{"id":1219,"date":"2015-09-23T19:53:34","date_gmt":"2015-09-23T19:53:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=1219"},"modified":"2016-02-04T19:46:47","modified_gmt":"2016-02-04T19:46:47","slug":"dankbarkeit-als-lebensstil","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=1219","title":{"rendered":"Dankbarkeit als Lebensstil"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDiese Karte ist allen gewidmet, die es verdient haben, besonders bedankt zu werden. Und alle, die ein danke viel zu selten h\u00f6ren, obwohl es sie motivieren w\u00fcrde&#8230; Danke, das k\u00f6nnen alle h\u00f6ren und sehen, ist ein Lebenselixier. Wer danken kann, ist gl\u00fccklich, wissen Wissenschaftler. Und Ehrenamtliche. Und M\u00fctter und V\u00e4ter. Alte und Kranke. B\u00fcrgermeister und Bundeskanzler. Rollstuhlfahrer und Redenschreiber. Leidensgenossen und Liebhaber\u201c, steht auf einer der 365 \u201eWertsch\u00e4tzungskarten\u201c des Diakonieklinikums in Kassel. F\u00fcr jeden Tag eine. F\u00fcr jeden Mitarbeiter, f\u00fcr jede Mitarbeiterin. F\u00fcr Patientinnen und Patienten. Denn danken, das macht der kurze Text deutlich, ist keine Einbahnstra\u00dfe \u2013\u00a0es tut allen gut und alle sind darauf angewiesen. Hier wollten Verantwortliche aus Seelsorge und Klinikleitung eine \u201eKette des Dankens\u201c in Gang setzen, indem sie mit den Wertsch\u00e4tzungskarten ein kleines Dankesch\u00f6n an die Mitarbeitenden weitergeben. \u201eDanke \u2013\u00a0ja, genau Sie \u2013 Sie meine ich!\u201c hei\u00dft es im letzten Satz.<\/p>\n<p>Eine sch\u00f6ne Idee. Denn viel zu oft h\u00f6re oder lese ich etwas anderes: \u201eDas dankt Dir am Ende doch keiner\u201c. Menschen sagen das, die sich lange und oft bis an die Grenze f\u00fcr andere engagiert haben und sich jetzt ausgebrannt f\u00fchlen. Die sich fragen, ob das alles gelohnt hat. Wer das Gef\u00fchl hat, die eigene M\u00fche sei letztlich erfolglos gewesen, r\u00e4t dann oft auch anderen, sich nicht zu sehr zu verausgaben. \u201eDas dankt Dir am Ende doch keiner\u201c. Offen gestanden, habe ich mich bei diesem Satz oft gefragt, worin sich der Dank \u201eam Ende\u201c ausdr\u00fccken soll? Nat\u00fcrlich kenne ich das Gef\u00fchl der Erfolglosigkeit, auch den h\u00f6flichen Dank, der freundlich bleibt, aber nicht zu Herzen geht. Ich wei\u00df, wie es ist, wenn Menschen, f\u00fcr die man sich eingesetzt hat, es \u201eeinem nicht danken\u201c &#8211; aber ich kenne doch auch das andere: die Dankbarkeit, die mich \u00fcberflutet, wenn ich erlebe, dass meine Initiativen \u201eweiter leben\u201c, dass und wie fr\u00fchere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sich entwickeln, wie Konfirmandinnen und Konfirmanden sich nach vielen Jahren wieder melden. Und dabei stelle ich mir das Vierfache Ackerfeld aus dem Gleichnis Jesu vor Augen: Welche Saat aufgeht, welche eingeht, das wissen wir nicht vorher und es liegt nicht nur an uns. \u201eNicht alles steht uns vor Augen, aber manche Fr\u00fcchte d\u00fcrfen wir noch erkennen\u201c, wie es in einer Gottesdienstordnung zum Abschied hei\u00dft. Dankbarkeit entsteht im R\u00fcckblick \u2013 wir erkennen sie als einen Strom des Gedeihens, der durch uns hindurch zu anderen f\u00fchrt &#8211; und von weither zu uns kommt. Kein \u201edo, ut des\u201c, kein Gesch\u00e4ft unter der Melodie \u201eWie Du mir, so ich Dir\u201c. Jedes Schielen auf Erfolg macht deshalb nur unzufrieden und l\u00e4sst uns leer zur\u00fcck.