{"id":2540,"date":"2016-11-30T13:31:36","date_gmt":"2016-11-30T13:31:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=2540"},"modified":"2017-07-12T20:42:30","modified_gmt":"2017-07-12T20:42:30","slug":"inklusionsprozesse-zwischen-anspruch-und-wirklichkeit-geschwisterlichkeit-und-grenzerfahrungen-in-der-gemeinde","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=2540","title":{"rendered":"\u201eInklusionsprozesse zwischen Anspruch und Wirklichkeit \u2013 Geschwisterlichkeit und Grenzerfahrungen in der Gemeinde\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Cornelia Coenen-Marx, Gesamtkonvent Kirchenkreis Hamburg- West\/S\u00fcdholstein, 23.11.2016<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>1. Gottes verletzliches Ebenbild \u2013\u00a0ein theologischer Auftakt<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind ein buntes V\u00f6lkchen: \u201eDie einen m\u00fcssen liegen, einige d\u00fcrfen schon sitzen, andere sind so nicht behindert, dass sie andere Leute schieben. Das alles ist so. Das macht Schmerzen. Nichts davon wollen wir vertuschen. Und dennoch: Obwohl hier Behinderte und Nichtbehinderte beisammen sind \u2013 nicht als Behinderte und Nichtbehinderte sind wir beisammen, sondern als Gemeinde des dreieinigen Gottes\u201c. Diese S\u00e4tze, die an ein Eingangsvotum erinnern, stammen von dem Theologen Ulrich Bach, der selbst an den Folgen einer schweren Polio-Erkrankung litt und dadurch zeitlebens auf den Rollstuhl angewiesen war. Er hat tats\u00e4chlich viele Gottesdienste in der diakonischen Einrichtung Volmarstein gehalten, wo er auch lebte: \u201eFragt nicht in erster Linie, was ihr k\u00f6nnt oder nicht k\u00f6nnt. H\u00f6rt, was Gott Euch sein l\u00e4sst\u201c, sagt er. \u201eIhr geh\u00f6rt zusammen als die bunte Gemeinde Gottes\u201c. Mit einer fast radikalen Konsequenz hat Bach unser Bild vom Menschen in das Licht des Evangeliums ger\u00fcckt. \u201eBoden unter den F\u00fc\u00dfen hat keiner\u201c, hei\u00dft einer seiner Buchtitel (Bach 1980). Aber nicht nur das Menschenbild der Leistungsgesellschaft, sondern auch das Gottesbild gibt er zur \u00dcberpr\u00fcfung frei. \u201eDer Gottessohn braucht Hilfe\u201c, schreibt er. \u201eDieser Satz wurde f\u00fcr mich zu einem Schl\u00fcssel f\u00fcr viele biblische Zusammenh\u00e4nge. Wenn dieser Satz stimmt, dann ist St\u00e4rke kein absoluter Wert.\u201c<\/p>\n<p>Der Text ist inzwischen 35 Jahre alt, Ulrich Bach selbst lebt nicht mehr \u2013\u00a0aber ich habe den Eindruck, dass wir noch immer und vielleicht immer mehr in einer Gesellschaft leben, die die eigene Verletzlichkeit verdr\u00e4ngt und eher von Konkurrenz als von Kooperation bestimmt ist. \u201eUnsere Gesellschaft toleriert keine Schw\u00e4che mehr\u201c, schreibt Ariadne von Schirach in ihrem Buch \u201eDu sollst nicht funktionieren\u201c. Es richtet sich gegen die Zurichtung des Menschen in der Marktgesellschaft. Ich zitiere: \u201eGier, Geilheit, Gr\u00f6\u00dfenwahn. Der dunkle Affe steckt in jedem von uns und will alles nehmen \u2013 erobern &#8211; beherrschen, was ihm vor die Augen kommt. Wenn sich diese angeborene Bl\u00f6dheit, mit der jeder einzelne t\u00e4glich zu ringen hat, mit einem auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Weltbild verbindet, das solche Impulse nicht nur legitimiert, sondern auch f\u00f6rdert, dann ist es nicht verwunderlich, dass sich langsam ein Unbehagen breit macht\u2026 Eine Zeit, die den Wert eines Menschen mit seiner Leistungskraft gleichsetzt,\u2026 diskriminiert diejenigen, die zur Verwertung entweder noch nicht oder nicht mehr tauglich sind &#8211; und damit irgendwann uns alle.\u201c (von Schirach 2014)<\/p>\n<p>Das Christentum kennt einen gekreuzigten und mitleidenden Gott. Die einf\u00fchlende N\u00e4chstenliebe ist sein Markenzeichen. Auf diesem Hintergrund sind schon im 19. Jahrhundert die diakonischen Dienste und Einrichtungen entstanden, denen es nicht nur um das Seelenheil, sondern auch um das k\u00f6rperliche und soziale Wohlergehen der Menschen ging: Pflegedienste, Krankenh\u00e4user, Einrichtungen f\u00fcr Menschen mit Behinderung. Wie das gesamte Gesundheitswesen sind sie heute gepr\u00e4gt durch medizinisches Wissen, technische Unterst\u00fctzung und \u00f6konomische Steuerung. Viele Menschen gehen davon aus, dass Gesundheit herstellbar sein m\u00fcsse \u2013\u00a0Produkt der modernen Medizin oder einer erfolgreichen Dienstleistung. Im schlimmsten Fall soll Krankheit verhindert werden &#8211; notfalls auch durch Abtreibungen oder In-Vitro-Fertilisation. Und unertr\u00e4gliches Leiden soll beendet werden &#8211; notfalls auch durch einen assistierten Suizid. Der Psychiater und katholische Theologe Manfred L\u00fctz spricht in diesem Zusammenhang von einer neuen Gesundheitsreligion in unserer Gesellschaft \u2013 Gesundheit, so sagt er, sei f\u00fcr uns unhinterfragt zum h\u00f6chsten Gut geworden. Das habe aber eine gef\u00e4hrliche Kehrseite: die Unf\u00e4higkeit mit der eigenen Verg\u00e4nglichkeit umzugehen.<\/p>\n<p>\u201eMenschen mit Behinderungen wissen, was es bedeutet, dass sich das Leben unerwartet von Grund auf ver\u00e4ndern kann\u201c, hei\u00dft es in einem Text des \u00d6kumenischen Rates der Kirchen zum internationalen Jahr der Behinderten 2003 (Zentralausschuss des \u00d6RK, \u201eKirche aller\u201c) der in einer Gruppe von Menschen mit Behinderung, ihren Angeh\u00f6rigen und Assistenten geschrieben wurde. \u201eWir waren in jenem Grenzbereich zwischen dem Bekannten und dem Unbekannten, in dem wir nur zuh\u00f6ren und abwarten konnten. Wir hatten Angst und den Tod vor Augen und kennen nun unsere eigene Verwundbarkeit. Wir sind Gott in jener leeren Dunkelheit begegnet, in der uns bewusst wurde, dass wir \u201edie Kontrolle\u201c \u00fcber uns verloren haben, und wir haben gelernt, auf Gottes Gegenwart und F\u00fcrsorge zu vertrauen. Wir haben gelernt, bereitwillig anzunehmen, mit Freude zu geben, und dankbar f\u00fcr den Augenblick zu sein. Wir haben gelernt, Neuland zu gewinnen und einen neuen Weg f\u00fcr unser Leben zu finden, der uns noch nicht vertraut ist. Wir wissen, was es bedeutet, inmitten von Paradoxen zu leben, und wir wissen, dass einfache Antworten und Sicherheiten uns nicht tragen.