{"id":2094,"date":"2016-07-11T07:57:58","date_gmt":"2016-07-11T07:57:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=2094"},"modified":"2017-07-12T21:35:19","modified_gmt":"2017-07-12T21:35:19","slug":"die-glut-unter-der-asche-neu-entfachen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=2094","title":{"rendered":"Die Glut unter der Asche neu entfachen"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Wie diakonische Gemeinschaft w\u00e4rmt und tr\u00e4gt.<\/strong><\/h3>\n<p><strong><br \/>\n1. Noch Glut unter der Asche?<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eUnter der Asche ein heimliches Feuer\u201c<\/em> hei\u00dft ein Buch der amerikanischen Benediktinerin Joan Chittister, das vor mehr als 15 Jahren erschien. Die heute 80-j\u00e4hrige Joan Chittister ist Mitglieds eines Benediktinerinnen \u2013 Konvents in Pennsylvania, in den sie als ganz junges M\u00e4dchen eintrat. Zw\u00f6lf Jahre war sie dessen Priorin, eine starke, inspirierende und mutige Frau. 2001 erhielt sie den Thomas Merton Award f\u00fcr Frieden und soziale Gerechtigkeit, 2007 den Hans-K\u00fcng-Preis, 2008 trat sie in Seattle mit dem Dalai Lama auf. Es war aber Chittisters Forderung nach Frauenordination in der r\u00f6misch-katholischen Kirche, die ihrer Bekanntheit noch einmal einen Schub gegeben hat- sie geriet dar\u00fcber in Konflikt mit dem Vatikan, wie \u00fcbrigens gr\u00f6\u00dfere Teile des Reformfl\u00fcgels der amerikanischen Katholiken. Joan Chittister kann begeistern \u2013 und sie steht zu ihren Einsichten. Was sie erkannt hat, was ihr wichtig ist, macht sie \u00f6ffentlich- auch wenn es sie etwas kostet. So ist das nun mal, wenn man f\u00fcr eine Sache brennt. Man kann nicht dar\u00fcber schweigen. Der Titel ihres Buches \u2013 es ist nur eins von sehr vielen- erz\u00e4hlt, wie alles begann. Ein heimliches Feuer unter der Asche.<\/p>\n<p>In meiner Kindheit und Jugend hatten mein Eltern ein Ferienhaus in der Eifel \u2013 das hei\u00dft: eigentlich war es ein altes Bauernhaus. Dort gab es keine Zentralheizung, sondern nur einen zentralen Kamin, einen Kachelofen und den Gasherd. Wenn wir im Winter dort ankamen, mussten wir zu allererst heizen \u2013\u00a0und wer man am Morgen zuerst aufstand, musste nach dem Feuer sehen. Ich wei\u00df, wie es sich anf\u00fchlt, wenn das Feuer lange nicht gebrannt hat und alles kalt und klamm ist. Und wie man den Glutherd entfacht, der manchmal noch unter der grauen Asche brennt. Welche Bedeutung das Feuer f\u00fcr unsere H\u00e4user hat \u2013 wie die ganze Atmosph\u00e4re ver\u00e4ndert, das habe ich damals in der Eifel gelernt.<\/p>\n<p><em>Das zentrale Heiligtum auf dem Forum Romanum<\/em> <em>war der Tempel der Vesta. In ihm brannte das Heilige Feuer,<\/em> das von den sechs Priesterinnen, den Vestalinnen bewacht wurde \u2013 junge Frauen, die wie in einem Kloster zusammen lebten. Sie h\u00fcteten das Feuer des r\u00f6mischen Staates. Der Tempel der Vesta hatte die Form einer runden H\u00fctte; in der Mitte seines Dachs befand sich eine \u00d6ffnung f\u00fcr den Rauchabzug. Der Allerheiligste des Tempels durfte nur von wenigen Personen betreten werden- vom Hohen Priester und den Vestalinnen. Im Inneren wurden die Heiligt\u00fcmer des Staates aufbewahrt, darunter verschiedene Gegenst\u00e4nde, die Aeneas aus Troja gerettet haben sollte. Dort war aber auch ein beliebter Aufbewahrungsort f\u00fcr Testamente und Vertr\u00e4ge. Das Feuer, das im Tempel der Vesta brannte, war das Zentrum Roms \u2013 so wie der Kamin das Zentrum eines Hauses war. Jedes Jahr am 1.M\u00e4rz, dem alten Jahresanfang, wurde es neu entz\u00fcndet. Erlosch es von selbst, galt das als gro\u00dfes Ungl\u00fcck f\u00fcr die Stadt.<\/p>\n<p><em>Ich bin mit Zentralheizung aufgewachsen<\/em>. Zun\u00e4chst noch mit einem Kohlenkeller, in dem ein richtiger H\u00f6llenschlund brannte, sp\u00e4ter dann mit Erd\u00f6l und Gas. Solange die Heizung l\u00e4uft, vergesse ich oft, wie wichtig sie f\u00fcr unser Wohlbefinden ist. Vielleicht ist das nur ein Bild f\u00fcr die Gedankenlosigkeit, mit der wir die gute Versorgung und Infrastruktur in unserem Land hinnehmen. Ich erinnere mich, dass ich einmal von einem l\u00e4ngeren Aufenthalt in Kairo und im Sudan zur\u00fcckkam und mit Erstaunen zur Kenntnis nahm, wie gut bei uns alles funktioniert: wie sauber die Stra\u00dfen waren, wie regelm\u00e4\u00dfig die M\u00fcllabfuhr kam, dass warmes und kaltes Wasser aus der Leitung floss. Dass ich mich sicher f\u00fchlen konnte, ohne dass an jeder Ecke Polizei oder Milit\u00e4r steht. Dass wir Schulen, Krankenh\u00e4user, Pflegedienste haben \u2013 nichts davon ist selbstverst\u00e4ndlich. <em>Aber selten \u2013\u00a0bei einem Streik, einem Anschlag oder einer Flutkatastrophe sp\u00fcren wir, wie fragil all diese Systeme sind. <\/em><\/p>\n<p><em>Auch unsere gute Gesundheitsversorgung h\u00e4ngt von vielen Faktoren ab<\/em>. Davon, dass gen\u00fcgend Geld im System ist. Davon, dass gen\u00fcgend Menschen bereit sind, als \u00c4rztinnen oder Pflegende zu arbeiten. Und auch davon, dass f\u00fcr jeden Menschen gleiche Rechte gelten. Meine Kosmetikerin kommt aus der Ukraine. Seit dort die Krise begann, macht sie sich immer wieder Sorgen um ihre Familie. K\u00fcrzlich war ihre Gro\u00dfmutter erkrankt und wollte einen Notarzt rufen. Der Notdienst frage nach ihrem Alter \u2013\u00a0sie ist \u00fcber 80 \u2013\u00a0und empfahl ihr dann, sich hinzulegen, etwas einzunehmen und abzuwarten. Das Geld f\u00fcr Benzin war zu teuer, um jeden zu versorgen \u2013 so konzentrierte man sich auf die Jungen. Noch kann das bei uns nicht passieren \u2013 noch wird nicht rationiert. Aber wenn es um gro\u00dfe Operationen oder teure Krebsmedikamente geht, gibt es l\u00e4ngst keinen Zugang mehr f\u00fcr jeden. Und die Personalsituation ist an vielen Orten durchaus prek\u00e4r. Ohne den Einsatz von Zeitarbeitsfirmen f\u00fcr \u00c4rzte und Pflegende, ohne Migrantinnen und Migranten ginge schon lange nichts mehr. Vielleicht kommt auch bei uns die Zeit wieder, in der die Angeh\u00f6rigen ihre Kranken ganz offiziell auch im Krankenhaus versorgen? Essen mitbringen, Betten machen?