{"id":1443,"date":"2016-03-07T12:34:00","date_gmt":"2016-03-07T12:34:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=1443"},"modified":"2017-07-12T21:12:04","modified_gmt":"2017-07-12T21:12:04","slug":"spiritualitaet-des-aelterwerdens-persoenliche-wege-und-theologische-entwicklungen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=1443","title":{"rendered":"Spiritualit\u00e4t des \u00c4lterwerdens \u2013 Pers\u00f6nliche Wege und Theologische Entwicklungen:"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>1. Ziele<\/strong><\/p>\n<p>Wenn Sie einmal am Ende Ihres Lebens stehen &#8211; Was m\u00f6chten Sie dann erreicht haben? Das war die letzte Frage in einem Interview letzte Woche. Welche Tr\u00e4ume habe ich noch, welche W\u00fcnsche will ich mir erf\u00fcllen? Zwei B\u00fccher sind in Arbeit, die Idee eines Pflegezirkels, aber vieles von dem, was mir noch am Herzen liegt, entspricht einfach dem Weg, den ich seit langem beschreite. \u201eHaben Sie einen Wunsch, den Sie sich noch erf\u00fcllen m\u00fcssen?\u201c, hat auch Iris Radisch den Schriftsteller Andrej Bitow gefragt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> \u201eIch m\u00f6chte immer nur das n\u00e4chste tun, das n\u00e4chste von allem, was ich noch nicht getan habe. Ich m\u00f6chte, dass es eine Fortsetzung gibt\u201c, antwortet er. Aber im Grunde denke ich, dem Wesentlichen kann man nichts hinzuf\u00fcgen. Das Wesentliche kann man nicht erreichen. Man kann darum herum schreiben, sch\u00f6ne Verse machen, guten Wein trinken, einen guten Stuhl bauen. Mehr schafft man nicht\u201c, so Bitow.<\/p>\n<p>Wenn der Zeithorizont sich im Altern verschiebt, wird die Frage dr\u00e4ngender, wie wir die Lebensphase nutzen, die noch vor uns liegt. Noch einmal aufbrechen und Neues wagen \u2013 die gewohnten Rollen verlassen. Einen ungelebten Traum endlich in die Wirklichkeit umsetzen. Oder einfach weglassen, was lediglich den Erwartungen anderer entspricht oder was sich so an Gewohnheiten angesammelt hat: Wesentlich werden, nennt eine Freundin das. Wissen, was wirklich z\u00e4hlt &#8211; und es ohne Druck genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Wer sich auf dem Zeitschriftenmarkt umschaut, findet in letzter Zeit immer mehr Magazine, die Lust auf die so genannte dritte Lebensh\u00e4lfte machen &#8211; diese geschenkte Zeit, in der wir uns gesund genug f\u00fchlen, um noch einmal aufzubrechen, w\u00e4hrend Alter und Gebrechlichkeit noch weit entfernt scheinen. Die \u201ePower Ager\u201c sind interessant geworden &#8211; nicht nur f\u00fcr Reiseunternehmen, Schiffbauer, Architekten und Stadtplaner oder f\u00fcr die Mode- und Kosmetikindustrie. Sie bereichern auch die Zivilgesellschaft, tragen soziale Initiativen und Start ups. Auch auf der Website <a href=\"http:\/\/www.poweraging.de\">www.poweraging.de<\/a> gibt es Tipps zur Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung und die Gestaltung eines aktiven Lebens, kurz, es geht darum, ein passives Verst\u00e4ndnis des Alterns zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngste EKD-Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung zeigt: 75 Prozent der 60- 69 \u2013j\u00e4hrigen blicken zuversichtlich auf ihr weiteres Leben; und \u00fcber ein Drittel geht davon aus, dass noch ein Neuanfang stattfinden kann. Viele machen sich noch einmal auf den Weg und helfen international als Au-pair, im Senior Expert Service oder \u00fcbernehmen einen freiwilligen Einsatz in Krisengebieten. Andere engagieren sich jetzt in der Fl\u00fcchtlingsarbeit, lernen Menschen aus anderen sozialen und kulturellen Kontexten kennen oder arbeiten mit am Entstehen neuer Netzwerke \u2013 als \u201eLeih-Omas\u201c, Stadtteilm\u00fctter, Senior-Mentoren f\u00fcr Sch\u00fcler und Azubis, in Familienzentren und Generationenh\u00e4usern. Dabei geht es oft um das Elementare \u2013 um Kinderbetreuung und Eink\u00e4ufe, um Hausaufgaben und Mittagstische. Landl\u00e4ufig Aufgaben, die in Familien und Nachbarschaften wahrgenommen wurden, heute aber reichen die Beziehungsnetze weit dar\u00fcber hinaus. Und oft entstehen dabei tragf\u00e4hige neue Freundschaften und Liebesbeziehungen.<\/p>\n<p>\u201eIm Alter neu werden k\u00f6nnen\u201c, hie\u00df auch die Denkschrift zum Altern, die die EKD 2010 heraus gegeben hat. Gerade diejenigen, die der Kirche nahe stehen, blicken, wie Untersuchungen zeigen,<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a> durchaus mit Zuversicht auf ihr weiteres Leben und k\u00f6nnen sich vorstellen, noch etwas Neues zu beginnen. Sie wehren sich zu Recht, wenn sie das Gef\u00fchl bekommen, von der Kirche vor allem als Hilfebed\u00fcrftige und potenzielle Pflegebed\u00fcrftige wahrgenommen zu werden. Gelingendes Altern hei\u00dft heute aktives Gestalten und entsprechend bedeutet Spiritualit\u00e4t im Alter eben durchaus nicht nur, sich auf das Ende vorzubereiten, sondern Energie zu sch\u00f6pfen f\u00fcr eine neue, spannende und herausfordernde Lebensphase. Geb\u00fcrtlichkeit statt Sterblichkeit hei\u00dft mit Hannah Ahrendt das Stichwort f\u00fcr die Suche nach einer neuen Religiosit\u00e4t des \u00c4lterwerdens. \u201eKann man denn im Alter noch einmal neu geboren werden?\u201c, fragt Nikodemus Jesus, als er heimlich bei Nacht zu ihm kommt, auf der Suche nach dem Sinn seines Lebens.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Ja, sagt Jesus, und erz\u00e4hlt von dem Neuanfang aus dem Geist Gottes. Oder denken Sie an Abraham und Sara, die in ihrem Alter aufbrechen in das Gelobte Land und sp\u00e4t noch den ersehnten Sohn zur Welt bringen \u2013 so sp\u00e4t, dass Sara selbst diese sp\u00e4te Schwangerschaft l\u00e4cherlich findet.