{"id":2972,"date":"2017-06-26T12:16:44","date_gmt":"2017-06-26T12:16:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=2972"},"modified":"2017-06-26T12:24:03","modified_gmt":"2017-06-26T12:24:03","slug":"kraftorte-interview-mit-pfarrerin-friederike-weltzien","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=2972","title":{"rendered":"Kraftorte: Interview mit Pfarrerin Friederike Weltzien"},"content":{"rendered":"<h3><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-857\" src=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie-300x107.png\" alt=\"SuS_Logo_RGB_mit Unterzeile Kopie\" width=\"300\" height=\"107\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie-300x107.png 300w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/SuS_Logo_RGB_mit-Unterzeile-Kopie.png 576w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #8ab310;\">DIAKONISCHE PILGERREISEN: <span style=\"color: #eb910c;\">DER BLOG<\/span><\/span><\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>Wir entdecken Diakonische Pilgerorte \u2013\u00a0<\/strong><br \/>\n<strong>diesmal auf der Spur von: Pfarrerin Friederike Weltzien<\/strong><\/h3>\n<table style=\"height: 436px;\" width=\"716\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"232\"><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/gemeinsam-essen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2974 size-full aligncenter\" src=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/gemeinsam-essen.jpg\" alt=\"\" width=\"232\" height=\"300\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein spiritueller Ort entstehe nach ihrer Erfahrung immer als Zwischenraum zwischen Menschen, sagt Pfafferin Weltzien. Auch ein Gemeinderaum wie dieser in Stuttgart-Obert\u00fcrkheim kann so ein Ort sein, wenn Menschen zusammenfinden, um gemeinsam zu essen und zu sprechen, \u00fcber kulturelle und religi\u00f6se Unterschiede hinweg.<\/td>\n<td width=\"232\"><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Portraet-Weltzien.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2973 size-full aligncenter\" src=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Portraet-Weltzien.jpg\" alt=\"\" width=\"306\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Portraet-Weltzien.jpg 306w, https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Portraet-Weltzien-300x294.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 306px) 100vw, 306px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Friederike Weltzien, verheiratet und Mutter von vier Kindern, ist Pfarrerin in Stuttgart. Sie arbeitet zus\u00e4tzlich als Tanztherapeutin und gibt regelm\u00e4\u00dfig Fortbildungen im Libanon und in Deutschland zum Umgang mit traumatisierten Menschen. Innerhalb ihrer dreiviertel Pfarrstelle im Stuttgarter Stadtteil Obert\u00fcrkheim ist sie intensiv in die Fl\u00fcchtlingsarbeit eingebunden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sie besch\u00e4ftigen sich beruflich und\/oder ehrenamtlich mit Diakonie. Was liegt Ihnen dabei besonders am Herzen?<br \/>\n<\/strong>Seitdem syrische Fl\u00fcchtlinge in Deutschland angekommen sind, haben sie den Weg zu mir und ich zu ihnen gefunden. Da ich Arabisch spreche und die meisten Orte kenne, aus denen sie kommen, stellt sich schnell eine Vertrautheit ein. In unserer Gemeinde ist so ein lebhafter Austausch entstanden. Gefl\u00fcchtete bringen sich ins Gemeindeleben ein, die Kulturen beginnen sich immer h\u00e4ufiger zu begegnen und zu verweben. Immer wieder sprechen Fl\u00fcchtlinge auch in den Gottesdiensten zu der Gemeinde. Beispielsweise hielt ein gefl\u00fcchteter moslemischer Rechtsanwalt aus Aleppo zu Ostern eine Rede, in der er der Gemeinde erz\u00e4hlte, wie er in Aleppo mit seinen christlichen Freunden zusammen die Osternacht verbracht hatte. Er f\u00fchle sich jetzt in Deutschland angekommen in einem neuen Leben, wie neugeboren. Das war seine Deutung von Auferstehung. Im Anschluss wurde die ganze Gemeinde zu syrischem Geb\u00e4ck eingeladen, das eine Gruppe am Samstag vorher in der Gemeindek\u00fcche gebacken hatte.