<\/p>\n<p>Vor kurzem erz\u00e4hlten mir einige Pflegedienstleitungen vom Trend zu selbst\u00e4ndigen Pflegefachkr\u00e4ften. Auf dem leer gefegten Markt bestimmen sie die Rahmenbedingungen ihres Einsatzes weit gehen selbst: sie kommen, wenn Personalmangel auf Station ist, aber sie machen keinen Nachtdienst, oder arbeiten nicht am Wochenende oder nur, wenn die Kinder in der Schule sind. Der Rest muss von den fest Angestellten aufgefangen werden. Und wieder einmal wird mir klar, <em>wie wenig selbstverst\u00e4ndlich es ist, wenn der Dienst in einer Klinik oder einer Pflegeeinrichtung funktioniert \u2013 wenn Menschen bereit sind, sich f\u00fcr andere einzusetzen, sich mit anderen abzustimmen, Beruf und Familie irgendwie unter einen Hut zu kriegen. Nichts davon ist selbstverst\u00e4ndlich \u2013\u00a0so wenig wie die W\u00e4rme in unseren H\u00e4usern<\/em>. Alles h\u00e4ngt davon ab, dass das Feuer brennt, dass Energie flie\u00dft, auch wenn wir sie nicht sehen.<\/p>\n<p><em>Joan Chittisters Buchtitel \u2013\u00a0\u201eUnter der Asche ein heimliches Feuer\u201c \u2013 hat mich vor vielen Jahren angeregt, mich zu fragen, was das f\u00fcr eine Energie ist, die Menschen dazu bringt, sich f\u00fcr andere einzusetzen.<\/em> Ich war damals Leiterin der Kaiserswerther Diakonie, des ersten Diakonissenmutterhauses von 1836. Dort, am Ursprungsort der neuzeitlichen Pflegegeschichte, waren die Keller voller Akten aus vielen Jahrzehnten Pflegearbeit \u2013 w\u00e4hrend die Diakonissengeschichte in der alten Form unweigerlich zu Ende ging. Das lie\u00df mich fragen, von welcher Art das Feuer ist, dass wir h\u00fcten m\u00fcssen- oder ob es schon l\u00e4ngst nicht mehr brennt. Manchmal kann man ja wirklich das Gef\u00fchl haben, von der alten Idee dieser Pflegegemeinschaften sei nur noch Asche geblieben.<\/p>\n<p>Das Beispiel der selbst\u00e4ndigen Pflegekr\u00e4fte ist f\u00fcr mich der konsequente Endpunkt der Entwicklung von der Institution zur Individualisierung, von der Gemeinschaftsdiakonie zum Gesundheitsmarkt. Pflegende bieten ihre Dienstleistung auf dem Gesundheitsmarkt an wie jeder andere Anbieter auch. Und weil sie im Vergleich zu \u00c4rzten oder IT-Kr\u00e4ften viel zu wenig verdienen, sorgen sie vern\u00fcnftiger weise f\u00fcr ein gutes Zeitmanagement und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Allerdings l\u00e4sst sich ein Krankenhaus so nicht managen- hier greift eins ins andere und alles h\u00e4ngt an einer guten Abstimmung zwischen den verschiedenen Diensten und Berufsgruppen. Die Organisationen leben von der Bereitschaft, sich einzuf\u00fcgen- gerade das war in den Schwesternschaften \u00fcber viele Jahrzehnte Voraussetzung. Industrie und IT-Unternehmen setzen heute in weit h\u00f6herem Ma\u00dfe auf Eigenst\u00e4ndigkeit und Selbststeuerung \u2013 vielleicht m\u00fcssen wir also auch in den alten Anstalten, in Schulen und Krankenh\u00e4usern umdenken? Patienten \u201e durchzuschleusen\u201c oder Pflegebed\u00fcrftige in Modulen zu versorgen wie man Autos am Flie\u00dfband fertigt, ist kein Weg \u2013\u00a0das ahnen wir l\u00e4ngst. Schlie\u00dflich kann Heilung ohne Zusammenarbeit nicht gelingen \u2013\u00a0Zusammenarbeit mit dem Patienten und auch untereinander.<\/p>\n<p><em>Taugt die Tradition der Gemeinschaftsdiakonie f\u00fcr neue Visionen?<\/em> Machen wir uns nichts vor \u2013 <em>manche w\u00fcrden entschieden den Kopf sch\u00fctteln. Denn zur Tradition der Schwesternschaften geh\u00f6rten eben auch der Anpassungsdruck, von dem ich eben gesprochen habe, die Gehorsamstradition und das Zur\u00fcckdr\u00e4ngen von Individualit\u00e4t<\/em>. Zudem waren die Gr\u00fcnder wie Fliedner oder Zimmer davon \u00fcberzeugt, dass gerade Frauen nicht allein ihren Mann stehen k\u00f6nnten- sie w\u00e4ren schon von ihrer Konstitution her auf Familie und Gemeinschaft angewiesen. Als ich vorhin gesagt habe, die selbst\u00e4ndigen Pflegekr\u00e4fte seien der Endpunkt einer Entwicklung, habe ich daran gedacht, wie lange die Kirche gegen die Unabh\u00e4ngigkeit des Pflegeberufs gek\u00e4mpft hat und wie m\u00fchsam die Fortschritte errungen wurden \u2013\u00a0von Theodor Fliedners Mutterhausdiakonie \u00fcber Friedrich Zimmer, der den Schwestern nicht mehr nur Taschengeld, sondern durchaus ein Entgelt zahlte, bis zu den privaten Pflegediensten. Zugleich aber ist mir bewusst, wie wenig damit erreicht ist: trotz aller Unabh\u00e4ngigkeit ist die Bezahlung nicht gut. Der Soziologe Heinz Bude spricht in seinem Buch \u201e Gesellschaft der Angst\u201c sogar vom neuen Dienstleistungsproletariat \u2013 Hauswirtschafts- und Reinigungskr\u00e4fte und auch Pflegende z\u00e4hlen f\u00fcr ihn dazu<em>. Die Sorgeberufe leiden unter mangelnder Wertsch\u00e4tzung. Unter dieser Perspektive lohnt es sich dann doch, genau hinzusehen, was den Aufbr\u00fcchen im 19. Jahrhundert die Energie gab.<\/em> Und zu schauen, ob das Feuer unter der Asche noch brennt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>2. Berufung, Spiritualit\u00e4t, Gemeinschaft- Initialz\u00fcndungen diakonischer Gemeinschaft<\/strong><\/p>\n<p><em>Dis-embedding ist eine Schl\u00fcsselkategorie der Moderne.