<\/p>\n<p>Nach seinem Schlaganfall hat der BAP-S\u00e4nger Wolfgang Niedecken eine seiner sch\u00f6nsten CDs herausgebracht: \u201eZusamme Alt\u201c, eine Sammlung von Liebesliedern voller Sentimentalit\u00e4t und Aufbruchslust. \u201eWeck mich aus dem Albtraum, saach mir, wo ich ben. In all de Labyritnhe blieht mir nur ding Stemm\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>2. Neustart<\/strong><\/h3>\n<p>Vorstellungsrunde w\u00e4hrend einer Coaching-Fortbildung. Vor uns liegen Lebenslandschaften mit Sonnengipfeln, Liegewiesen, schmalen Graten und Jammert\u00e4lern. Die Teilnehmenden sollen sich mit ihren Erfolgen und ihrem Scheitern und mir ihren Zielen f\u00fcr die n\u00e4chste Zeit vorstellen. Das verlangt, dass alle die konventionellen Selbstbeschreibungen mit Rollen, Funktionen und Erfolgsbilanzen \u00fcberwinden und sich auch zu ihren Verletzungen und Grenzen bekennen. Denn auch die Auseinandersetzung mit Verlusten und mit Scheitern macht produktiv. Mir f\u00e4llt auf, wie selbstverst\u00e4ndlich diese Erkenntnis inzwischen ist: niemand muss die eigene Vergangenheit gl\u00e4tten, entscheidend ist, die Zukunft zu gewinnen, die eigenen Energiequellen frei zu legen. Die meisten in der Runde sind zwischen Mitte drei\u00dfig und Mitte vierzig und in besonderer Weise dem Gesetz des Gelingens unterworfen; hier geht es darum, sich selbst zu aktualisieren, das Beste aus den eigenen Gaben zu machen &#8211; und damit zugleich einen Lebensunterhalt zu realisieren, eine Familie zu unterhalten. Kein Wunder, dass einem hier eben auch gescheiterte Lebenstr\u00e4ume und Selbst\u00fcberforderungen begegnen.<\/p>\n<p>Einen Traum realisieren zu k\u00f6nnen, ohne damit den Lebensunterhalt verdienen zu m\u00fcssen. Die eigenen Ziele definieren &#8211; ganz unabh\u00e4ngig von den Zielsetzungen einer Organisation, eines Arbeitgebers. Ein Privileg, ein Traum. Aber genau darin liegen die Chancen des Alterns. In aller Freiheit zu definieren, was ich nicht mehr will, mich unabh\u00e4ngig machen von ungesundem Druck, von Erwartungen, die nicht lebbar sind. Umgekehrt geht es aber auch darum, die neue Freiheit zu nutzen und die Zeit, die mir bleibt, bewusst zu gestalten.<\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische Philosoph Roland Barthes entschied sich, einen Roman zu schreiben, als seine Mutter gestorben war. Ihm war klar: Wenn ich etwas ganz Neues beginne, dann muss ich mein Leben so einrichten, dass ich diesen Traum verwirklichen kann. Dann muss ich ein neues Leben beginnen. Daf\u00fcr gibt es seiner Auffassung nach ein paar grundlegende Voraussetzungen: Es braucht einen bewussten Entschluss. Man muss den Alltagstrott verlassen, die eigenen Routinen \u00fcberpr\u00fcfen. Es geht darum, dem eigenen Leben einen neuen, grundlegenden Inhalt zu geben.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Margarete von Trottas Film \u00fcber Hildegard von Bingen erz\u00e4hlt, dass die bekannte Klostergr\u00fcnderin gegen Ende ihres Lebens eine ungew\u00f6hnliche Entscheidung trifft. Sie verl\u00e4sst das Kloster, in dessen Aufbau sie ihr ganzes Leben investiert hat, verl\u00e4sst den Konvent und ihre Rolle als \u00c4btissin und bricht zu Pferd auf eine Predigt- und Seelsorgereise auf. Allein &#8211; nur von wenigen Freunden begleitet. \u201eWir sind hier, um das, was uns gegeben wurde, vollst\u00e4ndig und freiwillig zur\u00fcck zu geben\u201c, sagt der Franziskanerpater Richard Rohr, der ein Buch \u00fcber die spirituelle Reise der zweiten Lebensh\u00e4lfte geschrieben hat.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> In der ersten Lebensh\u00e4lfte, schreibt er unter Bezug auf Carl Gustav Jung, gehe es darum, ein Heim und eine Familie aufzubauen, ein sicheres Fundament f\u00fcr das Leben. Dann aber sei die Herausforderung, das alles wie Hildegard loszulassen und noch einmal frei zu werden. Wissend frei, weil wir ein neues Gef\u00fchl f\u00fcr Grenzen und Begrenztheit auch unserer Zeit haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>3. Wandlung<\/strong><\/h3>\n<p>Die Bibel zeichnet diese Bewegung in der Geschichte von Jakob nach. Sie erinnern sich an den Zweitgeborenen, der seinem Bruder Esau das Erbe abluchste \u2013 und seinem Vater Isaak den Segen. Ein junger Mann, voller Hunger nach Leben, dem jedes Mittel Recht scheint, um zu bekommen, was das Schicksal ihm verweigert: Land und Herden, die dem Erstgeborenen zustehen, eine gro\u00dfe Familie und viele Nachkommen, eben Erfolg und Segen. Der Schwindel fliegt auf und Jakob flieht durch die W\u00fcste zu seinem Onkel Laban. Er wird sich durchk\u00e4mpfen durch die Widrigkeiten der kommenden Jahre und es wird ihm tats\u00e4chlich gelingen, sich nach und nach den Reichtum aufzubauen, von dem er getr\u00e4umt hatte \u2013 und es scheint tats\u00e4chlich, als sei der Segen mit ihm, den er sich doch eigentlich nur erschlichen hatte. Als st\u00fcnde ihm der Himmel offen. Davon erz\u00e4hlt der Traum von der Himmelsleiter, den er auf der Flucht getr\u00e4umt hatte.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Interessanterweise l\u00e4sst uns die Geschichte diesem Jakob noch einmal begegnen \u2013 in einer anderen Nacht, gegen Ende seines Lebens. Es ist eine Art Gegengeschichte \u2013 denn Jakob ist auf dem Weg zur\u00fcck, um sich mit Esau zu vers\u00f6hnen. All seine Herden, seine Frauen und Kinder hat er am Ufer zur\u00fcck gelassen; er ist allein, als er in der Nacht am Fluss Jabbok mit einer unbekannten Macht ringt<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>. Noch einmal geht es um den Segen &#8211; jetzt aber nicht mehr in diesem \u00e4u\u00dferen Sinne von Erfolg, Land und Besitz, sondern in einem inneren Sinn. Es geht um die eigene Integrit\u00e4t, um das Akzeptiertwerden &#8211; nicht nur von der Familie, sondern letztlich von Gott. Am Ende ist Jakob verletzt \u2013 er hinkt, aber er geht der Sonne entgegen. Und er ist ein anderer geworden oder in einem tieferen Sinne er selbst: von jetzt an tr\u00e4gt er den Namen Israel.