{"id":1395,"date":"2016-02-02T14:39:56","date_gmt":"2016-02-02T14:39:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=1395"},"modified":"2017-07-12T20:05:09","modified_gmt":"2017-07-12T20:05:09","slug":"ankommenden-heimat-geben-eingesessene-zum-aufbruch-ermutigen-was-die-kirche-fuer-das-quartier-tun-kann","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=1395","title":{"rendered":"Ankommenden Heimat geben, Eingesessene zum Aufbruch ermutigen: was die Kirche f\u00fcr das Quartier tun kann."},"content":{"rendered":"<h3><strong>1.\u00a0Fremdenzimmer, Kl\u00f6ster und Hospize<\/strong><\/h3>\n<p>CMB \u2013\u00a0Christus mansionem benedicat &#8211; steht jetzt wieder mit Kreide an vielen H\u00e4usern. In den St\u00e4dten ziehen die Sternsinger \u00fcber die Stra\u00dfen, singen ihre Segenslieder und sammeln f\u00fcr Kinder in Not. Und schreiben die neue Jahreszahl \u00fcber die T\u00fcren: CMB 2016. CMB, das gilt auch als Symbol f\u00fcr die drei K\u00f6nige, die Weisen aus dem Morgenland: seit dem Mittelalter sind ihre Namen als Caspar, Melchior und Balthasar \u00fcberliefert. Sie repr\u00e4sentieren die damals bekannten Erdteile Europa, Asien und Afrika. Und noch immer &#8211; politisch ganz unkorrekt &#8211; ist einer der drei oft schwarz geschminkt. In diesen Tagen, in denen Caspar, Melchior und Balthasar aus der ganzen Welt zu uns kommen und Segen bringen, ist es noch nicht zu sp\u00e4t, auch Ihnen, Ihren H\u00e4usern und Ihrer Stadt ein gesegnetes 2016 zu w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>\u201eFriede den Kommenden, Freude den Bleibenden, Segen den Scheidenden\u201c. Wer in meinem Elternhaus durch die Eingangst\u00fcr kam, der fand in der Diele den alten Haussegen in Holz gebrannt. Seit ich lesen konnte, fasste die kleine Holztafel f\u00fcr mich in Worte, was ich erlebte. Das Pfarrhaus meiner Kindheit war ein Gemeinwesen in Bewegung. Die Pfarrfamilie, Vikar, Diakonisse und Erzieherinnen, ein altes K\u00fcsterehepaar \u2013 und immer wieder G\u00e4ste, f\u00fcr kurze oder l\u00e4ngere Zeit. G\u00e4ste aus dem Ausland, Pflegekinder, Menschen in psychischer Not lebten eine Weile mit uns. Daf\u00fcr gab es zwei kleine Einliegerwohnungen und ein gro\u00dfes Fremdenzimmer. Das hie\u00df in meiner Kindheit noch so, bevor man dann von G\u00e4stezimmern sprach. Ich kann mich kaum erinnern, dass nicht Menschen mit ganz anderen Lebensgeschichten an unserem Mittagstisch sa\u00dfen. Friede den Kommenden, Freude den Bleibenden. Friede, Freude, Eierkuchen war das nicht, eher schon: Frieden und Segen trotz mancher Reibungen und Konflikte. Manche unserer G\u00e4ste habe ich nie mehr wieder gesehen, andere geh\u00f6rten sp\u00e4ter zu unserem Freundeskreis \u2013 sie blieben Teil der erweiterten Familie, als meine Eltern schon nicht mehr lebten. R\u00fcckblickend bin ich froh, dass der enge Kreis der Familie sich selten schloss.<\/p>\n<p>Gelebte Gastfreundschaft geh\u00f6rt zum Markenkern der Kirche. In den Anf\u00e4ngen der neuzeitlichen Diakonie verstanden sich auch Krankenh\u00e4user und Herbergen f\u00fcr Obdachlose als \u201eHospize\u201c, als Orte der Gastfreundschaft, wo Menschen auf ihrem Lebensweg Station machen und auftanken konnten. Friedrich von Bodelschwingh hat es auf den Punkt gebracht: \u201eDas ist aller Gastfreundschaft tiefster Sinn, dass wir einander Heimat geben auf dem Weg nach dem ewigen Zuhause.\u201c<\/p>\n<p>Kl\u00f6ster waren Orte der Immunit\u00e4t, wo nicht nur Kranke, sondern auch Verfolgte sicher sein konnten, wie wir es in den letzten Jahrzehnten im Kirchenasyl wieder entdeckt haben. Dahinter steht die \u00dcberzeugung, dass wer an meine T\u00fcr klopft, in einem tieferen Sinne Bruder oder Schwester ist. Nicht nur das Objekt meiner Hilfe, auch nicht nur mein Kunde, &#8211; obwohl auch Kl\u00f6ster in ihrer Zeit Beherbergungsbetriebe waren &#8211; sondern ein Mensch mit einer Geschichte, der ein offenes Ohr und einen Ort zum Mitleben braucht &#8211; vielleicht aber auch nur einen Teller Suppe und ein Nachtlager, bis er mit neuer Kraft weiter ziehen kann. In den letzten Jahren habe ich manchmal bef\u00fcrchtet, diese