Interviews

Zum Thema Grenzen- handrianswall_Schottland

Die Seele des Sozialen

Bewusstseinswandel von Unternehmen und Gesellschaft in Zeiten der Demografie und Globalisierung

Interview mit Elisabeth Porzner-Reuschel zur Consozial 2014

Weit mehr als ein Jahrhundert ist vergangen seit die Diakonie gegründet wurde und Otto von Bismarck die Sozialgesetzgebung ins Leben gerufen hat. Seitdem hat sich der Sozialstaat kontinuierlich weiter entwickelt und war bis in die Zeiten des Wohlfahrtstaats erstaunlich stabil. In Folge des demografischen Wandels und der Globalisierung ändert sich dies jedoch seit Mitte der 80er Jahre mit der Wende, der europäischen Entwicklung und der Finanzkrise spürbar.

„In Zeiten, in denen die Staatsverschuldung hoch und Pflege nicht mehr nur eine Dienstleistung sein kann, ist zu überlegen, wie die Dinge neu zu ordnen sind“, so Oberkirchenrätin Cornelia Coenen-Marx, Evangelische Kirche in Deutschland Referentin. „Denn: Die soziale Arbeit hat sich von einer auf Aufopferung setzenden Dienstgemeinschaft zu einem auch nach unternehmerischen Kriterien geführten Dienstleister mit selbstbewussten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus verschiedenen sozialen Kontexten entwickelt.“ Die Oberkirchenrätin: „Unter den knappen Rahmenbedingungen fordern die Umbrüche in der Pflege und bei der Inklusion ein völlig anderes Justieren .

„Um zu begreifen, was das bedeutet, müssen wir erst einmal feststellen, was die Ursprungsenergien der Diakonie waren und wie wir diese heute an anderer Stelle einbinden wollen. Es geht um Gemeinschaft, Spiritualität und ehrenamtliches Engagement. „Sicherlich sind Kirche und Staat gefordert, doch auch unsere Gesellschaft braucht ein neues Bewusstsein“, ist die Referentin überzeugt. „Wir werden wieder einen fürsorglicheren Umgang entwickeln müssen.“ Ehrenamtliches Engagement sei hier genauso gefragt wie Toleranz bei Konflikten, die dort entstehen, wo Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kultur zusammenarbeiten.

Eine Tatsache wird bei diesen Veränderungen sicher helfen: Offensichtlich sehnen sich die Menschen gerade wieder nach diesen Werten. Cornelia Coenen-Marx stellt fest: „Viele haben einen deutlichen Wunsch nach Gemeinschaft, einem aktiven Miteinander und gegenseitiger Unterstützung. Auch der Wunsch nach spirituellen Erfahrungen hat zugenommen. Klöster werden wieder häufiger besucht, und auch im Westen erfreut sich der Buddhismus immer größerer Beliebtheit.“

Was bleibt: Es wird dennoch einer gewaltigen Überzeugungsarbeit und Kraft bedürfen, um diese Änderungen auf allen Ebenen zu initiieren – in der Unternehmensführung wie in Nachbarschaftsinitiativen. Cornelia Coenen-Marx: „Letztlich gehört auch Mut dazu, sich an diese Umstrukturierungen und Innovationen zu wagen! Wer es tut, wird aber auch neue Energien spüren!“