{"id":4192,"date":"2019-01-21T13:13:04","date_gmt":"2019-01-21T12:13:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=4192"},"modified":"2019-01-21T13:16:16","modified_gmt":"2019-01-21T12:16:16","slug":"andachten-zum-thema-engagement","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=4192","title":{"rendered":"Andachten zum Thema Engagement"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1\"><strong><span class=\"s1\">27.1.2018,\u00a06.35 Uhr, Deutschlandfunk\u00a0DLF<\/span><\/strong><\/p>\n<h2><strong>Engagement \u2013 der Rat der Alten<\/strong><\/h2>\n<p>Der Rat der Gro\u00dfm\u00fctter: In Deutschland wurde er 2009 gegr\u00fcndet. \u201eGro\u00dfm\u00fctter\u201c aus aller Welt haben sich zusammengeschlossen, weil sie sich angesichts von Seuchen und Armut, von Klimawandel und Naturzerst\u00f6rung um die Zukunft der Erde und der Menschheit sorgen. Gro\u00dfm\u00fctter aus Afrika sind dabei, sie versorgen die Enkel, weil die Eltern an Aids gestorben sind. Gro\u00dfm\u00fctter vom Balkan, sie ziehen die Kinder gro\u00df, weil ihre M\u00fctter bei uns andere Gro\u00dfm\u00fctter pflegen. Frauen aus Deutschland, die Leihgro\u00dfm\u00fctter geworden sind \u2013 f\u00fcr \u00fcberlastete Familien. F\u00fcr alleinerziehende M\u00fctter.<\/p>\n<p>Vielleicht ist es an der Zeit, die Rolle der \u00c4ltesten neu zu beleben. Auch die Kirche kennt ja ein \u00c4ltestenamt, das Presbyteramt. Das griechische Wort ist eine Erinnerung: Die \u00c4lteren in der Antike genossen gro\u00dfe Wertsch\u00e4tzung, weil sie im Lauf ihres Lebens Weisheit und Einsicht entwickeln konnten. Und auch ein Witwenamt gab es; da waren die Frauen gefragt, die mit ihren Kindern allein dastanden und oft auf die Hilfe anderer angewiesen waren. Sie kannten die Armut und die Umbr\u00fcche im Leben. Sie wussten, was Lebensbr\u00fcche sind und wie es sich anf\u00fchlt, abh\u00e4ngig zu sein. Sie hatten eine besondere Empathie f\u00fcr die Armen, f\u00fcr die Kinder und die Sterbenden.<\/p>\n<p>Heute engagieren sich viele \u00c4ltere in ihrer Nachbarschaft, sie kn\u00fcpfen die kleinen Netze des Zusammenhalts in den Gemeinden. \u201eIm Alter bekommen die K\u00f6rper eine andere Bedeutung \u2013 sie werden anf\u00e4lliger und zeigen Schw\u00e4che\u201c, schreibt Lisa Frohn. \u201eDas hei\u00dft auch, dass der Ort, an dem sich der K\u00f6rper befindet, und die Umst\u00e4nde an diesem Ort wichtiger werden. Weil es um Wohlergehen, Gesundheit, Versorgung und Betreuung geht. \u00c4ltere haben die F\u00e4higkeit, von sich selbst abzusehen \u2013 sie wollen f\u00fcr andere da sein und ihre Erfahrungen in die Gesellschaft einbringen.