Haltung k\u00f6nnte verloren gehen unter Zeitknappheit und \u00f6konomischem Druck, unter der Abgrenzung von Einrichtungen, Abteilungen und Budgets, der Professionalisierung der Diakonie und der Privatisierung der Kirche. Unsere Pfarrwohnungen sind kleiner und enger geworden. Obdachlose und Pflegekinder werden dort weiter verwiesen an die entsprechenden diakonischen Fachstellen. Unsere Krankenh\u00e4user trennen genau zwischen DRGs und Hilfemodulen auf der einen und Hotelkosten auf der anderen Seite. Aber immer gab es Einzelne und Gruppen &#8211; oft genug Ehrenamtliche &#8211; die uns den Wert der Gastfreundschaft nachdr\u00fccklich in Erinnerung riefen. Cecily Saunders und die Hospizbewegung machten deutlich, dass es nicht gen\u00fcgt, Sterbende so lange wie m\u00f6glich zu therapieren und medizinisch zu versorgen, sondern dass es im Sterben auch um Begleitung, um Dasein, um wache Aufmerksamkeit geht. Streetworker traten daf\u00fcr ein, dass auch diejenigen, die keine eigene Wohnung haben, einen Ort brauchen, an dem sie ihre W\u00e4sche waschen, ihre Kontakte pflegen, einen gedeckten Tisch finden und vor allem einfach als Menschen unterwegs wahrgenommen werden &#8211; wie jeder von uns, wenn wir eine Autobahnrastst\u00e4tte aufsuchen.<\/p>\n<p>Und jetzt stehen Ehrenamtliche entlang der Balkanroute, geben Lebensmittel, Schuhe und warme Kleidung aus und organisieren Laptop-Stationen f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge. Und auch hier bei uns r\u00fccken ganz normale Familien zusammen und geben Fl\u00fcchtlingen ein Quartier auf Zeit. \u00c4ltere, die selbst als Kinder Fluchterfahrungen gemacht haben und junge Leute, f\u00fcr die es normal geworden ist, in der Welt unterwegs und auf Tour zu sein. Bei einer Befragung des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD haben k\u00fcrzlich immerhin 10 Prozent gesagt, sie w\u00e4ren dazu bereit. Und auch Kirchengemeinden richten Kleiderkammern und Mittagstische ein, sie nutzen ihre vielf\u00e4ltigen Erfahrungen mit Schulaufgabenhilfen und Tafeln und schauen, wo gemeindeeigene H\u00e4user und Wohnungen nutzbar sind. Vor kurzem wurde die erste Fl\u00fcchtlingskirche ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>In einer Welt, in der das Unterwegssein f\u00fcr viele zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit geworden ist, k\u00f6nnten Kirchengemeinden wie Karawansereien sein, wo Menschen einander begegnen, ihre Geschichten teilen, sich f\u00fcreinander einsetzen und einander auf diese Weise ein St\u00fcck Heimat geben. Gemeinde als Herberge. Der holl\u00e4ndische Theologe Jan Hendriks<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a> hat dieses Modell in den 1980er Jahren entwickelt. Wo diese Art von offener Begegnung stattfinde, w\u00fcrden nicht nur die individuellen Lebensgeschichten, sondern auch die gesellschaftlichen Zerrei\u00dfproben sp\u00fcrbar &#8211; zugleich aber etwas von der N\u00e4he Gottes, Segen eben. Die offenen Stadtkirchen, die Stadtteill\u00e4den und Vesperkirchen, die Diakoniel\u00e4den in den Quartieren wollen genau das sein: Herbergen am Weg. Um dort anzukommen, muss man nicht schon immer am Ort zu Hause sein &#8211; man kann kommen und auch wieder gehen. Heimat und Zugeh\u00f6rigkeit wachsen \u00fcber Begegnungen, Beziehungen und Engagement. \u201eIch bin ja selbst eine Ankommerin\u201c, sagte k\u00fcrzlich eine der Frauen, die eine N\u00e4hwerkstatt im Quartiersladen aufgemacht hatte und nun Fl\u00fcchtlingsfrauen half, sich schnell neu einzurichten. Mit der N\u00e4hmaschine, Stoffen und Designvorschl\u00e4gen, vor allem aber mit Gespr\u00e4chen. Man konnte ihr anh\u00f6ren, wieviel Freude das macht. Ich denke aber auch an Margarete Bellmer, eine Frau aus meinem Dorf, eine Einheimische, die nach ihrer Lebensreise im Alter zur\u00fcckgekommen ist. Als Kind sah sie die Hungerz\u00fcge aus dem KZ durchs Dorf ziehen und was sie sah, blieb ihr Lebensauftrag. Heute engagiert sie sich f\u00fcr die internationalen G\u00e4rten, wie Migranten auf einem eigenen Steifen Land Obst und Gem\u00fcse anbauen. Einmal in der Woche gibt es nun dort ein gemeinsames Essen &#8211; mit Gerichten aus Europa, Nahost und Afrika.