\u201c<\/p>\n<p>Ein ber\u00fchrender Text &#8211; und eine Lektion, die wir irgendwann alle lernen m\u00fcssen, wenn wir sie nicht schon gelernt haben. Manche von Geburt an, andere bei einem Unfall, wieder andere bei einer Krebserkrankung, einem Herzinfarkt oder bei Pflegebed\u00fcrftigkeit. \u00dcbrigens sind die meisten Behinderungen im Lauf des Lebens erworben. Wir alle leben mit Verletzungen, mit Wunden und Narben. Wer durch solche Erfahrungen hindurch geht, kann sie als St\u00e4rke erleben: pl\u00f6tzlich wachsen uns ungeahnte Kr\u00e4fte zu, wir verstehen Zusammenh\u00e4nge, die uns verborgen blieben. Und dennoch versuchen wir meist, unsere Krisen und Verletzungen vor den Augen der \u00d6ffentlichkeit zu verbergen. Wir leben in einem Charakter- und Rollenpanzer, entsprechen den gesellschaftlichen Normen &#8211; wir funktionieren. Die Theologin Gunda Schneider-Flume spricht in diesem Zusammenhang von der \u201eTyrannei des gelingenden Lebens\u201c (Schneider-Flume 2008). Unsere Gesellschaft sei so sehr von Machbarkeitsvorstellungen bestimmt, dass suggeriert werde, wir h\u00e4tten das Gelingen unseres Lebens in der Hand. Tats\u00e4chlich aber komme es eben darauf an, dass wir lernen, mit Grenzen zu leben.<\/p>\n<p>Die Tyrannei des gelingenden Lebens, die Gesundheitsreligion, die Gleichsetzung des Menschen mit seiner Leistungskraft, die Definition von St\u00e4rke als Fitness muss uns als Kirche provozieren. Ulrich Bach hat Recht \u2013 es geht nicht nur um unser Menschen- und Weltbild, es geht um unser Gottesbild. \u201eWenn Christus das wahre Ebenbild Gottes ist, dann muss grunds\u00e4tzlich nach dem Wesen Gottes, der sich in dem Ebenbild widerspiegelt, gefragt werden\u201c, hei\u00dft es in dem \u00f6kumenischen Text \u201eKirche aller\u201c (These 28)..Das hilflose Kind in der Krippe, der gebundene und gefolterte Leib des Gekreuzigten &#8211; die Inkarnation Christi erinnert daran, dass Gottesebenbildlichkeit eben nicht nur Geist und Seele betrifft, sondern auch den K\u00f6rper. (vgl. Markschies 2016) Ja, sie lenkt unseren Blick auf Gottes K\u00f6rper, der im Leib Christi wie unserer verletzlich und verg\u00e4nglich ist. \u201eKernst\u00fcck christlicher Theologie\u201c, meint deshalb Ulrich Bach, sei die \u201eAchtung vor Schwachheit, Gebrochenheit und Verletzlichkeit &#8211; und in der Konsequenz Kritik an Erfolg, Macht und Perfektionismus.\u201c Ohne die uneingeschr\u00e4nkte Integration von Menschen mit Behinderung k\u00f6nne die Kirche deshalb nicht f\u00fcr sich in Anspruch nehmen, Leib Christi zu sein, hei\u00dft es in dem oben zitierten \u00d6RK-Dokument. \u201eOhne die Erkenntnisse derer, die aufgrund ihres Lebens mit Behinderung etwas beitragen k\u00f6nnen, werden die tiefsten, ureigensten Elemente der christlichen Theologie verf\u00e4lscht oder verloren gehen.\u201c<\/p>\n<p>Ein hoher Anspruch \u2013\u00a0eine moralisch-theologische Keule f\u00fcr die Gemeindearbeit? Nun, als jemand, der einige Jahre in Sachen internationaler \u00d6kumene in Nahost und \u00dcbersee unterwegs war, wei\u00df ich nur zu gut, mit wie vielen anderen H\u00e4resien wir leben: Die bunte Gemeinde Gottes feiert an vielen Orten getrennt nach Ethnien, nach Herkommen und Kulturen; das gilt f\u00fcr Jerusalem und Nambia wie f\u00fcr D\u00fcsseldorf und vielleicht auch f\u00fcr Hamburg. Vielleicht ist es deshalb besser, mit ein paar ermutigenden Fragen auf die M\u00f6glichkeiten und die kleinen Anf\u00e4nge zu schauen, wie es die Fragenbox zum Thema Inklusion anbietet<em>: \u201eWo bietet denn Ihre Gemeinde M\u00f6glichkeiten, dass sich Menschen begegnen, die sich z.B. im Lebensalter, im Blick auf ihren sozialen Hintergrund, ihre nationale Herkunft oder ihre Beeintr\u00e4chtigungen unterscheiden?\u201c <\/em>Und<em> \u201ean welche Momente im Gemeindeleben erinnern Sie sich, in denen das Miteinander von Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit in besonderer Weise gegl\u00fcckt war?\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u201eWir sind einander Gabe, wenn wir unser Leben in den Dienst stellen: Gott will uns ganz und dazu geh\u00f6ren auch unsere Beeintr\u00e4chtigungen. In diesem Sinne zitiert der \u00d6RK Joh. 9,3: Wir sind so, wie wir sind, mit unseren Gaben und Grenzen, \u201edamit die Werke Gottes an uns offenbar werden.\u201c (These 65). Der Gedanke, dass Krankheit und Behinderung Ausdruck von Schuld sind, wird damit ausdr\u00fccklich zur\u00fcck gewiesen. Das gilt genauso f\u00fcr die EKD-Orientierungshilfe zur Inklusion, die vor zwei Jahren unter dem Titel \u201eEs ist normal, verschieden zu sein\u201c erschienen ist. Auch das sichtbar beeintr\u00e4chtigte Leben ist Teil der Normalit\u00e4t, aber gerade diese Erfahrung kann auch als Gabe verstanden werden &#8211; das meine ich nicht im Sinne der politisch korrekten Rede von den \u201eanders Begabten\u201c Aber tats\u00e4chlich k\u00f6nnen Menschen mit Behinderung andere herausfordern, mit St\u00f6rungen zu leben, neue Kommunikationsm\u00f6glichkeiten zu entdecken, neue Lebensm\u00f6glichkeiten zu erproben. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir hier nicht von Gabe sprechen, ohne zugleich von Grenzen zu reden \u2013 aber gilt das nicht grunds\u00e4tzlich? In unseren Begabungen und Begrenzungen wird deutlich, dass und wie wir einander und Gott brauchen &#8211; und zwar ungeachtet der F\u00e4higkeiten, die wir mitbringen. Verschiedenheit zu achten und Angewiesenheit anzuerkennen, \u201emacht uns offen f\u00fcreinander und verhilft uns zu tieferer und aufrichtigerer Selbsterkenntnis \u2013 es hilft uns in einem umfassenden Sinne zu verstehen, was es hei\u00dft, menschlich und bewusst (Ebenbild Gottes) sein\u201c, hei\u00dft es im Text des \u00d6RK. Denn Gottebenbildlichkeit ist schlie\u00dflich selbst ein Beziehungsbegriff (vgl. Liedke 2009).<\/p>\n<p>Die Integration von Ausgeschlossenen und Randsiedlern kennzeichnet des Wirken Jesu. Er heilt vor den Augen der \u00d6ffentlichkeit und stellt damit die g\u00e4ngige Exklusion in Frage. Dass Kranke im Umfeld Jesu Anteil bekommen an Gottes heilender Kraft und von ihr ber\u00fchrt werden, geh\u00f6rt zu den wichtigsten Gr\u00fcnden f\u00fcr die Anziehungskraft und Ausbreitung des Christentums. Die antike Welt war schlie\u00dflich \u00fcberzeugt, dass Menschen mit Behinderung in die widerg\u00f6ttliche Sph\u00e4re des Todes geh\u00f6ren und aus der sozialen und kultischen Gemeinschaft ausgegrenzt werden m\u00fcssen. Dass sie von D\u00e4monen besessen sind, dass eine Strafe auf ihnen liegt \u2013 und dass sie gerade damit das Miteinander bedrohen. Das Handeln Jesu stellt diese Vorstellungen radikal in Frage. \u201eDenn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht mitleiden k\u00f6nnte an unseren Schwachheiten\u201c, hei\u00dft es im Brief an die Hebr\u00e4er. (Hebr. 4,15).