{"id":1217,"date":"2015-09-23T19:51:15","date_gmt":"2015-09-23T19:51:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=1217"},"modified":"2017-07-12T20:17:58","modified_gmt":"2017-07-12T20:17:58","slug":"damit-deine-seele-lust-hat-darin-zu-wohnen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=1217","title":{"rendered":"\u2026 damit Deine Seele Lust hat, darin zu wohnen"},"content":{"rendered":"<p><strong>1. Leib und Seele zusammenhalten<\/strong><\/p>\n<p>Ein kleines Dorf in Pennsylvania wurde in den 60er Jahren ber\u00fchmt: Roseto. Das Dorf, das von italienischen Auswanderer gegr\u00fcndet wurde, hatte eine besonders niedrige Sterberate bei den unter 65-j\u00e4hrigen &#8211; 30 &#8211; 35 Prozent unter dem Durchschnitt. John Bruhn, Mitglied in einem Forscherteam, berichtete, man habe dort keine Selbstmorde gefunden, keinen Alkoholismus, keine Magengeschw\u00fcre; die meisten Leute seien einfach an Altersschw\u00e4che gestorben. In den n\u00e4chsten Jahren ging man verschiedenen Hypothesen nach: war es ein besonderes Oliven\u00f6l, das so gesund erhielt oder insgesamt eine ges\u00fcndere Kost? Tats\u00e4chlich aber nahmen die Leute dort 41 Prozent Fett zu sich. Lag es an den Genen? Am Trinkwasser, der medizinischen Behandlung in der dortigen Klinik? Keine Hypothese hielt der Forschung stand. Erst in den 70er Jahren kam das Forscherteam zu einem ganz anderen, \u00fcberraschenden Ergebnis. Damals starb in Roseto der erste junge Mann am Herzinfarkt. Da hatte das Dorf seinen urspr\u00fcnglichen Charakter verloren; die jungen Leute zogen zur Arbeit raus, man ging nicht mehr regelm\u00e4\u00dfig zur Kirche oder in den Club, a\u00df abends nicht zusammen auf der Piazza. Im R\u00fcckblick zeigte sich: Genau das war das Geheimnis: Wer in eine solidarische Gemeinschaft eingebunden ist, lebt entspannt und vertrauensvoll. Und Gesundheit hat mindestens drei Dimension: eine k\u00f6rperliche, eine psychische und eine soziale.<\/p>\n<p>\u201eLeib und Seele\u201c hei\u00dft ein Tafelprojekt in Berlin. Da werden, wie in solchen Projekten \u00fcblich, gespendete Lebensmittel gesammelt und an Bed\u00fcrftige verteilt; da wird aber auch &#8211; und das ist wichtiger -, zusammen gekocht und gegessen. Denn Essen und Trinken h\u00e4lt bekanntlich Leib und Seele zusammen. Nicht nur wegen der N\u00e4hrstoffe und der Energiezufuhr, sondern auch wegen des Austauschs mit anderen und der Gemeinschaft, die st\u00e4rkt und tr\u00e4gt. So ist es von Anfang an. Schon wenn Babys gestillt werden, erleben sie die intensivsten Momente der N\u00e4he und Zugeh\u00f6rigkeit. Mutter und Kind stehen im Austausch, sie haben Kontakt &#8211; nicht nur k\u00f6rperlich, sondern auch mit Blicken und Bewegungen. Und der S\u00e4ugling, der vor Hunger schreit, kann nicht unterscheiden, ob die Bauchschmerzen, die ihn plagen, eigentlich Hunger oder Sehnsucht sind. Er sp\u00fcrt nur diese furchtbare, schmerzende Leere.<\/p>\n<p>Marco von M\u00fcnchhausen, der ein Buch mit dem Titel \u201eWo die Seele auftankt\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> geschrieben hat, spricht davon, dass wir auch als Erwachsene solche Momente kennen, in denen wir ein solches inneres Vakuum empfinden, die tiefe Sehnsucht nach Erf\u00fcllung sp\u00fcren. Wir wollen einmal wieder durchatmen. Wir wollen neue Kr\u00e4fte tanken. Endlich zu uns selbst kommen und uns wieder lebendig f\u00fchlen. Vor lauter Investition ins Au\u00dfen, vor lauter Anforderungen in Beruf, Familie, Nachbarschaft haben wir das Gef\u00fchl, uns in den t\u00e4glichen Zerrei\u00dfproben selbst zu verlieren \u2013 unsere innere Mitte zu verlieren. Wir funktionieren, aber wir sp\u00fcren uns nicht mehr \u2013 es sei denn mit Kopf- oder R\u00fcckenschmerzen. Wer kennt sie nicht, diese Momente der Leere, w\u00e4hrend das Hamsterrad sich zugleich immer schneller dreht. Und die Sehnsucht nach Entschleunigung, die damit einhergeht. Was dagegen hilft, hat mit unseren leiblichen und sozialen Rhythmen zu tun: mal wieder spazieren gehen statt Auto fahren, selbst kochen statt bei Mc Donalds vorbei hasten, einen langen Abend zusammen sitzen und kl\u00f6nen. Oder auch nur eine Viertelstunde auf die Matte gehen, im Atmen zur Ruhe kommen, die Mitte st\u00e4rken, die alles tragen muss.<\/p>\n<p>\u201eMan soll dem Leib etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen\u201c, steht an der Wand eines Caf\u00e9s in Erfurt. Darunter: Winston Churchill. Naja \u2013 fast richtig. Denn das Wort ist viel \u00e4lter, es stammt von Theresa von Avila und hei\u00dft w\u00f6rtlich und sehr pers\u00f6nlich und direkt: \u201eTu Deinem Leib Gutes, damit Deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.\u201c Theresa von Avila, eine spanische Mystikerin aus dem 16. Jahrhundert, verstand den Leib als Tempel der Seele. Gebaut aus dem gleichen Stoff wie die Welt, in der wir leben- und zugleich Teil unserer Person. Aus Erde gemacht, erz\u00e4hlt die Bibel \u2013 und lebendig, weil der Atem Gottes auch in uns atmet und durch unserer K\u00f6rper hindurchflie\u00dft. Der mittelalterliche Theologe Thomas von Aquin spricht von der verleiblichten Seele.