<\/em> Der klar und verl\u00e4sslich gezeichnete Rahmen, in dem Menschen \u00fcber Jahrhunderte gelebt haben, hat sich aufgel\u00f6st \u2013 das gilt f\u00fcr Geschlechterrollen wie f\u00fcr Familienbilder, f\u00fcr Biographien wie f\u00fcr Berufswege. Und es gilt auch f\u00fcr die Beschreibung gesellschaftlicher Funktionen. Aus der Wohlfahrtspflege ist die Sozialbranche geworden. Aus dem diakonischen Dienst eine Dienstleistung wie andere auch. Wir haben neue Freiheiten gewonnen und neue Unsicherheiten eingetauscht. Wir haben Autonomie gewonnen, aber vergessen manchmal, wie sehr wir auf andere angewiesen sind. Wir leben in einer Dienstleistungs- und Konsumgesellschaft und m\u00fcssen doch neu lernen, dass Gesundheit, Bildung, Ver\u00e4nderungsprozesse nicht konsumierbar sind, sondern unsere eigene Mitarbeit und Gestaltung brauchen.<\/p>\n<p>Vielleicht haben die Ecksteine der neuzeitlichen Diakonie deshalb wieder Konjunktur: <em>Engagement und Berufung, Spiritualit\u00e4t und Gemeinschaft sind wieder gefragt<\/em>. In einer Welt, in der Menschen die Jobs und Positionen, die Wohnorte, Familien und Freundeskreise oft mehrfach im Leben wechseln, in der sich viele zerrissen f\u00fchlen zwischen verschiedenen Rollen und Identit\u00e4ten und manche Philosophen schon diskutieren, ob es \u00fcberhaupt so etwas gibt wie eine Identit\u00e4t der Person, da fragen sich auch ganz s\u00e4kulare Menschen, was der Sinn ihres Lebens ist und wof\u00fcr sie gebraucht werden..<\/p>\n<p>Dass Arbeit mehr ist als nur ein Job, dass sie mit uns selbst, unserer pers\u00f6nlichen Entwicklung, unseren Netzwerken zu tun hat, wird zur Zeit vor allem in der Szene der Gr\u00fcnder, Freiberuflichen und K\u00fcnstler neu entdeckt \u2013 es gilt aber auch und gerade f\u00fcr die Diakonie und die soziale Arbeit. <em>\u201eArbeit ist sichtbar gemachte Liebe<\/em>\u201c sagt Catharina Bruns. Sie empfiehlt, ganz bewusst mit denen zusammen zu arbeiten, die ihren Beruf lieben. Damit sind wir sehr nah an den Motiven, die den Aufbruch der Diakonie im 19. Jahrhundert kennzeichnen. Es ging um Liebe \u2013 um die Liebe zu den Schwachen in den Zeiten der ersten Globalisierung und Industrialisierung; es ging darum, den Ausgeschlossenen zu zeigen, dass sie gebraucht wurden. All die Kinderg\u00e4rten, Kranken- und Rettungsh\u00e4user entstanden aus den Initiativen ehrenamtlich Engagierter \u2013 von Unternehmern, Kommunalbeamten, gut ausgebildeten Frauen ohne Beruf. Es waren Menschen, die von ihrer Sache begeistert waren: Fromme, erweckte Christen, die sich engagieren wollten, Pfarrerinnen und Pfarrer, die ihre Kirche ver\u00e4ndern wollten. <em>Aus diesen Initiativen entstanden die diakonischen Gemeinschaften, die Kraftorte der Diakonie an den Brennpunkten ihrer Zeit und auch ganz neue Berufe f\u00fcr die, die sich abgeh\u00e4ngt und nutzlos f\u00fchlten<\/em>. Arbeitslose junge M\u00e4nner wurden Handwerker und Diakone, alleinstehende Frauen, die eine Aufgabe suchten, wurden Diakonissen, Erzieherin oder Krankenschwester. N\u00e4chstenliebe, Gemeinschaft und Berufung waren Schl\u00fcsselfaktoren der diakonischen Bewegung. Theodor Fliedner, Johann Hinrich Wichern und all die anderen schmiedeten in ihren Einrichtungen Ketten der Hilfe als Alternative zu den Vertriebsketten auf den neuen globalen M\u00e4rkten der Industrialisierungszeit. In einer Zeit, in der Menschen auf der Suche nach Jobs vom Land in die St\u00e4dte zogen und oft genug ihren Halt verloren, schufen sie Haltepunkte im Getriebe, Pl\u00e4tze und Gemeinschaften, die Menschen stark machten.<\/p>\n<p><em>Dass die Frage nach der Berufung heute wieder eine zentrale Rolle spielt, hat auch damit zu tun, dass wir erneut in einer globalen Transformation leben<\/em> \u2013 diesmal von der Dienstleistungs- zur Wissensgesellschaft. Mit wachsenden Erwartungen an Mobilit\u00e4t und Verf\u00fcgbarkeit, neuen Abh\u00e4ngigkeiten, Verdichtungen und \u00dcberforderungen. Die Wachstumsgesellschaft scheint an eine Grenze zu sto\u00dfen, die Wohlfahrtindustrie steht unter erheblichem Druck, die versprochene Vereinbarkeit von Beruf und Familie gelingt so nicht. In dieser Situation ist das Einkommen f\u00fcr viele nicht mehr der entscheidende Gl\u00fccksparameter: es geht um ein gutes Leben. Viele wechseln aus ganz anderen Branchen in Kirche oder Diakonie, weil sie nach einer sinnvollen Arbeit suchen \u2013 um dann zu erleben, dass die Sozialbranche nach denselben Gesetzen gesteuert wird, wie andere auch. Wie kommen wir mit diesen Widerspr\u00fcchen zurecht?<\/p>\n<p><em>Der Philosoph und Politikwissenschaftler Matthew Crawford, der mit den widerspr\u00fcchlichen Anforderungen in dem Thinktank, in dem er arbeitete, nicht mehr zurecht kam<\/em>, k\u00fcndigte und er\u00f6ffnete stattdessen eine Motorradwerkstatt. Ein Teil der Befriedigung liegt f\u00fcr ihn darin, dass er den Sinn seines Tuns in seinem Handeln findet. Aus seiner Sicht ist es entscheidend, <em>dass Arbeit uns in einer Wertegemeinschaft verankert<\/em>. Was ich tue, sagt er, ist Teil eine umfassenderen Bedeutungskreises \u2013 es dient einer Aktivit\u00e4t, die wir als Teil des guten Lebens betrachten. Dieses Bewusstsein, das gar nicht ausgesprochen werden muss, <em>konstituiert die Gemeinschaft, in der wir arbeiten. Wir stehen in einer Art \u201e t\u00e4tigem Gespr\u00e4ch\u201c miteinander<\/em>\u00a0\u2013 und durch dieses Gespr\u00e4ch kann die Arbeit unser Leben zu einem in sich schl\u00fcssigen Ganzen machen. Um als Fotograf gute Arbeit zu tun, schreibt Crawford, muss man nicht nur Fotos machen, sondern Fotograf werden \u2013\u00a0man stellt sich damit in eine lange Traditionsreihe von Menschen, denen es vor allem um eines ging: Man muss sehen lernen.<\/p>\n<p>Auch wir stehen in einer solchen Traditionskette, die \u00fcber unsere eigene Arbeit, ja, sogar \u00fcber unsere Berufung hinausreicht. <em>Wer P\u00e4dagogik, Soziale Arbeit oder Pflege studiert und gelernt hat, will vor allem eins: f\u00fcr Menschen da sein<\/em>. Dem sollten die diakonischen Einrichtungen mit ihren \u00c4mtern und Diensten, mit den Kirchen und Andachten, den G\u00e4rten und Bildungseinrichtungen dienen. <em>Wenn wir merken, dass die heutigen Rahmenbedingungen unserer Arbeit mit diesem Ziel nicht mehr \u00fcbereinstimmen, m\u00fcssen wir uns kritisch einbringen, um nicht auszubrennen oder zynisch zu werden. <\/em>Dann f\u00fchrt kein Weg daran vorbei, Konflikte beim Namen zu nennen und Alternativen zu erproben.