{"id":3307,"date":"2017-12-20T10:58:53","date_gmt":"2017-12-20T10:58:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=3307"},"modified":"2018-04-06T19:35:23","modified_gmt":"2018-04-06T19:35:23","slug":"die-segel-setzen-familie-und-familienpolitik-im-fluss-der-zeit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=3307","title":{"rendered":"Die Segel setzen \u2013 Familie und Familienpolitik im Fluss der Zeit"},"content":{"rendered":"<p><strong>1. \u201eWenn die bunten Fahnen wehen\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Borkum, das erste Mal Nordsee. Eingepackt in ein gro\u00dfes Badetuch sitze ich zitternd zwischen meinen Cousinen und buddle die F\u00fc\u00dfe in den Sand. Es wird k\u00fchler\u00a0\u2013 Zeit, dass wir zum Freizeitheim zur\u00fcckgehen. Oder doch lieber vorher noch zur Milchbar, wo es die Mixmilch mit den pinkfarbenen Strohhalmen gibt. Wir sind auf Familienfreizeit \u2013 im Sommer 1957. Vor 60 Jahren also, als hier in Bayern die EAF gegr\u00fcndet wird.<\/p>\n<p>\u201eWenn die bunten Fahnen wehen, geht die Fahrt wohl \u00fcbers Meer\u201c, wird im Bus und auf dem Boot gesungen: Sicher 20 Familien sind mitgekommen\u00a0\u2013 viele mit mehreren Kindern und noch einmal so viele Jugendliche, die in einer eigenen Baracke mit dreist\u00f6ckigen Betten \u00fcbernachten\u00a0\u2013 Armbr\u00fcche inbegriffen. Familie hat Konjunktur. Meine Eltern haben die Cousinen mitgenommen\u00a0\u2013 Einzelkinder werden noch mitleidig betrachtet. So leben immer wieder Pflegekinder bei uns; meist \u00fcber einige Monate, manchmal ein oder zwei Jahre. V\u00e4ter sind im Krieg gefallen, alleinerziehende M\u00fctter brauchen Unterst\u00fctzung, vor allem, wenn sie arbeiten \u201em\u00fcssen\u201c, um \u00fcber die Runden zu kommen. Es ist die Zeit der \u201eSchl\u00fcsselkinder\u201c. Die Infrastruktur ist kaum ausgebaut, so wird die Gro\u00dffamilie zur R\u00fcckfallposition.<\/p>\n<p>Familienpolitik wurde erst in den 50er Jahren zum Thema \u2013 zun\u00e4chst einmal galt es unmittelbare Not zu lindern. 1953 wurde in Bethel die EAF auf EKD-Ebene gegr\u00fcndet\u00a0\u2013 sie verstand sich als Teil einer neuen Familienbewegung. Fast zeitgleich war das Bundes-Familienministerium eingerichtet worden; der erste Minister war Franz-Josef Wuermeling, den die \u00e4lteren hier noch vom gleichnamigen Fahrausweis f\u00fcr Familien mit mehreren Kindern kennen; er verstand das Ministerium als \u201eAbwehrinstanz gegen die Gleichberechtigung der Frau\u201c. Es ging um die Neuordnung der Familienlastenausgleich\u00a0\u2013 mit Steuererleichterungen f\u00fcr Familien mit mehr als zwei Kindern, mit dem Ehegattensplitting und mit Kinderbeihilfen, damit M\u00fctter nicht erwerbst\u00e4tig sein \u201emussten\u201c. Das erste Wohnungsbaugesetz f\u00f6rderte das Familienheim. Kinderfreibetrag, Kindergeld, Baukindergeld \u2013 Ehegatten- und Familiensplitting: die politischen Themen, die damals gesetzt wurden, sind bis heute strittig.<\/p>\n<p>Noch dominiert das klassische Familienbild, gerade auch in der Kirche. Nicht ohne Schaudern habe ich in den letzten Tagen einige Seiten von Theodor Bovet gelesen, die noch 1962 bei der EAF erschienen\u00a0\u2013 unter dem Titel: \u201eDie Familie fordert uns\u201c, \u201eVom Amt des Vaters\u201c und \u201eVom Amt der Mutter\u201c. Ich lese das und sehe uns dasitzen \u2013 am Strand auf Borkum \u2013 meine Cousinen und ich mit meiner Mutter: \u201eJedes junge M\u00e4dchen soll wissen: Das Allerwichtigste, was zu tun ist, ist eine richtige Frau zu werden. Und das hei\u00dft: Eine m\u00fctterliche Frau zu werden. Alles andere: Bildung, Beruf, Ansehen, pers\u00f6nliches Gl\u00fcck \u2013 kommt erst lange hinterher\u201c. Nicht nur meine Mutter hatte mit der Heirat ihr Studium aufgegeben und ich wusste, das war tats\u00e4chlich Verzicht. Es war die Aufbauzeit, in der ohnehin viele W\u00fcnsche zur\u00fcckgestellt wurden, die Arbeitslosigkeit war hoch. Und \u201edie Familie forderte\u201c tats\u00e4chlich\u00a0\u2013 sie forderte Verzicht auf eigene Entfaltung, vor allem von den Frauen. Die M\u00fcttererholung hatte Konjunktur \u2013 nicht nur die Spannungsfelder zwischen Beruf und Familie belasten offenbar; auch die Enge der Kleinfamilie konnte stressen. 