<\/p>\n<p>Dass wir den K\u00f6rper eben nicht nur als Materie verstehen, sondern als Teil der Person, das zeigt sich sogar an unserem Umgang mit den Toten. Schon lange vor der j\u00fcdisch-christlichen Geschichte begannen die fr\u00fchen Menschen, ihre Familienangeh\u00f6rigen zu beerdigen. Und nat\u00fcrlich sagt es auch etwas \u00fcber das moderne Verst\u00e4ndnis von Leib und Seele aus, wenn wir den toten K\u00f6rper eines Menschen heute tendenziell als verf\u00fcgbares Gut verstehen. Als Bank f\u00fcr Genmaterial, als Lager f\u00fcr Organe. Dass sich bei vielen etwas dagegen str\u00e4ubt, ist in den Debatten um die Organspende deutlich zu sp\u00fcren. Ertr\u00e4glich wird das Ganze nur, wenn wir die Gabe mit der Vorstellung verbinden, anderen Leben zu schenken. Wenn Jesus beim gemeinsamen Sedermahl das Brot bricht, es seinen J\u00fcngern gibt und sagt: \u201eNehmt und esst, mein Leib \u2013\u00a0f\u00fcr Euch gegeben\u201c, dann meint er damit eben nicht nur die materielle Gabe, sondern zugleich einen spirituellen Austausch. In dieser Tischgemeinschaft dr\u00fcckt sich Geistliches ganz leiblich aus \u2013 ein starkes Symbol, das zum Kern unserer Kultur geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Soviel Religion und Theologie gleich am Anfang? Bei einem Wohlf\u00fchltag? Ich m\u00f6chte uns daran erinnern, wie sehr unser Umgang mit dem K\u00f6rper mit unseren Vorstellungen von der Seele zu tun hat \u2013\u00a0und zwar in allen Kulturen und Religionen. Auch der Buddhismus kennt die Idee, dass der K\u00f6rper Tempel der Seele ist und dass in unserem Atem eine andere Energie in ihm lebt. Sie flie\u00dft durch die Meridiane, sie sammelt sich in den Chakren \u2013\u00a0und diese Bewegung der inneren Energien ist mit dem Energiefluss und den Rhythmen der Au\u00dfenwelt durch den Atem verbunden. Wer Tai Chi oder Yoga macht, der kennt diese Gedankenwelt. An unserem Atem sp\u00fcren wir Druck und Enge, im bewussten Atmen l\u00f6sen sich aber auch Verkrampfungen. Der Buddhismus hat die Vorstellung einer inneren, feinstofflichen Physiologie, die mit der \u00e4u\u00dferen eng verbunden ist. Erfahrungen verleiblichen sich \u2013 wir sprechen heute von Embodiment.<\/p>\n<p>Wer im Hospiz oder im Pflegedienst arbeitet, kann inzwischen mitten in Deutschland erleben, wie unterschiedlich die Leib- und Seele-Vorstellungen in den verschiedenen Kulturen sind.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Die verschiedenen Rituale am Lebensende, die Massagen, \u00d6le, D\u00fcfte und Segnungen erz\u00e4hlen davon. Auch der Umgang mit der Zeit f\u00fcr Sterben und Trauern. Dass kranke und sterbende Menschen nicht nur behandelt, sondern gepflegt werden, dass wir gerade auf die letzte Lebenszeit, auf ihre Tiefe, besonders achten, das hat nat\u00fcrlich auch mit der Vorstellung des beseelten Leibes zu tun; wer einen anderen ber\u00fchrt, r\u00fchrt damit an Erfahrungen, die sich tief in den K\u00f6rper eingepr\u00e4gt haben. Und wer die Wunden eines Menschen pflegt, sorgt damit auch f\u00fcr das Heilen der Seele. Der K\u00f6rper antwortet auf Ber\u00fchrung wie auf ein Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>2. Du sollst nicht funktionieren \u2013\u00a0vom Widerstand des K\u00f6rpers<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin mein Leib. Mein Gang, meine Haltung, meine Verletzungen und Schmerzen erz\u00e4hlen von meiner Lebensgeschichte. Wer mit einer Behinderung lebt, wei\u00df, in welchem Ma\u00dfe dieser Leib auch unsere soziale Biographie, die Beziehungen und Berufswege bestimmen kann. Ich kenne aber auch Menschen, die andere ihre Behinderung einfach vergessen lassen. Denn wir k\u00f6nnen uns auch von k\u00f6rperlichen Erfahrungen distanzieren, uns \u00fcber K\u00f6rperbilder hinweg setzen. Ich bin Leib, aber ich habe eben auch einen K\u00f6rper. Ich kann meine k\u00f6rperliche Kraft, meine Energie, meine Geschicklichkeit oder mein Aussehen einsetzen. Ich kann an meinem K\u00f6rper arbeiten, ihn gestalten, mein Spiegelbild ver\u00e4ndern. Jedes Sportstudio zeigt, wie Menschen sich darum bem\u00fchen.<\/p>\n<p>Ariadne von Schirach<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> erz\u00e4hlt in ihrem Buch \u201eDu sollst nicht funktionieren\u201c, wie Menschen ihren K\u00f6rper f\u00fcr den Markt optimieren &#8211; den Bewerbermarkt, den Heiratsmarkt. Von den Hungerm\u00e4dchen erz\u00e4hlt sie, die den Models nacheifern, von Stressk\u00f6rpern und Fitnessleibern und von den Best Agern, die das \u00c4lterwerden wie eine l\u00e4stige Krankheit hinaus z\u00f6gern und verdr\u00e4ngen. Wir kommunizieren \u00fcber unseren K\u00f6rper, wir pr\u00e4sentieren ihn \u2013 da liegt es nahe, ihn wie ein Objekt zu behandeln, ihn stark zu machen und aufzuh\u00fcbschen und unsere Chancen zu verbessern. Wir fliehen vor der Endlichkeit; dabei w\u00e4re es besser, sich den Tod zum Verb\u00fcndeten zu machen, sagt von Schirach. Sich den Leib zum Verb\u00fcndeten zu machen, auch wenn er Macken hat und uns zum Beispiel eine Erk\u00e4ltung pr\u00e4sentiert, wenn wir sie \u00fcberhaupt nicht brauchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Franziskus von Assisi spricht vom Leib als dem Bruder Esel. Damit erinnert er an die alte Geschichte von Bileam<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>, dem Propheten, der mit seinem Esel unterwegs ist. Pl\u00f6tzlich bleibt der Esel stehen. Bileam gibt ihm einen Klaps, er br\u00fcllt den Esel an, schlie\u00dflich pr\u00fcgelt er ihn, aber der Esel steht &#8211; alle Hufe fest am Boden. Denn im Unterschied zu Bileam sieht er den Engel, der ihnen den Weg versperrt. Ein Warnsignal \u2013 die beiden sind auf Abwegen. Bileams Esel ist nicht einfach nur st\u00f6rrisch, er nimmt mehr wahr als der Prophet selbst. So, sagt Franz von Assisi, sei es mit unserem Leib, dem Bruder Esel. Der sei oft kl\u00fcger als unser Kopf mit all seinen Pl\u00e4nen. Er sieht die Grenzen, die Gefahren auf unserem Weg. Und sendet Warnsignale.