<\/p>\n<p><em>Wer sich f\u00fcr andere einsetzt, wer wirklich k\u00e4mpfen und etwas ver\u00e4ndern will, muss wissen, dass er damit nicht allein steht<\/em>. Darin liegt die Bedeutung der diakonischen Gemeinschaften. In seinem Buch \u00fcber Zusammenarbeit hat der Soziologe <em>Richard Sennet dargestellt, wie wesentlich Kooperation ist, um Zusammenh\u00e4nge wahrzunehmen. Er zeigt aber auch, wie sehr dieser Blick aufs Ganze angesichts unserer oft so zerst\u00fcckelter Jobs, Zeitarbeitsverh\u00e4ltnisse und individualisierter Medien bedroht ist<\/em>. Angesichts wachsender Ungleichheit und institutioneller Fragmentierungen in der neoliberalen Wirtschaft w\u00e4chst der Wunsch nach Solidarit\u00e4t- zugleich allerdings zersplittern Gewerkschaften, erodieren die alten Gemeinschaften. Auf diesem Hintergrund, so Sennet, suchen viele eine destruktive Solidarit\u00e4t, sie verteidigen das Eigene auf Kosten und in Abgrenzung zu anderen. Deshalb ist es heute wichtig, Organisationen, Arbeitsstrukturen und Orte zu schaffen, die ein Miteinander in Vielfalt erm\u00f6glichen &#8211; inklusive Schulen, gemischte Wohnquartiere, ein Unternehmen, das Migranten integriert, Stationsbesprechungen \u00fcber die Berufsgruppen hinweg. Interessanterweise illustriert Richard Sennet diesen Gedanken am Beispiel von Gemeinschaften, die im 19. oder im fr\u00fchen 20. Jahrhundert entstanden sind \u2013 wie die catholic\u2013workers-Bewegung. Oder unsere diakonischen Gemeinschaften.<\/p>\n<p><em>Gemeinschaften sind nicht um ihrer selbst willen da \u2013 sie sind intermedi\u00e4re Organisationen, Plattformen und Bindeglieder zwischen den Einzelnen und den Organisationen, den Unternehmen, der Gesellschaft<\/em>. Sie schaffen einen Raum des Austauschs, der Solidarit\u00e4t, der Vergewisserung in einer sich ver\u00e4ndernden, individualisierten Welt. In den diakonischen Gemeinschaften stand deshalb immer das Engagement f\u00fcr andere im Mittelpunkt- Andachten, Gottesdienste, R\u00fcstzeiten dienten dazu, sich mit den eigenen Kraftquellen neu zu verbinden. <em>Diese zentrale Bedeutung von Engagement und Berufung hatte allerdings auch eine Gefahr. Denn tats\u00e4chlich wurden die Gemeinschaften mit dem wachsenden Erfolg der Mutter- und Br\u00fcderh\u00e4user auch funktionalisiert<\/em>. Am Anfang stand die Glaubens- Lebens- und Dienstgemeinschaft, zu der nicht nur die Schwestern oder Br\u00fcder, sondern auch die Hilfebed\u00fcrftigen z\u00e4hlten. Konstitutiv daf\u00fcr war ein Dreieck: Gemeinschaft untereinander, Gemeinschaft mit dem Hilfebed\u00fcrftigen, Gemeinschaft mit Christus. In diesem diakonischen Dreieck korrespondiert eins mit dem anderen und die Rollen sind nicht festgelegt: Denn in den Kranken oder Sterbenden l\u00e4sst sich Christus finden, wie das Gleichnis vom Gro\u00dfen Weltgericht erz\u00e4hlt. Und in den Schwestern und Br\u00fcdern, mit denen ich arbeite- oder auch in mir \u2013 begegne ich eben nicht nur Helferinnen und Helfern, sondern auch Hilfebed\u00fcrftigen. In dem konstituierenden Dreieck der diakonischen Gemeinschaften ist die Richtung der Hilfe nicht festgelegt. Und auch Arbeit und Gemeinschaftserfahrung, Berufungserfahrung und Religion geh\u00f6rten zusammen. In den eigenen Leidenserfahrungen w\u00e4chst ja gerade die Empathie f\u00fcr andere, das Mitleiden- und gerade in dieser Haltung der Augenh\u00f6he lassen sich bei den Hilfebed\u00fcrftigen neue Kr\u00e4fte entdecken. Empowerment nennt man das heute.<\/p>\n<p><em>Allerdings leben wir heute in einer Gesellschaft, in der die Funktionsbereiche strikt getrennt sind<\/em>. Arbeit und Wirtschaft, Familie und Nachbarschaft, Spiritualit\u00e4t und Religion geh\u00f6ren zu unterschiedlichen Lebensbereichen und auch Kollegen und Klienten sind zweierlei- jedenfalls, bis eine Kollegin erkrankt. Aus den Krankenh\u00e4usern und Pflegediensten, die einst von diakonischen Gemeinschaften getragen wurden, wurden diakonische Unternehmen, die \u2013 wie die gesamte Sozial- und Gesundheitswirtschaft \u2013 unter erheblichem Kostendruck stehen. <em>Hier geht es darum, effektiv zu arbeiten- alles andere ist in den Hintergrund getreten.<\/em> So wurde aus der diakonischen Dienstgemeinschaft ein arbeitsrechtlicher Begriff, der inzwischen l\u00e4ngst unter Druck steht, weil viele Mitarbeitende ohnehin keiner Kirche mehr angeh\u00f6ren. An die Stelle der urspr\u00fcnglichen Gemeinschaft zwischen Hilfebed\u00fcrftigen und Helfern trat das Arbeitsteam, das angesichts dauernd wechselnder Dienste l\u00e4ngst nicht mehr so stabil ist wie fr\u00fcher. Und Religion wurde zur Privatsache- jedenfalls, bis die neuen muslimischen Kolleginnen und Kollegen danach fragten.<\/p>\n<p><em>Glaube, Gemeinschaft und Dienst, \u201eBelieving\u201c und \u201eBelonging\u201c, sind in einem diakonischen Unternehmen kaum noch zur Deckung zu bringen<\/em>. Auch in kirchlichen Einrichtungen fehlt der gemeinsame Rahmen \u2013 das meint ja Dis-embedding. Was die britische Soziologin Grace Davie als Problemanzeige f\u00fcr die westlichen Kirchen analysiert, das zeigt sich erst recht in der Diakonie. Grace Davie spricht davon, dass der gemeinsame Glaube, der zum gemeinsamen Handeln f\u00fchrt, eben nicht mehr als tragendes Fundament vorausgesetzt werden kann. Wir leben in einer nachchristlichen Gesellschaft. Die Richtung f\u00fchrt nicht mehr vom \u201eBelieving\u201c zum \u201eBelonging\u201c, sondern umgekehrt: vom Behaving zum Belonging zum Believing. \u00dcber das gemeinsame Handeln erschlie\u00dft sich die Gemeinschaft, die dann auch neue Zug\u00e4nge zum Glauben er\u00f6ffnet, zu der Energie, die Arbeit und Leben tr\u00e4gt.