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>2. Regeln und Grenzen der Gastfreundschaft<\/strong><\/p>\n<p>Solche Gastfreundschaft ist immer auch ein Abenteuer. Man braucht den Mut, im Eigenen dem Anderen zu begegnen &#8211; dem Bruder eben, der Schwester, Menschen, die ganz andere Erfahrungen gemacht haben, anders denken, sich selbst, die Gesellschaft und auch Gott anders verstehen. Gastfreundschaft ist auch ein Risiko, denn es geht ja darum, den Fremden wie einen Freund aufzunehmen, ihm einen Vertrauensvorschuss entgegen zu bringen: Friede den Kommenden! Diese \u00dcberlegung hat mich dazu gebracht, noch einmal tiefer zu graben und nach den Regeln und Grenzen der Gastfreundschaft in der Antike zu fragen. Denn nat\u00fcrlich ist Gastfreundschaft nicht nur eine christliche Kulturleistung &#8211; sie reicht weit dahinter zur\u00fcck in die Geschichte und weit dar\u00fcber hinaus in andere Religionen. Homers Odyssee erinnert in ihren Erz\u00e4hlungen an die Regeln der Xenia, der Gastfreundschaft bei den alten Griechen \u2013 einem strikten Verhaltenskodex zwischen Gastgeber und Gast, Fremdem, Schutzflehenden. Sie zu verletzten, bedeutete Frevel gegen\u00fcber den G\u00f6ttern. Schlie\u00dflich k\u00f6nnten sich die Fremden ja selbst als verkleidete G\u00f6tter erweisen. Fremde aufzunehmen war deshalb ein Akt der Fr\u00f6mmigkeit. Eine Vorstellung, die auch der Hebr\u00e4erbrief aufnimmt; dort hei\u00dft es: \u201eGastfrei zu sein, vergesst nicht &#8211; haben doch einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt\u201c.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Meine Mutter erinnerte mich gelegentlich an diesen Spruch, wenn es mir schwer fiel, zu teilen &#8211; mein Spielzeug, das Zimmer oder die Zeit der Eltern.<\/p>\n<p>Zur Xenia geh\u00f6rte im alten Griechenland, dass ein guter Gastgeber seinem Gast ein Bad bereitet, er stellt ihm frische Kleider zur Verf\u00fcgung und bereitet ihm ein Mahl, das dem Reichtum seines Hauses angemessen ist. Au\u00dferdem wird von ihm erwartet, dass er dem Fremden die M\u00f6glichkeit gibt, ein Opfer f\u00fcr seine sichere Weiterreise darzubringen. Und schlie\u00dflich endet die Beziehung nicht mit der Abreise: Gast und Gastgeber, ja, sogar ihre Nachkommen, sind einander nun lebenslang in einer Beziehung der Gastfreundschaft verbunden. Sie verpflichten sich, sich gegenseitig so zu behandeln, als seien sie verwandt. Dazu geh\u00f6rte auch, keine der Frauen des Hauses zu verf\u00fchren und sich in Konflikten und K\u00e4mpfen auf die Seite des Gastfreundes zu schlagen. Dass die Emotionen so hochschlagen nach dem, was in K\u00f6ln und in Hamburg geschehen ist, ist deshalb nicht verwunderlich &#8211; das r\u00fchrt an das uralte Tabu der Gastfreundschaft. Kriege wie der trojanische Krieg sind ausgebrochen, weil genau diese Regeln nicht eingehalten wurden.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Insofern geht es dann doch um mehr als eine Willkommenskultur, um mehr als um das Sammeln von Kleidung, Lebensmitteln und Matratzen, auch um mehr als neue Wohnbauprogramme und Integrationsklassen: es geht darum, eine verwandtschaftliche Beziehung zu Menschen zu entwickeln, die uns fremd sind, und sie als \u201eunsere Leute\u201c zu verstehen, als die neuen Deutschen eben. Die Verschiedenheit zu w\u00fcrdigen und uns dabei als gleiche zu entdecken. In diesem Prozess kommen wir nicht umhin, die Grenzen zu erkunden, die mit unseren Werten und unseren Vorstellungen von W\u00fcrde gegeben sind. Vor kurzem habe ich ein Interview mit einem Berliner Studenten geh\u00f6rt, der einen illegalen Fl\u00fcchtling in seiner Wohnung aufgenommen hatte. Er erz\u00e4hlte vom gemeinsamen Leben und Essen, von der Angst vor Abschiebung, die inzwischen beide sp\u00fcrten, aber auch von den Gespr\u00e4chen dar\u00fcber, welche Regeln in den allt\u00e4glichen Lebensgewohnheiten gelten sollten. Gespr\u00e4che wie in jeder Wohngemeinschaft \u2013 bis auf eine Kleinigkeit, die mich besonders ber\u00fchrt hat: der junge Mann erz\u00e4hlte, dass sein Gast \u00f6fter ganz