder von Kaiserswerth, hatte\nklare Kriterien, wann er seine Diakonissen aus einem Krankenhaus zur\u00fcckzog.\nDabei ging es um Qualit\u00e4t und Ethik der Pflege, es ging aber auch um die\nGesundheit der Schwestern, dass sie Urlaub und dass sie Zeit genug zur Erholung\nhatten. Was f\u00fcr Klienten wichtig ist, das brauchen Mitarbeitende genauso: Wir\nalle brauchen tragf\u00e4hige Netze, inspirierende Begegnungen, den Austausch\nuntereinander, und Orte, an denen man sich gern aufh\u00e4lt. Wir brauchen Zeit, uns\ngut zu versorgen, eine Aufgabe, die uns fordert, das Gef\u00fchl, unser Leben\ngestalten zu k\u00f6nnen und eine Gemeinschaft, in der wir Zugeh\u00f6rigkeit erfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Einf\u00fchrungskurs, ein Ethikzirkel, aber auch ein\nFachtag geben die Chance, uns klar zu machen, wo wir stehen und wohin wir\nunterwegs sind. In Gruppengespr\u00e4chen, beim gemeinsamen Essen, im Plenum entsteht\nein Resonanzraum, der \u00fcber den Augenblick hinausweist, unsere Rollen\n\u00fcberschreitet und unsere Gef\u00fchle einbezieht. Das macht Lust, zusammen zu\narbeiten. Weil auch die Seele ihren Platz wieder findet. Das alles gilt es zu\npflegen, damit der Spirit sozialer Arbeit erhalten bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sind dazu ausgebildet, auf die Bed\u00fcrfnisse\nanderer zu achten und f\u00fcr sie zu sorgen. Vielleicht geh\u00f6rt dazu auch die\nHoffnung, dass von den Menschen, denen wir Zuwendung geben, etwas zur\u00fcckkommt.\nWenn die Resonanz fehlt, f\u00fchrt das manchmal dazu, dass wir noch mehr tun und\nuns selbst vergessen. Bis eben nichts mehr geht. Wenn es soweit ist, dann gibt\nes nur eines: Da anfangen, wo der Schmerz sitzt \u2013 bei der Wut, der\nEntt\u00e4uschung. Sich die uneingestanden W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse bewusst zu\nmachen. Und wirklich zu begreifen, dass wir uns zuerst selbst gut tun m\u00fcssen. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBitte ziehen Sie zuerst die Atemmaske zu sich herunter und helfen Sie dann Kindern, Schw\u00e4cheren, Ihren Nachbarn\u201c, erkl\u00e4ren die Flugbegleiter, bevor wir abheben. Am vergangenen Samstag habe ich das gerade wieder erlebt \u2013 da sa\u00df auf der anderen Seite am Fenster eine blinde Frau. \u201eBitte fassen Sie die Atemmaske einmal vorher an\u201c, erkl\u00e4rte die Stewardess, damit Sie wissen, wie sie sich anf\u00fchlt, wenn sie runterf\u00e4llt. \u201eUnd dann achten Sie bitte darauf, dass sie sie hier befestigt\u201c, erkl\u00e4rte sie weiter \u2013 jetzt zu ihrer Begleiterin. \u201eNicht \u00fcber uns ohne uns\u201c, dachte ich, w\u00e4hrend das Gespr\u00e4ch weiterging. Der Zusammenhang zwischen Selbstsorge und Empowerment wurde greifbar deutlich. Ganz bewusst f\u00fcr uns selbst zu sorgen, ehe wir uns anderen zuwenden, das m\u00fcssen wir vielleicht auch in der sozialen Arbeit wieder lernen. Ein Lehrbuch zur Thaimassage fiel mir ein, das ich vor Jahren aus Bangkok mitgebracht habe. Es zeigt die Gesten und Haltungen der Vorbereitung: Reinigungsgesten, Gebetsgesten. Und ich dachte an die regelm\u00e4\u00dfigen Gebetszeiten in den Kl\u00f6stern, die ganz selbstverst\u00e4ndlich die Arbeit unterbrachen. Auch das waren Gelegenheiten, die Gedanken zu kl\u00e4ren. Es ist hundertf\u00fcnfzig Jahre her, dass der Elisabethorden in M\u00fcnchen mit seinen Geldgebern dar\u00fcber stritt, ob diese Gebetszeiten und die gemeinsamen Mahlzeiten zur Arbeit geh\u00f6ren oder nicht. Wir wissen, wie der Streit ausging.