88.000 M\u00fctter in 177 Heimen nahmen 1962 ab der M\u00fcttererholung teil \u2013 auf Borkum wie in den Bergen. Familienerholung ist das gro\u00dfe Thema der 50er Jahre \u2013 auch in der EAF Bayern. Zu Beginn der EAF-Zeit, im goldenen Zeitalter der Familie, waren Erwerbsarbeit und Politik allerdings noch immer M\u00e4nnersache\u00a0\u2013 das galt auch f\u00fcr die Familienpolitik; man sieht es auf alten Verbandsfotos. Familienpolitik war institutionenorientiert. Und \u201edie katholische Kirche hat dieses familienpolitische Konzept voll unterst\u00fctzt und gef\u00f6rdert, die evangelische hat ihm zumindest nicht ausdr\u00fccklich und nachhaltig widersprochen\u201c schrieb Siegfried Keil 2003.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>2. Raus aus der Reaktionsfalle: Das Emanzipationsprogramm der EAF<\/strong><\/p>\n<p>Es hat lange gedauert, bis \u201eemanzipiert\u201c nicht mehr wie eine Beleidigung klang und Frauenerwerbst\u00e4tigkeit nicht mehr als ein notwendiges \u00dcbel betrachtet wurde. Ich erinnere mich an die wilden Umbruchsjahre\u00a0\u2013 meine Zeit in der Sch\u00fclermitverwaltung und dann auch in der Politik. An die Debatten um Ausbildungsf\u00f6rderung, um Heimerziehung und die Freigabe des Par. 218 \u2013 und im R\u00fcckblick erscheint es mir nicht erstaunlich, dass die T\u00f6chter der 50-Jahre M\u00fctter nun statt Verzicht die Selbstbestimmung forderten. Als erste gesellschaftliche Gruppe legte die EAF 1968 ein eigenes familienpolitisches Programm vor. Es war das letzte Jahr vor dem Regierungswechsel zur sozialliberalen Koalition \u2013 Politik wechselt die Farbe, vielleicht kann man sagen: sie wurde protestantischer. Jedenfalls will die EAF jetzt mehr, als nur vertreten zu sein &#8211; sie will gestalten, als evangelischer Verband neben dem starken Familienbund der Deutschen Katholiken und im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft der Familienverb\u00e4nde. Es geht in diesen Jahren um die Reform des Familienrechts, um die Rechte der Einzelnen, der Kinder wie der Frauen. Eine Mindestsicherung f\u00fcr jedes einzelne Kind steht auf der Tagesordnung &#8211; anstelle der F\u00f6rderung der Mehrkinderfamilie. Bildung und Beratung spielen eine gro\u00dfe Rolle, der Ausbau von Kinderg\u00e4rten, Horten und Ganztagsschulen. \u201eRationale Familienpolitik muss vorrangig vom Kind hergedacht werden\u201c, schreibt damals die N\u00fcrnberger SPD-Ministerin K\u00e4the Strobel, die erste Frau an der Spitze des Familienministeriums. Und weiter: \u201eDer Prozess der Emanzipation, vor allem der Frau, braucht und darf durch die Erziehung der nachfolgenden Generation und durch die Position in der Familie nicht behindert werden.\u201c Die Reform des Eherechts, des Scheidungsrechts und der elterlichen Sorge, die in den 70 Jahren erfolgt, entspricht dieser neuen Ausrichtung. Und ich erinnere mich, dass ich als politisch engagierte Studentin zum ersten Mal begriff, wie lange es dauert, bis Politik gesellschaftliche Bewegungen aufnimmt und rechtlich fasst.<\/p>\n<p>Es war \u00fcbrigens auch die Zeit, als die evangelischen Kirchen ihren Theologinnen endlich die volle Ordination und gleiche Rechte zubilligten. Bis sie f\u00fcr Kinderrechte eintraten, ist dann allerdings noch Zeit vergangen. Damals wurde das Zerr\u00fcttungsprinzip im Scheidungsrecht noch unter der \u00dcberschrift \u201eK\u00fcndigungssehe\u201c kritisiert. Im Spannungsfeld zwischen den Rechten von Frauen und Kindern und dem Schutz der Institution nehmen EAF und EKD dann f\u00fcr die n\u00e4chsten 30-40 Jahre deutlich verschiedene und durchaus spannungsvolle Positionen ein. Im Blick auf die Reform des Unterhaltsrechts allerdings wiesen sie 1971 gemeinsam auf ein Problem hin: Die Benachteiligung der Frauen, die wegen der Versorgung ihrer Kinder nicht durchg\u00e4ngig erwerbst\u00e4tig sein k\u00f6nnen. \u201eEs steht zu bef\u00fcrchten, dass das berechtigte Interesse an sozialer Sicherheit immer mehr junge Frauen veranlasst, durchgehend einer Erwerbst\u00e4tigkeit nachzugehen\u00a0\u2013 die Leidtragenden werden die Kinder sein\u201c, hie\u00df es damals in einem Artikel in den familienpolitischen Informationen. Wer auf die heutigen Debatten um Vereinbarkeit, Infrastruktur