<\/p>\n<p>Wenn und solange unser K\u00f6rper funktioniert, solange wir uns bei einer sinnvollen Aufgabe selbst vergessen k\u00f6nnen, solange die Energie reicht, um unseren Projekten nachzugehen, denken wir nicht viel dar\u00fcber nach. Der Philosoph Hans Georg Gadamer hat von Gesundheit als dem selbstvergessenen Weggegebensein an das Leben gesprochen. Erst wenn die ersten \u201eWarnsignalen des K\u00f6rpers\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> sich bemerkbar machen, wenn der K\u00f6rper schlapp macht oder wenn wir krank werden, sp\u00fcren wir, dass unser Leib eben mehr ist als ein verf\u00fcgbares Instrument. Pl\u00f6tzlich geht es wieder um uns selbst, um unseren Lebensstil, unsere Motivation und unsere Kraftquellen, um den Sinn unserer Arbeit. Allerdings dauert es meist eine Weile, bis wir begreifen, dass eine Krankheit so etwas ist wie die Kehrseite unseres Alltags. Zuerst mal tun wir so, als sei die Krankheit uns einfach nur zugelaufen wie eine fremde Katze. Wir hoffen, dass sie sich bald verzieht, wie sie gekommen ist. Die Grippe, der wiederkehrende Infekt, die Entz\u00fcndung. Und machen weiter wie gehabt.<\/p>\n<p>\u201eIch f\u00fcrchte, dass Du, eingekeilt in Deine zahlreichen Besch\u00e4ftigungen, keinen Ausweg mehr siehst und deshalb Deine Stirn verh\u00e4rtest; dass Du Dich nach und nach des Gesp\u00fcrs f\u00fcr einen durchaus richtigen und heilsamen Schmerz entledigst. Es ist viel kl\u00fcger, Du entziehst Dich von Zeit zu Zeit Deinen Besch\u00e4ftigungen, als dass sie Dich ziehen und Dich nach und nach an einen Punkt f\u00fchren, an dem du nicht landen willst. Du fragst an welchen Punkt? An den Punkt, wo das Herz anf\u00e4ngt, hart zu werden. Frage nicht weiter, was damit gemeint sei: wenn Du jetzt nicht erschrickst, ist Dein Herz schon so weit\u201c, hei\u00dft es in einem Brief von Bernhard von Clairvaux. Nicht an irgendwen, sondern an einen Papst, Papst Eugen III.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen also nicht erschrecken, wenn es auch uns so geht. Deswegen sind wir ja hier. Um f\u00fcr uns zu sorgen. Auf unser eigenes Leben zu achten. Und das hei\u00dft auch: auf unseren Umgang mit Arbeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>3. Gesundheit und die innere Achse <\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Arbeit ist f\u00fcr viele Menschen der Ort, an dem sie sich selbst verwirklichen m\u00f6chten &#8211; und zugleich der Ort, an dem die Auswirkungen von Beschleunigung, Rationalisierung und Globalisierung gro\u00dfen Druck aus\u00fcben. Die Anpassung an diese Bedingungen fordert Reflexion und Verantwortung. Zum einen m\u00fcssen wir unseren Referenzwert, die Orientierungskoordinaten f\u00fcr unser Leben st\u00e4ndig \u00fcberpr\u00fcfen, zum anderen m\u00fcssen wir Aufmerksamkeit f\u00fcr die Gefahr der Ersch\u00f6pfung entwickeln\u201c, schreiben Unger und Kleinschmidt in ihrem Buch \u201eBevor der Job krank macht\u201c.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><sup><sup>[7]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Ich denke an ein Schaubild, dass Studentinnen der Pflegewissenschaft in einem Ethikseminar entwickelt hatten. Es ging um die Werte der Organisation und die Werte der Personen. Auf dem Plakat sah man oben die Leitung mit ihren Erwartungen an die Mitarbeitenden \u2013 Leistung, Einsatz, Qualit\u00e4tsmanagement, Loyalit\u00e4tserwartungen. Unten die Kunden mit ihren Erwartungen an gute Pflege, Akzeptanz ihrer jeweiligen Biografie und ihrer pers\u00f6nlichen Werte. Und dazwischen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter \u2013 zwischen Kassen und Kunden. Eine meiner Studentinnen hatte das Gef\u00fchl auf der Intensivstation Handlangerin ethischer Entscheidungen zu sein, die sie selbst so gar nicht getroffen h\u00e4tte. Eine andere hatte sich komplett ohnm\u00e4chtig gef\u00fchlt, als der zust\u00e4ndige Hausarzt in der ambulanten Pflege den Missbrauch nicht anzeigen wollte, den sie zur Sprache gebracht hatte.<\/p>\n<p>Meine Ruhrgebietsstudentinnen kamen vielfach aus Migrantenfamilien, die meisten waren Musliminnen. Ihre Werte waren ihnen wichtig f\u00fcr die eigene Arbeit \u2013 im Blick auf Altern und Sterben, Religion und Geschlechterrollen. Aber sie hatten bis dahin wenig Gelegenheit gehabt, aus ihrer eigenen Haltung heraus auf ihre Arbeit zu schauen und das auch zu formulieren. Meist gab es schon fertige Leitbilder und Ziele, an die sie sich anpassen sollten. Aber ohne die eigene Person einzubringen, wird man auf Dauer weder pflegen noch erziehen, weder beraten und leiten k\u00f6nnen. Darum ist es so wichtig, sich mit den eigenen Werten auseinander zu setzen, ins Gespr\u00e4ch zu kommen, notfalls sogar einen Konflikt zu riskieren, damit die Energie wieder flie\u00dft. Und immer wieder zu schauen, ob die Ausrichtung der Organisation mit der eigenen Haltung und den eigenen Werten zusammen passt.<\/p>\n<p>Unger und Kleinschmidt, die sich damit besch\u00e4ftigt haben, was gute Arbeit ausmacht, empfehlen, sich regelm\u00e4\u00dfig Auszeiten zu nehmen, um sich solche Fragen zu stellen. \u201eEntspricht meine Arbeit noch meinen pers\u00f6nlichen Werten und Zielen? Achte ich gerade genug auf mich selbst, meine Rhythmen und K\u00f6rpersignale? Wie verantwortlich und wertsch\u00e4tzend bin ich mir selbst und mir wichtigen anderen Menschen gegen\u00fcber?