<\/p>\n<p>Der Maler Max Beckmann hat die beiden Gottesbegegnungen Jakobs in einem einzigen Holzschnitt dargestellt <a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a>\u2013 er zeigt Gott mit Jakob auf der Leiter. Wie Jakob sich festh\u00e4lt an dieser Gottesgestalt und doch zu fallen droht in die Tiefe und Dunkelheit des Flusses. Von oben aber, von der Spitze der Leiter, strahlt Licht ins Bild &#8211; die aufgehende Sonne. Es ist, als z\u00f6ge sie den Fallenden nach oben. \u201eIch bin in meinem Leben oft gefallen, sei es in Beziehungen oder im Beruf, emotional oder k\u00f6rperlich, doch immer gab es einen Trampolineffekt, der bewirkte, dass ich letztlich nach oben gefallen bin\u201c, schreibt der Franziskanerpater Richard Rohr.<\/p>\n<p>Der Jakobsweg ist \u00e4hnlich wie die \u201eHeldenreise\u201c zur Landkarte eines Coaching-Prozesses geworden, ein Symbol f\u00fcr Wandel und Ver\u00e4nderung. Wir werden herausgerufen aus dem Gewohnten, finden Mentoren, die uns \u00fcber die Schwelle begleiten. Wir m\u00fcssen Pr\u00fcfungen und K\u00e4mpfe bestehen und werden schlie\u00dflich belohnt. Und dann kehren wir mit den neu gewonnenen Sch\u00e4tzen den R\u00fcckweg an und m\u00fcssen noch einmal eine Schwelle \u00fcberschreiten \u2013 dabei wird sp\u00fcrbar: wir sind ein anderer geworden. W\u00e4hrend wir im Au\u00dfen unterwegs waren, sind wir zugleich einen inneren Weg gegangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>4. Selbst\u00fcberschreitung<\/strong><\/p>\n<p>Es ist kein Zufall, dass viele in dieser Phase eine \u00e4u\u00dfere Reise unternehmen oder ein Buch schreiben. Das sind M\u00f6glichkeiten, die innere Bewegung im au\u00dfen sichtbar und greifbar zu machen. Produktiv zu werden jenseits der sonst \u00fcblichen Vorstellungen von Produktivit\u00e4t. Denn leider messen wir unseren \u201eOutput\u201c ansonsten wie man den Output von Maschinen misst \u2013 nach m\u00f6glichst gro\u00dfer Effizienz. Wir wollen funktionieren. Ariadne von Schirach, die mit ihrem Buch \u201eDu sollst nicht funktionieren\u201c zu einer neuen Lebenskunst ermutigen will, schreibt: \u201eWenn der Wert der Natur ihr Ertrag ist und der Wert des Tieres seine Tauglichkeit als Futter, Lastentr\u00e4ger oder Attraktion, dann ist der Wert des Menschen seine Arbeitskraft und seine F\u00e4higkeit, ein gutes Bild abzugeben. Doch die W\u00fcrde des Menschen liegt jenseits solcher Zwecke. Eine Zeit, die den Wert eines Menschen mit seiner Leistungskraft gleichsetzt, ist eine w\u00fcrdelose Zeit. Sie diskriminiert diejenigen, die zur Verwertung entweder noch nicht oder nicht mehr tauglich sind \u2013 und damit irgendwann uns alle. Das Beharren auf die kategoriale Nutzlosigkeit des Menschen, verbunden mit dem Gebot, genau diese zu lieben und zu besch\u00fctzen, ist die Grundlage f\u00fcr alle Beziehungen, die das Reich des Widerw\u00e4rtigen zu verlassen verm\u00f6gen.\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><sup><sup>[9]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>\u201eEs lohnt sich nur der Weg nach innen\u201c, hei\u00dft eines der B\u00fccher von Sam Keen \u00fcber \u201eDas kreative Potenzial der Langeweile\u201c.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Keen legt den Finger in die Wunde einer Zeit, in der immer etwas los sein muss, damit man sich sp\u00fcrt. Nur keinen Stillstand aufkommen lassen, nur nicht zur Ruhe kommen. Dabei ist genau das die Voraussetzung, unsere Erfahrungen zu reflektieren und unsere Gef\u00fchle zu nutzen &#8211; uns zu ver\u00e4ndern. Nichtstun und Tr\u00e4ume haben, anderen mit Empathie begegnen &#8211; f\u00fcr Sam Keen sind das Haltungen auf dem Weg nach \u201eoben\u201c, zu mehr Gesundheit, Lebendigkeit und Engagement.<\/p>\n<p>Darum geht es, wenn die so genannten Power-Ager noch einmal neu starten und f\u00fcr andere, aber auch f\u00fcr sich selbst Verantwortung \u00fcbernehmen &#8211; nun aber in einem Sinne, der sich selbst zugleich realisiert und \u00fcberschreitet, so wie das bei Jakob am Jabbok der Fall ist, der nach Hause kommt, aber nun einen neuen Namen tr\u00e4gt. Lars Tornstam, der Untersuchungen zur Spiritualit\u00e4t \u00e4lterer Menschen in Schweden durchgef\u00fchrt hat, spricht in diesem Zusammenhang von Gero-Transzendenz oder auch von Ego-Transzendenz. <a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>Der ehemalige Chefredakteur der Zeitschrift \u201ePsychologie heute\u201c, Heiko Ernst, spricht von Generativit\u00e4t und sagt, sie sei \u201eunser Zukunftssinn. Wir richten das Denken \u00fcber die eigene Existenz hinaus. Generativit\u00e4t ist die F\u00e4higkeit, von sich selbst abzusehen, f\u00fcr andere da zu sein, Wissen und die eigenen Erfahrungen in die Gesellschaft einzubringen und etwas weiter zu geben\u201c \u2013 und sie h\u00e4ngt nicht davon ab, ob wir eigene Kinder zur Welt bringen. Generativit\u00e4t gibt Antwort auf zwei Fragen: Wie geht es mit mir weiter? Und: wie geht es mit meinem Umfeld weiter?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>5. Generativit\u00e4t<\/strong><\/h3>\n<p>Vor einiger Zeit bin ich im Traum einem \u00e4lteren Ehepaar begegnet, das eine gro\u00dfe Gr\u00fcnlilie in viele kleine Blument\u00f6pfchen umpflanzte. Sie wollten die kleinen Pfl\u00e4nzchen zu ihrem 80. Geburtstag verschenken &#8211; etwas aus ihrem Haus f\u00fcr alle, die ihnen lieb sind. Lebendiges Erbe Gr\u00fcnlilien schlagen Luftwurzeln und lassen sich ganz leicht in neue Erde verpflanzen. F\u00fcr mich war das ein wunderbares Bild f\u00fcr die Aufgabe der dritten Lebensphase.