{"id":3673,"date":"2018-04-18T09:34:33","date_gmt":"2018-04-18T09:34:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=3673"},"modified":"2018-05-02T07:46:05","modified_gmt":"2018-05-02T07:46:05","slug":"wie-inklusiv-ist-die-kirche","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=3673","title":{"rendered":"Wie inklusiv ist die Kirche?"},"content":{"rendered":"<h2><strong><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/CM_DSC_0102-56.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-3776 size-medium\" src=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/CM_DSC_0102-56-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/CM_DSC_0102-56-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/CM_DSC_0102-56-768x509.jpg 768w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/CM_DSC_0102-56-1024x678.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/strong><\/h2>\n<h2><strong>1. Worum es mir geht<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Als 2014 die EKD-Orientierungshilfe zur Inklusion erschien (\u201eEs ist normal, verschieden zu sein\u201c), hatten viele das Gef\u00fchl, die Kirche greife lediglich ein gesellschaftliches Thema auf. Tats\u00e4chlich stand im Hintergrund die UN-Behindertenrechtskonvention von 2008.\u00a0<\/strong>Als Ziel formuliert sie die \u201evolle und wirksame Partizipation und Inklusion\u201c (Art. 3) von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen.<strong>\u00a0Inklusion ist dabei keineswegs nur eine Sache von Expertinnen und Experten. Inklusion soll als \u00dcberzeugung und Haltung in den K\u00f6pfen und Herzen aller Menschen im Gemeinwesen ankommen und die Praxis im allt\u00e4glichen wie im professionellen Handeln bestimmen.\u00a0<\/strong>Es geht um eine neue Kultur wechselseitiger Anerkennung und Wertsch\u00e4tzung. Unter der Perspektive der Inklusion ver\u00e4ndert sich der Blick auf Behinderung.<strong>\u00a0Nicht mehr die medizinische Perspektive steht im Vordergrund, sondern die soziale \u2013 Behinderung wird vor allem als Beeintr\u00e4chtigung von Teilhabe verstanden. Damit wird der Blick auf gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen gelenkt.<\/strong>\u00a0Es geht darum, alle Menschen in die Lage zu versetzen, mit anderen in soziale Beziehung zu treten, pers\u00f6nliche Bindungen einzugehen und sich selbst als Teil des \u00f6ffentlichen Lebens erfahren zu k\u00f6nnen, ohne Barrieren \u00fcberwinden zu m\u00fcssen. Es bedeutet, nicht auf Mitleid angewiesen zu sein, um Unterst\u00fctzung und Hilfe zu erhalten.<\/p>\n<p><strong>Dieser Paradigmenwechsel hat unmittelbar mit der Aufgabenteilung in Kirche und Diakonie zu tun. Solange n\u00e4mlich vor allem die Funktionseinschr\u00e4nkungen des Einzelnen im Blick sind, resultiert daraus die \u00dcberweisung an eine Spezialeinrichtung.<\/strong>\u00a0Im Mittelpunkt steht der Gedanke: Diese Person ist behindert \u2013 sie braucht Hilfe.\u00a0<strong>Ein am Konzept der Inklusion geschulter Blick nimmt vor allem die hemmenden Rahmenbedingungen wahr.<\/strong>\u00a0Im Mittelpunkt steht der Gedanke: Diese Person wird behindert \u2013 wir m\u00fcssen uns ver\u00e4ndern.<strong>\u00a0Mit diesem Verst\u00e4ndnis ist die Abkehr von bevormundender F\u00fcrsorge verbunden. Es geht um die Einl\u00f6sung von Rechten, um das Subjektsein jeder und jedes Einzelnen.