<\/p>\n<p>Die Heilungen selbst bleiben Zeichenhandlungen, denn nicht an der Heilung h\u00e4ngt die W\u00fcrde der Geheilten, sondern an der Wiederaufnahme der Beziehung &#8211; zu Gott wie zur Gemeinschaft. Vielleicht deshalb lehnte Ulrich Bach die Vorstellung, dass er in der Ewigkeit wieder einen gesunden R\u00fccken haben sollte, als Zumutung ab: Er wollte im Rollstuhl auferstehen, weil seine W\u00fcrde wohl gerade darin lag, anderen so, wie er lebte, etwas geben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>2. Inklusion \u2013\u00a0ein neues Paradigma f\u00fcr Kirche und Diakonie?<\/strong><\/p>\n<p>Als vor zwei Jahren die EKD-Orientierunghilfe zur Inklusion erschien, hatten viele das Gef\u00fchl, hier hinke die Kirche wieder einmal hinterher. Denn Inklusion war zum Leitbild eines umfassenden gesellschaftlichen Wandels geworden. Separierungen sollen \u00fcberwunden, Vielfalt wertgesch\u00e4tzt und Teilhabe f\u00fcr alle gleichberechtigt erm\u00f6glicht werden. Es geht darum, niemanden als \u201eAnderen\u201c oder \u201eFremden\u201c auszugrenzen \u2011 etwa weil er oder sie einen anderen ethnischen oder kulturellen Hintergrund hat, zu einer religi\u00f6sen oder zu einer sexuellen Minderheit geh\u00f6rt oder eben mit einer Behinderung lebt &#8211; es geht um das zentrale Lebensprinzip einer pluralen Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Die UN-Behindertenrechtskonvention hat entscheidende zur Verbreitung dieses Konzepts beigetragen. Als Ziel formuliert sie die \u201evolle und wirksame Partizipation und Inklusion\u201c (Art. 3) von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen. Ihre grundlegenden Forderungen lauten:<\/p>\n<ul>\n<li>Anerkennung von Menschen mit Behinderungen als gleichberechtigte und gleichwertige B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger der Gesellschaft,<\/li>\n<li>Verwirklichung der vollen und wirksamen gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Behinderungen unabh\u00e4ngig von Art und Schweregrad ihrer Beeintr\u00e4chtigung,<\/li>\n<li>Achtung der W\u00fcrde und Autonomie von Menschen mit Behinderungen,<\/li>\n<li>Respekt vor der Unterschiedlichkeit und die gesellschaftliche Wertsch\u00e4tzung der Menschen mit Behinderungen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Bundesrepublik Deutschland hat die UN-Konvention \u00fcber die Rechte von Menschen mit Behinderungen 2009 einstimmig in Bundestag und Bundesrat ratifiziert. Inzwischen hat sich das Konzept aber wenigstens zum Teil aus seinem Bezug zu Menschen mit Behinderungen gel\u00f6st und wurde zu einem generellen Prinzip f\u00fcr den gesellschaftlichen Umgang mit Vielfalt. In den Blick kamen auch die zunehmende Spaltung zwischen Armen und Reichen in unserer Gesellschaft, die Genderfrage, das Miteinander der Generationen sowie die Herausforderungen kultureller und religi\u00f6ser Vielfalt angesichts einer verst\u00e4rkten Migration. Inklusion ist dabei keineswegs nur eine Sache von Expertinnen und Experte; schlie\u00dflich geht es um gerechte Teilhabe und der Entwicklung einer Kultur gegenseitiger Akzeptanz und Wertsch\u00e4tzung. Inklusion soll als \u00dcberzeugung und Haltung in den K\u00f6pfen und Herzen aller Menschen im Gemeinwesen ankommen und die Praxis im t\u00e4glichen wie im professionellen Handeln bestimmen.<\/p>\n<p>Unter der Perspektive der Inklusion ver\u00e4ndert sich der Blick auf Behinderung. Stand fr\u00fcher ein Bild von Behinderung im medizinischen Sinne im Fokus, das gesundheitliche Probleme der Einzelnen hervorhob, wird heute die Beeintr\u00e4chtigung von Teilhabe als soziale Behinderung verstanden. Damit wird der Blick auf gesellschaftliche System\u00e4nderungen gelenkt. Es geht darum, alle Menschen in die Lage zu versetzen, mit anderen in soziale Beziehung zu treten, pers\u00f6nliche Bindungen einzugehen und sich selbst als Teil des normalen \u00f6ffentlichen Lebens erfahren zu k\u00f6nnen, ohne Barrieren \u00fcberwinden zu m\u00fcssen und ohne Vorurteilen oder abwertenden Einstellungen zu begegnen. Es bedeutet, nicht auf Mitleid angewiesen zu sein, um die erforderliche Unterst\u00fctzung und Hilfe zu erhalten.<\/p>\n<p>Unter der medizinischen Perspektive auf Behinderung kommen also Funktionseinschr\u00e4nkungen in den Blick. Daraus resultiert in der Regel die \u00dcberweisung zum einem Spezialisten, in eine Spezialeinrichtung. Im Mittelpunkt steht der Gedanke: Diese Person ist behindert. Ein am Konzept der Inklusion geschulter Blick nimmt vor allem die hemmenden Rahmenbedingungen wahr. Im Mittelpunkt steht der Gedanke: Ein Mensch wird behindert! Entsprechend wird die Ver\u00e4nderung der Gegebenheiten, die Leben behindern, in den Blick genommen. Es sind eben nicht nur die sprichw\u00f6rtlichen Bordsteine, die behindern. Unsicherheiten bei der Begegnung und \u00fcberkommene Vorurteile stellen mindestens ebenso hohe H\u00fcrden dar.<em> \u201eIst allen bewusst, dass durch mangelndes Zutrauen und Ungleichbehandlung neue Barrieren entstehen k\u00f6nnen?\u201c, <\/em>fragt deshalb eine Karte in der Fragenbox zur Inklusion.