<\/p>\n<p>Anteil zu nehmen am Leben der J\u00fcngeren und etwas weiterzugeben, das ist f\u00fcr die allermeisten alten und auch sehr alten Menschen ein zentraler Lebensinhalt. Die Hochaltrigenstudie der Universit\u00e4t Heidelberg <a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a>liefert Ergebnisse, die nur diejenigen \u00fcberraschen, bei denen die Rede vom demografischen Wandel allein Bilder von Alter als Belastung hat entstehen lassen: 76 Prozent der befragten 80- bis 99-J\u00e4hrigen empfinden Freude und Erf\u00fcllung in emotional tieferen Begegnungen mit anderen Menschen. 61 Prozent im Engagement f\u00fcr andere Menschen. Und 60 Prozent haben das Bed\u00fcrfnis, \u2013 vor allem von den j\u00fcngeren Generationen \u2013 auch weiterhin gebraucht und geachtet zu werden. 85 Prozent besch\u00e4ftigen sich intensiv mit den Lebenswegen der nachfolgenden Generationen in der eigenen Familie.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sind Gro\u00dfeltern eine wichtige St\u00fctze f\u00fcr junge Familien, sie springen mit Geld, aber auch viel mit praktischer Hilfe ein, wenn die Belastungen aus Arbeit und Familie die mittlere Generation an den Rand bringen. Die unmittelbaren Beziehungen zwischen den Generationen sind nach wie vor eine bedeutsame S\u00e4ule zur Sicherung von Lebensrisiken und Lebensqualit\u00e4t. Denn das materielle und das immaterielle Generationenerbe, das \u00c4ltere einzubringen haben, ist erheblich. Das geht weit \u00fcber die eigene Familie hinaus. In Projekten zur Fr\u00fchf\u00f6rderung von Kindern, in ambulanten Hospizdiensten oder an Mittagstischen, wo Einheimische und Migrantinnen Gerichte aus aller Welt kochen und gemeinsam essen, spielen die jungen Alten eine entscheidende Rolle. Was sie einbringen, ist nicht nur praktische Hilfe, sondern auch das kulturelle, geistige und geistliche Erbe, aus dem auch die n\u00e4chsten Generationen noch leben.<\/p>\n<p>Ich denke an Kirchenkuratorinnen und ehrenamtliche Kirchenp\u00e4dagogen, an Menschen, die Friedh\u00f6fe erhalten und Ortsgeschichte schreiben, an ehrenamtliche Pr\u00e4dikantinnen und Pr\u00e4dikanten in schrumpfenden St\u00e4dten und Regionen, Mentorinnen und Mentoren, Stifterinnen und Stifter \u2013 materiell wie immateriell hat die \u00e4ltere Generation ein reiches Erbe weiterzugeben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>6. Gemeinschaft und Engagement <\/strong><\/h3>\n<p>Die christliche Gemeinde hat von Anfang an Erfahrung mit dieser Art Familiaritas, die nicht allein auf echter Verwandtschaft beruht, sondern auf Zusammenhalt und Vertrauen auch \u00fcber Unterschiede hinweg. Der sterbende Jesus verweist seine Mutter und seinen Freund Johannes aneinander: \u201eSiehe, das ist deine Mutter\u201c, \u201eSiehe, das ist dein Sohn\u201c. Pflegekinder und Pflegeeltern, Paten und Klostergemeinschaften waren \u00fcber Jahrhunderte selbstverst\u00e4ndlich. Das alles kehrt heute zur\u00fcck in Lesepatenschaften und mit Leihomas, aber auch in generationen\u00fcbergreifenden Wohnprojekten. Die Mehrgenerationenh\u00e4user und neuen Dorfgemeinschaften zeigen: unsere Gesellschaft ist im Aufbruch in Richtung Wahlfamilien.<\/p>\n<p>Auf Schloss Blumenthal in Bayern haben sich Menschen zusammengetan, um miteinander anders zu leben. Eine bunte Mischung von Individualisten vom Parkettpfleger \u00fcber den Mediziner, von der Hotelkauffrau bis zur Steuerfachangestellten oder zur Yogalehrerin. Ihre Zukunftsvision ist ein Grundeinkommen f\u00fcr jedes Mitglied aus den Gewinnen der Betriebe und eine gemeinsame Altersversorgung. Schloss Blumenthal ist eine GmbH und Co KG mit einer Investitionssumme von 5 Mio. Euro j\u00e4hrlich. Die Basis bildet ein Hotel mit 80 Betten in einem alten Herrenhaus, ein Gasthaus sowie G\u00e4rten und Parks. \u201eWir stehen hier immer vor der Frage, wie sieht unsere Balance zwischen \u00d6konomie und Gemeinschaft aus\u201c, wird der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Martin Horack zitiert, der hier einst mit 8 Familien begann und inzwischen in einem kleinen Dorf lebt &#8211; mit Kindern und \u00c4lteren und Menschen aus allen Berufsgruppen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Menschen, die alleinerziehend mit Kindern leben, die in die dritte Lebensphase eintreten und damit rechnen, mehr Hilfe zu brauchen, f\u00fcr Menschen mit einer Behinderung oder f\u00fcr Singles, die einen Ort der Zugeh\u00f6rigkeit suchen, wird es wichtiger, dar\u00fcber nachzudenken, wo und wie sie leben. Henning Scherf, Malu Dreyer stehen f\u00fcr solche Projekte. Die Idee in diesen Projekten: starke Nachbarschaften, in denen man einander wechselseitig hilft, mit wechselseitigen Dienste und Hilfen f\u00fcreinander einstehen. Hausaufgabenhilfe gegen Einkaufsdienste ganz wie in einer Mehrgenerationenfamilie. Dabei geht es durchaus darum, einander n\u00fctzlich zu werden &#8211; nun aber nicht nur in einem materiellen Sinne.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich daran, wie meine Urgro\u00dftante auf mich aufpasste, wenn meine Eltern abends unterwegs waren. Sie sa\u00df dann mit ihren steifen Beinen &#8211; sie hatte Arthritis &#8211; auf einem kleinen B\u00e4nkchen und las mir vor oder sang mir vor. An einem Abend rutschte sie von diesem B\u00e4nkchen herunter und konnte sich nicht mehr allein aufrichten \u2013 und auch ich war zu klein und zu schwach, ihr zu helfen. So sa\u00df sie den gesamten Abend und sang das Choralbuch von vorn bis hinten durch \u2013 und ich genoss es. Das wichtigste, was sie mir gegeben hat, war vielleicht das Gef\u00fchl, das man auch mit Angewiesenheit gut leben kann. Und dass auch ein solcher Abend seine Sch\u00f6nheit hat. Ihre Lebenserfahrung und Gelassenheit und ihr Gottvertrauen haben mich lange \u00fcber ihren Tod hinaus getragen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist sie ein Beispiel daf\u00fcr, wie Spiritualit\u00e4t \u00fcber die Generationen weitergegeben wird \u2013 zumeist ganz selbstverst\u00e4ndlich, als Lebenserfahrung im Alltag. Viele Menschen suchen Mentoren und Ratgeber, die ihre Erfahrungen einbringen, aber keine eigenen Aktien und Interessen mehr im Spiel haben, die frei von Loyalit\u00e4ts- und Konformit\u00e4tsdruck auf das Ganze sehen k\u00f6nnen, die sich mit den eigenen Fehlern und Umwegen ausges\u00f6hnt haben und deswegen auch andere vorurteilsfrei begleiten k\u00f6nnen. Es ist an der Zeit, diese Rolle der \u00c4lteren bewusst wahrzunehmen und wertzusch\u00e4tzen. Die Kirche kennt ja sogar ein \u00c4ltestenamt, das Amt der Presbyter. Darin steckt die Erinnerung, dass es in der Antike wie auch im Judentum eine gro\u00dfe Ehrerbietung \u00e4lteren Menschen gegen\u00fcber gab, weil sie Weisheit und Einsicht entwickeln konnten.