<\/p>\n<p><strong>Gibt es eine pers\u00f6nliche Erfahrung, die Ihnen den Kern diakonischer Arbeit existenziell vor Augen gef\u00fchrt hat?<br \/>\n<\/strong>Ich bin in Beirut im Libanon aufgewachsen, wo mein Vater Dozent an der Amerikanischen Universit\u00e4t gewesen ist. Als Kind und Jugendliche fand ich das gro\u00dfe Gef\u00e4lle zwischen unserem gesicherten und wohlhabenden Leben und der zum Teil extremen Armut und der Not in meiner direkten Umgebung sehr belastend. Ich erlebte die deutschsprachige Evangelische Gemeinde in Beirut als einen Ort, von dem aus wir als Jugendliche aktiv werden konnten und in die libanesische Gesellschaft hinein wirksame Projekte starteten. Von hier aus lie\u00dfen sich Netzwerke von deutschen Kontakten bis zu verschiedenen libanesischen Einrichtungen und Institutionen spannen. Diese Erfahrung hat mich sehr beeinflusst.<\/p>\n<p><strong>An welchem Ort (in welcher Einrichtung, in welchem Haus oder Raum) ist Diakonie f\u00fcr Sie in besonderer Weise sichtbar und erfahrbar geworden und was hat Sie dort fasziniert?<br \/>\n<\/strong>Es ist vielleicht die Gemeindek\u00fcche. Ein heikler Ort in einer alteingesessenen schw\u00e4bischen Kirchengemeinde. Aber im Herbst 2015 wurde in unserem Ort die Turnhalle mit hundert Fl\u00fcchtlingen belegt. Da \u00f6ffneten wir die T\u00fcren unserer R\u00e4ume und es stellte sich heraus, dass das gr\u00f6\u00dfte Bed\u00fcrfnis der Menschen war, selber Essen zu kochen, etwas, was sie kennen und was ihnen schmeckt. Also wurde jeden Dienstag f\u00fcr achtzig bis neunzig Leute gekocht. Die Hilfsbereitschaft war gro\u00df, Gelder mussten gesammelt werden, die Lebensmittel eingekauft und die Tische gedeckt und dann auch wieder alles abger\u00e4umt, gesp\u00fclt und ges\u00e4ubert werden. In der K\u00fcche trafen die Kulturen aufeinander. Dinge ver\u00e4nderten sich, zun\u00e4chst gab es viel Aufregung in der Gemeinde und auch Sorgen und \u00c4ngste. Aber gerade da entwickelten sich die intensivsten Kontakte auch ohne Sprachkenntnisse. Inzwischen ist es selbstverst\u00e4ndlich geworden. Es wird immer noch regelm\u00e4\u00dfig syrisch gekocht, besonders jetzt in der Zeit des Ramadan werden gemeinsame Essen zum Fastenbrechen gefeiert. Es freute mich, wie unsere Mitglieder des Freundeskreises festlich gekleidet zum ersten Fastenbrechen dazukamen und welch fr\u00f6hliche Stimmung entstand. Auf einmal werden religi\u00f6se Themen ganz zwanglos miteinander diskutiert und besprochen und erlebt.<\/p>\n<p><strong>Was macht Ihrer Meinung nach einen \u2013 oder diesen \u2013 \u201ediakonischen Ort\u201c zum spirituellen Kraftort (Geschichte, Gestaltung, Personen \u2026)?<br \/>\n<\/strong>Ein spiritueller Ort entsteht in meiner Erfahrung immer als Zwischenraum, ein Zwischenraum zwischen Menschen. Dort, wo sich so etwas wie ein seelisches Angesprochensein ereignet in einem Kirchenraum, in einer Moschee oder einer Synagoge oder auch zum Beispiel an einem Baum oder vor einem Kunstwerk. All das kann f\u00fcr mich zum spirituellen Raum werden. F\u00fcr uns hier ist es der Raum, in dem Menschen sich entfalten, ihre Religion leben, in aller Verschiedenheit. Ein Raum, in dem Gottesbeziehung m\u00f6glich wird, \u00fcber Andacht und Stille, \u00fcber Gebet und Gesang, \u00fcber Tanz und Texte. Ich bin dankbar f\u00fcr den Kirchenraum, der in seiner Atmosph\u00e4re Distanz zum Alltagsleben schafft und anregt zum Gebet, zum Gespr\u00e4ch mit alten Texten und aktuellen Themen. Aber ich finde auch in der Natur solche Orte, an denen ich nach Kraft suche und auch erlebe, dass ich sie empfange.<\/p>\n<p><strong>Was w\u00fcrden Sie in Ihrem Arbeitsumfeld r\u00e4umlich \u00e4ndern, wenn Sie die Freiheit und Mittel dazu h\u00e4tten, damit die Arbeit, die Ihnen am Herzen liegt, noch besser gelingt?