<\/p>\n<p>Mit diesem Verst\u00e4ndnis ist die Abkehr von der Defizitorientierung und bevormundender F\u00fcrsorge verbunden. Es geht um die Einl\u00f6sung von Rechten, die f\u00fcr alle Menschen in gleicher Weise gelten, und nicht um Wohlt\u00e4tigkeit, um individuelle oder kollektive \u201egn\u00e4dige Herabneigung\u201c zu Schwachen und Hilfebed\u00fcrftigen. Eine der geistigen M\u00fctter des Paradigmenwechsels, die Philosophin Martha Nussbaum, r\u00fcckt in ihrem Konzept der Teilhabe und Gerechtigkeit die W\u00fcrde und die F\u00e4higkeiten jedes einzelnen in den Mittelpunkt (Nussbaum 2010). Denn unser Selbstbewusstsein und unsere W\u00fcrde verbinden sich mit der Erfahrung, etwas zum Ganzen beitragen zu k\u00f6nnen. F\u00fcr Martha Nussbaum geh\u00f6rt dazu die F\u00e4higkeit, das eigene Denken zu entwickeln; alle Menschen brauchen deshalb Angebote zu Bildung und Ausbildung. Die fehlenden Schulen f\u00fcr Menschen mit schweren Behinderungen in der ehemaligen DDR haben gezeigt, wie wenig selbstverst\u00e4ndlich das ist. Genauso zentral ist die F\u00e4higkeit, sich selbst zu versorgen, auf die eigene Gesundheit zu achten, f\u00fcr die eigene Wohnung zu sorgen. Es gibt Lebenssituationen, in denen wir dazu Unterst\u00fctzung und Assistenz brauchen, aber das muss die Selbstbestimmung nicht einschr\u00e4nken. In Wohngemeinschaften ist solche Selbst\u00e4ndigkeit m\u00f6glich, in station\u00e4ren Einrichtungen kaum. Jeder, der Angeh\u00f6rige im Pflegeheim besucht und begleitet hat, wei\u00df, wovon ich spreche. Auch Bewegungsfreiheit und Mobilit\u00e4t geh\u00f6rt zu unseren Grundbed\u00fcrfnissen \u2013 daran \u00e4ndert sich nichts, wenn wir auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind. Aber je verletzlicher wir sind, umso eher brauchen wir Schutz vor Gewalt und sexuellen \u00dcbergriffen. In vielen F\u00e4llen waren und sind M\u00e4dchen Behinderungen die ersten und verschwiegenen Opfer .Es geh\u00f6rt auch zum Menschsein, Bindungen aufzubauen, zu Menschen und zu Dingen \u2013\u00a0zu lieben, zu trauern, Dankbarkeit und Zorn zu empfinden. Wir brauchen das Gef\u00fchl der Zugeh\u00f6rigkeit zu einer sozialen Gruppe, aber auch die Anteilnahme an der Natur, auch an Tieren und Pflanzen. Und schlie\u00dflich m\u00fcssen wir die M\u00f6glichkeit haben, uns einzumischen, wenn es um die Gestaltung unseres eigenen Lebensraums geht &#8211; in der Nachbarschaft, in Gemeinde und Politik. Neulich bin ich einer Gruppe von jungen Menschen mit Behinderung begegnet, die eine Veranstaltung in ihrem Rathaus besucht und sich an der Diskussion beteiligt hatten: sie strahlten von neuem Selbstbewusstsein. Das alles brauchen wir, um Selbstachtung zu empfinden.<\/p>\n<p>Hilfesysteme m\u00fcssen diese F\u00e4higkeiten unterst\u00fctzen. Sie d\u00fcrfen sie nicht schw\u00e4chen. Sie d\u00fcrfen nicht entm\u00fcndigen. Von diesem Impuls lebte Ende der 60er Jahre im Westen die Aufl\u00f6sung der gro\u00dfen Heime der Jugendhilfe zu kleinen Familiengruppen, das trieb die Gemeindepsychiatriebewegung in den 70ern und die Hospizbewegung in den 80ern voran, und es f\u00fchrt seit 10 Jahren zur Ambulantisierung der Behindertenhilfe und zur Ver\u00e4nderung in der Altenhilfe. Damit verbindet sich eine kritische Sicht auf da vorfindliche Sozialsystem &#8211; und auch in dieser Hinsicht geht es bei der Inklusion um einen Paradigmenwechsel.<\/p>\n<p>Im deutschen Sozialstaat hat, wer hilfebed\u00fcrftig ist, einen Rechtsanspruch auf Hilfe, der sich an der jeweiligen Notlage bzw. an den Bedarfen misst. Dabei macht es einen erheblichen Unterschied, ob jemand akut oder chronisch krank ist, eine Behinderung hat oder pflegebed\u00fcrftig ist. Denn die im Sozialgesetzbuch geregelten Anspr\u00fcche sind meist defizitorientiert und nur sekund\u00e4r auf Teilhabe- und Selbstbestimmungsm\u00f6glichkeiten ausgerichtet. So gibt es zwar in der Jugend- und Behindertenhilfe, die in kommunaler Hoheit ist, eine Quartierskomponente, um die Teilhabe zu st\u00e4rken &#8211; in der Pflege an \u00e4lteren Menschen fehlt sie aber noch immer. Zudem f\u00fchren die unterschiedlichen Systematiken zu \u201eVerschiebebahnh\u00f6fen\u201c zwischen den Kostentr\u00e4gern, denen die Einzelnen schon wegen der Un\u00fcbersichtlichkeit ausgeliefert sind. So \u201elanden\u201c nicht nur alte, sondern auch junge Menschen mit Behinderung in einer Pflegeeinrichtung, weil der Platz g\u00fcnstiger ist als der in einer Einrichtung der Eingliederungshilfe. Und am Ende bleibt auch, wer einen Rechtsanspruch wahrnimmt, \u201eHilfeempf\u00e4nger\u201c. Daran \u00e4ndert schlie\u00dfich die Tatsache nichts, dass inzwischen von Kunden der sozialen Dienste gesprochen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>3. Jeder Mensch gilt \u2013 eine kritische Erinnerung <\/strong><\/p>\n<p>Als Kirche und Diakonie sind wir in die Geschichte dieses Sozialstaats zutiefst verwickelt. Gleich, ob es um Rettungsanstalten oder Obdachlosenarbeit, um Einrichtungen f\u00fcr K\u00f6rperbehinderter oder sp\u00e4ter auch um die Gr\u00fcndung psychiatrischer Heime ging, es waren fromme Christinnen und Christen und diakonische Vereine, die die ersten Einrichtungen schufen. Vom Rauhen Haus bis nach Kaiserswerth &#8211; dahinter stand feste \u00dcberzeugung, dass \u2013 wie es in einem Kirchenlied hie\u00df &#8211; auch die von Gott berufen sind, die \u201eblind und lahm und Kr\u00fcppel sind\u201c. Spezialeinrichtungen wurden geschaffen &#8211; mit Medizin und Pflege, mit Schulen und Arbeitsm\u00f6glichkeiten. Ganz auf dem Stand der medizinischen und p\u00e4dagogischen Forschung &#8211; aber, wie damals \u00fcblich, gefangen in einem Standesdenken, dem noch heute unser Schulsystem mit den verschiedenen Stufen von der F\u00f6rderschule bis zum Gymnasium entspricht. Sogar neue Orte wurden entwickelt wie in Bethel oder Hephata, die auch den Aufgegebenen und Diskriminierten Wahlfamilien und ein Zuhause bieten sollten. Erst heute ist uns bewusst, dass die Exklusion, die damit verbunden war, eine gef\u00e4hrliche R\u00fcckseite hatte. Denn mit den Anstalten, die meist vor den St\u00e4dten lagen, verschwanden auch die Menschen aus den Familien und den Gemeinden &#8211; und mit ihnen das Bewusstsein f\u00fcr Verletzlichkeit und Angewiesenheit. Die Gesundheitsreligion, von der oben schon die Rede war, der Utilitarismus im Gesundheits- und Sozialwesen feierte schon in der Weimarer Republik fr\u00f6hliche Urst\u00e4nde \u2013 auch in der Diakonie. Das Erschrecken \u00fcber die Beteiligung von Anstaltsleitungen an der Vernichtung so genannten unwerten Lebens im Dritten Reich hat nach dem Krieg und erst Recht seit den 60er Jahren zum Umdenken gef\u00fchrt &#8211; auch in Diakonie und Theologie. Aus dieser Perspektive entwickelte dann Ulrich Bach seine \u201eTheologie nach Hadamar\u201c. Die Landesheilanstalt Hadamar in Hessen war 1941 eines der Zentren der T\u00f6tungsaktionen im Rahmen des f\u00e4lschlich so genannten \u201eEuthanasie\u201c-Programms. Bachs \u201eTheologie nach Hadamar\u201c folgt dem Grundsatz \u201eJeder Mensch gilt\u201c.