<\/p>\n<p>Solche die eigene Erfahrung transzendierende Einsicht geh\u00f6rt zur Spiritualit\u00e4t des \u00c4lterwerdens, genauso wie der bewusste Umgang mit den eigenen Schw\u00e4chen, mit Unvollkommenheit und Unvers\u00f6hntem, aber auch die bewusste Gestaltung von Gemeinschaft \u00fcber die Generationen hinweg. Dazu geh\u00f6rt, zu akzeptieren, dass wir aufeinander angewiesen sind, und, wenn n\u00f6tig, einander auch um Hilfe zu bitten. \u201eMan muss f\u00fcr seine Seele, sein emotionales Leben Sorge tragen, und das erfordert eine Pflege seiner sozialen Netzwerke, der zwischenmenschlichen Beziehungen, seiner Interessen und Werte. Es gilt deshalb auch, seine geistigen Aktivit\u00e4ten lebendig zu halten, Nachsinnen, Nachdenken, Gespr\u00e4ch und Diskussion zu pflegen &#8211; und es gilt, etwas f\u00fcr die seelische Gesundheit und Lebendigkeit zu tun und in guter emotionaler Bezogenheit zu leben\u201c, schreibt der Psychoanalytiker Hilarion Petzold in einem Buch \u00fcber gelingende Hochaltrigkeit, das er mit heraus gegeben hat.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Er spricht von einem guten zwischenmenschlichen Miteinander, von Konvivialit\u00e4t. Der Begriff liegt ganz nah am Begriff der Konvivenz, mit dem wir in der \u00d6kumene das Miteinander von Menschen unterschiedlicher Religiosit\u00e4t und Spiritualit\u00e4t bezeichnen. Immer geht es darum, die anderen \u2013 Menschen einer anderen Generation, mit anderen Erfahrungen und Perspektiven, anderen Glaubens\u00fcberzeugungen- im Miteinanderleben als Bereicherung zu erfahren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>7. Geschichte und Geschichten<\/strong><\/h3>\n<p>Ganz oben auf einem B\u00fccherregal in meiner Bibliothek liegt eine alte Familienbibel &#8211; eine reich verzierte in einem alten Ledereinband. Das wertvollste an diesem St\u00fcck ist die Familienchronik. Die hat der Bibel einen Ehrenplatz in meinem Regal gesichert, auch wenn es nicht unsere Familienbibel ist, nicht unsere Geschichte. Ich bekam sie als junge Pfarrerin geschenkt. Der alte Mann, der sie mir brachte, war, wie viele Gemeindeglieder, ein Fl\u00fcchtling aus Ostpreu\u00dfen gewesen. Die Bibel hatte er auf dem Treck mitgebracht \u2013 gut eingepackt und sicher verwahrt in seinem Rucksack. Und so brachte er sie mir auch \u2013 in mehrere Lagen Packpapier gewickelt und vielfach verschn\u00fcrt. Er brachte sie zu seiner Pfarrerin, weil er nicht wollte, dass seine S\u00f6hne das Erbst\u00fcck irgendwo auf einem Flohmarkt verkauften. Er hatte das Gef\u00fchl, dass der \u00dcberlieferungsfaden gerissen war. Unsere Geschichte ist voll von solchen abgerissenen F\u00e4den. Die Vertriebenen von damals k\u00f6nnen davon erz\u00e4hlen &#8211; genauso wie die Fl\u00fcchtlinge von heute. Und die Nachkommen der j\u00fcdischen Familien, die einst aus unseren D\u00f6rfern und St\u00e4dten deportiert wurden.<\/p>\n<p>Meine Gro\u00dfmutter Hildegard habe ich nie kennen gelernt. Sie starb am 5. Mai 1945 im Beschuss eines versprengten Tieffliegers. Bis auf ein paar Fotos und eine Brosche gingen alle Erinnerungsst\u00fccke verloren. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen habe ich eine ganz besondere Verbindung zu ihr: ich trage ihren Namen. Und meine Eltern haben so von ihr erz\u00e4hlt, dass sie mir nahe kam \u2013 in Bildern und Geschichten, in den Gesten meiner Tante, dem Haaransatz meiner j\u00fcngsten Schwester. Als die aufwuchs, lebte niemand mehr aus der Gro\u00dfelterngeneration. Und vielleicht waren es diese Ersch\u00fctterungen im Fundament der Familie, die mir als Kind die Familiengeschichten der Bibel so lieb gemacht haben \u2013 von Abraham, Isaak, Jakob und Esau \u2013 und ihren Frauen Sarah, Rebekka, Lea und Rahel. Als Kind hat es mich fasziniert, wie Aufbruch in die Zukunft und Segen von einem zum anderen weiter gegeben wurde. Das Generationenerbe, das war mir fr\u00fch klar, geht weit \u00fcber handgreifliche Erinnerungsst\u00fccke hinaus.<\/p>\n<p>Wir sp\u00fcren das vor allem bei Familienfesten &#8211; bei Taufen, Konfirmationen \u00fcberlegen wir, was wir Kindern und Enkeln, den Nichten und Neffen mitgeben wollen. Was wirklich z\u00e4hlt, was bleibt. Da wird die Uhr verschenkt, die mehr als eine Generation halten soll, den Ring, den die Gro\u00dfmutter trug. Vielleicht auch, wie in meiner Familie \u00fcblich, die sch\u00f6ne Taschenbibel mit Goldschnitt und dem Konfirmationsspruch als Widmung. Und dann beim festlichen Essen werden Geschichten erz\u00e4hlt, Familiengeschichten, die Identit\u00e4t beschreiben und aus denen wir Kraft ziehen. Vor drei Jahren feierte mein Neffe Matthias seine Konfirmation in Manchester. Er w\u00e4chst in einer binationalen Familie auf und hat seitdem in Philadelphia und in M\u00fcnchen und vorher schon in G\u00f6teborg gelebt. Immer neue Schulen mit unterschiedlichen Kulturen und Leistungsanforderungen. Vielleicht deshalb liebt er es, alte Fotoalben anzuschauen und nachzufragen. \u201eMehr als je brauchen wir Rituale und Narrative\u201c, sagt Rowan Williams, der Erzbischof von Canterbury, der in der weltweiten anglikanischen Kirche die Umbr\u00fcche der Globalisierung und die damit verbundenen Konflikte erlebt. Keine Religionsgemeinschaft wei\u00df das besser als das Judentum, das seit der Zerst\u00f6rung des Tempels und der Vertreibung ins Exil seine Feste und Liturgien pflegt. \u201eWenn Dein Kind Dich morgen fragt\u201c, hei\u00dft es in der Liturgie f\u00fcr den Sederabend, dann sollst Du ihm sagen: \u201eWir waren Sklaven des Pharaos in \u00c4gypten\u201c. Wir leben von Ritualen, von Erz\u00e4hlungen und von Narrativen &#8211; nicht nur von denen in unseren Familien, sondern auch von denen unserer Religionsgemeinschaften. Wir sind daf\u00fcr verantwortlich, der n\u00e4chsten Generation Zukunft zu erschlie\u00dfen &#8211; durch einen bewussten Umgang mit unserer Geschichte.