{"id":3944,"date":"2018-08-31T18:25:23","date_gmt":"2018-08-31T16:25:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=3944"},"modified":"2018-08-31T18:34:33","modified_gmt":"2018-08-31T16:34:33","slug":"keiner-stirbt-fuer-sich-allein-hospiz-und-sorgeteams","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=3944","title":{"rendered":"Keiner stirbt f\u00fcr sich allein. Hospiz- und Sorgeteams"},"content":{"rendered":"<h2><strong><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/hospiz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-3946 size-full\" src=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/hospiz.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/hospiz.jpg 300w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/hospiz-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>1. Worum es mir geht<\/strong><\/h2>\n<p><strong>\u201eMein Sterbegl\u00fcck ist, dass ich die Beziehungen zu mir nahestehenden Menschen noch einmal ganz neu und wunderbar erlebe\u201c,<\/strong> sagte die Theologin Luise Schottroff kurz vor ihrem Tod. \u201eNie h\u00e4tte ich es f\u00fcr m\u00f6glich gehalten, dass in unserer durchgetakteten Welt so viel Zuwendung m\u00f6glich ist.\u201c In der Zeit ihrer Krankheit wurde ihr Freundesnetzwerk noch einmal dichter gekn\u00fcpft \u2013 und alle Beteiligten wuchsen so zusammen, dass sie einander im Abschiednehmen emotional und praktisch unterst\u00fctzen konnten. Nicht immer sind Abschieds- und Sterbeprozesse so vers\u00f6hnlich. <strong>\u201eIm Grunde, f\u00fcrchte ich, gibt es keinen, der mich aush\u00e4lt\u201c<\/strong>, schreibt Jutta Winkelmann in ihrem Buch \u201eMein Leben ohne mich\u201c. \u201eIch darf keine negativen Gef\u00fchle haben, sie sind zu offenbar zu bedrohlich.\u201c <strong>Ob und wie es m\u00f6glich wird, durch den Schmerz zu einem neuen Leben zu finden, das h\u00e4ngt von vielen Faktoren ab.<\/strong> Von den individuellen Beziehungen, aber auch von den Strukturen der Institutionen. Vom Gesundheitszustand der Sterbenden genauso wie von dem der Angeh\u00f6rigen und Freunde. Und nicht zuletzt von finanziellen und rechtlichen Fragen.<\/p>\n<p><strong>Noch immer gilt das Paradox, dass die Mehrheit der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zu Hause sterben wollen, w\u00e4hrend die meisten tats\u00e4chlich in Krankenh\u00e4usern und Pflegeeinrichtungen oder in Hospizen sterben.<\/strong> Wir w\u00fcnschen uns Verh\u00e4ltnisse wie in den f\u00fcnfziger Jahren, als es selbstverst\u00e4ndlich schien, dass Pflegebed\u00fcrftige zu Hause von ihren Angeh\u00f6rigen versorgt wurden. <strong>Dass das Sterben seitdem immer mehr professionalisiert, institutionalisiert und medikalisiert wurde, hat viele Gr\u00fcnde. Die selbstverst\u00e4ndliche Teilnahme von Frauen an der Erwerbsgesellschaft, die zunehmende Mobilit\u00e4t und auch der demografische Wandel haben die Situation grundlegend ver\u00e4ndert.<\/strong> Ehe wir allerdings die goldenen F\u00fcnfziger verkl\u00e4ren, sollten wir uns auch an die \u00dcberforderung erinnern, die so ein Pflegesetting auf vielen Ebenen bedeuten kann. Die Pflegeeinrichtungen und Krankenh\u00e4user, die bereits im fr\u00fchen 19.\u00a0Jahrhundert mit der wachsenden Industrialisierung gegr\u00fcndet wurden,<strong> sollten den Bewohnern eine gute Versorgung bieten, die die Angeh\u00f6rigen schon zeitlich oft nicht mehr leisten konnten. Inzwischen hat man mehr und mehr auch die emotionale \u00dcberforderung der Pflegenden im Blick. <\/strong>Gleichzeitig entwickeln die Einrichtungen aber auch ihre Eigengesetzlichkeit. Den Einzug in ein Heim erleben viele als Verlust an Autonomie und Geborgenheit, an Privatsph\u00e4re und Freiheit unter den Kontrollstrukturen der jeweiligen Einrichtung.