<\/p>\n<p>So betrachtet, f\u00e4ngt Dankbarkeit nicht mit dem an, was ich gebe, sondern mit dem, was ich bekomme. Die offenen H\u00e4nde sind ein Symbol f\u00fcr Dankbarkeit. Dankbarkeitstageb\u00fccher k\u00f6nnen uns darin ein\u00fcben, wertzusch\u00e4tzen, was wir von anderen bekommen haben und auch in Niederlagen und auch in Krisenzeiten auf das zu sehen, was gut war. \u00dcbrigens gibt es auch auf der \u201eWertsch\u00e4tzungskarte\u201c, die ich oben zitiert habe, einen Satz, der dazu ermutigt: \u201eDanken Sie denen, die Sie durch Pr\u00fcfungen schicken, von denen lernen Sie am meisten.\u201c \u201eDankbarkeit verhindert, dass ich alles Gute, das mir widerf\u00e4hrt, als Selbstverst\u00e4ndlichkeit annehme; etwas, auf das ich schlie\u00dflich auch Anspruch habe\u201c, schreibt Sabine Asgodom<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> \u2013 sie sieht in der Dankbarkeit einen der zw\u00f6lf Schl\u00fcssel zur Gelassenheit, der auch helfen kann, den Stress zu stoppen. F\u00fcr sie ist das Symbol f\u00fcr Dankbarkeit \u00fcbrigens ein Schale \u2013 eine Schale, in der wir das Gute einsammeln, das wir unverdient empfangen haben \u2013 gute und schwierige Erfahrungen, Lehrer und gute Begleiter auch in Krisensituationen, Menschen an unserer Seite und vielleicht auch nur die Sonne auf unserer Haut und das Glas Wasser, das unsere Lebensgeister weckt. Wer auch die kleinen Gl\u00fccksmomente den Tag \u00fcber bewusst einsammelt wie die Glasmurmeln, die manche von der linken in die rechte Hosentasche wandern lassen, der wird am Ende des Tages wissen, dass seine Schale gef\u00fcllt ist.<\/p>\n<p>Und er wird allen Grund finden, die eigene Dankbarkeit auch zu zeigen &#8211; weil es Freude macht, etwas von diesem Gl\u00fcck weiter zu geben. In seinem Buch \u201eWo die Seele auftankt\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> schreibt Marco von M\u00fcnchhausen, es belaste einfach, einen vers\u00e4umten Dank mit sich herum zu tragen, und auch Sabine Asgodom sieht den Gewinn der Dankbarkeit darin, dass sie dem Leben Leichtigkeit schenkt. Wir sollten unseren Dank also nicht aufschieben und mit uns herumschleppen, bis er schal wird &#8211; sondern jeden Tag drei Menschen den eigenen Dank zeigen, mit einer Karte, einem Telefonanruf, einem Blumenstrau\u00df oder einer kleinen Geste. Der Nachbarin, dem Friseur, dem alten Lehrer &#8211; Menschen, die uns fr\u00fcher oder heute in irgendeiner Weise unterst\u00fctzen. Und dabei die eigene Familie nicht vergessen. \u201eDanken Sie so viel Sie k\u00f6nnen, aber erwarten Sie m\u00f6glichst keinen Dank von anderen. Wenn Dank eingefordert wird, erzeugt dies bei anderen eher Schuld &#8211; als Dankbarkeitsgef\u00fchle \u2013 und das bekommt der Seele gar nicht.\u201c <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>\u201eMein Lohn ist, dass ich darf\u201c, hei\u00dft es in dem alten Diakonissenspruch von Hermann L\u00f6he \u2013 ich entdeckte ihn neulich in Gallneukirchen wieder, im Fenster der fr\u00fcheren Mutterhauskapelle. \u201eIch diene weder um Lohn noch um Dank, sondern aus Dankbarkeit und Liebe\u201c, hei\u00dft es darin. Engagement aus Dankbarkeit, nicht um des Dankes willen. \u201eUnd wenn ich dabei alt werde? So wird mein Herz gr\u00fcnen wie ein Palmbaum und der Herr wird mich s\u00e4ttigen mit Gnade und Erbarmen. Ich gehe mit Frieden und sorge nichts.\u201c Ein bisschen haben sich die letzten Diakonissengenerationen und auch die Vorsteher und Oberinnen der Mutterh\u00e4user des alten \u201eGr\u00fcndungsspruchs\u201c gesch\u00e4mt; war es nicht ziemlich viel verlangt, so wenig um das eigene Leben zu sorgen, dass man schreiben und meditieren kann: \u201eKomme ich um, so komme ich um?