{"id":3677,"date":"2018-04-18T09:37:04","date_gmt":"2018-04-18T09:37:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=3677"},"modified":"2018-04-30T14:43:28","modified_gmt":"2018-04-30T14:43:28","slug":"zur-zukunft-diakonischer-gemeinschaften","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=3677","title":{"rendered":"Zur Zukunft diakonischer Gemeinschaften"},"content":{"rendered":"<h2><strong><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/IMG_20171116_163648.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3765 size-medium alignleft\" src=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/IMG_20171116_163648-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/IMG_20171116_163648-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/IMG_20171116_163648-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/IMG_20171116_163648-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/IMG_20171116_163648-1024x1024.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>1. Worum es mir geht<\/strong><\/h2>\n<p><strong>G\u00e4be es die diakonischen Gemeinschaften nicht, man m\u00fcsste sie neu erfinden. Und sie werden ja gerade neu erfunden: in den Sorgenden Gemeinschaften von Ehren- und Hauptamtlichen in den Nachbarschaften. In den \u201eTischgemeinschaften\u201c der \u00c4lteren im Gemeindehaus. In den internationalen G\u00e4rten, in denen Migrantinnen und Migranten miteinander kochen. An den Orten der Gastfreundschaft in den Quartiersl\u00e4den.<\/strong>\u00a0In Selbsthilfegruppen, Trauergruppen und genossenschaftlich getragenen Dorfl\u00e4den. In den Wohngemeinschaften von Demenzkranken und ihren Angeh\u00f6rigen.\u00a0<strong>Da ist eine Bewegung im Gang, die die effektiv gesteuerten Sozialunternehmen aufs Beste erg\u00e4nzt \u2013 mit Empathie und Begeisterung und mit vielen neuen Ritualen.<\/strong><\/p>\n<p>Manche diakonische Gemeinschaften sind Teil dieser Bewegung geworden. Teilweise sind es gerade die, die ihre Krankenh\u00e4user abgeben mussten und sich dann neu eingelassen haben auf Wohnprojekte oder Engagementf\u00f6rderung.\u00a0<strong>Anderen f\u00e4llt es noch schwer, sich zu vernetzen mit Initiativen oder mit Angeh\u00f6rigen. Oder einfach in Freiheit neue Themen aufzugreifen. Vielleicht hindern alte Traditionen und Denkmuster den Neubeginn. Um das zu begreifen, muss man auf die grundlegenden sozialen Ver\u00e4nderungsprozesse der sechziger und siebziger Jahre schauen.<\/strong>\u00a0Mit der Entwicklung zum \u201eWohlfahrtsstaat\u201c wurden die Rechtsanspr\u00fcche des Einzelnen an die sozialen Sicherungssysteme formuliert. Soziale Einrichtungen erhielten eine ausk\u00f6mmliche Deckung der Selbstkosten. Und die soziale Arbeit wurde professionalisiert. So entstanden nicht nur in der Altenpflege und im Gesundheitssystem neue Berufe. Am Dienst der Gemeindeschwester l\u00e4sst sich die damalige Differenzierung beispielhaft ablesen: Was heute Quartiersmanager, Sozialarbeiterin, Pflege- und Hauswirtschaftskr\u00e4fte nur noch im Team leisten k\u00f6nnen, wurde bis in die achtziger Jahre von den Generalistinnen in der Schwesternstation gemanagt \u2013 inklusive Seelsorge und Begleitung der Familie. Aber ohne Einstufung, Abrechnung und Qualit\u00e4tskontrollen \u2013 und auch ohne Wochenende und Vertretungsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p><strong>Vor f\u00fcnfzig Jahren ver\u00e4nderten die Emanzipations- und B\u00fcrgerbewegungen Organisationen, Berufs- und Geschlechterrollen.\u00a0<\/strong>Die sogenannten Frauenberufe wurden professionalisiert, die Berufst\u00e4tigkeit von Frauen wurde selbstverst\u00e4ndlicher. Zugleich entwickelten sich freie Partnerschaften neben der Ehe, die Zahl der Scheidungen nahm zu. Institutionen, Traditionen und Hierarchien wurden in Frage gestellt; es kam verst\u00e4rkt zu Kirchenaustritten.<strong>\u00a0Beruf, Lebensform und Glauben fielen auseinander. Diakonische Gemeinschaften \u00f6ffneten sich f\u00fcr Mitarbeitende, die nicht evangelisch, aber Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) waren. Und in den Unternehmen schlossen sich unterschiedliche Gemeinschaften zusammen:\u00a0<\/strong>Diakonen- und Diakonissengemeinschaften oder sp\u00e4ter dann Schwesternschaften aus Diakonissen und diakonischen Schwestern. Zugleich nahm die Bedeutung der Gemeinschaften ab; man setzte mehr und mehr auf Fachlichkeit, Professionalit\u00e4t und unternehmerisches Denken \u2013 und auf ein privates Leben nach Feierabend.