<\/p>\n<p><em> Spiritualit\u00e4t ist noch immer eine wichtige Ressource f\u00fcr diakonische Arbeit; das zeigt eine Untersuchung der Fachhochschule der Diakonie in Bethel<\/em> <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a>. Das gilt gerade jetzt, in einer Zeit, in der viele das Gef\u00fchl haben, unter dem wachsenden Druck auszubrennen. <em>Aber Spiritualit\u00e4t in der Diakonie bedeutet eben mehr als die Einrichtung eines Raums der Stille, eines sch\u00f6nen Gartens oder Labyrinths. Spiritualit\u00e4t in der Diakonie erleben Pflegende auch in der Zuwendung zu Kranken und in der Sterbebegleitung oder im ehrlichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen<\/em>. Diakonische Arbeit ist immer Beziehungsarbeit- und damit immer auch Zusammenarbeit. Zusammenarbeit mit Patienten bei der Heilung, Zusammenarbeit untereinander, Zusammenarbeit bei der Bew\u00e4ltigung des schwer Ertr\u00e4glichen, gemeinsame Suche nach spirituellen Kraftquellen. Wenn unter Effektivit\u00e4ts- und Kostendruck Stationsbesprechungen eingespart werden, wenn f\u00fcr Gespr\u00e4che mit Angeh\u00f6rigen kaum noch Zeit bleibt, wenn der Zusammenhalt im Team durch Ver\u00e4nderungsdruck und Umstrukturierungen bedroht ist, dann tangiert das die Spiritualit\u00e4t. Dabei wissen wir: wenn Menschen Heilung erfahren sollen oder wenn ein Team auch unter Druck Probleme bew\u00e4ltigen muss, sind wir als ganze Menschen gefragt. Da geht es um Haltung und damit auch um Halt und Zugeh\u00f6rigkeit, um einen Platz, an dem wir uns sicher f\u00fchlen und uns \u00f6ffnen k\u00f6nnen \u2013 und das hat mit Religion, mit Kultur und Gemeinschaft zu tun.<\/p>\n<p><em>Unter Druck und in Konfliktsituationen brauchen Mitarbeitende Ermutigung, \u00fcber ihre Hoffnung und \u00c4ngste, \u00fcber Glauben und Zweifel zu sprechen \u2013\u00a0und das ist offenbar gerade in Kirche und Diakonie nicht einfach<\/em>. Nicht nur, weil die allermeisten heute Religion als Privatsache empfinden und sie vor dem Zugriff der Arbeitswelt sch\u00fctzen wollen, sondern auch, weil in unseren Einrichtungen l\u00e4ngst Mitarbeitende unterschiedlicher Kultur und \u00dcberzeugung arbeiten. Menschen also mit unterschiedlichen Pr\u00e4gungen, was Geschlechterrollen oder Vorstellungen vom Leben und Sterben betrifft. Das darf auch in einer kirchlichen Einrichtung kein Tabu sein \u2013\u00a0im Gegenteil<em>. Eine gemeinsame Unternehmenskultur kann nur da entstehen, wo die Vielfalt geachtet wird, die heute auch diakonische Unternehmen pr\u00e4gt:<\/em> andere Religionen, Atheisten und Agnostiker geh\u00f6ren genauso dazu wie Suchende oder \u00fcberzeugte Christinnen und Christen. Wie gesagt: Glaube und Zugeh\u00f6rigkeit sind oft nicht mehr zur Deckung zu bringen. Gemeinschaft entsteht heute nur, wenn wir dem offen ins Auge sehen, uns der Vielfalt stellen und gemeinsam handeln. <em>Der Rahmen, die Kultur ist nicht vorgegeben \u2013 wir m\u00fcssen sie schaffen. Nicht durch Anpassung, sondern indem wir Probleme beim Namen nennen, Projekte starten, Rituale entwickeln. Denn so wie Menschen heute einen neuen Sinn in ihrer Arbeit, wie sie ihre Berufung suchen, so suchen sie auch Spiritualit\u00e4t und Gemeinschaft<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>3. Gemeinschaft , Freundschaft, Wahlfamilien- Netzwerke sind n\u00f6tiger denn je<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eWir stehen hier immer vor der Frage, wie sieht unsere Balance zwischen \u00d6konomie und Gemeinschaft aus\u201c, sagt der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Schloss Blumenthal, Martin Horack, der mit acht Familien begann und inzwischen in einem kleinen Dorf lebt \u2013 mit Kindern und \u00c4lteren und Menschen aus allen Berufsgruppen. Auf Schloss Blumenthal in Bayern<\/em> haben sich Menschen zusammengetan, um anders miteinander zu leben. Eine bunte Mischung von Individualisten vom Parkettpfleger \u00fcber die Medizinerin, die Hotelkauffrau bis zur Steuerfachangestellten oder zur Yogalehrerin. Ihre Zukunftsvision ist ein Grundeinkommen f\u00fcr jedes Mitglied aus den Gewinnen der Betriebe und eine gemeinsame Altersversorgung. Schloss Blumenthal ist eine GmbH und Co KG; die wirtschaftliche Basis bildet ein Hotel mit achtzig Betten in einem alten Herrenhaus, ein Gasthaus sowie G\u00e4rten und Parks.<\/p>\n<p>Mich erinnert das an die Entstehung diakonischer Gemeinschaften im neunzehnten Jahrhundert. Das Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft, Gemeinwesen und Wirtschaftlichkeit ist alt \u2013 und spielt heute wieder eine gro\u00dfe Rolle. Wir sp\u00fcren das in den diakonischen Unternehmen, wo kaum noch Zeit f\u00fcr Beziehungsarbeit, Team \u2013\u00a0und Kulturentwicklung bleibt \u2013 geschweige denn f\u00fcr gemeinschaftliche Angebote. Wir sp\u00fcren das aber auch in der Gesellschaft, die insgesamt auf Erwerbsarbeit ausgerichtet ist. F\u00fcr Menschen, die alleinerziehend mit Kindern leben, die in die dritte Lebensphase eintreten und damit rechnen, mehr Hilfe zu brauchen, f\u00fcr Menschen mit einer Behinderung oder f\u00fcr Singles, die einen Ort der Zugeh\u00f6rigkeit suchen, wird es wichtiger, dar\u00fcber nachzudenken, wo und wie sie leben. Wo sie Halt und Unterst\u00fctzung finden. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe Politikerinnen und Politiker, die sich f\u00fcr ein neues Wohnprojekt entschieden haben und die Idee gemeinschaftlichen oder genossenschaftlichen Wohnens bekannt machen. Henning Scherf, Malu Dreyer stehen f\u00fcr solche Projekte. F\u00fcr starke Nachbarschaften, in denen man einander wechselseitig hilft.