{"id":3963,"date":"2018-09-21T09:37:15","date_gmt":"2018-09-21T07:37:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=3963"},"modified":"2020-02-25T17:58:13","modified_gmt":"2020-02-25T16:58:13","slug":"haupt-und-ehrenamt-miteinander-im-wandel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=3963","title":{"rendered":"Haupt- und Ehrenamt: Miteinander im Wandel"},"content":{"rendered":"<p><strong>1.Klartext reden <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201eWann kann ich schon im Job sagen, was ich f\u00fcr richtig halte, ohne dabei ein Blatt vor dem Mund zu nehmen? Ist es nicht so, dass man sich als Angestellter oft nicht traut, die eigene Wahrheit zu \u00e4u\u00dfern? Schlie\u00dflich steht der Job auf dem Spiel. Dann lieber kuschen und nichts sagen. Brauchst Du alles nicht, wenn du ehrenamtlich arbeitest. Da kannst du Klartext reden, wenn sich etwas unstimmig anf\u00fchlt. Das muss man allerdings auch erst einmal lernen. Selbst wenn nichts auf dem Spiel steht, ist es nicht so einfach, f\u00fcr sich selbst einzustehen. Erst mal wirken noch die Gewohnheiten von fr\u00fcher: Der Chef wird es schon wissen.\u201c <\/strong><\/p>\n<p>B\u00e4rbel Mohr schreibt in ihrem Buch \u201eArbeitslos und trotzdem gl\u00fccklich\u201c, das ich im Kontext einer Tagung zur Langzeitarbeitslosigkeit gelesen habe. <strong>Ehrenamtliche T\u00e4tigkeiten h\u00e4tten ihrem Selbstbewusstsein einen ordentlichen Schub verliehen. Es war allerdings ein Weg mit Hindernissen. <\/strong>Sie erz\u00e4hlt von einem Einsatz als Lese-Oma in einer Tageseinrichtung, von einer Vorleseausbildung \u00fcber die Freiwilligenagentur der AWO und auch vom Einlesen von B\u00fcchern und Zeitschriften f\u00fcr Blinde und sehbehinderte Menschen. \u201eIrgendwann stellte man mir dann auch Mikro und Aufnahmeger\u00e4t zur Verf\u00fcgung, um zu Hause weiterzuarbeiten. Wenn ich nachts nicht schlafen konnte, setzte ich mich an meinen Computer und sprach mit gro\u00dfem Spa\u00df H\u00f6rb\u00fccher auf. Hier kam es zu einer herausfordernden Situation, in der ich \u00fcben durfte, zu mir zu stehen. Es ging um eine Kirchenzeitung f\u00fcr Blinde<strong>. Das Problem: Obwohl die Bl\u00e4tter nur monatlich oder zweiw\u00f6chentlich erschienen, erhielt ich die Texte erst am Abend vorher. Das bedeutete unweigerliche Nachtschicht\u2026\u201c<\/strong><\/p>\n<p>\u201eAlso sprach ich mit dem Pfarrer, von dem ich die Texte erhielt. Ich bat ihn, sie ein bis zwei Tage fr\u00fcher zu besorgen, so dass ich das Aufsprechen tags\u00fcber erledigen konnte. Aber warum auch immer \u2013 ich bekam die Texte weiterhin genauso so sp\u00e4t. Als ich dem Pfarrer mitteilte, dass ich das nun nicht mehr mitmachen w\u00fcrde, sagte er: Das k\u00f6nnen Sie doch gar nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, dass Sie die Blinden so im Stich lassen. Er hatte offenbar kein schlechtes Gewissen dabei, mich auszunutzen.\u201c, schreibt Mohr. Und sie f\u00e4hrt fort: \u201eDeshalb habe ich dem Herrn Pfarrer freundlich, aber klar Lebewohl gesagt. <strong>Du musst nichts als ehrenamtliche Kraft. Das ist eines der gro\u00dfen Geschenke: Du kannst dich selbst erproben. Du kannst dich selbst neu kennenlernen. Du kannst deine Berufung finden.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>2. Berufung und Bezahlung <\/strong><\/p>\n<p>\u201eBerufung\u201c \u2013 ein alter kirchlicher Begriff ist pl\u00f6tzlich wieder aufgeploppt. Es geht darum, etwas zu finden, was unseren Einsatz und unsere Hingabe lohnt. Manche lassen sich auf einer Reise inspirieren und bewegen, andere durchleben eine Krankheit, landen in einer beruflichen Sackgasse und entdecken dann einen alten Traum, einen neuen Lebenssinn. Die Arbeit, sagen sie, sollte auch die eigene Seele f\u00fcttern. Wo der Brotberuf das nicht bringt, kann es auch ein Nebenjob sein. Oder eben ein Ehrenamt. Viele Menschen sehnen sich danach, etwas Sinnvolles zu tun, gebraucht zu werden.<\/p>\n<p><strong><em>\u201eDu musst nichts. Du kannst Dich selbst neu kennenlernen.\u201c<\/em> Freiwilliges Engagement ist Ausdruck der eigenen, aktiven Gestaltung des Lebens<\/strong>.