<\/p>\n<p>\u201eWenn Menschen meiner Generation mich fragen, was sie denn weiter geben sollen, dann sage ich ihnen dies\u201c, so Johannes Rau: \u201eSagt (Euren Kindern), \u201edass wir auf den Schultern unserer M\u00fctter und V\u00e4ter stehen. Sagt Ihnen, dass ohne Kenntnis unserer Tradition und unserer Geschichte eine menschliche Zukunft nicht gebaut werden kann. Sagt ihnen, dass wir ohne innere Heimat keine Reisen unternehmen k\u00f6nnen. Und sagt ihnen zu guter Letzt, dass die stete Bereitschaft zum Aufbruch die einzige Form ist, die unsere Existenz zischen dem Leben hier und dem Leben dort wirklich ernst nimmt.\u201c<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>8. Rollentranszendenz<\/strong><\/h3>\n<p>Dieser Tage meldete sich ein ehemaliger Kollege mit einer Personenstandsanzeige auf Facebook. Die kleine Clara C. hat aus alle ver\u00e4ndert, hie\u00df es da. Sie hat aus Kindern Eltern gemacht, aus Eltern Gro\u00dfeltern, aus Geschwister Tanten und Onkel. So ist es \u2013 die n\u00e4chste Generation verwandelt die vorige. So wie sich unser Selbstverst\u00e4ndnis \u00e4ndert, wenn die vorige stirbt. \u201eJetzt stehen wir in der ersten Reihe\u201c, sagte meine Mutter, als ihre Elterngeneration gestorben war und ich dachte an eine Sturmschneise im Wald. \u201eDie Einschl\u00e4ge kommen n\u00e4her\u201c sagen andere und geben zu, dass sie so ab Mitte 50 h\u00e4ufiger Todesanzeigen lesen, um zu schauen, ob die eigenen Geburtsjahrg\u00e4nge darunter sind. Altern ist nicht einfach ein k\u00f6rperlicher Vorgang bei einem isolierten Individuum, sagt Michael Gro\u00dfheim, \u201esondern wesentlich eine Verschiebung der eigenen Stellung in der Generationenfolge einer Gesellschaft.\u201c<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/p>\n<p>Wir wandeln uns auch mit den Menschen, die uns am n\u00e4chsten sind. Wenn ein geliebter Mensch stirbt, wenn ein anderer geboren wird oder ein Mensch in unser Leben tritt, den wir lieben lernen. Mit und durch die anderen werden wir selbst ein anderer: bei einem Tod zur Waise, bei einer Geburt zu Mutter oder Vater, so werden wir Br\u00e4utigam oder Witwe, aber auch Freund oder Nachbarin \u2013 was an anderen geschieht, verwandelt auch uns. Denn wir werden am Du zum Ich, wie Emanuel Levinas und Martin Buber deutlich gemacht haben. Wenn unsere Beziehungen sich ver\u00e4ndern, bleiben auch wir nicht, die wir waren.<\/p>\n<p>Die Fotoreporterin Maggie Steber hat ihre Mutter in den letzten Lebensjahren mit der Kamera begleitet.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\"><sup><sup>[16]<\/sup><\/sup><\/a> In einer Altenwohnung in Miami dokumentierte sie deren langsamen Abschied vom eigenen Ich. Madje, die Mutter, war an Demenz erkrankt. Maggie hatte immer ein distanziertes Verh\u00e4ltnis zu ihr gehabt. Aber w\u00e4hrend sie fotografierte, wuchs ein neues Verstehen. Schmerzhafte Erinnerungen fielen weg; Sorgen \u00fcber die Zukunft spielten pl\u00f6tzlich keine Rolle mehr. Gemeinsam erlebten sie das Jetzt, und es wuchs eine N\u00e4he, mit der die Fotografin nie gerechnet h\u00e4tte. Am Ende starb Madje in den Armen ihrer Tochter. Es ist gerade der verk\u00fcrzte Zeithorizont, der die Intensit\u00e4t dieser Begegnung erm\u00f6glicht. Es ist der Verlust der Vergangenheit, das Verschwimmen der festgelegten Rollen, das etwas Neues ins Leben treten l\u00e4sst. Wir ver\u00e4ndern uns mit den Rollen in der Zeit \u2013 aber wir k\u00f6nnen auch diese Rollen im Abschied nehmen und loslassen noch einmal \u00fcberschreiten. In einer Art Beziehungstranszendenz, die in der Rollenumkehr Neues erm\u00f6glicht. Den eigenen Eltern noch einmal neu als erwachsene Menschen begegnen zu k\u00f6nnen, auch in Verletzungen, Hilflosigkeit und Angewiesenheit &#8211; bietet die Chance, selbst endg\u00fcltig erwachsen zu werden.<\/p>\n<p>Was geschieht, wenn wir an einem Sterbebett sitzen, stellt unser Denken \u00fcber Leistung, Produktivit\u00e4t und Lebenssinn sehr grunds\u00e4tzlich in Frage. Denn das Bild vom immer wachen, gesunden und leistungsstarken Menschen, der nicht auf andere angewiesen ist \u2013 dieses Bild von Freiheit und Autonomie h\u00e4lt im Sterbeprozess nicht stand. Andreas Kruse und Thomas Klie schreiben<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a>: \u201eDie mit einer Gesellschaft des langen Lebens verbundenen Herausforderungen verlangen nach einer Auseinandersetzung mit Fragen des Menschseins, mit dem Verst\u00e4ndnis von W\u00fcrde und mit den Vorstellungen eines guten und sinnerf\u00fcllten Lebens unter Bedingungen der Vulnerabilit\u00e4t. Vorstellungen von Leben und Autonomie, die den Beziehungscharakter menschlichen Lebens und dessen Angewiesenheit auf andere nicht einbezieht, sind unvollst\u00e4ndig\u201c. Zu dieser Angewiesenheit geh\u00f6rt auch das Lernen von denen, die uns voraus gehen. Die uns diese eine Erfahrung voraushaben.