und Rente schaut, wei\u00df: die Sorgearbeit ist bis heute nicht \u00f6konomisch gesichert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>3. Zwischen Autonomie und Angewiesenheit <\/strong><\/p>\n<p>Die wirtschaftliche Situation von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern, die f\u00fcr Kinder oder Pflegebed\u00fcrftige sorgen und denen, die vollerwerbst\u00e4tig allein oder mit Partner leben, klafft vielmehr immer weiter auseinander. Hinzu kommt: Familienarbeit wird finanziell nur dann honoriert, wenn sie Ehe- oder Lebenspartnerschaft basiert ist; deshalb sind Alleinerziehende besonders von Armut betroffen. Dabei wird ein Drittel aller Kinder inzwischen nichtehelich geboren\u00a0\u2013 doppelt so viele, wie noch vor zwanzig Jahren. Der Zusammenhang von Eheschlie\u00dfung und Geburten \u2013 und damit auch der zwischen Ehe und Familie &#8211; l\u00f6st sich also auf. Oder besser: er l\u00f6st sich wieder auf.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich lebt die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung nicht mehr in Familienhaushalten. Alleinleben scheint der beste Weg, die Werte einer individualistischen Gesellschaft zu leben: Freiheit, Selbstverwirklichung und Selbstkontrolle. Dennoch sind Ehe und Familie nach wie vor zentrale Lebenswerte f\u00fcr die gro\u00dfe Mehrheit. 2013 w\u00fcnschten sich 82 Prozent aller Befragten Kinder und 84 Prozent der Bev\u00f6lkerung empfanden den Zusammenhalt im engen Familienkreis als stark oder sehr stark. Familie wird offenbar h\u00f6her gesch\u00e4tzt, als Geburtenraten und Scheidungsstatistik erwarten lassen. Und angesichts der bombastisch gefeierten Hochzeiten ist es durchaus strittig, ob man von einem Bedeutungsverlust der Ehe sprechen kann, oder ob sogar umgekehrt von einer gesteigerten Erwartungshaltung gesprochen werden muss. Und ob sich in der niedrigen Geburtenrate nicht gerade eine sehr bewusste elterliche Verantwortung zeigt.<\/p>\n<p>Dieses Spannungsfeld bringt der Titel der EKD Orientierungshilfe von 2013 auf den Punkt: Zwischen Autonomie und Angewiesenheit. Wer die Denkschriften und Stellungnahmen der EKD zur Familie durchsieht, kann neben der gesellschaftlichen Entwicklung eine theologischen nachvollziehen: Schienen die vielf\u00e4ltigen Familienrealit\u00e4ten zun\u00e4chst als Gef\u00e4hrdung des \u201eeigentlichen\u201c Leitbilds oder als \u201eunvollkommen\u201c, verschob sich in den letzten Jahren der Akzent von der Form zur Funktion der Familie. Ein erster Schritt dazu war \u201eWas Familien brauchen\u201c von 2002 &#8211; ein Text, an dem die EAF unmittelbar beteiligt war &#8211; wie \u00fcbrigens auch an der Orientierungshilfe. Dort hei\u00dft es schlie\u00dflich: \u201eAlle famili\u00e4ren Beziehungen, in denen sich Menschen in Freiheit aneinanderbinden, f\u00fcreinander Verantwortung \u00fcbernehmen und eine verl\u00e4ssliche Partnerschaft eingehen, m\u00fcssen auf die evangelische Kirche bauen k\u00f6nnen\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>4. Irritationen und Herausforderungen: Die \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich war der Familienbegriff der EKD-Orientierungshilfe 2013 in weiten Teilen der evangelischen Kirche l\u00e4ngst selbstverst\u00e4ndlich\u00a0\u2013 in der EAF, in den Beratungsstellen, in der Diakonie\u00a0\u2013 aber auch in der Frauen-, Kinder- und Jugendarbeit. Bei allen also, die in den 50er Jahren die Aktionsgemeinschaft Familie gegr\u00fcndet hatten. Die verfasste Kirche allerdings stand und steht f\u00fcr viele \u2013 au\u00dfen wie innen \u2013 f\u00fcr den Zusammenhang von Ehe und Familie als Norm. Schlie\u00dflich klingt doch in jeder Trauagende die \u201eSch\u00f6pfungsordnung\u201c an und auch an das Scheidungsverbot wird erinnert \u2013 so jedenfalls werden die biblischen Texte verstanden. Hat sich also die Kirche von ihren biblischen Grundlagen entfernt? \u201eBei Licht besehen, dreht sich die Sache um\u201c, schreibt der Alttestamentler J\u00fcrgen Ebach. \u201eNicht der weite Familienbegriff der Orientierungshilfe verabschiedet sich von biblisch-theologischen Grundlagen; vielmehr mangelt es dem lange herrschenden kirchlichen Bild von Ehe und Kleinfamilie an biblischer Begr\u00fcndung. Diese Ehe- und Familienform geht nicht auf die Bibel zur\u00fcck, sondern auf das B\u00fcrgertum des sp\u00e4ten 18. und 19. Jahrhunderts\u201c.