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>6. Beseelte  Orte <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Psychoanalytikerin Ingrid Riedel<a href=\"#_ftn9\">[9]<\/a> hat\nein Buch geschrieben, in dem sie ihre Seelenorte vorstellt. Die Tempelanlage\nder Erdmutter auf Malta kommt da vor, das Kloster der Hildegard von Bingen auf\ndem Disibodenberg, das Labyrinth in Chartres, das Meditationszentrum Neum\u00fchle.\nKraftorte, die \u2013 wie sie schreibt, in ihrer stimmigen Ganzheit das Gef\u00fchl von\nGanzheit in ihr selbst geweckt haben. \u201eWoher mag es kommen, dass wir in den\nletzten Jahrzehnten in breiten Kreisen eine solche Faszination durch beseelte\nOrte erfahren?\u201c, fragt Ingrid Riedel. Sie meint, es m\u00fcsse mit einer Art von\nHeimweh zu tun haben, das viele ergreift. In einer Welt, die sich rasch\nver\u00e4ndert und uns hin und hertreibt, suchen wir Wurzeln, die \u00fcber unsere\neinzelnen Projekte, Lebensabschnitte, ja, \u00fcber unsere individuelle Geschichte\nhinausreichen. Orte eben, in denen unsere Seele zu Hause sein kann wie in einem\ngr\u00f6\u00dferen Leib.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich das Buch vor einigen Jahren gelesen habe,\nbegann ich ganz unwillk\u00fcrlich meine eigene Liste der beseelten Orte hinzu zu\nf\u00fcgen. Das 400 Jahre alte Fachwerkhaus, in dem ich meine Kindheit verbracht\nhabe, die Klagemauer in Jerusalem, und auch die Kaiserswerther Diakonie, die\nmir ja eigentlich ein Arbeitsort war. Wer durch die alten diakonischen\nGr\u00fcndungsorte wie Bethel, die Karlsh\u00f6he hier in Ludwigsburg oder das Rauhe Haus\ngeht, der ersp\u00fcrt schon in der Anlage der H\u00e4user und Friedh\u00f6fe, in den\nBibelworten und Bildern an den W\u00e4nden eine faszinierende Verbindung von Innen\nund Au\u00dfen, von Spiritualit\u00e4t und sozialem Engagement. In Kaiserswerth geh\u00f6rt\nauch die Natur dazu: die alte Zeder, die Fliedner aus dem Libanon mitgebracht\nhat, die Apfelplantagen, die von der Gartenbauschule \u00fcbrig geblieben sind. Das\nalles zusammen macht den Zauber aus \u2013 es ist der Zauber l\u00e4ngst vergangener\nZeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sch\u00f6nheit und der Zauber der alten diakonischen\nEinrichtungen sollten die Prozesse des Zu-sich-selbst-Kommens unterst\u00fctzen. Seit\nden 80er Jahren hatten die \u00d6konomisierungsprozesse im Sozialen dazu verf\u00fchrt,\nR\u00e4ume zu funktionalisieren. Im Wettbewerb um die g\u00fcnstigsten Pfleges\u00e4tze wurden\ndie sch\u00f6nen Gr\u00fcnderzeith\u00e4user zu gro\u00df, die Parkpflege unbezahlbar und die gemeinsamen\nTischzeiten schwanden. Nun aber kehrt hier und da etwas davon zur\u00fcck. Ob