<br \/>\n<\/strong>Was ich mir w\u00fcnschen w\u00fcrde, w\u00e4re ein richtiges Zentrum f\u00fcr die kirchliche Arbeit mit Fl\u00fcchtlingen. Einen Lebensort, an dem Menschen zusammenkommen k\u00f6nnen, sich selbst\u00e4ndig organisieren k\u00f6nnen, sich gegenseitig beraten und unterst\u00fctzen, aber auch unterst\u00fctzt werden von professioneller Seite. Ein Ort, an dem Tanz und Gesang stattfinden kann, aber auch kleine Werkst\u00e4tten eingerichtet werden k\u00f6nnen, so dass Gefl\u00fcchtete sich gegenseitig in ihren Berufen unterst\u00fctzen k\u00f6nnen (N\u00e4hwerkstatt und Friseurladen, Computerworkshops und Sprachunterricht, Schulunterricht f\u00fcr Kinder in ihren Heimatsprachen usw.). Einen Raum der Stille, der offen ist f\u00fcr alle, an dem interreligi\u00f6se Gebete stattfinden, zum Beispiel f\u00fcr die in der Heimat verbliebenen Familien, Abschieds- und Trauerrituale und Dankes- und Freudenfeiern \u2026 Ich ganz pers\u00f6nlich br\u00e4uchte einfach mehr Zeit und Unterst\u00fctzung, um meine Arbeit sinnvoll weiterzuf\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Und sonst? Haben Sie weitere Gedanken, Anmerkungen, Anregungen zur Bedeutung \u2013 und vielleicht auch zur Relativierung \u2013 diakonischer Orte?<br \/>\n<\/strong>Ich beobachte, dass wir unsere kirchlichen R\u00e4ume \u00f6ffnen m\u00fcssen, um wirksam zu werden als diakonische Orte in unserer Gesellschaft. Unser Gemeindezentrum wird in ein Stadtteilzentrum umgewandelt werden, damit die R\u00e4ume f\u00fcr alle Bev\u00f6lkerungsschichten zug\u00e4nglich werden. Es besteht eine hohe Kinderarmut in unserem Stadtteil, ein Viertel der Kinder unter sechs Jahren leben unter der Armutsgrenze und es gibt verschiedene Bev\u00f6lkerungsgruppen, die kaum in Kontakt zueinanderkommen (Leute aus der t\u00fcrkischen Kultur, der italienischen, spanischen, griechischen, der deutschen nat\u00fcrlich und jetzt Fl\u00fcchtlinge vor allem aus Syrien). Es hat sich ein Lenkungskreis aus allen im Ort vertretenen sozialen Einrichtungen gebildet, um ein Konzept f\u00fcr ein solches Zentrum zu erarbeiten. Die Kirche gibt ihre R\u00e4ume auf, damit sie nutzbar werden f\u00fcr den eigentlichen Sinn und Zweck kirchlicher R\u00e4ume, indem sie sich der gesellschaftlichen Not stellt.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Vielen Dank!<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Link zu den Webseiten: <a href=\"http:\/\/www.obertuerkheim-evangelisch.de\">www.obertuerkheim-evangelisch.de<\/a>\u00a0und\u00a0<a href=\"https:\/\/freundeskreise-stgt-WHO.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/freundeskreise-stgt-WHO.de<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/pilgerreisen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2640 size-full alignleft\" src=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/pilgerreisen.jpg\" alt=\"\" width=\"239\" height=\"96\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=1466\">Hier klicken um die Angebote: Pilgerreisen 2017 zu sehen. Viel Spa\u00df beim Lesen.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Seele-und-Sorge-278815565795410\/?fref=ts\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2023\" src=\"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/facebook_s_kl.png\" alt=\"facebook_s_kl\" width=\"37\" height=\"37\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Seele-und-Sorge-278815565795410\/?fref=ts\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Besuchen Sie auch unsere facebookseite \u201eSeele &amp; Sorge\u201c<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DIAKONISCHE PILGERREISEN: DER BLOG Wir entdecken Diakonische Pilgerorte \u2013\u00a0 diesmal auf der Spur von: Pfarrerin Friederike Weltzien Ein spiritueller Ort&#8230; <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=2972\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":1911,"menu_order":40,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2972","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2972"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2972"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2972\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2976,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2972\/revisions\/2976"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1911"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2972"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}