selbstverst\u00e4ndlich seine Schuhe getragen hatte, obwohl er inzwischen gute eigene besa\u00df. Eine Grenz\u00fcberschreitung? Jedenfalls eine Irritation, und damit die Notwendigkeit, zu kl\u00e4ren, wie jeder von beiden Privates und Gemeinsames verstand und kulturelle Unterschiede auszuloten. Nur, wenn uns das gelingt, bannen wir die uralten \u00c4ngste vor sexuellen \u00dcbergriffen von Fremden oder vor dem Eindringen feindlicher politischen Ideologien, die den Stoff f\u00fcr die rechte Agitation liefern. \u201eDer Fremde entsteht, wenn in mir das Bewusstsein meiner Differenz auftaucht\u201c (wenn also das Gef\u00fchl, dass wir eigentlich gleiche sind, irritiert wird), \u201eund er h\u00f6rt auf zu bestehen, wenn wir uns alle als Fremde erkennen\u201c, schreibt die franz\u00f6sische Philosophin und Psychoanalytikerin Julia Kristeva in ihrem Buch \u201eFremde sind wir uns selbst\u201c.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>3. Gottes Hausgenossen<\/strong><\/p>\n<p>Wie lange bleiben die G\u00e4ste? Wie lange bleiben sie die Fremden, selbst dann, wenn wir in besonderer Weise mit ihnen verbunden sind? Die jungen christlichen Gemeinden gingen weit \u00fcber das hinaus, was Gastfreundschaft in der Antike bedeutete: \u201eSo seid Ihr nun nicht mehr G\u00e4ste und Fremde, sondern Mitb\u00fcrger der Heiligen und Gottes Hausgenossen\u201c, hei\u00dft im Epheserbrief.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Mitten im V\u00f6lkergemisch der ausgehenden Antike, finden wir Gemeinden aus den unterschiedlichsten ethnischen Gruppen und \u00f6konomischen Schichten einander auf Augenh\u00f6he begegnen wollten. Als Br\u00fcder und Schwestern um Christi willen. Julia Kristeva macht deutlich, was f\u00fcr eine ungeheure utopische Kraft in dieser Geschichte steckt. Die junge Kirche, schreibt sie \u201eentsteht als eine Gemeinschaft von Fremden (von Au\u00dfenseitern, Frauen, Handelsreisenden, Sklaven), an der Peripherie zun\u00e4chst, dann innerhalb des griechisch-r\u00f6mischen Bollwerks selbst, vereint in einer Lehre, die die politischen und nationalen Strukturen in Frage stellt.\u201c Das l\u00e4sst ahnen, welche Wucht solche Gedanken haben, die nationale Grenzen \u00fcberschreiten &#8211; unser europ\u00e4isches Projekt geh\u00f6rt ja auch dazu! Menschen aus unterschiedlichen V\u00f6lkern und Nationen bilden eine neue Gemeinschaft unter dem Namen und in der Nachfolge des Menschensohns, der Bruder aller geworden ist. \u201eDa ist nicht mehr Grieche, Jude, Beschnittener, Unbeschnittener, Nichtgrieche, Skythe, Knecht, Freier, sondern alle und in allen Christus\u201c, hei\u00dft es im Kolosserbrief.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Dieser christliche Messianismus ist in der hebr\u00e4ischen Bibel zutiefst verankert. Da alle Menschen nach Gottes Bild geschaffen sind, bezieht sich das Gebot der N\u00e4chstenliebe eben nicht nur auf den unmittelbaren N\u00e4chsten der eigenen Familie oder desselben Volkes, sondern auf den anderen Menschen, den Gott liebt \u2013 \u201eDie Fremdlinge sollst Du nicht bedr\u00e4ngen und bedr\u00fccken; denn ihr seid auch Fremdlinge in \u00c4gyptenland gewesen\u201c, hei\u00dft es im Buch Exodus.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Lange vor der griechischen Philosophie und dem durchaus kosmopolitischen Stoizismus bekr\u00e4ftigt der Universalismus der Propheten von Amos bis Jeremia nachdr\u00fccklich die Vorstellung, dass die ganze Menschheit in ihrer wahren W\u00fcrde zu achten ist. Arme, Witwen, Waisen, Knechte und Fremde sollen die gleiche Gerechtigkeit erfahren. \u201cKein Fremder durfte drau\u00dfen zur Nacht bleiben, sondern meine T\u00fcr tat sich dem Wanderer auf\u201c, hei\u00dft es bei Hiob<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a>. Das hebr\u00e4ische Wort f\u00fcr Fremder (guer), das hier verwandt wird, bedeutet w\u00f6rtlich: \u201eDer gekommen ist, (mit Euch) zu leben\u201c. Friede den Kommenden.