<\/p>\n<p>In den letzten 25 &#8211; 30 Jahren haben sich die sozialen Dienste in Deutschland noch einmal grundlegend ver\u00e4ndert &#8211; man kann diesen Prozess als Privatisierung Vermarktlichung, aber auch als Aufl\u00f6sung der Anstalten oder auch als Ambulantisierung bezeichnen. Dienstleistungen sind an die Stelle von Einrichtungen getreten. Man kommt nicht mehr in eine Station oder Einrichtung, man schlie\u00dft einen Vertrag \u00fcber ein individuelles Hilfepaket \u2013 im Krankenhaus \u00fcber Operation und Station, im Jugend- und Behindertenhilfe \u00fcber Wohnung, Arbeit, Coaching und Mobilit\u00e4t. Dabei geht es letztlich darum, das Soziale eben nicht mehr nach unterschiedlichen Defiziten zu denken, sondern entlang der Lebensvollz\u00fcge, die jeden von uns betreffen: Wohnen und Arbeiten, um Bildung und Gesundheit, um Mobilit\u00e4t und Zugeh\u00f6rigkeit und um selbstbewusste Beteiligung. Dieses Konzept liegt nicht nur bei der Inklusion von Menschen mit Behinderung zugrunde &#8211; auch bei den Netzwerken f\u00fcr \u00e4ltere Menschen geht es um nichts anderes. Das SONG-Netzwerk der Bertelsmann-Stiftung z.B. oder Wohnquartier hoch 4 der Diakonie und Erwachsenenbildung RWL organisiert sich nach den wesentlichen Bedarfen bei Wohnungen, Bildungs- und Freizeitangeboten, Gesundheit und Pflege und Mobilit\u00e4t. Genauso wie Wohnquartier 8, das Inklusionskonzept von Alsterdorf. Konsequent weitergedacht f\u00fcr die unterschiedlichen Zielgruppen der Inklusion bedeutet das: Wir brauchen barrierearme Wohnungen f\u00fcr Menschen mit Behinderung, f\u00fcr \u00c4ltere wie f\u00fcr Familien &#8211; gemischte Quartiere also. Eine gute \u00f6ffentliche Verkehrsinfrastruktur, Einkaufsm\u00f6glichkeiten, \u00c4rzte und Treffpunkte vor Ort.<\/p>\n<p>Damit wird klar: das Soziale neu zu denken, eine neue Subsidiarit\u00e4t zu entwickeln, ist eine gro\u00dfe Herausforderung. Es ist richtig, nicht von den Einrichtungen und Dienstleistern, sondern von den Hilfebed\u00fcrftigen her zu denken. Es muss darum gehen, jeden Menschen in seinen ganz individuellen F\u00e4higkeiten zu f\u00f6rdern und in seiner Selbstbestimmung zu unterst\u00fctzen. Damit w\u00e4chst die Autonomie der \u201eVerbraucher\u201c, ihre Eigenverantwortung und Selbststeuerung &#8211; und das entspricht der Sehnsucht nach Eigenst\u00e4ndigkeit, der Befreiung aus \u00fcberkommenen F\u00fcrsorgestrukturen. Aber zu den Widerspr\u00fcchen dieser Entwicklung geh\u00f6rt, dass der Markt heute Zug\u00e4nge regelt, die in fr\u00fcheren Zeiten durch Herkunft, Tradition und Konfession, durch Milieus und Netzwerke bestimmt waren. Das hat Freiheit geschaffen, aber es bedeutet auch, dass den weniger Zahlungskr\u00e4ftigen Zug\u00e4nge erschwert oder verwehrt werden. Viele f\u00fcrchten, dass die begrenzten Ressourcen am Ende zu einer neue Exklusion und Exklusivit\u00e4t f\u00fchren. Und die Spaltung zwischen arm und reich, Gebildeten und Bildungsfernen, Autochthonen und Zugewanderten schreitet ja fort.<\/p>\n<p>So wichtig also Selbstbestimmung ist \u2013 was nutzt die Autonomie, wenn das Gef\u00fchl von Zugeh\u00f6rigkeit und Heimat verloren geht? Was nutzt die Freiheit, wenn die Unterst\u00fctzungssysteme erodieren? Wird Inklusion nicht zur Mogelpackung, wenn die Kommunen die n\u00f6tige Beteiligung gar nicht leisten k\u00f6nnen? Die Entt\u00e4uschung der Betroffenen \u00fcber das neue Teilhabegesetzt zeigt: angesichts un\u00fcbersichtlicher politischer Rahmenbedingungen, ungekl\u00e4rter Schnittstellen im Sozialversicherungssystems und leerer kommunaler Kassen k\u00f6nnte aus der Vision der Inklusion ein Sparprozess werden. Dabei sind es die Kommunen und auch die Kirchengemeinden, die in besonderer Weise herausgefordert sind. Denn all die Lebensvollz\u00fcge, um die es eben ging: Wohnen, Bildung, Betreuung und Freizeit finden jetzt nicht mehr in irgendwelchen Sondereinrichtungen sondern mitten unter uns in den Quartieren statt. Rein r\u00e4umlich ist die Exklusion aufgehoben: Was bleibt ist eine neue Normalit\u00e4t der Verschiedenheit. Darauf gilt es mit den Konzepten f\u00fcr Gemeinden und Kommunen zu reagieren. \u201e<em>Wird sich gelegentlich bewusst gemacht\u201c,<\/em> fragt die Inklusions-Fragenbox, \u201e<em>wer in der Vorstellung der Beteiligten zum WIR z\u00e4hlt\u201c? <\/em>Eine merkw\u00fcrdig formulierte Frage &#8211; aber sie zeigt, dass wir gar nicht anders denken k\u00f6nnen als vom Subjekt eines solchen \u201eWir\u201c aus, das die Anderen schon sprachlich zum Objekt macht. Das gilt es zu reflektieren und damit immer neu zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Dabei geht es um wechselseitige Unterst\u00fctzung und die Bereitschaft, Verantwortung zu \u00fcbernehmen &#8211; f\u00fcr sich selbst, f\u00fcr andere und auch f\u00fcr die gesellschaftliche Entwicklung. Fast zeitgleich mit der Perspektive der \u201eInklusion\u201c ist wohl nicht zuf\u00e4llig ein weiterer Begriff in die Debatte gebracht worden: Die \u201eCaring Communities\u201c zu einem internationalen Leitbegriff gesellschaftlicher Entwicklung geworden. In Deutschland ist von \u201eSorgenden Gemeinschaften\u201c, von \u201eSorgenden Gemeinden\u201c oder auch von \u201eVerantwortungsgemeinschaften\u201c die Rede. Dabei geht es um ganz verschiedene Lebensbereiche: Um die F\u00f6rderung der Kleinsten und um Unterst\u00fctzung f\u00fcr \u00c4ltere, um Netzwerke f\u00fcr Menschen mit Behinderung, aber auch um Willkommensangebote f\u00fcr Gefl\u00fcchtete und um Sterbende und Trauernde (Kellehear 2005). Der Gedanke der Sorgenden Gemeinschaften setzt bei ganz konkreten Erfahrungen an: In Hospizvereinen und an den Tafeln, in Mehrgenerationenh\u00e4usern und Nachbarschaftszentren, bei Seniorennetzwerken und Mentorenprogrammen, in Nachbarschaften und Vereinen engagieren sich Menschen gemeinsam f\u00fcr andere. Und wer sich engagiert, gewinnt zugleich neue Beziehungen und eigene Netzwerke, Lebensvertiefung und soziale Kompetenzen. In der Zivilgesellschaftsbewegung sprechen wir deshalb inzwischen von einem \u201eRecht auf Engagement\u201c &#8211; auch f\u00fcr Menschen mit Behinderung. Ich denke an die Projekte des Stadtkirchenverbands in Essen, die z.B. junge Leute mit Behinderung als Museumsf\u00fchrer ausbilden.