<\/p>\n<p>In ihrem Buch \u201eJeder Tag ist kostbar\u201c beschreibt auch Daniela Tausch-Flammer, wie die Begegnung mit dem Sterben ihrer Mutter sie ver\u00e4ndert hat. \u201eIch war vorher jemand, der mit viel Angst im Leben stand. Angst vor der Dunkelheit. Angst, keinen Beruf zu bekommen. Angst keinen Ort zum Leben zu finden. Angst vor Begegnung. &#8230; Durch die Lupe des Todes weitete sich der Angstring, &#8230; hielt mich nicht l\u00e4nger gefangen. Durch das Bewusstwerden der Endlichkeit \u00f6ffnete sich eine T\u00fcr zur Spiritualit\u00e4t. In mir wuchs das Vertrauen: Das, was dir passiert, wird stimmen. Ich begann zu vertrauen, dass ich in meinem Leben gef\u00fchrt werde, von Gott begleitet bin. &#8230; Dass angesichts des Todes vor allem die Momente z\u00e4hlen, in denen ich gewagt habe, mich offen zu zeigen.\u201c<\/p>\n<p>Der Philosoph Thomas Rentsch spricht vom Altern als einem \u201eWerden zu sich selbst\u201c. Es geht darum, bewusst zu begreifen, dass die K\u00fcrze des Lebens und seine \u00dcberschaubarkeit sichtbar, erfahrbar und einsichtig werden, dass sie nicht schrecken m\u00fcssen und dass nun die Chance besteht, das menschlich Wichtige vom vielen Unwichtigen dauerhaft zu unterscheiden. \u201eIch kann als Philosoph nicht unmittelbar an positive theologische Redeweisen ankn\u00fcpfen\u201c, schreibt er, \u201eich sage jedoch: Viel w\u00e4re vom Sinn dieser Reden schon bewahrt, wenn wir das Alter als eine Lebenszeit verstehen, in der die innige Verschr\u00e4nktheit von Endlichkeit und Sinn, Begrenztheit und Erf\u00fcllung erkennbar und einsichtig werden kann. <a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>9. Herzensgebet und Achtsamkeit<\/strong><\/h3>\n<p>Ist es nun also doch die bewusste Auseinandersetzung mit der Endlichkeit, die dem Altern Tiefe gibt? Normalerweise schieben wir dieses Thema ja doch eher in die so genannte vierte Lebensphase, die Hochaltrigkeit. Oder k\u00f6nnte die verdichtete Zeit geradezu ein Energieschub sein, die Neuanf\u00e4nge in der dritten Phase ganz bewusst wahrzunehmen und zu gestalten? Und lernen wir m\u00f6glicherweise ganz nebenbei, mit unserer Sterblichkeit umzugehen, wenn unser Alltag neue Tiefe gewinnt?<\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit einer Erkrankung im vorletzten Jahr habe ich mich mit dem Konzept des mystischen Coachings besch\u00e4ftigt. Die Kieler Praktische Theologin Sabine Bobert will mit ihren \u00dcbungen einladen, sich ganz und offen auf das Leben, auf Gott einzulassen.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> \u201eDie mystische Erfahrung der Unio setzt voraus, dass wir von Barrieregef\u00fchlen frei geworden sind\u201c, schreibt sie \u2013 von Gef\u00fchlen wie Hass, Angst, Wut, Neid, L\u00e4hmung und Zweifel. Solche Gef\u00fchle entfremden uns voneinander und von uns selbst; sie schneiden uns von unserer Wesensmitte und von Gott ab. Wir merken das, wenn unser Alltag sich leblos anf\u00fchlt und Gott unendlich fern erscheint. \u00d6ffnende Gef\u00fchle dagegen f\u00fchren uns in Lernprozesse und lassen uns letztlich Gottes Gegenwart in allen Dingen sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Sabine Bobert sieht das orthodoxe Herzensgebet als eine M\u00f6glichkeit, uns auf das Wesentliche zu zentrieren und Ruhe, Gelassenheit und Frieden zu finden. Es geht dabei nicht um viele Worte, sondern eigentlich nur um eine Gebetsformel wie das 1500 Jahre alte \u201eJesus Christus, erbarme dich meiner\u201c oder das \u201eLiebe umgibt mich\u201c aus der Wolke des Nichtwissens. Diese Formen des Gebets und der Meditation haben viel gemeinsam mit der mystischen Versenkung und den Mantren im Buddhismus, der ja nicht zuletzt die Generation der Power Ager mit gepr\u00e4gt hat. Auch hier geht es um die Konzentration auf den Atemrhythmus, um heilende Inhalte. Sabine Bobert macht Mut, diese Formen der Mystik im Alltag einzu\u00fcben \u2013 beim Aufwachen und Einschlafen wie auch in Pausenzeiten am Bus oder auf dem Fahrrad.<\/p>\n<p>Dabei geht es um eine Erfahrung von F\u00fchrung aus der Mitte, die gerade im \u00dcbergang in einen neuen Lebensabschnitt sehr wichtig ist. Der Weg steht noch nicht fest, er bildet sich im Gehen. Das entspricht unserer heutigen Alternserfahrung, die ja gerade nicht so selbstverst\u00e4ndlich auf gepr\u00e4gte Altersbilder zur\u00fcckgreifen kann. Nicht nur Gebete, auch Tageb\u00fccher und Walking, Naturerfahrung k\u00f6nnen zur meditativen Praxis geh\u00f6ren. Es geht darum, im eigenen Hier und Jetzt anzukommen, Ewigkeit in der Gegenwart zu sp\u00fcren und eben damit von Zukunftsangst frei zu werden. Diese Erfahrung, so Bobert, kann sich gerade in kritischen Zeiten, in Krankheit und Krisen, bew\u00e4hren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>10. Kirche als Pilgerschaft<\/strong><\/h3>\n<p>Fast vierzig Prozent der evangelischen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger \u00fcber sechzig nehmen nach eigener Aussage in irgendeiner Weise am Gemeindeleben teil \u2013 damit liegt die Kirche weit vor anderen Organisationen. Viele der Angebote drehen sich allerdings um Gemeinschaftsbildung und Engagement. Ich denke an offene Treffpunkte, Sport- Tanz- und Reiseveranstaltungen, aber auch an das Engagement bei Tafeln, in der Nachbarschaftshilfe oder in Hospizdiensten, an Mentoringprogramme und Leihoma-Dienste. Generationen\u00fcbergreifende Angebote und gemeinwesenorientierte Pattformen gewinnen an Bedeutung und es ist unstrittig, dass die jungen Alten nicht nur das Gemeindeleben, sondern auch die Nachbarschaften entscheidend tragen.