\u201c Es geht um eine furchtlose Inventur, wie wir sie aus der Suchtkrankenhilfe kennen; ein Coaching oder eine Supervision k\u00f6nnen dabei hilfreich sein. Vielleicht auch einfach eine Zeit am Tage, in der wir die Stille auf uns wirken lassen. Ohne Selbstsorge kann die Sorge f\u00fcr andere auf Dauer nicht gelingen.<\/p>\n<p>Paradoxerweise ist das in der Sozialwirtschaft und gerade in Diakonie und Caritas besonders schwer. Wie andere Dienstleistungsbereiche auch leidet die Branche in besonderer Weise unter Kosten- und Arbeitsdruck. Hier werden keine \u00dcbersch\u00fcsse erwirtschaftet, die sich an Mitarbeitende verteilen lie\u00dfen. Aufgaben wie Erziehung, Pflege oder Hauswirtschaft, die traditionell von Frauen in den Familien oder erg\u00e4nzend von kirchlichen Einrichtungen \u00fcbernommen wurden, werden bis heute oft nicht als professionelle Dienstleistungen verstanden, die das Einkommen einer Familie sichern sollen. Ohne Zweifel h\u00e4ngt das geringe Einkommen auch damit zusammen, dass \u201eBeziehungs- und Zuwendungsarbeit\u201c grunds\u00e4tzlich niedriger bewertet wird als wissenschaftliche und technische Arbeit oder Managementaufgaben. L\u00e4ngst kommt es auch und gerade in Erziehung und Pflege zu einer zunehmenden Spreizung von Qualifikationen und Einkommen: einfache T\u00e4tigkeiten werden outgesourcet, Fachdienste oft teuer eingekauft und Mitarbeiter ohne weitere Zusatzqualifikationen m\u00f6glichst flexibel eingesetzt. Teams werden immer neu gemischt, einzelne Module und Dienstleistungen im Case Management aneinandergereiht &#8211; die Beziehungen geraten in Zerrei\u00dfproben und werden br\u00fcchig. Die Zeit, sie ist in sozialen Diensten das teuerste Gut, wird knapp &#8211; und so werden die \u201eResonanzfl\u00e4chen\u201c geringer und die M\u00f6glichkeiten, sich einzuf\u00fchlen und Feedback im Alltag aufzunehmen, schwinden.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><sup><sup>[8]<\/sup><\/sup><\/a> \u201eWie ich ber\u00fchre, so bin ich ber\u00fchrt\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> \u2013 aber wenn ich niemanden mehr wirklich begegne, werde ich auch selbst k\u00e4lter und distanzierter. Zielvereinbarungen, Nutzerfrageb\u00f6gen, Regelgespr\u00e4che k\u00f6nnen zwar daf\u00fcr sorgen, dass Feedback und damit Resonanz organisiert werden, sie bleiben aber letztlich Managementinstrumente, deren Sinnhaftigkeit immer neu erinnert und hergestellt werden muss. Wer Hilfebed\u00fcrftige nur noch ein kleines St\u00fcck auf dem Weg begleiten kann und nicht mehr sieht, wie es weiter geht, wer sich immer neu einlassen und schnell wieder abgeben muss, verliert das Kostbarste, was diese Berufe ausmacht: die Erfahrung heilender Begegnungen.<\/p>\n<p>Heike Lubatsch vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD hat eine Studie zu den Arbeitsbedingungen in diakonischen Krankenh\u00e4usern gemacht. Knapp 2000 Frageb\u00f6gen wurden in diakonischen Krankenh\u00e4usern in Niedersachsen versandt, etwa ein Drittel kam zur\u00fcck und konnte ausgewertet werden. Hinzu kamen 500 Frageb\u00f6gen in den neuen Bundesl\u00e4ndern sowie als Vergleichsgr\u00f6\u00dfe knapp 300 in st\u00e4dtischen H\u00e4usern. Ziel der Studie war es, mehr \u00fcber Arbeitszufriedenheit und Sinnerleben im Pflegeberuf zu erfahren. Angesichts hoher Burnout Gef\u00e4hrdung in der Pflege ging es dabei wesentlich um die Kraftquelle der Pflegenden. Es wird niemanden \u00fcberraschen, dass sich knapp die H\u00e4lfte der Befragten mit Entlohnung und Anerkennung ihrer Leistung unzufrieden zeigten, dass 80 Prozent \u00fcber Zeitdruck klagten \u2013 und dass beim Thema Zufriedenheit die vielf\u00e4ltigen Aufgaben und vor allem die sozialen Beziehungen zu den Kollegen ganz vorn standen. Das Wohl der Patientinnen und Patienten stand mit 80 Prozent an erster Stelle, aber gleich danach ein gutes Team, eine sinnstiftende Tradition und schlie\u00dflich die M\u00f6glichkeit zur Selbstverwirklichung in der Arbeit. Die SI-Untersuchung zeigt: Wenn diakonischer Anspruch und gelebte Wirklichkeit in einem eklatanten Widerspruch stehen, w\u00e4chst die Burnout Gef\u00e4hrdung, steigen die Fehltage<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><sup><sup>[10]<\/sup><\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>Die sch\u00f6nste Geschichte von Menschenw\u00fcrde und Mitleiden, die ich kenne, ist die vom Barmherzigen Samariter. Wie viele Gleichnisse geh\u00f6rt sie zu den Kraftquellen des christlichen Glaubens, an denen die Diakonie aber auch gemessen wird. Ich erinnere mich auch an die Wut der Patienten und Mitarbeiter, als zeitweilig in unserem Krankenhaus das kostenlose Wasser abgeschafft wurde, das bis dahin auf den Nachtischen stand. Weil das Herbeischaffen und Wegr\u00e4umen der Flaschen zu viele Personalkosten band, wurde der Service outgesourcet. Man musste das Wasser also kaufen. Eines Tages hatte ich einen w\u00fctenden Ehemann am Telefon. \u201eUnd das in einer Kirche, die vom barmherzigen Samariter redet\u201c, schrie er. \u201eNicht mal Wasser haben Sie f\u00fcr den, der im Dreck liegt.\u201c Er hatte Recht. Diese scheinbar kleine Entscheidung hatte die innere Achse, die Werte des Unternehmens besch\u00e4digt &#8211; und meine pers\u00f6nlichen gleich mit.