<\/p>\n<p>Ehe und Familie d\u00fcrfe man nicht als ewige Ordnungen missdeuten, schrieb schon Dietrich Bonhoeffer. Es geht vielmehr um die Relationalit\u00e4t\u00a0\u2013 die Beziehung zwischen den Partnern als fundamentale Entsprechung der Beziehung zwischen Gott und Mensch. Nicht die Geschlechterdifferenz, sondern die Angewiesenheit steht deshalb im Mittelpunkt der Orientierungshilfe. Das Ja zu Ehe f\u00fcr alle, das der Rat in diesem Jahr beschlossen hat, war hier vorbereitet\u00a0\u2013 auch wenn das keinesfalls das Zentrum der Orientierungshilfe war. Wer die derzeitige Debatte um die \u00f6ffentliche Segnung in W\u00fcrttemberg wahrnimmt, sp\u00fcrt noch einmal den heftigen Gegenwind in der Kirche. Dabei geht es durchaus nicht nur um kirchliche, sondern eben auch um gesellschaftliche Fragen. Denn es waren die Gleichstellungsentscheidungen in Europa und zuletzt der Beschluss des Bundestages zur \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c, die die Gem\u00fcter erregten.<\/p>\n<p>Die Fragen zur Familienpolitik, die damit verbunden sind \u2013 vor allem im Blick auf das Adoptionsrecht\u00a0\u2013 sind aber auch politisch keinesfalls erledigt. Ganz zu schweigen von denen, die im Kontext von Reproduktionsmedizin, Samenspende und Leihmutterschaft auf dem Weg sind. Kann es rechtlich betrachtet eine Elternschaft zu dritt geben wie in Gro\u00dfbritannien &#8211; oder gar zu viert, wenn ein lesbisches und ein schwules Paar gemeinsam Kinder haben? Und wie steht es dabei um die Rechte der Kinder? 50 Jahre nach 68 ist unsere Gesellschaft wieder in schnellem Wandel \u2013 und ich bin, wie ich mit Erstaunen feststelle, heute eigentlich ganz froh, dass Gesetzgebungsprozesse ihre Zeit brauchen\u00a0\u2013 Zeit zur Debatte, Zeit, ethische Fragen zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Dabei geht es auch um die Frage, ob mit Art. 6 GG ein bestimmtes Ehe- und Familienbild verbunden ist. Und welche Funktion dieser Artikel f\u00fcr die Familienpolitik in Deutschland hat. Die Einrichtung eines entsprechenden Ministeriums war ja durchaus strittig. Dabei hatten die Kirchen, vor allem die katholische, einen wesentlichen Anteil am Zustandekommen. Erst in der sozialpolitischen Zusammenarbeit mit anderen Kirchen in Europa ist mir deutlich geworden: vor allem die L\u00e4nder, die Erfahrungen mit totalit\u00e4ren Regimen hatten, legen Wert auf die Eigenst\u00e4ndigkeit und den Eigensinn der Familien. Dass der Staat nicht hineinregiert, dass Vielfalt m\u00f6glich ist, ist auch f\u00fcr die Bundesrepublik immer wichtig gewesen. F\u00fcr die Mehrheit der Deutschen bedeutet das heute eben auch: Vielfalt der Lebensformen und \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>5. Das \u201eweltlich Ding\u201c: Kirche und Familienpolitik<\/strong><\/p>\n<p>Wie sehr eine kirchliche Schrift zur Familienpolitik heute noch die Gem\u00fcter bewegen konnte, fasziniert mich noch immer. Insbesondere ein Luther-Zitat hat dabei eine Rolle gespielt: das \u201eweltlich Ding\u201c. Bei aller Hochsch\u00e4tzung als g\u00f6ttlich Werk und Gebot verstand Luther die Ehe eben nicht mehr als heilsnotwendiges Sakrament. Mit der durchaus umstrittenen Heirat des ehemaligen M\u00f6nchs mit einer \u201eentlaufenen\u201c Nonne beginnt auch die Geschichte der evangelischen Familie. Im Wittenberger Pfarrhaus leben die verschiedenen Generationen, Verwandte wie Gesinde mit Studenten und G\u00e4sten unter einem Dach.<\/p>\n<p>Das Reformationsjubil\u00e4um hat mich motiviert, noch einmal genauer hinzuschauen. Neu war die nahezu partnerschaftliche Beziehung zwischen den Eheleuten, die innige Liebe zu den Kindern, die Betonung von Bildung, Musik und Sorgearbeit. Die gro\u00dfe \u201eHaushaltsfamilie\u201c Luther\u00a0\u2013 v. Bora aber war nicht neu\u00a0\u2013 sie war typisch f\u00fcr die damalige Oberschicht. Der \u201eFamilienvertrag\u201c, der den Hausstand begr\u00fcndete, wurde normalerweise zwischen Brautvater und Br\u00e4utigam geschlossen. Die herrschenden Familien machten ihre eigene Familienpolitik. Jenseits aller Romantik ging es um ganz sch\u00f6ne und dabei elementare Themen wie Eigentum, Erbe und Unterhalt. Wir d\u00fcrfen nicht untersch\u00e4tzen, wieviel Bindungskraft sie bis heute entfalten &#8211; H\u00e4user halten Familien zusammen, Armut kann sie zerst\u00f6ren. Da braucht es manchmal jemand, der von au\u00dfen Hilfe bietet &#8211; wie vor Zeiten Nikolaus. Und auf seine Weise Luther.