<\/p>\n<p>Das ist die Wurzel, aus der die Hospize stammen, in denen schon in der fr\u00fchen Kirche Pilger wie Arme und Fremde in gleicher Weise Gastfreundschaft erfahren. Es sei hier aber nicht verschwiegen, dass auch diese gro\u00dfartige Tradition schon bald unter der Angst vor \u00dcberfremdung enger wurde: schon im 4. und 5. Jahrhundert, mit dem Vordringen und der Ansiedlung der germanischen V\u00f6lker im r\u00f6mischen Reich, werden Pilgerp\u00e4sse bzw. Pfarr- und Bischofsbriefe eingef\u00fchrt, die beurkunden, dass der Fremde ein christlicher Bruder ist. Dass der Verantwortungshorizont heute wieder weiter gezogen werden muss, weit \u00fcber einen engen institutionellen Bezug hinaus, das hat unsere Kirche sp\u00e4testens im 3. Reich neu gelernt. So wie Margarete Bellmer, die die Bilder nicht vergisst, die sie als Kind gesehen hat. \u201eUnser Verh\u00e4ltnis zu Gott ist kein religi\u00f6ses zu einem denkbar h\u00f6chsten, m\u00e4chtigsten, besten Wesen \u2013 dies ist keine echte Transzendenz\u201c, schreibt Dietrich Bonhoeffer, sondern unser Verh\u00e4ltnis zu Gott ist ein neues Leben im Dasein f\u00fcr andere, in der Teilnahme am Sein Jesu. Nicht die unendliche, unerreichbaren Aufgaben, sondern der jeweils gegebene erreichbare N\u00e4chste ist der Transzendente.\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>4. N\u00e4chstenliebe kennt keine Grenzen \u2013 ein Blick auf die Stadt<\/strong><\/p>\n<p>Die Kommenden. Die Bleibenden. Die Scheidenden stehen unter dem gleichen Segen. \u201eGehen. Ging. Gegangen\u201c, hei\u00dft das Buch von Jenny Erpenbeck, die schon seit zwei, drei Jahren schreibend beobachtet hat, was unsere Medien heute berichten. Richard, ein frisch emeritierter Arch\u00e4ologieprofessor, entdeckt eher zuf\u00e4llig das \u00dcbergangslager der Fl\u00fcchtlinge am Roten Rathaus und beginnt, sich f\u00fcr diese Menschen und ihre Geschichte zu interessieren. Er geht ihnen nach, interviewt sie \u2013 entdeckt, dass seine Fragen nicht unbedingt passen, lernt tiefer hinter unter die Oberfl\u00e4che zu schauen und macht am Ende die Entdeckung, dass die Begegnungen auch Antwort auf eigene Fragen sind. Das r\u00f6mische Reich steht Richard in seinen nordafrikanischen Erben Augen \u2013 w\u00e4hrend er zugleich eine Antwort auf die Frage findet, was aus dem kulturellen Erbe seiner Familie wird. Er l\u00e4dt einen der Fl\u00fcchtlinge zu Weihnachten ein, zeigt ihm Adventskranz, Tannenbaum und Weihnachtspyramiden, kocht ein festliches Mahl und gibt ihm Klavierunterricht. Nein, es ist nicht alles gut in diesem Buch &#8211; der Erz\u00e4hler wird auch entt\u00e4uscht und bestohlen und verliert sich im politischen Gestr\u00fcpp. Es ist nicht alles gut, aber es ist lebendig und zukunftstr\u00e4chtig.<\/p>\n<p>Richards Blick tut uns gut, denn wir leben tats\u00e4chlich, wie der Soziologe Heinz Bude schreibt, in einer \u201eGesellschaft der Angst<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><sup><sup>[10]<\/sup><\/sup><\/a> &#8211; Angst vor dem Verlust an Wohlstand und Sicherheit. Und es sind nicht nur die Geringverdiener und Abgeh\u00e4ngten, die sich nun in den neuen rechten Bewegungen sammeln, es sind auch Menschen, denen es in den letzten 20, 25 Jahren endlich besser ging und die nun das Gef\u00fchl haben, es ginge nur noch bergab. Bude spricht vom \u201eheimatlosen Antikapitalismus\u201c &#8211; und er sieht dahinter die diffuse Erfahrung, dass Wirtschafts- und Sozialmarkt auseinanderdriften. Von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wird erwartet, dass sie ihre Arbeitskraft mobiler und flexibler auf den Markt bringen, w\u00e4hrend zugleich unterst\u00fctzende Systeme wie Bildung und Gesundheit, Wohnungswirtschaft und Energie, Bahn und Post privatisiert werden. Konkurrenz belebt das Gesch\u00e4ft, hei\u00dft es \u2013 aber sie schw\u00e4cht auch die Solidarit\u00e4t, und es nimmt nicht Wunder, wenn zuletzt auch schutzbed\u00fcrftige Fl\u00fcchtlinge als Konkurrenten um Sozialleistungen wahrgenommen werden. Es k\u00e4me darauf an, zu einer gemeinsamen Deutung der Lage zu kommen, meint Bude \u2013 und gemeinsam dar\u00fcber nachzudenken, wie sich soziale Gerechtigkeit in einer offenen, globalisierten Gesellschaft entwickeln kann \u2013 sozialpolitisch, bildungspolitisch und vor allem kommunalpolitisch.