{"id":3665,"date":"2018-04-18T09:30:06","date_gmt":"2018-04-18T09:30:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=3665"},"modified":"2018-04-30T14:40:23","modified_gmt":"2018-04-30T14:40:23","slug":"quartiersarbeit-herausforderung-und-chance-fuer-kirche-und-diakonie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=3665","title":{"rendered":"Quartiersarbeit: Herausforderung und Chance f\u00fcr Kirche und Diakonie"},"content":{"rendered":"<h2><strong><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/CM_DSC_0102-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3760 size-medium alignleft\" src=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/CM_DSC_0102-2-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/CM_DSC_0102-2-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/CM_DSC_0102-2-768x509.jpg 768w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/CM_DSC_0102-2.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>1. Worum es mir geht<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Heimat ist zum Symbol f\u00fcr Identit\u00e4t geworden.<\/strong>\u00a0Romantischer Sehnsuchtsort im Zeitalter der Industrialisierung, politisch instrumentalisiert im Dritten Reich, dann lange mit Sissi und Heidi identifiziert, liegt Heimat heute wieder im Trend \u2013 mit lokalen Brauereien, Landgasth\u00f6fen und regionaler Ern\u00e4hrung. Je mobiler die Gesellschaft wird, je mehr Optionen und Lebensstile zur Auswahl stehen, desto wichtiger wird der Lebensraum, in dem wir uns selbstverst\u00e4ndlich und ungezwungen bewegen k\u00f6nnen, weil wir dazugeh\u00f6ren.\u00a0<strong>Nicht zuf\u00e4llig sind es ganz h\u00e4ufig die Kirchen und Dome, die das Heimatgef\u00fchl st\u00e4rken \u2013 auch f\u00fcr die, die die Kirche selbst kaum noch besuchen.\u00a0<\/strong>Ich denke an die Kirchenkuratoren und -kuratorinnen, die heute daf\u00fcr sorgen, dass alte Dorfkirchen in Brandenburg oder in Mitteldeutschland saniert werden, die Kirchen offenhalten, auch wenn sie selbst gar nicht Mitglied sind. Aber auch an die w\u00fctenden Briefe, die ich schon vor zwanzig Jahren im rheinischen Landeskirchenamt erhielt, als in Duisburg der Streit um den L\u00e4rmschutz beim lautsprecherverst\u00e4rkten islamischen Gebetsruf losbrach.<\/p>\n<p>Das alles zeigt,<strong>\u00a0wie verunsichernd der Transformationsprozess ist, der uns gerade herausfordert<\/strong>. Junge Leute ziehen in die prosperierenden Regionen; zur\u00fcck bleiben die \u00c4lteren, weniger Beweglichen, die h\u00e4ufig Wohneigentum haben. V\u00e4ter pendeln von Ost nach West zur Arbeit: Wo bereits Kinder in der Familie leben, sind es dann h\u00e4ufig die M\u00fctter, die bleiben. Immerhin jedes dritte Paar in den ersten Berufsjahren pendelt.<strong>\u00a0Wer h\u00e4ufig umzieht, verliert die allt\u00e4gliche soziale Einbettung in Familie und Nachbarschaft.<\/strong>\u00a0Familien mit kleinen Kindern, alte oder kranke Menschen geraten bei der Bew\u00e4ltigung des Alltags enorm unter Druck, wenn sie nicht auf die selbstverst\u00e4ndliche Hilfe von Angeh\u00f6rigen zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen.\u00a0<strong>Denn auch die Nachbarschaften ver\u00e4ndern sich, weil Menschen von anderswoher zuziehen\u00a0<\/strong>\u2013 als Arbeitssuchende, Migranten oder Fl\u00fcchtlinge.<\/p>\n<p><strong>Kein Wunder, dass das Quartier in den letzten Jahren wiederentdeckt wurde<\/strong>\u00a0\u2013 als ein Raum, in dem neue Formen der Kooperation zwischen dem \u00f6ffentlichen und dem privaten Bereich, zwischen zivilgesellschaftlichen Initiativen, Kommune, Sozialversicherungen und Tr\u00e4gern sozialer Dienste Antwort geben auf die dr\u00e4ngendsten Bed\u00fcrfnisse.<strong>\u00a0Wo neue Chancen der Begegnung und der Teilhabe entstehen.<\/strong>\u00a0Im Quartier, wo Menschen einkaufen, ihre Kinder zur Tageseinrichtung bringen, wo Schulen und Sportvereine Ankn\u00fcpfungspunkte bieten und \u00c4rzte f\u00fcr die Versorgung bereit stehen, begegnen sich unterschiedliche Menschen noch immer ganz selbstverst\u00e4ndlich.\u00a0<strong>Hier anzukn\u00fcpfen bedeutet, nicht nur fall-, sondern eben auch feldorientiert zu arbeiten und beispielsweise entsprechende Einrichtungen der Begegnung und Beratung zu f\u00f6rdern.