<strong> Es lebt aus intrinsischer Motivation \u2013 \u00e4u\u00dferer Druck und monet\u00e4re Anreize passen nicht dazu.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ehrenamtliche entscheiden sich f\u00fcr die Arbeit und die Beziehung \u2013 und nicht f\u00fcr den Lohn (Bieg\/Wehner). Sie folgen der \u00d6konomie der Aufmerksamkeit, nicht der des Geldes<\/strong>: \u201eW\u00fcrde<strong><em> ich daf\u00fcr bezahlt, w\u00fcrde ich es nicht machen.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Bei aller Selbstbestimmung ist ehrenamtliches Engagement meist in Strukturen verankert und darin verbindlich und verantwortlich \u2013 sei es formal im Sinne eines Wahlamtes, sei es in der festen \u00dcbernahme einer Aufgabe in einer Organisation oder in pers\u00f6nlichen Absprachen in Gruppen und Netzwerken<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>Aber immerhin 10 Prozent der beim FWS Befragten organisieren ihr Ehrenamt inzwischen unabh\u00e4ngig von Tr\u00e4gern. Und auch die \u00dcberg\u00e4nge zwischen Familien- und Nachbarschaftshilfe, Selbstorganisation und Ehrenamt werden flie\u00dfender.<\/strong><\/p>\n<p>Ehrenamt &#8211; Freiwilliges oder b\u00fcrgerschaftliches Engagement: Alle Versuche, zu einem gemeinsamen Begriff zu kommen, scheitern an der bunten Realit\u00e4t. <strong>Die Unterschiedlichkeit der Begriffe verweist auf eine unterschiedliche Fokussierung. So wird im Kontext der freien Wohlfahrtspflege die inzwischen in hohem Ma\u00dfe durch berufliche Mitarbeit bestimmt ist, lieber von Freiwilligem Engagement gesprochen, um die Aspekte von Selbstbestimmung, Freiwilligkeit und Gemeinwohlorientierung in den Vordergrund zu r\u00fccken. Im politischen Kontext wird im Zusammenhang mit einem neuen Verst\u00e4ndnis eines aktiven Sozialstaats lieber von zivilgesellschaftlichem oder b\u00fcrgerschaftlichem Engagement gesprochen. Und in den Kirchen dominiert der Begriff Ehrenamt. Damit werden, neben den anderen Aspekten, die Verbindlichkeit, Verantwortlichkeit und Zusammenarbeit besonders betont<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>Ehren- \u201eAmt\u201c verweist immer auf eine \u00f6ffentliche Organisation \u2013 Staat, Verein oder Kirche. Deshalb ist es wichtig, sich den gesellschaftlichen Wandel klar zu machen: Ehrenamtliche \u201egeh\u00f6ren\u201c keiner Organisation. Im Gegenteil: Sie sind es, die mit ihren Ideen nach den passenden Einsatzfeldern suchen und Innovationen vorantreiben. Inzwischen sind vierzig Prozent der Engagierten in der evangelischen Kirche sind auch an anderer Stelle aktiv. Engagementagenturen, Freiwilligenb\u00fcros, Ehrenamtsmessen zeigen: Ehrenamt ist institutions\u00fcbergreifend<\/strong>.<\/p>\n<p>B\u00e4rbel Mohr, von der wir am Anfang geh\u00f6rt haben, ist in mancher Hinsicht typisch &#8211; und zugleich auf erfrischend Rat untypisch: Das soziale Engagement ist noch immer Frauensache. Bei einer Caritasuntersuchung 2007 waren noch 70 Prozent der Ehrenamtlichen Frauen, 56 Prozent davon 60 Jahre oder \u00e4lter. Entsprechend gering war mit 31 Prozent der Anteil der Berufst\u00e4tigen. Und Frauen finden die Mitbestimmungsm\u00f6glichkeiten in der Kirche nicht wirklich zufriedenstellend. Auf die Frage, ob sie ausreichende Mitgestaltungsm\u00f6glichkeiten h\u00e4tten, antworten 74% aller Befragten mit Ja &#8211; aber nur 61% der katholischen und 65% der evangelischen Frauen. Die Freiwilligen sch\u00e4tzen die Hilfe und Ansprechbarkeit der beruflich T\u00e4tigen. Nur 30 Prozent der Freiwilligen haben das Gef\u00fchl, dass sie f\u00fcr die Hauptamtlichen auch gleichberechtigte Partner sind. Nach ihrem Eindruck werden sie vor allem als Helfer(innen) gesehen, die die Hauptamtlichen entlasten, beziehungsweise deren T\u00e4tigkeit erg\u00e4nzen. Diese Einsch\u00e4tzungen decken sich weitgehend mit den Ergebnissen einer erg\u00e4nzenden Befragung von Hauptamtlichen: Nur jeder Zweite sah die Ehrenamtlichen als gleichberechtigte Partner.