\u201c Ja der Spruch konnte \u2013 einer jungen Schwester t\u00e4glich als Ideal der Selbstlosigkeit vor Augen gestellt \u2013 erdr\u00fcckend schwer werden. Und er stand in Neuendettelsau, in Kaiserswerth und in vielen anderen Mutterh\u00e4usern auf den Nachttischen der Probeschwestern genauso wie in den Schul- und Liederb\u00fcchern. In der so genannten Taschengeld-Diakonie der Diakonissengemeinschaften, in der der ein Tariflohn f\u00fcr Krankenschwestern und Kinderg\u00e4rtnerinnen noch gar nicht zur Debatte stand, konnte dieses \u201eMein Lohn ist, dass ich darf\u201c durchaus hart und zynisch klingen \u2013\u00a0vor allem dann, wenn er einem von anderen vor Augen gestellt wurde.<\/p>\n<p>Und bis heute werden Erzieherinnen und Pflegende in ihren berechtigten K\u00e4mpfen um Wertsch\u00e4tzung und Anerkennung immer wieder von Eltern, Kranken, Arbeitgebern daran erinnert werden, dass sie doch auch mit einem geringen Einkommen zufrieden sein k\u00f6nnen, weil sie einen Beruf haben, der ihrer innersten Motivation entspricht und sie mit anderen Menschen verbindet? Es ist berechtigt, sich f\u00fcr diese Zumutung zu sch\u00e4men. Denn ein \u201eDankesch\u00f6n\u201c kann den gerechten Lohn f\u00fcr gute Arbeit nicht ersetzen \u2013 auch nicht in einem Dienstleistungsberuf. Seit mit der Gr\u00fcndung der freien Schwesternschaften klar wurde, dass auch ein Beruf in der Wohlfahrtspflege eine Profession ist und nicht nur unentgeltliche, barmherzige N\u00e4chstenliebe, wei\u00df das eigentlich jeder. Geld und Liebe d\u00fcrfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Weil das zu oft geschah, ist der alte Spruch nun versch\u00fcttet unter einer Geschichte von Missbrauch und Missverst\u00e4ndnissen. Er ist besch\u00e4digt durch den moralischen Zeigefinger und durch falsche Gesetzlichkeit. Da ist nichts mehr von der Leichtigkeit der Dankbarkeit \u2013 alles scheint schwer, besch\u00e4mend schwer. Als k\u00f6nne man sich Dankbarkeit ernsthaft verdienen.<\/p>\n<p>Man muss also tief graben, um unter der Asche der Tradition das Feuer wieder zu entdecken, das f\u00fcr einige Generationen das eigene Leben erhellt hat \u2013 und das vieler anderer mit. Tats\u00e4chlich liegt n\u00e4mlich eine tiefe Wahrheit in dem alten Spruch: Wer dankbar daf\u00fcr ist, dass andere ihm zur Seite standen, m\u00f6chte etwas davon zur\u00fcckgeben. Wer begriffen hat, was im Leben wirklich tr\u00e4gt, m\u00f6chte das anderen weitergeben. Heute wird das vor allem im zivilgesellschaftlichen Engagement sp\u00fcrbar. Eigene Erfahrungen weiter zu geben, eigene Kompetenzen einzusetzen, geh\u00f6rt zu den wichtigsten Motiven von ehrenamtlich Engagierten. Ich denke an die Kriegskinder und Fl\u00fcchtlingskinder aus Schlesien und Ostpreu\u00dfen, die heute den Fl\u00fcchtlingsfamilien aus Syrien helfen. Oder an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Hospizdienst, die beim Sterben ihrer Angeh\u00f6rigen gesp\u00fcrt haben, wie wichtig eine solche Begleitung ist. Und an die \u00e4lteren Mentorinnen und Mentoren, die selbst beruflich mit allen Wasser gewaschen sind und nun jungen Menschen auf den Weg ins Berufsleben helfen &#8211; sie alle sind einfach gl\u00fccklich und dankbar, andere zu begleiten. \u201eNicht um Lohn oder um Dank, sondern aus Dankbarkeit und Liebe.