<\/p>\n<p>\u201eIt takes a village\u201c \u2013 das Wort von Hillary Clinton, das urspr\u00fcnglich auf die Kindererziehung zielte, hat uns schon vor 20 Jahren befl\u00fcgelt, als es um die Gr\u00fcndung von Familienzentren und kommunalen Netzwerken f\u00fcr Familien ging. Und das Motto trug auch bei der Ambulantisierung der Hilfe f\u00fcr Menschen mit Behinderung und schlie\u00dflich bei der Quartiersarbeit in der Pflege \u00e4lterer Menschen oder bei der Entwicklung altersgerechter Kommunen. Und es gilt auch jetzt, wenn es um Menschen geht, die neu zu uns kommen. Immer wieder f\u00e4llt unser Blick auf die Stadt &#8211; auf die unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und Milieus, die Angebote und Strukturen, die es gibt &#8211; und schnell wird klar,- wie belastet die meisten Kommunen sind. Und zwar nicht erst mit den Fl\u00fcchtlingen. Die Bertelsmann-Studie zur Situation der Kommunen, die bereits im Fr\u00fchjahr erschien, hat \u00f6ffentlich gemacht, dass Sozialausgaben die Kommunen mit bis zu 58 Prozent des gesamten Haushaltsvolumens belasten. Viele sind kaum noch in der Lage sind, ihre Pflichtaufgaben in ausreichendem Ma\u00dfe zu erf\u00fcllen \u2013 geschweige denn, den wachsenden Erwartungen nachzukommen. G\u00fcnstige Wohnungen werden gebraucht &#8211; nicht nur f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge, sondern eben auch f\u00fcr Familien, die von Armut bedroht sind, oder f\u00fcr Menschen mit Behinderung, die in der Stadt leben wollen. Kitas und Schulen werden gebraucht, die ganzt\u00e4tig eine qualifizierte Betreuung, Erziehung und Bildung leisten und Inklusion erm\u00f6glichen, dazu eine alternsgerechte st\u00e4dtische Infrastruktur, Beratung und Unterst\u00fctzung in Krisen und nicht zuletzt \u00f6ffentliche Orte, an denen sich Menschen frei begegnen k\u00f6nnen und sicher f\u00fchlen. Strukturen eben, mit denen die Schwierigkeiten der Einzelnen abgefangen werden k\u00f6nnen, die aber beitragen zu mehr Gleichheit und Gerechtigkeit und zu einem Miteinander auf Augenh\u00f6he. Unter der Schuldenbremse haben viele l\u00e4ngst die Notbremse ziehen m\u00fcssen: Theater und Schwimmb\u00e4der geschlossen, Verkehrs- und Energiebetriebe und auch den Wohnungsbestand verkauft und damit genau die \u00f6ffentlichen Angebote und R\u00e4ume zur\u00fcck gefahren, die zur Begegnung und Beteiligung aller wichtig sind.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\"><sup><sup>[11]<\/sup><\/sup><\/a> Die St\u00e4dte, in denen Theater und Orchester jetzt Fl\u00fcchtlinge einladen k\u00f6nnen, damit sie unsere Kultur kennen lernen, sind gut dran!<\/p>\n<p>It takes a village! Kommunen und soziale Dienste, die Wohnungswirtschaft, aber auch Verkehrsbetriebe und Einkaufszentren, Handwerkerschaft und Betriebe, Schulen und \u00c4rzte m\u00fcssen sich gerade jetzt auf neue, ungewohnte Kooperationen einlassen. Gott sei Dank gibt es viele gute Erfahrungen, gerade hier in Baden-W\u00fcrttemberg: B\u00fcrgerkommunen, altersgerechte St\u00e4dte, B\u00fcndnisse f\u00fcr Inklusion, F\u00f6rderstrukturen f\u00fcr B\u00fcrgerengagement. Denn solche Netze leben davon, dass es Menschen gibt, die die Bereitschaft, die F\u00e4higkeit und die Zeit mitbringen, sich zu engagieren. Dazu brauchen sie auch professionelle Unterst\u00fctzung \u2013 in Fl\u00fcchtlingsheimen und Schulen wie im Quartiersmanagement und eben auch in der Kirchengemeinde. Gebraucht werden R\u00e4ume, wo alle Beteiligten sich treffen k\u00f6nnen, runde Tische und B\u00fcrgerplattformen, auf denen die Vermittlung organisiert werden kann. Hier haben gerade Kirche und Diakonie viel zu bieten: Gemeinder\u00e4ume, Tageseinrichtungen, Kirchenland, eine hohe Professionalit\u00e4t auch in Bildung und Beratung und eine starke, informelle Lebensraumorientierung.