\u00a0<\/strong>Eine der geistigen M\u00fctter des Paradigmenwechsels, die Philosophin Martha Nussbaum, r\u00fcckt in ihrem Konzept der Teilhabe und Gerechtigkeit die W\u00fcrde und die F\u00e4higkeiten jedes Einzelnen in den Mittelpunkt: die F\u00e4higkeit, zu lernen und das eigene Denken zu entwickeln, aber auch die, sich selbst zu versorgen. Auch Bewegungsfreiheit und Mobilit\u00e4t geh\u00f6ren zu unseren Grundbed\u00fcrfnissen \u2013 auch wenn wir auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind. Wir brauchen das Gef\u00fchl der Zugeh\u00f6rigkeit zu einer sozialen Gruppe und wir m\u00fcssen die M\u00f6glichkeit haben, uns einzumischen, wenn es um die Gestaltung unseres eigenen Lebensraums geht \u2013 in der Nachbarschaft, in Gemeinde und Politik.<\/p>\n<p><strong>Hilfesysteme d\u00fcrfen nicht entm\u00fcndigen, sie sollen Emanzipation und Teilhabe unterst\u00fctzen.<\/strong>\u00a0Von diesem Impuls lebte Ende der sechziger Jahre die Aufl\u00f6sung der gro\u00dfen Heime der Jugendhilfe in kleine Familiengruppen, das trieb die Gemeindepsychiatriebewegung in den Siebzigern und die Hospizbewegung in den Achtzigern voran, und es f\u00fchrt seit zehn Jahren zur Ambulantisierung der Behindertenhilfe und zur Ver\u00e4nderung in der Altenhilfe.\u00a0<strong>Damit verbindet sich eine kritische Sicht auf das gegebene Sozialsystem \u2013 und auch in dieser Hinsicht geht es bei der Inklusion um einen Paradigmenwechsel:<\/strong>\u00a0Im deutschen Sozialstaat hat, wer hilfebed\u00fcrftig ist, einen Rechtsanspruch auf Hilfe, der sich an der jeweiligen Notlage bzw. an den Bedarfen misst. Dabei bedeutet es einen erheblichen Unterschied, ob jemand akut oder chronisch krank ist, eine Behinderung hat oder pflegebed\u00fcrftig ist. Denn die im Sozialgesetzbuch geregelten Anspr\u00fcche sind nach wie vor defizitorientiert und nur sekund\u00e4r auf Teilhabe- und Selbstbestimmungsm\u00f6glichkeiten ausgerichtet.\u00a0<strong>Kirche und Diakonie haben die Geschichte des Schulsystems wie die des Sozialstaats mitgestaltet und sind zutiefst darin verwickelt. Gleich, ob es um Rettungsanstalten oder Obdachlosenarbeit, um Anstalten f\u00fcr K\u00f6rperbehinderte oder sp\u00e4ter auch um die Gr\u00fcndung psychiatrischer Heime ging<\/strong>, es waren fromme Christinnen und Christen und diakonische Vereine, die die ersten Einrichtungen schufen. Spezielle Institutionen wurden geschaffen \u2013 mit Medizin und Pflege, mit Schulen und Arbeitsm\u00f6glichkeiten. Neue Orte wurden entwickelt wie in Bethel oder Rummelsberg, die auch den Aufgegebenen und Diskriminierten Wahlfamilien und ein Zuhause bieten sollten.\u00a0<strong>Erst heute ist uns bewusst, dass damit auch die Kehrseite der Exklusion verbunden war.<\/strong>\u00a0Denn mit den Anstalten, die meist vor den St\u00e4dten lagen, verschwanden die Menschen aus den Familien und den Gemeinden \u2013 und mit ihnen auch das Bewusstsein f\u00fcr Verletzlichkeit und Angewiesenheit. Das Erschrecken \u00fcber die Beteiligung von Anstaltsleitungen an der sogenannten Euthanasiepolitik im Dritten Reich hat seit den sechziger Jahren zum Umdenken gef\u00fchrt \u2013 auch in Diakonie und Theologie.<\/p>\n<p><strong>In den letzten 25 bis drei\u00dfig Jahren haben sich die sozialen Dienste in Deutschland noch einmal grundlegend ver\u00e4ndert \u2013 ein Prozess der Ambulantisierung, Privatisierung und auch Vermarktlichung.<\/strong>\u00a0Dienstleistungen sind an die Stelle von Einrichtungen getreten. Man kommt nicht mehr in eine Station oder Einrichtung, man schlie\u00dft einen Vertrag \u00fcber ein individuelles Hilfepaket \u2013 im Krankenhaus \u00fcber die Operation und einige Tage Aufenthalt auf der Station, in Jugend- und Behindertenhilfe \u00fcber Wohnung, Arbeit, Coaching und Mobilit\u00e4t.\u00a0<strong>Dabei geht es letztlich darum, das Soziale entlang der Lebensvollz\u00fcge zu denken, die jeden von uns betreffen: Wohnen und Arbeiten, Bildung und Gesundheit, Mobilit\u00e4t und Zugeh\u00f6rigkeit, Engagement und Beteiligung.