<\/p>\n<p>Das hat sich vielleicht ver\u00e4ndert. Inzwischen bringen auch die Frauen im Ehrenamt zunehmend berufliche Erfahrungen mit oder sind jedenfalls in Teilzeit berufst\u00e4tig. Sie bringen ihre Kompetenzen aus der Arbeitswelt selbstbewusst ein. Und nat\u00fcrlich erwarten sie Wertsch\u00e4tzung, Zertifikate und Auslagenersatz, klare Vereinbarungen und gekl\u00e4rte Kompetenzen, Fortbildungsangebote und Mitsprachem\u00f6glichkeiten. Ein Befund des SI-Gemeindebarometers von 2014 zeigt allerdings: das ist noch ein St\u00fcck Weg zu gehen: Tats\u00e4chlich haben Ehrenamtliche in Leitungsfunktionen das Gef\u00fchl, gesch\u00e4tzt zu werden und ihre F\u00e4higkeiten einbringen zu k\u00f6nnen. Leider gilt das nur f\u00fcr eine Minderheit der ehrenamtlich Engagierten an der Basis. Die meisten sind sich der Anerkennung in der Gemeinde nicht sicher.<\/p>\n<p>Wie soll es da erst B\u00e4rbel Mohr gehen, die in der Gemeinde gar nicht vernetzt ist? Darin ist sie untypisch &#8211; erst recht, weil sie arbeitslos ist. Ehrenamt ist in Deutschland &#8211; nicht nur in den Kirchen &#8211; an einen hohen Sozial- und Bildungsstatus gekoppelt. Arbeitslose, prek\u00e4r Besch\u00e4ftigte, Jugendliche in Arbeitsmarktpolitischen Ma\u00dfnahmen, Hartz-IV-Empf\u00e4nger haben kaum Ressourcen f\u00fcr freiwilliges Engagement. Sie finden sich dann m\u00f6glicherweise im Bundesfreiwilligendienst oder bei den 450-Euro-Kr\u00e4ften in der Diakonie.<\/p>\n<p>Freiwilliges Engagement ist frei vereinbarte T\u00e4tigkeit &#8230;, beinhaltet ein hohes Ma\u00df an Selbstbestimmung &#8230;, ist nicht an Tarife und Ausbildungsg\u00e4nge gebunden &#8230;, kurz oder mittelfristig ver\u00e4nderbar &#8230;, und ohne Bezahlung.\u201c, hei\u00dft es in einer Definition aus dem SI. Gleichwohl sind die \u00dcberg\u00e4nge flie\u00dfend. Das gilt unten wie oben: Die steuerfreie \u00dcbungspauschale von 2.400 Euro j\u00e4hrlich, die Ehrenamtspauschale von 720 Euro j\u00e4hrlich oder auch die Aufwandsentsch\u00e4digung f\u00fcr die Mitgliedschaft in einem Aufsichtsrat oder die Personal- und Bauaufsicht in einem Kirchenvorstand. Im Einzelfall kann um Summen gehen erreicht werden, die andere f\u00fcr eine geringf\u00fcgige Besch\u00e4ftigung erhalten. Die Frage nach der Monetarisierung, nach begr\u00fcndeten Spielregeln im Austrieren von Berufung und Bezahlung, ist so neu nicht. Aber die Spielregeln m\u00fcssen noch einmal \u00fcberpr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>3. Kirche \u2013 Hochburg des Engagements<\/strong><\/p>\n<p>Von den etwa 43 Millionen Freiwilligen in Deutschland sind etwa die H\u00e4lfte im Umfeld der gro\u00dfen Kirchen aktiv. In Kirchengemeinden und Diakonischen Einrichtungen, in Jugendverb\u00e4nden und Frauengruppen. Im Hospiz und in der Tafel, in Kindergartenr\u00e4ten oder bei Freizeiteins\u00e4tzen. <strong>Der j\u00fcngste Freiwilligensurvey zeigt, dass die Zahl der ehrenamtlich Engagierten zwischen 1999 und 2014 nicht nur in der gesamten Gesellschaft, sondern auch in den Kirchen gestiegen ist, obwohl die Mitgliederzahlen zur\u00fcckgehen. 48,7% aller Evangelischen engagieren sich freiwillig &#8211; gegen\u00fcber 43,6 % in der gesamten Gesellschaft &#8211; und sogar 66,7% von denen, die sich stark mit der Kirche verbunden f\u00fchlen. <\/strong><\/p>\n<p>Lange galten die Kirchen lange Zeit als verstaubte Institutionen mit einem veralteten Ehrenamtsbegriff \u2013 die Engagementszene setzte stattdessen auf neue Initiativen, attraktive Projekte und das selbstbestimmte, neue Ehrenamt. In den letzten drei Jahren hat sich das noch einmal ver\u00e4ndert. Die Fl\u00fcchtlingshilfe hat gezeigt: <strong>Engagement braucht Andockpunkte, anregende und begleitende Strukturen, fachliche Impulse und Unterst\u00fctzung sowie einen f\u00f6rdernden Rahmen. Kirchen sind stark und attraktiv, wo staatliche Strukturen noch fehlen, wenn es darum geht, mit neuen Herausforderungen umzugehen, wenn Problemlagen zun\u00e4chst diffus erscheinen und alles darauf ankommt, flexibel neue Konzepte zu entwickeln <\/strong>\u2013 ausgehend von der unmittelbaren Wahrnehmung und nicht von festgelegten Strategien und refinanzierbaren Modulen. Kirche verf\u00fcgen \u00fcber R\u00e4ume, hauptamtlich Mitarbeitende und eine funktionierende Verwaltung.