<\/p>\n<p>Viel zu oft scheitern zivilgesellschaftliche Initiativen daran, dass sie von Modellprogrammen und Projektmitteln leben und dass die \u00f6ffentlichen Mittel fehlen, die f\u00fcr eine stabile Strukturf\u00f6rderung sorgen. Ehrenamtliche brennen aus, wenn es keine Angebote zur Koordination, Begleitung und Fortbildung gibt. Es gibt gute Beispiele daf\u00fcr, wie Kirchen an dieser Stelle einspringen k\u00f6nnen, wenn sie ihre Gemeindeh\u00e4user \u00f6ffnen, ihre Stellen umstrukturieren, ihr Land verpachten, gemischte Wohnquartiere organisieren und wirklich Herberge werden. Sie m\u00fcssen dabei nicht immer Gastgeber sein &#8211; sie k\u00f6nnen, um im Bild zu bleiben, ihre H\u00e4user auch vermieten und selbst zu guten Servicekr\u00e4ften werden. Wichtig ist, dass neue Nachbarschaften wachsen und Menschen sich bei uns zu Hause f\u00fchlen k\u00f6nnen \u2013\u00a0oft \u00fcber die Grenzen traditioneller kultureller oder ethnischer Milieus hinweg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>5. Solidarit\u00e4t beginnt mit der Gastfreundschaft \u2013 in der Hoffnung auf Gottes neue Stadt<\/strong><\/p>\n<p>Gut, dass die Kirche noch immer im Dorf steht. In der Fl\u00fcchtlingskrise war die Kirche wieder oft der erste Ansprechpartner, neue Heimat f\u00fcr die, die kommen, Halt und Orientierung f\u00fcr die Engagierten. Ein Anker der Stabilit\u00e4t in unruhigen Zeiten. Mit ihren Tafeln und Hausaufgabenhilfen, mit Kleiderkammern und Kirchenasyl und all ihren Erfahrungen, f\u00fcr andere da zu sein. Die ev. Gemeinde in Babelsberg hat daraus in diesen Tagen ein offenes Gemeindekonzept entwickelt: vom Begegnungscaf\u00e9 \u00fcber Patenschaften bis zur \u00d6ffnung der Gruppenangebote f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge, vom Sprachtraining bis zur Vernetzung im Stadtteil und Fortbildungsangeboten f\u00fcr die eigenen Mitarbeitenden. In diesen Tagen laden die Mitglieder des Initiativkreises mit dem Gemeindekirchenrat zu einem Informationsabend ein \u2013 und mit R\u00fccksendung der Einladung kann man gleich signalisieren, wohin das eigene Engagement geht. Ein offenes Gemeindekonzept \u2013 basierend auf den vielf\u00e4ltigen Erfahrungen der Stadtteilarbeit und zugleich unterwegs mit denen, die jetzt neu hinzukommen.<\/p>\n<p>Gut, dass die Kirche im Dorf geblieben und im Stadtteil vernetzt ist! Da kann leicht in Vergessenheit geraten, dass die Christen lange Zeit selbst Fremde waren. Das galt und gilt f\u00fcr die bedrohten Minderheitsgemeinden im r\u00f6mischen Reich, die ja gerade deshalb auf wechselseitige Gastfreundschaft angewiesen waren, genauso wie f\u00fcr die reformierten Fl\u00fcchtlingsgemeinden des 16. und 17. Jahrhunderts von Emden bis Berlin, die in ihren neuen St\u00e4dten von Anfang an diakonische Aufgaben \u00fcbernahmen. Aber wer selbst einmal Fl\u00fcchtling war, der wei\u00df, was andere brauchen, wenn sie bei uns Heimat suchen. Und wer selbst in Armut oder Krankheit auf Hilfe angewiesen war, der wei\u00df, welche Bedeutung die Diakonie der Kirche hat. \u201eWir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zuk\u00fcnftige suchen wir\u201c, hei\u00dft es im Neuen Testament &#8211; \u00fcbrigens im Hebr\u00e4erbrief, wo auch die Engelsverhei\u00dfung steht. Eine Mahnung, die Geschichte nicht zu vergessen und sich nicht abzuschotten aus Angst um die Sicherheit.<\/p>\n<p>Julia Kristeva, die ich schon einmal zitiert habe, schreibt: Heute \u201eist es das Schicksal eines jeden, derselbe und der andere zu bleiben; ohne seine Herkunftskultur zu vergessen, aber sie relativierend, und zwar so weit, dass er sie nicht nur in die Nachbarschaft der anderen r\u00fcckt, sondern sie auch mit dieser ver\u00e4ndert\u2026 Vielleicht geht es letztlich darum, den Begriff des Fremden um das Recht auf Respekt unserer eigenen Fremdheit zu erweitern\u2026\u201c. \u201cFremd sind wir uns selbst\u201c, hei\u00dft ihr Buch &#8211; und oft genug sehen wir eben in den Fremden doppelt scharf, was wir vielleicht gerade erst bei uns selbst \u00fcberwunden haben. Das grundlegende Problem sei psychologischer, wenn nicht metaphysischer Art, meint Kristeva: es fehle ein gemeinsames Band, eine globalisierte Heilsvorstellung, abgesehen vom Wohlstand, Freiheit und Sicherheit f\u00fcr alle. Einzig die universalen Menschenrechte und der wechselseitige Respekt vor Fremdheit und Schw\u00e4che k\u00f6nne uns in dieser Situation Leitschnur sein.