<\/p>\n<p><em>\u201eWir brauchen Freunde und Freundinnen, eine Kultur der Freundschaft. Freundschaft begr\u00fcndet sich in dem Wissen, dass wir wohl immer mehr empfangen, als wir zu geben in der Lage sind<\/em>\u201c, schreibt Andreas Heller<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a> in einem Buch \u00fcber Sorgenetze und <em>Sorgende Gemeinschaften<\/em> in einer \u00e4lter werdenden Gesellschaft. Die wechselseitige Sorge f\u00fcreinander ist eben mehr als eine bezahlbare Dienstleistung; sie kann uns helfen, selbst reicher, lebendiger und sinnvoller zu leben. \u00dcber die wechselseitige F\u00fcrsorge entwickeln wir Zugeh\u00f6rigkeit, f\u00fchlen uns eingebunden und zu Hause. Wohnprojekte und Mehrgenerationenh\u00e4user bieten vielleicht auch Dienstleistungen an, aber sie leben von der freundschaftlichen Sorge f\u00fcreinander. Die Lebens- und Dienstgemeinschaften der Diakonie, in denen der verletzte Mensch, der sterbende, der kranke oder behinderte Mensch die gleiche W\u00fcrde hat wie der gesunde, sind oft auch Freundesnetzwerke. Ich denke an eine diakonische Initiative von Eltern behinderter Kinder, die zusammen einen Reiterhof gr\u00fcnden. An die Ehrenamtliche in der Hospizarbeit, die einen Jugendlichen aus einer Migrantenfamilie im Sterben begleitete- und seitdem die deutsche Oma der ganzen Familie geworden ist. Oder an die Angeh\u00f6rigen, die eine Wohngemeinschaft f\u00fcr Komapatienten gegr\u00fcndet haben, und die Mitarbeitenden dort als Familien unterst\u00fctzen. An die Diakonie-Hotels, in denen Menschen mit Behinderung das Serviceteam stellen. Und nat\u00fcrlich an die Arche-Projekte f\u00fcr Menschen mit und ohne Behinderung. Solche neuen Gemeinschaftschaften wachsen an vielen Stellen, vielleicht weil wir sp\u00fcren, dass Professionalisierung und Funktionalisierung nicht gen\u00fcgen. Das ist der Grund, warum auch die \u201eSorgenden Gemeinschaften\u201c, die Caring Communities sozialpolitisch ganz oben stehen. Diese Idee nimmt die Energie der diakonischen Gemeinschaften in neuer Gestalt auf.<\/p>\n<p><em>Sorgende Gemeinschaften entwickeln sich vor allem in den Nachbarschaften, in Wohnprojekten und sozialen Initiativen von Angeh\u00f6rigen und Betroffenen <\/em>\u2013 manchmal auch in Kirchengemeinden, zumeist aber jenseits der unternehmerischen Diakonie, die sich nach Angeboten und Strategien sortiert und wirtschaftlich arbeiten muss wie andere Dienstleister auch. Denn sorgende Gemeinschaften leben von Engagement und Freiwilligkeit. Und sie haben deshalb einen anderen Umgang mit Zeit und Gef\u00fchlen \u2013\u00a0nicht alles muss kalkuliert werden. Die Seele des Sozialen schl\u00e4gt in solchen Gemeinschaften; und trotzdem ist es gut, wenn sie mit funktionalen Diensten verkn\u00fcpft werden. Denn Pflege und Soziale Arbeit brauchen Professionalit\u00e4t \u2013 nicht umsonst hat die neuzeitliche Diakonie eben Berufe entwickelt. Und sorgende Gemeinschaften brauchen Sorgestrukturen, hei\u00dft es im j\u00fcngsten Altenbericht der Bundesregierung. Diakonische Gemeinschaften finden ihre Plattform auf dem Boden diakonischer Unternehmen. Ich k\u00f6nnte mir vorstellen, dass sie zu Br\u00fcckenbauern w\u00fcrden- zwischen Dienstleistern und Engagierten, zwischen Unternehmen und Kirchengemeinden, zwischen Angeh\u00f6rigen und Nachbarschaften. Vielleicht sind es nicht die berufst\u00e4tigen, die selbst kaum Luft zum Atmen haben- es k\u00f6nnten aber die Rentnerinnen und Rentner sein, die nach einer langen sozialen Berufst\u00e4tigkeit einen neuen Blick entwickeln f\u00fcr die diakonischen Aufbr\u00fcche rundum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>4. Rituale gegen die Zerstreuung <\/strong><\/p>\n<p>\u201e<em>Der moderne Individualismus steht meines Erachtens nicht nur f\u00fcr einen pers\u00f6nlichen Impuls, sondern auch f\u00fcr einen sozialen Mangel, einen Mangel an Ritualen\u2026<\/em> Die moderne Gesellschaft hat die durch Rituale hergestellten Bindungen geschw\u00e4cht\u201c, schreibt Sennet am Schluss seines Buches \u00fcber Zusammenarbeit. In unseren H\u00e4usern fehlt oft nicht nur die Zeit f\u00fcr Zuwendung und Austausch, sondern auch f\u00fcr Rituale. Dabei ist Diakonie reich an Ritualen \u2013 mit Weihnachts- und Sommerfesten, Tagen der Offenen T\u00fcr, Einweihungen und Jubil\u00e4en. Rituale geben dem Leben Rhythmus, sie k\u00f6nnen den Alltag unterbrechen, Lebensschwellen bewusst machen. Sie k\u00f6nnen aber auch helfen, \u00dcberg\u00e4nge zu gestalten und schwer ertr\u00e4gliche Situationen auszuhalten.<\/p>\n<p>Heute brauchen wir eine interkulturelle Sensibilit\u00e4t, die auch die Traditionen der muslimischen Bewohner oder der orthodoxen Mitarbeiter achtet. Auch hier gilt: <em>der Rahmen ist nicht mehr der gleiche \u2013 wir m\u00fcssen, und wir k\u00f6nnen uns die Freiheit nehmen, Rituale so zu gestalten, dass Menschen das Gef\u00fchl haben, ihre eigenen Traditionen einbringen zu k\u00f6nnen<\/em>. Damit Fremdheit \u00fcberwunden wird. <em>Es ist \u00fcbrigens ein Fehlschluss, dass Rituale viel Zeit brauchen<\/em>&#8211; manchmal gen\u00fcgen wenige Minuten, um miteinander inne zu halten. Und manchmal gelingt es, verlorene gemeinsame Zeiten neu als Ritual zu gestalten \u2013\u00a0wie die Fr\u00fchst\u00fccksrunde der Stationsleitungen in einem Altenheim. Ein Krankenhaus in Halle l\u00e4sst jeden Mittag Luftballons f\u00fcr die Neugeborenen aufsteigen und l\u00e4dt dazu Verwandte und Mitarbeitende ein. Im Rahmen des Palliativ-Care-Projekts der Kaiserswerther Diakonie entwickelte die Schreinerei eine Lade f\u00fcr die Aussegnungen auf den Stationen \u2013\u00a0mit Kerze und Karte und einem kleinen Parament, das von Ehrenamtlichen gestickt wurde. Die Initiatoren sitzen meist nicht in der F\u00fchrungsetage \u2013 es sind K\u00fcnstlerinnen, Lehrer, Fotografen, Tr\u00e4umer \u2013 oder eben diakonische Gemeinschaften. Sie k\u00f6nnen die alten Instrumente der Unternehmenskultur neu zum Klingen bringen. Rituale und Feste, Kunst und Spiritualit\u00e4t \u00f6ffnen unseren Blick f\u00fcr die andere Wirklichkeit jenseits der Kennzahlen und Zielvereinbarungen und schaffen damit Zugeh\u00f6rigkeit.