<\/p>\n<p>Meist sehen die anderen, die Kunden, die Angeh\u00f6rigen, zuerst, wenn unsere Quellen versiegen. Wenn die Energie fehlt, die Begeisterung, wenn wir m\u00fcde und zynisch werden und nur noch funktionieren. Wenn die innere Flamme erlischt. Unser Umfeld merkt das so schnell wie unser Leib, auf den wir ja oft nicht h\u00f6ren. Wir sind ja keine Inseln, sondern miteinander verbunden. Aber es ist nicht leicht zu ertragen, wenn wir in \u00dcberforderungssituationen auch noch mit Fehlern konfrontiert werden. Trotzdem wissen wir: wenn solche Signale sich h\u00e4ufen, wird es Zeit, wieder neu zu kl\u00e4ren, was wir mit unserer Arbeit erreichen, wof\u00fcr wir uns einsetzen wollen, was uns heilig ist. Wir schlie\u00dfen ja nicht nur Vertr\u00e4ge mit unserem Arbeitgeber, sondern in gewisser Weise auch mit uns selber, wenn wir einen Beruf w\u00e4hlen, einen Job beginnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>4. \u201eDienet dem Herrn mit Freuden\u201c oder eigene Energie wieder finden<\/strong><\/p>\n<p>\u201eTu deinem Leib Gutes, damit Deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.\u201c Das Wort von Theresa von Avila erinnert daran, wie wichtig es ist, uns die Lebensfreude zu erhalten \u2013 gerade dann, wenn uns die Sorge f\u00fcr andere belastet. Deswegen gef\u00e4llt es mir eigentlich sehr gut, wenn \u00fcber manchem Mutterhaus der Diakonie zu lesen ist: \u201eDienet dem Herrn mit Freuden\u201c. Die Diakonissen, f\u00fcr die das einmal geschrieben wurde, wussten, dass sie R\u00fcckzugszeiten brauchten, um sich neu an ihre Kraftquellen anzuschlie\u00dfen, Priorit\u00e4ten zu kl\u00e4ren, sich vielleicht auch neu zu orientieren. \u201eEinkehrtage\u201c nannte man das damals. \u201eAuftanken\u201c w\u00fcrden wir vielleicht sagen. Das ist allerdings kein passiver Vorgang, so wenig wie \u00fcbrigens das Stillen, von dem ich am Anfang gesprochen habe. Sich rausziehen und alles andere ausblenden &#8211; das ist nur der Anfang. Das entspannt, aber es versorgt uns noch nicht mit Energie. Uns vitalisiert, was uns befreit und was uns begeistert.<\/p>\n<p>Marco von M\u00fcnchhausen hat in seinem Buch \u201eWo die Seele auftankt\u201c verschiedene M\u00f6glichkeiten dargestellt: ein gutes Essen, eine Massage, die Liebe genie\u00dfen. Musik h\u00f6ren oder besser noch Musik machen \u2013\u00a0wie viele Filme erz\u00e4hlen, wie ein Chor Menschen ver\u00e4ndern kann. Die eigene Stimme h\u00f6ren, die Lebendigkeit des K\u00f6rpers wahrnehmen. Natur erleben: Unter gr\u00fcnen Baumd\u00e4chern walken und beobachten, wie das Licht die Farben ver\u00e4ndert. Beim Tiefseetauchen ganz neue Welten entdecken. Sich bewegen und die Kraft im eigenen K\u00f6rper sp\u00fcren, seine Lebendigkeit wahrnehmen. Das tut gut. Oder Lesen und in eine andere Welt versinken; neulich erschien ein Buch \u00fcber Romane als Therapie. Oder auch Lachen &#8211; ganze Lachseminare leben davon, dass Lachen entspannt und gl\u00fccklich macht. Kinder lachen \u00fcbrigens im Schnitt etwa 400-mal t\u00e4glich, Erwachsene nur noch 15 mal &#8211; vielleicht, weil wir uns immer ein bisschen kindisch vorkommen, wenn wir uns begeistern oder \u00fcber eine Kleinigkeit lachen.<\/p>\n<p>Lachen entspannt und bringt unsere Energie zum Flie\u00dfen. Aber auch ein konzentriertes Tun, zum Beispiel Gartenarbeit, kann den Alltag vergessen lassen. Aufr\u00e4umen kann befreien, und gerade das Engagement f\u00fcr andere kann uns das sp\u00fcren lassen, dass unser Leben Sinn hat, dass es Freude macht, da zu sein. Horst Kr\u00e4mer, der ein Buch \u00fcber Soforthilfe bei Stress und Burnout geschrieben hat<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a>, sagt, wir f\u00e4nden am besten aus Belastungssituationen heraus, wenn wir wieder sp\u00fcren, dass wir die Lust und die Kraft haben, Ziele zu erreichen, uns selbst und unsere Umwelt zu ver\u00e4ndern. Und wenn wir uns auf das Miteinander verlassen k\u00f6nnen. Kollegen, auf die wir z\u00e4hlen k\u00f6nnen. Stabile Beziehungen auf der einen Seite und Herausforderungen, an denen wachsen, auf der anderen \u2013\u00a0das sei das Geheimnis eines erf\u00fcllten Lebens, sagt der Hirnforscher Gerald H\u00fcther.<\/p>\n<p>Abh\u00e4ngen und sich verw\u00f6hnen lassen gen\u00fcgt also nicht, wenn wir uns leer und kraftlos f\u00fchlen. Wenn die Lebensfreude schwindet und selbst Aufgaben, die gestern noch Spa\u00df gemacht haben, zur blo\u00dfen Pflicht werden. Es geht darum, aufzubrechen und uns auf eine innere Reise zu machen, wie es so viele tun, die auf einen Pilgerpfad gehen und mit den F\u00fc\u00dfen beten. Dabei kommt es letztlich darauf an, unseren Tag und dann auch unseren Alltag neu zu gestalten, eine neue Balance zu finden zwischen Anspannung und Entspannung. Zwischen zielgerichtetem Handeln und einem tragf\u00e4higen Miteinander, zwischen F\u00fcrsorge und Selbstsorge. Erinnern Sie sich an die Antworten der Pflegenden zur Frage nach ihren Kraftquellen? Die Resonanz ihrer Patientinnen und Patienten und ein gutes Team, hilfreiche Traditionen und eigenes Wachstum standen ganz oben. Immer, wenn wir auf der Beziehungsebene weiter gekommen sind, wenn wir uns von einer Person oder eine Gruppe anerkannt und eingebunden f\u00fchlen, sp\u00fcren wir auch Erfolg. Wenn wir aber alle Energie aufs Funktionieren richten, dann sp\u00fcren wir am Ende m\u00f6glicherweise nicht einmal mehr die eigene Anspannung, selbst Schmerz und Entt\u00e4uschung nicht. Genau