<\/p>\n<p>Als Christen haben wir eine Hoffnung, die dar\u00fcber hinausgeht. Es ist die zuk\u00fcnftige, die neue Stadt Gottes, zu der wir unterwegs sind. Eine Stadt ohne Tempel und Kircht\u00fcrme; in der Mitte steht das Lamm mit seinen Verwundungen und dem Siegeszeichen. Tr\u00e4nen werden abgewischt, Schmerzen gestillt, blutige Kleider ausgewaschen, der Lebensdurst wird gel\u00f6scht, das besch\u00e4digte Leben beginnt neu. Wir sehen die V\u00f6lker von Osten und Westen, von Norden und S\u00fcden zu dieser Stadt pilgern, wir sehen sie durch die Tore gehen \u2013 in dem Licht, das vom Lamm ausstrahlt. Vieles von dem, was wir in der Offenbarung \u00fcber das neue Jerusalem lesen, erinnert an die Bilder dieser Tage. Aber auch wenn es so manchen so scheinen mag: Deutschland ist nicht das neue Jerusalem \u2013 nicht in K\u00f6ln, nicht in Hamburg oder Berlin. Wir sind noch unterwegs, manchmal auch durch Angst und Erschrecken. Und auch unsere M\u00f6glichkeiten haben Grenzen.<\/p>\n<p>\u201eDas neue Jerusalem ist ein Versprechen, eine Herausforderung und eine Einladung, sich jetzt schon einzulassen auf das Leben in der himmlischen Welt, indem wir Barmherzigkeit leben und der Gerechtigkeit zum Durchbruch verhelfen, und damit daf\u00fcr sorgen, dass unsere irdischen St\u00e4dte etwas vom Glanz der himmlischen spiegeln. Auch wenn wir noch auf den neuen Himmel und die neue Erde warten \u2013 lasst uns anfangen, die neue Stadt zu bauen, die Stadt von Frieden und Gerechtigkeit\u201c, sagte Anthony Pilla, der katholische Bischof von Cleveland, 1993 in einer Rede \u00fcber die Kirche in der Stadt.<\/p>\n<p>Mit den Sternsingern, die in diesen Tagen unterwegs sind, w\u00fcnsche ich Ihnen den weiten Blick, der von der Krippe aus auf alle Kontinente schaut und allen Menschen Frieden w\u00fcnscht. Friede den Kommenden, Freude den Bleibenden und Segen den Scheidenden. So segne Gott auch Ihre Stadt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Jan Hendriks, Gemeinde als Herberge, 2001.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hebr. 13, 2<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. Christopher Wild, Royal Re-Entries, zum Auftritt in der griechischen Trag\u00f6die in: \u201eAnnemarie Matzke u.a.; Auftritte, Bielefeld 2015 (Der Trojanische Krieg bricht aus, weil Helena, die Frau des Menelaos, von Paris verf\u00fchrt wird.)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Julia Kristeva, Fremde sind wir uns selbst, Berlin 1992<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Eph. 2, 19<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Kol. 3, 9-11<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Ex. 22,20<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Hiob 31, 13ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Heinz Bude, Gesellschaft der Angst, Hamburg 2014<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung h\u00e4lt fest (ich zitiere): \u201eDie Belastung der Kommunalhaushalte durch Sozialleistungen ist bundesweit unterschiedlich. Am geringsten ist sie in Baden \u2013W\u00fcrttemberg mit durchschnittlich 31 Prozent, am h\u00f6chsten in Nordrhein-Westfalen mit 43 Prozent. Zwischen den einzelnen Kommunen sind die Unterschiede teilweise eklatant: W\u00e4hrend die Stadt Wolfsburg (17 Prozent) und der bayerische Kreis Ha\u00dfberge (18 Prozent) nur einen kleinen Teil ihres Etats f\u00fcr Sozialleistungen aufwenden, machen die Sozialkosten in Duisburg, Wiesbaden, Eisenach und Flensburg mehr als die H\u00e4lfte des st\u00e4dtischen Haushalts aus.\u201c <a href=\"http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/de\/themen\/aktuelle-meldungen\/2015\/juni\/sozialausgaben-belasten-haushalte-der-kommunen-mit-bis-zu-58-prozent\/\">http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/de\/themen\/aktuelle-meldungen\/2015\/juni\/sozialausgaben-belasten-haushalte-der-kommunen-mit-bis-zu-58-prozent\/<\/a> Vom 8. Juni 2015.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.\u00a0Fremdenzimmer, Kl\u00f6ster und Hospize CMB \u2013\u00a0Christus mansionem benedicat &#8211; steht jetzt wieder mit Kreide an vielen H\u00e4usern. 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