<\/p>\n<p>Bei einem Ehrenamtsworkshop in einem Mehrgenerationenhaus, in dem ich k\u00fcrzlich mit Engagierten und Interessierten aus ganz unterschiedlichen Engagementbereichen gearbeitet habe, lief die Frage nach der Bedeutung Hauptamtlicher f\u00fcr ihre Arbeit nahezu ins Leere<strong>. Verglichen mit anderen Engagementbereichen wie Sport, Feuerwehr oder anderen Vereinen, aber auch mit Parteien und Initiativen Kultur haben Ehrenamtliche in der Kirche noch immer besonders viele hauptamtliche Ansprechpartner<\/strong>. Unstrittig ist dabei die Rolle der Pfarrer und Pfarrerinnen als herausgehobene hauptamtliche Kontaktperson. In der letzten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung hatten insgesamt 40 Prozent der Evangelischen im letzten Jahr einen direkten Kontakt, unter den Engagierten 90 Prozent. Pfarrerinnen und Pfarrer haben eine Schl\u00fcsselrolle bei der Gewinnung von Ehrenamtlichen. Die Kontakte zu den anderen Hauptamtlichen sind geringer: zu Mitarbeiterinnen in der Jugend-, Familien-, Senioren- oder kirchlichen Sozialarbeit, aber auch zu Gemeindesekret\u00e4rinnen haben jeweils 62 Prozent Kontakt.<\/p>\n<p>Seit den 60er Jahren waren Kirche und kirchliche Verb\u00e4nde sehr stark von Hauptamtlichen bestimmt. Gute Steuereinnahmen, ein stark ausgepr\u00e4gter Sozialstaat, die Refinanzierung von Jugendmitarbeiter- und Sozialarbeiterstellen lie\u00dfen eben auch die Zahl der Hauptamtlichen in der Kirche wachsen. Seit Mitte der 90 Jahre kommt es in der Kirche wie auch in Staat und Kommunen zu Stellenstreichungen. Es w\u00e4re aber ein Trugschluss zu glauben, man k\u00f6nne bei r\u00fcckl\u00e4ufiger Finanzierung einfach Hauptamt durch Ehrenamt ersetzen.<\/p>\n<p>Wenn die Zahl der Hauptamtlichen zur\u00fcck geht, m\u00fcssen sich die Strukturen ver\u00e4ndern. Dabei geht es auch um das Verh\u00e4ltnis von Hierarchie und Geschwisterlichkeit.<strong> Hauptamtliche verstehen sich zunehmend als Initiator, Assistenz und Gew\u00e4hrleister ehrenamtlicher Arbeit. Soll nun die Personalentwicklung f\u00fcr Ehrenamtliche nach dem gleichen Muster wie die f\u00fcr berufliche Mitarbeitende verlaufen \u2013 vom Kontrakt \u00fcber die Zielvereinbarung bis zum Jahresgespr\u00e4ch? F\u00fchrt eine zu starke R\u00fcckbindung des Ehrenamts an das Hauptamt nicht erst recht zu der Gefahr, freiwillige Dienste als blo\u00dfe Hilfsdienste zu verstehen? Oder Menschen, die sich ehrenamtlich in der Kirche engagieren, zu verkirchlichen und zu vereinnahmen?<\/strong><\/p>\n<p>Die sogenannte Amtskirche braucht Menschen, die die Organisation von au\u00dfen sehen k\u00f6nnen, Menschen aus unterschiedlichen lebensweltlichen Hintergr\u00fcnden, die andere berufliche Erfahrungen und Kompetenzen einbringen und die mit ihrer Kritik auch einmal \u201eden Betrieb aufhalten\u201c. In den Kammern und Kommissionen von EKD und Landeskirchen arbeiten Wissenschaftlerinnen und Unternehmer, Politiker und Politikerinnen aller Couleur mit. K\u00fcrzlich gab die EKD eine Pressemeldung heraus, in der es hie\u00df, zwei \u201eKirchenleute\u201c seien in die Rentenkommission berufen worden. Und w\u00e4hrend ich im Geist die Reihe der Bisch\u00f6fe und Abteilungsleiterinnen durchging, las ich, stellte sich heraus, es waren ein Wissenschaftler und ein Politiker. W\u00fcrden sie selbst sich als Kirchenleute verstehen? Vielleicht der Charme solcher Ehrenamtlichen gerade darin, dass sie als Person nicht eindeutig der einen oder anderen Funktion zuzuordnen und gerade darum als Br\u00fcckenbauer glaubw\u00fcrdig sind.