\u201c<\/p>\n<p>Bei den jungen Alten schl\u00e4gt das Herz der neuen, generationen\u00fcbergreifenden Gemeinwohlbewegung. Sie tragen die Nachbarschaftsprojekte, die Dorfl\u00e4den und die B\u00fcrgerbusse und auch die Mittagstische, bei denen reihum gekocht wird. Bei \u201eRent a Grant\u201c arbeiten sie als Leihomas und in Mehrgenerationenh\u00e4usern geben sie den Kindern ein St\u00fcck Kontinuit\u00e4t in wechselnden Alltagsmustern. Man findet sie bei Hausaufgabenhilfen, in der Fl\u00fcchtlingsarbeit, als Lesehelfer und Mentoren f\u00fcr Auszubildende. Viele suchen solche Ratgeber, die Lebenserfahrung einbringen. Menschen, die sich mit den eigenen Fehlern und Umwegen ausges\u00f6hnt haben. Sie k\u00f6nnen deswegen auch andere vorurteilsfrei aufnehmen und begleiten. Und vielen zu Segen werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr die allermeisten alten und auch sehr alten Menschen ist das ein zentraler Lebensinhalt. Eine Hochaltrigenstudie der Universit\u00e4t Heidelberg stellt fest: Mehr als sechzig Prozent engagieren sich f\u00fcr andere Menschen. Und genauso viele haben das Bed\u00fcrfnis, auch weiterhin gebraucht und geachtet zu werden. Vor allem von den j\u00fcngeren Generationen. 85 Prozent der Befragten besch\u00e4ftigen sich intensiv mit den Lebenswegen der nachfolgenden Generation. Selbst wer k\u00f6rperlich nicht mehr fit ist, muss mit seinem Engagement f\u00fcr andere nicht aufh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Gerade die \u00c4lteren k\u00f6nnen andere beraten und begleiten. Mehr noch: Sie k\u00f6nnen f\u00fcr andere beten. Ich denke dabei an Abraham, der f\u00fcr seine Verwandten in Sodom gebetet hat. Abraham bekniet Gott, die Stadt Sodom zu erhalten \u2013 trotz Profitgier und Naturzerst\u00f6rung. Weil er die Erde und die Menschen liebt \u2013 ganz \u00e4hnlich, wie der Rat der Gro\u00dfm\u00fctter es tut. Abraham bittet Gott, die Stadt vom Untergang zu verschonen, wenn es nur f\u00fcnfzig Gerechte darin gibt \u2013 oder nur f\u00fcnfundvierzig oder vierzig. Oder sogar nur zwanzig oder zehn. Er bittet und bettelt und handelt mit Gott. Voller Furcht, aber ohne falsche Scheu. Weil die Liebe gr\u00f6\u00dfer ist als jeder Wunsch nach Bestrafung. Weil es ihm um die Zukunft der Welt geht. Das ist der Zukunftssinn der \u00c4lteren. Wer wei\u00df, wie endlich das Leben sein kann, der setzt sich ein, damit es weitergeht. Mit seinem Engagement \u2013 mit Rat und Tat und mit seiner F\u00fcrbitte.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong><span class=\"s1\">25.1.2018,\u00a06.35 Uhr, Deutschlandfunk\u00a0DLF<\/span><\/strong><\/p>\n<h2><strong>Engagement \u00a0\u2013 Partnerschaften<\/strong><\/h2>\n<p>\u201eDu wirst gebraucht. Mit allem, was du kannst. Und mit allem, was schiefgelaufen ist in deinem Leben.\u201c Mitten in der W\u00fcste h\u00f6rt Mose diese Stimme. In \u00c4gypten hatte er einen Mann erschlagen. Einen der Vorarbeiter beim Pyramidenbau, der die Hebr\u00e4er sp\u00fcren lie\u00df, dass sie Fremde waren. Sp\u00e4t erst hatte Mose begriffen, dass er selbst ein Hebr\u00e4er war. Er war am Hof des Pharao aufgewachsen \u2013 ein hebr\u00e4isches Findelkind im Zentrum der Macht. \u201eDu wirst gebraucht\u201c, sagt ihm die Stimme, \u201edamit dein Volk frei wird.\u201c Und alles wehrt sich in Mose. \u201eIch? Wieso ich? Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen sollte?