deshalb ist es so wichtig, inne zu halten und eben auch die Warnsignale des K\u00f6rpers ernst zu nehmen. Manchmal gen\u00fcgen viel Schlaf und ein warmes Bad, oder auch Tai Chi und Yoga, manchmal muss es die Seelenspeise aus unserer Kindheit sein, damit wir rauskommen aus Rechtfertigungsdruck und guten Ratschl\u00e4gen, aus Zeitdruck und Selbst\u00fcberforderung. Religion kann dabei helfen. Mit ihren Bildern und Ritualen ist sie ein Angebot, unseren Ort im Lebenslauf, \u201ezu verleiblichen und zu vergemeinschaftlichen\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>5. Beseelte Orte und Seelenverwandte<\/strong><\/p>\n<p>Die Psychoanalytikerin Ingrid Riedel<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> hat ein Buch geschrieben, in dem sie ihre Seelenorte vorstellt. Die Tempelanlage der Erdmutter auf Malta kommt da vor, ein Isis Tempel in Libyen \u2013 wer wei\u00df, ob er noch steht \u2013 das Kloster der Hildegard von Bingen auf dem Disibodenberg, das Labyrinth in Chartres und die Menhire in Frankreich und das Meditationszentrum Neum\u00fchle. Kraftorte, die \u2013 wie sie schreibt, in ihrer stimmigen Ganzheit das Gef\u00fchl von Ganzheit in ihr selbst geweckt haben. \u201eWoher mag es kommen, dass wir in den letzten Jahrzehnten in breiten Kreisen eine solche Faszination durch beseelte Orte erfahren?\u201c, fragt Ingrid Riedel. Sie meint, es m\u00fcsse mit einer Art von Heimweh zu tun haben, das viele ergreift. In einer Welt, die sich rasch ver\u00e4ndert und uns hin und hertreibt, suchen wir Wurzeln, die \u00fcber unsere einzelnen Projekte, Lebensabschnitte, ja, \u00fcber unsere individuelle Geschichte hinausreichen. Beseelte Orte eben, in denen unsere Seele zu Hause sein kann wie in einem gr\u00f6\u00dferen Leib.<\/p>\n<p>Als ich das Buch vor einigen Jahren gelesen habe, begann ich ganz unwillk\u00fcrlich meine eigene Liste der beseelten Orte hinzu zu f\u00fcgen. Das 400 Jahre alte Fachwerkhaus, in dem ich meine Kindheit verbracht habe, die Klagemauer in Jerusalem, und auch die Kaiserswerther Diakonie, die mir ja eigentlich ein Arbeitsort war. Wer durch die alten diakonischen Gr\u00fcndungsorte wie Bethel, Herrnhut oder das Rauhe Haus geht, der ersp\u00fcrt schon in der Anlage der H\u00e4user und Friedh\u00f6fe , in den Bibelworten und Bildern an den W\u00e4nden eine faszinierende Verbindung von Innen und Au\u00dfen, von Spiritualit\u00e4t und sozialem Engagement. In Kaiserswerth geh\u00f6rt auch die Natur dazu: die alte Zeder, die Fliedner aus dem Libanon mitgebracht hat, die Apfelplantagen, die von der Gartenbauschule \u00fcbrig geblieben sind, Rosen und Linden auf dem Friedhof nach Herrnhuter Art. Der Rosenduft im Sommer und die Glocken der Mutterhauskirche morgen, mittags und abends bilden eine Art Klangheimat \u2013 und das alles zusammen macht den Zauber aus \u2013 in mancher Hinsicht ist es auch hier l\u00e4ngst der Zauber vergangener Zeiten mit ihren regelm\u00e4\u00dfigen Andachten, Ein- und Aussegnungen.<\/p>\n<p>Aber trotzdem bleibt da eine Sehnsucht, ein Hunger nach Orten und Augenblicken, in denen wir auch am Arbeitsplatz Sinn und Motivation sichtbar, h\u00f6rbar, sp\u00fcrbar um uns haben. In den R\u00e4umen wie in den Ritualen. Und dieser Wunsch ist berechtigt. Martina H\u00f6ber, mit der ich viel in F\u00fchrungstrainings zusammengearbeitet habe, hat immer wieder daran erinnert, dass zur Identit\u00e4t einer Organisation auch um die physische Ausstattung der H\u00e4user und der Umgang mit Zeit und Ritualen in den Arbeitsprozesse geh\u00f6rt. Es geht um die Gestaltung der Eingangshallen und B\u00fcros, der Betriebsrestaurants, um Studios und R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr intensive Gespr\u00e4che, die Erm\u00f6glichung von Auszeiten. Firmen im Silicon Valley, aber auch kleine Unternehmen, die hier f\u00fcr Nachhaltigkeit stehen, sind gro\u00dfe Vorreiter darin. Zeit und Raum sind aber zugleich wesentliche Kategorien der diakonischen Arbeit selbst \u2013 von der Jugendhilfe \u00fcber die Wohnungslosenhilfe bis zur Pflege haben wir es ja immer mit K\u00f6rper und Lebensrhythmen, mit Herkunft und mit sinnlicher Wahrnehmung zu tun. Die Sch\u00f6nheit und der Zauber der alten diakonischen Einrichtungen sollten die Prozesse des Zu-sich-selbst-Kommens unterst\u00fctzen &#8211; genauso wie heute ein Hotel f\u00fcr Wohnungslose oder ein Generationengarten. Seit den 80er Jahren aber hatten die \u00d6konomisierungsprozesse im Sozialen dazu verf\u00fchrt, Zeit eben nicht mehr in Rhythmen von Werden und Vergehen, sondern nach Planung und Wirkung zu berechnen und R\u00e4ume zu funktionalisieren. Im Wettbewerb um die g\u00fcnstigsten Pfleges\u00e4tze wurden die sch\u00f6nen Gr\u00fcnderzeith\u00e4user zu gro\u00df und zu teuer, die Parkpflege unbezahlbar und die gemeinsamen Tischzeiten schwanden.<\/p>\n<p>Immer wieder einmal werde ich gefragt, ob es f\u00fcr Kirche und Diakonie nicht an der Zeit w\u00e4re, aus dem Gesundheits- und Sozialmarkt auszusteigen. Ich denke dann an Theodor Fliedner, den Gr\u00fcnder von Kaiserswerth. Der hatte damals klare Kriterien, wann er seine Diakonissen aus einem Krankenhaus zur\u00fcckzog. Dabei ging es um Qualit\u00e4t und Ethik der Pflege, um Sauberkeit, gute Versorgung und medizinische Behandlung, \u2013 es ging aber auch um die Gesundheit der Schwestern, dass sie Urlaub und dass sie Zeit genug zur Erholung hatten. Was uns f\u00fcr unsere Klienten wichtig ist, das brauchen die Mitarbeitenden eben auch. Tragf\u00e4hige Netze, inspirierende Begegnungen und Orte, an denen man sich gern aufh\u00e4lt. Sie brauchen Zeit, sich gut zu versorgen, f\u00fcr Bewegung, gute Ern\u00e4hrung und gemeinsame Mahlzeiten.