<\/strong>\u00a0Dieses Konzept liegt auch Netzwerken zugrunde wie Wohnquartier hoch 8 in Alsterdorf, die sich nach den wesentlichen Bedarfen bei Wohnungen, Bildungs- und Freizeitangeboten, Gesundheit, Pflege und Mobilit\u00e4t organisieren und dabei auch andere Partner im Blick haben: von den Verkehrsbetrieben und dem Wohnungsbau \u00fcber \u00c4rzte und Sportvereine bis zu den Kirchengemeinden.\u00a0<strong>Das Soziale neu zu denken, eine neue Subsidiarit\u00e4t zu entwickeln, ist eine gro\u00dfe Herausforderung. Es muss darum gehen, jeden Menschen in seinen ganz individuellen F\u00e4higkeiten zu f\u00f6rdern und in seiner Selbstbestimmung zu unterst\u00fctzen.<\/strong>\u00a0Kommunen und Kirchengemeinden sind dabei in besonderer Weise herausgefordert.<strong>\u00a0Mit der Ambulantisierung diakonischer Einrichtungen und mit staatlichen Programmen wie Soziale Stadt ist in den letzten Jahren eine neue Aufmerksamkeit f\u00fcr die Quartiersarbeit entstanden.<\/strong>\u00a0Schon die Diakoniedenkschrift der EKD (\u201eHerz und Mund und Tat und Leben\u201c), die 1998 zum 150-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Inneren Mission ver\u00f6ffentlicht wurde, verfolgt eine gemeinwesenorientierte Strategie.\u00a0<strong>Pate standen Konzepte der gemeindenahen Behindertenhilfe, die lange vor der UN-Konvention umgesetzt wurden.<\/strong>\u00a0Es geht darum,<\/p>\n<ul>\n<li><strong>die Kontakte zu Betroffenen und zivilgesellschaftlichen Initiativen zu verbessern,<\/strong><\/li>\n<li><strong>die Distanz zwischen Kirchengemeinden und diakonischen Diensten zu \u00fcberbr\u00fccken<\/strong><\/li>\n<li><strong>und schlie\u00dflich die Gemeinden mit au\u00dferkirchlichen Initiativen im Gemeinwesen zu vernetzen<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In einem solchen Netzwerk kann die Kirche ein Knoten sein \u2013 sie muss nicht alles schultern. Aber Platz nehmen an den runden Tischen, das sollte sie schon. \u201eWir sind Gottes buntes V\u00f6lkchen\u201c, sagte der Theologe Ulrich Bach aus Volmarstein, \u201ebei uns kann jeder mitfeiern, wie er kommt.\u201c\u00a0<strong>In Gottesdienst, Seelsorge und Gemeindeleben sollte das sp\u00fcrbar sein. Auch in einer \u201eganz normalen\u201c Gemeinde.<\/strong><\/p>\n<h2><strong>2.\u00a0Beispiele f\u00fcr Vortragsthemen<\/strong><\/h2>\n<ul>\n<li><strong>Welches Inklusionspotenzial hat die Kirche?<\/strong><\/li>\n<li><strong>Inklusionsprozesse zwischen Anspruch und Wirklichkeit \u2013<\/strong><\/li>\n<li><strong>Geschwisterlichkeit und Grenzerfahrungen in der Gemeinde<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>3.\u00a0Mein Erfahrungshintergrund:<\/strong><\/h2>\n<p>Im Diakonischen Werk der Landeskirche Rheinland wie in der Kaiserswerther Diakonie war ich zust\u00e4ndig f\u00fcr \u201eBehindertenhilfe\u201c bzw. \u201eEingliederungshilfe\u201c. Au\u00dferdem war ich Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Gremiums zur Erarbeitung der EKD-Orientierungshilfe \u201eEs ist normal, verschieden zu sein\u201c und bin heute Mitglied des Kuratoriums der Pfeifferschen Stiftungen, Magdeburg.<\/p>\n<h2><strong>4.\u00a0Mein Buch zum Thema und andere Publikationen<\/strong><\/h2>\n<p>\u201eEs ist normal verschieden zu sein\u201c, Orientierungshilfe der EKD, 2014 (Mitautorschaft, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung)<\/p>\n<p><strong>\u201eWas ist gelingendes Leben? Zielvorstellungen und gesellschaftliche Wirklichkeit\u201c<\/strong>\u00a0in: Johannes Eurich, Andreas Lob-H\u00fcdepohl (Hg.): Behinderung. Profile inklusiver Theologie, Diakonie und Kirche, Stuttgart 2014<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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