\u201c<\/p>\n<p>Wer kennt das nicht? Das Nachbarschaftszentrum braucht Integrationshelfer f\u00fcr Gefl\u00fcchtete \u2013 Menschen, die sie auf Beh\u00f6rdeng\u00e4ngen begleiten oder im Gespr\u00e4ch mit Firmen. Da muss man es ertragen, wenn man mit all seinem Engagement vor Mauern l\u00e4uft. Die Ungewissheit aushalten und die Traumata. Kann ich das? Anderswo werden Ehrenamtliche gesucht, die Sterbende im Pflegeheim begleiten. Schaffe ich das? Mich der eigenen Endlichkeit zu stellen? Und wer unterst\u00fctzt mich, wenn ich nicht weiter wei\u00df?<\/p>\n<p>Auf mich kann es doch nicht ankommen, denkt man. Immer wieder erz\u00e4hlt die Bibel von Menschen, die Angst haben vor dem, was auf sie zukommt. Sie f\u00fchlen sich zu jung, zu alt oder zu krank. Mose hat eine Behinderung: Er kann nicht reden. Wie soll denn jemand Politik machen, der nicht gut im Reden ist? Als ob Gott nicht bedacht h\u00e4tte, wer da vor ihm steht. \u201eHabe nicht ich, der Herr, den Menschen einen Mund gegeben? Kann ich sie nicht stumm oder taub machen, sehend oder blind?\u201c, bekommt Mose zu h\u00f6ren. So, wie wir sind, werden wir gebraucht. Auch wenn wir mit dem Rollator oder dem Rollstuhl unterwegs sind. Wer Fluchterfahrungen hat, wei\u00df, wie es ist, sich nach Freiheit zu sehnen. Wer Mobbingerfahrungen hat, wei\u00df, wie es ist, klein gemacht zu werden. Genau das sind die Menschen, die anderen R\u00fcckenwind geben k\u00f6nnen. Auf dem Weg zum Amt. Am Arbeitsplatz. Und auch in der Politik. \u201eGeh jetzt, Mose. Ich bin bei dir und sage dir, was du reden sollst.\u201c<\/p>\n<p>Aber Mose traut sich schon lange nichts mehr zu. \u201eHerr, sende doch lieber einen anderen\u201c, sagt er kleinlaut. Mein Gott, ist es schwer, einem Menschen Mut zu machen! Aber dann gibt es da einen, der das Wort f\u00fcr Mose ergreifen kann. Sein Bruder wird zum Mitstreiter, er kann gut reden. Zu zweit sind sie ein gutes Gespann. Mose und Aaron. Wenn einer mitgeht, wachsen dir Kr\u00e4fte zu.<\/p>\n<p>Selten habe ich jemanden so begeistert von seinem Engagement erz\u00e4hlen h\u00f6ren wie einen der Kirchenw\u00e4chter aus der Marktkirche in Essen. Den ehrenamtlichen Dienst hat der Stadtkirchenverband f\u00fcr eine Kunstausstellung organisiert. Neunzig Ehrenamtliche machen mit \u2013 darunter neunzehn mit einer geistigen Behinderung. Die Idee: Sie \u00fcben ihren Dienst jeweils im Tandem mit einem Nichtbehinderten aus. So wurde die Marktkirche zu einem Ort der Begegnung. In der Gruppe werden die Ehrenamtlichen mit Behinderungen als Gleichberechtigte wahrgenommen. Sie kamen mit den Besuchern in Gespr\u00e4che, konnten ihre ganz eigene, oft ungewohnte Deutung der Bilder weitergeben. So wurden die Besucherinnen und Besucher zu einem neuen, anderen Blick auf die Kunstwerke angeregt. Und weil am Ende alle begeistert waren, ging der Dienst auch nach der Ausstellung weiter.<\/p>\n<p>Gebraucht werden und dazugeh\u00f6ren. Das ist eine wunderbare Erfahrung. Studien, die in den Blick nehmen, aus welchen Schichten und Milieus die Engagierten kommen, zeigen aber: Die meisten Ehrenamtlichen sind gut ausgebildet, haben Familie und Freunde. Hartz-IV-Empf\u00e4nger, Langzeitarbeitslose oder Menschen mit Behinderung finden oft den Einstieg nicht. Es fehlt ihnen an Netzwerken. Mehr noch als andere brauchen sie jemanden, der sie anspricht und ermutigt. Und einen Partner, der mitgeht.