<\/p>\n<p>Die Kirche war bis ins 13. Jahrhundert erst nachtr\u00e4glich beteiligt &#8211; durch den Brautsegen. Dabei gab es eine F\u00fclle kirchlicher Heiratsbeschr\u00e4nkungen wie das Verbot der Verwandten-, der Schwager- und Patenehe. Aber auch aus anderen Gr\u00fcnden stand die Institution gar nicht allen offen: Denen, die nicht \u00fcber die Meisterw\u00fcrde verf\u00fcgten, fehlten schlicht die \u00f6konomischen Grundlagen. Knechte und M\u00e4gde bedurften der Zustimmung des Hausvaters. Oft wurden deshalb Familien einfach dadurch begr\u00fcndet, dass Mann und Frau Tisch und Bett \u00f6ffentlich teilten. Diese Lebensform war jedoch zunehmend prek\u00e4r geworden. Die alten Landherrschaften, Dorfgemeinschaften und Z\u00fcnfte verloren ihre Funktionsf\u00e4higkeit. Neue Wirtschaftsformen entstanden, zugleich aber wuchs die gesellschaftliche Spaltung und die Wanderungsbewegungen f\u00fchrten zu Mehrfachehen.<\/p>\n<p>Luther baute die Zahl der Ehehindernisse radikal ab; er forderte die \u00f6ffentliche Eheschlie\u00dfung f\u00fcr jedermann und st\u00e4rkte die Bedeutung des wechselseitigen Versprechens von Braut und Br\u00e4utigam. Es ging ihm tats\u00e4chlich um die Welt, um eine neue gesellschaftliche Ordnung, bei der die Beziehungen in Ehe und Familie eine entscheidende Rolle spielen. Dabei wertet er die Rolle der Hausfrau und Mutter auf\u00a0\u2013 er versteht sie als Beruf und Amt. Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung begreift er als Gott gegeben &#8211; eben mit der Sch\u00f6pfungsordnung begr\u00fcndet. Die Liebe aber kann auch die Rollenzuweisungen \u00fcberschreiten: \u201eWenn ein Mann hinginge und w\u00fcnsche die Windeln oder t\u00e4t sonst am Kindere ein ver\u00e4chtliches Werk, und jedermann spottete sein und hielt ihn f\u00fcr einen \u2026Frauenmann, so er\u2019s doch t\u00e4t in christlichen Glauben\u2026\u2013 Gott lacht mit allen Engeln und Kreaturn nicht, dass er die Windel w\u00e4scht, sondern dass er\u2019s im Glauben tut.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNirgendwo in Europa ist der Anspruch, wie das Familienleben zu gestalten sei, derart hoch gesteckt wie bei uns\u201c, schreibt Christine Eichel in ihrem Buch \u201eDeutschland Lutherland\u201c. Dass Protestanten bis in die 1970er Jahre weniger Kinder hatten als Katholiken, h\u00e4ngt ihrer Auffassung nach damit zusammen, dass sie besonderen Wert auf Erziehung, Betreuung und Ausbildung ihrer Kinder legten und lieber weniger Kinder zur Welt brachten, wenn die Ressourcen fehlten. Dieser \u201eprotestantische Blick auf die Familie\u201c, die verantwortungsbewusste Elternschaft, habe die kollektive deutsche Mentalit\u00e4t gepr\u00e4gt, meint Eichel. In den familienpolitischen Programmen der EAF finden wir jedenfalls ihn wieder. Aber auch die verkl\u00e4rte R\u00fcckschau auf Luthers Familie pr\u00e4gte unsere Geschichte lange Zeit. Sie passte zum Zeitgeist von Romantik und Biedermeier, meint Eichel. \u201ezur Kultivierung h\u00e4uslicher Intimit\u00e4t im Kontrast zur bedrohlichen empfundenen Industrialisierung und zu den Umw\u00e4lzungen des technischen Fortschritts.\u201c Familie wurde zur \u201eW\u00e4rme \u2013 und Werteinsel, die Kontinuit\u00e4t und Solidarit\u00e4t versprach\u201c. Vielleicht ist das ein durchg\u00e4ngiger Strom bis heute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>6. W\u00e4rmeinsel in den St\u00fcrmen<\/strong><\/p>\n<p>Wir gehen auf Weihnachten zu. Mit der Familie zusammen zu feiern und zu singen, das macht nach einer Chrismon-Umfrage f\u00fcr die allermeisten Menschen Weihnachten aus. Die lutherische Tradition des Heiligen Abends mit \u201eVom Himmel hoch\u201c, Weihnachtskrippe, Christkind und Bescherung pr\u00e4gt noch immer unsere Kultur. Ein amerikanischer Countrysong erz\u00e4hlt vom Familien-Chor, in dem jeder seine Stimme hat \u2013 hier und schlie\u00dflich auch im Himmel. Mich erinnert das an Weihnachtsliedersingen in meinem Elternhaus &#8211; mit Gesangb\u00fcchern aus vielen Generationen, die im Regal am Klavier gesammelt waren. Die Tradition begann zu erodieren, als anders gepr\u00e4gte Schwiegers\u00f6hne dazu kamen \u2013 katholisch der eine, der andere aus der Kirche ausgetreten. Sie ging fast verloren, als die Gro\u00dfelterngeneration starb. Zuvor aber erfuhr sie noch eine Bereicherung durch einen amerikanischen Schwager. Seitdem sangen wir auch \u201eHark, the Herold Angels sing.