<\/p>\n<p><strong>Heute zeigt sich: Am Ende des Professionalisierungswegs, unter dem \u00f6konomischen Druck in allen Berufsfeldern, w\u00e4chst der Wunsch nach Sinnerfahrung und Erf\u00fcllung im Beruf, nach freundschaftlichen Beziehungen und verl\u00e4sslicher Zusammenarbeit am Arbeitsplatz<\/strong>.\u00a0<strong>Die Ideen des Anfangs werden wieder attraktiv.<\/strong>\u00a0Menschen suchen pers\u00f6nliche Entwicklung in Bildungs- und Sabbatzeiten \u2013 es geht um Haltung, Ethik und Spiritualit\u00e4t. Gerade in sozialen Berufen will man ernst machen mit dem Slogan, dass der Mensch im Mittelpunkt steht. Assistenzdienste, Casemanagement, die Orchestrierung um die Leidenden und Sterbenden in der Palliativarbeit zeigen die Richtung. Dies geht einher mit der wachsenden Freiwilligenbewegung \u2013 in den Quartieren und auch in den Unternehmen. Wohnprojekte, Mehrgenerationenh\u00e4user, Stadtteilarbeit und Sorgende Gemeinschaften gewinnen an Bedeutung. Neue Rituale an Schwellenzeiten entstehen.\u00a0<strong>Das alles \u00e4hnelt den Ideen der Gr\u00fcnderzeit in der Diakoniebewegung. Auch damals ging es um Bildung, Beruflichkeit und Haltung. Gemeinschaften als Wahlfamilien und integrative Quartiersarbeit<\/strong>\u00a0waren der entscheidende Gegentrend zu Globalisierung, gesellschaftlicher Spaltung, \u00dcberlastung von Familien und der Vernachl\u00e4ssigung von Kindern, Pflegebed\u00fcrftigen, Sterbenden<strong>. Die Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcnder schufen Netzwerke der geschwisterlichen Liebe gegen die globalisierten Netzwerke der Industrie und des Handels.<\/strong>\u00a0Soziale Professionalit\u00e4t braucht Selbstreflexion, Beziehungs- und Gemeinschaftsorientierung. Und in den eigenen Leidenserfahrungen wachsen Empathie und Compassion.\u00a0<strong>Diakonische Arbeit braucht Zusammenarbeit mit Patienten bei der Heilung, Zusammenarbeit untereinander und mit Akteuren von au\u00dferhalb, Zusammenarbeit bei der Bew\u00e4ltigung des schwer Ertr\u00e4glichen und eine gemeinsame Suche nach spirituellen Kraftquellen.\u00a0<\/strong>Hier liegt die Bedeutung diakonischer Gemeinschaften als Impulsgeber f\u00fcr Unternehmen, Gemeinden und Dienstleister.<\/p>\n<h2><strong>2.\u00a0Beispiele f\u00fcr Vortragstitel<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Diakonie als Lebensform und Lebensinhalt<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201eGrenzen, Gr\u00e4ben, Br\u00fcckenbauer\u201c \u2013 Gemeinschaft als Akteure in diakonischen Unternehmen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Glut unter der Asche neu entfachen. Wie diakonische Gemeinschaft w\u00e4rmt und tr\u00e4gt<\/strong><\/p>\n<h2><strong>3.\u00a0Mein Erfahrungshintergrund<\/strong><\/h2>\n<p>Zwischen 1998 und 2004 war ich Vorsteherin der Kaiserswerther Schwesternschaft, die sich in einem dreij\u00e4hrigen Prozess aus drei unterschiedlichen Gemeinschaften heraus entwickelte. In dieser Zeit entstand auch die Fliedner-Kulturstiftung. W\u00e4hrend meiner Jahre in der EKD war ich f\u00fcr die unterschiedlichen diakonischen Gemeinschaften vom VEDD bis zum Kaiserswerther Verband, vom Zehlendorfer Verband f\u00fcr Evangelische Diakonie bis zur Johanniterschwesternschaft zust\u00e4ndig. Seitdem bin ich immer wieder in unterschiedlichen Gemeinschaften unterwegs \u2013 zur Beratung wie zu Vortr\u00e4gen.<\/p>\n<h2><strong>4.\u00a0Mein Buch zum Thema und andere Publikationen<\/strong><\/h2>\n<p>Die Seele des Sozialen, Neukirchen 2013<\/p>\n<p><strong>Eintrag \u201eDiakon, Diakonisse\u201c<\/strong>\u00a0im Evangelischen Soziallexikon, Kohlhammer-Verlag, Stuttgart 2016<\/p>\n<p>Interview \u00fcber\u00a0<strong>\u201eHerausforderungen und Chancen von Gemeinschaften in Diakonischen Einrichtungen\u201c<\/strong>\u00a0in: Neuerker\u00f6der Bl\u00e4tter Nr. 103\/2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Worum es mir geht G\u00e4be es die diakonischen Gemeinschaften nicht, man m\u00fcsste sie neu erfinden. 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