<\/p>\n<p>Hier und da k\u00f6nnen Menschen mit einer schwierigen Lebensgeschichte diese Erfahrungen machen. Die \u201eKunden\u201c der Tafeln zum Beispiel, die zum Teil des Teams werden. Oder Wohnungslose, die andere durch ihre Stadt f\u00fchren. Berufungen entdecken, die andere nicht sehen. Menschen nach vorn stellen, die immer im Hintergrund bleiben \u2013 das sollte die Kirche nicht den Castingshows \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong><span class=\"s1\">24.1.2018,\u00a06.35 Uhr, Deutschlandfunk\u00a0DLF<\/span><\/strong><\/p>\n<h2><strong>Engagement \u2013 einfach mal nein sagen!<\/strong><\/h2>\n<p>\u201eGibst du ihm den kleinen Finger, nimmt er gleich die ganze Hand.\u201c Der launige Spruch erz\u00e4hlt von der Angst, mit Haut und Haaren verschluckt zu werden. Bei einem Ehrenamt ist das gar nicht so unrealistisch. Ehrenamtliche sind oft an verschiedenen Stellen engagiert: in der Schule, im Sportverein und auch noch in der Kirchengemeinde. Und wer sich mit Haut und Haaren einer Aufgabe widmet, verliert schnell aus den Augen, wie viel Zeit er einsetzt. So ging es vielen in der Arbeit mit Gefl\u00fcchteten. Als vor zwei, drei Jahren die Notunterk\u00fcnfte bereitgestellt wurden, war ein schneller Einsatz gefragt: Betten bauen, Kleidung sortieren, Kinder verwahren, Deutschunterricht anbieten. Da wurde jeder gebraucht. Und wer schon Erfahrung mitbrachte, wurde schnell zum Koordinator vor Ort. Es ist gro\u00dfartig, wie viele Menschen sich ansprechen lie\u00dfen von dieser Aufgabe. Wie viele durchgehalten haben und nach wie vor dabei sind. Aber jetzt, wo es um die Langstrecke geht, um Integration in der Schule, in Betrieben und Nachbarschaft, sp\u00fcren viele auch ihre Grenzen.<\/p>\n<p>\u201eIch habe Generationen von Ehrenamtlichen erlebt, die sich unheimlich engagiert haben, aber viel zu viele haben irgendwann einfach aufgegeben, weil sie resignierten oder nicht mehr weiterkamen\u201c, sagt eine Mitarbeiterin der Caritas. Sie hat eine Fortbildung zum Thema \u201eDas Ehrenamt und seine Grenzen\u201c organisiert. Da stellt sich heraus: Die Begleitung einer Familie aus Syrien oder Afghanistan nimmt auf Dauer viel mehr Zeit in Anspruch, als man sich am Anfang vorgestellt hatte. Wie zieht man Grenzen, wenn man l\u00e4ngst zum Teil der Gro\u00dffamilie geworden ist? Besser Grenzen setzen als sich komplett zur\u00fcckziehen. Ein bewusster Umgang mit der eigenen Zeit ist ein Anfang: Wenn die Freizeit auf der Strecke bleibt \u2013 Sport, Familie oder Freundeskreis \u2013, dann l\u00e4uft etwas schief. Sich selbst aufgeben, um die anderen nicht aufgeben zu m\u00fcssen, das ist keine L\u00f6sung. Trotzdem: Es ist nicht leicht auszuhalten, dass kein anderer einspringt, wenn ich nicht kann. Dass vieles nur im Schneckentempo vorangeht. Und dass die Aufgabe gr\u00f6\u00dfer ist als meine Kr\u00e4fte.