<\/p>\n<p>Heilung und Erfolg, Verstehen, Gemeinschaft und gelingendes Leben bleiben letztlich unverf\u00fcgbar. <em>Mitarbeitende in der Diakonie sind deshalb in besonderer Weise auf Rituale wie auf tragende Netzwerke angewiesen<\/em>. Ehrliche Begegnungen, Offenheit, Spiritualit\u00e4t k\u00f6nnen Menschen stark machen, mit dem Unberechenbaren umzugehen. <em>Wo daf\u00fcr die Zeit fehlt, wo wir mit Grenzen und Scheitern allein bleiben, wo mit Widerspruch und Konflikten nicht offen umgegangen wird, wo Menschen nur nach ihrer Funktionalit\u00e4t und der Effektivit\u00e4t ihrer Arbeit beurteilt werden, geht die Glaubw\u00fcrdigkeit der Diakonie verloren.<\/em> Da geht das Feuer aus \u2013 was dann bleibt, ist nur noch Asche. Die diakonischen Gemeinschaften h\u00fcten die Sch\u00e4tze und die Energiequellen der Unternehmensdiakonie, so wie die Vestalinnen auf dem Forum das Herdfeuer Roms h\u00fcteten. Mit ihrem Dasein symbolisieren sie die zentralen Energien \u2013 so wie der Tempel neben dem Caesartempel. Gemeinschaften w\u00e4ren aber \u00fcberfordert, wenn Unternehmensleitungen sie erneut funktionalisieren, um den diakonischen \u201eMehrwert\u201c zu erwirtschaften. Um diakonische Kultur heute zu pr\u00e4gen, brauchen die Unternehmen mehr: Leitbilder und Qualit\u00e4tsentwicklung, Fortbildung und Ethikberatung- eine diakonische Unternehmenskultur. <em>Gemeinschaften k\u00f6nnen und sollten sich an solchen Prozessen beteiligen- <\/em>und sie k\u00f6nnen in der Gestalt der Gemeinschaft daran erinnern, wie wesentlich es ist, die eigene Werteorientierung auch tats\u00e4chlich zu leben.<\/p>\n<p><em>Daf\u00fcr brauchen sie R\u00e4ume und Treffpunkte f\u00fcr Andacht, Begegnungen und Aktionen \u2013 und auch <\/em><em>Freir\u00e4ume f\u00fcr neue Modelle<\/em>. Ganz \u00e4hnlich, wie Mitarbeitervertretungen Freir\u00e4ume f\u00fcr die Vertretung des Personals und neue Kompetenzen brauchen, wenn das kirchliche Arbeitsrecht Zukunft haben soll. Wenn diakonische Gemeinschaften eine Zukunft haben wollen, m\u00fcssen sie in viel st\u00e4rkerem Ma\u00dfe auf theologische Bildung, Beratung und Coaching setzen und in einem gr\u00f6\u00dferen Verbundsystem denken. Die traditionell unterschiedlichen Netzwerke und Entwicklungspfade des Kaiserswerther, des Zehlendorfer Verbandes und der Diakoninnen und Diakonen bauchen heute gemeinsame Treffpunkte, Wege und Markpl\u00e4tze. Nur so kann es gelingen, mit den sich fusionierenden Unternehmen mit zu gehen und deren Zukunft mit zu gestalten. Gemeinsame Zukunftskonferenzen, Kurse, Einkehrtage und Feste sind ein Weg in diese Richtung.<\/p>\n<p><em>Um einen Pflegeberuf zu erlernen oder um Sozialp\u00e4dagogik zu studieren, ist die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Gemeinschaft l\u00e4ngst nicht mehr n\u00f6tig. Aber wer sich w\u00fcnscht, die eigene Berufung mit anderen zu teilen und das Feuer gemeinsam zu pflegen, dem kann eine Gemeinschaft dienen. Das gelingt nur in Freiheit, jenseits beruflicher Hierarchien<\/em>. Aber gute und erfahrende Mentorinnen k\u00f6nnen die Br\u00fccke \u00fcber die Generationen schlagen. Gemeinschaften k\u00f6nnen eine Rolle bei der Personalentwicklung spielen, sie k\u00f6nnen Bildungsangebote machen- aber sie sind nicht einfach Teil des Unternehmens und auch keine Mitarbeiterorganisation. Eher ein Freundeskreis, eine Initiative, ein Netzwerk von Diakonikern solchen, die sich dort beruflich oder auch freiwillig engagieren.<\/p>\n<p><em>Aber funktioniert das noch in einer mobilen Welt, \u00fcber die vielen Wechsel des Arbeitsplatzes, des Unternehmens und Umz\u00fcge hinweg?<\/em> Damit hat die Mutterhausdiakonie Erfahrung. Schlie\u00dflich entstand sie in der Zeit, als die Arbeitsmobilit\u00e4t erheblich zunahm und die Familienverb\u00e4nde \u00fcberfordert waren. Die Haltetaue, die Menschen auch \u00fcber gro\u00dfe Entfernungen zusammenhalten k\u00f6nnen, sind lange erprobt: regelm\u00e4\u00dfige Rundbriefe und Mails, Verabredungen f\u00fcr Besuche und Telefonate, Treffpunkte zu bestimmten Zeiten, aber gemeinsame Gebetszeiten, die jeder einh\u00e4lt, gleich wo er gerade unterwegs ist. Das Losungswort, das Christinnen und Christen \u00fcberall auf der Welt am Morgen lesen \u2013 manche im Losungsbuch, manche auf dem PC. Dann die Zeichen, die die Einzelnen erinnern, dass sie zu anderen geh\u00f6ren: ein Freundschaftsarmband, eine Schwesternbrosche, ein Schal. Und nat\u00fcrlich gemeinsame Projekte und Aufgaben. Inzwischen entstehen selbst in den sozialen Netzwerken neue, spirituelle Gemeinschaften, christliche Communities. Warum nicht jeden Mittag ein Mittagsgebet in die eigene Facebook-Gruppe schicken? Warum nicht geschlossene Chatr\u00e4ume nutzen, um Probleme der Gemeinschaft zu besprechen? Das Netz erm\u00f6glicht ein erstaunliches Ma\u00df an Offenheit und spontaner Unterst\u00fctzung f\u00fcreinander.<\/p>\n<p>Es gibt tats\u00e4chlich Freundschaften im Netz, aus denen dann sp\u00e4ter Face-to-Face-Verbindungen entstehen. Und auch geistliche Begleitung, gemeinsame Gebete und Seelsorge sind hier m\u00f6glich. \u201eEin guter Freund ist jemand, der einen an einen selbst erinnert, wenn man sich aus den Augen verloren hat\u201c, schreibt Ariane von Schirach in ihrem Buch \u201eDu sollst nicht funktionieren\u201c: \u201eDieser Blick ist unersetzlich, vor allem, weil es manchmal leichter ist, sich selbst zu t\u00e4uschen als einen Menschen, der einem nahe steht. Und \u201e\u201c<em>Ihr seid Freunde, sagt Jesus zu seinen J\u00fcngern- und Gemeinschaft der Freunde nennt sich auch die Kirche der Qu\u00e4ker, die keine Sakramente kennt, aber im diakonischen Handeln stark ist und sich um das innere Feuer gruppiert.