<\/p>\n<p>Manche sehen in der Proklamation der \u201eSorgenden Gemeinschaften\u201c aber auch ein Signal f\u00fcr einen weiteren R\u00fcckzug des Staates. Angesichts der leerer werdenden \u00f6ffentlichen Kassen ist ja der Einsatz von Ehrenamtlichen etwa in der Tafel-, Hospiz- und Fl\u00fcchtlingsarbeit gesellschaftlich hoch willkommen. Zugleich ist aber gerade letztes Jahr auf dem H\u00f6hepunkt des Zuzugs von Gefl\u00fcchteten deutlich geworden, wie problematisch die Ausd\u00fcnnung von Sozialverwaltungen oder auch die Privatisierung des ehemals \u00f6ffentlichen Wohnraums tats\u00e4chlich ist. Ehrenamtlich Engagierte, die Koordination von Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften \u00fcbernahmen, weil Stadtverwaltungen personell \u00fcberfordert waren, haben sich dazu entsprechend kritisch \u00f6ffentlich ge\u00e4u\u00dfert. Inzwischen ist f\u00fcr jeden ersichtlich, dass Sorgende Gemeinschaften auf Sorgestrukturen angewiesen sind, wenn es keinen gesellschaftlichen R\u00fcckschritt in Richtung Deprofessionalisierung und Romantisierung gegenseitiger Solidarit\u00e4t geben soll, wie Thomas Klie zu bedenken gibt (Klie 2017).<\/p>\n<p>Es geht also um eine \u201egeteilte Verantwortung\u201c, das produktive Zusammenwirken von Staat, marktorientierten Dienstleistern und zivilgesellschaftlichen Netzwerken, von Kommune, Kirche und Diakonie. Gemeinschaft bedeutet aber mehr &#8211; Gemeinschaften sind gepr\u00e4gt durch Zugeh\u00f6rigkeit, gemeinsame Werte und Verantwortungsbeziehungen, wie wir sie aus Familien, Nachbarschaften, Freundeskreisen oder Wohngemeinschaften kennen &#8211; und nicht zuletzt aus Glaubensgemeinschaften mit ihrer spirituellen Qualit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>4. Gemeinden als Netzwerke und Kooperationspartner im Quartier<\/strong><strong><sup>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/sup><\/strong><\/p>\n<p>Mit der Ambulantisierung diakonischer Einrichtungen und von Programmen wie Soziale Stadt ist in den letzten Jahren eine neue Aufmerksamkeit f\u00fcr die Gemeindediakonie entstanden. Die Quartiersbewegung, die Gemeinwesendiakoniebewegung, Familienzentren, aber auch Angeh\u00f6rigennetzwerke nehmen den diakonischen Auftrag der Gemeinde neu in den Blick. Und Inklusion ist dabei ein wesentlicher Schl\u00fcssel zu einem neuen Miteinander von Kirche und Diakonie. Sie ermutigt zu neuen Erfahrungen in der Kooperation zwischen Gemeinden und Wohngruppen der Diakonie, zwischen Nachbarschaftsnetzwerken und Pflegediensten, zwischen Konfirmandenarbeit und Schulen mit Assistenz. Ich kenne eine Gemeinde, die seit Jahren regelm\u00e4\u00dfig Gottesdienste mit einer Werkstatt h\u00e4lt und die Vor- und Nachbereitung in die Konfirmandenarbeit einbezieht; anderswo \u00f6ffnen die diakonischen Wohngruppen T\u00fcren zum lebendigen Adventskalender \u2013 wer genau hinschaut, entdeckt so viele M\u00f6glichkeiten. Dazu ist es n\u00f6tig, dass die Gemeinde sich als gleichberechtigter Partner begreift und ganz konkret bed\u00fcrfnisorientiert handelt. Das geht nur \u00fcber Gespr\u00e4ch und Dialog &#8211; mit den Betroffenen wie mit deren professionellen Unterst\u00fctzern. Der Zusammenhang von Bed\u00fcrfnisorientierung und Partnerschaftlichkeit verhindert den R\u00fcckfall in Denkmuster, die ein starres Gegen\u00fcber von \u201eHelfern\u201c auf der einen und \u201eBed\u00fcrftigen\u201c auf der anderen Seite voraussetzen. Und macht ernst damit, dass wir als Gesch\u00f6pfe Gottes aufeinander hin- und angewiesen. Es geht also nicht um \u201eAngebote\u201c kirchlicher Leistungstr\u00e4ger f\u00fcr potentiell Hilfsbed\u00fcrftige. Es geht auch nicht um die Kirche f\u00fcr andere, sondern um Kirche miteinander. Es geht darum, im Horizont des Evangeliums Gemeinschaft so zu organisieren, dass Menschen sich auf Augenh\u00f6he begegnen und einander mit ihren vielf\u00e4ltigen Kompetenzen und Einschr\u00e4nkungen erg\u00e4nzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Eine innovative, gemeinwesenorientierte Strategie lebt davon, dass die \u00fcberkommene Distanz zwischen Kirchengemeinden und Diakonischen Diensten \u00fcberbr\u00fcckt wird \u2013 und dabei haben wir es schon auf der professionellen Ebene mit Vielsprachigkeit und unterschiedlichen Perspektiven zu tun. Genauso wichtig ist es, die Kontakte zu denen zu verbessern, die wir in den Gemeinden bislang vorrangig als Klienten der Diakonie wahrgenommen oder eben nicht wahrgenommen haben &#8211; und zu den vielf\u00e4ltigen zivilgesellschaftlichen Initiativen, den Alzheimernetzwerken, den Eltern von Kindern mit Behinderung, den Initiativen gegen Armut und Ausgrenzung. Da fehlt es nicht an scharfen Analysen und an Gestaltungsideen. Und nat\u00fcrlich geht es schlie\u00dflich darum, sich auch mit den au\u00dferkirchlichen Tr\u00e4gern und Initiativen im Gemeinwesen zu vernetzen. Vom \u00c4rztehaus bis zur Dorfladenbewegung \u2013 von den B\u00fcrgerbussen bis zur Wohnungsgenossenschaft und auch mit der Handwerkerschaft. Es war die Kreishandwerkerschaft, die in einer Kommune ein Inklusionsnetzwerk gegr\u00fcndet hat \u2013 mit Schulen, Sportvereinen und der freiwilligen Feuerwehr. Kirche ist ein Baustein im pluralen Gemeinwesen und muss nicht alles schultern. Aber Platz nehmen an den runden Tischen, das sollte sie schon.<\/p>\n<p>Letztlich geht es um die \u00dcberwindung der Zielgruppenorientierung und Vers\u00e4ulung &#8211; in der Diakonie als Wohlfahrtsanbieter ist sie oft durch die Refinanzierung festgelegt, in der Kirche aber nicht. Kirche hat immer noch Hauptamtliche, die ihre Zeit selbst einteilen und gestalten k\u00f6nnen und sie hat R\u00e4ume, die sie dem Gemeinwesen zur Verf\u00fcgung stellen kann. Sie muss bereit sind, die eigene Organisations- und Finanzlogik zugunsten einer neuen Kultur der Zusammenarbeit zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Es geht also bei Inklusion nicht um ein weiteres Thema, das sich auf die ohnehin schon volle Agenda dr\u00e4ngt \/ so wie zuletzt die Familie und als n\u00e4chstes die Arbeit mit Senioren. Es geht um ganz elementare Fragen, die in jeder Gemeindekonzeption Thema werden m\u00fcssen. Geh\u00f6ren alle dazu, die in einer Gemeinde und einem Wohnviertel wohnen? Welche Gruppen im Wohnviertel sind besonders auf das Miteinander angewiesen? Ist Vielfalt ein Schatz, der gehoben werden soll &#8211; und wo sind die Grenzen der Gemeinschaft? Sind in der Kirche und im Sozialraum unterschiedliche Menschen und Institutionen miteinander verbunden? Und wo liegt dabei unser Schwerpunkt? Was k\u00f6nnen wir tun, um Barrieren in der Stadt und in den K\u00f6pfen abzubauen? Begegnen Menschen in der Gemeinde einander gleichberechtigt? Ist hier jeder und jede willkommen? Wer f\u00fchlt sich bei uns ausgeschlossen?