<\/p>\n<p>Eine Fortbildung kann helfen, den Druck herauszunehmen. Auch ein Ehrenamtsvertrag tr\u00e4gt dazu bei, sich \u00fcber die eigenen Aufgaben und Grenzen klar zu werden. Was will ich einbringen, welche Kompetenzen habe ich und welche Unterst\u00fctzung brauche ich? Wie viel Zeit will ich spenden und wo finde ich Beratung, wenn ich selbst nicht mehr weiter wei\u00df? Eine Mentorin, ein Mentor kann helfen \u2013 oder auch eine Supervision, um ab und an Inventur zu machen. Gerade Ehrenamtliche brauchen das \u2013 nicht nur in der Fl\u00fcchtlingsarbeit, auch in der Telefonseelsorge oder in der Hospizarbeit.<\/p>\n<p>\u201eIch habe heute viel zu tun, darum muss ich heute viel beten\u201c, soll Martin Luther gesagt haben. Er war dabei ganz auf der Spur Jesu. Wenn Jesus von besonders vielen Kranken und ihren Angeh\u00f6rigen best\u00fcrmt wurde, dann zog er sich in die Einsamkeit zur\u00fcck und betete. Er hat nicht alle Krankheiten geheilt, er hat nicht alle W\u00fcnsche erf\u00fcllt \u2013 mit seinem ganzen Leben hat er nur Zeichen gesetzt. Er hat Pausen gemacht, um aufzutanken \u2013 trotz seiner g\u00f6ttlichen Kraft. Zu meinen, wir h\u00e4tten das nicht n\u00f6tig \u2013 das w\u00e4re hochm\u00fctig. Nein, wenn wir meinen, wir k\u00f6nnten die ganze Welt retten, dann ist es sinnvoll, immer wieder bei uns selbst anzufangen. Und Kraft zu tanken. Vielleicht geht es im Ehrenamt auch um diese Entdeckung: Wenn wir uns neuen Herausforderungen stellen, statt die Augen zu verschlie\u00dfen, dann geschieht etwas an uns. Wir lernen unsere Grenzen kennen, wir m\u00fcssen mit Entt\u00e4uschungen umgehen. Wir werden geerdet, dem\u00fctiger \u2013 und nehmen so vielleicht den Himmel besser wahr. Engagement schickt auch auf einen spirituellen Weg.<\/p>\n<p>Von den Jakobspilgern lerne ich: das Ziel vor Augen haben, die eigenen Kr\u00e4fte einteilen und mir vielleicht auch Begleitung suchen. Und regelm\u00e4\u00dfig Rast machen. Luther hat Recht: Gerade, wenn alle etwas von mir wollen, wenn es von allen Seiten an mir zieht, will ich mir Zeit nehmen zu beten. Ich will und darf meine Grenze ziehen und einfach mal Nein sagen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong><span class=\"s1\">23.1.2018,\u00a06.35 Uhr, Deutschlandfunk\u00a0DLF<\/span><\/strong><\/p>\n<h2><strong>Engagement \u2013 die Stimme h\u00f6ren<\/strong><\/h2>\n<p>Die Begegnung mit dem Sterben ihrer Mutter hat sie freigemacht. Das beschreibt Daniela Tausch-Flammer in ihrem Buch \u201eJeder Tag ist kostbar\u201c. Ihr ist die Endlichkeit bewusst geworden, aber mitten in der Angst \u00f6ffnete sich eine T\u00fcr und sie begann zu vertrauen: \u201e\u2026 dass ich in meinem Leben gef\u00fchrt werde und dass ich von Gott begleitet bin.\u201c<\/p>\n<p>Tausch-Flammer fand ihre Berufung in der Hospizarbeit. Sie begleitet fremde Menschen im Sterben und in der Trauer, damit auch andere die Lebenskraft entdecken, die darin verborgen ist: pl\u00f6tzlich klar zu sehen, was wesentlich und was unwichtig ist. Angesichts des Todes zu erleben: Es z\u00e4hlen vor allem die Momente, in denen Menschen wagen, sich offen zu zeigen. Daniela Tausch-Flammer sp\u00fcrt das immer wieder. Im Angesicht der Trennung wird eine ungeahnte N\u00e4he m\u00f6glich. Wer sich auf solche N\u00e4he einl\u00e4sst, findet oft den Sinn im eigenen Leben. Die eigene Berufung.