<\/p>\n<p>Kirche lebt von der Vielfalt der Charismen aller Christinnen und Christen. Die Beteiligung ehrenamtlich Engagierter an Verfahren und Entscheidungen, die \u00d6ffnung f\u00fcr alle gesellschaftlichen Schichten und Gruppen ist Voraussetzung f\u00fcr Wachstum und Relevanz der Kirchen. <strong>Was bedeutet der Wandel f\u00fcr die Rollenverteilung in den Kirchenvorst\u00e4nden, in denen die Ehrenamtlichen doch die Mehrheit sind? Wird es gelingen, sie zu ermutigen, ihre Entscheidungskompetenzen auch tats\u00e4chlich wahrzunehmen? Die Kirchen sind nicht per se davor gefeit, das Ehrenamt seiner sch\u00f6pferischen Energien zu berauben, es also zu institutionalisieren, zu p\u00e4dagogisieren und zu kanalisieren<\/strong>. (Ralf Hoburg)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>4. Wippe und Wackelbrett: Auf der Suche nach einer neuen Balance<\/strong><\/p>\n<p>Ein kurzer Blick auf die Vielfalt der Haupt- und Ehrenamtlichen, mit denen wir es in Kirche und Diakonie zu tun haben: Zuerst <strong>die Ehrenamtlichen an der Basis &#8211; <\/strong>im sozialen oder kulturellen Ehrenamt Frauen- und Jugendarbeit, im Chor und Kindergottesdienst oder auch im Besuchsdienst. Dazu geh\u00f6ren auch die, die sich bei der Tafel oder im Elternrat einbringen, die bei der Diakonie Fl\u00fcchtlingsarbeit oder Hospizarbeit leisten. Sie sind oft nicht im Blick, dabei sind sie die Br\u00fccken in die Zivilgesellschaft. Dann <strong>die Ehrenamtlichen in der Leitung<\/strong>. Im Kirchenvorstand, wo sie gemeinsam mit dem Pfarrer\/der Pfarrerin \u00fcber Gemeindekonzepte, also auch \u00fcber Haupt- und Ehrenamt entscheiden. Und die in den Aufsichtsr\u00e4ten Diakonischer Einrichtungen, deren Namen oft nicht einmal bekannt sind.<\/p>\n<p>Und dann <strong>die Hauptamtlichen: die Pfarrpersonen, die angesichts des Abbaus anderer hauptamtlicher Stellen wieder zu Generalisten werden<\/strong> und zunehmend nach Priorit\u00e4ten fragen. <strong>Und die verbleibenden Sozialp\u00e4dagoginnen und Diakone, die Gemeindesekret\u00e4rinnen, <\/strong>die ein neues Selbstverst\u00e4ndnis entwickeln sollen: Sie sollen Ehrenamtlichkeit st\u00e4rken, Dienstleister sein, auf Augenh\u00f6he kooperieren. Das Problem ist nur: sie haben selbst erhebliche Existenz\u00e4ngste. Und sie fragen: <strong>Haben Pfarrer und Ehrenamtliche in der Leitung die Sorgen der beruflich Mitarbeitenden im Blick? K\u00f6nnten die Ehrenamtlichen in den Kirchenvorst\u00e4nden sich selbst auch als F\u00f6rdernde f\u00fcr Ehrenamtsentwicklung verstehen<\/strong> \u2013 z.B. so, dass einer die Familienarbeit im Blick hat und einer die Pflege oder die Jugendarbeit, je nach Interesse und Herkommen? <strong>Brauchen wir nicht ein ganz neues Verst\u00e4ndnis von Kirchenvorstandsarbeit? Und \u2013 um es richtig kompliziert zu machen: Sind Pfarrer und Hauptamtliche, Ehrenamtliche und Engagierte in der Kirche eigentlich das gleiche? Oder gibt es da eben Amtstr\u00e4ger und andere? <\/strong><\/p>\n<p>Wie immer in Umbruchprozessen nimmt der Kampf um Einfluss, Mittel und Selbstverst\u00e4ndnisse wieder zu. <strong>Die Balance zwischen Haupt- und Ehrenamt ver\u00e4ndert sich \u2013 typisch f\u00fcr eine \u00dcbergangssituation. In den Gemeinden sind schmerzhafte Ver\u00e4nderungsprozesse im Gang. <\/strong>K\u00fcster, Sekret\u00e4rinnen, Reinigungskr\u00e4fte werden entlassen, die Aufgaben von Honorarkr\u00e4ften oder Ehrenamtlichen \u00fcbernommen. Die Zahlen und Daten der Berufsgenossenschaft zeigen einen wachsenden Trend der Inanspruchnahme bei Unf\u00e4llen von Ehrenamtlichen.<\/p>\n<p>Stellen Sie sich ein Balancebrett oder eine Wippe mit unterschiedlichen Personen vor. Sobald sich einer bewegt, ver\u00e4ndert sich die Statik des Bretts \u2013 wie bei einer Wippe auf dem Spielplatz oder einem Boot auf den Wellen. <strong>Lehnt sich einer rechts raus, muss der andere auf die andere Seite wechseln, wenn er nicht herunterfallen wil<\/strong>l. Ein sch\u00f6nes Spiel, solange die Wellen nicht zu hoch werden. Wenn nun jemand einen Schatz auf das Boot wirft, um den alle zu rangeln beginnen.<strong> Es geht darum, die eigene Position geschickt so stark zu machen, dass andere hinten runterfallen. <em>Powerplay. Zwischen Pfarrerin und Kirchenvorstand. Zwischen Ehrenamtlichen im Kirchenvorstand und denen in der Gruppe 50plus&#8230;<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Interessanterweise gab es in der Fl\u00fcchtlingsarbeit kaum Spannungen zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen. Im Gegenteil.