<\/p>\n<p><strong>Wenn sich etwas \u00e4ndern soll, brauchen wir nicht nur eine andere Sozial-, Pflege- und Arbeitsmarktpolitik, sondern auch einen Mentalit\u00e4tswandel. <\/strong>Wir brauchen eine Kultur der Freundschaft und wechselseitigen Sorge. <strong>\u201eFreundschaft l\u00e4sst sich nicht bezahlen, nicht organisieren und professionalisieren \u2026\u201c, schreibt Andreas Heller.<\/strong><strong> \u201e<\/strong><strong>Aber die Sorge f\u00fcreinander kann uns helfen, reicher, lebendiger und sinnvoller zu leben.\u201c Dabei geht es darum, Freundesdienste und bezahlte Dienstleistungen gut zusammenzuf\u00fcgen. <\/strong>Manche, die im eigenen Haus bleiben und die alten Netzwerke pflegen, haben nun neben der gewohnten Putzhilfe und den verschiedenen Hol- und Bringediensten auch eine polnische oder rum\u00e4nische Betreuerin. Dieses Arrangement ist aber nicht nur teuer f\u00fcr diejenigen, die darin den privaten Ausweg aus dem bekannten Pflegenotstand suchen. Die sogenannten Care-Ketten in Europa bringen auch hohe soziale Kosten f\u00fcr die Pflegepersonen und ihre eigenen Familien und auch Gesellschaften mit sich.<\/p>\n<p><strong>Dass die meisten heute in Krankenh\u00e4usern sterben, liegt aber nicht nur am hinkenden Ausbau der ambulanten Pflege. Es h\u00e4ngt auch damit zusammen, dass wir den Tod genauso wie die Schwangerschaft medizinalisiert haben. Aus lauter Angst vor dem Prozess des Sterbens, aus mangelnder Erfahrung geben wir die Steuerung an Experten ab.<\/strong> Dann bleiben die Angeh\u00f6rigen Besucher, werden aber gleichzeitig wegen der Personalknappheit f\u00fcr den einen oder anderen Hilfsdienst gebraucht \u2013 eine Rolle, die verunsichert. Nur in den hospizlichen Einrichtungen ist es in der Regel m\u00f6glich, Alltag und Abschiede individuell und kreativ zu gestalten. Kleinere Einheiten, in denen wir interagieren k\u00f6nnen, bieten soziale Sicherheit, ohne hohe Kontrollschranken aufbauen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>\u201eWir sollten lernen, keine Angst aufkommen zu lassen, sondern danach zu handeln, was Recht ist. Und das nicht im Alleingang, sondern immer im Team\u201c, <\/strong>sagt ein Altenpfleger. \u201eEin Bewohner hat das Recht, dass man f\u00fcr ihn k\u00e4mpft, wenn er das nicht mehr selbst kann.\u201c Tats\u00e4chlich finden am Sterbebett oft genug K\u00e4mpfe statt. Denn es ist keineswegs immer klar, \u201ewas Recht ist\u201c. Gerade bei \u00e4lteren, multimorbiden Menschen geht es im Sterbeprozess um zahlreiche Entscheidungen und keinesfalls um das schnelle Ende, das von manchen so sehr gew\u00fcnscht wird. Dabei ist ein gutes Miteinander in der Entscheidungssituation genauso wesentlich wie die rechtliche Festlegung in einer Patientenverf\u00fcgung<strong>. Die Zeit der Sterbebegleitung, des Abschiednehmens und Neuordnens verlangt in unserer zunehmend fragmentierten Gesellschaft ein hohes Ma\u00df an Kommunikation und Absprachen. Und eben ein \u00dcberschreiten der Grenzen zwischen den Institutionen und ihrem Au\u00dferhalb, zwischen Pflegenden, der Kernfamilie und den anderen Zugeh\u00f6rigen, aber auch \u2013 im Sinne integrierter Gesundheitspolitik \u2013 zwischen verschiedenen Tr\u00e4gern, Kranken- und Pflegeversicherung, Organisationen und den Engagierten in der Zivilgesellschaft<\/strong>. Bei Seelsorgekr\u00e4ften und Ehrenamtlichen ist vielleicht auch Raum, die oft unterdr\u00fcckten Gef\u00fchle anzusprechen: Entt\u00e4uschung und Trauer, Hilflosigkeit, Wut und Verletzungen. Wie sonst soll es gelingen, sich auszus\u00f6hnen und \u201edie Dinge in Ordnung zu bringen\u201c? Und mit wem kann man sprechen \u00fcber die immer noch offene Frage, was uns erwartet \u201edanach\u201c?