<\/p>\n<p>Berufung \u2013 da ist eine Stimme, die lockt, sich einzulassen: auf eine Aufgabe, einen Weg. Im Beruf gelingt das oft nicht mehr. Der Job wird zur Routine oder sogar zur Last. Manche suchen sich dann eine selbstgew\u00e4hlte Aufgabe. So wie die \u00c4rztin Adelheid Franz. In der Malteser-Migrantenmedizin hat sie ehrenamtlich ein dichtes Netzwerk gekn\u00fcpft \u2013 vom Entbindungsplatz bis zum Krankenhaus, von der Kleiderkammer bis zur Fl\u00fcchtlingsberatung. Ein Netzwerk aus ehrenamtlich Engagierten \u2013 \u00c4rzte, Juristinnen, Sozialarbeiter, bei denen Menschen in Not Hilfe finden. Fl\u00fcchtlinge und illegale Migranten sind dabei, Tagel\u00f6hner aus Osteuropa und verarmte Deutsche. In der Migrantenmedizin bekommen sie eine erste Hilfe. Genauso wie im K\u00e4ltebus der Stadtmission oder bei den Tafeln, wo Freiwillige sich engagieren.<\/p>\n<p>Oft sind es solche ehrenamtlichen Initiativen, in denen Menschen ihre Berufung wiederfinden. \u00c4rztinnen und Zahn\u00e4rzte, Friseurinnen, die kostenlose Haarschnitte anbieten. B\u00e4cker, die frische Br\u00f6tchen zur Verf\u00fcgung stellen \u2013 hier haben sie endlich wieder Zeit, sich anderen mit ihrer ganzen Kompetenz zuzuwenden. Und anders als im Berufsalltag erleben sie wieder, wie wunderbar es sein kann, f\u00fcr andere da zu sein. Wenn jemand krank ist oder stirbt. Wenn einer Hunger hat oder ein Dach \u00fcber dem Kopf braucht.<\/p>\n<p>Werke der Barmherzigkeit. In den Fenstern der Elisabethkirche in Marburg sind sie zu sehen. Szenen aus dem Leben der Landgr\u00e4fin Elisabeth, die von ihrer Burg herabstieg, um Leidenden auf Augenh\u00f6he zu begegnen. Wer ihr begegnete, berichtet davon, dass Menschen und Dinge sich in ihrer N\u00e4he wandeln: Aus Brot werden Rosen, Blinde lernen zu sehen, Eltern, die ihre Kinder versto\u00dfen hatten, lernen sie anzunehmen.<\/p>\n<p>In solchen Augenblicken ist die N\u00e4he Gottes zu sp\u00fcren \u2013 eine Kraft, die heilt, eine Quelle, die lebendig macht. In den Werken der Barmherzigkeit, in diesen einfachen Handlungen der Liebe, lassen sich religi\u00f6se Erfahrungen machen wie sonst nur in Gebet und Meditation. Engagement kann ein spiritueller Weg sein.<\/p>\n<p>Wer sich darauf einl\u00e4sst, findet Zugang zu den eigenen Kraftquellen. Victor Frankl, ein j\u00fcdischer Psychotherapeut, hat diese Entdeckung im Konzentrationslager gemacht. Alles h\u00e4ngt davon ab, sagt er, ob unser Leben Bedeutung f\u00fcr andere hat \u2013 und sei es nur f\u00fcr einen Menschen, den wir lieben. Es kommt darauf an, dass wir unseren Beitrag leisten, und sei er noch so klein \u2013 damit G\u00fcte und Gerechtigkeit sich ausbreiten. Auch die Mitgefangenen im KZ sch\u00f6pften Lebensmut daraus, nicht nur f\u00fcr sich selbst zu leben.