Haus\nder Stille oder Mehrgenerationenhaus, ob Familienzentrum oder Obdachlosen-Caf\u00e9 &#8211;\nPl\u00e4tze entstehen, wo man freundlich empfangen wird, gemeinsam essen und reden\nund auch G\u00e4ste einladen kann. Meditative Labyrinthe und Caf\u00e9s werden neu\nentdeckt und gebaut. Gemeinsame Mittagstische und Vesperkirchen haben wieder\nKonjunktur. Wo sind die R\u00e4ume, in denen Sie loslassen und zu sich selbst\nkommen? Wo sie sich zur\u00fcckziehen, reden und feiern k\u00f6nnen? Stehen da Obst und\nWasser f\u00fcr Sie bereit? Etwas anderes, was Ihnen gut tut?<\/p>\n\n\n\n<p>Mir hilft auch eine Erfahrung von Theresa von Aquila:\ndie innere Burg. Oder \u2013 wie es die Hypnotherapeuten sagen: die innere Kapelle.\nEs tut gut, in Stille und Meditation, irgendwo im Gr\u00fcnen oder auf einer\nYogamatte, den Ort aufzusuchen, an dem meine Seele zur Ruhe kommt. Dieser Raum ist\nimmer da \u2013 wir tragen ihn in uns. Meiner ist eine Bergwiese. Vielf\u00e4ltig bunt,\nmit dem Summen von Grillen. Am Rand steht eine alte Holzbank auf der ich liege\nund lese. Ein Steinbrunnen mit Bergwasser pl\u00e4tschert. Ich liege da und lese,\nmehr noch \u2013 ich schaue in den Himmel. Nichts fehlt mir. Der Himmel sorgt f\u00fcr\nmich. Wie f\u00fcr die Spatzen und den Klatschmohn, hat Jesus mal gesagt. Ein\nwunderbarer Gedanke. Ich f\u00fchle mich leicht. F\u00fcr einen Augenblick sind Innen und\nAu\u00dfen eins. Ich atme tief und tanke auf. <\/p>\n\n\n\n<p>Cornelia Coenen-Marx, Ludwigsburg 14.5.19<br><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Marco von M\u00fcnchhausen,\nWo die Seele auftankt, Frankfurt 2004 <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Ariadne\nvon Schirach, Du sollst nicht funktionieren &#8211; F\u00fcr eine neue Lebenskunst,\nM\u00fcnchen 2014 <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> 4. Mose\n22, 21 ff. <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Vgl. z.B.\nVolker Fintelmann, Marcela Ullmann, Warnsignale des K\u00f6rpers, Beschwerden von\nK\u00f6rper und Seele ganzheitlich verstehen, M\u00fcnchen 2004 <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Zitiert\nnach Anselm Gr\u00fcn, Buch der Lebenskunst, Freiburg 2002 <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> Unger,\nHans-Peter\/ Kleinschmidt, Carola: Bevor der Job krank macht, M\u00fcnchen 2006. <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> Vgl. die\n\u00dcberlegungen von Hartmut Rosa zu \u201eBeschleunigung. Ver\u00e4nderung der\nZeitstrukturen in der Moderne, Berlin 2005 \u2013 und seitdem vielf\u00e4ltige Aufs\u00e4tze\nund Texte zu Resonanz und Beschleunigung vom gleichen Autor<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a>Horst\nKr\u00e4mer, Soforthilfe bei Stress und Burn-out, M\u00fcnchen 2010 <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\">[9]<\/a> Ingrid\nRiedel, Beseelte Orte, Stuttgart 2001 <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.Tischgemeinschaften als Sorgegemeinschaften Ein kleines Dorf in Pennsylvania wurde in den 60er Jahren ber\u00fchmt: Roseto. 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