\u201c<\/p>\n<p>\u201eFamilien sind origin\u00e4re Orte der Gotteskommunikation, weil sie der Ort erster und eindr\u00fccklicher Beziehungen \u00fcberhaupt sind\u201c, sagt Albert Biesinger. \u201eGotteskommunikation\u201c\u00a0\u2013 das ist das gemeinsame Singen genauso wie das Abendgebet am Kinderbett. Gotteskommunikation ist aber auch, \u201ewenn der erwachsene Enkel Silvester mit den gebrechlichen Gro\u00dfeltern feiert, wenn er die Zerstreutheit und die Phantasien der Oma, die fr\u00fcher doch so eine starke Frau war, wahrnimmt\u201c. Oder \u201e,wenn die 18-j\u00e4hrige nicht bereit ist, in die l\u00e4ngst gebuchten Ferien abzufliegen, ohne vorher ihre\u2026 krebskranke Freundin auf der Intensivstation zu besuchen.\u201c<\/p>\n<p>Die 5. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der EKD unterscheidet bei der religi\u00f6sen Kommunikation eine eher informativ-intellektuelle, eine praktisch-handlungsorientierte und eine existenzielle Dimension. Das Gespr\u00e4ch \u00fcber den Sinn des Lebens findet nicht zuerst in der Kirche statt. Es ist \u201eoffenbar ein so pers\u00f6nliches, als intim empfundenes Thema, das in erster Linie mit dem Partner\/der Partnerin besprochen wird, dann auch mit Freunden\/Freundinnen. An dritter Stelle wird die (erweiterte) Familie genannt\u201c. Der Austausch \u00fcber religi\u00f6se Themen erfolgt also vor allem in den kleinen Netzwerken \u201evon Wahlverwandten und engsten Vertrauten, denen man sich in hohem Ma\u00df verbunden f\u00fchlt&#8230;\u201c Und die erweiterte Familie ist weit vor der Kirche ein zentraler Ort von Glaubenserfahrung und Glaubenskommunikation. Je j\u00fcnger allerdings die Befragten sind, umso seltener geben sie an, religi\u00f6s erzogen worden zu sein. Von den Evangelischen ab 60 Jahren wurden nach eigene Angaben etwa 83 Prozent religi\u00f6s erzogen, von den Kirchenmitgliedern unter 30 Jahren sagen das nur noch 55 Prozent.<\/p>\n<p>\u201eDie moderne Gesellschaft hat die durch Rituale hergestellten Bindungen geschw\u00e4cht\u201c, schreibt der Soziologe Richard Sennet. Er stellt dar, wie die Fliehkr\u00e4fte des Marktes und die \u00f6konomische Funktionalisierung aller Lebensreiche \u2013 von Familien bis zu Bildung und Gesundheit, von der Zusammenarbeit im Betrieb \u00fcber die Gewerkschaften bis zum Verein\u00a0\u2013 Gemeinschaften erodieren lassen. Gemeinschaften brauchen Kontinuit\u00e4t und Vertrauen; umgekehrt entsteht hier aber auch das (Ur)Vertrauen, das Gesellschaften auch in Krisen zusammenh\u00e4lt &#8211; ein Mehrwert, der \u00f6konomisch und funktional nicht zu berechnen ist. \u201eDas Zusammenleben in Ehe und Familie bildet ein Gegengewicht zu den Umbr\u00fcchen der Erwerbsgesellschaft, die Menschen in erster Linie nach Leistung und Erfolg beurteilt\u201c, hei\u00dft es deshalb in der gemeinsamen Erkl\u00e4rung der Evangelischen Landeskirche in Baden und der Erzdi\u00f6zese Freiburg zur Zukunft der Familie\u201c vom 16.4.2008. F\u00fcr viele soll sie W\u00e4rmeinsel sein in den St\u00fcrmen der Zeit &#8211; ein Anspruch, der Familien oft genug \u00fcberfordert.<\/p>\n<p>Was tun wir als Kirche, um Familien nach au\u00dfen zu sch\u00fctzen und nach innen zu st\u00e4rken? Was k\u00f6nnen wir tun? Zun\u00e4chst einmal geht es darum, die Ent-Institutionalisierung wahrzunehmen \u2013 auch in der Kirche. Eltern unterschiedlicher Konfession und Religion, kirchlich Verbundene wie Suchende m\u00fcssen darin gest\u00e4rkt werden, ihre eigenen, durchaus unterschiedlichen Antworten zu finden und Traditionen zu entwickeln. Emanzipation und M\u00fcndigkeit sind gefragt &#8211; auch in Sachen Religion; auch das ist \u00fcbrigens lutherisches Erbe. Kirchengemeinden, Tageseinrichtungen und Familienbildungsst\u00e4tten tun gut