<\/p>\n<p>Das ist eine Erfahrung, von der Ehrenamtliche immer wieder erz\u00e4hlen. Dass sie bei ihrer Arbeit mehr empfangen, als sie geben. Damit ist nicht nur Dankbarkeit gemeint. Wer sich f\u00fcr andere einsetzt, ist oft \u00fcberrascht von der Hoffnung und Kraft bei denen, die ganz unten und in Not sind. Viele erleben, dass im hilfreichen Handeln etwas heil und ganz wird \u2013 auch bei ihnen selbst. So hat es Daniela Tausch-Flammer bei der Sterbebegleitung erlebt. Ihre Angst trat zur\u00fcck, sie sp\u00fcrte, dass sie gef\u00fchrt und begleitet ist. Das eigene Leben hat eine Bedeutung. Das ist es, was Christen \u201eBerufung\u201c nennen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong><span class=\"s1\">22.1.2018,\u00a06.35 Uhr, Deutschlandfunk\u00a0DLF<\/span><\/strong><\/p>\n<h2 class=\"p1\"><strong>Engagement \u2013 Gaben entdecken<\/strong><\/h2>\n<p>Der Januar macht Mut, neu aufzubrechen. Eine Zeitschrift bietet h\u00fcbsche Symbole daf\u00fcr an \u2013 einen F\u00fcller f\u00fcr die Schriftstellerin, ein Mikro f\u00fcr die Medienfrau, Ballerinas f\u00fcr die T\u00e4nzerin, bunte Kochl\u00f6ffel f\u00fcr die Hobbyk\u00f6chin. Wellness und Gesundheit sind die Themen der Zeitschrift. In diesem Artikel geht es darum, den eigenen Gaben nachzusp\u00fcren und die eigene Berufung zu entdecken. Und dann gezielt Priorit\u00e4ten zu setzen. Vielleicht eine Fortbildung zu machen oder sich sogar noch einmal ganz neu zu erfinden.<\/p>\n<p>Die arbeitslose Schuhverk\u00e4uferin h\u00e4tte sich vielleicht einen Spiegel als Symbol ausgesucht. Ich werde sie nicht vergessen: Sie kam eines Tages in unserem Nachbarschaftsladen vorbei, weil sie einfach keine Lust mehr hatte, zu Hause sitzen. Ob sie bei uns ehrenamtlich mitarbeiten k\u00f6nnte, wollte sie wissen. Sie hatte geh\u00f6rt, dass wir gerade eine neue Kleiderkammer er\u00f6ffnet hatten \u2013 eigentlich war\u2019s ein richtig schicker Secondhandshop. Und Menschen zeigen, was zu ihnen passt, das konnte sie. Jede, die aus der Umkleide herauskam und sich vor dem Spiegel drehte, hatte ein L\u00e4cheln auf den Lippen. Und unsere Schuhverk\u00e4uferin hatte einfach eine Begabung: Sie konnte sehen, was einer Kundin passte, was ihr stand und sie zum Strahlen brachte.<\/p>\n<p>Eine tolle Frau jedenfalls. Sie wohnte bei uns in der Gemeinde, aber wir kannten uns noch nicht. In der Kirche mitarbeiten, sagte sie, da ginge es doch meistens ums Reden oder ums Singen. Daf\u00fcr w\u00e4re sie nicht gemacht. Und auch Besuche seien nicht ihre Sache; so gern sie Menschen m\u00f6ge. Im Caf\u00e9 bedienen oder im Secondhandshop, das k\u00f6nnte sie sich aber gut vorstellen. Ehrlich gesagt: Ich konnte das nachvollziehen. Beim Ehrenamt in der Kirche denken viele an Besuchsdienst, an die Mitarbeit im Kindergottesdienst oder in der Jugendarbeit oder auch an Lesungen im Gottesdienst. Dabei gibt es eine gro\u00dfe Vielfalt von ehrenamtlichen Aufgaben: bei den Tafeln und Nachbarschaftshilfen, in der Hospizarbeit, im Kirchgarten, bei Mittagstischen und Hausaufgabenhilfen. Jeder und jede kann