<\/p>\n<p>Wie sieht es aber mit spirituellen Angeboten aus? Die \u00fcberkommenen Formen von der Frauengruppe bis zum Altenbesuch haben ihre Attraktion verloren &#8211; auch deshalb, weil sie mit dem Gef\u00fchl von Passivit\u00e4t und Hilfebed\u00fcrftigkeit verbunden sind, von dem ich am Anfang gesprochen habe. Die gepr\u00e4gten Formen, ja selbst die Lieder und Liturgien vermitteln den Eindruck, die letzte Lebensphase mit ihren Gestaltungsaufgaben sei vorgezeichnet &#8211; eine Zumutung und ganz sicher eine Illusion in einer pluralistischen Gesellschaft, in der diese Phase durch vielf\u00e4ltige Neuanf\u00e4nge gekennzeichnet ist, die so noch nicht erprobt wurden. Seelsorgerinnen und Seelsorger und andere Engagierte in der Gemeinde sind dabei Weggef\u00e4hrten &#8211; manchmal vorauslaufend, manchmal selbst lernend. Und das Wesentliche wird sein, offen und fragend miteinander umzugehen und Spiritualit\u00e4t gemeinsam neu zu entdecken und Rollen zu \u00fcberschreiten.<\/p>\n<p>Muss und soll es alternsspezifische Angebote geben? Oder sind es die bestimmten Themen, denen wir im Laufe des Lebens immer neu und immer anders begegnen? Rollenwechsel, Neuanf\u00e4nge, Aufbr\u00fcche und Abschiede besch\u00e4ftigen uns immer wieder und mit immer anderem Fokus und es kann gerade die gemischte Gruppe sein, die uns das bewusst macht. Das gleiche gilt f\u00fcr die Erfahrungen von Trennungen, Einsamkeit und Auss\u00f6hnung. Und letztlich auch f\u00fcr den Umgang mit Endlichkeit und Verletzlichkeit. Die Strategien, mit denen wir diesen Themen im Laufe unseres Lebens begegnen, m\u00f6gen sich nicht grundlegend \u00e4ndern- sie werden aber immer neu auf den Pr\u00fcfstand gestellt. Darin liegt eine Chance, Verzerrungen loszulassen und zu sich selbst zu kommen. Vielleicht ist es aber vor allem der unterschiedliche Zeithorizont, das Lebenstempo, das die Lebensalter unterscheidet. Es ist der Umgang mit Endlichkeit und Ewigkeit, der dann auch dem Umgang mit Tr\u00e4umen und Zielen und letztlich auch unseren Blick auf Gott und die Welt ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Das Leben als Reise, als Pilgerschaft ist f\u00fcr viele heute zu einem spirituellen Bild geworden. Es passt in eine Zeit der Mobilit\u00e4t und Migration und der immer neuen Aufbr\u00fcche &#8211; beruflich wie privat. Fr\u00fchere Generationen haben den Weg weiter gedacht bis hinein in eine Ewigkeit, die wir uns trotz aller Erfahrung nicht vorstellen k\u00f6nnen. \u201eIch preise dich, mein Erretter, dass du mir auf der Erde kein Vaterland und kein Wohnung gegeben hast, so dass ich mit David sage: \u201eIch bin dein Pilgrim und dein B\u00fcrger\u201c, hei\u00dft es bei Johann Amos Comenius. Letztlich, so Comenius, geht es darum, unterscheiden zu lernen, loszulassen und wesentlich zu werden. \u201eDu hast mich vor der Torheit bewahrt, das Zuf\u00e4llige f\u00fcr das Wesentliche, den Weg f\u00fcr das Ziel, das Streben f\u00fcr die Ruhe, die Herberge f\u00fcr die Wohnung, die Wanderschaft f\u00fcr das Vaterland zu halten\u201c. \u201eIm Alter erz\u00e4hlt man sich sein Leben neu\u201c, sagt die Schriftstellerin Ruth Kl\u00fcger im Gespr\u00e4ch mit Iris Radisch: \u201eIch beurteile die Menschen anders, als ich sie vorher beurteilt habe. Das h\u00e4ngt auch damit zusammen, dass ich weicher geworden bin\u201c.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> Diesen neuen Blick auf das Leben sollten wir uns und anderen nicht vorbehalten.<\/p>\n<p>Cornelia Coenen-Marx<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Iris Radisch, Die letzten Dinge, Lebensendgespr\u00e4che, Berlin 2015<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Petra-Angela Ahrens, \u201eUns geht\u2019s gut\u201c Generation 60 plus, Religiosit\u00e4t und kirchliche Bindung, M\u00fcnster 2011.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Joh. 3, 1 \u2013 21<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Roland Barthes, Die Vorbereitung des Romans, Frankfurt am Main 2008<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Richard Rohr, Reifes Leben, 20014<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> 1. Mose 28, 10 \u2013 22<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> 2. Mose 32, 25- 32<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Max Beckmann, Jakob ringt mit dem Engel,<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Ariadne von Schirach, Du sollst nicht funktionieren. F\u00fcr eine neue Lebenskunst, 2014, S. 75.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Sam Keen, Es lohnt sich nur der Weg nach innen, Hamburg 1993<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Zitiert nach Ralph Kunz: Spiritualit\u00e4t und Altersdiskurs, in: Konstrukte gelingenden Alterns, Stuttgart 2012<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Mit der Generali-Stiftung 2014<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Hilarion Petzold, Der Wille f\u00fcr gelingende Hochaltrigkeit, in Hilarion Petzold u.a. : Hochaltrigkeit, Herausforderung f\u00fcr pers\u00f6nliche Lebensf\u00fchrung und biopsychosoziale Arbeit, Wiesbaden 2011<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Bibelarbeit zu 5. Mose 6, 3 ff auf dem 30. DEKT in Hannover, 2005<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Michael Gro\u00dfheim, Altern und Zeithorizont, in Martina Kumlehn, Andreas Kubik, Konstrukte gelingenden Alterns, Stuttgart 2012<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Die Reportage findet sich in der Zeitschrift GEO-Wissen, Heft 52, 11\/2013.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> In einer im Internet ver\u00f6ffentlichten Stellungnahme zum assistierten Suizid 2014<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Thomas Rentsch, Altern als Werden zu sich selbst, in : Thomas Rentsch, Morris Vollmann, Gutes Leben im Alter, Stuttgart 2012<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Sabine Bobert, Mystik und Coaching, Viert\u00fcrme 2013<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Iris Radisch, Die letzten Dinge, Lebensendgespr\u00e4che<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a01. 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