<\/strong> Ehrenamtliche haben deutlich gemacht, wie sehr sie auf hauptamtliche Strukturen angewiesen sind und Hauptamtliche haben sich f\u00fcr Fortbildung und Supervision von Ehrenamtlichen eingesetzt. Ob es eine Rolle spielt, dass es in diesem Arbeitsfeld noch keine festgeschriebenen Rollen und Standards, keine eingefahrenen Konflikte und auch keine \u00c4ngste vor Stellenstreichungen gab? Hier ging es um \u00d6ffnung und Wachstum. Und auch um grundlegende \u00dcberzeugungen<strong>. Das geh\u00f6rt zu den Geheimnissen guter Zusammenarbeit: dass es ein gemeinsames Ziel gibt.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>5. Da sein, wo Ergebnisse z\u00e4hlen \u2013 Ehrenamt als Diakonat <\/strong><\/p>\n<p>Zu den Dramen, die ich in der Diakonie erlebt habe, geh\u00f6rte die Geschichte mit der Hafersuppe: In der Hauptrolle eine etwas \u00e4ltere Gr\u00fcne Dame in unserem Krankenhaus. Unterst\u00fctzt von einer Stationsleitung. Im Gegen\u00fcber: die Klinikleitung. Die Dame war es gewohnt, f\u00fcr schwer kranke und sterbende ein S\u00fcppchen zu kochen und es mit Liebe zu reichen. Solange, bis die Stationsk\u00fcchen geschlossen wurden. Die Stationsleitung wusste das zu sch\u00e4tzen. Manche anderen Pflegenden setzte das unter Druck. Und die Klinikleitung meinte: Wenn das jede Station wollte \u2013 wo k\u00e4men wir da hin? Schlie\u00dflich gab die Gr\u00fcne Dame auf und ging. Nicht ohne Imageschaden f\u00fcr das Haus. Die Frage, wo wir hink\u00e4men, fand sp\u00e4ter eine Antwort: Als wir im Rahmen eines Palliative-Care-Projekts auf manchen Stationen der Inneren und der Lungenklinik hospizlich arbeiteten.<\/p>\n<p>Das Ethos der F\u00fcrsorglichkeit droht zu schwinden. Unser Gesundheitswesen rechnet und plant in DRGs und Modulen \u2013 es z\u00e4hlt nur, was gez\u00e4hlt werden kann, sagt Andreas Heller. Demgegen\u00fcber k\u00e4me es auf das an, was erz\u00e4hlt werde kann: individuelle Biographien, Lebensbr\u00fcche und Umbr\u00fcche, das Unverwechselbare. <strong>Je mehr sich die Prozesse der \u00f6konomischen und organisatorischen Rationalisierung beschleunigen, desto wichtiger wird eine institutionelle und gesellschaftliche Gegenbewegung: die \u00d6ffnung f\u00fcr Angeh\u00f6rige und Ehrenamtliche in den Einrichtungen<\/strong>. Denn w\u00e4hrend die Sozialpolitik mehr und mehr auf \u201eEigenverantwortlichkeit\u201c setzt, erleben wir eine wachsende Spaltung der Gesellschaft. Wer mit der Selbstsorge finanziell oder sozial \u00fcberfordert ist, wird mehr denn je Menschen an seiner Seite brauchen, die ihm Anwalt und St\u00fctze sind. Ohne Angeh\u00f6rige, Nachbarn und Freunde, ohne ehrenamtliche Besuchs- und Betreuungsdienste werden viele Menschen vereinsamen.<\/p>\n<p><strong>In der Pflege wird deutlich: die Zusammenarbeit zwischen den schlecht bezahlten Professionellen und den Ehrenamtlichen ist alles andere als reibungslos. Das liegt wesentlich daran, dass gerade die Aufgaben, die nah an die eigene Motivation r\u00fchren, nun von Ehrenamtlichen \u00fcbernommen werden sollen: Kleine Alltagsdienste, Gespr\u00e4che, Ausfl\u00fcge, Sterbebegleitung<\/strong>. Auch in der Wohlfahrtspflege m\u00fcssen also die Rollen neu gekl\u00e4rt, muss Zusammenarbeit in der Organisation neu beschrieben werden. Einrichtungen und Dienste sind in ihren Abl\u00e4ufen mehr und mehr auf Funktionalit\u00e4t, nicht aber auf individuelle Bed\u00fcrfnisse, Begegnung und Zuwendung eingerichtet. <strong>Ehrenamtliche, die \u00fcber die Organisation eines Hauses nachdenken, k\u00f6nnen deshalb leicht zum St\u00f6rfall werden. Welche Orte zur Mitbestimmung gibt es auf den Stationen oder bei der Evaluation der Arbeit? Werden die Engagierten von den Ehrenamtlichen in den Aufsichtsr\u00e4ten wahrgenommen? <\/strong><\/p>\n<p>Der Wunsch nach Mitarbeit bedeutet nicht unbedingt, dass Menschen sich voll mit den Tr\u00e4gerorganisationen identifizieren wollen. Sie m\u00fcssen gewonnen werden &#8211; durch Mentoring, Fortbildung und Supervision, durch Ehrenamtstage und Auslagenersatz. Inzwischen kommen aber auch materielle Anreize hinzu. <strong>Im sozialen Ehrenamt hat sich eine Grauzone entwickelt \u2013 vom Bundesfreiwilligendienst \u00fcber Honorarkr\u00e4fte bis zu geringf\u00fcgig Besch\u00e4ftigen. Das Pflegest\u00e4rkungsgesetz braucht Freiwillige f\u00fcr die Demenz- und Nachbarschaftsnetzwerke<\/strong>, Freiwillige bieten Nachtcaf\u00e9s an oder \u00fcbernehmen die Sozialarbeit. Unter dem Druck des Pflegenotstands halten Freiwillige die Gesellschaft zusammen. <strong>W\u00e4hrend in der Kirche die Gefahr der Funktionalisierung lauert, droht in der Diakonie die Monetarisierung.