<\/p>\n<p>Meine Fragenbox h\u00e4lt dazu folgendes bereit:<em> St\u00e4rkt die Kirchengemeinde das Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl und die nachbarschaftlichen Beziehungen der Menschen am Ort? Gibt es Aktivit\u00e4ten, die den Menschen das Leben in ihrem Wohnviertel angenehmer machen? Und beteiligt sich die Kirchengemeinde an \u00fcbergreifenden kommunalen Gremien?<\/em><\/p>\n<p>L\u00e4sst sich eigentlich die Haltung, die Ulrich Bach in Worte gefasst hat, von Volmarstein auf eine ganz normale Wohnortgemeinde \u00fcbertragen? Wir sind ein buntes V\u00f6lkchen, hie\u00dfe das dann: einige sprechen unsere Sprache noch nicht, andere vergessen Worte und S\u00e4tze, einige wollen zwischendurch aufstehen, laufen und klatschen, andere brauchen eine Induktionsschleife, um zu h\u00f6ren. Das kann man sich vorstellen, oder? Oder wo sind unsere Grenzen, was Kompetenzen, R\u00e4ume und Ressourcen angeht? Grenzen vielleicht auch der Sprache und Verst\u00e4ndigung?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>5. Gemeinsam mit Grenzen leben und das Leben feiern<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00c4rztin Beate Jakob hat viele Jahre im indischen Gesundheitswesen gearbeitet. Dabei ist sie besonders aufmerksam geworden auf das, was Gemeinden leisten kann &#8211; und wo das Krankenhaus seine Grenzen hat. Beate Jakob versteht Gemeinden als Orte des Zuh\u00f6rens, wo mehr zu finden ist als praktische Hilfe oder das gemeinsame Finden von L\u00f6sungen. Wo zu sp\u00fcren ist, dass Menschen bei einem sind, die neuen Mut und Energie geben. Und wo im gemeinsamen Gebet Gottes Geist als Kraftquelle sp\u00fcrbar ist.<\/p>\n<p>\u201eMein Anliegen ist, dass in Gemeinden \u201egesch\u00fctzte R\u00e4ume\u201c entstehen\u201c, sagt sie. Im Englischen spricht man von \u201esafe\u201c oder \u201esacred spaces\u201c und meint damit Orte\/R\u00e4ume\/Begegnungsm\u00f6glichkeiten, an denen sich Menschen frei und offen begegnen und austauschen k\u00f6nnen, anstatt eine Rolle spielen zu m\u00fcssen. Das kann zum Beispiel ein Gespr\u00e4chsangebot sein, eine Angeh\u00f6rigengruppe oder eine Trauergruppe. Orte also, wo Menschen sich nicht als stark und als \u201eSieger\u201c pr\u00e4sentieren m\u00fcssen, sondern auch einmal ihre Masken ablegen und ihre Schwachheit und Hilfsbed\u00fcrftigkeit benennen d\u00fcrfen. Dadurch w\u00e4chst in Gemeinden auch das Bewusstsein, nicht eine Gemeinschaft von Starken zu sein, sondern von Un-Perfekten, die alle auf Gottes Gnade angewiesen sind\u201c.<\/p>\n<p>Dieser Ansatz gef\u00e4llt mir \u2013 er stellt nun auch nicht die Gemeinden unter Leistungsdruck. Denn sie sind eben un-perfekt. Und auch bei der Inklusion klafft eine gro\u00dfe L\u00fccke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Aber \u201edas entbindet nicht von der Einleitung des Paradigmenwechsels. Die Realisierung gleichberechtigter Teilhabe aller Menschen und insbesondere von Menschen mit Behinderungen hat ganz unmittelbar mit dem Kirchsein von Kirche zu tun\u201c \/ mit Geschwisterlichkeit und mit Augenh\u00f6he. Und deswegen geht es dabei eben nicht nur \u2013 oder vielleicht gar nicht zuerst um barrierefreie R\u00e4ume. Es geht um die inneren Zug\u00e4nge zu Gottesdienst und Konfirmandenarbeit oder auch zu Trauungen oder Segnungen und Taufen. Denn noch immer sind ja Partnerschaft und Familie im Blick auf Menschen mit Behinderungen hoch umstritten. Und vielleicht mehr als fr\u00fcher ist die Taufe eines behinderten Kindes ein Ereignis, das besonders sensibel und bewusst gestaltet werden will. Und was bedeutet eigentlich unsere starke Betonung des Wortes f\u00fcr diejenigen, die eher \u00fcber leibliche Erfahrungen und \u00fcber Ber\u00fchrung ansprechbar sind? Was hei\u00dft es in diesem Zusammenhang, dass das Wort Fleisch wurde \u2013 und wie l\u00e4sst sich Inkarnation in unseren Liturgien sinnlich erfahren?<\/p>\n<p><em>Wie werden Menschen mit anderer Muttersprache in die Aktivit\u00e4ten der Gemeinde einbezogen<\/em>, fragt meine Box. Und <em>was hilft Ihnen, sich anderen Menschen zu \u00f6ffnen \u2013 oder was hindert Sie?<\/em><\/p>\n<p>Ich denke an das geistliche Zentrum f\u00fcr Menschen mit Demenz in Berlin. Dort hat ein Sozialunternehmer ein Tanzcaf\u00e9 f\u00fcr Demenzkranke eingerichtet hat. Mit Musik, die zur\u00fcck in die goldenen 20er und 30er f\u00fchrt. Neben den wenigen Profis haben hier Arbeitslose, Hartz-IV-Empf\u00e4nger und \u00c4ltere ihren Einsatzort gefunden. Eine Gemeinde auf dem Weg zur Caring Community. Und einmal im Monat wird zusammen Gottesdienst gefeiert: einfach, sinnlich und sehr lebendig. Menschen geben Zeit und setzen Phantasie ein, um ihn vorzubereiten \u2013 und viele davon sehen darin ein St\u00fcck Lebenssinn, auch f\u00fcr sich selbst.<\/p>\n<p>Die Liturgie eines inklusiven Gottesdienstes zeichnet sich durch eine \u201ePr\u00e4senz des sinnlichen Reichtums\u201c (Grethlein) aus. Mit Musik, Gesang, Spielszene, Tanz, Bild, Film, Symbol, Geruch, Geschmack und Bewegung werden m\u00f6glichst viele Sinne angesprochen. So kann das Wort Gottes auf vielerlei Weise erfahrbar werden. In \u201eleichter Sprache\u201c, wo n\u00f6tig auch unterst\u00fctzt durch Geb\u00e4rden oder Bilder, erreicht das Wort Gottes Herz und Verstand. Und Segen auch k\u00f6rperlich zu sp\u00fcren durch Handauflegen, Salben, Fu\u00dfwaschen und vieles mehr, ist nicht nur f\u00fcr Menschen mit Behinderungen wichtig. Versinnlichungen erden das Evangelium und vertiefen die Auslegung der Heiligen Schrift. Eigentlich brauchen unsere Gottesdienste heute verschiedene Orte und verschiedene Sprachen. Es gibt die einfache Sprache, die f\u00fcr Kinder, aber auch f\u00fcr Menschen mit Behinderung oder wieder f\u00fcr Demenzkranke wichtig ist. Es gibt Geb\u00e4rdensprache und Jugendsprache &#8211; und die Sprachen von Migrantinnen und Migranten. Vor allem bei Kasualien ist es wichtig, sich auch sprachlich auf die dann versammelte Gemeinde einzustellen. Und wie im fr\u00fchen Christentum achtet der inklusive Gottesdienst darauf, dass alle ihre Gaben aktiv \u201ezum Aufbau der Gemeinde\u201c (1 Kor 14, 26) einbringen k\u00f6nnen. Vor allem, wenn immer wieder andere an der Vorbereitung beteiligt sind. Die Beispiele vom Zentrum Demenz oder von den Gottesdiensten mit der Werkstatt zeigen, dass das auch Menschen sein k\u00f6nnen, die sonst wenig Gottesdiensterfahrung haben. Wenn sie sich als Mitgestalter der biblischen Botschaft erleben, werden Energien wach, von denen wir vorher kaum etwas ahnen.