und soll einbringen, was er kann. Mit dem Mikro, der Gartenschere oder dem Kochl\u00f6ffel. Mit der Bibel, dem Hausaufgabenheft oder der Yoghurtpalette. Und auch mit den Ballerinas. Alles ist m\u00f6glich, was Menschen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Neuen Testament geh\u00f6ren zu den Gaben des Heiligen Geistes nicht nur Glaubenskraft, Weisheit und Vermittlung von Erkenntnis, sondern auch die Gabe, Krankheiten zu heilen. Und nicht nur das Predigen geh\u00f6rt zu den \u00c4mtern der Kirche, sondern auch die Armenspeisung und die Begleitung der Sterbenden und Trauernden. Diese Vielfalt wurde manchmal vergessen. Vielleicht, weil nur einige dieser Aufgaben in der Kirche selbst stattfinden. Dabei werden doch alle Begabungen gebraucht, damit Gottes Liebe sich im Alltag ausbreitet. Die Seelsorge genauso wie die Arbeit an der Tafel.<\/p>\n<p>Ich denke da noch mal an die Schuhverk\u00e4uferin. Was sie kann, ger\u00e4t schnell aus dem Blick. Darum freue ich mich, dass es Gemeinden gibt, die andersherum denken: von den Gaben zu den Aufgaben. Gemeinden, die ihre ganze Arbeit an den Gaben, den Charismen orientieren! Dahinter steht die Annahme, dass Kirche sich von einem weltlichen Verein grundlegend unterscheidet. Es geht nicht zuerst um Aufgaben und Zust\u00e4ndigkeiten, f\u00fcr die dann die passenden Menschen gefunden werden m\u00fcssen. Es ist umgekehrt: Eine Kirche, die ernst macht mit ihrem geistlichen Ursprung, entdeckt jeden Getauften mit seinen Gaben. Damit ist das Vertrauen verbunden, dass Gott seiner Kirche alles gibt, was sie braucht \u2013 und das ganz konkret durch die Menschen, von denen jeder und jede einzelne reich beschenkt und berufen ist.<\/p>\n<p>Ich finde es lohnt sich f\u00fcr Gemeinden, auf Talentsuche zu gehen. Und umgekehrt lohnt es sich f\u00fcr jeden Einzelnen, mit den eigenen Talenten zu wuchern. Neu aufzubrechen mit dem, was man hat und kann. Jetzt, in diesem Fr\u00fchjahr, finden in einigen evangelischen Gemeinden Kirchenvorstandswahlen statt. Ich freue mich auf jeden und jede, die Lust hat, sich zu engagieren \u2013 damit ganz viele mit ihren Gaben zum Zug kommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>27.1.2018,\u00a06.35 Uhr, Deutschlandfunk\u00a0DLF Engagement \u2013 der Rat der Alten Der Rat der Gro\u00dfm\u00fctter: In Deutschland wurde er 2009 gegr\u00fcndet. \u201eGro\u00dfm\u00fctter\u201c&#8230; <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=4192\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":466,"menu_order":85,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-4192","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4192"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4192"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4192\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4198,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4192\/revisions\/4198"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/466"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4192"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}