\u201c Das gen\u00fcgt. Und es macht gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Dankbarkeit ist ein Strom, der durch uns hindurchflie\u00dft wie die Lebenskraft durch einen Baum. \u201eUnd wenn ich dabei alt werde, so wird mein Herz gr\u00fcnen wie ein Palmbaum\u2026\u201c. Der Diakonissenspruch enth\u00e4lt tats\u00e4chlich ein gro\u00dfes Gl\u00fccksversprechen. Nicht, dass uns am Ende irgendjemand etwas dankt, sondern dass wir lebendig bleiben, wenn wir Erfahrungen weiter geben. Dass wir Frieden machen mit dem Leben und schlie\u00dflich gut abschlie\u00dfen k\u00f6nnen. Dankbarkeit ist eben gerade keine Morallektion f\u00fcr junge Schwestern und kein erhobener Zeigefinger von Eltern ihren Kindern gegen\u00fcber \u2013 Dankbarkeit ist die Haltung eines erwachsenen Menschen, der auf ein St\u00fcck Leben zur\u00fcck blicken kann und nun zu sch\u00e4tzen wei\u00df, was ihn hat wachsen lassen, was er ist und sein darf. Der das Leben trotz allem und in allem zu sch\u00e4tzen wei\u00df. Was g\u00e4be es Wichtigeres und Sch\u00f6neres, als das zu leben und anderen weiter zu geben?<\/p>\n<p>Der Heidelberger Katechismus von 1563, der mit seinen 129 Fragen nicht f\u00fcr Kinder, sondern f\u00fcr Erwachsene geschrieben ist, versteht Dankbarkeit als das Kennzeichen eines christlichen Lebensstils. \u201eVon der Dankbarkeit\u201c hei\u00dft der dritte Teil, in dem es darum geht, wie wir trotz mancher Krisen, Entt\u00e4uschungen und Selbstzweifel ein zuversichtliches Leben f\u00fchren k\u00f6nnen. Vielleicht so, wie Hanns Dieter H\u00fcsch es einmal beschrieben hat: \u201eIch bin vergn\u00fcgt, erl\u00f6st, befreit. Gott nahm in seine H\u00e4nde meine Zeit, mein F\u00fchlen, Denken, H\u00f6ren, Sagen, mein Triumphieren und Verzagen, das Elend und die Z\u00e4rtlichkeit.\u201c \u201eVon des Menschen Elend\u201c hei\u00dft \u00fcbrigens der erste Teil dieses reformierten Lehrbuchs und \u201eVon des Menschen Erl\u00f6sung\u201c der zweite. Und was f\u00fcr eine Erl\u00f6sung ist das, wenn wir sp\u00fcren, dass unser Elend von Gottes Z\u00e4rtlichkeit weggeliebt wird; ja, dass Gott mit uns in allem Leid solidarisch ist und Sympathie zu uns hat. In dieser Erfahrung wurzelt die Dankbarkeit, die das eigene Gl\u00fcck nicht selbstverst\u00e4ndlich nimmt und sich deshalb auch in andere einf\u00fchlen, empathisch sein kann. So also, wenn wir Dankbarkeit leben, k\u00f6nnen wir \u201eunseres Glaubens in seinen Fr\u00fcchten gewiss werden\u201c, wie es in der Katechismusantwort zu Frage 86 hei\u00dft. Nicht, dass mir jemand dankt, ist das verhei\u00dfene Gl\u00fcck, sondern dass ich auch in meiner Beziehung zu anderen erleben kann, wie der Glaube tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Wer aus einer Lebenskrise gest\u00e4rkt hervor gegangen ist, der kennt das Gef\u00fchl, das Hanns Dieter H\u00fcsch beschrieben hat \u2013 dieses Gef\u00fchl von tiefer, existenzieller und dabei ganz elementarer Dankbarkeit. Mir ging es so nach einer Krankheit im letzten Jahr: das Gl\u00fcck, gesund zu sein und leben zu d\u00fcrfen, war so stark, dass ich eine ganz neue Freude am scheinbar Selbstverst\u00e4ndlichen sp\u00fcrte. Duschen zu k\u00f6nnen und zu fr\u00fchst\u00fccken, rausgehen, reisen und arbeiten zu k\u00f6nnen \u2013 nichts davon war mehr selbstverst\u00e4ndlich. Gute \u00c4rzte und Pflegende, Kolleginnen und Kollegen, die Vertretungsdienste \u00fcbernahmen, die Familie, die da war \u2013\u00a0sie alle hatten mich sp\u00fcren lassen, dass das Leben tr\u00e4gt. Wer w\u00fcrde nach einer solchen Erfahrung nicht versuchen, alles oder doch viel daf\u00fcr zu tun und manches zu lassen, damit das so bleibt? Auf die eigenen Grenzen achten, den eigenen Lebensstil \u00e4ndern? Und wem passiert es nicht, dass er selbst diese Erfahrung wieder vergisst? Das ist der Grund, warum der Heidelberger Katechismus diesem dritten Teil \u201eVon der Dankbarkeit\u201c auch die 10 Gebote zuordnet. Sie sind ja nichts anderes als Hilfen zu einem bewussten und dankbaren Leben. Beten und das Tun des Gerechten \u2013\u00a0das sind Konsequenzen der Erfahrung, erl\u00f6st zu sein. Nicht umgekehrt also: Niemand erwirbt sich Dankbarkeit, indem er gute Werke tut.