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>5. Das innere Feuer \u2013 was entscheidend wichtig ist <\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Kommen wir zur\u00fcck zum Gedanken des Herdfeuers. In den 60-er Jahren sagten Sozialwissenschaftler, das Fernsehen habe das Herdfeuer ersetzt, an dem man fr\u00fcher zusammen sa\u00df und einander Geschichten erz\u00e4hlte<\/em>. An ihre Stelle trat die heilige Zeit der Tagesschau und der Familienshows am Samstagabend. Aber auch das ist l\u00e4ngst vorbei. Heute hat jeder das elektronische Feuer selbst in der Hand- lauter kleine Funkenfl\u00fcge, jeder mit seinem eigenen Horizont. Es liegt an uns, ob und wie wir uns verbinden- ob wir nur in unserer eigenen Welt leben, oder die Perspektiven miteinander teilen. Dass heute aber das gemeinsame Wohnen so zum Thema geworden ist, das h\u00e4ngt auch mit dem Wunsch zusammen, nicht nur elektronisch, sondern auch ganz sp\u00fcrbar miteinander verbunden zu sein. In einem Raum, im gemeinsamen Engagement, im Essen und Trinken und Singen und Feiern.<\/p>\n<p>So gut es m\u00f6glich ist, eine Freundschaft oder Gemeinschaft elektronisch \u00fcber die Zeit zu retten, so wichtig sind deshalb auch die intensiven Zeiten der Begegnung. Ein gemeinsames Abendessen in der Woche , gemeinsames Einkaufen und Kochen. Zusammen Musik machen. Zusammen Singen oder auch Reisen. Solche Erfahrungen der Begegnung verankern uns in der Zeit und eben auch im Miteinander. Und sie k\u00f6nnen helfen, das Feuer neu zu entfachen. Daf\u00fcr ist es noch lange nicht zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p><em>Vorgestern las ich in der HAZ einen Artikel \u00fcber die Wiederentdeckung der mittelalterlichen Musik in den Heidekl\u00f6stern<\/em>. Ulrike Volkhard, Professorin f\u00fcr Blockfl\u00f6te an der Musikhochschule in Essen, hat sich vor 10 Jahren auf die Suche nach den Noten gemacht und ist um die Welt gereist- nach London, Oxford, Kopenhagen. Und sie hat die gregorianischen Ges\u00e4nge wieder gefunden, in denen sich die unterschiedliche Kultur der Heidekl\u00f6ster spiegelt. Ein ganzer Schatz. \u201e Die Kunstwerke sind heute stark im Bewusstsein\u201c; sagt sie, sie wurden bestens gepflegt und archiviert\u201c- aber die Musik war fast vergessen. Volkhardt aber, die aus einer Pastorenfamilie kommt, ist neugierig geblieben auf die Glut unter der Asche. Und sie hat sie wieder entfacht. In diesen Tagen erscheinen die Noten- und auch eine CD mit der Musik<em>. Ein Beispiel, was geschehen kann, wenn jemand sich begeistern l\u00e4sst und andere damit ansteckt.<\/em><\/p>\n<p>Was also kann geschehen, um das Feuer zu entfachen? Lassen Sie mich f\u00fcnf Gedanken am Schluss zusammenfassen:<\/p>\n<ul>\n<li>Gemeinschaften leben von der Erfahrung der Zusammenarbeit, der Zusammengeh\u00f6rigkeit. Diakonische Projekte, gemeinsames Lernen, Kochen und Essen, Musikmachen, Bibelteilen und Rituale- all das kann die Gemeinschaft st\u00e4rken. Dabei geht es immer mehr darum, dass jeder und jede sich einbringen kann- dass Verschiedenheit nicht nur respektiert, sondern entfaltet wird.<\/li>\n<li>Deshalb ist es bereichernd, wenn wir die Vielfalt der Gemeinschaftstraditionen neu auf den Pr\u00fcfstand zu stellen, die Zusammenarbeit zu st\u00e4rken und neue, gemeinsame Formen und Angebote entwickeln. Wenn Gemeinschaften Unternehmen und Mitarbeiterschaft in ihrem diakonischen Kern st\u00e4rken wollen, m\u00fcssen sie gemeinsam ihre St\u00e4rken herausarbeiten und ihre Angebote entwickeln.<\/li>\n<li>Gemeinschaften halten die Berufung ihrer Mitglieder wach. Dazu sollten sie Angebote machen, die ihrer Tradition entsprechen: Bildung, Ethik, Spiritualit\u00e4tserfahrungen, Musik. Als intermedi\u00e4re Organisationen sollten sie dabei mit den Unternehmen, aber auch mit anderen Partnern zusammenarbeiten- mit Kirchengemeinden, Netzwerken, Selbsthilfegruppen, Initiativen, Studios und Sportverb\u00e4nden, Musikgruppen.<\/li>\n<li>Gemeinschaften liegen im Trend breiter B\u00fcrgerbewegungen, die auf Engagement und Netzwerke setzen. Sie sollten sich deshalb mit anderen verkn\u00fcpfen- und damit Sorgenetzwerke und Sorgestrukturen st\u00e4rken.<\/li>\n<li>Auch Communities im Netz sind heute Gemeinschaften \u2013 umgekehrt sollten die traditionellen Gemeinschaften sollten die neuen Medien und sozialen Netzwerke nutzen, um sich virtuell zu verkn\u00fcpfen und neue Mitglieder zu erreichen. Zugleich aber bieten sie die kostbare Chance, in Ritualen und an Schwellen immer neu unmittelbare Erfahrungen zu teilen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Cornelia Coenen-Marx, Hannover, 19.5.16<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Prof. Dr. Tim Hage nah, Lehrstuhl f\u00fcr Arbeits-, Organisations- und Gesundheitspsychologie an der Fachhochschule der Diakonie<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.droemer-knaur.de\/autoren\/7780836\/andreas-heller\">Andreas Heller<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.droemer-knaur.de\/autoren\/7758620\/reimer-gronemeyer\">Reimer Gronemeyer<\/a>, In Ruhe sterben \u2013 Was wir uns w\u00fcnschen und was die moderne Medizin nicht leisten kann, M\u00fcnchen 2014.<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie diakonische Gemeinschaft w\u00e4rmt und tr\u00e4gt. 1. Noch Glut unter der Asche? \u201eUnter der Asche ein heimliches Feuer\u201c hei\u00dft ein&#8230; <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=2094\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":567,"menu_order":97,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2094","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2094"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2094"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2094\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2095,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2094\/revisions\/2095"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/567"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2094"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}