Älterwerden & Diakonie

von den Aeltesten lernen

„Von den Ältesten lernen – Chancen einer alternden Kirche“

Beispiele gelingender Praxis gesucht!

Die Alternsforschung zeigt immer deutlicher, wie viele Energien und Impulse ältere Menschen in die Zivilgesellschaft einzubringen haben. Das gilt nicht nur für das so genannte dritte Lebensjahrzehnt, sondern auch für das vierte. Mehr als die Hälfte engagieren sich bis zum 85. Lebensjahr und darüber hinaus für andere Menschen. und mehr als zwei Drittel beschäftigen sich intensiv mit der Lebenssituation und Entwicklung ihnen nahe stehender Personen. Dabei ist es wichtig, Selbstverantwortung und Selbständigkeit zu erhalten, aber auch geachtet und gebraucht zu werden. Entgegen manchen Annahmen ist Hochaltrigkeit also keineswegs selbstverständlich mit Bedürftigkeit und Pflege gekoppelt; es geht nicht nur darum, sich um diese Zielgruppe zu „ kümmern“: Vielmehr haben finden sich unter den Menschen über 85 besonders viele, die sich um andere sorgen und in unterstützenden und anteilnehmenden Gesprächen, aber auch mit Alltagshilfen für andere da sind. (vgl. die Generali-Hochaltrigenstudie: Teilhabe im hohen Alter auf www.generali-zukunftsfonds.de)

Das Paradigma der „ Betreuung“, mit dem auch Kirche und Diakonie gelegentlich noch den Herausforderungen des demographischen Wandels begegnen, stimmt also nicht mehr. Hochbetagte bringen vielmehr wichtige Sorge-Kräfte und spirituelle Erfahrungen ein, die für die nächsten Generationen äußerst wertvoll sind. Längst zeigen eine Reihe von Untersuchungen und Forschungsreihen in Alternsforschung und Diakoniewissenschaften, dass die Altersbilder in der Gesellschaft sich mit dem neuen Selbstbewusstsein gerade auch der „jungen Alten“ ändern. Und auch die Kirche versteht sich als Teil dieser zivilgesellschaftlichen Bewegung. Das zeigt zum Beispiel die Orientierungshilfe „Im Alter neu werden können“, die der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland im Jahr 2010 herausgebracht hat. Aber natürlich gibt es auch noch Brüche zwischen kirchlichen und diakonischen Angeboten, zwischen denen für aktive und für pflegebedürftige oder demenzkranke ältere Menschen-noch immer gibt es Ausgrenzung, wo Inklusion und Zusammenarbeit angezeigt wären. Kirche und Diakonie erleben eben eine Umbruchszeit: die Masse der Kirchenmitglieder wird älter, die finanziellen Ressourcen geringer, zugleich aber wollen und können sich immer mehr Menschen mit hoher Kompetenz und breiter Lebens- und Glaubenserfahrung für das Gemeinwesen einsetzen.

In einem Projekt mit dem Institut für Gerontologie in Heidelberg möchte ich intensiver untersuchen, wie Projekte der Gemeinwesendiakonie und ‚Quartiersarbeit, der Zusammenarbeit zwischen Seelsorgenden in Gemeinde- und Altenhilfe dazu beitragen können, den notwendigen Wandel zu gestalten. Ich bin überzeugt: Es geht darum, von den ‚Ältesten zu lernen, die Freiheit und den weiten Horizont des hohen Alters zu nutzen, das Generationenerbe weiter zu geben und damit auch zu neuen Formen des Miteinanders der Generationen zu finden. Gerade die Kirche hat hier viel beizutragen- sie hat eine lange Tradition, „ der Ältesten Rat“ hoch zu schätzen.

Dazu suche ich Beispiele gelingender Praxis. Ich freue mich, wenn Sie mich auf ein spannendes Projekt hinweisen können. coenen-marx@seele-und-sorge.de