<\/p>\n<p>Wo das aber geschieht, da merken wir es selbst oft gar nicht &#8211; und das ist vielleicht gut so, eben weil das Schielen darauf nicht gl\u00fccklich macht. Wohl aber erkennen vielleicht andere erstaunt, wie der Strom flie\u00dft: Mir ging es so, als ich in der Kaiserswerther Diakonie arbeitete. Als wir dort vor 12 Jahren eine Fundraising-Agentur beauftragten, zu analysieren, woher die Kleinspenden kamen \u2013 immer mit der Frage im Hinterkopf, ob man aus Kleinspendern auch Gro\u00dfspendern machen k\u00f6nnte, da stellte sich zu unserer \u00dcberraschung heraus, dass die Karte der Kleinspender mit einer historischen Karte der alten Schwesternstationen in Deutschland \u00fcbereinstimmte. Die vielen kleinen Gaben f\u00fcr die Kaiserswerther Diakonie kamen noch nach Jahrzehnten aus Dankbarkeit f\u00fcr die hingebungsvolle Arbeit der Schwestern. Sie flossen selbst da noch, wo es seit langem keine Schwesternstationen mehr gab. Niemand hatte das geplant &#8211; auch die Schwestern nicht. Aber ihre Arbeit war nicht vergessen. Ihr Engagement war nicht im Nirgendwo verhallt; es hatte Resonanz bis zum heutigen Tag. Allen, die diese Resonanz zu selten sehen und wahrnehmen, allen, die \u00fcber ihrer Arbeit resignieren und das Gef\u00fchl haben, der eigene Einsatz sei umsonst, rate ich vor allem, sich Zeit zu nehmen &#8211; Zeit, die leere Schale immer wieder vor sich hinzustellen, damit sie sich f\u00fcllt. Und allen, die Verantwortung f\u00fcr die soziale Arbeit tragen, in Vorst\u00e4nden, Personalleitungen und Politik, rate ich neben der Sorge um den gerechten Lohn vor allem das eine: Zeit zu geben, damit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur Module bedienen, sondern sich wirklich in andere einf\u00fchlen und solidarisch werden k\u00f6nnen, damit der Strom der Dankbarkeit flie\u00dfen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Sabine Asgodom, 12 Schl\u00fcssel zur Gelassenheit \u2013 So stoppen sie den Stress, M\u00fcnchen, 2. Auflage 2008<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Marco von M\u00fcnchhausen, Wo die Seele auftankt, Frankfurt 2004<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> aaO S. 172<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDiese Karte ist allen gewidmet, die es verdient haben, besonders bedankt zu werden. Und alle, die ein danke viel zu&#8230; <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=1219\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":457,"menu_order":98,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1219","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1219"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1219"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1219\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1406,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1219\/revisions\/1406"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/457"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1219"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}