daran, mit ihren Bildungsangeboten die je eigene und eigensinnige \u201eFamilientheologie\u201c zu unterst\u00fctzen, die sich im allm\u00e4hlichen Reflektieren spiritueller Erfahrungen herausbildet &#8211; aus Kinderfragen, dem religi\u00f6sen Wissen der Erwachsener und gemeinsamen Erlebnissen. Und Gro\u00dfeltern brauchen Unterst\u00fctzung bei der Glaubensvermittlung an ihre Enkel. Angesichts des Zerbrechens von Partnerschaften bilden die Generationenbeziehungen oft die entscheidende und gewisserma\u00dfen unk\u00fcndbare Stabilit\u00e4t. L\u00e4ngst ist die Mehrgenerationenfamilie kirchlich in den Fokus der Familiensoziologie wie auch der kirchlichen Familienarbeit ger\u00fcckt; das gilt f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Mehrgenerationenh\u00e4usern genauso wie f\u00fcr die Pflegekampagne der EAF. Familie ist eben nicht nur, wo Kinder sind \u2013 Familie ist, wo Generationen Verantwortung f\u00fcreinander \u00fcbernehmen. Politisch gibt es da noch viel zu tun\u00a0\u2013 von der Pflegezeit f\u00fcr T\u00f6chter und S\u00f6hne bis zur Erziehungszeit f\u00fcr Gro\u00dfeltern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>7. \u00dcbers Meer: Und wieder Politik<\/strong><\/p>\n<p>\u201eUnd nicht jeder teilt mehr das christliche Familienbild\u201c, schrieb der damalige EAF-Vorsitzende Siegfried Keil bereits 2001. \u201eIst es also noch m\u00f6glich, ist es richtig, Familienpolitik f\u00fcr die breite Mehrheit zu machen?\u201c Ja, wenn wir Familie als weltlich Ding verstehen, \u00d6ffnung und Vielfalt zulassen, die Sorgearbeit jenseits fester Geschlechterrollen st\u00fctzen und deutlich machen, was Gemeinschaft st\u00e4rkt. Da helfen allerdings verkl\u00e4rte R\u00fcckblicke nicht weiter \u2013 weder, was Luther noch was die 1950er Jahre betrifft. Mit Schrecken habe ich wahrgenommen, dass Theodor Bovets Text von 1962 \u00fcber das \u201eAmt der Mutter\u201c sich unmittelbar auf Luther berufen kann. Und dennoch: Vergessen wir nicht, dass Religion den Wind in die Segel, die Energie zur politischen Auseinandersetzung.<\/p>\n<p>Nach einem OECD-Bericht von gestern betr\u00e4gt die Rentenl\u00fccke zwischen M\u00e4nnern und Frauen inzwischen 46 Prozent &#8211; Deutschland ist damit Schlusslicht in Europa. Unterbrochene Erwerbsbiographien und prek\u00e4re Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse werden dabei angef\u00fchrt, dazu das Lohn-Gap von 27 Prozent angesichts von Teilzeitarbeit und mangelnden Aufstiegschancen von Frauen. Im Hintergrund aber stehen noch immer die Grundpfeiler der westdeutschen Familienpolitik. Vom Kindergarten bis zu den Halbtagsschulen baute das Bildungssystem lange Zeit darauf, dass jedenfalls ein Elternteil allenfalls halbtags arbeitete. Und das Steuersystem unterst\u00fctzt dieses Modell. Luther l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen \u2013 bis heute. Dabei hat sich das Leitbild der heute 20-40 \u2013j\u00e4hrigen, wie die Untersuchungen von Jutta Allmendinger zeigen, grundlegend ver\u00e4ndert: Junge M\u00e4nner wie Frauen gehen ganz selbstverst\u00e4ndlich von der Erwerbst\u00e4tigkeit beider Partner aus. Kein Wunder, dass die Frustration im Osten Deutschlands besonders gro\u00df ist \u2013 oder umgekehrt die Attraktivit\u00e4t des westdeutschen Modells dort besonders gering. Schlie\u00dflich lag bei der Wiedervereinigung die Frauenerwerbsbeteiligung im Osten dank einer breit ausgebauten Infrastruktur bei fast 90 Prozent &#8211; im Gegensatz zu 55 Prozent im Westen.<\/p>\n<p>Das deutsch-deutsche Beispiel zeigt, wie notwendig es ist, auch die scheinbar privaten Lebensformen politisch zu verstehen. Sofern nicht eine schulterzuckende Gleichg\u00fcltigkeit herrscht, werden Familien und Partnerschaften aber eher in moralischen Kategorien diskutiert. Gerade in der Kirche. Aber \u201eKinder, K\u00fcche, Kirche\u201c waren nie unpolitisch \u2013 im Gegenteil: \u00fcber lange Zeit haben die Kirchen Einfluss genommen auf die Entwicklung des Eherechts, um Elternrechte und Kindererziehung oder eben um die Rolle der Frau als Hausfrau und Mutter. Schon deswegen gilt es, geschichtsbewusst und verantwortungsvoll umzusteuern, wo das heute n\u00f6tig ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>8. Die Segel