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein instruktives Beispiel ist die Pflege \u00e4lterer Menschen:<\/strong>\u00a043 Prozent der \u00c4lteren leben inzwischen in Einpersonenhaushalten. Und wir wissen, dass viele alte Menschen nur deshalb in ein Altenheim gehen, weil sie ihren Alltag nicht mehr allein bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen. Gehen sie in eine station\u00e4re Einrichtung, so verlieren sie damit nicht nur weitgehend ihre Autonomie und damit ein wesentliches St\u00fcck Lebensqualit\u00e4t. Diese \u201eL\u00f6sung\u201c ist zudem extrem teuer, entweder f\u00fcr die Betroffenen selbst oder auch f\u00fcr die Kommunen. Auf der anderen Seite sind im Fall der famili\u00e4ren Pflege bei zunehmender Erwerbsarbeit der Frauen alle Beteiligten \u00fcberfordert. Was gebraucht wird, ist ein ambulantes Setting mit Unterst\u00fctzung beim Erledigen der Hausarbeit und beim Einkaufen.\u00a0<strong>Eine quartiersbezogene Komponente, eine regelhafte Planung sowie Beratungsangebote in den Kommunen stehen deshalb in Altenhilfe und Pflegeversicherung genauso an wie zuvor in der Jugendhilfe und der Behindertenhilfe.<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn die Aufbr\u00fcche der Inneren Mission im 19. Jahrhundert vom Quartier ausgingen und ins Quartier zur\u00fcckf\u00fchrten \u2013 die Entwicklung des Sozial- und Wohlfahrtsstaats f\u00fchrte \u00fcber die Anstaltsdiakonie zur fallbezogenen Dienstleistung. Heute steht\u00a0<strong>Diakonie institutionell und von ihren Kompetenzen her zwischen der Einzelfalllogik des Sozialstaates und der Quartiersbezogenheit der Kirche. Sie kann erg\u00e4nzen, was Kirchengemeinden oft fehlt: professionelle Dienstleistungen, Unternehmensgeist, politisches Know-how.<\/strong>\u00a0Dabei geht es auch um die gesellschaftliche Anschlussf\u00e4higkeit von Kirchengemeinden.\u00a0<strong>Das Gelingen von Quartiersprojekten h\u00e4ngt davon ab, beides zusammenzubringen: Kirche und Diakonie, Lebensweltorientierung und Professionalit\u00e4t, Sozialraum und Dienstleistung.<\/strong><\/p>\n<h2><strong>2.\u00a0Beispiele f\u00fcr Vortragsthemen<\/strong><\/h2>\n<ul>\n<li><strong>Pflegeentwicklung in Quartier, Gemeinde und Nachbarschaft<\/strong><\/li>\n<li><strong>\u201eLeben und sterben, wo ich dazugeh\u00f6re\u201c: Nachbarschaft, Quartier und Dritter Sozialraum als Grundlagen einer sorgenden Gesellschaft<\/strong><\/li>\n<li><strong>Was wir als Kirche mit dem Quartier zu tun haben \u2013 Zur Theologie der Gemeinwesenarbeit<\/strong><\/li>\n<li><strong>Sozialr\u00e4ume gestalten \u2013 Gemeinwesendiakonie als Teil des kirchlichen Reformprozesses<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>3.\u00a0Mein Erfahrungshintergrund<\/strong><\/h2>\n<p>Gr\u00fcndung des Wickrather Gemeinde- und Quartiersladens 1986, Diakoniepfarrerin im Evangelischen Kirchenkreis Gladbach-Neuss, Erforschung der traditionellen Gemeindeschwesternarbeit in Projekten der Kaiserswerther Diakonie, Begleitung von Projekten der Gemeinwesendiakonie in der EKD (u.\u00a0a. Steuerungsgruppe \u201eKirche findet Stadt\u201c).<\/p>\n<h2><strong>4.\u00a0Mein Buch zum Thema und weitere Publikationen<\/strong><\/h2>\n<p><strong>\u201eAufbr\u00fcche in Umbr\u00fcchen. Christsein und Kirche in der Transformation\u201c, G\u00f6ttingen 2016<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201eTransforming society from a diaconical perspective\u201c<\/strong>\u00a0f\u00fcr GETI \u201917 Reader der Evangelischen Missionsakademie, 2017<\/p>\n<p><strong>\u201eHaltepunkt und Zusammenhalt \u2013\u00a0neue Aufgaben f\u00fcr Kirche und Diakonie im Gemeinwesen\u201c<\/strong>\u00a0in: Sebastian Borck, Astrid Giebel, Anke Homann (Hg.): Wechselwirkungen im Gemeinwesen, Kirchlich-diakonische Diskurse in Norddeutschland, Berlin 2016<\/p>\n<p><strong>\u201eSozialr\u00e4ume gestalten. Gemeinwesendiakonie als Teil des kirchlichen Reformprozesses\u201c<\/strong>\u00a0in: Klaus-Dieter Kaiser (Hg.): Lebendiger l\u00e4ndlicher Raum. Herausforderungen, Akteure, Perspektiven, Schwalbach 2014<\/p>\n<p><strong>\u201eDiakonie und Gesellschaft\u201c<\/strong>, Orientierungskurs Diakonie, Teil 11, in: Die Kirche 18.1.2015<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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