Beirut

Nothilfe Beirut / Libanon

In der deutschen Gemeinde wurden im Appartementhaus im wesentlichen Fenster im Gemeindebereich und in den Wohnungen zerstört, die Pfarrwohnung blieb unversehrt. Am Kirchengebäude sind keine Beschädigungen festzustellen. Es sind Mitarbeiter vor Ort, die mit Aufräumarbeiten begonnen haben und sich um die Gebäude und das Gelände kümmernDie NEST ist stärker betroffen: zerbrochene Glasscheiben und herausgerissene Türen auch innerhalb des Gebäudes, auch hier wohl keine Verletzten.
Die Kirche der National Evangelical Church of Beirut wurde verwüstet, die kostbaren Glasfenster zerstört. Pfarrer Habib Badr hatte gerade sein Büro verlassen, als Teil der Decke auf seinen Schreibtisch fielen.Das Gebäude des Middle East Council of Churches (MECC) ist nur mäßig beschädigt, die NESSL berichtet von zerstörten Fenstern und Türen ihrer Gebäude und Gemeinden.
Keine der genannten Institutionen berichtet von Verletzten oder gar Getöteten. Seitens der EMOK haben wir gestern einen Brief an MECC, FMEEC, NESSL und NEST formuliert, den Herr Dröge als Vorsitzender unterschrieben hat und der heute per Mail verschickt wird.

Herzliche Grüße
Martin Pühn
Oberkirchenrat Martin Pühn, Referatsleitung Naher und Mittlerer Osten

Falls Sie spenden möchten:


Sehr geehrte, liebe Bezieherinnen und Bezieher des Nahost-Infodienstes der EMS,

zwei Wochen liegt die verheerende Explosion in Beirut jetzt zurück. Viele von Ihnen haben sehr positiv auf meinen diesbezüglichen Rundbrief vom 5. August reagiert; für zahlreiche Spenden bedanken wir uns in diesen Tagen persönlich per Brief – übrigens nicht allein für die Libanon-Nothilfe, sondern auch für die Spenden zur Corona-Nothilfe an die Schneller-Schulen. Aber auch für alles Mit-Denken, Mit-Leiden und Mit-Beten möchte ich auf diesem Wege herzlich danken. Unsere Freundinnen und Freunde im Nahen Osten, aber auch wir in der EMS-Geschäftsstelle, sind überwältigt von so viel Anteilnahme. 

Nun möchte ich (im Anhang dieser Mail) noch einen weiteren Brief verschicken. Er stammt von Pfarrer Dr. Habib Badr, dem Leitenden Geistlichen der National Evangelical Church in Beirut (NECB) und stellvertretendem Missionsratsvorsitzenden der EMS. Er hat mich gebeten, dieses Schreiben an Sie weiterzugeben. Bitte verstehen Sie es nicht so, dass ich damit nun ein zweites Mal betteln möchte – vor allem nicht bei denen, die bereits gespendet und womöglich noch gar kein Wort des Dankes von mir gehört haben. In diesem Fall nehmen Sie den Brief bitte einfach als Informationsschreiben – und in allen anderen Fällen vielleicht als kleine zusätzliche Motivation, jetzt ganz besonders an der Seite der Menschen im Libanon zu stehen!

Drei spontane Eindrücke möchte ich noch hinzufügen:

  1. Als wir vor zwei Wochen bereits wenige Minuten nach der Explosion die ersten Videoclips aus der evangelischen Kirche in Beirut erhielten, da fiel der Blick immer wieder auf die großen, farbigen Seitenfenster der Kirche, die allesamt in den Kirchenraum gestürzt waren. Dabei hoffte ich immer wieder, dass jemand von den Filmenden sein Handy auch mal nach oben richten würde, zum ehemaligen Rosettenfenster genau über dem Altar. Dort war nach den Zerstörungen des Libanesischen Bürgerkrieges (1975-1990) nämlich das von einem örtlichen Künstler gestaltete „Wiederaufbau-Fenster“ eingesetzt worden, welches ebendiese Kirche einmal nicht im Beiruter Häusermeer, sondern sonnenbeschienen „auf einer grünen Aue“ vor dem Jabal Ash-Sheikh, dem Hermon-Gebirge, zeigt. Dieses Wiederaufbau-Fenster hatte vielen Menschen in der Gemeinde immer wieder Hoffnung gemacht, dass bei Gott auch nach der schlimmsten Zerstörung Heilung möglich ist. Doch jetzt wollte offenbar niemand von den unter Schock stehenden Leuten in der Kirche sein Handy zum Filmen nach oben richten, und in einer Dienstbesprechung sagte ich: „Wir wissen nicht, ob auch dieses Fenster kaputt ist, oder vielleicht doch noch heile.“ Eine Kollegin von mir erwiderte darauf: „Doch, es ist heile!“ – „Wie kannst du das wissen?“, fragte ich ungläubig. „Ich habe es gesehen. Im Video“, antwortete sie. Dann zeigte sie mir das Video noch einmal, ganz langsam. Und tatsächlich: In einem Moment war das Wiederaufbaufenster erkennbar. Nicht am oberen Bildrand freilich, sondern als Spiegelbild in einer der unten liegenden Scherben. Und wie man am Spiegelbild sehen konnte, war das Fenster ohne Zweifel unbeschädigt. Erst zwei Tage später schickte mir eine Bekannte aus Beirut ein Foto, welches dies noch einmal bestätigte. Manchmal muss man den Blick wohl zuerst genauer auf das Verwundete richten, bevor sich eine Perspektive auf die mögliche Heilung eröffnet. Und wie sagt der Apostel Paulus? „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.“ (1 Korinther 13,12)
  2. Gestern telefonierte ich mit Joyce Khoury, der Leiterin des evangelischen Moadieh-Altenheims in Beirut. Ich hatte an das Altenheim bislang im Zusammenhang mit der Explosion gar nicht gedacht – vermutlich, weil es doch zwischen mehreren Hochhäusern so geschützt und zudem so weit vom Explosionsort entfernt liegt, dass mir ein möglicher Schaden dort gar nicht in den Sinn gekommen war… Ich hatte mich geirrt. Auch dort hat es den gläsernen Eingangsbereich und viele Fenster eingedrückt. Joyce sagte mir: „Die Scheiben sind gar nicht so wichtig. Schlimmer sind bei unseren Bewohnerinnen jetzt eher die Traumata aus dem Bürgerkrieg, die nun wieder hochgekommen sind. Wir haben das Geld, das wir noch hatten, jetzt nicht in Glas investiert, sondern in eine gute Therapeutin, die mit den alten Menschen in diesen Wochen arbeitet.“
  3. Auch mit Pfarrer Habib Badr habe ich dann noch einmal telefoniert. Als er mich darum bat, Ihnen seinen Dank für alle Unterstützung weiterzugeben, erwähnte er in einem Nebensatz, dass er einen Teil der Gelder auch verwenden wolle, um den Griechisch-Orthodoxen Geschwistern beim Wiederaufbau zu helfen, deren Kirche von der Explosion noch viel schlimmer getroffen worden sei.

So sieht es wohl aus, wenn Menschen aus Glauben heraus handeln. Danke, dass Sie sich diesem Dienst verbunden wissen!

Mit herzlichen Grüßen,
Ihr
Pfarrer Dr. Uwe Gräbe 

Verbindungsreferent Nahost / Liaison Secretary Middle East
Geschäftsführer des Evang. Vereins für die Schneller-Schulen / Executive Secretary Evang. Association for the Schneller-Schools  
EMS – Evangelische Mission in Solidarität e.V. 
EMS – Evangelical Mission in Solidarity