<\/strong><\/p>\n<p><strong>F\u00fcr eine gelingende und produktive Kooperation ist deshalb klare Grenzziehung zwischen beruflicher T\u00e4tigkeit und erg\u00e4nzenden oder innovativen ehrenamtlichen Netzen unverzichtbar<\/strong>. Wo diese Grenze zu ziehen ist, was notwendige staatliche Leistungen sind und was freiwillige T\u00e4tigkeiten, wurde k\u00fcrzlich am Beispiel der Essener Tafel diskutiert. Dabei wurde wieder klar: <strong>Das pers\u00f6nliche Engagement darf nicht auf Nutzen und Leistung reduziert werden. Es geh\u00f6rt zur freien Selbstentfaltung der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger und kann staatliche Leistungen nicht ersetzen. Es soll neue M\u00f6glichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe er\u00f6ffnen<\/strong> und bietet die Chance, sich mit eigenen Anliegen kreativ einzubringen.<\/p>\n<p><strong>Ehrenamtliche wie beruflich Mitarbeitende m\u00fcssen gemeinsam darauf achten, dass diese Grenzziehung eingehalten wird. Dabei haben auch die Mitarbeitervertretungen eine Aufgabe<\/strong>. Sie sollten sich regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber die Aufgabenfelder, Aufgabenbeschreibungen und die Kontrakte mit Ehrenamtlichen informieren lassen. Wie viele Ehrenamtliche an welchen Pl\u00e4tzen in Gemeinden, Verb\u00e4nden und Unternehmen t\u00e4tig sind, welche Voraussetzungen sie f\u00fcr ihren Einsatz mitbringen und wie viele Stunden sie einbringen, muss allen Verantwortlichen bekannt sein. Das ist nicht nur wichtig, um im Blick zu behalten, ob freiwilliges Engagement berufliche T\u00e4tigkeit verdr\u00e4ngt, sondern auch, ob die Grenzen ehrenamtlicher T\u00e4tigkeit, was Zeit und Gestaltungsfreiheit angeht, eingehalten werden. Das geht bis zu der Frage, ob es in Mitarbeitervertretungen eine\/n Beauftragten f\u00fcr Ehrenamt geben kann, der die Kontakte zu dieser Gruppe h\u00e4lt und deren Perspektiven und Bedarfe in Planungen und Entscheidungen einbringt. Gerade da, wo der Kontext beruflich gepr\u00e4gt ist, wie in der Diakonie, l\u00e4ge darin eine Chance, die spezifischen Interessen Ehrenamtlicher im Blick zu behalten und Konflikte oder \u00dcberforderungssituationen aller Beteiligten rechtzeitig in den Blick zu nehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>6. Was allen Gewinn bringt: zur Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt<\/strong><\/p>\n<p>In dem Ehrenamtsworkshop, von dem ich eben erz\u00e4hlt habe, zeichneten alle Beteiligten ihre Engagementbiographie. Es waren bunte Bilder \u2013 B\u00e4ume mit Wurzeln, Zweigen und Bl\u00e4tterdach, Fl\u00fcsse mit Zufl\u00fcssen, Seen und Inseln, dynamische Str\u00f6me. Mal war es der Beruf oder Familie, aus denen sich ehrenamtliches Engagement entwickelte, mal hatten Teilnehmende ihren Beruf auf dem Hintergrund ehrenamtlicher Erfahrungen gefunden. Dabei konnte es durchaus das gleiche Arbeitsfeld sein, in dem jemand einmal beruflich, einmal ehrenamtlich t\u00e4tig war.<\/p>\n<p><strong>Solche \u201eSeitenwechsel\u201c zwischen beruflicher und ehrenamtlicher T\u00e4tigkeiten werden normaler. <\/strong>Nicht nur die Sozialwirtschaft, auch andere Dienstleister wie auch gro\u00dfe Industrieunternehmen entdecken die F\u00f6rderung der Freiwilligent\u00e4tigkeit. Und viele, die in Kirche und Wohlfahrtspflege beruflich t\u00e4tig sind, arbeiten an anderer Stelle ehrenamtlich. <strong>In der Personalentwicklung spielt das kaum eine Rolle \u2013 obwohl es andererseits fast selbstverst\u00e4ndlich vorausgesetzt wird. Zu selten werden Rollenwechsel fruchtbar gemacht.<\/strong> Um die traditionelle Hierarchisierung von \u00c4mtern, Geschlechtern, von bezahlten und unbezahlten Kr\u00e4ften zu \u00fcberwinden, braucht es bewusste Perspektivwechsel. Und Klarheit \u00fcber den Gewinn und die Grenzen beider Positionen.