richtig setzen <\/strong><\/p>\n<p>\u201eWenn die bunten Fahnen wehen, geht die Fahrt wohl \u00fcbers Meer\u201c. Ich sehe unser Boot auf den Wellen und halte mich an den Mast. An die Pfl\u00f6cke, die Stabilit\u00e4t geben: die tragenden Werte aus der Reformation, aber auch aus der Aufkl\u00e4rung. Eine offene Familien- und Geschlechterpolitik, die gerade auch die Schwachen sch\u00fctzt, dazu die Wertsch\u00e4tzung von Gemeinschaft und Sorgearbeit. Drei Segel will ich zum Schluss setzen, in die der Wind dann blasen kann:<\/p>\n<p><strong>8.1. \u00d6ffentliche Theologie ist gefragt<\/strong><\/p>\n<p>Die Unterst\u00fctzung der Schw\u00e4cheren wie der Sorgearbeit braucht einen politischen Anker \u2013 sie braucht Institutionen, an die sich mit Gesetzgebung ankn\u00fcpfen l\u00e4sst. Das gilt auch f\u00fcr die Familie \u2013 im Blick auf das Steuer- und Sozialsystem oder auch auf Kinderrechte. Deshalb m\u00fcssen wir weiter nachdenken \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Recht, Freiheit und Liebe, die manchmal geradezu unvereinbar erscheinen. Angesichts der aktuellen ethischen Herausforderungen brauchen Kirche und Gesellschaft brauchen eine gut wahrnehmbare \u00f6ffentliche Theologie.<\/p>\n<p><strong> 8.2.\u00a0Die EAF braucht breite B\u00fcndnisse<\/strong><\/p>\n<p>Die Entgrenzung der Arbeitswelt, die wachsende Mobilit\u00e4t und die Anforderungen an Vereinbarkeit z\u00e4hlen zu den brennenden Herausforderungen f\u00fcr Gesellschaft und Kirchen. Wirtschaftliche Entwicklung, Pluralisierung und Entinstitutionalisierung der Lebensformen auf der einen Seite und die familienpolitischen Rahmenbedingungen auf der anderen passen nicht mehr zusammen. M\u00fctter wie V\u00e4ter w\u00fcnschen sich eine neue Kombination aus kurzer Vollzeitarbeit und Familienzeit. Familienpolitik ist Querschnittspolitik: sie betrifft nicht nur das Familienministerium, sondern das Steuer- wie das Sozialsystem, das Gesundheits- wie das Bildungssystem und auch die Tarifpartner. Die j\u00fcngste Besch\u00e4ftigtenumfrage der IG Metall und der anstehende Kampf in der Metallindustrie machen das deutlich. Wie am Anfang braucht die EAF deshalb breite B\u00fcndnisse &#8211; nicht zuletzt um der wieder wachsenden Kinderarmut zu begegnen.<\/p>\n<p><strong>8.3.\u00a0Die Gemeinden sind dran<\/strong><\/p>\n<p>Wenn die Reibung zwischen verfasster Kirche, Diakonie und Verb\u00e4nden in den Hintergrund r\u00fcckt, werden die Themen der EAF wieder ganz praktisch. Seit der Arbeit an der EKD-Orientierungshilfe beobachte ich einen Aufbruch in vielen Kirchenkreisen und Dekanaten \u2013 von Hamburg bis nach Erlangen. Familienbildungsst\u00e4tten, Mehrgenerationenh\u00e4user, Familienzentren, diakonische Projekte, Quartiersarbeit sind beteiligt an neuen Projekten, lenken den Blick auf die Vielfalt der Familien in Gemeinden und Quartieren und vernetzen sich miteinander. Die Gemeinden sind dran &#8211; im doppelten Sinne. Ich sehe darin eine gro\u00dfe Chance!<\/p>\n<p>Also spannt die Segel auf, die uns in Fahrt bringen &#8211; Herausforderungen gibt es wahrhaft genug!<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche der EAF f\u00fcr die n\u00e4chsten 60 Jahre Mut und Weitblick und allzeit eine Handbreit Wasser unterm Kiel. Und vor allem Gottes Segen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Cornelia Coenen-Marx, 6.12.17, N\u00fcrnberg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. \u201eWenn die bunten Fahnen wehen\u201c Borkum, das erste Mal Nordsee. Eingepackt in ein gro\u00dfes Badetuch sitze ich zitternd zwischen&#8230; <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=3307\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":492,"menu_order":94,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-3307","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3307"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3307"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3307\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3310,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3307\/revisions\/3310"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/492"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3307"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}