<\/p>\n<p>Nach der Zeit der Zweckbauten und Kantinen kehrt jetzt hier und da etwas von dem zur\u00fcck, was die Mutter- und Bruderh\u00e4user jahrzehntelang gepr\u00e4gt hat: die Gastfreundschaft. Ob Haus der Stille oder Mehrgenerationenhaus, ob Familienzentrum oder Obdachlosen-Caf\u00e9- immer geht es um einen Platz, an denen, wo man freundlich empfangen wird, gemeinsam essen und reden und auch G\u00e4ste einladen kann. Auch die Andachts- und Abschiedsr\u00e4ume, meditative Labyrinthe und Caf\u00e9s wurden in den letzten Jahren neu entdeckt und gebaut. Und auch Gartenprojekte und gemeinsame Mittagstische f\u00fcr jeden im Quartier haben wieder Konjunktur. Die Arbeit mit denen, die oft vergessen und marginalisiert sind, hat wesentlich dazu beigetragen: in Krankenh\u00e4usern und Pflegeeinrichtungen wurden die ersten Abschiedsr\u00e4ume eingerichtet, in Vesperkirchen die Mittagstische f\u00fcr Obdachlose. Gastliche R\u00e4ume holen offene Fragen aus der Tabuzone.<\/p>\n<p>Der Ethik- und Palliative-Care-Prozess in der alten Kaiserswerther Diakonie begann mit den Tr\u00e4nen einer Schwester. \u201eNach vier Jahren in der Lungenklinik kann ich meine Traurigkeit nicht mehr herunterschlucken\u201c, sagte sie. Sie hatte zu viel Abschied erlebt \u2013 und zu wenige M\u00f6glichkeiten gehabt, ihre Gef\u00fchle wahrzunehmen und zu gestalten. Mit diesen Tr\u00e4nen begann etwas Neues &#8211; zun\u00e4chst mit einer ehrenamtlichen Hospizgruppe von Schwestern in der Rente, die sich endlich Zeit nehmen konnten, am Bett zu sitzen und ganz da zu sein. Ich habe die Anfangsschwierigkeiten nicht vergessen &#8211; zun\u00e4chst einmal st\u00f6rte sie den Betrieb. Aber dann kam der Aufbruch. Die Atemtherapeutin, die Stationsschwester, ein junger Arzt arbeiteten mit und aus der kleinen Gruppe wurde eine Bewegung, die mehr als 200 Leute in Krankenhaus und Altenhilfe erfasste. Die Schreinerei entwickelte eine kleine Schub-Lade mit Kerze, Spruchkarte, Kreuz und einem wei\u00dfen Deckchen f\u00fcr den Nachtisch \u2013 f\u00fcr jede Station, f\u00fcr jede Pflegekraft, die einen Abschied gestalten will. Und in das wei\u00dfe Tuch stickten Ehrenamtliche aus der Paramentik einen Schmetterling als Zeichen der Wandlung. Es hat mich begeistert, zu sehen, wie diese Arbeit immer neue Fr\u00fcchte trug \u2013 ganz greifbar und praktisch vom Mosesk\u00f6rbchen in der Geburtsstation bis zur Ethikberatung in der Altenhilfe \u2013 das Sch\u00f6nste war, dass Mitarbeitende sich befl\u00fcgelt f\u00fchlten, weil sie endlich wieder die eigene Berufung sp\u00fcrten. Wer in diesem Sinne bei sich selbst ist, kann auch bei anderen bleiben. Aber zu sich selbst und zu anderen kommen, die eigenen Gef\u00fchle und die der anderen wahrnehmen &#8211; das braucht Gestaltung in Zeit und Raum.<\/p>\n<p>Die gegenw\u00e4rtigen Umbruchprozesse in diakonischen Unternehmen machen das Bleiben allerdings schwer. Fusionsprozesse und Neuaufstellungen wirbeln ganze Teams durcheinander, viele verlieren den Halt auf ihrer Station, in ihrem Haus oder Arbeitsbereich. Manche steigen aus, qualifizieren sich weiter, wechseln den Job, andere f\u00fchlen sich \u201eabgeh\u00e4ngt\u201c. Wir sind Beziehungswesen \u2013 auch wenn wir herauswachsen aus der Symbiose von Mutter und Kind, die am Anfang unsere Sehnsucht stillt &#8211; letztlich sind wir in jedem Alter auf Anerkennung und das Wohlwollen anderer angewiesen. Der Wirtschaftstheoretiker Adam Smith hat diesen Gedanken in seiner Theorie der ethischen Gef\u00fchle f\u00fcr die moderne Wirtschaft herausgearbeitet. \u201eIn einer zivilisierten Gesellschaft ist der Mensch st\u00e4ndig und in hohem Ma\u00dfe auf die Mitarbeit und Hilfe anderer angewiesen. Doch reicht sein ganzes Leben gerade aus, um die Freundschaft des einen oder anderen zu gewinnen&#8230;\u201c<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a>.<\/p>\n<p>Freundschaften und Seelenverwandtschaften sind gerade heute wichtig, in unserer Zeit der flexiblen Arbeitsverh\u00e4ltnisse. Und die Kolleginnen und Kollegen spielen dabei eine wichtige Rolle &#8211; manche sprechen schon von Frollegen. Es tut gut, zu wissen, wem wir vertrauen k\u00f6nnen, wohin wir geh\u00f6ren, wenn wir an die Arbeit gehen. Wir sind darauf angewiesen, dass Informationen flie\u00dfen, dass wir R\u00fcckmeldungen bekommen und geben k\u00f6nnen, dass wir uns einmischen k\u00f6nnen, wenn unsere Arbeit sich ver\u00e4ndert. Wir brauchen Besprechungen, die mehr sind als das Abhaken von to-do-Listen, Zeiten zum Austausch, Probleme zu kl\u00e4ren, einander Mut zu machen. Und eben auch Zeiten und R\u00e4ume, die aus dem Alltag herausgenommen sind. Ein Raum der Stille, ein Einf\u00fchrungskurs, ein Ethikzirkel, aber auch Feste und Fachtage wie heute geben die Chance, uns klar zu machen, wo wir stehen, wohin wir geh\u00f6ren, wohin wir unterwegs sind. In Gruppengespr\u00e4chen, beim gemeinsamen Essen, in einem gemeinsamen Abschluss entsteht ein Resonanzraum, der \u00fcber den Augenblick hinausweist, unsere Rollen \u00fcberschreitet und unsere Gef\u00fchle einbezieht. Das macht Lust, zusammen weiter zu arbeiten. Weil auch die Seele ihren Platz wieder gefunden hat. Im Leib, in der Gemeinschaft und an ihrem Ort. Das alles gilt es zu pflegen, damit der Spirit sozialer Arbeit erhalten bleibt.