<\/p>\n<p>Wer ohne Tabus mit dem Sterben und der Frage nach dem \u201eDanach\u201c umgehen will, braucht <strong>R\u00e4ume und Zeiten, in denen er selbst angstfrei dar\u00fcber nachdenken kann. Dabei spielen Rituale eine besondere Rolle. Kirchengemeinden und Seelsorgeteams haben hier eine wichtige Aufgabe.<\/strong> Es geht um Entlastung, damit Menschen Zeit mit ihren Angeh\u00f6rigen verbringen k\u00f6nnen, um einf\u00fchlsame Begleitung, um Vers\u00f6hnungsprozesse und Wiederbegegnungen zu erm\u00f6glichen. Um Beratung in schwierigen Entscheidungssituationen \u2013 vorurteilsfrei und nah am Miteinander. Seelsorge, auch die Gemeindeseelsorge, muss sich als integrativer Bestandteil und Inspiration hospizlicher Teams bzw. sorgender Gemeinschaften verstehen. Gemeinde und diakonische Temas brauchen dabei mehr als spirituelle Erfahrung, sie brauchen eine Gespr\u00e4chskultur und R\u00e4ume der Reflexion, die die Freiheit unterschiedlicher Zug\u00e4nge und Lebenswege achten. Die Auseinandersetzung mit den biblischen Texten kann dabei eine hilfreiche Orientierung bieten.<\/p>\n<h2><strong>2. Mein Erfahrungshintergrund<\/strong><\/h2>\n<p>Seit meiner Gemeindearbeit in den achtziger Jahren in M\u00f6nchengladbach hat mich die hospizliche Arbeit besch\u00e4ftigt \u2013 dort startete 1984 eine Hospizinitiative, inspiriert unter anderem von der Arbeit von Cicely Saunders, und auch in unserer Gemeinde f\u00fchrten wir Veranstaltungen durch. Damals bauten wir einen \u00f6kumenischen Pflege- und Besuchsdienst auf. Als Abteilungsleitung im Diakonischen Wert Rheinland konnte ich die ersten station\u00e4ren Hospize begleiten, als Theologischer Vorstand in der Kaiserswerther Diakonie war ich beteiligt am Aufbau einer Palliativstation im Florence-Nightingale-Krankenhaus und einem dreij\u00e4hrigen, differenzierten Projekt zur Sterbebegleitung auf allen Stationen, in Pflegeeinrichtungen, Seelsorge und Beratung bis hin zur Gr\u00fcndung einer Ethikkommission. Mehr als zweihundert Mitarbeitende waren aktiv an diesem Projekt beteiligt, in dem auch die Traditionsgeschichte der Schwesternschaft aufgenommen wurde.<\/p>\n<h2><strong>3. Beispiele f\u00fcr Vortragsthemen<\/strong><\/h2>\n<ul>\n<li><strong>Lebenssatt \u2013 das Leben satt?<\/strong><\/li>\n<li><strong>Keiner stirbt f\u00fcr sich allein \u2013 Sterben im Geflecht des Lebens<\/strong><\/li>\n<li><strong>Familien und Angeh\u00f6rige im Hospizgeschehen<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>4. Mein Buch zum Thema und weitere Publikationen <\/strong><\/h2>\n<ul>\n<li>Bartosch, Hans, Coenen-Marx, Cornelia u.\u00a0a.: <strong>\u201eLeben ist kostbar\u201c. Der Palliative Care- und Ethikprozess in der Kaiserswerther Diakonie<\/strong>, Freiburg 2005<\/li>\n<li><strong>Die Seele des Sozialen \u2013 Gemeinschaften als tragendes Netzwerk f\u00fcr Engagement und Inspiration<\/strong> (auf dieser Website unter <a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=914\">http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=914<\/a>)<\/li>\n<li><strong>Familien und Angeh\u00f6rige im Hospizgeschehen. Theologisch-ethische Reflexionen<\/strong> (auf dieser Website unter <a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=916\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=916<\/a>)<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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