<\/p>\n<p><strong>Der Gewinn im Ehrenamt besteht in Selbstt\u00e4tigkeit und \u201eVertiefung des eigenen Weges\u201c. \u00dcber das Ehrenamt entstehen neue Zugangsqualifikationen, werden neue Netze gekn\u00fcpft.<\/strong> Damit hilft ehrenamtliches Engagement auch, Lebens\u00fcberg\u00e4nge zu gestalten. \u2013 von der Schule in den Beruf, von der Erwerbst\u00e4tigkeit in die dritte Lebensphase, von der Familienphase zur\u00fcck in den Beruf. Wenn man betrachtet, aus welchem relativ begrenzten Reservoir sich kirchliches Engagement heute speist- bestimmte soziale Schichten, Altersgruppen und Lebensstilmilieus sind unterrepr\u00e4sentiert \u2013 dann kann man annehmen, dass hier ein hohes Engagementpotenzial ruht. Deutlich wird aber auch: <strong>Ehrenamt braucht eine grundlegende \u00f6konomische Absicherung.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Darin besteht ein zentraler Gewinn beruflicher T\u00e4tigkeit: \u00d6konomische Sicherheit, professioneller Verantwortung, Aufstiegsm\u00f6glichkeiten. Aber auch berufliche Zufriedenheit ist auf Motivationserhalt, Bildungsangebote, Teamentwicklung angewiesen. Denn der \u00f6konomische Gewinn ist f\u00fcr viele nicht mehr das entscheidende Motiv f\u00fcr berufliche Arbeit<\/strong>. Die Flexibilisierung der Arbeitswelt, diskontinuierliche Erwerbsbiographien wie auch die Feminisierung der Arbeitswelt f\u00fchren zu einem neuen Interesse an Sinn und sozialer Gestaltung der Arbeit.<\/p>\n<p><strong>Und das gilt f\u00fcr Haupt- wie Ehrenamtliche. Menschen suchen ihre Berufung; sie wolle finden, was den Einsatz lohnt<\/strong><strong>. <\/strong>Ehrenamtliches Engagement wird wie berufliche T\u00e4tigkeit kompetent, qualifiziert und in diesem Sinne professionell geleistet. Dazu bedarf es entsprechender Qualifizierungsangebote, die sich auf Arbeitsfeld, Methodik oder auch auf die spezifischen Aspekte der Organisation beziehen k\u00f6nnen. Eine Einf\u00fchrung in ehrenamtliche T\u00e4tigkeiten muss gew\u00e4hrleistet werden, je nach Engagementfeld bis hin zur standardisierten Aus- und Weiterbildungen. Dazu geh\u00f6ren auch Kenntnisse zur Zusammenarbeit mit Hauptberuflichen in den Organisationen. Hauptberufliche Mitarbeiter m\u00fcssen f\u00fcr die Zusammenarbeit mit ehrenamtlich Engagierten sowie f\u00fcr deren Unterst\u00fctzung und Begleitung qualifiziert werden. Gemeinsame Aus- und Weiterbildungen erm\u00f6glichen wechselseitiges Lernen. Wo es ein gemeinsames Ziel, ein Projekt gibt, f\u00e4llt es leichter, Reibungen zu reduzieren. Dazu m\u00fcssen Aufgaben und Verantwortlichkeiten klar beschrieben und begrenzt sein. Schon heute lebt zum Beispiel die Hospiz- und Palliativarbeit von einer Mischung aus fachlicher und ehrenamtlicher Kompetenz. Die Weiterentwicklung des Altenhilfesystems wird in die gleiche Richtung gehen m\u00fcssen. Bei den Tafeln und in der Fl\u00fcchtlingshilfe gelingt es schon hier und da, aus Betroffenen Engagierte und manchmal auch Besch\u00e4ftigte zu machen. Wo die unterschiedlichen Erfahrungen von Kirche und Diakonie zusammen kommen \u2013 so wie heute \u2013 werden noch mehr neue Perspektiven f\u00fcr die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt entstehen.<\/p>\n<p>Cornelia Coenen-Marx, Kassel, 23.8.18<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.Klartext reden \u201eWann kann ich schon im Job sagen, was ich f\u00fcr richtig halte, ohne dabei ein Blatt vor dem&#8230; <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=3963\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":542,"menu_order":88,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-3963","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3963"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3963"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3963\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3964,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3963\/revisions\/3964"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/542"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3963"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}