<\/p>\n<p>Wir sind dazu ausgebildet, auf die Bed\u00fcrfnisse anderer zu achten und f\u00fcr sie zu sorgen. Vielleicht geh\u00f6rt dazu auch die Vorstellung, dass von den Menschen, denen wir Zuwendung geben, etwas zu uns zur\u00fcckkommt. Wenn uns die Resonanz fehlt, f\u00fchrt das manchmal dazu, dass wir noch mehr tun und uns selbst dabei vergessen. Bis eben nichts mehr geht. Wenn es soweit ist, dann gibt es nur eines: da anfangen, wo der Schmerz sitzt \u2013 bei der Wut, der Entt\u00e4uschung vielleicht. Sich die uneingestanden W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse bewusst zu machen. Und wirklich zu begreifen, dass F\u00fcrsorge ohne Selbstsorge nicht funktioniert. Dass wir uns selbst gut tun. Und dann klein beginnen &#8211; einen Tag f\u00fcr sich selbst nehmen; den Arbeitsplatz neu gestalten, ein paar Blumen kaufen, einen Spaziergang machen. Es gab eine Zeit, da hatte ich 20 Ideen, wie ich mir gut sein konnte, am K\u00fchlschrank h\u00e4ngen. Und eine andere, in der ich mit den Jahreszeiten wunderbare Rituale aus einem Jennifer Loudens Wohlf\u00fchlbuch f\u00fcr Frauen<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> ausprobierte.<\/p>\n<p>Meine Erfahrung ist, irgendwas geht immer, um zur\u00fcck in die Spur zu kommen. F\u00fcr mich am besten: Walken und Tagebuch schreiben. Bis ich den Kopf frei kriege und meine Seele auch. Und es ist gut, dabei Begleiter zu haben \u2013 Freunde, Personaltrainer, geistliche Begleiter. Da geht es uns nicht anders als denen, die uns begleiten. Auch eine Erfahrung von Theresa von Aquila hilft mir: die innere Burg, der Schutzraum in mir selbst. Oder \u2013 wie es die Hypnotherapeuten sagen: die innere Kapelle. Es tut gut, in Stille und Meditation, irgendwo im Gr\u00fcnen oder auf einer Yogamatte, den Ort aufzusuchen, an dem unsere Seele zur Ruhe kommt. Dieser Raum ist immer da \u2013 wir tragen ihn in uns. Meiner sieht \u00fcbrigens aus wie der Chorraum der Zionskirche in Bethel: ganz ausgeschm\u00fcckt mit Sternen auf blauem Grund. Als ich das entdeckte, habe ich endg\u00fcltig begriffen, wie sehr Innen und Au\u00dfen, Leib und Seele, Lebenswege und Seelenwege verschr\u00e4nkt sind. Wir sind im Leib und in der Welt \u2013 und gerade so machen wir wunderbare Erfahrungen. Wer darauf achtet und achtsam mit sich umgeht, tut sich gut. Und anderen auch.<\/p>\n<p>Cornelia Coenen-Marx, M\u00fchlhausen, 18.9.15<\/p>\n<h5><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Marco von M\u00fcnchhausen, Wo die Seele auftankt, Frankfurt 2004<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. auch: Ulrike Krasberg, Godula Kosack, Und was ist mit der Seele? Frankfurt 2009<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Ariadne von Schirach, Du sollst nicht funktionieren &#8211; F\u00fcr eine neue Lebenskunst, M\u00fcnchen 2014<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> 4. Mose 22, 21 ff.<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. z.B. Volker Fintelmann, Marcela Ullmann, Warnsignale des K\u00f6rpers, Beschwerden von K\u00f6rper und Seele ganzheitlich verstehen, M\u00fcnchen 2004<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Zitiert nach Anselm Gr\u00fcn, Buch der Lebenskunst, Freiburg 2002<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Unger, Hans-Peter\/ Kleinschmidt, Carola: Bevor der Job krank macht, M\u00fcnchen 2006.<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Vgl. die \u00dcberlegungen von Hartmut Rosa zu \u201eBeschleunigung. Ver\u00e4nderung der Zeitstrukturen in der Moderne, Berlin 2005 \u2013 und seitdem vielf\u00e4ltige Aufs\u00e4tze und Texte zu Resonanz und Beschleunigung vom gleichen Autor<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Klaus M. Meyer-Albich.<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> \u201eF\u00fchrung macht den Unterschied\u201c, Heike Lubatsch, Sozialwissenschaftliches Institut der EKD, Hannover 2012<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a>Horst Kr\u00e4mer, Soforthilfe bei Stress und Burn-out, M\u00fcnchen 2010<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Ingrid Riedel, Beseelte Orte, Stuttgart 2001<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Adam Smith, Theorie der ethischen Gef\u00fchle, Hamburg 1977, S. 127<\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Jennifer Louden, Tu dir gut, Das Wohlf\u00fchlbuch f\u00fcr Frauen, Freiburg 1997<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Leib und Seele zusammenhalten Ein kleines Dorf in Pennsylvania wurde in den 60er Jahren ber\u00fchmt: Roseto. Das Dorf, das&#8230; <a href=\"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/?page_id=1217\">read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":542,"menu_order":95,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1217","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1217"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1217"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1217\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1218,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1217\/revisions\/1218"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/542"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seele-und-sorge.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1217"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}