<\/p>\n<p>Inklusion \u2013\u00a0die Antwort bin ich Ihnen noch schuldig \u2013\u00a0ist also nicht ein Nachhinken hinter irgendeiner gesellschaftlichen Entwicklung. Hier geht es um das Kirchesein der Kirche selbst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Cornelia Coenen-Marx, Gesamtkonvent Kirchenkreis Hamburg- West\/S\u00fcdholstein, 23.11.2016<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Just erschienen bei Edition Ruprecht:<\/h4>\n<p><strong>\u201eAufbr\u00fcche in Umbr\u00fcchen \u2013\u00a0Christsein und Kirche in der Transformation\u201c<\/strong><br \/>\nmein neues Buch.<\/p>\n<p><strong><em>Themen der Murmelgruppen:<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>1. In der Sprache des Herzens \u2013\u00a0Verk\u00fcndigung in vielen Sprachen<br \/>\n<\/strong>Kommunikation des Evangeliums in multilingualen Gemeinden: Einfache Sprache \u2013 Geb\u00e4rdensprache \u2013 Jugendsprache &#8211; Sprache von Migranten in Kasualien und Gemeindegottesdiensten<\/p>\n<p><strong>2. Gemeinde im Quartier: Inklusion und Kooperation<br \/>\n<\/strong>Kooperationserfahrungen mit Diakonie, Lebenshilfe und anderen: Wohngruppen \u2013 Werkst\u00e4tten \u2013 Schulen \u2013 Sportvereine \u2013 Assistenzdienste &#8211; Rat und Kommune<\/p>\n<p><strong>3. Was hei\u00dft hier Inklusion? Profilieren, was wir schon sind<br \/>\n<\/strong>Ehrenamtliches Engagement in Demenznetzwerken, Tafeln und Mittagstischen, Angebote f\u00fcr Menschen mit Sinnesbehinderungen, Quartiers- und Diakoniel\u00e4den, Inklusive Konfirmandenarbeit \u2026<\/p>\n<p><strong>4. Assistenz oder Geschwisterlichkeit?<br \/>\n<\/strong>Ehrenamtliches Engagement, Caring Communities und Teilhabe von Menschen mit Behinderung: Wie k\u00f6nnen wir lernen, uns auf Augenh\u00f6he zu begegnen?<\/p>\n<p><strong>5. Himmlische Werkstatt \u2013 Irdische Grenzen<br \/>\n<\/strong>Grenzen wahrnehmen und respektieren \u2013\u00a0bei anderen und bei uns selbst: Grenzen beim Umbau von Geb\u00e4uden, Grenzen der Kommunikation, Grenzen der Ressourcen, Grenzen der Vielfalt. Was entspricht unseren Herausforderungen und M\u00f6glichkeiten?<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p><em>Ev. Kirche in Deutschland: \u201e<\/em>Es ist normal, verschieden zu sein\u201c \u2013 Eine Orientierungshilfe des Rates der EKD zur Inklusion in Kirche und Gesellschaft, Hannover 2014<\/p>\n<p><em>Ulrich Bach,<\/em> Boden unter den F\u00fc\u00dfen hat keiner, Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine solidarische Diakonie, G\u00f6ttingen 1980<\/p>\n<p><em>Michael B\u00fcrsch<\/em>, Recht auf Engagement, Berlin 2015<\/p>\n<p><em>Cornelia Coenen-Marx,<\/em> Die Seele des Sozialen, Neukirchen 2013<\/p>\n<p><em>Cornelia Coenen-Marx,<\/em> Aufbr\u00fcche in Umbr\u00fcchen- Christsein und Kirche in der Transformation, G\u00f6ttingen 2016<\/p>\n<p><em>Gerald H\u00fcther:<\/em> Kommunale Intelligenz. Potenzialentfaltung in St\u00e4dten und Gemeinden. Hamburg: Ed. K\u00f6rber-Stiftung, 2013<\/p>\n<p><em>Allan Kellehear<\/em>: Compassionate Cities: Public Health an End of Life Care London: Routlege, 2005<\/p>\n<p><em>Thomas Klie:<\/em> Caring Community \u2013 Verst\u00e4ndnis und Voraussetzungen von Verantwortungs\u00fcbernahme in lokalen Gemeinschaften, in: ders., Beate Hofmann, Cornelia Coenen-Marx (Hrsg.): Drama, Powerplay oder Symphonie \u2013 Zum Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamtlichen in der Kirche, Kohlhammer April 2017<\/p>\n<p><em>Ulf Liedke<\/em>: \u201cGegebenheit, Gabe, Begabung\u201c; Zum theologischen Diskurs \u00fcber \u201eBehinderung\u201c, in; Pastoraltheologie 12\/2009<\/p>\n<p><em>Christoph Markschies<\/em>, Gottes K\u00f6rper &#8211; J\u00fcdische, christliche und pagane Gottesvorstellungen in der Antike, 2016<\/p>\n<p><em>Mehr als Fragen:<\/em> Fragenbox zum Thema Inklusion, PTI Rheinland, Netzwerk Inklusion Nordkirche, 2013<\/p>\n<p><em>Martha Nussbaum,<\/em> Die Grenzen der Gerechtigkeit, Chicago 2010<\/p>\n<p><em>Ariadne von Schirach,<\/em> Du sollst nicht funktionieren. F\u00fcr eine neue Lebenskunst, Stuttgart 2014<\/p>\n<p><em>Julia Simonson, Claudia Vogel und Clemens Tesch-R\u00f6mer<\/em> (Hrsg.): Freiwilliges Engagement in Deutschland \u2013 Der Deutsche Freiwilligensurvey 2014. Bundesministerium f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin 2016. Kurzfassung im Internet: <a href=\"https:\/\/www.bmfsfj.de\/bmfsfj\/service\/publikationen\/freiwilliges-engagement-in-deutschland-\/96254\">https:\/\/www.bmfsfj.de\/bmfsfj\/service\/publikationen\/freiwilliges-engagement-in-deutschland-\/96254<\/a><\/p>\n<p><em>Gunda Schneider-Flume,<\/em> Leben ist kostbar- Wider die Tyrannei des gelingenden Lebens, G\u00f6ttingen 2008<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Cornelia Coenen-Marx, Gesamtkonvent Kirchenkreis Hamburg- West\/S\u00fcdholstein, 23.11.2016 &nbsp; 1. Gottes verletzliches Ebenbild \u2013\u00a0ein theologischer Auftakt Wir sind ein buntes V\u00f6lkchen:&#8230; <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=2540\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":492,"menu_order":98,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2540","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2540"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2540"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2540\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2548,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2540\/revisions\/2548"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/492"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2540"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}